MchjM ZMU mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain m» de» gnl«ge*: ,gtttr«rifjgr A*,eigrr", „x«l»«irtsch»filich- gritegt" **» „Mmstriert»» S-N-t-g-t-l-tt«.
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Marburg
Sonntag, 22. Stovember 1908.
Dis JasertionSgebühr beträgt fite die «Spalte»,8«tle oder deren Staunt 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, llmoersttätSbuchdruckeret Inhaber Dr. E. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 56.
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Erstes Blatt
Rückblick.
Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.
Sie vergangene Woche hat di« schwere Krise, in die unser nationales Leben geführt war, zum Abschluß gebracht, worüber wir schon eingehend berichtet haben. Andere Sorgen beschäftigen bereits den Reichstag, der am Donnerstag in die Beratung der Retchsfinanz- r e f o r m eingetreten ist. Fürst Bülow hat selbst der Vorlage der Regierung in die Arena bes Reichstags das Geleit gegeben, indem er sich über die leitenden Eefichtspuntt« der bevorstehenden Reichsfinanzreform in großzügiger Rede aussprach. Der neue Reichsschatzsekretär Ehdow hat dann die einzelnen Steuervorlagen begründet und sich besonder» dagegen verwahrt, daß die „Boßheit" des Reichstages ihm ein» der Projekte für die neu n Steuern streichen würde. Freilich glauben wir kaum, daß dieser Wunsch in Erfüllung geht. Der gestrige Tag brachte bereits die Aeutzerungen einiger Parteieii, die allerdings nur allgemein zu den Steuerfragen Stellung nahmen und im wesentlichen ihre Zustimmung von der Ausarbeitung der betreffenden Steuern im einzelnen abhängig machten. Die Linke und das Zentrum werden das Konzert der Parteien vollständig machen. Die wesentliche Arbeit wird auch hier in den Kommissionen erledigt werden. Wir wollen hoffen, daß hier besonders der Nachdruck daraus gelegt wird, eine weitere direkte Belastung des gewerbli^-en Mittelstandes möglichst zu verhindern.
. Die vergangene Woche hat uns ferner auch ein bedeutungsvolles Erinnerungsfest geschenkt. Am 19. November feierten die Städte Preußens und mit ihnen die deutschen Städte den Tag, an dem vor 100 Jahren die Städteordnung des Freiherrn v. Stein, die ihnen das Selbstverwaltungsrecht brachte, erlassen worden ist. Es ist ein t eiter Weg von den mittelalterlichen Stadtstaaten bis zu unserer heutigen Stadtverwaltung, Es ist längst erwiesen, daß im 16. und 17. Jahrhundert die großen Ereignisse und Umwälzungen wie u. a. der Verfall der Hansa, der dreißigjährige Krieg u. a. m. die Bedeutung der selbständigen Städte vernichtete. Daß in Zeiten dieses Niedergangs auch die Verwaltung sich ver- L—. ' --S
(Nachdruck verboten.)
Totenklagkn
Eine Totensonntagsstudie von M. Witto«.
Schon in vorgeschichtlicher Zeit hat es Toten» klagen gegeben. Aus den wortlosen schmerzlichen Klagen um einen Dahingeschiedenen entwickelten sich dann bald und überall wirkliche Leich iklagelieder, lyrische Trauerlieder, die entweder an der Bahre des Verstorbenen, bei der Bestattung oder am Grabe ertönten. Diese Totenklagen wurden aber nicht allein von den nächsten Angehörigen angestimmt, sondern jeder, der an eine Totenbahre trat, hatte die Pflicht, ein Leichenlied zu singen, wenn es auch noch so kurz war.
Die Totenklagen oder Leichenlieder finden sich bei allen Völkern des Altertums. Die Bibel berichtet über derartige Totenklagen, und der königliche Sänger David ist es, der an den Leichen Sauls und Jonathans in die wunderbaren klagenden Worte ausbricht, die bis auf unsere Zeit kaum treffender den Schmerz um die Toten schildern können:
„Ihr Berge zu Eilbao, es müße weder tauen, noch egnen auf Euch, noch Acker sein, da Opfer von kommen, den daselbst ist den Helden ihr Schi abgeschlagen, der Schild Sauls, als wäre er nicht gesalbt mit Oel.
Der Bogen Jonathans hat nie gefastet und das Schwert Sauls ist nie leer wiedergekommen, Saul und Jonathan holdselig und lieblich im Leben, sind auch im Tode nicht geschieden, schneller waren sie denn die Adler und stärker denn die Löwen. Wie sind diese Helden so gefallen im Streite! Jonathan ist auf deinen Höhen erschlagen. Es ist mir leid um Dich, mein Bruder Jonathan, ich habe große Freude und Wonne an Dir gehabt."
Diese ältesten Klagen gipfeln also, nachdem sie die Eigenschaften der Toten besungen und gelobt haben, in der Klage um den Verlust. In einer anderen Totenklage der David um seinen Sohn Absalom fehlt das Lob, nur der Schmerz «nb bas Weh um ben Verlust tönt heraus:
fchlechterte unb die Korruption überall sich ausbreitete, ist selbstverständlich. In diese Zustände, wo die alte Freiheit und Blüte der Städte längst verschwunden war, griffen die Fürsten ein, indem in Preußen besonders der Große Kurfürst und Friedrich Wilhelm I. durch Einführung der Akzise und Errichtung der Garnisonen ein in die Staatsverwaltung wohl eingeordnetes Etädtetum schuf. Die unglücklich« Zeit der Niederlage durch den Korsen ließ dann einen der größten Staatsmänner Preußens, den Frhr. v. Stein, den Gedanken fassen, zum Zwecke der Wiedererweckung und Neubelebung der im Volke vorhandenen Kräfte die Städte in ihrer Verwaltung mehr auf sich selbst zu stellen. Die Entwicklung der Städte innerhalb dieses Jahrhunderts hat die Fruchtbarkeit seines Gedankens aus beste dargetan. Welche Aufgaben haben selbst unsere mittleren Städte, kraft ihrer Selbstverwaltung nicht schon erfüllt auf allen Gebieten der Zivilisation, und wie viele stehen noch zur Lösung bereit! Mit Befriedigung darf man auf den Tag zurückblicken, an dem Freiherr v. Stein eine solche Entwicklung unseres heutigen Städtewesens in die Wege leitete und für sie die Grundlagen schuf.
Kriir'j^'LS dilrlj.
— S«t Kaiser empfing in Antrittsaudienz den neuernannten großbritannischen Botschafter Lord Goschen im Beisein des stellvertretenden Staatssekretärs des Auswärtigen, Gesandten v. Kiderlen-Wächter.
— Fürst Bülow wird aller Wahrscheinlichkeit nach kurz vor Weihnachten einen kurzen Urlaub nehmen, da ihn die Aufregungen der letzten Wochen zu sehr angegriffen haben. — Diese Nachricht, die durch alle Blätter geht, wird von der „Frankfurter Zeitung" dementiert. Sie meint dazu u. a.: „Bülow befindet sich ganz wohl, das heißt körperlich, und auch in Bezug auf seine Nerven, und wer glaubt, er könne in nächster Zeit einen Urlaub nehmen, der verkennt ganz außerordentlich die Situation und die Aufgaben, die auch nach dem 17. November noch bevorstehen."
— Der „Figaro" und Fürst Bülow. In zwei aufeinanderfolgenden Nummern hetzt der Pariser „Figaro" gegen den Reichskanzler Fürsten Bülow wegen der Beilegung der durch die Veröffentlichung des „Daily Telegraph" hervorgerufenen Krisis, und sucht die Dinge dahin zu verirehen, daß im Deutschen Reiche die Krone ein Recht und eine Pflicht habe, an dem Kanzler Rache zu nehmen. Nach dem Erscheinen des ersten Artikels wurde vielfach angenommen, bemerkt die „Neue politische Correspondenz" hierzu, daß diese absonderliche Auffassung nur eine
„Mein Sohn Absalom! mein Sohn, wollte Gott, ich wäre für Dich gestorben — mein Sohn, mein Sohn Absalom!" Bei den heidnischen Völkern waren diese Totenklagen und Leichenlieder, die übrigens dort bald schon in anläßlich der Bestattungen gehaltenen Prosareden sich ausdehnten, ebenfalls ganz an der Tagesordnung. Die Verwandten, die Diener des Hauses, Freunde oder Berufsgenosien, selbst wohl auch Feinde klagten, niemand schloß sich von dieser Pflicht aus. So konnte es nicht ausbleiben, daß diese Totenklagen schon in Dichtungen Eingang fanden. Wir finden sie in den Dichtungen der griechischen Klassiker gelegentlich des Todes einer Heldin, eines Helden lyrische Totenklagen, die entweder ein einzelner oder auch der Chor < nstimmt. Die Klagegesänge sind von besonderer Schönheit.-
Ost beließ man es nicht mit Klageliedern an den Vahren, sondern stimmte dieselben auch nach bet Bestattung ober Verbrennung im Anblick bes Grabes oder der Aschenurnen an. War Klage und Loblied der Inhalt der ersteren Klagen, so klang schon etwas wie Trost aus der anderen. Und wenn die heidnischen Griechen auch nichts wußten von einer Auferstehung, einem ewigen Leben, wie sie uns das Christentum predigt. Diese Klagen gipfelten doch in der tröstlichen Verheißung, daß, wenn auch das physische Leben nun zu Ende, der Leib zerstört ist, dir Persönlichkeit und das Andenken in Liebe an diese Persönlichkeit wirket hinaus über das Grab.
Auch die deutschen Heiden haben jedenfalls Totenklagen an der Bcchre Verstorbener schon frühzeitig angestimmt, wahrscheinlich kurze Gesänge, die de» Toten Eigenschaften priesen und fein Hinscheiben bejammerten. Daß diese lauten Klagen nur kurz waren, ersehen wir aus einer flüchtigen Notiz ber Tacitus in seiner Germania, in welcher er über bes Begräbniswesen bet Deutschen berichtet: „Wehklagen unb Tränen legen sie bald ab, langsam Betrübnis und Leid."
C- erscheint tff», als ob sie, nachdem bet Tot«
geistreiche Paradoxie bes Herrn Calmette bedeute. Diese Ansicht ist jedoch nicht mehr haltbar. wenn man di« Ausführungen liest, womit tr dem zweiten Artikel bet ständige Leitartikler des „Figaro" für auswärtige Politik gegen den Reichskanzler zu Felde zieht. Es kann dahingestellt bleiben, ob die Grundgedanken dieser Polemik auf französischem Boden gewachsen sind; jedenfalls beweisen die Figaro-Artikel, wie sehr man in gewißen Kreisen durch die Beilegung bet innerdeutschen Krisis enttäuscht ist.
— Staatssekretär v. Schoen ist wieder gene- en, sodaß sein Rücktritt ins Amt bereits an- angs nächster Woche erwartet wird. v. Kider- en-Wächter ist des Vertretungsamtes enthoben unb wird Ende des Monats auf feinen Posten nach Bukarest zurückkehren.
— Dementi. Berlin, 20. Noo. Die „Norddeutsche Allgem. Ztg." meldet: Die Gerüchte von dem Rücktritt des Generalintendanten v. Hülsen sind völlig unbegründet, v. Hülsen führt die Dienstgeschäfte der Generalintendantur bereits wieder seit dem 22. Juli und behielt auch während seines Ende September angetretenen Erholungsurlaubs die Oberleitung der Geschäfte in bet Hanb. Nach Ablauf feines Urlaubs wird v. Hülsen sein Amt in vollem Umfange wieder übernehmen.
— Herr von Schuckmann. Der Gouverneur von Südwestafrika ist in Berlin eingetroffen. Er wird etwa vier Monate in der Heimat zubringen und auch an der Beratung des Etats feiner Kolonie in der Budgetkommission und im Plenum des Reichstages teilnehmen.
— Reichstagsabgeordneter Hu6 erkrankt. Eßen, 20. Nov. Der Reichstagsabgeordnete <r>u6 erlitt bei der Rückkehr aus einer Bergarbeiterversammlung im Buchum am Buß- und Bettage in seiner Wohnung in Esien-Rüttenscheid einen schweren Blutsturz. Wenn auch ber Zustand des Erkrankten nicht lebensgefährlich ist, f ist er doch verhindert, an der „Radbod"-De- batte im Reichstage teilzunehmen.
— Au» dem Reichstage. Der Reichstagsabgeordnete v. Chlapowski (Pole) hat fein Mandat niedergelegt. Die Wahlprüfungskommt;stvn des Reichstages hat die Wahl des Abg. Schwabach (natl.) für giltig erklärt.
— Zur Wahlreform in Mecklenburg. Schwerin, 20. Nov. Der Eroßherzog hat an die Land- tagskommiffarien ein Reskript erlassen, in dem es u. a. heißt: „Wie wir bereits in unserem Landtagsabschied am 21. Oktober kundgegeben haben, "sind wir entschloßen, die zwecks Durch- fr 'rung der von uns für ein unabweisbares Bedürfnis erkannten Formen der bestehenden Landesverfassung eingeleiteten Verhandlungen fortzusetzen, bis sie zu einem dem Lande dienlichen Ergebnis geführt haben. Wir wollen im Einvernehmen mit dem Großherzog von Mecklen- durg-Strelitz jene Verhandlungen wieder aufs nehmen auf Grundlage der von uns bei dem
bestattet war, mit lauten Zeichen der Trauer aufhörten, sich aber stiller Trauer befleißigten und im Sinne des Toten zu leben • sich bemühten.
Daß von allem Anfang an die deutsche Dichtkunst auch sich der Trauergesänge mit Vorliebe annahm, ist nur natürlich und in der Charakter- eigentümlichkeit des Volkes zu suchen. So bricht Kriemhild an Siegfrieds Leiche, als sie sie vor ihrer Tüte findet, in Klagen aus, so beklagt das Volk der deutschen sowie der gefallenen und verstorbenen Helden.
Und als die lyrischen Totenklagen an den Vahren verstummten, dafür sich die gottesdienstlichen Bestattungsfeiern mit Ansprachen und Choralgesängen fanden, verblieb die Totenklage, ber Trauergesang als unbestrittenes Eigentum ben Dichter,«. Kein beutscher Dichter wohl, der nicht einmal seine Leier gestimmt hätte zu einer Totenklage, sei's eine für einen lieben nahestehenden Dahingeschiedenen, sei's für einen Mann, ber ber Allgemeinheit ber Welt gehörte.
Alle unsere großen Dichter, die Dichterheroen Goethe unb Schiller an der Spitze, haben uns Totenklagen geschenkt. Da ist z. B. bas Trauerlied um Philipp Friedrich von Rieger von Schiller:
Sollen Klagen um die Leiche hallen, ' Klagen um den großen Mann?
Oder dürfen warme Tränen fallen
Tränen, um den guten, lieben Mann?
Dürfen wir mit seinen Söhnen weinen? Mit den Patrioten uns vereinen?
O — so feite weinender Gesang —
- Einer Sonne Untergang!"
Und haben wir wohl ein packenderes Trauerlied, als das, das er die Mönche an der Leiche Eeßlers singen läßt:
■ „Rasch tritt ber Tob den Menschen an —
Es ist ihm keine Frist gegeben;
Er stürzt ihn mitten aus der Safin,
Er reißt ihm fort aus vollem Leben.
Bereitet oder nicht, zu gehn—
Er «uß vor feinem Richter stehn!"
diesjährigen außerordentlichen Landtage Hk» ausgegebenen Gesetzesvorlage, sowie Unter 8* rücksichtigung der Ausführungen unsere» Reskriptes vom 12. Oktober und bet Erklärungen, welch« unsere Lanbtagskommißarien bei den wahrem des Lanbtages geführten, kommißarifch-deputatt- fchen Verhandlungen abgegeben haben. D» wir es jedoch für angezeigt erachten, die in Aussicht genommene weitete Beratung unb bis Beschlußfassung unserer getreuen Stäube außerhalb bes Landtages durch kommißarisch-deputatische Verhandlungen vorzubereiten, so fordern wie euch auf, bei Hinausgabe dieses Reskriptes unsere getreuen Stände bei dem gegenwärtigen Landtage zur Erwählung von Deputierten für die bezeichneten Verhandlungen mit dem Bemerken zu veranlassen, daß wir der Mitteilung des Wahlergebnisses noch vom Landtage aus entgegensehen. Friedrich Franz."
Rede des Abgeordneten Dl Böhme im Reichstage.
(Fortsetzung aus dem dritten Blatt.)
Ich möchte vor allem auch darauf Hinweisen, daß wir r..it ganz entschiedenem Nachdruck darauf bestehen müssen, daß gegen das Vordringen des Ausländertums, U/ wir es in vielen Bezirken unseres Vaterlandes haben, wo eigentlich Arbeitskräfte genug vorhanden sind, mit aller Entschiedenheit vorgegangen werden mutz. Wenn wir jetzt im Ruhrbezirk finden, daß 5000 Arbeiter ausgesperrt Karden, während dabei noch 20 000 Ausländer voiR «den sind, dann sind da» Zustände, die sich nicht mit den Interessen der deutschen Nationalität und unserer deutschen Arbeiterschaft vertragen. (Sehr richtig! bei der Wirtschaft!. Vereint« gung.) Wir erleben es fast alle Tage, daß, wenn Ausländer sich organisieren, sie dann ausgcwiesen werden, weil sie den Unternehmern lästig fallen. Demgegenüber ist es auch notwendig, daß, wenn sie in solchen Zeiten der Arbeitslosigkeit dem deutschen Arbeiter lästig fallen, sie dann ebenfalls ausgewiesen werden (sehr richtig! rechts), ober daß jedenfalls Maßnahmen getroffen werden, die in diesen industriellen Bez' Ten eine Verminderung der Ausländerzahlen herbeiführen. Wir müßen vor allem verlangen, daß der Staat da, wo er die Möglichkeit hat, Arbeiten zu vergeben, sie nur an Firmen vergibt, die keine Ausländer beschäftigen. Wir müssen es leider beobachten, wie cä jetzt z. B. in dem Oberpostdirektionsbczirk Düsseldorf vorgekommen ist, daß in diesen Zeiten des Arbeitsmangels bei den Kabellegungen ausländische Arbeiter beschäftigt werden. Das sind Sachen, die von eine: Rei sbeörde nicht vorgenommen werden sollten. Sehnlich ist es beim Bahnhofsbau hi Mülheim-Ruhr gewesen, wo die deutschen Arbeiter sich zu einer Pro- teftvcrsammlung zusammengefunden haben. Wir verlangen nicht nur Schutz der nationalen Arbeit, sondern auch des nationalen Arbeiters gegen diese Konkurrenz durch das Ausland. Wenn Sie die Arbeiterschaft aus den Bezirken Rheinland und Westfalen hören, wenn Sie die Schilderungen über die ausländische Konkurrenz, namentlich durch die Slovaken, einer tiefstchenden Nation, lesen, dann müßen Sie sagen, daß solche Zustände geradezu unerhört sind, daß sie nach Besserung und Abänderung rufen. Die — —___----- —
In einem wundervollen Irauergefang beklagt Goethe ben Tob ber so jung verstorbenen Caroline Neumann, bie er Euphtosyne, b. h, Frohsinn, nennt:
„Laßt nicht ungerühmt zu ben Toten mich gehen,"
ben Brahms in Musik gesetzt hat. Dieser Gang schließt mit bem tröstenden Ausblick auf den, Morgen, der allen anbricht. Von besonders schö- . ner Wirkung ist darin die Gestalt des Hermes,' der als Todesbote auftritt. Die Gelassenheit und Ruhe, mit der er spricht, hat etwas Erhebendes. Und an Schillers Bahre sagte Goethe a.s Gruß und Klage die ersten Worte — denn er war unser! Eine Totenklage oder ein Trauerlied können wir auch wohl mit einigem Recht Körners Klage am Sarkophage bet Königin Luise von Preußen nennen:
„Dn schläfst so sanft — \.J
mit dem Mahnrufe am Schluß: ’-ß
----bann, deutsche Frau erwache —
Ein guter Engel für die gute Sache."
An der blutigen Leiche des in der Schlacht bei Erosch-Görschen 1-13 gefallenen ritterlichen Prinzen Leopold von Hessen-Homburg singt Max von Schenkendorf:
Fürstenblut gefloßen Ist in heißer Schlacht Wie so gern geflossen Und es tönt kein Wehe In der Eltern Schloß Homburg vor der Höhe Zeugt noch manchen Sproß Für des Landes Sache Floß auch seine» gern s ; An dem Tag der Rache ..." !
Je mehr deutsche Dichter sangen, desto reicher wurden wir auch an Totenliedern — bi» auf die neueste Zeit: Kaiser Wilhelm, Kaiser Friedrich, Bismarck — die Großen im Reich, sitz haben alle ihr« Totenklagen gehabt, bi« Übeta8 Widerhall fanden, wohin sie klangen»