mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und de» KeUageu: „Literarischer Anzeiger", „ßaudrvirtschaftliche Kritage" und „ILnstriertr* S-rmtag-dlE.
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Zweites Blatt
1
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Die gewerbliche Betriebsstatistik von 1907 für den preuß. Staat.
Die „Statistische Korrespondenz" ver- öffentlich ein umfangreiches Zahlenmaterial über die Hauptergebnisse der letzten gewerblichen Betriebszählung^ aus denen man ersehen kann, daß in Preußen am 12. Juni 1907 überhaupt 2 201 966 gewerbliche Betriebe mit 8 332 912 darin beschäftigten Personen vorhanden gewesen sind. Da die Zählung von 1895 nur 1990 250 Betriebe mit 5815 543 darin be- schäftigten Personen ergeben hatte, so ist zu ersehen, daß sich die preußischen Eewerbetriebe im letzten Jahzwölft um 211116, also 10,60 vom Hundert, die gewerblich tätigen Personen um 2 517 369, also um 43,29 vom Hundert ver- tnehrt 4#tt6en.
Diese sehr erhebliche Vermehrung sowohl der Betriebe als der Personen beruht zu einem kleinen Teile darauf, daß bei der letzten Zählung eine genauere Erfassung der öffentlichen Betriebe stattgefunden hat. Gleichwohl ist das in der neuen Gewerbestatistik sich kundgebende starke Aufsteigen des gewerblichen Lebens in Preußen eine wirtschaftliche Tatsache. Von 1882 bis 1895 hatten die Betriebe nämlich nur um 1,79, die darin beschäftigten Personen um 37,67 vom Hundert zugenommen. Allerdings wird man die Im letzten Jahrzwölft erfolgte Betriebssteigunz zu einem nicht unwesentlichen Teile auch dem Forcieren der gewerblichen Entwicklung zuzuschreiben haben, dem schließlich die Depression, verbunden mit Betriebseinschränkungen und Arbeiterentlassungen, folgen mußte.
Sehr beachtenswert ist die bedeutende Zunahme der im Gewerbe tätigen Personen im Verhältnisse gu der der Betriebe. Daß erstere um 41,81, letztere nur um 10,60 v. H. gewachsen find, ist ein Zeichen für die Entwickelung der Gewerbe zum Großbetriebe, wenn auch aus diesen Zahlen nicht ohne weiteres geschlossen werden darf, daß die kleineren Betriebe in demselben Verhältnisse den größeren Platz gemacht haben. In der Statistik wird zunächst zwischen taupt- und Nebenbetrieben unterschieden. Als auptbetriebe gelten solche, in denen mehrere Personen beschäftigt sind, als Nebenbetrieb die
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Getrennte Welten.
Roman von Elarissa Lohd«, (Forttetzung.)
XXVI.
Bruno lebte sehr still während des Winters; nur bei Arnolds war er häufiger East, wo er am Teetisch der Rätin stets einen kleinen intimen Kreis von angeregten und anregenden Personen fand, zu denen Justizrat Eberhach und zuweilen auch Pastor Lorenz, Gertrud Weses Verlobter, zählte. Editha hatte noch vor ihrer Abreise gemeinsam mit dem jungen Geistlichen allerhand Neueinrichtungen zum Besten ihrer Frauensteiner verabredet, um derentwillen dieser oft mit seinem Onkel, dem Verwalter des Vermögens der Baronin, wie mit dem Justizrat Eberhard, der vom Grafen Alten als Vormund des Majoratserben, mit der Ordnung des freiherrlichen Nachlasses betraut war, zu verhandeln hatte. Es handelte sich um den Bau eines Krankenhauses,, einen Gedanken, den Bruno angeregt hatte, als damals die Frau de« trunksüchtigen Arbeiters Schulz allein auf die Pflege Gertrud Weses und anderer mitleidiger Dorfbewohner angewiesen war. Ein Krankenhaus und eine Diakonissin zur Pflege, das war wirklich ein Bedürfnis für die ausgedehnten Ortschaften die zu Frauenstein und Schönwald« gehörten. Justizrat Eberhard aber schüttelt« trotzdem den Kopf dazu.
„Es ist eine Torheit," «rklärte er an einem Abend bei der Rätin, als außer dem Pastor und Bruno keine anderen Gäste anwesend waren. „Wir sind ja unter uns, und da darf ich Gestehen, der verstorbene Baron Dietrich hat wahrhaft sündhaft mit feiern Vermöge» g»>
übrigen. Die Hauptbetriebe sind von 1895 mit 1743 336 auf 1895 497 (+ 8,73 Proz.), die Ne- bendetriebe von 246 914 auf 30 869 (+ 23,88 Proz.) im Jahre 1907 gestiegen. Unter den Hauptbetrieben befanden sich Alleinbetriebe (d. h. Betriebe ohne Hülfspersonen oder Motoren) 1895 : 951 642; 1907 : 784 197 (also weniger 17,60 v. H.); Mitinhaber-, Eehülfen- und Motorenbetriebe: 1895 : 791 694; 1907: 1111300 (also mehr 40,37 Proz.). Der Rückgang der ersterwähnten Betriebe ist hauptsächlich durch die steigende Erkenntnis von den wirtschaftlichen Vorteilen der Benutzung motorischer Kraft zuzuschreiben.
Eine Vergleichung der neuesten Statistik mit der von 1895 zeigt auch, welche Erwerbsgruppen in den letzten zwölf Jahren an ziffernmäßiger Bedeutung gewonnen oder verloren haben. Am meisten haben an der Zahl beschäftigter Per- sone. zugenommen: die Industrie der Maschinen, Instrumente und Apparate mit 7,89 Proz., des Handelsgewerbes mit 4,84 Proz., Bergbau, Hütten, Salinen, Torfgräberei mit 3,49 Proz., Baugewerbe mit 2,97 Proz. Am meisten haben am Personalbestände abgenommen: Bekleidungsund Reinigungsgewerbe mit 9,53 Proz., Textilindustrie mit 7,39 Proz. und Industrie der Nahrungs- und Eenußmittel mit 5,10 Proz. Was die Beteiligung der weiblichen Personen am Gewerbefleiße anlangt, wird festgestellt, daß mn der Gesamtzahl aller gewerblich tätigen Personen 73,95 Proz. männlich, 26,05 Proz. weiblich sind. Die Zunahme der männlichen Personen seit 1895 beträgt jedoch nur 38,75 v. H., die der weiblichen dagegen 54,24 v. H. Sonach ist die Beteiligung des weiblichen Geschlechtes am Eewerbeleben im Steigen begriffen.
Su/ießlich sei noch ein Blick auf die Beteiligung der einzelnen Provinzen an der Entwickelung der Gewerbebetriebe geworfen. Der Zuwachs tritt am stärksten in Westfalen mit 60,59 v. H. hervor; 1895 stand diese Provinz an dritter Stelle. Darauf folgt Brandenburg (mit 55,45), das 1895 mit feinem Zuwachs an erster Stelle stand, und Berlin (mit 54,80). Eine reiche Entwickelung zeigen auch das Rheinland (mit 48,85) und Schleswig-Holstein (mit 41,76). Eine weitere Entwickelung ergibt sich in Hessen- Nassau (40,64), Hannover (34,93), Westpreußen (32,52), Sachsen (29,43), Posen (27,21), Schlesien 27,24) und Ostpreußen (26,52). .
Aus dem steuerlichen Wortschatz.
Die bevorstehende Reichsfinanzreform hat eine zahllose Schar von Artikeln gezeitigt. Es tobt der Kampf um „direkte" und „indirekte" Steuern, um „Steuerzahler" und ..Steuerträger", „Steuerquelle" und „Steuerfuß", „Steuertarif" und „Steuersatz", und die wenigsten sind sich wohl genügend klar darüber, was diese Worte, bei denen immer nur das ominöse, nach Bezahlen schmeckende Wort „Steuer" wiederkehrt, zu bedeuten haben. Da ist es wohl angebracht, diese verflixten Quälgeister einmal ein bißchen festzuhalten und sich über ihre Wesens- beschafsenheit zu unterrichten.
wirtschaftet. Hätte er noch länger gelebt, dann wären ihm die Schulden bald so über den Kopf gewachsen, daß er trotz Frauenstein nicht mehr aus noch ein gewußt hätte. Da müßte doch der Herr Pastor mit seinen Forderungen für philanthropische Zwecke zurücktreten! Wo soll denn das Geld dazu Herkommen, Herr Lorenz? Mit Ihrem Onkel, meinem geehrten Kollegen, sitze ich schon alle Tage über einem Stoß von Schrifr- stücken, rechne, daß ich im Geiste nur noch Zahlen um mich schwirren höre, und wir finden beide keinen Ausweg. Der Bau des Krankenhauses müßte verständigerweise aufgegeben werden, wenigstens so lange, bis man klar sehen kann."
„Schelten Sie nicht mit mit, Herr Justizrat," gab der Pastor zurück. „Ich erfülle nur die Befehle der Frau Baronin."
„Und Sie wissen, lieber Justizrat," fiel nun Bruno ein, „daß Sie ganz Über meine Kasse verfügen."
„Unmöglich," entgegnete Eberhard. „Die Baronin lehnt jede Beihilfe ab; sie besteht darauf, alles aus ihren eigenen Mitteln zu bestreiten, selbst die Tilgung der Schulden des verstorbenen Majoratsherrn. Und das ist es eben, was mich ärgert: Sie, die fest entschlossen war, ihrem Gemahl, als er noch lebte, keinen ferneren Eingriff in ihr Vermögen um des Kindes willen mehr zu gestatten, gibt jetzt alles hin für den Toten. Seine Ehre zu retten! Das ist geradezu eine fixe Idee von ihr. Die Forderungen der ©laubiger sollen nicht einmal untersucht werden. Jeder elende Wucherer streicht hohnlachend seinen durch Zins auf Zins verdoppelten und verdreifachten Schuldbetrag «in. Die Armen aber sollen auch nicht zu kurz kommen. Das Krankenhaus soll gebaut, alle Bedürftigen aufs großmütigste unterstützt werden. Da schlag der Teufel btein! Aber so find di« Idealisten, und des«
Zunächst wollen wir uns einmal mit dem Geschöpf „Steuer" selbst beschäftigen. Jeder glaubt natürlich zunächst, daß diese „Steuer" da» selbstverständlichste Ding von der Welt sei, da wir ja von Jugend an sein Vorkommen, meist allerdings wenig liebevoll, haben erwähnen hören. Und doch find die Gelehrten bisher über den Charakter dieses bösen Wesens noch nicht recht einig geworden. Wir können uns aber um diesen theorettschen Kamps hier nicht kümmern und wollen uns lediglich an der Definition halten, die die anerkannt erste wissenschaftliche Autorität auf wissenschaftlichem Gebiete, Professor Adolf Wagner, von der „Steuer" ge- aeben hat. Sie ist zwar, wie alle Begriffsbestimmungen Wagners etwas lang, hat aber den Vorzug, nach allen Seiten hin erschöpfend zu sein. So heißt es denn: z
„Steuern sind von der öffentlichen Gewalt- kraft der Souveränität der Finanzhoheit (Finanzgewalt) eingeforderte Zwangsbeiträge der Einzelwirtschaften, teils zur Deckung der allgemeinen öffentlichen Ausgaben des Staats und anderer Zwangsgemeinwirtschaften (also im finanziellen Sinne), teils zur Herbeiführung einer veränderten Verteilung und Verwendung des Volkseinkommens und -Vermögens (also im sozialpolitischen Sinne)."
Wagner bebt im Gegensatz zu anderen Steuertheoretikern einmal den Zwangscharakter der Steuern und dann ihre sozialpolitische Aufgabe hervor.
Aus der weiteren Terminologie wollen wir nur noch folgende Begriffe hervorheben. Da ist zunächst das Steuersubjekt. Darunter verstehen wir diejenige Person, welche die Steuer zu entrichten hat. Damit ist noch nicht gesagt, daß sie dazu ihre eigenen Taschen in Anspruch nimmt. Wir haben somit zwei Arten von Steuersubjekten zu unterscheiden, Steuerzahler und Steuerträger. Der Steuerzahler entrichtet die Steuer mit der Absicht, sie auf einem Dritten abzuwälzen. So schlägt z. B. der Produzent seine Steuern auf seine Produkte auf und wälzt sie auf den Konsumenten ab. Der Steuerträger dagegen ist derjenige, der die Steuer nicht nur zu entrichten, sondern auch aus seinen eigenen Mitteln zu zahlen hat. So kann z. B. die Hundesteuer vom Besitzer des Tieres nicht auf einen Dritten abgewälzt werden.
Vom Steuersubjekt kommen wir zum Steuerobjekt als dem Gegenstand, auf den die Steuer» forderung gestellt wird. Es ist nicht immer identisch mit der Steuerquelle, z. B. ist bei der Hundesteuer der Hund zwar das Objekt, aber nicht die Quelle. Bei der Grundsteuer ist die area das Objekt und der Reinertrag die Quelle. Bei der Einkommensteuer ist das Einkommen Steuerobjekt und -Quelle. Nicht zu verwechseln find Steuereinheit und Steuerfuß. Die Steuereinheit ist das zur Veranlagung gebrachte Erundmaß des Objekts: Hektar, Liter und beim Eelde eine runde Summe nach Hunderten oder Taufenden. Steuerfuß dagegen ist das Verhältnis, in dem diese Steuereinheit getroffen werden soll, z. V. 20 M pro Hektoliter; bei Geld ein Prozentsatz. Die Zusammenstellung einzel
halb, Herr Baron, grolle ich auch Ihnen ein wenig. Sie haben die Baronin mit ihren Ideen angesteckt, das können Sie nicht leugnen. Ganz gewaltig schmilzt unter diesen Umständen das große Vermögen zusammen. Da hilft aber kein Einreden, nichts, nichts! Sie beharrt auf ihrem Willen. „Wenn es nicht anders geht, schränke ich mich mehr ein," schrieb sie mir erst heute. Das soll einen vernünftigen, denkenden Menschen nicht verdrießen! Und sie ist die Frau dazu, ihre Absichten auszuführen, sich in Frauenstein zu vergraben, und die paar Jugendjahre, die ihr noch bleiben, ebenso weiter zu vertrauern wie bisher, nur um ihre einmal gefaßten 3been auch durchzusetzen."
„Sie nennen das, Leben vertrauern," warf die Rätin ein, „was der Baron, vielleicht Erfüllung des Lebens, das Leben selbst bedeutet. Wohltun ist ihre Freude. Lassen Sie ihr doch ihren Willen, liebster Freund, und regen Sie sich nicht auf über Dinge, die nur in Ihren Augen schlimm sind."
„Nur in meinen Augen? Ist denn reich sein eine so gering zu achtende Sache? Ich meine doch nicht. Die Baronin aber wird kaum mehr eine reiche Frau zu nennen sein, wenn sie auf ihrem Eigensinn besteht."
Bruno hatte schweigend vor sich hingeschaut. Aber als er jetzt aufsah, lag ein freudiger Schimmer auf feinem Antlitz.
„Was Sie Eigensinn nennen, lieber Justizrat, möchte ich als Edelsinn rühmen," bemerkt er. „Und wenn Sie mir grollen, daß ich meine Schwägerin in diesen edlen Entschlüssen bestärkt habe, so nehme ich das für das größte Lob, ba» mir gespendet werden kann."
„Ah, bah! Ich verstehe," unterbrach ihn der Justizrat mit einer abweisenden Handbewegung. „Sie sind «in Idealist vom reinsten Wasser,
«er Steuerfüße nennt man Steuertarif, und der Gesamtbetrag, den man nach Berechnung und Anwendung des Steuerfußes auf bas Steuer» kapital zu zahlen hat, ist ber Steuersatz. Dabei ist als Steuerkapital bie Gesamtheit der Güter zu betrachten, bie im Besitze der einzelnen zur Besteuerung nachgewiesen werden.
Die amtliche Aufstellung aller tatsächlichen Verhältnisse inbetteff der Steuer-Objekte, -Subjekte und -Schuldigkeiten des einzelnen heißt Steuerkataster. Bei den bundesstaatlichen Verhältnissen des Deutschen Reiches bildet ba» Steuerfixum eine große Rolle. Es bedeutet nämlich die feste Summe, bie von Kondominat- arten — Orten, bie verschiedenen Ländern angehören — gezahlt wird, um Steuerumgehungen zu vermeiden. Eine für bie gewerblichen Großbetriebe sehr günstige steuerliche Einrichtung ist bas Steuerpauschquantum. Es ist nämlich bie feste Summe, die in den einzelnen Gewerben für die Zugehörigkeit zu ihm von den einzelnen Betrieben gezahlt wird.
In das Verfahren ber Steuererhebung führt «ns ferner die Steuerkontingentierung, von bet es zwei Arten gibt. Das Repartionsverfahren . ist basjenige, bei dem die aufzubringende Summe feststeht. Die Summe wird unter bie Steuerpflichtigen verteilt, so daß es zunächst ungewiß ist, wieviel ruf den einzelnen entfällt. Bei der Steuerquotisierung dagegen steht fest, welchen Bruchteil des Steuerobjekts das Subjekt zu zahlen hat, und die Summe, welche bie Steuer ergeben wirb, ist zunächst noch unbekannt. Hier haben wir cs also mit einem fest* stehenden Steuerfuß zu tun.
lieber bie Einteilung bet Steuern nach ben Unterschieden ihrer Wesensarten wollen wir uns ein ander Mal unterhalten.
irmut unö Trunksucht.
Die sozialdemokratische Behauptung, daß der Alkoholismus in den unteren Volksklassen nur die Folge der angeblich üblen wirtschaftlichen Lage der Arbeiterschaft sei, und daß die Trunksucht nach Gewährung höherer Löhne und Herabsetzung der Arbeitszeit verschwinden werde, ist in einem Aufsatze des bekannten englischen Arbeiterführers und Parlamentariers John Burns folgendermaßen sehr treffend zurückgewiesen worden:
„Tausenden von Arbeitern, die, von niebri» gen Arbeitslöhnen zu ungleich höheren gelangt, weder Widerstandskraft noch Ileberlegung besitzen, werden der Uebergang von spartanischer Armut zu ungeordneten Genüssen, die Gegensätze, bie Gelegenheitsarbeit und schwankenden Löhne mit sich bringen, fast zum Verderbe,». Der unvermittelte Sprung von 10 Schilling in Irland auf 30—40 Schilling für Kohlentragen in einem Seehafen bedeutet für viele Ueberfluß, nicht an Kleidung oder Wohnung, Nahrung, Ausstattung oder Vergnügen, nein — nut an Trunk. Ihre Bedürfnisse sind gering, ihr 6e«
Sollte Ihr Drama, von dessen nahe bevorstehender Aufführung man so viel spricht, ebenso idealistisch sein, so fürchte ich —“
„Sie Pessimist," fiel die Rätin ihm ins Wort. „Hier ist nichts zu fürchten, nur das Beste zu wünschen und zu hoffen."
„Auch dann zu hoffen," fuhr der Justizrai unbeirrt fort, „wenn ich Ihnen das Neueste mitteile, was man sich hier in allen literarischen Kreisen schon in die Ohren raunt, daß sich den literarischen Gegnern des Herrn Barons eine Macht zugesellt hat, die nicht zu unterschätzen ist."
„Welche Macht?" fragte nun Bruno aufmerksam werdend.
„Die Macht einer vielbewunderten und begabten Frau und Künstlerin. Die Randolf hat es abgelehnt, die angebotene weibliche Hauptrolle in Ihrem Drama zu freieren, und hat sich dagegen Ihrem Gegner, dessen Lebensbild, wie es der Herr nennt, ja schon für eine der nächsten Wochen aufs Repertoir gesetzt ist, zur Verfügung gestellt." — Brunos Stirn verfinsterte sich.
„Daß sie'in einem Drama, bas einen Rothenfels zum Verfasser hat, nicht auftreten mag, finbe ich begreiflich," sagte er bann. „Ihr wirb auch bie weibliche Hauptrolle in bem Stück meines literarischen Gegners, wie Sie ben Verfasser zu nennen belieben, besser liegen, obwohl ich von bieser Gegnerschaft nichts weiß, es sei denn, daß Sie von unseren sittlichen Grund» anschauungen sprechen, bie allerdings völlig entgegengesetzte sind."
„Aber bie Ranbolf ist eine geniale Kraft," rief ber Justizrat, „bie Sie nicht unterschätzen dürfen. Sie kann selbst einem minderwertigen Stück zum Erfolg verhelfen, was bei diesem Drama keineswegs der Fall fein soll."
(Fortsetzung folgt/