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Der heutigen Nummer liegt oei Kreisblatt Nr. 93.
Die Garantieen des nationalen Besitzstandes in den Ottmarken.
Die Kräfte, die hier den Beweis erbracht haben, daß sie befähigt sind, den deutschen Besitzstand in den Ostmarke.t zu erhalten und zu erweitern, find der befestigte Grundbesitz, die An- fiedlungsrommission und unsere nationalen Organisationen. Daher ist es durchaus nicht verwunderlich, zu erfahren, daß auch das Polen- tum sich analoger Kräfte bed ent um seinerseits dieselben Erfolge zu erzi:len. Ihm stehen zur Seite eb-nfalls der befestigte polnische Grundbesitz und die von der polnischen katholischen Geistlichkeit geleiteten Parzellierungs- und Volksbanken. Einen Vorsprung vor den Polen haben wir insofern, als uns vor allem die staatlichen Machtmittel zur Verfügung stehen, die durch di« Ueber'ragung des Enteignungsrechtes an die Ansiedlungskommissim noch eine gewaltige Steigerung erfahren h^ei». Der Domänenfiskus vergrößert fortwäh.eno seinen Besitz,- dasselbe durch Ankäufe bte Ansiedlungskommission und durch Regulierung»-1 die Mittel- standskaffe, die beide durch Eintragung eines Vor- und Wiederverkaufsrechtes der Ansiedlungskommission in das Grundbuch den bäuerlichen Besitz in deutscher Hand dauernd festlegen.
Zum gesicherten deutschen Besitzstand gehören somit: der Besitz de? Forst- und Domänenfiskus mit 30 000 Hektar, der Besitz des Königlichen Hausfideikommiffes, des Privatbefitzes des Kaisers, der Königlichen Prinzen und der Mitglieder des hohen Adels mit 74 250 Hektar, die Besitzungen verschiedener öffentlich-rechtlicher Korporationen mit 17 900 Hektar, die Ankäufe der Anstedlungskommission mit 236 500 Hektar, die Regulierungen der Mittelstandskaffe mit 13 000 Hektar und, last non least, die deutschen Fideikommisse mit 106 640 Hektar, zusammen 748 290 Hektar. Das dürfte nach amtlichen Schätzungen ungefähr die Hälfte des deutschen Besitzes sein, die somit vor dem Uebergang in polnische Hände sicher ist. Richt so erfreulich ist die Tätigkeit der Landbank, die trotz aller Vorkehrungen, wie hohe Konventionalstrafen, es nicht verstanden hat, ihre Ankäufe vor dem Uebergang in polnischen Besitz zu bewahren. Vielmehr soll ihrem Gewinn aus polnischer Hand ein gleich starker Verlust an die Polen gegenüberstehen.
Den Polen gelang es, mit Genehmigung des Staates, über 50 000 Hektar in Fideikommiffe umzuwandeln und somit als polnischen Besitz zu sichern. Als polnische Fideikommiffe nicht mehr die staatliche Genehmigung erhielten, erreichte man denselben Zweck durch Familienverbände, die 16 000 Hektar festen polnischen Besitzstand schufen und zur Bildung der an eine polnische Bank angeschloffenen Genossenschaft „Zwionzek ziemian" führten, die bereits 25 000 Hektar polnischen Besitzes entschuldet haben soll. Vergleicht man die auf beiden Seiten unternommenen Schritte zur Sicherung des nationalen Besitz
standes mit einander, so wird man, wenn man auf polnischer Seite auch noch die von der Geistlichkeit geleiteten Parzellierung»« und Dolks- banken mit ihren bisher unbekannten Erfolgen hinzuzählt, doch zu dem Ergebnis kommen, daß wir auf deutscher Seite einen gewaltigen Vorsprung haben. Aber — die deutschen Unternehmungen sind staatlich organifiert, und die Polen haben aus freierInitiattve heraus gehandelt. Ihren Familienverbänden und der Tätigkeit ihrer Eenoffenschaften und Banken dürfte jedoch das Enteignungsrecht den Todesstoß ver- fef*en.
Aus dem Reichstage.
Zum vierten Male Wird heute die erste Beratung der Rcichsfinanzreform fortgesetzt, ohne daß sie jedoch ihren mehr akademischen Charakter vorsichtiger Abwägung und Meidung jeglicher Bindung der Parteien verlören. Angenehm sind die neuen Steuern niemandem, der eine möchte diese, der andere jene anders habe, aber notwendig find nun einmal neue Deckungsmittel und so wird da? schließlich« Ergebnis die SRe» fultanfe aller dieser Wünsche sein, soweit die Kommission sie ziehen kann, z. B. in der Frage der Tabak- Steuer und in der Spiritus-Steuer, die auch den ab- eitsstehenden anscheinend nicht umgehbar erscheinen. So beschränkt der süddeutsche Zentrumsfinanztechniker Abg. Speck sich denn auch auf allgemeine Verwahrungen: keine Schmälerung des Budgetrechts, keine Banderole, um den Pfälzer zu schonen, vielleicht aber Fabrikatsteuer, kein Monopol, aber stramme SpirituS- abgabe, Beibehaltung der Matrikularumlagen, aber Schub der Bundesstaaten, keine Rachlaßsteuer, Sparsamkeit.
Die Stellung der Konservativen legte heute der Abg. Graf Schwerin-Löwitz dar, in Ergänzung der kürzlichen Ausführungen des Frhr. v. Richthofen. Er meinte: Wir behalten uns vor zu beantragen, daß ein Prozentsatz der zu erwartenden Ueberschüffe zur Schuldentilgung verwendet werden. Unsere bisherige Anleihewirtschaft, die einen ungeheuren Kursverlust mit sich bracht«, hat auf das ganze Erwerbsleben und besonders auf die Landwirtschaft nachteilig gewirkt. Wir sind darin einig, daß die Deckung der notwendige Ausgaben auch durch stärkere Besteuerung des Luxus erstrebt wird; wir sind auch für die Heranziehung der Erbschaftssteuer und der Wehrsteuer. Wir sind aber grundsätzlich gegen die Nachlatzsteuer wegen ihrer Ausdehnung auf Deszendenten und Ehegatten. Das deutsche Volk ist in seiner Mehrheit unbedingt für eine durchgreifende Reform der Finanzen (Sehr richtig! rechts), zu der allerdings Opferwilligkeit an Geld und Gewiffen, aber auch an Meinungen und Ansichten notwendig sind. Meine Partei stellt diese Opferwilligkeit in sichere Aussicht (Beifall rechts.)
Dr. Weber (natlib.): Wir lehnen es ab, die Reichsfinanzreform mit anderen Forderungen zu verquicken. Die Vorlage ist weder eine wirksame Finanzreform, noch trägt sie den Charakter der Großzügigkeit. Dazu wäre die erste Bedingung, datz sie badas Verhältnis der Bundesstaaten zum Reiche gründlich regelte. Gegen die zeitliche Begrenzung der Matrikularbeiträge haben wir erhebliche Bedenken; dadurch wird das Einnahmebewilligungsrecht des Reichstages beeinträchtigt. Durch eine Reichsvermö- ?enssteuer würden die Matrikularbeiträge ganz über- lüssig. Die Einführung einer Reichseinkommensteuer ist zur Zeit unmöglich. Der Wiedereinführung des billigen Ortsportos stehen wir sympathisch gegenüber. Die Vermögenssteuer ist der Nachlaßsteuer, weil sie leichter zu erheben ist. vorzuziehen. In Landwirtschaft, Handel, Gewerbe und Handwerk verdienen Kinder und Ehegatten mit; es wäre deshalb hart, ihr miterworbeneS Erbe zu versteuern.
76 «Nachdruck verboten.)
Getrennte Welten.
Roman von Elarissa Lohd«.
(Schluß.)
„Und doch weilten Sie so lange in der Ferne! Ach, wenn Sie wüßten, Editha, wie ich mich nach Ihnen gesehnt habe! Während des ganzen langen Winters drehte sich mein Denken und Hoffen nur um Sie. Endlich kam der Frühling, doch auch er brachte Sie nicht zurück."
„Sie wissen, was mich zurückhielt. Dennoch," fügte sie mit warmem Aufblick zu ihm hinzu, „habe ich im Geiste viel mit Ihnen verkehrt, mich an Ihren Erfolgen erfreut, und da ich oer Aufführung Ihres Dramas nicht beiwohnen konnte, es doch mit großem Interesse gelesen. Welch tiefen Blick haben Sie in die weibliche Natur getan, wie richtig und zart das Gemüt und das Denken Ihrer Heldin geschildert!"
„O Editha! Was ist mir das Lob der Welt gegen das, was Sie meinem Werke soeben gespendet!"
Sie senkte heiß erglühend den Blick.
Man war jetzt bei den ausgedehnten Parkanlagen Frauensteins angelangt. Zn einem von blühendem Hollunder umfaßten Boskett winkte einladend eine Ruhebank. Mit sanfter Gewalt zog Bruno die leise Widerstrebende dort nieder an seine Seite. So stürmisch pochte ihm das Herz, daß ihm fast der Atem verging. Zitternd tastete seine Hand nach der ihren. Die lange im Herzen getragene Liebe durchbebte ihn mit ihrer Allgewalt. Und wie Sturmwind brauste es von seinen Lippen: das ganze Bekenntnis seines Hoffens und Sehnens. Wie ihr
Bild ihn stets umschwebt, wie er an sie gedacht habe in stillen Nächten, wenn die Sterne am dunkeln Himmel bis zu feinem Lager geblinkt, als brächten sie ihm Grüße von ihr, der Süßen, der Holden. Wie er gewähnt, seine Gedanken müßten auch die ihren magnetisch anziehen, auch sie müffe seiner gedenken, ein Funken von der großen Flamme, die in ihm brenne, auf sie übergehen.
„O Editha, sprich ein Wort," flehte er mit heißem Blicke.
Alle Zurückhaltung, aller Stolz des so lange Im Herzen vereinsamten Weibes zerschmolz vor dem Feuer dieser heißen und reinen Liebe. War es möglich? Sollte sie noch einmal glücklich, wahrhaft geliebt werden?
„Ja, Bruno," hauchte sie. „Dein, für ewig Dein!"
Wie ein Jubelschrei löste es sich von seinen Lippen.
„Dank, tausend Dank!" stammelte er, ihr Antlitz und ihre Hände mit heißen Küffen bedeckend.
„Editha, meine Editha! Kennst Du jene Blume der Wüste," fuhr er nach einer Weile, sie zärtlich an sich pressend, fort, „der die Griechen den Namen Nepenthes gegeben, das heißt Stil- lerin allen Leides und aller Schmerzen der Erde? Wenn der Tau gefallen ist, schließt sie ihre Blätter. Doch kommt ein in der Hitze verschmachtender Vogel in ihre Nähe, dann öffnet sie ihren Kelch und gibt ihm Erquickung. So geht es mir mit Dir. Meine Seele schmachtet nach Liebe und Verständnis; ich suchte ein Herz und fand es nicht, glaubte, es zu finden und wurde getäuscht. Du aber gabst mir Erquickung, Glück
Dr.Skdrkum (Soz.): Wir verlangen konstitutionelle Garantien in Verbindung mit dieser Vorlage. Redner sucht dann die Tätigkeit der Fürsten Bülow herabzusetzen und wendet sich speziell gegen da- „persönliche Regiment", bis ihn Vizepräsident Paasche ermahnt, zur Sache zu sprechen. Er wendet sich sodann gegen alle vorgeschlagenen Stuern.
Finanzminister Frhr. v. Rheinbabe«: Durch die Elektrizitätssteuer wird bei einem Sah von 5 Prozent und bei einem Sah von 2,4 Pfg. pro Kilowattstunde eine Schädigung von Landwirtschaft und Industrie nicht herbeigeführt. Aus den wachsenden Beitrag«- leistungen zu den Gewerkschaften, die im Jahre 1907 nicht weniger als 61 Millionen aufgebracht haben, geht hervor, daß auch die Arbeiter sehr wohl zu den neuen Stenern beizutragen in der Lage sind. Die Beiträge zu den Gewerkschastskassen werden noch dazu zwangsweise erhoben. (Widerspruch bei den Sozialdemokraten. Sehr richtig! rechts.) Die Besteuerung der entbehrlichen Genußmittel kann der Arbeiter selbst bestimmen. Jedermann ist bei der indirekten Besteuerung sein eigener Exekutor. (Heiterkeit.) Der Abgeordnete Südekum hat vorgeschlagen, alle indirekten Steuern abzuschaffen und nur bi rette Steuern zu erheben. Dann verzehren Sie doch den Regenwurm auf einmal (Heiterkeit) und konfiszieren Sie alles und jedes Vermögen! Ich muß bestreiten, daß die Sozialdemokratie das Recht hat, namens der deutschen Arbeiterschaft zu sprechen. (Lärm bei den Sozialdemokraten.) Auch hinter den anderen Parteien steht ein großer Teil von Arbeitern, die zu Opfern für das Reich gern bereit sind. (Beifall bei der Mehrheit. Lärm bei den Sozialdemokraten.)
Deutsches Reich.
— Dom Bundesrat. Berlin, 23. Rov. In der heutigen Sitzung des Bundesrates wurden die Etats der Verwaltung des Reichstages, der Etat des Reichskolonialamtes und der Etat der Schutzgebiete für 1909 abgenommen.
— Zu den neuen Steuern. Berlin, 26. Nov. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: „Gegenüber dem Branntweinmonopol arbeitet der „Vorwärts" stystematisch mit der Unterstellung, die Spirituszentrale habe den Gesetzentwurf ausgearbeitet und zwar so natürlich, daß er ganz auf ihre Insassen zugeschnitten sei. Diese Behauptung ist eine dreiste Erfindung. Daß die Regierung bei der Ausarbeitung des Entwurfs Sachverständige der Spirituszentrale ebenso wie Sachverständige der anderen beteiligten Gewerbe gehört hat, ist selbstverständlich: ebenso selbstverständlich ist es, daß jene auf die Ausarbeitung des Entwurfes im Reichsschatzamt und auf die Beschlüsse der verbündeten Regierungen keinerlei mitbestimmenden Einfluß ausgeübt haben."
— Deutsch. Aus Wirsitz wird der „Ostd. Rdsch." über die dortigen Stadtverordnetenwahlen geschrieben: „Als Kandidat der 3. Abteilung war anstelle des Schmiedemeisters Kaz- mierski (Pole) der Kreisarzt Dr. Sauberzweig aufgestellt worden: in einet in der vorigen Woche abgehaltenen Vorbesprechung hatte sich die Majorität auch zu seinen Gunsten entschieden. Bei der Wahl erhielt der deutsche Kandidat ebensoviel Stimmen wie der polnische, 52; es hätte indes der Deutsche sofort einen glänzenden Sieg erringen müssen, wenn nicht nur deutsche Bürgermeister, sondern auch der deutsche Stadtkämmerer und die sämtlichen städtischen Beamten dem deutschen Kandidaienihre Stimme
und Leben, Du meine Nepenthes, Stillerin aller Schmerzen."
Sie sagte nichts, nur ihren Kopf lehnte sie an ihn in seligem Schweigen. Da erklang «Ine Helle Kinderstimme:
„Mama, liebe Mama!"
Die Wangen wie mit Glut übergossen, ritz sich Editha aus den Armen des Geliebten.
„Günther, mein Liebling."
Der blonde Knabe kam mit fliegenden Locken und heiß getöteten Wangen auf die Mutter zugeflogen. Mit einer Heftigkeit, wie sie sonst ihr fremd war, hob Editha den Kleinen in die Höhe und küßte den blühenden Kindermund.
„Geh, begrüße den Onkel! Du kennst ihn doch noch?"
„O gewiß, Mama, es ist der Onkel Bruno, der immer so gut zu mir war."
Wenige Tage darauf trafen Altens mit sämtlichen Kindern in Frauenstein, fast zu gleicher Zeit die Rätin in Schönwalde ein. Sie war die erste, der die Liebenden sich offenbatten.
Es war am Tage nach Gertruds Hochzeit, die mit allem ländlichen Pomp vor sich ging. Die Gäste hatten fast alle schon Schönwalde verlaffen, nur die Rätin war auf Brunos Bitten noch geblieben. Editha, die nach dem Forster gesehen hatte, fuhr am Schlöffe vor, um der Rätin einen Besuch zu machen. Und nun, beim Alleinsein mit der liebenswürdigen Frau, floffen die Lippen der Glücklichen über. Vor Freude weinend, umarmte die Rätin die Schwergeprüfte, die einer unter Schnee und Eis erstartten Knosp« glich, jetzt unter dem warmen Hauch der Liebe sich erst zu vollem Liebreiz zu entfalten begann.
„Wie gut, wie prächtig von Ihnen, lieber Freund!" rief sie, Bruno die Hand entgegen
gegeben hätten; da dieselben aber geschlossen ffl< den.Polen eintraten, ja sogar einige für die Wahl des Polen agitierten, wodurch der sofortig« Sieg auf deutscher Seite leider noch nicht errungen."
— Ti« MS in den Zukunftsstaat. Zn Berlin hatten die Eewerkvereine eine Versammlung einberufen. Hierzu hatten sich auch viele Sozialdemokraten eingefunden, die darauf ausgingen, die Versammlung zu sprengen. Der Referent Glückauf, der über „Eewerbegerichts- wähl" sprach, konnte bei dem Tumult der Ee- noffen kaum zu Worte kommen. Nach der Rede aber erhob sich dann im Saale ein wahrer Sturm. Sozialistische Führer stürzten auf bas Podium, um die Versammlung gewaltsam zn schließen, während die Gewerkschaftler im Saale mit Stühlen geschlagen wurden. Schließlich nahmen die Genossen eine Resolution an. — Nette Aussichten für den Zukunstsstaat!
Ausland
** Huldigung der Geistlichkeit für Franz Joseph. Wien, 23. Nov. Heute Vormittag huldigte die Geistlichkeit aller Kulte dem Kaiser. Die Huldigungsdeputation der katholische, Geistlichkeit, geführt von Kardinal Gruscha begrüßte lebhaft den Kaiser. Der Kaiser sprach der katholischen Geistlichkeit an diesem ihm unvergeßlichen Tag« seinen Dank aus. Kardinal Gruscha überreichte bann eine Hulbigungsadreff« der römisch-katholischen Geistlichkeit Oester« reiths. Darauf wurde die griechisch-orientalisch« Geistlichkeit unter Führung des Erzbischofs von Repta empfangen. Der Kaiser versicherte die griechisch-orientalisch« Kirche seines ferneren Schutzes und seiner Fürsorge. Beim Empfange der evangelischen Geistlichkeit erklärte der Kaiser auf die Huldigungsansprache ihrers Führers, Oberkirchenrats Franz, er habe es stets für feine Pflicht erachtet, den Gedanken zu verwirklichen, daß in seinem Reiche jedem Bürger die volle Freiheit seiner religiösen Ueberzeugung und der Ausübung seines Kultus gewährleistet fei. Hier- auf wurde die Huldigungsdeputation der israelitischen Kultusgemeinden empfangen. Schließlich empfing der Kaiser di« Huldigungsdeputation der katholischen Geistlichkeit Bosniens und der Herzegowina.
“ Deutschland und Frankreich. Bei Beratung über die ausmärHgen Angelegenheiten der französischen Kammer wurde auch das Verhältnis von Deuschland zu Frankreich gestreift. Der Bericht sagt uns: Deschanel sprach fein« Freude darüber aus, daß bei Gelegenheit des jüngsten deutsch-französischen Zwischenfalles di« Regierung und die Parteien ohne Zaudern ihr« patriotische Pflicht begriffen hätten. Es wär« kein gewöhnliches Schauspiel gewesen, zu sehen, daß eine groß« Militärmacht selbst ein Schiedsgericht vorgeschlagen hätte. Deschanel schloß sein« Rede mit der Betonung der Notwendigkeit für Frankreich, sehr stark zu bleiben. (Einstimmiger Beifall.) Pressens^ (oer. Sozialist) schloß sich den Worten Deschanels an und hob besonders den Sieg des Schiedsgerichtsgedankens hervor. Dann sagte er: „Ich glaube nicht, daß sich dar Schicksal stets verhängnisvoll zwischen Deutsch
streckend, „daß sie dieser um ihre Jugend betrogenen Seele Ihr Leben widmen, ihr das Glück bereiten wollen, das sie so lange entbehren mußte."
Erschüttert beugte sich Bruno über der Freundin Hand.
„Ich wußte ja, daß Sie sich mit uns freuen würden," sagte er, einen innigen Blick mit Editha tauschend.
Auch Altens waren nicht gar zu sehr erstaunt, als sie von dem neugeschlossenen Bündnisse horten.
„Ich ahnte es ja längst," meinte Asta. ,Zhr seid doch wie für einander geschaffen."
Im Spätherbst, als der erste Schnee Wald und Felder deckte, war es Pastor Lorenz vergönnt, die Hände des von ihm so hochgeehrten Paares in der kleinen Kirche zu Frauenstein vor dem Altar segnend ineinander zu legen.
„Ihr Glücklichen," sprach Asta bewegt, als sie mit ihrem Gemahl und den Kindern von den Neuvermählten sich verabschiedete. „Gott beschütze Euch und erhalte Euch Eure große Liebe!"
„Mochte Astas Wunsch sich an uns erfüllen," sagte Bruno, als er, allein mit seiner jungen Frau, sie im Arme hielt, ihr tief und innig in die Augen sehend. „Möchte nie der Augenblick kommen, wo wir uns weniger lieben als jetzt."
Sie schmiegte sich voll Zärtlichkeit an ihn.
„Glaubst Du, daß das möglich ist?"
Er neigte sich über sie und preßte di« Lippen auf ihr blondes Haupt.
„Mein Weib!" flüsterte er. Und alle Liebe und Seligkeit, die in diesem Augenblick ihn durchflutete, drückte sich aus in diesen beiden kurzen Worten.