i mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
rrrrd den Keilagen: ^Ktterarischrr Anzeiger", „Kandwirtschastliche Kettage« «ud „JUnstrierle* SonnttrgsblaLt". x
Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberbrssisch« rm ~ .. „ , „ ,, ,,
4A>1O Zeitung" bei allen Postämter« und umern ZettungSstellen in ärtdtutttd * clV fl.S6 B®- ble 7 ^p^*ne ^eUt
JlS. 278 «irch h a in und Wetter sowie bei unserer tSrpedrtion - Markt LI. ö oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklame« 30 Pfennig. — >q CV^m»
— Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne jRlMöttTSf/M 9ß 1QDA ?*!”*„ Verlag: Iah. Bug. Koch, UnwersitätSbuchdruckerei ***♦
Bestellgelds, bei unser« Zeitungsstellen und der Expedition 2 ML -OMW-MHJ, CA>. JIUUCUIUU lirUO. Inhaber Dr. S. Hstzeroth, Marburg, Markt 2L — Telephon 56.
Erftes Blatt
Die deutsche Invasion.
Au» der vorgestern durch einen Antrag des Kord Roberts hervorgerufenen Debatte des eng- -tischen Oberhauses über diese Frage, die wir sjeestern nur kurz erwähnten, teilen wir noch folgendes mit. Lord Roberts sagte: Ich habe die Frage unter dem Eesichtspunkte geprüft, daß die einfallende Macht von Deutschland Herkommen werde. Lord Balfour hat (1905) Frankreich als Beispiel angeführt, ohne daß er dabrt an Feindschaft gegenüber Frankreich oder an eine von diesem Lande zu hegende Befürchtung dachte. Für meine analoge Beziehung auf Deutschland nehme ich dementsprechend den Anspruch, daß sie weder Feindseligkeit gegen Deutschland noch Furcht vor ihm einschließt.
Er und Lord Lovat hätten ermittelt, daß in Deutschland jederzeit Schiffe verfügbar seien, die zur Unterbringung von 200 000 Mann ausreichten. Diese Truppen könnten während mehrerer Monate des Jahres in den ihren Bezirken zunächst gelegenen Höfen zusammengezogen werden ohne Mobilisierungsmatznahme, die Eisenbahnverbindungen seien solche, daß sie gestatteten, dieses Heer in sehr viel geringerer Zeit als in Frankreich nach den Häfen zu bringen und einzuschiffen. Seine Untersuchungen und die- Wenigen Lovats hätten bewiesen, daß ein deut- ches Heer von 150 000 Mann in der gleichen Zahl von Schiffen transportiert werden könnten, die Balfour für die Einschiffung der halben Zahl für nötig erklärte. Die Einschiffung und die Ausschiffung würden weit weniger Zeit in Anspruch nehmen, als dafür angenommen worden sei. Nachdem sich Lord Roberts eingehend über diesen Punkt verbreitet und auf die verschiedenen verwaltungstechnischen vnd strategischen Vorteile bingewiesen hatte, durch die es Deutschland möglich sein würde, der englischen Flotte zu entgehen und eine Invasion auszuführen, fuhr er fort: Es wäre Torheit, unsere Augen diesen Möglichkeiten gegenüber zu verschließen, so sehr wir den Frieden wünschen. Die warnenden Ereignisse im nahen Osten brachten es dem sorglosesten Beobachter zum Bewusstsein. dass nichts ein Land zu retten vermag, dass für seinen Schuss nicht vorbereitet ist. Weder Bündnisse noch Verträge sind von Russen. Wenn wir fortfahren, die gewöhnlichsten Vor- sihlsmahregeln zu vernachlässigen, so können wir uns eines Tages in den Händen einer eingedrungenen Macht befinden und gezwungen sehen, uns den demütigendsten Bedingungen zu unterwerfen. Die Gefahr wird mit jedem Tage drohender. Innerhalb von zehn Jahren hat Deutschland die grösste Seemacht geschaffen, die äusser der augenblicklich furchtbaren englischen Flettenmacht jemals bestanden hat. Wenn die ausgezeichneten gesetzlichen Massnahmen für eine weitere Verstärkung der deutschen Seemacht getroffen werden, so werden keine Häfen in der Welt besser ausgestattet sein als die deutschen Nordseehäfen, und die Handelsmarine wird mit ielt.i Tage wirksamer werden. Um eine Jn-
*71 ।oerboten.)
Getrennte Welten.
‘ Roman von Clarissa Lohde.
(Fortsetzung.)
Um so lebhafter ging es im Amtmannshause zu, wo zu Gertruds Hochzeit gerüstet wurde. Alle Tage fast fassen die behäbige Amtmännin und Fräulein Christine, zuweilen als dritte im Bunde auch noch die würdige Frau Schott aus Frauenstein in langen Beratungen über Aussteuer und Hochzeit beisammen. Tischler und Tapezierer arbeiteten fleissig an der Renovierung des alten Pfarrhauses, moderne Möbel wurden hereingeschafft, so dass es bald ein ganz gewandeltes Aussehen erhielt. Auch das neu erbaute Krankenhaus in Frauenstein stand schon unter Dach, und die im Namen der Baronin vom Pastor Lorenz geworbene Diakonissin waltete getreulich bei den Kranken Frauensteins und Schönwaldes ihrer Samaritertätigkeit. Bruno hatte gemeinschaftlich mit dem Pastor schon verschiedene Male sich den Bau angesehen, zu dem Editha, trotz des Widerspruchs beider Anwälte die nötigen Summen aus iyrem Privatvermögen hergab. Dass er sich noch an diesem schönen Werke werde beteiligen dürfen, hoffte er noch immer, wenn Editha nur erst zurückgekehrt sein würde.
Endlich kam auch dieser von so vielen Herzen ersehnte Tag heran. Die Heimkehr der Baronin hatte sich durch eine Krankheit des kleinen Günthers verzögert. Editha hatte, schon auf der Rückkehr begriffen, noch einige Wochen am Genfersee weilen müssen. Jetzt war der Kleine soweit hergestelft, dass von den Aerzten die Reise gestattet wurde. Aber es war mittlerweile der
vafion ausführen $u können, muss eine Ration nicht notwendig die Herrschaft zur See besitzen. Eine zeitweise oder lokale Beherrschung würde genügen. Dies ist den Deutschen sehr wohl bekannt und es kommt nicht darauf an, wie stark unsere Flotte sein kann, das Haupterfordernis ist ein starkes Landheer, ein Heer aus Bürgern, das aus einer Million Mann bestehen sollte. Jenseits des nahen Meeres lebt ein Volk, das über 60 Millionen Menschen zählt, die unsere stärksten Nebenbuhler im Handel sind, und die die grösste Heeresmacht der Welt besitzen. Sie fügen zu einer überwiegenden Militärmacht eine Flotte hinzu, die sich entschieden und schnell vergrötzett hat während wir keine entsprechen, den militärischen Eegenmaßregeln getroffen haben.
Der Staatssekretär der Kolonien Earl o f Crewe verbreitete sich über die Wirkung, welche die Annahme der von Lord Roberts über die Invasion aufgestellten Theorien zur Folge haben würde, und erklärte, was die Flotte anbetreffe, so seien alle Parteien der Ansicht, dass England eine überwiegende Flotte haben müsse. Er glaube, wenn sich heute Herausstellen sollte, dass es an Geld fehle, so würde es für die Bereitwilligkeit des Landes, Geld für die Verteidigung des Landes zur See zu spenden, keine Grenzen geben. Redner schloss: Die Flotte wird nicht auf ihrer gegenwärtigen Stärke gehalten lebiglid) in der Absicht, dass sie imstande sei, irgendwo inmitten des Ozeans siegreich zu kämpfen, sondern sie wird aufrecht erhalten, und sie wird, wenn nötig, verstärkt werden aus der lleberzeugung heraus, dass hauptsächlich sie die Verteidigung unserer Küsten sichert. Wenn man sich die Theorien von Lord Roberts zu eigen machte, so würde man diese Ueberzeugung zerstören. Deshalb missbillige ich ibre Diskussion nnb würde noch unendlich mehr die Annahme seiner Resolution missbilligen. Zu gleicher Zeit bringe ich meine Zustimmung dazu zum Ausdruck, dass es notwendig ist, dass wir ein Heimatsheer haben, das stark und organisiert genug ist, um einen lleberfall abzuweisen, eine Panik zu verhindern und den Feind zu zwingen, in solcher Macht zu kommen, daß sich bedeutende Schwierigkeiten ergäben.
In seiner Rede gegen die Resolution des Lord Roberts fühtte Earl of Crewe noch aus, dass abgesehen von anderen Gründen es unmöglich sei, die Resolution von der Rede des Lord Roberts zu trennen, während Cawder, der im Namen der Oposition sprach, die Ansicht verfocht, dass, wenn man für die Resolution stimme, man sich damit noch nicht binde auf die Ausdrücke, die Lord Robetts in seiner Rede gebraucht habe.
Wir sind im letzteren Punkte ganz der Ansicht des Lord Crewe. Es ist überhaupt unerfindlich, wie derartige Hirngespinste wie der Gedanke einer deutschen Invasion in England von klardenkenden Männern wirklich ernsthaft diskutiert werden kann. Es bleibt da nur der Ausweg anzunehmen, daß unsere lieben Vettern den Zeitpuntt für gekommen erachten.
Lord Lansdowne erklärte: Ich würde mich hüten, zu irgend einer Erklärung zu ermutigen,
die die Internationale Spannung vergrößern könnte.
Lord Milner erklärte, es könnten jeden Tag Umstände etntteten, die die Zurückziehung der zur Verteidigung der indischen Besitzungen bestimmten regulären Armee nötig machen könnten, und solche Umstände würde jede europäische Macht, die irgend eine Rechnung mit England zu begleichen hätte, zur Begleichung der Rechnung wählen.
Die Resolution Lord Roberts wurde mit großer Mehrheit angenommen.
Wir Deutschen werden gewiß den Engländern nicht das Recht bestreiten, ein Landheer der allgemeinen Wehrpflicht zu schaffen, wie sie wollen, wir lassen uns auch in die Ausdehnung unserer Flotte nicht hineinrsden. Interessant aber bleibt es, daß Leute von der Bedeutung Lord Roberts gerade jetzt solche Töne anschlage- und einen so starken Resonanzbede* finden. Wie sehr wir nötig haben, alle diese Dinge mit großer Aufmerksamkeit zu verfolgen, geht au» folgenden Anmerkungen der französischen Zeitung „Temps" hervor. Sie schreibt: Seltsam sei die Anschauung Lansdownes, daß von dieser Frage nicht öffentlich gesprochen werden dürfe. Warum soll man auf der Parlamentstribüne nicht sagen dürfen, was jedermann weiß? Warum will man England einreden, daß es eine Armee hat, während es doch in Wirklichkeit keine Armee besitzt? Damit England eine gesicherte Zukunft habe, damit es in der europäischen Staatengruppierung a l l i a n z f ä h i g sei, braucht es eine Armee. Es genügt daran zu erinnern, dass seine Armee vor hundert Jahren besser war, dass die englischen Streitkräfte gegenüber den aus der allgemeinen Wehrpflicht hervorgegangenen Heeren lächerlich gering sind.
So hallt das Echo wieder. Wozu Frankreich eine starke englische Armee wünscht, ist von vornherein klar. Die Ausführungen^ des Lord Roberts enthalten im einzelnen soviel des Unmöglichen, so z. B. über die Stärke unserer Flotte über die Invasion selbst, daß man sie nicht allzu ernst zu nehmen braucht. Ob sie praktische Folgen haben werden, ist zum mindesten sehr fraglich, denn der Engländer hat gegen die allgemeine Wehrpflicht eine sehr große Abneigung; auch wird die Regierung zur Zeit kaum auf diese Anregungen eingehen. Daß aber die Mehrheit des Parlamentes sich kurz nach einer einmütigen Friedenserklärung des deutschen Reichstags zu einer solchen Debatte und Resolution entschließt, muß uns zu denken geben, mindestens uns überzeugen, daß die vielerlei „Bestrebungen" von Friedensphantasten in der rauhen Wirklichkeit in England noch keine Stätte gefunden haben. Solange aber dürfen auch wir dem schonen Ziel des Völkerfriedens nichts mehr als eine platonische Liebe entgegenbringen.
Alle Versöhnungsreden und Besuche nutzen
Juni herangekommen, und Pastor Lorenz wartete schon ungeduldig auf die Rückkehr der geliebten, lang entbehrten Braut, um sie endlich heimführen zu können.
Bruno war gerade für einige Zeit nach Berlin gegangen, wo er mit einigen Theaterdirektoren wegen der Aufführung seines Dramas in der Wintersaison zu unterhandeln hatte. Und wie immer, widmete er dann auch einige Tage den Freunden und verlebte stille Stunden mit der Rätin in deren Garten, der mitten im Gewühl der Großstadt ihn wie eine Oase des Friedens und Wohlseins umfing.
„Sie müssen mir diesen Sommer wieder einige Wochen schenken," bat er die Freundin. „Sie ahnen gar nicht, wie sehr ich mich in meiner Einsamkeit dort in Schönwalde nach einem verständnisvollen Worte, einem Austausch der Gedanken sehne."
Die Rätin nickte.
„Ich komme gern," sagte sie, „um so lieber, da nun doch auch bald die Baronin nach Frauenstein zurückkehren wird. Dann wird es mir doch endlich möglich werden, dieser Frau, die mein Interesse in so hohem Grade erregt hat, näher zu treten."
„Ja, wenn sie erst zurückkehtte!" seufzte Bruno auf. „Haben Sie vielleicht etwas nähere» darüber von dem Justizrat erfahren?"
„Er ermattet sie sehr bald, wie er mir letzthin sagte," entgegnete die Rätin mit einem verständnisvollen Lächeln in das von einem leichten Rot übergossene Antlitz Brunos sehend.
„Auch Graf Alten und Gemahlin werden sich einige Zeit in Frauenstein aufhalten, wo des Grafen Anwesenheit zur endlichen Erledigung der Nachlaßangelegeichett dringend notwendig ist."
„Ja, ja, Alten schrieb mir davon, doch ohne einen bestimmten Zeitpunkt anzugeben, da alle» von der Genesung des kleinen Günthers abhinge."
Zu seiner Freude erfuhr Bruno, als er am nächsten Tage nach Schönwalde zurückkehtte, daß Editha während seiner Abwesenheit in Frauenstein eingetroffen sei.
„Ach, die Freude," rief die ihn begrüßende Wirtschafterin, nachdem sie ihm diese Nachricht mitgeteilt hatte, ganz erregt. „Alle Schönwalder sind in Aufregung. Das Krankenhaus ist von oben bis unten mit Euirlanden geschmückt, und bei Amtmanns jubelt Alt und Jung; denn nun ist auch Fräulein Gettrud da, und es wird bald Hochzeit geben." Bruno konnte feine Bewegung kaum bemeistern. War es ihm doch jetzt klar, daß er das Bild Edithas im Herzen getragen, feit et sie zum erstenmale gesehen; hatte et sich der ihm entgegengetragenen Liebe jenes schonen, koketten Mädchens doch nur so unbe- dingt hinaegeben, um das aufkeimende Gefühl für das Weib eines anderen, dessen et sich ahnungsvoll bewußt geworden wat, niedetzu- halten.
Editha wandelte indessen mit großen, still glücklichen Augen durch Garten, Wald und Feld. War sie doch wieder in der Heimat, die ihr jetzt erst wirklich zur Sietmat werden sollte, unter all den treuen Menschen, die an ihr hingen, die sie lieb hatte, für die sie fortan, ungehindert dijtch irgendwelche Einsprache, wirken, für die sie leben konnte. Mit dem Kinde an der Hand schritt sie durch das Torf, wo ihr aus jedem «die Bewohnet entgegentraten, die Kinder
Blumensträuße überreichten, und die Alten ihr voll warmer Bewegung einen Willkommen- grutz, ein: Gott segne unsere liebe, gnädige Fran *
nichts, solange sie kein anderes Echo finden al» da» soeben au» England gehörte.
Der Londoner Korrespondent der „Franks. Ztg." sucht da» Unbehagen, bas sich in Deutschland nach dieser Verhandlung naturgemäß entwickeln wird — denn allzu friebfertig hören sich bie Reden nicht an —, etwas zu zerstreuen, indem et schreibt: In bet Tat wirb General Roberts bei aller Achtung vor seinem Patriotismus unb großen Verdiensten nicht ganz ernst genommen, seitdem et sich völlig in den Bann bet Gruppe bet „Rational Review" begeben hat. Anberersetts bestaub für Lorb Lansbowne, nach- bent Roberts batauf verzichtet hatte, von der Regierung eine Erklärung über die furchtbare Gefahr zu verlangen, fein Grunb, ben Rest des Robertsschen Antrages ablehnen zu lassen. Anscheinend ist der ganze Vorstoß, vielleicht ohne das Lord Roberts es weiß, bloß arrangiert worden, um die Regierung gegenüber dem Missbehagen einer starken liberalen Gruppe bei ben grossen Flottenbauten des nächsten Jahres fest« zuhalten. Tatsächlich hat Herr Asquith bereit» gestern im Unterhaus erklärt, daß et bei dem Standard von zehn Prozent Superiorität über jede mögliche Kombination zweier Mächte bleibe, was bei den heutigen Allianzen Englands praktisch auf den Drei- oder Vier-Mächte- Standard gegen Deutschland hinauskommt.
Eine äußerst wichtige Mitteilung wird bet Wiener Allg. Ztg." aus diplomatischen Kreisen gemacht, bie biefen Auslassungen bet „F. Z." widerspricht: Die Rede Lord Roberts gewinne noch eine größere Bedeutung durch bie Tatsache, baß sie birett auf ben Einfluß König Eduards zuttickzuführen fei. Der König, bet sich mit dem liberalen Regime burchaus nicht im Einklang befinbe, wünsche bie Schaffung einer grossen englischen Armee, nicht bloss um Englanb gegen eine beutsche Invasion zu schützen, sondern auch damit England gegebenenfalls auf dem Kontinent mit bedeutenden militätischen Machtmitteln auftrelen konnte. König Eduard befinde sich dabei in vollster Uebereinftimmung mit den maßgebenden französischen Kreisen, da Frankreich einet Umwandlung bet Entente in eine Allianz nur bann zustimmen könnte, wenn Englanb eine Armee besitze, bie im Kriegsfall auf bem Kontinent eine bebeutenbe Rolle spielen konnte. —
Aus dem Reichstaqe.
Der Reichstag verhandelte gestern übet die Interpellationen bett, der Katastrophe auf der Zeche „Radbod". Nach Begründung der Interpellationen durch die Abgg. Wiebeberg (Ztr.) unb Behren» (wirtsch. Vgg.) führte Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg aus: Wir schließen uns bem Danke des Reichstages an die Nationen an, die ihr Beileid zu der Katastrophe ausgesprochen haben. Es ist von votnherttn der Ruf nach erhöhtem Arbeiterschutz unb nach bem
Baronin! zutiefen. Der Pastor führte sie nach bem Ktankenhaufe, wo bie Diakonissin ihr not« gestellt würbe, unb bann zu dem neu hetgerich- teten Pfarthause, wo seine Braut mit ihren Eltern zu einem frugalen ländlichen Frühstück ihrer wartete.
Nach Bruno hatte sie sogleich nach ihrer An- fünft gefragt und gehört, daß er in Berlin sei. Das wat eine fleine Enttäuschung gewesen. Sie freute sich auf dieses Wiedersehen, freute sich, ihm sagen zu fönnen, wie sie sich die ganze Zeit mit ihm beschäftigt habe, wie sie seine Erfolge mitgefiihlt, wie sie sich an dem Lesen seine» Dramas, das zu sehen ihr nicht vergönnt gewesen war, erbaut und allen Ideen, bie er barin entwickelt, zugestimmt habe. Die Diafonisfin hatte eine nach schwerer Kranfheft in bet Genesung begriffene Frau in Schönwalde zu pflegen, bie zu ben besonderen Schützlingen Edithas zählte. Sie versprach daher der Schwester, nachmittags dort einen Besuch zu machen.
Der Tag war so frisch und heiter, daß Editha sich entschloß, den Weg, der fast ganz durch einen Buchenwald führte, zu Fuß zurückzulegen. Die Diakonissin empfing die Baronin, bie schon vorher einige Erfrischungen für bie Kranke geschickt hatte, in bet Tüt. Es ginge heute schon seht viel besser, berichtete sie. Die Fteube habe die Kranke merkwürdig gefräftiat. Editha lobte das Aussehen bet kleinen Wohnung, die unter bet sorgenden Hand bet Schwester hübsch unb sauber erschien, unb segnete im Stillen ihre« Entschluß, biese Pflegerin hetbetusen zu haben. Nun waten auch bie Aetmsten unb Verlassensten bes Dorfes nicht mehr ohne Hilfe ober auf ben Beistanb anbetet, außerdem schon mit Arbeit überlasteten FamMenmitglieder angewiesen.
(Fortsetzung folgt.) j