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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg And Kirchham A

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bei unserer Expedition Markt 21. _ Ä , , .

SÄÄÄSiÄ DmmerMz. 26. Rovember 1908.

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Der SchiedStzertrag wegen Casablanca.

Die31. A. Z." veröffentlicht den im Auswär­tigen 4mi unterzeichneten, aus neuen Artikeln L-stehenden Schiedsvertrag wegen der Vorfälle in Casablanca. Die Hauptpunkte dieses Schied»- Vertrages sind folgende:

Das Schiedsgericht wird mit der Entscheidung der in Frage kommenden Tat und Rechtsfragen betraut. Das Schiedsgericht setzt sich zusammen aus fünf Schiedsrichtern, die unter den Mit­gliedern des ständigen Schiedshofe» im Haag ge­wählt werden. Jede Regierung wählt zwei Schiedsrichter, von denen nur einer ihr Staats­angehöriger sein darf. Die so ernannten vier Schiedsrichter wählen einen Obmann. Am 1. Februar 1909 wird jede Partei achtzehn Exem­plare ihres Schriftsatzes mit beglaubigter Ab­schrift aller Aktenstücke und Urhmben, auf die sie sich in der Sache berufen will, dem Bureau des ständigen Schiedsbofes übermitteln: da» Bureau wird unverzüglich für deren Weitergabe an die Schiedsrichter und n die Parteien sor­gen. Am 1. April 1909 werden die Parteien ihre Gegensthrtttsätze mit den dazu gehörigen Be­legstücken und Schlußanträgen hinterlegen. Das Schiedsgericht wird am 1. Mai 1909 im Haag zusammentreten. Die Parteien und die Mit­glieder des Gerichts können sich der deutschen oder der französischen Sprache bedienen. Di« Entscheidungen des Gerichts werden in beiden Sprachen abgefaßt. Jede Partei wird durch «inen besonderen Agenten vertreten, der zwischen ihr und dem Gericht als Mittelsperson dient. Soweit nicht aus dem vorliegenden Schiedsver­trag sich etwas anderes ergibt, kommen auf dieses Schiedsverfahren die Bestimmungen des Abkom­mens zur friedlichen Erledigung internattonaler Streitfälle vom 18. Oktober 1907 zur Anwen­dung. Nachdem das Schiedsgerichts die ihm unterbreiteten Tat- und Rechtsfragen entschieden hat, wird es dementsprechend über das weitere Geschick der am 25. September d. I. verhafteten Personen, soweit Streit darüber besteht, Be­stimmungen treffen.

Das irauzösische Gelbbuch über Marrokko ist gestern im Parlament zur Vetteilung ge­langt. Es umfaßt 394 Seiten und behandelt die Ereignisse vom 12. Oktober 1907 bis zum 14. Oktober 1908, beginnend mit dem Eintreffen der Mahalla Muley Hafids im Schauja-Eebiete und schließend mit der für den neuen Sultan be­stimmten Note über die Bedingungen für feine Anerkennung. In dem Eelbbuche wird vollstän­dig und aufrichtig die Politik Frankreichs erör­tert gegenüber Abdul Asis und Muley Hafid, den marokkanischen Stämmen und den Mächten, endlich die militärischen Operationen im Schau- jügeb.etL und in den Grenzgebieten. Die Halt­ung Frankreichs, sagt das Eelbbuch, in dem Kcnflttt zwischen Abdul Asis und Muley Hafid ist zuerst präzisiert worden durch die Entsendung des Gesandten Regnault nach Rabat im Winter 1907. Frankreich unterstützt in dem nämlichen Mähe, wie sein Mandat es dazu ermächtigt, den Sultan, der sich geneigt gezeigt hat, die Refor­men zu verwirklichen. Frankreich und Spanien sind verantwortlich für die Sicherheit in den Häfen: sie wachen dort, halten die Autorität des Machsen aufrecht, verwenden sich halbamtlich für ihn, um ihm für den Sold in den Garniso­nen das erforderliche Geld zu oerschafien und halten für jede Eventualität ihre Schiffe bereit. Frankreich tritt unvermittelt in Casablanca ein, ferner im Schaujagebiet, um einen recht- mähigen Druck auszuüben. Der Erfolg Muley Hafids stellte die internationale Frage auf, wann und wie er anzuerkennen sei. Frankreich stellte im Einverständnis mit Spanien noch ein­mal das Prinzip des Zusammenwirkens der Mächte auf und unterbreitete den auswärtigen Kabinetten erst Vorschläge und dann den Text einet Note, welche bte allgemeine Zustimmung

sanden. Die Politik Frankreichs war von dem­selben Geiste beseelt bezüglich der Entschädigun­gen iu Casablanca, welche den Gegenstand wech­selseitiger Beratung der Mächte und der Einig­ung auf der Grundlage de» französisch-spanischen Vorschlag«» bilden. Hebet alle Fragen von Wich- ttgkeit hielten Frankreich und Spanien ihr« be­sonder« Vereinbarung aufrecht. Di« anderen Mächte verhielten sich zustimmend und freund­lich, aber bte Verständigung mit Deutschland war schwieriger. Deutschland formulierte eine Reihe von Beschwerden betreffend die Schwierig­keit bet Landung und der Einschiffung auf der Rhede von Casablanca und betreffend einge­borener Schutzgenossen und deutscher Kaufleute, die sich durch eie französischen Militärbehörden verletzt erklärten, ja sogar betreffend die angeb» lich« Absicht Frankreichs, mit seinen Kreuzern die WiÄ>ereinnahme Saffis durch den Machsen zu unterstützen. Frankreich liefert« für alle» diese» Erklärungen und durchaus schlüsfige Be­weise. Das Gelbbuch gibt ganz detaillierte SRittetlungen über den interessanten Versuch der Asstociierung französischer und deutscher Häuser zum Zwecke bet Vornahme von Kanalarbeiten und des Baue» eines Hafens in Laroche. Das Gclbbuch enthält keinen auf bie Deserteurfragen bezüglichen Abschnitt. Dies« Frage wird gänz­lich dem Schiedsgericht überlassen. Dagegen nehmen in dem Gelbbuch die Erenzftagen einen breiten Raum ein.

Das Unglück auf Zeche Radbod.

Bochum, 24. New. Bei dem Unglück auf Zeche Radbod find 341 Personen getötet und 27 verletzt, mithin 368 Personen von dem Unglück betroffen worden. Von den Getöteten waren 232 verheiratet, 105 ledig und 4 verwitwet. Das Sekttonsverwaltungsbureau der Knappschafts- berufsgenosienfchaft hat die erforderlichen Ar­beiten für da» Rentenfestsetzungsverfahren un­verzüglich aufgenommen und so gefördert, daß mit der Auszahlung der Entschädigungen für die Hinterbliebenen seitens der zuständigen Post­ämter bereit» am 19. November begonnen wer­den konnte. Die letzten Zahlungsanweisungen sind, soweit deren Ausfertigung erfolgen konnte, der Kaiserlichen Oberpostdirektion in Dortmund am 22. November vormittags eingesandt wor­den. In 71 Fällen konnte das Hinterbliebenen­geld und in 79 Fällen die Hinterbliebenen- rcnten noch nicht angewiesen werden, weil der Wohnort der Hinterbliebenen noch nicht zu er­mitteln war. Die Fürsorge für die Ausländer wird stattfinden, wenn die erforderlichen Urkun­den durch die betreffenden Konsulate beschafft worden find, wozu sich diese schon bereit erklärt haben. Die bis jetzt festgesetzten Unfallsent­schädigungen betragen: 1. einmalige Ausgabe für 341 Getötete: 36 536.28 -4t Sterbegeld oder im Durchschnitt pro Kopf 107.14 M; 2. fortlaufend« Ausgaben für 232 Witwen mit 567 Kindern 184 010.34 <41; int Durchschnitt entfallen auf jede Familie rund 800 -4t (genau 739.15 -4t). Ferner erhalten sechs Waisen zusammen eine Jahres­rente von 1382.22 -4t. Nach den bisherigen Feststellungen der Knappschaftsberufsgenoffen­schaft beziehen an Rente: 31 Witwen mit mehre­ren Kindern eine Jahresrente von 1000 bis 1100 JA, 112 Witwen mit mehreren Kindern eine Jahresrente von 900 bis 1000 -4t, 2 Witwen mit mehreren Kindern eine Jahresrente von 800 bis 900 -4t, 4 Witwen mit mehreren Kindern eine Jahresrente von 700 bis 800 -4t, 32 Wit- mn mit einem Kinde eine Jahresrente von 600 bis 700 -4t. 1 Witwe mit einem Kinde eine Jahresrente von 573.12 -4t, 1 Witwe mit einem Kirche eine Jahresrente von 476.40 -4t, 46 allein­stehende Witwen eine Jahresrente von 300 bis 400 JA, 2 alleinstehende Witwen eine Jahres- rente von 275.88 -4t, 1 alleinstehende Witwe eine Jahresrente von 238.20 -4t. Die Verhandlungen übet die Accendentenansprüche sind, soweit solch« bekannt geworden, eingeleitet, haben aber ihren Abschluß noch nicht finden können. Zur Zeit be­finden sich noch 22 Verletzte im Krankenhause, während 5 inzwischen entlassen »erben konnten.

Hessen-Nassau und NachdargebieLe.

Dillenburg, 23. Nov. Set Ulan, bet am Samstag Abend in Merlenbach Quartier neh­men wollt« und bann plötzlich sich auf einen "Patrouillengang" begab, hat diesen bisher aus­gedehnt. Die Hüterin bet Ruhe und Ordnung nahm den Ulan in ihre offenen Arm« und ex­pedierte ihn schleunigst nach seinem Garnisons- orle zurück. Der Ulan heißt Roth und stammt von hier. Er ist derselbe, bet bereits vorige» Jahr desertierte und in bet ganzen Umgegend von sich reden machte .

Eermerobe, 23. Rov. Der Landwirt W. von hier wurde heute von bet Strafkammer bes Landgericht» zu Cassel wegen Milchpantscherei zu 300 JA, Geldstrafe verurteilt. Gr hatte bet von ihm verkauften Mich bi» zu 40 Prozent

Wo siet zusetzen laffen. Di« Mitangeklagte Mut- te. des W. wurde freigesprochen, obwohl ihr Sohn sie selbst bet Rcchrunasmittelverfälschung in bet Verhandlung beschuldigte. Bei der Ver­kündigung be» Urteil» stieß bet Angeklagte seine Mutter mit dem Ausrufe:Du bist e» gewesen und ich werde verurteilt!" so heftig an, daß sie von der Anklagebank herabfiel. W. wurde wegen Ungebühr vor Gericht in eine sofort zu vollstreckende Haftstrafe von 3 Tagen verur­teilt. (Eschw. Tgbl.)

Inheiden 24. Noo. Während bet kalten mondhellen Rächte, die vor 8 Tagen herrschten, horte man bes Nachts Schießerei. Bei näheret Erforschung ergab sich, daß eine Zigeunerbande regelrechte nächtliche Treibjagden abhielt. (Hallatt!)

Rothemühle, 23. Nov. Der Händler Pampu» aus Niedetodenspiel, der nach hier Waren ver­kauft hatte, wurde in bet vergangenen Nacht auf bet Rachhausefahrt von mehreren Personen überfallen, erschlagen und seiner Barschaft von 30 -,4t beraubt. Den latent ist man auf bet Spur.

Siegen, 24. Nov. Unsere Stadt darf sich rühmen, auf dem Gebiete der Körper- und zu­gleich Gesundheitspflege wieder einen Schritt vorwärts gekommen zu fein, indem sie am Real­gymnasium bas Schwimmen obligatorisch einge» führt hat. Die Volksschulen folgen im nächsten Jahre: «in diesbezüglicher Antrag ist bereit» gestellt.

....... »ns

Unpolitische Tagesnachrichten.

Bonn, 23. Nov. Die hiesige Bank für Han­del und Gewerbe hat ihre Zahlungen eingestellt. Die Bank genoß ein weitgehendes Vertrauen, sodaß ihr an Depositen etwa 6 Millionen anver­traut wurden, darunter auch Kirchengelber. Die Bank hat in Grundstücken enorme Beträge fest, liegen, so bei einer Godeberger Baugesellschaft allein 3 Millionen Mark zu fordern. Darin liegt auch die Ursache des Zusammenbruches. Das Aktienkapital und bie Reserven müssen als völlig verloren angesehen werden. Inwieweit bie Gläu­biger befriedigt werden- steht noch nicht fest, doch dürfte auch hier ein größerer Ausfall wahrschein­lich sein. Der Aussichtsrat des Instituts setzt sich aus Vertretern angesehener und meist be­güterter alteingeseffener Bonner Familien zu­sammen.

Breslau, 24. Nov. Auf den in Breslau auf- gestiegenen LuftballonSchlesien" des Schlesi­schen Vereins für Luftfchiffahrt, welcher über Krotoschin, Jarotschin, Zerkow der russischen Grenze zuflog, wurden auf deutschem Gebiet mittags von Ruffen, anscheinend Erenzkosaken, fünfzehn Schüsse abgegeben, wovon einer den Ballonkorb streifte, ein zweiter einen Ballastsack durchbohrte. Dies geschah, trotzdem der Ballon die deutsche Fahne gehißt hatte. Durch Ballast- ausrouif entging der Ballon weiteren Angrif­fen: «r landete in Znin.

Leichlingen, 24. Rov. Ein interessantes Stück­chen aus der Bureaukratie hat sich hier zuge­tragen. Der Sohn eines Messerreiders von hier, der die katholische Schule besuchte, war am L April b. I. entlassen und bei einem Metzger am Bahnhof in bie Lehre gegeben worden. Kürzlich stellte es sich nun heraus, daß der Knabe anstatt, wie angenommen, im Jahre 1894 ein Jahr spä­ter, also 1895 geboren ist, also zu früh aus Set Schule entlassen worden war. Der junge Mensch hat nunmehr auf Verfügung bet Behörde seine Lehrstelle verlassen müssen und fitzt seit Montag wieder auf bet Schulbank.

Hannover, 24. Rov. An bet am Freitag, ben 27. November, in Springe stattfindenben Hofjagd nimmt bet Kronprinz teil.

Gestrandete Schiff«.

Paris, 24. Nov. Aus Latochelle wirb ge­meldet, daß der von England kommend! deutsche DampferHermine" an der Küste bei St.Seurin b'Hzet gestrandet ist. Das Schiff gelte als ver­loren.

Cuxhaven, 24. Nov. Das italienische SegelschiffFerdinanda", mtt einer Holzladung von Riga nach Swansea bestimmt, ist bei Ter- scheling gestrandet. Fünf Mann wurden ge­rettet, der Kapitän und ein Mann befinden sich noch an Bord, sieben Mann find vermißt.

Hessen-Kunst 1909.

Kalender für alte und neue Kunst. Heraus­geber Christian Rauch. Zeichnungen und Bil­det von Walter Waenttg. Verlag von Adolf Ebel, Marburg.

Der jetzt im 4. Jahrgang erscheinende hei­matlich« Kunstkalender darf mit gleichet Freude begrüßt werden, wie feint Vorgänger, sowohl

wegen seines reichhaltigen Inhalts als auch wegen bet guten Ausführung und Ausstattung. Di« Zeichnungen und Bildet machen uns dies­mal mit einem bedeutenden, jungen Maler be­kannt, bet als Schüler Carl Bantzers in un­serer engeren Heimat mit ihrer farbenfrohen Kultur und herrlichen Landschaften seine tiefften Anregungen empfangen hat. Besonders möchten wir von seinen Gemälden dasBildnis eines Bauernmädchens" und benBauern an bet Schnitzbank" hervorheben, Bilder, die zwar den Bantzeffchüler nicht verleugnen, andrerseits aber eine durchaus selbständige Auffassung und feine Durcharbeitung verraten. Der Künstler scheint die dunkle Farbengebung zu bevorzugen, was sich allerdings bei der Reproduktion einzelner Bilder und Zeichnungen wenig vorteilhaft zu erkennen gibt. Der Kalender enthält eine Studie über den Glockenturm in Hersfeld von A. Holtmeyer, bie sich zu einer interessanten kurzen Baugeschichte bet ehemaligen Stifts« kitche erweitert. Professor Paul Weber-Jena sucht den Nachweis zu führen, daß die Piesa- gruppe Im Marlenaltar des nördlichen Querhau­ses bet Ellsabethttrch« gleich anderen berartigen Gruppen, z. T. in Jena, eine böhmische Arbeit aus dem 14. oder 15. Jahrhundert ist. Dr. Kneisch berichtet übet Holzschnitzereien aus der hiesigen Sammlung des Hessischen Geschichtsver­eins und beschäftigt sich besonders mit dem Holzschmuck bes im Jahre 1859 entfernten Fischetschen Häuschen an der Ecke bet Juden« und Wettergasse (eine Litographie von diesem Hause enthält der Marburger Führer von Joh. Aug Koch 1850), unb bem 1903 abgebrochenen Schlppelschen Hause in bet Wettergasse. Beson­dere» Interesse beansprucht noch die Untersuch­ung(Eine Madonna von Riemenschneider?", als bie bet Verfasser bas M' t rgottesbilb von Großostheim im Bachgau ansieht u»d last not least, die durch Abbildungen erläuterte Dar­stellung vonSchmuck und Dekoration an H'N« tertänber Bauernhäusern" durch Pfarrer Spieß. Qottenhorn. deren Studium wir besonoers an­empfehlen möchten.

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