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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

nnd den Beilagen: .Literarischer Ameigrr«. .Landwirtschaftliche Beilage- und ..ILustrie-te- Kauutagsblatt«.

Die Infertionsgebübr beträgt für die 7offpaltene Zette

oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. in OtAß«.*

Druck und Verlag: Iah. «ug. Koch, UntversitLtSbuchdruckerei

Jnbaber Dr. C. Hstzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 65.

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Wo z|l1 Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21. .

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Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk. ,TlCUUB' "

Zum Nationalitälenkamps in Oesterreich.

In dem Budgetprovisorium des österreichi­schen Abgeordnetenhauses hielt der neue Mini­sterpräsident Bienerth eine Rede, die sich mit den Prager Exzessen beschäftigte. Er erklärte:

Die Verhängung des Standrechts richte sich weder gegen eine Nationalität, noch gegen eine Partei,' die volle Schärfe der Maß­regel richte sich vielmehr gegen jene zügellosen Elemente, die der Feind aller find, auch gegen !«ne, welche die nationale Verblendung und Lei­denschaft in offenkundiger Absicht entfachten, um ?erade in dem gegenwärtigen ernsten Augen- licke (Zwischenrufe) die Äktionskraft Oester­reichs durch Anzettelung innerer Wirren zu schwächen. Aber der Staat, der in den schwer­sten Stürmen, die Europa heimsuchten, sich kraft­voll zu behaupten wußte, ein Staat von Oester­reichs politischer und militärischer, sowie wirt­schaftlicher Stärke wird weder vor Straßen­exzessen gesetzloser Elemente abdanken, noch vor der Wühlarbeit gewisser Staatsfeinde, die vor ganz Europa die Ohnmacht unserer öffentlichen Gewalt affichieren möchten. (Lebhafter Beifall und anhaltende Zwischenrufe.) Die Regierung erfüllte nur die ihr durch den kategorischen Im­perativ vorgezeichnete Pflicht, den Versuch jeder anarchischen Bewegung niederzuschla­gen (lebhafter Beifall, Zwischenrufe) und die Autorität des Rechtes wiederherzustellen. (Bei­fall.) Deshalb bitte er das Haus, die Absichten der Regierung, die gesetzmäßige Ordnung wie­derherzustellen, zu würdigen. (Beifall. Zwischen­rufe.) Er weist mit allem Nachdruck die gegen den Statthalter Eoudenhove erhobenen Vor­würfe zurück und erklärt hierauf in einer Pole­mik gegen Dr. Adler, der mit großer Beflissen­heit die parlamentarische Gesinnung der Regie­rung bestritten habe, mit größter Entschieden- hrit: Ich will das Parlament, ich glaube an das Parlament, und was in meinen Kräften steht, wird geschehen, um den Parlamentaris­mus erstarken zu machen. (Beifall.) Ich emp­fand die größte Genugtuung über die Probe von Besonnenheit und Mäßigung, di« das Haus am Tage nach der Verkündigung des Stand­rechts äblegte. Der Bemerkung Adlers, daß man der studierenden Jugend nicht die ?olitische Führung überlassen dürfe, imme ich bereitwillig bei. Ich glaube aber, es fei höchste Zeit, daß die akademischen Bürger wieder zu Studenten werden. (Lebh. Beifall.)

Der Ministerpräsident besprach sodann die Schaffung einer italienischen Rechtsfakultät. Er erklärte, die Regierung hielt über die Art und Weise, wie die italienischen Studenten ihren Wünschen Gehör schaffen wollten, mit ihrer Meinung nicht zurück. Die Regierung stehe nach wie vor auf dem Standpunkte, daß der Anspruch der Italiener auf die Schaffung einer Rechts- fakultät, die sie bereits besessen haben, berech­tigt sei. (Zustimmung.) Sie werde demgemäß im nächsten Januar eine Vorlage betr. Errich­tung einer italienischen Rechtsfakultät der ver- fassungsmäfigen Behandlung zuführen. Die Be­rechtigung des Anspruches sei auch deutscherseits und zwar von dem Abg. Stölzel anerkannt wor­den, für dessen Rede er, der Ministerpräsident, im Namen der Regierung um so mehr seine Ee-

0 i?a»6rud verboten.)

Unter Feinden.

Roman von Karl Matthias.

r «Fortsetzung.»

Mit ihm bei Nacht und Nebel auf dem Flusse," zischte Olivier ärgerlich, ,Ha» wäre frei­lich sehr passend für das Fräulein."

Nun, so entschließe Dich doch zu rudern, mich zieht es förmlich in den Kahn. Aber ich fürchte, Du nimmst nur den Mund voll, wenn Du von Regattas und Wasserstarten erzählst. Ich wette. Du hast noch kein Ruder in der Hand gehalten."

Ich rudere wie ein Gott. Morgen sprechen wir i eitet davon, heute habe ich kein« Lust."

Ach, Du bist zu schwach, Du traust Dich nicht," spottete die Kleine.Nun, so lasse ich den Direktor rufen, der traut sich"

Er soll es nicht," brauste Olivier auf.Er ist unschicklich, ich leide es nicht eine Kahn­fahrt im Halbdunkel am allerwenigsten. Wenn es nach mir geht, sollt Ihr keine Gelegenheit finden, allein und unbelauscht zu sein."

Run, so rudere mich," sagte Desiree, durch seinen Zorn höchlichst amüsiert.

Meinetwegen, da Du darauf bestehst. Aber Ich werde es vorher Papa sagen."

Das wirst Du nicht," flüsterte Desiree, ihm den Weg vertretend,denn Papa würde es ver­bieten. Sprichst Du ein Wort, so fahr« ich heim­lich mit Herrn Tyrolt."

Hun denn, ich gebe nach. Geh hinaus, ich hole meinen Stock."

Aber Wort halten. An der Brücke treffen »ir uns."

nugtuung aussprechen müsse, als der Abgeord­nete in einer Zeit fieberhafter nationaler Er­regung so versöhnliche Töne angeschlagen hab«. Insbesondere wünsche er, daß auch die tschechi- schen Abgeordneten diese Ausführungen sorg­fältig würdigten; denn sie könnten daraus ent­nehmen, daß nichts die Einheit des Königreiches Böhmen mehr zu gefährden geeignet sei, als wenn die Deutschen Prags aufhören müßten, sich auf dem Boden der Hauptstadt des Königreiches zu Haus zu fühlen.

Ein magerer Vergleich ist immer besser als ein fetter Prozeß. (Beifall.) Ich bin nicht optimistisch genug zu glauben, daß beide Dolks- stämme (Tschechen und Deutsche) sofort versöhnt einander in die Arme fallen werden. Was aber bei einigem guten Willen möglich wäre, ist eine Minderung der Reibungsflächen und friedliche Auseinandersetzung auf einer Reihe von strit­tigen Gebieten. Die Regierung wird ihr Be­mühen fortsetzen, ein Wiederzusammenwirken der parlamentarischen Parteien herbeizuführen, weil sie nicht anzunehmen vermag, daß das Par­lament darauf verzichten könnte, seinen Einfluß auf die Regierung auszuüben. In der Debatte sei mit seltener Einmütigkeit der Gedanke zum Ausdruck gekommen, daß die Interessen der Parteien auf keinen Fall unter Preisgebung der parlamentarischen Eesamtinteressen durchgesetzt werden dürfen und daß vor allem die Rechte der Volksvertretung unversehrt bleiben müssen. Er glaube deshalb keine Fehlbitte zu tun, wenn er das Haus ersuche, das Provisorium anzunehmen. Bewilligen Sie es, schloß der Ministerpräsident, nicht aus Vertrauen zu uns, sondern aus Ver­trauen zu sich. (Lebhafter Beifall. Hände­klatschen.)

Ans dem Reichstaae.

Der Reichstag erledigte gestern in dritter Lesung ohne Debatte die Uebereinkommen zwischen Deutsch­land einerseits und Oesterreich bezw. Ungarn ande­rerseits betr. den gewerblichen Rechtsschutz. Sodann folgte die dritte Beratung der Gewerbeordnungs­novelle betr. die gewerbliche Frauenarbeit. Dieselbe wurde im wesenttichen nach den Beschlüssen der zwei­ten Lesung angenommen. Abweichend von der zweiten Lesung wurde die Zahl der Ausnahmetage, an denen die lOstündige Arbeitszeit auf 12 Stunden erhöht werden kann auf 50 bemessen (gegen 40 nach der zweiten Lesung). Ferner wurde in Bezug auf die Arbeitszeit der Unterschied zwischen verheirateten und unverheirateten Frauen beseittgt. Sodann setzte der Reichstag die erste Beratung des Etats fort. Der Reichskanzler Fürst Bülow erschien am BundeSratS- tische. Sein Stellvertreter, der Staatssekretär im Reichsamt des Innern Dr. v. Betbmann-Hollweg, nahm dabei zuerst das Wort. Ausführlich wies er gegenüber den bekannten Angriffen an der Hand der Akten, Verordnungen und Erlasse nach, daß die ver­bündeten Regierungen bestrebt gewesen sind, dem Vereinsgesetz eine völlige einwandsfreie Einführung zu sichern. In der Handhabung feien in der Kürze der Zeit Mißgriffe und Fehlgriffe vorgekommen in vierzehn Tagen hätten sich die unteren Polizeibe­amten nicht in die neue Rechtsauffassung einarbeiten können aber keine Regierung habe geduldet, daß das Gesetz ungesetzlich angewendet würde. Ueberall fei Remedur geschaffen. Man vergesse bei den Vor­würfen gegen den Reichskanzler, daß die Reichsgesetze von den Einzelregierungen auSgeführt würden, sich darin Bevormundungen verbitten könnten. In Süd­deutschland sei man mit dem Gesetze jetzt zufrieden

Desiree schritt die Stiege hinab und eilte um das Rondel. Am Tore blieb sie stehen, um auf Olivier zu warten. Der letzte Schein der unter­gehenden Sohne traf ihre weißgekleidete Gestalt und badete sie in einem Lichtmeer, so daß ein Wiederglanz von ihr ausging, der sich bis zur Fabrik fortpflanzte, an deren Fenstern Wal­demar Tyrolt stand.

Mit einem Krimstecher bewaffnet, hatte er nack dem Herrenhause geschaut. Als er das Tor st.eifte, trat die liebliche Gestalt der Gesuchten greifbar in den Rahmen des Glases. Wonne­trunken nahm er die liebliche Gestalt in sich auf und prägte sich die Schönheit ihres strahlenden Antlitzes, den ihren Augen anhaftenden Zau­ber mit allen seinen Sinnen «in.

O Desiree," sprach er halblaut,wie liebe ich Dich! Wirst Du wirklich die Meine werden? Ich fürchte für mein Glück. Noch in letzter Stund« kann es mir entrinnen. Wenn ich ihr und ihres Vaters Jawort erränge und sie dann wieder aufgeben müßte, dann wäre es besser ge­wesen, die Geliebte nie mein genannt zu haben."

Traurig sentt« er den Blick, der auf einem Zeitungsblatt haften blieb. Darin stand der Erurd seiner Unentfchlossenheit: Mobilmachung, Kriegsrüstung, Armeedispofition, chauvinistisches Geschwätz. Am politischen Horizonte sammelten sich schwere Gewitterwolken.

Er schüttelte den Kopst um die trüben Ge­danken zu verscheuchen. Abermals fiel ihm die Gestalt Desirees in die Augen, welche über die Chaussee geschritten war und nach der Brücke einlenkte.

Wohin führt Sie der Weg?" fragt« sich Tyroff.Will sie mich besuchen? Unmöglich,

und aus Norddeutschland seien ihm keine Verstöße be­kannt, die der Kanzler ändern könne. BerwaltungS- und ordentliche Gerichte entfliehen, so jetzt über den Begriff Oeffentlichkeit der Versammlungen und über die Gewerkschaftsfrage. Sonst seien ihm und dem Reichskanzler keine Verstöße, wo er helfen könne, be­kannt. Das könne er den beiden Interpellanten über diese Angelegenhett nur antworten. Wenn diesen da­her wirklich an einer schnellen Abstellung der Be­schwerden liege, so bitte er, da wegen der Geschäfts­lage des HaufeS die Interpellationen erst nach Neu­jahr hier behandelt werden könnten, die Interpellan­ten um Mitteilung der Fälle, wo ungesetzlich verfah­ren sei. (Unruhe.) Sonst gehe lange Zeit der Ab­hilfe verloren, ohne Nutzen. (Vielfacher Beifall lohnte die Rede.)

Der Staatssekretär im Reichspostamt Kraetke ver­teidigte sich vornehmlich gegen den Vorwurf, daß die Postvettvaltung teuer arbeite und bestritt gegenüber dem Abg. von Gamp (Reichsp.), daß seine Verwal­tung nicht nach kaufmännischen Grundsätzen geleitet würde.

Der Abg. Schrader (fr. Vgg.) berührte in seiner längeren Rede auch da» angeblich Dernburgscke Pro­jekt mit der Walfischbay und gab dadurch dem Staats­sekretär im Reichskolonialamt Dernbnrg Gelegenheit zu der Erklärung, gegenüber einem Artikel der eng­lischen ZeitungStandard", daß er niemals weder dem Premierminister der Capkolonie Moruman noch dem Premierminister von Transvaal Botha gegen­über ein Angebot auf Ueberlassung der Walfsschbai gemacht habe. Demnach fei die Mitteilung desStan­dard" ihren, ganzen Inhalte nach lediglich eine dreiste Erfindung und nur geeignet Zwietracht zwischen der englischen und deutschen Nation zu säen.

Friede auf Erden

Generalleutnant z. D. v. Liebert untersucht die Frage, ob die internationale Lage Grund zu Beunruhigungen biete, und ob die Furcht vor einemKriege im Frühjahr" Unterlagen habe. Er kommt imTag" zu einer Verneinung dieser Fragen. Seine Gründe sind bestechend: Deutsch­lands zentrale Lage, seine intellektuell und kul­turell hochstehende Bevölkerung von 64 Millio­nen und ihr Zusammenhalt t""tz aller Stammes- verschiedenheit, ihre Vielseitigkeit, die wirt­schaftliche Kraft Deutschlands, die dem Reichstag eine Reichsfinanzreform mit 400 bis 450 Milli­onen, selbst wenn das Zentrum nur 300 Mil­lionen Mark bewilligen wolle, erlauben werde, die daraus folgende Erstarkung unseres Kredits, die Bundesgenossenschaft mit Oesterreich-Un- ;arn, mit dem vereint wir den gewaltigen Hau­en von 110 Millionen Seelen in der Mitte 1 Europas ausmachen zur Deckung der endlos ängen Grenzen von Myslowitz vis zum Boden- ee, die dadurch frei werdende große Kraft zum militärischen Aufmarsch in Galizien und an der Westfront, die 6 Millionen Soldaten dieses Friedensbundes auch ohne Italien, das Ver­siegen der französischen militärischen und Heeres- Ergänzungsquellen, die isolierte Lage Rußlands und sein Bedürfnis, sich zu erholen, wirtschaft­lich, finanziell und militärisch und schließlich das Fehlen neuervitaler Interessen", um deren Durchführung die Völker den Krieg beginnen müßten. Auch wenn im Frühjahr die durch eng­lisches Gold unheimlich tapfer gewordenen Ser­ben und Tschernagorzen losschlagen sollten, so werde sich der Krieg bei Zusammenstehen der beiden zentralen Großmächte lokalisieren lassen.

denn Olivier folgt ihr auf dem Fuße. Wie er eilig dahinhumpelt, als fürchte er, seine Schwe­ster allein zu lassen. Ah, sie halten an der drücke."

Olivier kletterte zuni Wasser hinunter und löste die Kette des Bootes. Dann ergriff er das Ruder und lenfte dem Ufer zu. Mit einem Sprunge war Desiree in dem schwankenden Fahr­zeuge und nahm am Steuer Platz.

Tyrolt hatte mit Erstaunen und Schrecken den Vorgang beobachtet.

Eine Wasserpartie bei einbrechender Däm­merung. Welch törichtes Unternehmen," schalt er.Sie wissen nicht, wie tückisch unsere Maas ir-, und dabei rudert Olivier wie ein Tölpel. Er wird ein Unglück anrichten. Ich muß Desire« warn '., eh« es zu spät ist."

Eilends verließ er sein Zimmer und lief an das Ufer hinab.

Ich bitte Sie, halten Sie an Land!" rief er mit flehender Stimme.Sie kennen die Gefahr nicht, in die Sie sich begeben. Stromabwärts ist e.n Wehr. Wenn Sie in den Strudel geraten, find Sie verloren!"

Olivier lachte höhnisch, aber Desir«« antwor­tete wohlgemut:

fürchten Sie nichts, Herr Tyrolt, ich bin unter dem Schutze meines Bruders, des berühm­ten Regattenfiegers von Entretat. Wir sind ganz sicher."

Bekümmern Sie sich gefälligst nicht um unsere Angelegenheiten," ließ sich Olivier ver­nehmen.Ich weiß genau, was ich zu tun habe."

Er legt« sich in di« Riemen und lenkte da» Boot in die Mitte der Strömung während De- s p«e, entzückt durch di« schnell« Bewegung,

Deutsches Reich.

Der Gesandte von Kiderlen-Wachter soll, wie der .Hamburger Korrespondent" mitteilt, einstweilen nicht wieder auf seinen Posten t» Bukarest zurückkehren. Herr von Kiderlen- Wächter soll dazu berufen sein, in Berlin die orientalische Frage zu bearbeiten.

Au» dem Reichstag«. Berlin S. Dez. Der Seniorenkonvent des Reichstages beschloß, auch am Freitag noch eine Sitzung vor den Ferien abzuhalten, damit das Beamtenbesoldungsgesetz noch eingehender behandelt werden kann.

Die Reichsfinanzreformskommisfion de» Reichstages beschloß einstimmig, die aus den Rechnungsjahren 1906 bis 1908 herrührenden gestundeten Matrikularbeiträge in Höhe von 144,753,000 M, die nach § 6 des Finanzgesetzes auf die Reichskasse übernommen werden sollten, aus der Bedarfsrechnung des Schotzsekretärs auszuscheiden. Ferner wurde eine freisinnige Resolution angenommen, nach welcher die Ver­bündeten Regierungen in Erwägung über di« Veredelung der Matrikularbeiträge eintretea sollen.

Festhalte« der Regierung an der Nachlaß, steuer. DieBerl. Pol. N." schreiben: Wir können versichern, daß die Verbündeten Regie­rungen nach wie vor die Erbschafts- und Nach- laßstcuer ..ls einen integrierenden Bestandteil des dem Reichstage vorgelegten Steuerreform­werkes betrachten. Mitteilungen, welche dahin« gehen, daß im Reichsschatzamt Vorarbeiten ge­macht würden, um einen Ersatz für die vorge­nannte Steuer zu finden, sind unzutreffend. Im Gegenteile hält man. wie wir versichern können, an maßgebender Stelle daran fest, der Reichstag werde der Ueberzeugung sich nicht verschließen, daß gerade diese Steuer einen Eckstein bildet, der, ohne das gesamte Rekormwerk zu gefähr­den. nicht herausgebrochen werden darf.

Zum Fall Schücking. Wie die ..Lib. ßorr* hört, werden die Freisinnsgen vorläufig keine Interpellation über die Angelegenheit Schücking einbringen, da die displinargerichtliche Behand­lung der Angelegenheit noch nicht erledigt ist.

Die Lane im Orient.

Konstantinopel, 9. Dez. Wie der Schurai-llmnet" meldet, hatte der österreichisch­ungarische Botschafter Pallavirini gestern mit dem Eroßwefir eine Besprechung über die Mittel und Wege, wie ein vorläufiges Einvernehmen Über Bosnien zu erziel-r sei Der Botschafter habe erklärt, Oesterreich-Ungarn wünsche, im Einvernehmen mit der Türkei an einer Konfe­renz teilzunehmen und ein >.üt accompli scstzu- stellen. Um dieses Ziel zu erreichen, müsse die Pforte vor allem Mittel s nden. um den Boy­kott. soweit es von chr «'-hänge, einzustellen, sonst sei es unmöglich, zu einem Ergebnis zu gelangen. Der Eroßwesir habe geantwortet, der Boykott stehe mit den Regierungsgeschäften in keinem Zusammenhang, wenn aber ein solcher Zusammenhang doch bestehen oKte, würde et Abhilfe schaffen: es sei jedoch der Regierung un­möglich. den Volksw'llen zu beeinflussen. Da» Blatt meint, wenn Oesterreich-Ungarn zu einem

lachend hinüberv. nkte. Tyrolt stand einen Augenblick unschlüssig.

Das Schifflein entfernte sich schnell. Walde« r ar beschloß, es nickt aus den Augen zu lallen. Im Falle eines Unglücks wollt- er bei der Hand fein. Da bemerkt« et im Schilf einen Einbaum, so ein Fahrzeug, wie es die Landleute benutze«, um bas Heu von den Wiesen übet Wasser z« holen. Ein breites Ruder lag dabei. Ent« schlossen sprang Tyrolt in das kiellose Fahrzeug, stieß ab und folgte den Flüchtigen, welche in der Dämmerung und in dem leichten Nebel, der über der Maas lag, bereits feinen Blicken ent- fchwunden waren. Stehend gebrauchte er fleißig das Ruder; wie ein Pfeil flog das leichte Boot über die Wasserfläche. Eine Weile ging so die Fahrt; von dem anderen Boote sah er nicht»; aber er hörte bereits das Rauschen des Wehr», das ihm der Abendwind zu Ohren trug. Jetzt rußten die Geschwister an der Schleuse sein und, wenn Olivier Klugheit und Kraft genug hatte, abzulenken, vor ihm auftauchen. Immer nahet kam er dem Gischt; der Einbaum fing an, sich u i sich selbst zu drehen, und Waldemar mußt» das Lauschen aufgeben und wieder sein Ruder eintauchen. um in der Mitte de» Strome» z» bleiben.

Da plötzlich ein Hilferuf, der Schrei einer Männerstimme. Mit wenigen kräftigen EchlG gen trieb Waldemar den Einbaum nach der Unglücksstelle. Er hörte nicht» meßt da» Rauschen des Wehrs übertäubte feden To«. Jetzt war et bei der offenen Schleus«. Daf s^wankende Fahrzeug füllt« sich mit Wasser ruch verschwand mit seinem Lenker in die lieft.

(gcTtiesung folgt.)