| mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
mrd de« Dettage«: ..Ztterarischrr Aureigrr-, ».ßavdwirtschaftlich- Keilage« «nd „Illustriertes ^Mmlagrblatt«.
Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberbessische nnn Bettung'' bei allen Postämtern und unfern ZntungSstellen in t/IS, £ | y Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21.
— ®ee Bezugspreis beträgt durch die'Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bet unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.
Marburg
Sreitog. 27. November 1908..
Die InsertionSgebübr beträgt für bte 7gespaltene Zeil« eher deren Staunt "15 Mennig, für Reklamen 30 Pfennig. —. Druck und Verlag: Joh. Äug. Koch, UntverfitätSbuchdruckerei Inhaber Dr. 6. Hstzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
43. Jahrg.
Bestellungen
fit >e« Monat Seif miet auf die
„vbeehes s if che Zeitung" nebst ihren Beilage« werden noch von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirchhain. Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstatten und LandbriestrSgern ent- gegengenommen.
Französische Heeresreorganisationspläne.
Trotz der großen Schwierigkeit, die sich infolge des minimalen Bevölkerungszuwachses einem weiteren Ausbau des Heeres in Frankreich entgegenstellen, arbeiten dort Volksvertretung und Heeresverwaltung mit fieberhafter Tii- tigkc t daran, diese Schwierigkeiten zu überwinden und die Präsenzstärke zu erhöhen. Wie weit die „Leutenot" im französischen Heere bereits gestiegen ist, erhellt am besten daraus, daß ein Nekrnt, allerdings vorläufig nur auf Probe, eingestellt werden muß, der nur 1,28 Meter groß tst und nicht mehr als 76 Pfund wiegt. Wenn trotzdem die französisch« Heeresverwaltung an eine Erweiterung ihrer Kadres denkt, so verdien .l ihre Bemühungen unsere aufmerksamste Beachtung.
Rar' zwei Richtungen hin erstrecken sich die französischen Reorganisationspläne. Der eine beschäftigt sich mit der Nutzbarmachung der Eingeborenen Algeriens für die Wehrkraft Frankreichs und der andere hat die Vermehrung der Artillerie zum Gegenstände. Die algerischen Epahis und Turkos, die sich 1870/71 gegen uns wenig bewährt, bet den späteren Kolonialkriegen der Republik und jüngst in Marokko aber große Dienste geleistet haben, sinh Freiwillige und ungefähr 20 000 Mann stark; ihre durchschnittliche Dienstleistung beträgt 8 Jahre. Durch eine gemilderte Aushebung hofft man die Zahl auf 69 000 zu erhöhen, indem man Stellvertretung zuläßt und den Leuten, die länger dienen wollen, Prämien gewährt. Diese algerischen Truppen werden nicht nur aus farbigen Leuten bestehen, sondern es sollen jetzt auch die französischen Kolonisten, die ja seit Generationen schon in Algerien leben und bisher mikitärfrei waren, herangezogen werden. Dabei ist zu bemerken, daß die französische Rasie in den großen afrikanischen Siedelungskolonieen wie auch in dem ehemals französischen Kanada im Gegensatz zur Bevölkerung des Mutterlandes, sich sehr stark vermehrt. Diesen Jungborn des Volkes in Afrika will die französische Regierung zur Erhöhung der Wehrkraft des Landes sich jetzt nutzbar machen. Bereits durch die Konvention von 1880, die vom Eeneralgouoerneur von Algerien unter Zustimmung der Kolonisten anerkannt wurde, ist die Konskription genehmigt und somit das Haupthindernis beseitigt. In Tunis hat die seit Errichtung der französischen Verwaltung bereits bestehende Aushebung glatt funktioniert und gut« Ergebnisie geliefert. Die
75 ‘ Nalvpruck verboten.)
Getrennte Welten.
Roman von Elarissa Lohd«.
fRortlefcungJ
Die Kranke preßte die Hand der Baronin, die sich sanft auf ihre arbeitsharten Finger legte, an ihre Lippen.
„Dank, tausend Dank, gnädige Frau Baronin! Der Herrgott sei mit seiner Gnade bei Ihnen und schenke Ihnen Glück und Segen!" hauchte sie voll Andacht.
„Glück und Segen!" dachte Edith«, als sie einige Minuten darauf weiter dem Forsthause zuschritt, wo sie nach dem alten Förster sehen wollte, der jetzt ohne Weib und Kind einsam dort hausen mußte.
Gab es noch ein Glück für sie? Ach, sie hatte es ja nur wie ein Schattenbild an sich vorüber- hasten sehen, und wie bald war es in Rächt und Dunkel versunken!
Ein „Guten Tag, gnädige Frau Baronin!" tönte ihr von der offenen Tür eines Hauses, an dem sie eben vorüberging, entgegen.
„Guten Tag, Dörthe! Wie gehts?"
„Gott sei gepriesen, gut! Wollen die Frau Baronin nicht einen Augenblick bei mir eintreten ?"
Editha folgte freundlich der Einladung. Mit Befriedigung glitt ihr Auge dabei über die {aubere Kleidung der wenn auch noch nicht kräf- ig, so doch gesund aussehenden Frau. Welch eine Wandlung war da vorgegangen. Und die Kinder? Keine Unordnung, keine schmutzigen Hände und Gesichter mehr.
„Du bist zufrieden?" fragte sie, in der weiß oetünchten Stube mit den Hanf gescheuerten Stühlen sich umschauend.
bisher übliche Aushebung von ein Zehntel der in den Rekrutenlisten eingetragenen Leute soll auf ein Fünftel erhöht werden. Auf diese Weise hofft man, jährlich Tausend« von Franzosen, die sonst nach Afrika übergeführt werden müssen, um die dott stehenden Truppenteile zu ergänzen, zur Verstärkung der heimatlichen Kadres verwenden zu können.
Wie schon oben erwähnt, handelt es sich vor allem um eine Vermehrung der Artillerie. Di« zuerst geplante Verstärkung der Korpsattillerie auf 144 Geschütze, um den Stand der deutschen Armeekorps zu erreichen, hat man jetzt fallen kaffen, da sonst die Iststärke der anderen Truppenteile um 24 000 Mann hätte herabgesetzt werden müffen. Es ist die Umwandlung von 12 Batteri een der Fußartilleriebataillone 7 und 16 in fahrende Batterieen, die zu je drei verschiedenen Regimentern zugeteilt werden, und gleichzeitig die Verschiebung von anderen Batterieen zum Ausgleich der Stärkeverhältniffe befohlen worden. Jedes Armeekorps wird über 30 im Frieden bestehende Batterieen, abgesehen von den den Kavalleriedivifionen zugeteilten reitenden, mit 120 Geschützen, verfügen. Außerdem erhält jede Abteilung noch eine Reservebatterie, zu der die Offiziere. Unteroffizier« und Richtkanoniere vorhanden find, und die stch bei der Mobilmachung fofort zu einer vollen Batterie ausgestaltet. Es werden 200 derartige Kadres von Batterieen de dMonblement gebildet werden. Frankreich wird nach Durchführung dieser Bestimmung über 457 fahrende, 14 Eebirgs- und 52 reitende, im ganzen über 523 Feldbatterieen, verfügen, somit auf 649 volle Friedensbatterieen kommen und uns um 68 überholen. Die französischen Batterieen haben im Frieden ihre Kriegsgeschütze bespannt, und man will außerdem leichte Munitionskolonnen schaffen, um dadurch die Gefechtsbatterieen, die sechs Muni- ttonswagen ihrer Staffel dazu abgeben sollen, noch handlicher zu gestalten.
Wir sehen somit, mit welcher Energie Frankreich seine militärische Leistungsfähigkeit bis auf den letzten Mann auszunutzen im Begriff ist.
Aus dem Reickstaqe.
W"nn es im Sitzungssaale zu sachlich zugeht, ist eS im Foyer um so lebendiger. Rechte Heiterkeit erregte dort eine gereimte Petition an die Abgeordneten, doch ja recht viel Steuern schleunigst zu bewilligen.
Die Besprechungen über die Interpellationen wegen des Grubenunglücks bei R a d b o d schleppten sich mühselig und lustlos durch die heutige Sitzung fort. Daran hatte wesentlich schuld das Bestreben, auch bei dieser Gelegenheit alle Einzelheiten der Bergarbeiterverhältnisse und der Berggesetzgebung aufzurollen, wie es z. B. der Abg. Schiff« lZtt.) mit mehr Fleiß als Geschick unternahm. Vorher hatte der Abg. Graf Kanitz (kons.) unter Angriffen auf die Ausfuhrpolitik des Kohlen- syndikats dem Leiter unseres Bergwesens das Vertrauen ausgesprochen, die Verbefferungsbedürftigkeit der Landes-Berggesetzgebung anerkannt und endlich auf die Unvorsichtigkeit der Arbeiter als eine der Unfallursachen hingewiesen. Die Arbeiterkontrolleure seien kein Allheilmittel, weil eben dazu vermutlich die redegewandtesten gewählt würden, die nicht gerade
„Ich kann nicht Nagen," antwortete die Frau. „Ich habe Arbeit, und da ich meinen Lohn jetzt behalten und nach meinem Willen verwenden darf, kann ich für meine Kinder sorgen und alles blank und proper halten."
„Und Deine ältesten Kinder?" fragt« Ediths.
„Der Jung« ist. noch in der Lehre beim Schmied in Frauenstein wohin ihn der gnädige Herr Baron gebracht hat. Er geht jetzt zum Herrn Pastor in die Christenlehre und mit Gottes Hilfe wird doch noch ein braver Mensch aus ihm. Der Unfrieden im Hause hatte ihn ganz verdorben, et war «in ganz verwahrloster Bursch."
„Und Dein« Tochter?"
„Ach. wiffen die gnädige Frau Baronin denn noch nicht? Die will ja Fräulein Gertrud in die Pfarre als Stubenmädchen nehmen, wenn sie sich verheiratet."
.Mein, Eettrud hat mit noch nichts davon gesagt; aber es freut mich, freut mich sehr."
„Die Frau Baronin wollen noch zum Förster?" fragte die Schulz, als Editha sich zum Fottgehen anschickte. „Ich sah ihn vorhin über di« Felder nach seinem Hause gehen. Der Herr Baron war mit."
„Der Herr Baron? Seit wann ist er zurück?"
„Seit gestern abend, glaube ich. Er hat hier auch schon im Dorübergehen angesprochen und sich nach den Kindern erkundigt. Ach, aber vet, Lndett wird ihn die gnädige Frau Baronin finden, so hell schaut er jetzt aus den Augen, so ganz anders, wie im vorigen Sommer. Da ging er immer so still und in sich gekehrt herum und blickte nicht rechts, noch links. Jetzt sieht et so fiöhlich in die Welt, als stände ihm etwas recht Gutes bevor."
Editha nickte der Geschwätzigen noch einmal
immer bie tüchtigsten Praktiker seien. Der Abg. @et« bei* (frf. Vgg.l erachtete die Besprechung dieses Unglücks für verfrüht.
Zu einem Zwischenfall kam es während der folgenden Rede beS Stellvertreters beS Reichskanzlers Dr. o. Bethmann-Hollweg. Dieser wies ben Vorwurf widerspruchsvollen Verhaltens in Sachen des Bereins- gesetzeS zurück. Er habe seiner Zeit das nationale Interesse, welches für den Sprachparagraphen maßgebend gewesen fei. gerade auch gegenüber den polnischen Arbeitern im Westen zur Anwendung kommen kaffen wollen; er könne aber nicht anerkennen, daß bie polnischen Gewerkschaftsorganisationen ausschließlich gewerkschaftliche Zwecke verfolgten, sondern eben politisch-nationale. Da rief ihm bet immer htzsterisch aufgeregte Sozialbemokrat Ledebour zu: planmäßige Irreführung I und wurde dafür vom Vizepräsidenten Kaempf ebenso zur Ordnung gerufen, tote der sich mit diesem Zurufe identifizierende Abg. Huö (Soz.). Dr. v. Bethmann-Holltoeg teilte noch mit, daß heute dem Reichstage bet Gesetzentwurf, bett, die Arbeitskammern zugehe.
Als Vertretet bet Reichspartei rebete der Abg. Dr. Hoefsel den Herren ins Gewissen, die ein so erschütterndes Unglück zum Gegenstand parteipolittschen Haffes und Haders machten. Die Gefahren des Bergbaues nähmen trotz der Fortschritte von Technik und Wiffenschaft mit der Zunahme der Tiefe zu, tote die Unfallstatistik zeige. Ein Reichsberggesetz werde bald demselben Mißtrauen Begegnen Wie ein Landesgesetz. (Beifall.! Die Arbeiterkonttolleure. für die seine Partei eintrete, müßten aber wirkliche Arbeitet fein, nicht Berufsbeamte, denn solche würden erfahrungsgemäß zu leicht Werkzeuge der sozialdemokratischen Parket. (Sehr richttgl) Der Pole Brejski griff bie Regierung besonders wegen beS Sprachenparagraphen an.
Zu Lord Roberts Rede
läßt sich der ,$>. E." aus London melden:
London, 25. Rov. Maßgebende politische Kreise nehmen die Kriegsrede Lord Roberts deshalb nicht besonders ernst, weil sich darin zu unverblümt der Aerger über die neuerlichen Mitteilungen betreffend die Herkunft desBuren- feldzugsplanes verrät und die ganze Rede ersichtlich die Antwort auf diese Mitteilungen bildete. Der ministerielle „Star" schreibt: „Lord Roberts sprach, wie ein Sensationsromancier schreibt. Bevor wir uns auf seinen Rat einlas- sen, muffen wir einen Blick in die Vergangenheit des Lordfchaftlichen Unglückspropheten werfen. Da erinnern wir uns leider der erstaulichen Tatsache, daß Lord Roberts den südafrikanischen Feldzug für beendigt erklärte, selbst heimkehrte und auf seine Erklärung eine Dotation von 10l- 000 Pfund Sterling eingesteckt hat, während der Ktteg bann in Wirklichkeit noch zwei volle Jahre dauerte. Diese unerhörte Urteilslosigkeit beeinträchtigt natürlich den Wert seiner heutigen Anschauungen ungemein. Wir mißbilligen diese aufs schärfste und halten feine ungereimten Alarmreden gegen Deutschland für staatsgefährlich."
Darin hat das Blatt zweifellos recht, gefähr- liä> ist solche feindselige Stimmungsmache auf jeden Fall und verdient unsererseits stets Beachtung, wenn man auch der Bildung eines englischen Landheeres als einer inneren Angelegenheit Englands mit völliger Ruhe gegenüberstehen wird.
zu und eilte hastig weiter. Bald aber mäßigte sie ihren Schritt, eine eigene Bangigkeit überfiel sie.
„Törin," schalt sie stch. „Meine Nerven find noch immer nicht so stark, wie ich glaubte."
Der Förster saß vor der Tür seines Hauses und rauchte, aber er war allein. Editha konnte fich eines Gefühles der Enttäuschung nicht erwehren, als der alte Mann ihr ehrfurchtsvoll entgegentrat und fie nötigte, sich auf der Bank neben ihm auszuruhen. Aber fie fühlte sich wirklich müde und hatte auch dies und jenes zu fragen, was des alten einsamen Mannes Behagen betraf.
„Unser Herr Baron ist auch wieder hier," bemertte er, als er ihre sorgenden Fragen be« antwottet hatte. „Er wollte zu der Frau Baronin hinüber und ging nut für einen Augenblick mit dem Gehilfen nach der Waldecke, wo die Raupen in diesem Frühling so viel Schaden getan haben."
Editha blickte nach der angebeuteten Richtung. Da trat auch schon Bruno aus dem Schatten bet Bäume hervor, der Forstgehilfe in bescheidener Entfernung neben ihm. Als et die schlanke schwatze Ftauengestalt an bet Seite des alten Försters erblickte, stutzte er und blieb einen Moment stehen. Dann aber ging es wie «in Glanz über fein Gesicht. Beide Hände streckte et ihr entgegen.
„Editha!"
Was wat es, das ihr bei dem Klang seiner Stimme alles Blut zum Hetzen trieb? Sie mußte fich Gewalt antun, um vor den Augen der beiden fie beobachtenden Männer ihr« Fassung zu bewahren."
„Willkommen in der Heimat!" , fuhr er fort. *3$ war im Begriff, Sie in Frauenstein aufzu-
Ein Berliner Telegramm der „Köln. Ztg." meint dazu:
„Wir verstehen nicht, weshalb die öffentlich« Meinung im festländischen Europa und namentlich in Deutschland stch deshalb erregen sollte^ wenn England fich wirklich entschließen wütdg, seine Landmacht entsprechend den Vorschlägen des Marschalls Roberts zu vermehren. Zunächst ist das wirklich eine innere Angelegenheit Englands, uni) wenn England eine weitere Prämie von einer halben Milliarde Mark jährlich füe feine Sicherung ausgeben will, so hat es das mit fich selbst auszumachen. Wit neigen bet Ansicht zu, daß die englische Flotte stark genug ist, um einen Angriff abzuwehren, und abgesehen davon, daß wir England überhaupt nicht angrei» fett wollen, so kann es für uns auch nichts Bedenkliches haben, wenn es nun auch noch ei» starkes Landheet schafft, bas aller Voraussicht nach doch niemals statt genug fein wird, um uns mit Aussicht auf Erfolg anzugreifen. Wit können diese Entwicklung ruhig verfolgen, ohne dabei die geringsten politischen Beklemmungen z» verspüren ober bie Engländer mit Vorschlägen zu behelligen, zu denen wir durch keinerlei Interesse gedrängt werden."
Deutsches Reick.
— Die Hofberichte. Die „N. G. E." schreibt- Der Kaiser hat eine neue Maßnahme getroffen, bie man wohl mit ben politischen Ereignissen bet letzten Zeit in ursächlichen Zusammenhang bringen kann. Der Hofbericht wirb künftighin kürzer unb knapper gehalten werden als bisher. Et soll nut übet diejenigen Handlungen be» Monarchen berichten, bie einen Teil seiner Herr« fitertätigfeit bilden oder aus anderen Gründe« für bie Allgemeinheit von berechtigtem^ Inter- esse erscheinen. Sonstige, private Beschäftigungen des Kaisers wird der Hofbericht als Reg« nicht erwähnen. Auch die Mitteilungen über das Tageswetk der übrigen Mitglieder der königlichen Familie (Reifen der Prinzenföhne tc.) sollen eingeschränkt werden. Das wichtigste aber ist, baß bet offizielle Hofbericht in Zukunft nicht mehr bet Oeffentlichkeit übergeben werden wird, bevor et nicht an amtlicher und verantwortlicher Stelle zur Prüfung unb Durchsicht vorgelegt worden ist.
— Denkmünze. Berlin 25. Rov. Der „Reichs- anzeiaer" veröffentlicht eine allerhöchste Order betreffend Zusätze unb Sanierungen zur Stiftungsurkunde der Denkmünze für die an der Niederwerfung der Aufstände in Südwestafrika beteiligt gemeßenen deutschen Streitkräfte.
— Aus den Gewerkschaften. Wie die „Staats» bürgerzeitung" mitteilt, hat das Tarif amt der Deutschen Buchdrucker nunmehr den Gutenberg» bunb als tariftreu anerkannt. Damit ist ei« langjähriger Kampf dieser christlichen Buch» btuckergewerkschast endlich zu ihren Gunsten entschieden unb ihre volle gewerkschaftliche Gleich» berechtiaung festgestellt.
— Verbot der „Racktdarstellungen". Der Verein „Schönheit" in Berlin hat bas Verbot bet „Nacktbarstellungen" angefochten. Deshalb
■— ___ — _
suchen. Gestatten Sie mir, Sie auf Ihrem Heimweg zu begleiten."
Sie nahm mit leiser Neigung bes Haupte» fein Anerbieten an.
Bruno schüttelte dem alten Förster die Hand.
„Wir sprechen ein andermal weiter über de« Wald."
Wenige Minuten später schritt er an Editha» Seite auf dem von Buchen überschatteten Wege hin, der nach Frauenstein führte.
Schon neigte fich die Sonne zum Untergänge; leises Rauschen ging durch die Zweige, die Vögel zwitscherten im Laube. Beide überkam die Erinnerung, wie fie vor noch nicht einem Jahre denselben Weg miteinander gewandelt waren. Der Herbstwind hatte damals welke Blätter zu ihren Füßen geweht. In ihnen war es dunkel gewesen, dunkel und hoffnungslos. Heute umwob bet licht« Sommerabenb sie mit einem Zauber, unb wie ein seliges Singen unb Klingen zog es burch ihre Seelen. Die Herzen klopften hoch, wie ahnungsvolles Zittern eines nahenden Glückes. Sein Blick suchte bie Auge« Edithas.
„Wie ich mich freue, wieder biet zu fein t« bet Heimat," sagte fie, fich ihm zuwenbenb und auf bie empörtagenben Stämme bet Buchen deutend. „Und ist es auch noch so schön gewesen, die Heimat ersetzt doch nichts. Trotz aller Herrlichkeit bes Meeres, trotz bes Zaubers, bet übet Berg unb Tal von San-Remo ruhte, verließ mich boch nicht bie Sehnsucht nach meinem notbischen Walde, nach all ben mit vertraute» Stätten."
(SchluL felaQ