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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und de« Beilage«: .Literarischer Adriger",Laudarirlschafttrche Beilage- ««dILastriertrs Ksmrta-sblatt-.

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Marbmg

Dienstag, 24. November 1908.

Die JusertionSgebühr beträgt für die 7gefpaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Bug. Koch, UniversttätSbuchdruckerei Inhaber Dr.L. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 65.

43. Jahrg.

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flte Wtw Monat Dezember 7WF f " aus die

»VSerHessische Zeitung" nebst ihren Leilagen werden noch von unserer Expedition stMarkt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch» Iain, Reustadt und Wetter, sowie von füllen Postanftalten und Landbriesträgern ent» Degengenommen. zmsmsaMSssMWauumSuatoisrssuismlWUtMimsMMu»

Umschau im Auslande.

Mit derselben Ruhe und Kaltblütigkeit, mit der Oesterreich-Ung.rn die endgültige Befitz- inahme Bosniens und der Herzegowina vollzogen hat, steht es jetzt dem Säbelrasseln in Serbien und Montenegro gegenüber. Und es tut gut da- ,ran, sich durch das Geschrei der serbischen Prahl­hänse und montenegrinischen.Hammeldiebe" nicht beirren zu lasten. Einmal hat der rauhe Winter des Balkans bereits seinen Einzug in die serbischen Berge gehalten und Paste und Straßen für Truppenbewegung ungangbar ge­macht. Andererseits ist es mit den Militärver- hältnisten gerade dieser beiden Balkanstaaten sehr übel bestellt, so daß man kaum von Heeren im modernen Sinne bei ihnen reden kann. Wenn somit an einen Feldzug der Serben und Monte­negriner gegen die habsburgische Monarchie nicht zu denken ist, so find doch Banden übersä lle in das ehemalige Okkupationsgebiet zu befürchten. Oesterreich-Ungarn hat aber auch diese Möglich­keit beachtet und danach bereits seine Vorkeh­rungen getroffen, und zwar im Einverständnis mit Rußland, das sie vollauf gebilligt hat. Längs der österreichisch-ungarischen Grenz« be­finden fich zahlreiche Sammelplätze für monte­negrinische Freischarcn, von Truppen kann man kaum sprechen, von wo aus Gebirgswege nach der Herzegowina und Dalmatien führen. Diese Wege sind aber durch zahlreiche österreichisch« Befesti­gungen, Wachhäuser und Defensivkasernen und die Straße CattaroCettinje besonders durch die Befestigungen bei Cattaro gut geschützt. Zu­dem kommt noch, daß in Montenegro selbst die Bevölkerung das Bündnis mit Serbien sehr un­gern sieht. Ihre Lage ist eine sehr ungünstige, da ihr niemand mehr Kredit gewährt und die Fremden das Land meiden. In Belgrad find die Vertreter der europäischen Mächte bemüht, b? Regierung zur Einstellung der Rüstungen zu veranlassen; doch auch Met spielt Enaland eine zweideutige Rolle; während seine Regie­rung sich anscheinend den Friedensbemühungen der anderen Mächte anschließt, gilt der Präfi- bett1: des Londoner Balkankomitees, Buxton, als b Hauptschürer der Kriegslnst. In den Ber- handlunaen zwischen Konstantinopel und Wien weioert sich bekanntlichOesterreich-Ungarn, einen Teil der türkischen Staatsschuld zu übernehmen, und steht in der Räumung des Sandschak bereit»

eine genügend« Kompensation an die Pforte. Dann aber fordert es, nicht nur von dieser, son­dern auch vom jungtürkischen Komitee, da» tat­sächlich eine Art Nebenregierung ausübt, Ea- rantieen, daß die Boykottbewegung vollständig unterdrückt wird. Im allgemeinen ist man aber der Ansicht, daß trotz des Ernstes der Lage mit dem Ausbruch kriegerischer Derwicklungen nicht zu rechnen ist.

In China hat der Tod sowohl den Kaiser, als auch die eigentliche Regentin, di« Kaiserin- Witwe, dahingerafft. An ihre Stelle ist der bekannte Sühneprinz Tfchun getreten, der nach der chinesischen Expedition in Berlin weilte um dem Kaiser für die Ermordung unseres Gesand­ten v. Ketteler noch persönliche Abbitte zu lei- leisten. Prinz Tschun ist als Regent für seinen unmündigen Sohn eingesetzt rootben, dem nach chinesischer Auffassung die Würde des chinesischen Kaisers zufällt. Da man anläßlich de« Thron­wechsels Unruhen befürchtete, ist die Kaiserstadt in Peking von Militär umgeben und jede Ver­bindung mit der Außenwelt abgeschlossen wor­den. Rach maßgebenden Urteilen dürsten fich aber kaum besondere innere oder äußer« Schwie­rigkeiten aus der veränderten Lage ergeben.

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Die Hundertjahrfeier der Steinschen SMteordnnng.

Der Hundertjahrfeier der preußischen Städte­ordnung am Samstag im großen Festsaale de» Rathauses zu Berlin wohnten der Kaiser und die Kaiserin, der Kronprinz, Prinz Friedrich Leopold mit Gemahlin und Tochter, der Reichs­kanzler, die Minister, Oberprästdent Trott, der Polizeipräsident, die Generale, die Chefs des Zivil- und Militärkabinetts und viele andere bei. Um 11 Uhr erschien da» Kaiserpaar und wurde vom Oberbürgermeister Kirschner, dem Bürgermeister Reick« und dem Stadtverordne­tenvorsteher Michelet empfangen und in den Festsial geleitet. Der Berliner Lehrergesang­verein trug Beethovens:Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" vor, Oberbürgermeister Kirschner hielt eine Ansprache, in der er den Kaiser bat, den preußischen Stabten auch in Zu­kunft ein« vertrauensvolle, gnädige Gesinnung zu bewahren. Redner schloß mit dem Gelübde unwandelbarer Treue und Hingabe der Bürger­schaft an das Vaterland und an das angestamt« Königshaus. Bürgermeister Reicke hielt die Festrede, in der er eine Charakteristik des Frei­herrn v. Stein entwarf. Freiherr v. Stein, so führte der Redner aus, ist unser geistiger Städte­bauer, ein Mann, in dem eine große und starke 3bee flammte, nämlich die Erweckung des Ee- meinfinnes. Der feste Grundstein, den et legte, heißt Selbstverwaltung. Die Ide« Steins ist die Keimzelle unserer modernen ganzen Staats­verwaltung geworden. Stein ist es gewesen, der die neue Ide« dem neuen Preußen in die Wiege gelegt hat. Von ihm geht die Bewegung, die Bismarck getragen und in den Hafen geführt hat.Komme sein Geist über uns alle!"

Hi -rauf verlas der Kaiser folgende, ihm vom Reichskanzler übermittelte Rede:

J2 i'Vaifibritrf verboten.!

Getrennte Welten.

; Roman von Clariffa Lohd«.

«Fortsetzung.»

,Has Werk eines talentvollen Mannes ist es unbedingt," stimmte Bruno zu,aber auch eines Mannes von modernster Anschauung, der mit seiner geistreichen Feder alles was un» heilig und teuer ist, bespöttelt, zerfetzt, auflöst. In Ilka, der Heldin des Dramas, die ihm auch den Namen gibt, schildert er ein Weib, das In feinem Drange, sich voll auszuleben, alle Schran­ken der Sitte durchbricht, bas mit seinen per­versen Instinkten, feinem dämonischen Reiz, seiner mystischen Anziehungskraft zum Verder­ben des Mannes wirb."

Welch ein Gegensatz," fiel die Rätin lebhaft ein,zu der Frauengestalt, die Sie in Ihrer Heldin geschaffen haben. Dieser treuen, warm­herzigen Magda, deren Liebe wie «in lichter Stern das dunkle Leben des schwer geprüften Mannes durchleuchtet und selbst noch seinen Tod mit ihrem Glanze verklärt!"

Das wäre alles recht gut," meinte der Iu- stizrat;aber solche Jdealgestalten haben heute keine Geltung mehr. Dagegen nennt man ein« Gestalt, wie die Ilka, interessant. Si" müssen sich übrigens die besondere Ungnade der Dame zugezogen haben, Herr Baron; denn ein mir be» freundeter Literat erzählte mir, er sei mit der Randolf in einer Gesellschaft zusammengewesen, wo zufällig auf Sie unb Ihr Drama die Red« gekommen sei. Da habe ste ganz unumwunden «nd mit sonderbar aufblitzende» Auge» erklärt, |

ste werde ihre ganze Kraft einsetzen, dem Dichter der Ilka gegen Si« zum Stege zu verhelfen."

Bruno zuckte die Achseln.

Es komme, wie es kommen mag. Ich hab« mein Bestes zu geben versucht. Eine Ablehnung, so tief sie mich auch träfe, würde mit nur ein Sporn sein, nach größerer Vollendung zu ringen."

Wir aber wünschen von Herzen," sprach die Rätin lebhaft,daß Sie trotz alledem den Sieg davontragen. Eilt das doch soviel, wie der Sieg Ihrer Lebensanschauungen über die der Ma­terialisten, die ich nicht leiden kann, weil sie einen wahren Kultus mit dem Häßlichen und Gemeinen treiben."

Das Leben ist aber nur zu oft häßlich und gemein, warf der Justizrat ein.

Aber gibt es denn im Leben nur Häßliches und Gemeines?" widersprach der Pastor.Ha­ben rott nicht auch Großes und Schönes zu be­wundern? Ist es nicht eine Gottesgabe, die den Dichtern unb Künstlern verliehen ist, ein anver­trautes Pfund, von dem sie einst Rechenschaft abzulegen haben? Richt herabziehen sollen sie bas lebende Geschlecht, nein, es emporheben, es zum Edlen erziehen, Begeisterung in die Seelen gießen, daß in innen das Streben erwache, dem Großen unb Schönen, bas ihnen Künstlerhand und Künstlergeist vorführt, nachzueifern!"

Bravo!" liefen nun die Rätin und ihr Gatte aus einem Munde, während in Brunos Augen ein heller Strahl aufleuchtete und in stillem Einverständnis des Pastor» Hand drückte.

Recht gesprochen, mein junger Freund," fuhr Arnold fort.Ach, daß solch« Anschauungen in unserer Zeit bet bet Jugend so selten sind, ja, saft verloren gegangen z» fein scheinen. Es

»Mein verehrter Herr OberbürgermeisterI Es war mir eine besondere Freude, durch Ihre Ein­ladung Gelegenheit zu erhalten, an der heutigen Feier de» hundettstrhttgen Bestehens der Steinschen Städte­ordnung teilzunehmen, und unter den Bürgern mei­ner Haupt- und Residenzstadt zu weilen. Ihren Wor­ten über die Bedeutung der Städteordnung für unser Vaterland stimme ich aus voller Ueberzeugung zu. Der mit der Gewährung der Selbstverwaltung von meinem Ahn seinem Volke gegebene Beweis des Ber- ttauens und der bannt verbundene Appell an die gei­stigen und sittlichen Kräfte des Bürgertums haben reiche Früchte gezeitigt.Echtes Gold wird klar im Feuer." Das echte Gold deutscher Treue und Tüch­tigkeit, welche? die Bürgerschaft der preußischen Städte erfüllt, ist im Feuer der Befreiungskriege geklärt und in hundertjähriger ernster, opferfteudiger Arbeit für das Gemeinwohl bewähtt. Diese Erkenntnis gibt mir die Zuversicht, daß die preußischen Städte, und ihnen voran meine Haupt- und Residenzstadt Berlin, auch in Zukunft die großen Aufgaben kommunalen und staatlichen Vorwärtsschreitens in Treue, -Gewissen­haftigkeit und Kraft erfüllen werden. Und weiter hege ich das beste Bettrauen, daß da« Band der Treue und Hinneigung, welches in unserem Vaterlande von altersher König und Bürgerschaft, Fürst und Volk so eng verbindet, sich immerdar als unzerreißbar erwei­sen werde. Wenn nach den Motten des Preußenliedes nicht immer heller Sonnenschein leuchten kann und es auch trübe Tage geben muß, so sollen aufsteigende Wolken ihre Schatten niemals trennend zwischen mich und mein Volk werfen. Zur Ettnnerung an das heutige Fest und als Zeichen meines Wohlwollens habe ich der Stadt Berlin mein Bildnis verliehen, welches Ihnen später zugehen wirb. Gott segne meine Haupt­stadt Berlin!"

Lebhaftes Bravo folgte ben Worten bes Kaisers. Das Kaiserpaar unterhielt fich bann längere Zeit mit ben Bürgermeistern unb bem Stadtverordnetenvorsteher unb verließ um 12 Uhr unter ben Hochrufen bei Versammlung ben Saal. Der Kaiser hat bem Oberbürgermeister Kirschner ben Stern zum Kronenorden 2. Klasse, dem Stabtverorbnetenvorsteher Michelet unb Geh. Insttzrat Cassel ben Roten Ablerorven 4. Klasse verliehen.

Berlin, 21. Nov. Zur Feier bes hundert- jährigen Bestehens ber Stäbteorbnung fanb heute abenb eine Festlichkeit in bet städtischen Turnhalle statt, an bet bet Oberbürgermeister, bei Bütgetmeistet, zahlreiche Stabtiäte unb Stadtverordnete teilnahmen. Geheimrat Cassel hielt die Festrede, in der er bas Entstehen bet Selbstverwaltung schilderte. Vorträge des Lehrergesangvereins leiteten bie Feiet ein unb beschlossen fie.

Aus dem Reichstage.

In der 165. Sitzung wurde die erste Beratung der Reichsfinanzreformvorlagen fortgesetzt. Abg Spahn (Ztr.) schilderte die politische, die wirtschaftliche und die finanzielle Lage Deutschlands als überaus trübe. Man werde genau prüfen müssen, ob der Bedarf Witt­lich ein so hoher sei. Weshalb wolle man die Zucker­steuer ermäßigen und die Fahrkartensteuer abschaffen, wenn man dafür eine Jnseratensteuer einführen wolle? Nach des Redners Ansicht könne man vielleicht mit 300 Millionen auskommen. Im einzelnen kriti­siert der Redner fast alle Steuervorschläge in ungün­stiger Weise und hebt deren Schattenseiten hervor. Hinsichtlich der Nachlaßsteuer bemerkte er," das Zen­trum werde ihr nicht aktz Geburtshelfer dienen, nach­dem sie von den Konservativen abgelehnt worden sei. Gegen alles Erwatten und gegen den eigenen Wunsch erhob sich nun Staatssekretär Sydow, um des Vor-

ftiinbe besser um unsere Volksseel, wenn fie noch dieser Begeisterungszug burchglühte, von bem Sie eben sprachen."

Geht mir boch mit Euren Klagen über bas heutige Geschlecht," mischte sich ber Justizrat nun kopfschüttelnd ein.Es ist meiner Meinung nach jetzt nicht besser unb nicht schlechter als früher. So hoch ideale Künstlernaturen, wie bie, von denen unser junger Pastor sprach, waren zu allen Zeiten selten, blieben zumeist unverstan­den unb einsam in ihrer Zeit, unb erst bie Nach­welt flocht ihnen Ruhmeskränze."

Was tut bas, entgegnete Bruno.Wenn fie nur ein Herz besaßen, bas ste verstanb."

Ja, wenn!" fiel ber Justizrat ein,doch jedem gelingt das nicht!

Jedem gelingt das nicht" klang «s in Brunos Seele nach. Eehötte er nicht zu den Einsamen, die dieses Herz noch nicht gefunden hatten? Und würde er es finden?"

Vor feinem geistigen Auge erhob stch Edithas holde Gestalt in der ganzen schlichten ernsten Anmut, dem seelischen Reize, der über ihr ausge­gossen lag. So oft umschwebte ihn jetzt in ein­samen Stunden ihr Bild. Alle Bitterkeit, bie Ellens schnöder Verrat anfangs in ihm geweckt hatte, war längst bem frohen Bewußtsein ge­wichen, daß er frei sei frei! Er durfte jetzt nach einem Besitz ringen, ber ihm vordem uner­reichbar gewesen. Ein seliges Hoffen lebte in seiner Brust, bas ihm Mut unb Freudigkeit ver­lieh unb alle düsteren Wolken bet Vergangen­heit verscheuchte. Neben Ebitha aber zrhob sich das Bild einer anderen Frau, von deren Feind­schaft man ihm heute warnend gesprochen hatte. Hatte Dietrich seinen Haß gegen ihn, den Ein­dringling tn fein stolzes Geschlecht, der genialen

redner» Einwände zu widerlegen. Er bestritt, daß die Forderung von 500 Millionen zu hoch fei, sie dürste vielmehr nur knapp hinreichen und erklärte, daß Nie­mand schwerer al» er empfinde, daß die Finanzlage de» Reichs zu so hohen Steuerforderungen geführt habe. Aber auch das Zenttum trage dafür die Ver­antwortung. Nachdem der Staatssekretär noch kur, gegen die gestrigen Ausführungen der Abg. Geyer und Raab sich gewandt, ergriff Dr. Paafche (natlib.) da» Wott. Er stellte fich im Gegensatz zu Spahn zu ben Steuervottagen wie zur ganzen Reichsfinanzreform günstig. DaS Reich müsse aus seiner Schuldenwitt- schaft heraus, cS müsse eine reinliche Scheidung vorge­nommen werden zwischen den Finanzen des Reich» und denen der Einzelstaaten. Die alte preußische Sparsamkeit könne heute nicht mehr angewandt wer­den, da sie oft zu kleinlich gewesen sei. Andererseits müsse aller unnötige Prunk und Luxus vermieden werden. In der Bau- und in der Heeresverwaltung könne viel gespatt werden. Die Biersteuer müsse so eingerichtet werden, daß sie nur den Konsumenten treffe. Die Weinsteuer sei für ihn unannehmbar. Beim Tabak käme die Banderolensteuer für seine Freunde nicht in Betracht, es müsse dafür eine andere Form gefunden werden. Gas- und Elektrizitäts­steuern feien keine Verbrauchssteuern mehr und schä­digten die Industrie. Die Jnseratensteuer schädige die politische Presse, vor allem die kleine. Gegen die Nachlaßsteuer habe er schwere Bedenken, und sie sei auch unbeliebt. Für sie solle man lieber eine Neichs- vermögenssteuer einführen. Die Fahrkattensteuer solle man, da man si« einmal habe, nicht aushcbcn. Hoffentlich gelinge es, in der Kommission etwas zu schaffen, das alle einigen könne. (Beifall bei den Nationalliberalen.)

Finanzminister Frhr. v. Rheiubaben dankte dem Vorredner für die zugesagte Hülfe bei Durchführung der Finanzreform. Die Bemerkung des Abg. Paasche, daß der schlechte Stand unserer Staatspapiere nicht zn ernst genommen werden dürfe, treffe zu. Doch sei e» bedenklich, daß wir in derselben Zeit, da Frankreich keine Schulden gemacht habe, seit 1891, unsere Schuld um 4 Milliarden gestiegen fei. Diese übergroße In­anspruchnahme des Kapitalmarktes habe sehr schwer auf dem Wirtschaftsmarkt gelastet. Von 1882 bi» 1889 hätten die Ueberweisungen bet Matrikularbei- träge an das Reich 480 Millionen überstiegen, von bet Zeit an fei bet Rückschlag eingetreten. Vor allem fd es nötig, die Position des Schatzsekretärs gegen bie übrigen Ressorts zu stärken, und dazu müsse ihm al» Schutzmittel die Festlegung ber Matttkularbeiträge dienen. Der Finanzminister warnte hierauf davor, die Staatsfinanzen durch direkte Reichssteuern zn schwächen, darunter könnten nur die Kulturaufgaben leiden. Wie die Aufwendungen für kulturelle Zwecke in ben letzten zehn Jahren gestiegen sind, wies Frhr. v. Rheinbaben durch einzelne Tawn aus dem preußi­schen Staatshaushaltsetat nach. v. Dziembowski (Pole) erkärte, daß seine Fraktion an ber Reform Mitarbeiten wolle, obwohl sie zur Regierung kein Ver­trauen habe.

Im 9Ibfleorbttetenhau1e

würbe am Sonnabend, den £1. November, mit bei Besprechung des Grubenunglücks auf Zeche Radbod, fortgefahren. Minister Dr. Delbrück erklärte, daß et die Zeugen, um deren Nennung er den Abg. Leinert ersucht habe, in fiskalischen Dienst übernehmen wolle, falls sie ihrer Aussagen wegen auf dieschwarze Liste" gesetzt werden sollten. Von der Einrichtung bet Ar- beitettontrolleute könne et sich nichts versprechen, da­gegen möchte er einen Ausbau bet Arbeiterausschüsse nach fiskalischem Muster empfehlen. Abg. Dr. Pach- nicke (frei). Vgg.) wünschte Arbeiterkontrolleure, so lange noch kein Reichsberggeseh existiert. Abg. Seiner» (Soz.) versprach, auf Grund ber Zusicherungen, welche bet Minister gegeben habe, diesem seine Ge-

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Schauspielerin als sein Vermächtnis hinter» lassen? Verfolgte er ben Stuber noch, nach bem Tobe? Wie bem auch sei, er hätte biese Fra» nicht als Darstellerin tn seinem Drama sehen mögen. Die Erinnerung an bas Leib, bas sie über Dietrichs Gattin gebracht, hätte ihm i» ihrer Wiebergabe bie eigenen Gedanken ent­heiligt.

Nach Hause zurückgekehrt fanb er einen Brief von seinem Schwager, dem Grafen Alten, vor. Er brachte ihm Kunbe davon, daß es ihne» allen in San-Remo, wo sie für etnge Wochen Wohnung genommen, sehr gut gefallen; daß auch Ebitha in ber Stille unb Zurückgezogen­heit ihres Lebens sich zu erholen unb hoffnungs­voller in die Zukunft zu blicken beginne.

Das Glück der jungen Wese,, die schon i« ihren Gedanken sich an die Seite b«s von ihr ge» liebten Mannes träumt," schrieb er,bas sicht­liche Aufblühen bes kleinen Günther, der fich vo» Tag zu Tag mehr entwickelt, die wunderbare Schönheit ber süblichen Natur, unb nicht zuletzt Astas heitere Art. das alles ist nicht ohne Ein» fluß auf sie geblieben. Dennoch spricht sie schon immer von der Rückkehr nach Frauenstein, wo­rüber meine Frau oftmals ben Kopf schüttelt. Indes Ebitha sehnt fich nach bei gewohnten Tä­tigkeit. Ihre Natur terfanat danach, für anbei» zu wirken, anbere zu beglücken, um so mehr, als fi« selbst bes Glückes entbehrt. So werbe» wir denn wohl allein nach Neapel und Capri gehen, da Editha auch um des Kindes mitte® das unruhige Umherreisen scheut unb den Früh­ling schon wieder in der Heimat zu verlebe» gei denkt."