mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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Zum Nationalitälenkamps in Oesterreich.
In dem Budgetprovisorium des österreichischen Abgeordnetenhauses hielt der neue Ministerpräsident Bienerth eine Rede, die sich mit den Prager Exzessen beschäftigte. Er erklärte:
Die Verhängung des Standrechts richte sich weder gegen eine Nationalität, noch gegen eine Partei,' die volle Schärfe der Maßregel richte sich vielmehr gegen jene zügellosen Elemente, die der Feind aller find, auch gegen !«ne, welche die nationale Verblendung und Leidenschaft in offenkundiger Absicht entfachten, um ?erade in dem gegenwärtigen ernsten Augen- licke (Zwischenrufe) die Äktionskraft Oesterreichs durch Anzettelung innerer Wirren zu schwächen. Aber der Staat, der in den schwersten Stürmen, die Europa heimsuchten, sich kraftvoll zu behaupten wußte, ein Staat von Oesterreichs politischer und militärischer, sowie wirtschaftlicher Stärke wird weder vor Straßenexzessen gesetzloser Elemente abdanken, noch vor der Wühlarbeit gewisser Staatsfeinde, die vor ganz Europa die Ohnmacht unserer öffentlichen Gewalt affichieren möchten. (Lebhafter Beifall und anhaltende Zwischenrufe.) Die Regierung erfüllte nur die ihr durch den kategorischen Imperativ vorgezeichnete Pflicht, den Versuch jeder anarchischen Bewegung niederzuschlagen (lebhafter Beifall, Zwischenrufe) und die Autorität des Rechtes wiederherzustellen. (Beifall.) Deshalb bitte er das Haus, die Absichten der Regierung, die gesetzmäßige Ordnung wiederherzustellen, zu würdigen. (Beifall. Zwischenrufe.) Er weist mit allem Nachdruck die gegen den Statthalter Eoudenhove erhobenen Vorwürfe zurück und erklärt hierauf in einer Polemik gegen Dr. Adler, der mit großer Beflissenheit die parlamentarische Gesinnung der Regierung bestritten habe, mit größter Entschieden- hrit: Ich will das Parlament, ich glaube an das Parlament, und was in meinen Kräften steht, wird geschehen, um den Parlamentarismus erstarken zu machen. (Beifall.) Ich empfand die größte Genugtuung über die Probe von Besonnenheit und Mäßigung, di« das Haus am Tage nach der Verkündigung des Standrechts äblegte. Der Bemerkung Adlers, daß man der studierenden Jugend nicht die ?olitische Führung überlassen dürfe, imme ich bereitwillig bei. Ich glaube aber, es fei höchste Zeit, daß die akademischen Bürger wieder zu Studenten werden. (Lebh. Beifall.)
Der Ministerpräsident besprach sodann die Schaffung einer italienischen Rechtsfakultät. Er erklärte, die Regierung hielt über die Art und Weise, wie die italienischen Studenten ihren Wünschen Gehör schaffen wollten, mit ihrer Meinung nicht zurück. Die Regierung stehe nach wie vor auf dem Standpunkte, daß der Anspruch der Italiener auf die Schaffung einer Rechts- fakultät, die sie bereits besessen haben, berechtigt sei. (Zustimmung.) Sie werde demgemäß im nächsten Januar eine Vorlage betr. Errichtung einer italienischen Rechtsfakultät der ver- fassungsmäfigen Behandlung zuführen. Die Berechtigung des Anspruches sei auch deutscherseits und zwar von dem Abg. Stölzel anerkannt worden, für dessen Rede er, der Ministerpräsident, im Namen der Regierung um so mehr seine Ee-
0 ■ i?a»6rud verboten.)
Unter Feinden.
Roman von Karl Matthias.
r «Fortsetzung.»
„Mit ihm bei Nacht und Nebel auf dem Flusse," zischte Olivier ärgerlich, ,Ha» wäre freilich sehr passend für das Fräulein."
„Nun, so entschließe Dich doch zu rudern, mich zieht es förmlich in den Kahn. Aber ich fürchte, Du nimmst nur den Mund voll, wenn Du von Regattas und Wasserstarten erzählst. Ich wette. Du hast noch kein Ruder in der Hand gehalten."
„Ich rudere wie ein Gott. Morgen sprechen wir i eitet davon, heute habe ich kein« Lust."
„Ach, Du bist zu schwach, Du traust Dich nicht," spottete die Kleine. „Nun, so lasse ich den Direktor rufen, der traut sich —"
„Er soll es nicht," brauste Olivier auf. „Er ist unschicklich, ich leide es nicht — eine Kahnfahrt im Halbdunkel am allerwenigsten. Wenn es nach mir geht, sollt Ihr keine Gelegenheit finden, allein und unbelauscht zu sein."
„Run, so rudere mich," sagte Desiree, durch seinen Zorn höchlichst amüsiert.
„Meinetwegen, da Du darauf bestehst. Aber Ich werde es vorher Papa sagen."
„Das wirst Du nicht," flüsterte Desiree, ihm den Weg vertretend, „denn Papa würde es verbieten. Sprichst Du ein Wort, so fahr« ich heimlich mit Herrn Tyrolt."
„Hun denn, ich gebe nach. Geh hinaus, ich hole meinen Stock."
„Aber Wort halten. An der Brücke treffen »ir uns."
nugtuung aussprechen müsse, als der Abgeordnete in einer Zeit fieberhafter nationaler Erregung so versöhnliche Töne angeschlagen hab«. Insbesondere wünsche er, daß auch die tschechi- schen Abgeordneten diese Ausführungen sorgfältig würdigten; denn sie könnten daraus entnehmen, daß nichts die Einheit des Königreiches Böhmen mehr zu gefährden geeignet sei, als wenn die Deutschen Prags aufhören müßten, sich auf dem Boden der Hauptstadt des Königreiches zu Haus zu fühlen.
Ein magerer Vergleich ist immer besser als ein fetter Prozeß. (Beifall.) Ich bin nicht optimistisch genug zu glauben, daß beide Dolks- stämme (Tschechen und Deutsche) sofort versöhnt einander in die Arme fallen werden. Was aber bei einigem guten Willen möglich wäre, ist eine Minderung der Reibungsflächen und friedliche Auseinandersetzung auf einer Reihe von strittigen Gebieten. Die Regierung wird ihr Bemühen fortsetzen, ein Wiederzusammenwirken der parlamentarischen Parteien herbeizuführen, weil sie nicht anzunehmen vermag, daß das Parlament darauf verzichten könnte, seinen Einfluß auf die Regierung auszuüben. In der Debatte sei mit seltener Einmütigkeit der Gedanke zum Ausdruck gekommen, daß die Interessen der Parteien auf keinen Fall unter Preisgebung der parlamentarischen Eesamtinteressen durchgesetzt werden dürfen und daß vor allem die Rechte der Volksvertretung unversehrt bleiben müssen. Er glaube deshalb keine Fehlbitte zu tun, wenn er das Haus ersuche, das Provisorium anzunehmen. Bewilligen Sie es, schloß der Ministerpräsident, nicht aus Vertrauen zu uns, sondern aus Vertrauen zu sich. (Lebhafter Beifall. Händeklatschen.)
Ans dem Reichstaae.
Der Reichstag erledigte gestern in dritter Lesung ohne Debatte die Uebereinkommen zwischen Deutschland einerseits und Oesterreich bezw. Ungarn andererseits betr. den gewerblichen Rechtsschutz. Sodann folgte die dritte Beratung der Gewerbeordnungsnovelle betr. die gewerbliche Frauenarbeit. Dieselbe wurde im wesenttichen nach den Beschlüssen der zweiten Lesung angenommen. Abweichend von der zweiten Lesung wurde die Zahl der Ausnahmetage, an denen die lOstündige Arbeitszeit auf 12 Stunden erhöht werden kann auf 50 bemessen (gegen 40 nach der zweiten Lesung). Ferner wurde in Bezug auf die Arbeitszeit der Unterschied zwischen verheirateten und unverheirateten Frauen beseittgt. Sodann setzte der Reichstag die erste Beratung des Etats fort. Der Reichskanzler Fürst Bülow erschien am BundeSratS- tische. Sein Stellvertreter, der Staatssekretär im Reichsamt des Innern Dr. v. Betbmann-Hollweg, nahm dabei zuerst das Wort. Ausführlich wies er gegenüber den bekannten Angriffen an der Hand der Akten, Verordnungen und Erlasse nach, daß die verbündeten Regierungen bestrebt gewesen sind, dem Vereinsgesetz eine völlige einwandsfreie Einführung zu sichern. In der Handhabung feien in der Kürze der Zeit Mißgriffe und Fehlgriffe vorgekommen — in vierzehn Tagen hätten sich die unteren Polizeibeamten nicht in die neue Rechtsauffassung einarbeiten können — aber keine Regierung habe geduldet, daß das Gesetz ungesetzlich angewendet würde. Ueberall fei Remedur geschaffen. Man vergesse bei den Vorwürfen gegen den Reichskanzler, daß die Reichsgesetze von den Einzelregierungen auSgeführt würden, sich darin Bevormundungen verbitten könnten. In Süddeutschland sei man mit dem Gesetze jetzt zufrieden
Desiree schritt die Stiege hinab und eilte um das Rondel. Am Tore blieb sie stehen, um auf Olivier zu warten. Der letzte Schein der untergehenden Sohne traf ihre weißgekleidete Gestalt und badete sie in einem Lichtmeer, so daß ein Wiederglanz von ihr ausging, der sich bis zur Fabrik fortpflanzte, an deren Fenstern Waldemar Tyrolt stand.
Mit einem Krimstecher bewaffnet, hatte er nack dem Herrenhause geschaut. Als er das Tor st.eifte, trat die liebliche Gestalt der Gesuchten greifbar in den Rahmen des Glases. Wonnetrunken nahm er die liebliche Gestalt in sich auf und prägte sich die Schönheit ihres strahlenden Antlitzes, den ihren Augen anhaftenden Zauber mit allen seinen Sinnen «in.
„O Desiree," sprach er halblaut, „wie liebe ich Dich! Wirst Du wirklich die Meine werden? Ich fürchte für mein Glück. Noch in letzter Stund« kann es mir entrinnen. Wenn ich ihr und ihres Vaters Jawort erränge und sie dann wieder aufgeben müßte, dann wäre es besser gewesen, die Geliebte nie mein genannt zu haben."
Traurig sentt« er den Blick, der auf einem Zeitungsblatt haften blieb. Darin stand der Erurd seiner Unentfchlossenheit: Mobilmachung, Kriegsrüstung, Armeedispofition, chauvinistisches Geschwätz. Am politischen Horizonte sammelten sich schwere Gewitterwolken.
Er schüttelte den Kopst um die trüben Gedanken zu verscheuchen. Abermals fiel ihm die Gestalt Desirees in die Augen, welche über die Chaussee geschritten war und nach der Brücke einlenkte.
„Wohin führt Sie der Weg?" fragt« sich Tyroff. „Will sie mich besuchen? Unmöglich,
und aus Norddeutschland seien ihm keine Verstöße bekannt, die der Kanzler ändern könne. BerwaltungS- und ordentliche Gerichte entfliehen, so jetzt über den Begriff Oeffentlichkeit der Versammlungen und über die Gewerkschaftsfrage. Sonst seien ihm und dem Reichskanzler keine Verstöße, wo er helfen könne, bekannt. Das könne er den beiden Interpellanten über diese Angelegenhett nur antworten. Wenn diesen daher wirklich an einer schnellen Abstellung der Beschwerden liege, so bitte er, da wegen der Geschäftslage des HaufeS die Interpellationen erst nach Neujahr hier behandelt werden könnten, die Interpellanten um Mitteilung der Fälle, wo ungesetzlich verfahren sei. (Unruhe.) Sonst gehe lange Zeit der Abhilfe verloren, ohne Nutzen. (Vielfacher Beifall lohnte die Rede.)
Der Staatssekretär im Reichspostamt Kraetke verteidigte sich vornehmlich gegen den Vorwurf, daß die Postvettvaltung teuer arbeite und bestritt gegenüber dem Abg. von Gamp (Reichsp.), daß seine Verwaltung nicht nach kaufmännischen Grundsätzen geleitet würde.
Der Abg. Schrader (fr. Vgg.) berührte in seiner längeren Rede auch da» angeblich Dernburgscke Projekt mit der Walfischbay und gab dadurch dem Staatssekretär im Reichskolonialamt Dernbnrg Gelegenheit zu der Erklärung, gegenüber einem Artikel der englischen Zeitung „Standard", daß er niemals weder dem Premierminister der Capkolonie Moruman noch dem Premierminister von Transvaal Botha gegenüber ein Angebot auf Ueberlassung der Walfsschbai gemacht habe. Demnach fei die Mitteilung des „Standard" ihren, ganzen Inhalte nach lediglich eine dreiste Erfindung und nur geeignet Zwietracht zwischen der englischen und deutschen Nation zu säen.
Friede auf Erden
Generalleutnant z. D. v. Liebert untersucht die Frage, ob die internationale Lage Grund zu Beunruhigungen biete, und ob die Furcht vor einem „Kriege im Frühjahr" Unterlagen habe. Er kommt im „Tag" zu einer Verneinung dieser Fragen. Seine Gründe sind bestechend: Deutschlands zentrale Lage, seine intellektuell und kulturell hochstehende Bevölkerung von 64 Millionen und ihr Zusammenhalt t""tz aller Stammes- verschiedenheit, ihre Vielseitigkeit, die wirtschaftliche Kraft Deutschlands, die dem Reichstag eine Reichsfinanzreform mit 400 bis 450 Millionen, selbst wenn das Zentrum nur 300 Millionen Mark bewilligen wolle, erlauben werde, die daraus folgende Erstarkung unseres Kredits, die Bundesgenossenschaft mit Oesterreich-Un- ;arn, mit dem vereint wir den gewaltigen Hauen von 110 Millionen Seelen in der Mitte 1 Europas ausmachen zur Deckung der endlos ängen Grenzen von Myslowitz vis zum Boden- ee, die dadurch frei werdende große Kraft zum militärischen Aufmarsch in Galizien und an der Westfront, die 6 Millionen Soldaten dieses Friedensbundes auch ohne Italien, das Versiegen der französischen militärischen und Heeres- Ergänzungsquellen, die isolierte Lage Rußlands und sein Bedürfnis, sich zu erholen, wirtschaftlich, finanziell und militärisch und schließlich das Fehlen neuer „vitaler Interessen", um deren Durchführung die Völker den Krieg beginnen müßten. Auch wenn im Frühjahr die durch englisches Gold unheimlich tapfer gewordenen Serben und Tschernagorzen losschlagen sollten, so werde sich der Krieg bei Zusammenstehen der beiden zentralen Großmächte lokalisieren lassen.
denn Olivier folgt ihr auf dem Fuße. Wie er eilig dahinhumpelt, als fürchte er, seine Schwester allein zu lassen. Ah, sie halten an der drücke."
Olivier kletterte zuni Wasser hinunter und löste die Kette des Bootes. Dann ergriff er das Ruder und lenfte dem Ufer zu. Mit einem Sprunge war Desiree in dem schwankenden Fahrzeuge und nahm am Steuer Platz.
Tyrolt hatte mit Erstaunen und Schrecken den Vorgang beobachtet.
„Eine Wasserpartie bei einbrechender Dämmerung. Welch törichtes Unternehmen," schalt er. „Sie wissen nicht, wie tückisch unsere Maas ir-, und dabei rudert Olivier wie ein Tölpel. Er wird ein Unglück anrichten. Ich muß Desire« warn '., eh« es zu spät ist."
Eilends verließ er sein Zimmer und lief an das Ufer hinab.
„Ich bitte Sie, halten Sie an Land!" rief er mit flehender Stimme. „Sie kennen die Gefahr nicht, in die Sie sich begeben. Stromabwärts ist e.n Wehr. Wenn Sie in den Strudel geraten, find Sie verloren!"
Olivier lachte höhnisch, aber Desir«« antwortete wohlgemut:
fürchten Sie nichts, Herr Tyrolt, ich bin unter dem Schutze meines Bruders, des berühmten Regattenfiegers von Entretat. Wir sind ganz sicher."
„Bekümmern Sie sich gefälligst nicht um unsere Angelegenheiten," ließ sich Olivier vernehmen. „Ich weiß genau, was ich zu tun habe."
Er legt« sich in di« Riemen und lenkte da» Boot in die Mitte der Strömung während De- s p«e, entzückt durch di« schnell« Bewegung,
Deutsches Reich.
— Der Gesandte von Kiderlen-Wachter soll, wie der .Hamburger Korrespondent" mitteilt, einstweilen nicht wieder auf seinen Posten t» Bukarest zurückkehren. Herr von Kiderlen- Wächter soll dazu berufen sein, in Berlin die orientalische Frage zu bearbeiten.
— Au» dem Reichstag«. Berlin S. Dez. Der Seniorenkonvent des Reichstages beschloß, auch am Freitag noch eine Sitzung vor den Ferien abzuhalten, damit das Beamtenbesoldungsgesetz noch eingehender behandelt werden kann.
— Die Reichsfinanzreformskommisfion de» Reichstages beschloß einstimmig, die aus den Rechnungsjahren 1906 bis 1908 herrührenden gestundeten Matrikularbeiträge in Höhe von 144,753,000 M, die nach § 6 des Finanzgesetzes auf die Reichskasse übernommen werden sollten, aus der Bedarfsrechnung des Schotzsekretärs auszuscheiden. Ferner wurde eine freisinnige Resolution angenommen, nach welcher die Verbündeten Regierungen in Erwägung über di« Veredelung der Matrikularbeiträge eintretea sollen.
— Festhalte« der Regierung an der Nachlaß, steuer. Die „Berl. Pol. N." schreiben: Wir können versichern, daß die Verbündeten Regierungen nach wie vor die Erbschafts- und Nach- laßstcuer ..ls einen integrierenden Bestandteil des dem Reichstage vorgelegten Steuerreformwerkes betrachten. Mitteilungen, welche dahin« gehen, daß im Reichsschatzamt Vorarbeiten gemacht würden, um einen Ersatz für die vorgenannte Steuer zu finden, sind unzutreffend. Im Gegenteile hält man. wie wir versichern können, an maßgebender Stelle daran fest, der Reichstag werde der Ueberzeugung sich nicht verschließen, daß gerade diese Steuer einen Eckstein bildet, der, ohne das gesamte Rekormwerk zu gefährden. nicht herausgebrochen werden darf.
— Zum Fall Schücking. Wie die ..Lib. ßorr* hört, werden die Freisinnsgen vorläufig keine Interpellation über die Angelegenheit Schücking einbringen, da die displinargerichtliche Behandlung der Angelegenheit noch nicht erledigt ist.
Die Lane im Orient.
Konstantinopel, 9. Dez. Wie der „Schurai-llmnet" meldet, hatte der österreichischungarische Botschafter Pallavirini gestern mit dem Eroßwefir eine Besprechung über die Mittel und Wege, wie ein vorläufiges Einvernehmen Über Bosnien zu erziel-r sei Der Botschafter habe erklärt, Oesterreich-Ungarn wünsche, im Einvernehmen mit der Türkei an einer Konferenz teilzunehmen und ein >.üt accompli scstzu- stellen. Um dieses Ziel zu erreichen, müsse die Pforte vor allem Mittel s nden. um den Boykott. soweit es von chr «'-hänge, einzustellen, sonst sei es unmöglich, zu einem Ergebnis zu gelangen. Der Eroßwesir habe geantwortet, der Boykott stehe mit den Regierungsgeschäften in keinem Zusammenhang, wenn aber ein solcher Zusammenhang doch bestehen oKte, würde et Abhilfe schaffen: es sei jedoch der Regierung unmöglich. den Volksw'llen zu beeinflussen. Da» Blatt meint, wenn Oesterreich-Ungarn zu einem
lachend hinüberv. nkte. Tyrolt stand einen Augenblick unschlüssig.
Das Schifflein entfernte sich schnell. Walde« r ar beschloß, es nickt aus den Augen zu lallen. Im Falle eines Unglücks wollt- er bei der Hand fein. Da bemerkt« et im Schilf einen Einbaum, so ein Fahrzeug, wie es die Landleute benutze«, um bas Heu von den Wiesen übet Wasser z« holen. Ein breites Ruder lag dabei. Ent« schlossen sprang Tyrolt in das kiellose Fahrzeug, stieß ab und folgte den Flüchtigen, welche in der Dämmerung und in dem leichten Nebel, der über der Maas lag, bereits feinen Blicken ent- fchwunden waren. Stehend gebrauchte er fleißig das Ruder; wie ein Pfeil flog das leichte Boot über die Wasserfläche. Eine Weile ging so die Fahrt; von dem anderen Boote sah er nicht»; aber er hörte bereits das Rauschen des Wehr», das ihm der Abendwind zu Ohren trug. Jetzt rußten die Geschwister an der Schleuse sein und, wenn Olivier Klugheit und Kraft genug hatte, abzulenken, vor ihm auftauchen. Immer nahet kam er dem Gischt; der Einbaum fing an, sich u i sich selbst zu drehen, und Waldemar mußt» das Lauschen aufgeben und wieder sein Ruder eintauchen. um in der Mitte de» Strome» z» bleiben.
Da plötzlich ein Hilferuf, der Schrei einer Männerstimme. Mit wenigen kräftigen EchlG gen trieb Waldemar den Einbaum nach der Unglücksstelle. Er hörte nicht» meßt — da» Rauschen des Wehrs übertäubte feden To«. Jetzt war et bei der offenen Schleus«. Daf s^wankende Fahrzeug füllt« sich mit Wasser ruch verschwand mit seinem Lenker in die lieft.
(gcTtiesung folgt.)