Einzelbild herunterladen
 

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und de» KeUageu:Literarischer Anzeiger",ßaudrvirtschaftliche Kritage" undILnstriertr* S-rmtag-dlE.

Man ado»latert auf die täglich erscheinendeOberhessische k .

ä» «rye Zeitung" bei allen Postämtern und nnsern Zeitungtstellen m Qnfet~ ^dcaat Mr di, 7gespaltene Zeil«

vf£ j! lu Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21. " °&et *>tlen biaum 16 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. in (y.t...

~ ®tc dezugSprei» beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne SrtHrttfTrt 99 ffZnhPmfw iQflK Druck imb Verlag: Joh. Aug. Koch, UnmersitätSbuchdruckerei

Brsteltgeld), bei unser» Zeitungdstellen und der Expedition 2 Mk. OUlUlLUy, VlUUCUlUtt IWÖ, Inhaber Dr. L. H ltzero th, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Zweites Blatt

1

Bestellungen fit den Monat Dezember auf 6t«

JDl«t|«Hil4e Zett««," nebst ihren Beilagen werden noch von unserer Expedition ssMartt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch- Iain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstaiten und Landbriesträgern ent­gegengenommen.

Die gewerbliche Betriebsstatistik von 1907 für den preuß. Staat.

DieStatistische Korrespondenz" ver- öffentlich ein umfangreiches Zahlenmaterial über die Hauptergebnisse der letzten gewerb­lichen Betriebszählung^ aus denen man er­sehen kann, daß in Preußen am 12. Juni 1907 überhaupt 2 201 966 gewerbliche Betriebe mit 8 332 912 darin beschäftigten Personen vorhan­den gewesen sind. Da die Zählung von 1895 nur 1990 250 Betriebe mit 5815 543 darin be- schäftigten Personen ergeben hatte, so ist zu er­sehen, daß sich die preußischen Eewerbetriebe im letzten Jahzwölft um 211116, also 10,60 vom Hundert, die gewerblich tätigen Personen um 2 517 369, also um 43,29 vom Hundert ver- tnehrt 4#tt6en.

Diese sehr erhebliche Vermehrung sowohl der Betriebe als der Personen beruht zu einem klei­nen Teile darauf, daß bei der letzten Zählung eine genauere Erfassung der öffentlichen Be­triebe stattgefunden hat. Gleichwohl ist das in der neuen Gewerbestatistik sich kundgebende starke Aufsteigen des gewerblichen Lebens in Preußen eine wirtschaftliche Tatsache. Von 1882 bis 1895 hatten die Betriebe nämlich nur um 1,79, die darin beschäftigten Personen um 37,67 vom Hundert zugenommen. Allerdings wird man die Im letzten Jahrzwölft erfolgte Betriebssteigunz zu einem nicht unwesentlichen Teile auch dem Forcieren der gewerblichen Entwicklung zuzu­schreiben haben, dem schließlich die Depression, verbunden mit Betriebseinschränkungen und Arbeiterentlassungen, folgen mußte.

Sehr beachtenswert ist die bedeutende Zu­nahme der im Gewerbe tätigen Personen im Verhältnisse gu der der Betriebe. Daß erstere um 41,81, letztere nur um 10,60 v. H. gewachsen find, ist ein Zeichen für die Entwickelung der Gewerbe zum Großbetriebe, wenn auch aus die­sen Zahlen nicht ohne weiteres geschlossen wer­den darf, daß die kleineren Betriebe in dem­selben Verhältnisse den größeren Platz gemacht haben. In der Statistik wird zunächst zwischen taupt- und Nebenbetrieben unterschieden. Als auptbetriebe gelten solche, in denen mehrere Personen beschäftigt sind, als Nebenbetrieb die

71 iNack>dru<i cerboten.j

Getrennte Welten.

Roman von Elarissa Lohd«, (Forttetzung.)

XXVI.

Bruno lebte sehr still während des Winters; nur bei Arnolds war er häufiger East, wo er am Teetisch der Rätin stets einen kleinen inti­men Kreis von angeregten und anregenden Per­sonen fand, zu denen Justizrat Eberhach und zuweilen auch Pastor Lorenz, Gertrud Weses Verlobter, zählte. Editha hatte noch vor ihrer Abreise gemeinsam mit dem jungen Geistlichen allerhand Neueinrichtungen zum Besten ihrer Frauensteiner verabredet, um derentwillen die­ser oft mit seinem Onkel, dem Verwalter des Vermögens der Baronin, wie mit dem Justiz­rat Eberhard, der vom Grafen Alten als Vor­mund des Majoratserben, mit der Ordnung des freiherrlichen Nachlasses betraut war, zu ver­handeln hatte. Es handelte sich um den Bau eines Krankenhauses,, einen Gedanken, den Bruno angeregt hatte, als damals die Frau de« trunksüchtigen Arbeiters Schulz allein auf die Pflege Gertrud Weses und anderer mitleidiger Dorfbewohner angewiesen war. Ein Kranken­haus und eine Diakonissin zur Pflege, das war wirklich ein Bedürfnis für die ausgedehnten Ortschaften die zu Frauenstein und Schönwald« gehörten. Justizrat Eberhard aber schüttelt« trotzdem den Kopf dazu.

Es ist eine Torheit," «rklärte er an einem Abend bei der Rätin, als außer dem Pastor und Bruno keine anderen Gäste anwesend waren.Wir sind ja unter uns, und da darf ich Gestehen, der verstorbene Baron Dietrich hat wahrhaft sündhaft mit feiern Vermöge» g»>

übrigen. Die Hauptbetriebe sind von 1895 mit 1743 336 auf 1895 497 (+ 8,73 Proz.), die Ne- bendetriebe von 246 914 auf 30 869 (+ 23,88 Proz.) im Jahre 1907 gestiegen. Unter den Hauptbetrieben befanden sich Alleinbetriebe (d. h. Betriebe ohne Hülfspersonen oder Motoren) 1895 : 951 642; 1907 : 784 197 (also weniger 17,60 v. H.); Mitinhaber-, Eehülfen- und Mo­torenbetriebe: 1895 : 791 694; 1907: 1111300 (also mehr 40,37 Proz.). Der Rückgang der erst­erwähnten Betriebe ist hauptsächlich durch die steigende Erkenntnis von den wirtschaftlichen Vorteilen der Benutzung motorischer Kraft zu­zuschreiben.

Eine Vergleichung der neuesten Statistik mit der von 1895 zeigt auch, welche Erwerbsgruppen in den letzten zwölf Jahren an ziffernmäßiger Bedeutung gewonnen oder verloren haben. Am meisten haben an der Zahl beschäftigter Per- sone. zugenommen: die Industrie der Maschi­nen, Instrumente und Apparate mit 7,89 Proz., des Handelsgewerbes mit 4,84 Proz., Bergbau, Hütten, Salinen, Torfgräberei mit 3,49 Proz., Baugewerbe mit 2,97 Proz. Am meisten haben am Personalbestände abgenommen: Bekleidungs­und Reinigungsgewerbe mit 9,53 Proz., Textil­industrie mit 7,39 Proz. und Industrie der Nahrungs- und Eenußmittel mit 5,10 Proz. Was die Beteiligung der weiblichen Personen am Gewerbefleiße anlangt, wird festgestellt, daß mn der Gesamtzahl aller gewerblich täti­gen Personen 73,95 Proz. männlich, 26,05 Proz. weiblich sind. Die Zunahme der männlichen Personen seit 1895 beträgt jedoch nur 38,75 v. H., die der weiblichen dagegen 54,24 v. H. Sonach ist die Beteiligung des weiblichen Geschlechtes am Eewerbeleben im Steigen begriffen.

Su/ießlich sei noch ein Blick auf die Betei­ligung der einzelnen Provinzen an der Ent­wickelung der Gewerbebetriebe geworfen. Der Zuwachs tritt am stärksten in Westfalen mit 60,59 v. H. hervor; 1895 stand diese Provinz an dritter Stelle. Darauf folgt Brandenburg (mit 55,45), das 1895 mit feinem Zuwachs an erster Stelle stand, und Berlin (mit 54,80). Eine reiche Entwickelung zeigen auch das Rheinland (mit 48,85) und Schleswig-Holstein (mit 41,76). Eine weitere Entwickelung ergibt sich in Hessen- Nassau (40,64), Hannover (34,93), Westpreußen (32,52), Sachsen (29,43), Posen (27,21), Schle­sien 27,24) und Ostpreußen (26,52). .

Aus dem steuerlichen Wortschatz.

Die bevorstehende Reichsfinanzreform hat eine zahllose Schar von Artikeln gezeitigt. Es tobt der Kampf umdirekte" undindirekte" Steuern, umSteuerzahler" und ..Steuerträ­ger",Steuerquelle" undSteuerfuß",Steuer­tarif" undSteuersatz", und die wenigsten sind sich wohl genügend klar darüber, was diese Worte, bei denen immer nur das ominöse, nach Bezahlen schmeckende WortSteuer" wieder­kehrt, zu bedeuten haben. Da ist es wohl ange­bracht, diese verflixten Quälgeister einmal ein bißchen festzuhalten und sich über ihre Wesens- beschafsenheit zu unterrichten.

wirtschaftet. Hätte er noch länger gelebt, dann wären ihm die Schulden bald so über den Kopf gewachsen, daß er trotz Frauenstein nicht mehr aus noch ein gewußt hätte. Da müßte doch der Herr Pastor mit seinen Forderungen für philan­thropische Zwecke zurücktreten! Wo soll denn das Geld dazu Herkommen, Herr Lorenz? Mit Ihrem Onkel, meinem geehrten Kollegen, sitze ich schon alle Tage über einem Stoß von Schrifr- stücken, rechne, daß ich im Geiste nur noch Zahlen um mich schwirren höre, und wir finden beide keinen Ausweg. Der Bau des Krankenhauses müßte verständigerweise aufgegeben werden, we­nigstens so lange, bis man klar sehen kann."

Schelten Sie nicht mit mit, Herr Justiz­rat," gab der Pastor zurück.Ich erfülle nur die Befehle der Frau Baronin."

Und Sie wissen, lieber Justizrat," fiel nun Bruno ein,daß Sie ganz Über meine Kasse verfügen."

Unmöglich," entgegnete Eberhard.Die Baronin lehnt jede Beihilfe ab; sie besteht darauf, alles aus ihren eigenen Mitteln zu be­streiten, selbst die Tilgung der Schulden des ver­storbenen Majoratsherrn. Und das ist es eben, was mich ärgert: Sie, die fest entschlossen war, ihrem Gemahl, als er noch lebte, keinen ferneren Eingriff in ihr Vermögen um des Kindes willen mehr zu gestatten, gibt jetzt alles hin für den Toten. Seine Ehre zu retten! Das ist geradezu eine fixe Idee von ihr. Die Forderungen der ©laubiger sollen nicht einmal untersucht werden. Jeder elende Wucherer streicht hohnlachend sei­nen durch Zins auf Zins verdoppelten und ver­dreifachten Schuldbetrag «in. Die Armen aber sollen auch nicht zu kurz kommen. Das Kran­kenhaus soll gebaut, alle Bedürftigen aufs groß­mütigste unterstützt werden. Da schlag der Teu­fel btein! Aber so find di« Idealisten, und des«

Zunächst wollen wir uns einmal mit dem GeschöpfSteuer" selbst beschäftigen. Jeder glaubt natürlich zunächst, daß dieseSteuer" da» selbstverständlichste Ding von der Welt sei, da wir ja von Jugend an sein Vorkommen, meist allerdings wenig liebevoll, haben erwähnen hören. Und doch find die Gelehrten bisher über den Charakter dieses bösen Wesens noch nicht recht einig geworden. Wir können uns aber um diesen theorettschen Kamps hier nicht küm­mern und wollen uns lediglich an der Defini­tion halten, die die anerkannt erste wissenschaft­liche Autorität auf wissenschaftlichem Gebiete, Professor Adolf Wagner, von derSteuer" ge- aeben hat. Sie ist zwar, wie alle Begriffsbe­stimmungen Wagners etwas lang, hat aber den Vorzug, nach allen Seiten hin erschöpfend zu sein. So heißt es denn: z

Steuern sind von der öffentlichen Gewalt- kraft der Souveränität der Finanzhoheit (Fi­nanzgewalt) eingeforderte Zwangsbeiträge der Einzelwirtschaften, teils zur Deckung der allge­meinen öffentlichen Ausgaben des Staats und anderer Zwangsgemeinwirtschaften (also im finanziellen Sinne), teils zur Herbeiführung einer veränderten Verteilung und Verwendung des Volkseinkommens und -Vermögens (also im sozialpolitischen Sinne)."

Wagner bebt im Gegensatz zu anderen Steuertheoretikern einmal den Zwangscharakter der Steuern und dann ihre sozialpolitische Auf­gabe hervor.

Aus der weiteren Terminologie wollen wir nur noch folgende Begriffe hervorheben. Da ist zunächst das Steuersubjekt. Darunter verstehen wir diejenige Person, welche die Steuer zu ent­richten hat. Damit ist noch nicht gesagt, daß sie dazu ihre eigenen Taschen in Anspruch nimmt. Wir haben somit zwei Arten von Steuersubjekten zu unterscheiden, Steuerzahler und Steuerträger. Der Steuerzahler entrichtet die Steuer mit der Absicht, sie auf einem Drit­ten abzuwälzen. So schlägt z. B. der Produ­zent seine Steuern auf seine Produkte auf und wälzt sie auf den Konsumenten ab. Der Steu­erträger dagegen ist derjenige, der die Steuer nicht nur zu entrichten, sondern auch aus seinen eigenen Mitteln zu zahlen hat. So kann z. B. die Hundesteuer vom Besitzer des Tieres nicht auf einen Dritten abgewälzt werden.

Vom Steuersubjekt kommen wir zum Steuer­objekt als dem Gegenstand, auf den die Steuer» forderung gestellt wird. Es ist nicht immer identisch mit der Steuerquelle, z. B. ist bei der Hundesteuer der Hund zwar das Objekt, aber nicht die Quelle. Bei der Grundsteuer ist die area das Objekt und der Reinertrag die Quelle. Bei der Einkommensteuer ist das Einkommen Steuerobjekt und -Quelle. Nicht zu verwechseln find Steuereinheit und Steuerfuß. Die Steuer­einheit ist das zur Veranlagung gebrachte Erundmaß des Objekts: Hektar, Liter und beim Eelde eine runde Summe nach Hunderten oder Taufenden. Steuerfuß dagegen ist das Verhält­nis, in dem diese Steuereinheit getroffen wer­den soll, z. V. 20 M pro Hektoliter; bei Geld ein Prozentsatz. Die Zusammenstellung einzel­

halb, Herr Baron, grolle ich auch Ihnen ein wenig. Sie haben die Baronin mit ihren Ideen angesteckt, das können Sie nicht leugnen. Ganz gewaltig schmilzt unter diesen Umständen das große Vermögen zusammen. Da hilft aber kein Einreden, nichts, nichts! Sie beharrt auf ihrem Willen.Wenn es nicht anders geht, schränke ich mich mehr ein," schrieb sie mir erst heute. Das soll einen vernünftigen, denkenden Men­schen nicht verdrießen! Und sie ist die Frau dazu, ihre Absichten auszuführen, sich in Frauen­stein zu vergraben, und die paar Jugendjahre, die ihr noch bleiben, ebenso weiter zu vertrau­ern wie bisher, nur um ihre einmal gefaßten 3been auch durchzusetzen."

Sie nennen das, Leben vertrauern," warf die Rätin ein,was der Baron, vielleicht Erfül­lung des Lebens, das Leben selbst bedeutet. Wohltun ist ihre Freude. Lassen Sie ihr doch ihren Willen, liebster Freund, und regen Sie sich nicht auf über Dinge, die nur in Ihren Augen schlimm sind."

Nur in meinen Augen? Ist denn reich sein eine so gering zu achtende Sache? Ich meine doch nicht. Die Baronin aber wird kaum mehr eine reiche Frau zu nennen sein, wenn sie auf ihrem Eigensinn besteht."

Bruno hatte schweigend vor sich hingeschaut. Aber als er jetzt aufsah, lag ein freudiger Schimmer auf feinem Antlitz.

Was Sie Eigensinn nennen, lieber Justiz­rat, möchte ich als Edelsinn rühmen," bemerkt er.Und wenn Sie mir grollen, daß ich meine Schwägerin in diesen edlen Entschlüssen bestärkt habe, so nehme ich das für das größte Lob, ba» mir gespendet werden kann."

Ah, bah! Ich verstehe," unterbrach ihn der Justizrat mit einer abweisenden Handbewegung. Sie sind «in Idealist vom reinsten Wasser,

«er Steuerfüße nennt man Steuertarif, und der Gesamtbetrag, den man nach Berechnung und Anwendung des Steuerfußes auf bas Steuer» kapital zu zahlen hat, ist ber Steuersatz. Dabei ist als Steuerkapital bie Gesamtheit der Güter zu betrachten, bie im Besitze der einzelnen zur Besteuerung nachgewiesen werden.

Die amtliche Aufstellung aller tatsächlichen Verhältnisse inbetteff der Steuer-Objekte, -Sub­jekte und -Schuldigkeiten des einzelnen heißt Steuerkataster. Bei den bundesstaatlichen Ver­hältnissen des Deutschen Reiches bildet ba» Steuerfixum eine große Rolle. Es bedeutet nämlich die feste Summe, bie von Kondominat- arten Orten, bie verschiedenen Ländern an­gehören gezahlt wird, um Steuerumgehungen zu vermeiden. Eine für bie gewerblichen Großbetriebe sehr günstige steuerliche Einricht­ung ist bas Steuerpauschquantum. Es ist näm­lich bie feste Summe, die in den einzelnen Ge­werben für die Zugehörigkeit zu ihm von den einzelnen Betrieben gezahlt wird.

In das Verfahren ber Steuererhebung führt «ns ferner die Steuerkontingentierung, von bet es zwei Arten gibt. Das Repartionsverfahren . ist basjenige, bei dem die aufzubringende Summe feststeht. Die Summe wird unter bie Steuerpflichtigen verteilt, so daß es zunächst ungewiß ist, wieviel ruf den einzelnen entfällt. Bei der Steuerquotisierung dagegen steht fest, welchen Bruchteil des Steuerobjekts das Subjekt zu zahlen hat, und die Summe, welche bie Steuer ergeben wirb, ist zunächst noch unbe­kannt. Hier haben wir cs also mit einem fest* stehenden Steuerfuß zu tun.

lieber bie Einteilung bet Steuern nach ben Unterschieden ihrer Wesensarten wollen wir uns ein ander Mal unterhalten.

irmut unö Trunksucht.

Die sozialdemokratische Behauptung, daß der Alkoholismus in den unteren Volksklassen nur die Folge der angeblich üblen wirtschaftlichen Lage der Arbeiterschaft sei, und daß die Trunk­sucht nach Gewährung höherer Löhne und Herab­setzung der Arbeitszeit verschwinden werde, ist in einem Aufsatze des bekannten englischen Ar­beiterführers und Parlamentariers John Burns folgendermaßen sehr treffend zurückgewiesen worden:

Tausenden von Arbeitern, die, von niebri» gen Arbeitslöhnen zu ungleich höheren gelangt, weder Widerstandskraft noch Ileberlegung be­sitzen, werden der Uebergang von spartanischer Armut zu ungeordneten Genüssen, die Gegen­sätze, bie Gelegenheitsarbeit und schwankenden Löhne mit sich bringen, fast zum Verderbe,». Der unvermittelte Sprung von 10 Schilling in Ir­land auf 3040 Schilling für Kohlentragen in einem Seehafen bedeutet für viele Ueberfluß, nicht an Kleidung oder Wohnung, Nahrung, Ausstattung oder Vergnügen, nein nut an Trunk. Ihre Bedürfnisse sind gering, ihr 6e«

Sollte Ihr Drama, von dessen nahe bevorstehen­der Aufführung man so viel spricht, ebenso idea­listisch sein, so fürchte ich

Sie Pessimist," fiel die Rätin ihm ins Wort. Hier ist nichts zu fürchten, nur das Beste zu wünschen und zu hoffen."

Auch dann zu hoffen," fuhr der Justizrai unbeirrt fort,wenn ich Ihnen das Neueste mit­teile, was man sich hier in allen literarischen Kreisen schon in die Ohren raunt, daß sich den literarischen Gegnern des Herrn Barons eine Macht zugesellt hat, die nicht zu unterschätzen ist."

Welche Macht?" fragte nun Bruno aufmerk­sam werdend.

Die Macht einer vielbewunderten und be­gabten Frau und Künstlerin. Die Randolf hat es abgelehnt, die angebotene weibliche Haupt­rolle in Ihrem Drama zu freieren, und hat sich dagegen Ihrem Gegner, dessen Lebensbild, wie es der Herr nennt, ja schon für eine der näch­sten Wochen aufs Repertoir gesetzt ist, zur Ver­fügung gestellt." Brunos Stirn verfin­sterte sich.

Daß sie'in einem Drama, bas einen Ro­thenfels zum Verfasser hat, nicht auftreten mag, finbe ich begreiflich," sagte er bann.Ihr wirb auch bie weibliche Hauptrolle in bem Stück meines literarischen Gegners, wie Sie ben Verfasser zu nennen belieben, besser liegen, ob­wohl ich von bieser Gegnerschaft nichts weiß, es sei denn, daß Sie von unseren sittlichen Grund» anschauungen sprechen, bie allerdings völlig ent­gegengesetzte sind."

Aber bie Ranbolf ist eine geniale Kraft," rief ber Justizrat,bie Sie nicht unterschätzen dürfen. Sie kann selbst einem minderwertigen Stück zum Erfolg verhelfen, was bei diesem Drama keineswegs der Fall fein soll."

(Fortsetzung folgt/