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43. Jahrg.

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Aus dem Reichstage.

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Die oder

3« betHurnanifi" heißt es, daß, wenn Deutschland dem persönlichen Regiment ent­gleite, und der Wille des Volkes er fei, welcher die auswärtige Politik regele, sich die Annähe- kung Frankreichs und Deutschland» prompt vollziehen werde, denn beideVölker wollten den Frieden.

Journal" fragt, was nun kommen werde. Habe der Kaiser wirklich ein klares Bewußtsein der Vorgänge, die die deutsche Seele bewegen, oder sei alles nur abgekartetes Spiel zwischen ihm und dem Kanzler? Alle Hypothesen seien erlaubt, nichts sei geregelt. Ueber die eigent­lichen Aspirationen des deutschen Volkes ist man hier völlig im unklaren, daher die schiefen Be­urteilungen.

Der heutige« Auflage für den Kreis Kirchham liegt Kreisblatt Nr. 91a bei.

I den Schranken zu halten, welche ohne Gefahr für I das Staatsganze nicht überschritten werden diir- I fen> so wird er mehr ehrliche Anerkennung und I Sympathien finden, als die gedankenlosen I Hurraschreier auf der Straße und die geschmei- I digen Höflinge ihm in Wahrheit entgegen« I bringen.

DasBerliner Tagebl." fordert Garantien: I Das Ziel dieser Garantien muß, um es kurz zu I sagen, fein, dem Reichstage die Möglichkeit zu I geben, bei der Ernennung und Beseitigung des I verantwortlichen Reichskanzlers, oder noch besser eines verantwortlichen Reichsministeriums mitzuwirken und schuldige Minister für ihre Verfehlungen zur Rechenschaft zu ziehen.

DieKöln. Volksztg." (Zentrum) meint: Die bis jetzt vorliegende Lösung der Ktifis kann nur als eine vorläufige, besten Falls als eine vorbereitende betrachtet werden. Der Reichstag wird sich aufs neue mit der Sache zu beschäftigen haben, wenn die Anträge auf Erlaß eines Ministerverantwortlichkeitsgesetzes, vor allem der bezügliche Antrag des Zentrums, zur Be­ratung gelangen.

DieKöln. Ztg." schreibt zu diesem Punkte: In einemDie Waffen nieder" betitelten Ar­tikel erörtert sie die Verantwortlichkeit des Reichskanzlers jinb gibt zu, daß der Artikel 17 der Reichsverfassung unklar sei; aber die seit 38 Jahren bestehende Unklarheit gebe den Beweis dafür, daß in Deutschland nur bei einem Ver­trauensverhältnis zwischen Kaiser und Volk, nur in genauer Uebereinftimmung beider, re­giert werden könne. Deshalb bedeutet auch, so schließt der Artikel, jeder nicht vom Kaiser und den verbündeten Regierungen ausgehende Ver­such, diese Uebereinftimmung unter den jetzigen Umständen zu beseitigen, nichts anderes, als die kaiserliche Vertrauenskundgebung vom 17. No­vember mit einer Mißtrauenskundgebung zu be­antworten. Das liegt auf der Hand, und dieser Eindruck wird durch keinerlei Verficherung gegen­teiliger Absicht aus der Welt zu schaffen fein. Man darf daher erwarten, daß die Blockmehrheit diesem Versuch des Zentrums und der Sozial­demokratie, den Kaiser zu demütigen, einmütig widersetzen wird. Das Volk, deß darf die Oppo­sition versichert sein, folgt ihr auf diesem Wege nicht. Es will Frieden mit seinem Kaiser und keine Fortsetzung des Konfliktes über das hin­aus, was es erzielt hat. !

Die Pariser Presse.

DerFigaro" nimmt plötzlich ostentativer- weiser für den Kaiser Partei, dessen Erleuchtung und Friedensliebe er rühmt, wogegen der Kanz­ler Frankreich durch tausend Nadelstiche reize, um es zu demütigen. Daher bedauertFigaro" das, was die meisten Pariser Blätter eine Kapi­tulation des Kaisers vor dem Kanzler nennen. Er hofft aber, daß der Sieg des Kanzlers den Keim zu Deutschlands Niedergang bergen werde, I da Frankreich jetzt avertiert sei, geeint dastehe und eines Tages die EebiHd verlieren könne. I

Der billige Rauchtabak soll mit Rücksicht aus das viel, genanntePfeifchen des armen Mannes" sreigelaffe» werden. Die Arbeiterzahl in der Tabakindustrie hat infolge der früheren Tabaksteuergesetze keine Abnahme erfahren. Der Heimarbeit soll durch die Steuer dar Leben nicht erschwert werden. 2% Milliarden Mar, werden zur Zeit im deutschen Volke in Bier ange legt; dies kann eine Steuer vertragen. Wenn nut eine Biersteuer käme und nicht auch eine Weinsteuer so würde der Vorwurf erhoben werden, man belaste nur das Getränk des armen Mannes. Die nächste Vorlage, die Elektrizitätssteuer, ist die am meiste», angegriffene. Die Elektrizität hat sich in den Hoch­schulen des Reiches entwickelt. Das Reich hat daher ein Anrecht auf sie. Die neue Steuer ist so niedrft bemeffen, daß sie das Wachstum des Kindes nicht be. hindern wird. Auch die Gaswerke Haustieren iro( der hohen Kohlenpreise und sind sehr wohl in de

i Bestellungen

JW siir de* Monat Dezember .

auf die »vberhefsische Zeituug" nebst ihren Beilagen werden noch von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch. Jain, Neustadt und Wetter, fowie von allen Poftanstaiten und Landbriefträgern ent» flegengenommen.

«Nachdruck verboten.)

Getrennte Weltm.

Roman von Clarissa Lohde,

< Fortsetzung.)

der Belastung in anderen Ländern ausmacht. Zi einer neuen Berbrauchsabgabe konnten wir nicht über, gehen, weil dann eine große Reihe kleinerer und mitt, lerer Brennereien eingehen würden. Die vorgeschla- gene Tabaksteuer in Form der Banderolenbesteuerunz

Die Rättn zerknitterte zornig den Brief und warf ihn auf den Tisch.

Sie werden einander wert fein," stieß sie ärgerlich hervor;das wenigstens steht man klar."

Und der alte Hiller," fügte Arnold lächelnd hinzu,wird, wie ich fürchte, den TitelGräfin* für feine Tochter teuer bezahlen müssen."

Ach. bas wäre bas wenigste. Er hat» fa dazu."

Und ein Filou ist dieser Herr Graf noch nebenbei," fuhr bet Amtsrichter fort, »Ich

Schulden bezahlen," sagte grollend die Rä­tin, während fie den Brief ihrem Gatten vorlas.

Was jener Rothenfels übrigens, den man fe$t so allgemein bet uert und dem so viel Trä­nen nachgeweint werden, sogar von bet Frau, Wie ich hörte, für rin leichtfertiger Mensch ge».

umfangen, daß er sich entschlossen habe, zum I nächsten Herbst noch weiter hinunter nach Dal- I matten, Griechenland, Konstantinopel und I Aegypten zu gehen. Auch von feinem Drama I sprach er, dessen Proben nun bald beginnen würden. Die letzten tragischen Ereignisse be­rührte er indessen nicht. Die Rätin verstand thn auch darin, daß er es unterließ, seine frü­here Braut zu erwähnen; hätte sie und ihr Mann doch am liebsten selbst jede Verbindung mit thr gelöst.

Nur einmal hatte die Rättn, gleich nach der Reise Brunos, an ihre Koufine, die Kommerzien- ratin Wtnter, geschrieben, um ihren und ihres Mannes Unwillen über Ellens Benehmen

i Bruno gegenüber auszudrücken. Erft am Tage nadj Brunos Rückkehr traf die Antwort ein. Sie enthielt eine wortreiche Entschuldigung der alteren Schvester, bereit Schluß war, daß Bruno allein die Schuld an dem Vorgefallenen trage

»Wäre bet Baron ein zärtlicher Liebhaber gnoesen, schrieb bie Kommerzienrättn,so würde es Ellen sicher nicht eingefallen fein sich in einen anderen zu verlieben. So aber? Wa­rum begleitete er uns nicht auf unserer Reise? Da» war bet größte Fehlet und, bas mußt Du j zugeben, ein Beweis von Gleichgültigkeit gegen feine Braut, bie abkühlend auf sie wirken mußte. Was hätte es denn getan, wenn fein Drama auch einige Monate später aufgeführt worden wäre? Aber bie Eitelkeit bet Schriftsteller! Schließ- Uch war es doch fein eigener Wille. Er hat I Jein Drama der Braut vorgezogen, nun mag es i r ,?uch Ersatz geben für ihren Verlust. Ich wünsche ihm allen Erfolg, und auch Ellen tut es; ^ist wirklich ein gute» Kind. Denn eigentlich hätte ste wohl ein Recht ihm zu zürnen. Mon-

Don Abbazia,, wo Bruno sich augenblicklich aufhielt, traf ein kurzgefaßtes Kondolenzschrei­ben an sie, Asta und den Grafen Alten ein. Er brückte darin sein Bedauern aus, daß et in der schweren Katastrophe der Familie nicht habe zur Seite stehen können, aber da er gerade auf einer gußtour begriffen gewesen, fei die Mitteilung altens oon dem schmerzlichen Ereignisse erst um einige Tage verspätet in seine Hände gelangt so daß er auf keinen Fall zur Beisetzung hätte ein- treffen können. Editha persönlich stellte er sich völlig zur Disposition und kündigte feine nicht ljuferne Rückkehr an. Als sie aber erfolgte, wat Schloß Frauenstein schon wieder verödet und feer; Bruno verweilte nut wenige Tage in Schonwalde, um dann nach Berlin in die wäh. rend seiner Abwesenheit nach seinen Anweifun- gen eingerichtete väterliche Villa in der Rauch, straße überzusiedeln.

Im Atnoldschen Hause wurde er mit offenen Armen empfangen. Die Rättn fand ihn sehr erholt. Er sah gebräunt und kräftig aus und ber schmerzlich sinnende Zug, der in letzter Zett fast nicht aus seinem Gesicht gewichen wat. schien I verschwunden. Auf Befragen erklärte et dann et Rätin, daß et die gesuchte und ersehnte Ge- I «wtstuhe in dem stillen Verkehr mit ber Natur Wiebetgefunben habe. Er erzählte viel von Ab- bazia, dem herrlichen Meeresstrand. von den I Mondscheinnächten, die et im einsamen Boote I oeu räumt .und wie bet Zauber de» Südens ihn ]

Nach der Krise.

Zu ber Lösung ber Krisis hat man im Jn- imb Auslande Stellung genommen. Bei uns spricht sich bie Mehrzahl let Blätter befriedigt über die Erklärung des Kaisers aus.

DieKreuzzeitung" meint: Mit besonderer Genugtuung werden es alle Konservativen em- vfinben, daß diese Billigung in einer Form er- folgt ist, bie dem kaiserlichen Ansehen keinen Ab­bruch tut. Auch so, wie bie kaiserliche Entschei­dung ergangen, wird der Entschluß bazu gewiß nicht leicht gefallen fein. Um so größer unb wärmer muß ber Dank fein, ber unserem kaiser­lichen Herrn für bie reiflich erwogene Entschlie­ßung gebührt.

Die sreikonservativePoft" bezeichnet bie Lösung unter allen Gesichtspunkten als hoch- erfreulich unb meint: Das deutsche Volk darf daher wieder mit vollem Vertrauen in bie Zu­kunft blicken.

Die nationallib.Nationalzeitung" meint: Die wohlbegründete Hoffnung des deutschen Volkes, daß die Kanzlerkrise eine vorläufig be­friedigende Lösung finden werde, hat sich erfüllt. Der Kaiser hat dem Reichskanzler gegenüber feierlich und des Ernstes der Lage vollauf be­wußt, die Erklärung abgegeben, er erblicke seine vornehmste kaiserliche Aufgabe darin, bie Stetig­keit der Politik des Reiches unter Wahrung der verfassungsmäßigen Verantwortlichkeit zu sichern. Jedenfalls wird dieses kaiserliche Ver­sprechen unb diese Tat der Entsagung int ganzen deutschen Volke mit freudigster Genugtuung be­grüßt werden.

Reichstagsabgeordeieter Bassermann meint, daß die Patrioten nach schweren Stunden auf­atmen und nunmehr eine Zeit fester unb ge­räuschloser Politik erhoffen unb erwarten. Daß }u diesem Ergebnis der Kaiser geholfen, werden j viele deutsche Herzen ihm heute danken. I

Die freisinnigeFranks. Ztg." schreibt: Wir erkennen an, daß ber Kaiser einen Sieg über sich selbst errungen hat, unb vermag er auf bie Dauer sein Temperament zu zügeln unb sich in

nicht einigen. Die finanzielle Bereitschaft ist ebenso wichtig, wie die militärische. Das Reich ist ein Haus­bau gewesen: jetzt heißt es die Schulden tilgen und die Hypotheken abtragen. Die Regierung ist über­zeugt, daß die Vertreter des Volkes diese Aufgabe lösen werden, wie es des deutschen Volkes würdig ift. (Lebhafter anhaltender Beifall rechts, Zischen links.)!

Reichsschatzsekretär Svdow führte aus: Drei Auf-

Schulden, und 2 Milliarden stehen für das nächste Jahrfünft in Aussicht. In England und Frankreich haben die Staatsschulden inzwischen abgenommen. So kommt es, daß selbst bte italienische und spanische Staatsanleihe besser notiert find als unsere. Die Darlegung im Einzelnen werde ich dem Herrn Rciws- schatzsekretär überlassen. Nur das hier im allge. meinen: Daß dar deutsche Reich statt genug ist, die Lasten zu tragen, daran zweifelt im Auslände kein Mensch. An Zigarren, Bier und Branntwein zahle» wir ganz unvergleichlich weniger als unsere Nachbarn. Die jährliche Zunahme des Nationalverinögens be» trägt in Deutschland 4 Milliarden Mark, die Spar­einlagen wachsen jährlich um 11 Millionen Mark. Ein solches Land ist nicht arm. Nicht nur neue Steuern, auch Sparsamkeit auch für die Bundes­staaten und Kommunen ist notwendig. Wir müsse» im allgemeinen zurück vom Luxus. (Zurufe.) Ich nehme niemanden aus. Reichtum ist bedeutungsvoll auch ft",r die Gruppierung der Völker. Frankreich verdankt seinen Reichtum seiner bewunderungswür­digen Sparkraft.. Diese meine Mahnung richtet sich vor allem an die mittleren und höheren Stände. Unsere soziale Moral ist des deutschen Volkes un- würdig. Nicht nur Sparsamkeit, Einschränkung im Budget und Schuldentilgung find notlvendig. Wie gefährden unsere Sicherheit, ja unseren Friede» (hört! hört!), wenn wir uns über die neuen Steuer»

gaben so weiterginge wie bisher, ständen wir 1913 vor einem Fehlbeträge von 737 Millionen, wovo» natürlich nicht die Rede sein darf. Das liegt daran, daß zu den alten Sollbeträgen die Neuausgaben bet Besoldungsvorlage, das Auf gebrauchtsein des Jnva- lidenfonds von 1911 ab und das notwendige Mehr» die Schuldentilgung hinzukomme. Hinzu tritt auch der Betrag der alten schwebenden Schuld. Deutsch­land kann sehr Wohl eine Steigerung der indirekte» Steuern vertragen, da diese in England und grant' reich erheblich höher sind als bei uns. Der Brannt. wein ist Wohl einer höheren Besteuerung fähig, da di, jetzige Belastung des Branntweines kaum ein Drittel

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bers, ba sie jetzt einen Verlobten hat, ber sie ge- I wesen, bas habe ich jetzt erst durch meinen z» radezu aus Hauben tragt unb an dessen liebens- I künftigen Schwager erfahren. Dein Maut würdiger Zuvorkommenheit fie ermessen kann, wird Dir wohl schon von dem Skandal mit be, wte wenig der Baron ihr in dieser Beziehung ge- Randolf in Baden-Baden etwas erzählt habend boten hat und daß er ihr rn eigentlich belei-Nun, Ellens skandalöses Benehmen gibt de» drgender Werfe stets nur vorgehalten, was er der Randolf keineswegs nach," warf die Rätii von einer Frau, die ihm genügen solle, ver- I wieder ein

lange und wie viel ihr noch daran fehle. Ich IDenke Dir, daß diese Person sich durchau» habe das alles »ar Nicht so gewußt; erst als wir I noch an bas Lager des Sterbenden dränget c n e^e ernpackten, habe ich fie gelesen unb I wollte unb ste beinahe neben bet Baronin ihre» fanb sie ganz empotenb. Glaube mir, Ellen hat Platz dort behauptet hätte. Jetzt soll sie sich fa re<9*cm , I bem Fürsten Soeben angefreunbet hck^.n. Unter

Was Mama unb Papa Betrifft," meinte bie I bem Vorwand gemeinsamer Trauer um den Kommerzrenratinmache ihnen keine Vorwürfe, I verunglückten Freund sieht man sie jetzt fast all« wenn sie zurückkehren. Sie sind an allem un- I Tage in den Kutanlagen promenieren. Alle schuldig, unb Papa besonders ber soviel in Welt spricht darüber. Der Fürst und seine Künstlet- und Schnststelletkreisen verkehrt, ist I Freunde schneiden natürlich den Grafen Holm." die Sache höchst unangenehm. Aber et muß sich, IWerden wohl ihren Grund dazu habend wte wir alle in das Unabänderliche finden. Nach meinte bie Rättn.Er widmet sich jetzt gani Beratung mit den Eltern unb bem liebenswüt- I uns, unb ich muß Dir gestehen, noch nie haben digen Gräfin, Du solltest ihn nut kennen lernen, I wir uns in Baden-Baden so gut amüsiert wie et wurde Dir auch gefallen, wenn Du ihm nicht I jetzt. Im Oktober soll bie Hochzeit sein. Da» uns, Brunos Willen mit Vorurteilen entgegen I junge Paar wirb den Winter in Paris verle- trateft, also nach dieser Beratung find wir zu I den, bann gehen sie auf des Grafen Besitztum dem Entschlüsse gekommen nicht nach Berlin I bei Nürnberg." zurückzukehren, sondern gleich mit bem Duplesfis .....

nach Paris zu gehen. Holm, ber übrigens bei­nahe noch mit bem verstorbenen Rothenseis ein Duell gehabt hätte, geht vorläufig auf fein Gut in Bayern, wo er noch mancherlei zu otb» nen hat."

Der ernsteste und schwierigste Teil der Reichstags­arbeiten begann heute: die erste Beratung der Rerchsfrnanzreform, d. h. des Gesetzent- entwurfes betr. Aenderungen im Finanzwesen stand rn Verbindung mit den einzelnen Steuerentwürfen auf der Tagesordnung. Entsprechend der Bedeutung dreier Vorlage gab der Reichskanzler Fürst v. Bülow ihr selbst das Geleitwort und hatte dabei ein leidlich beietztes Haus und überfüllte Tribünen als Audi­torium Er entwickelte und begründete die Notwen­digkeit, das Reich auf eine dauernde und festgesicherte finanzielle Grundlage zu stellen, daß es nicht mehr lästiger Kostgänger der Einzelstaaten bleiben und nicht I gaben haben wir: Abkehr von der bisherigen Än- mehr auf Kosten der Zukunft lebe, sowie den KurS I leihewirtschast, Herstellung des Gleichgewichts zwische» der Anleihen zu starken. Die Gründung deS Reiches I Einnahmen und Ausgaben und dauernde finanzielle war die Grundsteinlegung; an dem Hause bauen wir I Sicherstellung des Reiches. Das System der Anleihe- heute noch. Wir beginnen den Bau auszuführen. I aufnahme muß eingeschränkt werden. Auch die nütz, Das Traggerust für die Wirtschaftspolitik war aus- I lichften Ausgaben sind schädlich, wenn die korrcspou, zusuhren. Die Sozialpolitik mußte begonnen werden. I dierenden Einnahmen fehlen. Wenn es in den Aus, Rascher und gründlicher als alle anderen schufen wir ' - ..... - - ----

es. _ Ebenso mußte ein entschieden deutsches Recht ge­schaffen werden. Da zwang uns schon der eigene Auf­schwung, mit der rein kontinentalen Politik zu brechen und Weltpolitik zu treiben. Deshalb bedurfte das Reich einer neuen Flotte. So folgten sich Aufgaben in der schnellsten Weise und niemand kann uns den Vorwurf machen, daß wir die Fragen der Zeit nicht verstanden haben. Das Haus des Reiches ist bewohn­bar geblieben für ein um das Doppelte zahlreiches Volk. So kam es, daß die Finanzfrage als Frage zweiter Ordnung behandelt wurde. Erst die Kriegs­entschädigung, dann der ungeheure Aufschwung be­gründeten diese Sorglosigkeit. Man konnte die Zu­kunftsbedürfnisse nicht überblicken. So war es nicht möglich, ein Dauerndes zu schaffen. Auf die Schul- terii der Zukunft wälzte man die Finanzfrage ab:

r e^.n un*ere Schultern. Empor« gene L-aoaipeuer in gorm ver nanoeroienvepeuerun» tomntlinge ftiib tm allgemeinen nicht beliebt und so I verdient den Vorzug vor anderen Besteuerunqsarten hat Deutschland, das Mngste Mitglied der europäi- * 1 ~ ~ - ------

scheu Staatengemeinschaft, mehr Respekt als Zunei­gung eingeflößt. Die Gegnerschaften gegen das Reich beruhen am letzten Ende auf elementaren Ursachen. Redner erinnerte an die Revanchegedanken Frank­reichs, deutschfeindliche Bestrebungen in Rußland seit dem türkischen Kriege und die angesichts unserer industriellen Expansionen in Mißtrauen verwandelten e,nst freundlicheren Gefühle für das deutsche Volk. Er halte die Gegnerschaften für nicht unüberwindlich. Er sehe keine nahe Kriegsgefahr. Deutschland brauche Kaltblütigkeit, Furchtlosigkeit, Stetigkeit (Beifall), Ruhe (Beifall) nach Außen und im Innern (Leb­hafter Beifall). Eine wirkliche große Gefahr liegt nur m unserer Finanzlage. Es handelt sich diesmal nicht wie fiüher um ein paar neue Steuern. Wir muffen ganze Arbeit machen. Wir hatten 1878 139 Millionen, 1887 884 Millionen, 1908 4 Milliarden