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Erstes Blatt

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' ihr gegenüber unter diese«

Nationalliberalen und die Reformpartei lei. De, Minister Hohenthal bemerkt« noch, er halte ein« Aenderung der Verfassung im jetzige» Augenblicke nicht für tunlich. Hierauf zog Abg. Günther seine Interpellation zurück. Die Sitz­ung wurde alsdann geschlossen.

r>ri>öruc? verboten.)

Getrennte Welten.

Roman von Tlarissa Lohde.

«Fortsetzung.)

Asta» und Altens erneuerter Vorschlag, sie auf ihrer geplanten Reise nach Italien zu be­gleiten, wurde daher von ihr mit Dank ange­nommen, um so mehr, da der Arzt ihre Gesund­heit angegriffen und einen Winteraufenthalt im Süden für ste notwendig fand. Gertrud Wese begleitete Editha trotz ihrer Gegenwehr, da deren körperlicher, wie seelischer Zustand «ine liebende Pflege notwendig machte. Sie hätte doch nicht das Herz dazu, verstcherte das Mädchen wiederholt, eine fröhliche Hochzeit zu feiern, ohne die Gegenwart ihrer geliebten Ba­ronin. Pastor Lorenz erklärte sich damit ein­verstanden. Er hatte ja Gertrud gerade lieb­gewonnen, um ihres liebevollen, tatbereiten Sinnes willen, dem nicht» zu schwer für den der Hilfe Bedürftigen dünkte. Und auch Asta und deren Gemahl waren sehr damit zufrieden, daß Editha, deren Neigung für die Einsamkeit ste kannten, «ine Gesellschafterin zur Seite hatte, die sie auf ihren Spaziergängen begleiten, in stillen Stunden bei ihr weilen könnte, und ste, so weniger gebunden, und mancher sonst not­wendigen Verpflichtung enthoben blieben.

Bruno weilte gerad« während dieser Zett fern von Schönwalde auf Reisen. Editha fand seine Abwesenheit halb schmerzlich, halb al, eine Beunruhigung. Wohl erfaßte sie zuweilen ein heimliches Sehnen, sich gerade gegen ihn, der sie so verstand, wie niemand sonst in der Welt, über alles, was erschütternd in ihr Leben ringe- griffen hatte, Auge in Auge auszusprechen, dann aber dachte ste an das mehr als fremde, ja fast feindliche Verhältnis, in dem Dietrich zu dem Bruder gestanden, und mutzte sich sagen, datz

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Stimm«« der Ausländer.

London 18. Rov. DerStanbarb* «über die Unterredung des Kaisers mit irsten von Bülow: In allem, was er ge­tan bat, wurde der deutsche Kaiser von den reinsten patriottschen Impulsen geleitet: er ist der selbstloseste unb unermüdlichste unter den deutschen Patrioten. Sein ganzes reines ar­beitsreiches Leben war darauf gerichtet, Deutsch- land» Große auf einen noch höheren Gipfel ge bringen all seine Träume und Gedanken gälte» dem Vaterlande, der Wahrung feiner Ehre und Würde der Förderung seiner nationalen In- tereffen, der Sorge für die Zukunft, und tro- allem ist «s ihm gelungen, Deutschland großer zu machen, als er es vorgefunden. Er be­wahrte die Natton vor den Folgen eines kam- merziellen Erfolges, nämlich davor, geldstol, und vulgär zu werden. Nie war es größer, als es heute ist. Wir vertrauen darauf, datz dre engere Derbindunq der Repräsentanten der Ra­tion mit dem Minister das Ergebnis habe» wird, eine sehr fühlbare Verringerung der Frittionen herbeizuführen, welche die deutsch- englischen Beziehungen in unangenehmer Werfe beeinflußten."Daily Telegraph'^ erklärt, dre persönliche Bewunderung der Engländer für de« Kais:- werd« gewitz durch seine gestrige Halt- ung gegenüber dem Reichskanzler erhöht, dessen Vorgehen in einer Zeit besonderer Schwierig« keiten über jedes Lob erhaben ser. Er habe be­wiesen, datz er einer jener treuen Ratgeber sei, die die besten Stützen und Pfeiler der Krone 6tlVc m, 18. Rov.Popolo Romano" begrüßt das Verbleiben des Reichskanzlers Fürste» Bülow auf seinem Posten als eine Garantie des Friedens.El Mesiaggero" sagt, daß durch dre gestrige Unterredung des Kaisers mit dem Reichskanzler ein ernster Konflikt zwischen Volk und Kaiser vermieden worden sei, daß aber das Volk unti; keinen Bedingungen weitere Ern- griffe des Kaisers dulde.

Wien, 18. Rov. In Besprechung der gestrigen Audienz des Reichskanzlers Fürste» Bülow bei dem Kaiser führt dasWiener Frem- tenblatt" aus: Den heutigen Tag wird da» deutsche Volk dem Kaiser nicht vergesien den« heute haben auch diejenigen den Kaiser kenne« gelernt die ihn verkannt haben. In dem lat« serlichen Willen und seiner feierlichen offentlr« chen D-. undung wird das deutsche Volk dre stärkste Bürgschaft seiner Ruhe fiirden. Ueberall in Deutschland und unter Deutschlands Freun­den hat man mit Beruhigung vernommen, daß der Reichskanzler, der bisher die Verantwortung für die Reichspolitik getragen, sie im vollen Be­sitze des kaiserlichen Vertrauens weiter trage« wird Datz aber dem Kaiser sowie dem deut- scheu Volke auch der Kanzler sein Vertrauen ge­wahrt hat, wird allen zur Befriedigung gerei- chen die in dem bewährtesten Ratgeber un» Mitarbeiter des Kaisers Wilhelm eine stark«

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Umständen eine höchst peinliche gewesen wäre, daß seine vielleicht zu sichtbarer Teilnahme für sie falsch gedeutet werden könnte. Von Asta und ihrem Schwager hatte sie die Begegnung Diet- richs mit dem Grafen Holm im Kurgarten z« Baden-Baden erfahrn, deren Folge die Ford^ rung zum Zweikampf gewesen war. Ferner, daß Brunos Zukunftspläne damit gescheitert, und seine Verlobung mit Ellen Hiller aufgelöst wor. den sei.

Ich kann nicht verfehlen," batte Asta hinzu­gefügt,datz mir, al» Mitglied der Fannlre Rothenfels, das Scheitern dieser Heirat, die ich in jeder Beziehung als eine unpaffende hielt, sehr erwünscht gekommen ist. Es war das eben noch ein Nachklang der Anschauungen des Gnnu nafiallehrers Bruno Müller, die in einer Elle« Hiller «in« paffende Lebensgefährtin erblicken ließen. Zu «iner Baronin Rothenfels paßt« sie nicht."

Editha hatte darauf nichts erwidert. Wie so oft fühlte sie in ihrem Innern, datz sie nach «iner gewissen Richtung hin auf Astas Verständ­nis ihrer Empfindungen verzichten muff«. Kannte doch die Jugend auf vom Schicksal Ver. wohnte nicht» von den Schmerzen, die Verrat und Enttäuschung dem Herzen bereiten, da» liebt und vertraut. Sie hatte es erfahren i« bitterem Leid, und datz auch Bruno unter kolcheF Enttäuschungen schwer leiden werd« davon way sie überzeugt; mutzte er sich auch sagen, es setz zum Heil für ihn, den wahren Charatter diese» Mädchen» kennen gelernt zu haben, «h« er itzß die Hand toi dem Altar reichte.

-------- /Fortsetzung folgtj

Editha traf wirklich, wie Graf Alten gesagt hatte, am anderen Morgen mit dem kleinen Günther in Baden ein. Da» Telegramm hatte ihr Eile anempfohlen, wenn ste den Pater ihre, Sohnes noch lebend antreffen wolle. Asta fand sie schon dort. Weinend fiel die Gräfin der blei­chen Frau, auf deren Züg«n sich die schmerzlich« Bewegung malte, um d«n Hals.

Keine Hoffnung! Bald habe ich keinen Bruder, Du keinen Gatten mehr," stietz sie jam­mernd hervor.

Editha drückte das Haupt der Schwester fester an sich. Tränen erleichtern. Sie fand keine Tränen. Voll tiefen Ernstes, da» Kind an der Hand, trat sie an da» Schmerzenslager de» Gat­ten. Des Sterbenden Blick wandte sich ihr noch einmal zu, seine Hand tastete an dem Köpfchen seines Knaben, die Lippen bewegten stch, aber kein Laut kam mehr über sie.

Editha ließ das weinende Kiiü>, da» ver- ' ständnislos in des Vaters verzerrtes Antlitz blickte, hinausführen. Sie setzt« sich an des Ver- scheidenden Seite, ihm die letzten Liebesdienste |u erweisen. Noch eine bange Stunde, und Dietrich hatte den letzten Seufzer ausgehaucht. Graf Alten hielt seine schluchzende Frau tröstend im Arm, Editha sank neben dem Toten in die Knie in stillem Gebet. Was ihre Seele in die- kem heiligen Augenblicke durchbebte, wer vermag M zu künden? Gott allein war Zeug« ihrer

Das Ende der Krise.

Ueber die am Dienstag mittag im Reue« Dalai» in Potsdam zwischen dem Kaiser und dem Reichskanzler gepflogenen Verhandlungen fliegen folgende Meldungen vor, die wir noch am Dienstag durch Extrablatt verbreiteten: ; Potsdam. 17. Nov. Der Reichskanzler Fürst Bülow ist mit dem fahrplanmäßigen Zuge 10 Uhr 58 Min. in Begleitung seines Ad­jutanten, des Hauptmanns v. Schwartzkoppen, hier eingetroffen und hat stch in das Neue Pa­lais begeben. Der Kaiser hörte von 11 Uhr ab den Vortrag des Reichskanzlers. Der Vor­trag des Reichskanzlers hat etwa 1% Stunden f«dauert. Der Reichskanzler ist mit dem Zuge 2 Uhr 56 Min. nach Berlin zurückgekehrt.

; Der amtliche Teil desReichsanzeiger," enthält folgende Kundgebungen:

In der heute dem Reichskanzler gewährten Audienz hörte Seine Majestät der Kaiser und Köni^, einen mehrstündigen Vortrag des Fürsten von liitoto. Der Reichskanzler schilderte die im Anschluffe an die Veröffentlichung desDaily Telegraph" im deutschen Volke hervorgetretene Stimmung und ihre Ursachen, er erläuterte fer­ner die Haltung, die er in den Verhandlungen des Reichstages über die Interpellationen ein­genommen hatte. Der Kaiser nahm die Darleg' ungen und Erklärungen des Reichskanzler» mit großem Ernste entgegen und gab seinen Willen dahin kund: unbeirrt durch die von ihm al» ungerecht empfundenen Uebertreibungen der öffentlichen Kritik, erblicke er sein« vornehmste kaiserliche Aufgabe darin, die Stettgkeit der Po­litik des Reiches unter Wahrung der ver« ftrffungLmätzigen Verantwortlichkeiten zu sichern. Demgemäß billigte Seine Majestät der Kaiser die Ausführungen des Reichskanzlers im Reichs­tage und versicherte den Fürsten v. Bülow seine» fortdauernden Vertrauens.

Ferner meldet dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung":

Der Reichskanzler Fürst J>on Bülow hat vlsbald nach seiner Rückkehr von Potsdam das preußische Staatsministerium zu «iner vertran- fiche.r Besprechung zufammenberufen, in der er siber das Ergebnis seines Vortrages bei Seiner Majestät dem Kaiser Mitteilung machte. Un­mittelbar hierauf wird der Reichskanzler den Präsidenten des Reichstages Grafen zu Stolberg tzu einer längeren Besprechung empfangen. Gleichzeitig machte der Stellvertreter des Reichs« .anzlers, Staatsminister von Bethrnann-Holl- weg den stimmführenden Mitgliedern des Bun­desrates im Auftrage des Reichskanzlers ent­sprechende Mitteilungen."

Damit hat die Krisis einen Abschluß gefun­den, der von allen monarchisch gesinnten Kreisen freudig ausgenommen werden wird.

Die Demission des Reichskanzlers würde, wenn sie sich als Folge der Audienz vom Diens­tag ergeben hätte, nicht weniger bedeutet haben, als das Heraufbeschwören eines Konfliktes des Kaisers mit dem Parlament mit allen Begleit-

Di« sächsische Kamm«, zur Sage.

In der Dienstag-Sitzung der Zweiten Kam­mer forderte der Abgeordnete Günther (sreis.) die sächsische Regierung auf, die Initiative zu ergreifen damit der Bundesrat Garantieen for­dere, die'eine Politik, wie ste bisher im Reiche geführt worden sei, nicht mehr möglich machten. Staatsminister Graf Hohenthal erwiderte u. a.: Es muß näher überlegt werden, ob jetzt der ge­eignetste Moment ist, attiv vorzugehen. In der Sitzung des Ausfchuffes für auswärtige Angele­genheiten am vorigen Donnerstag hat Fürst o. Bülow in einem vierstündigen freien Vortrag« über alles eingehend Mitteilung gemacht, was sich in den letzten Jahren in Bezug auf die aus­wärtigen Angelegenheiten begeben hat. Di« Mitteilungen waren streng vertraulich. Ich kann aber hervorheben, daß in der Aussprache, an welcher sämtliche Mitglieder des Ausschußes teilnahmen, festgestellt wurde, daß die Leit­ung der auswärtigen Politik in den besten Händen ist (allseitiges Bravo), und datz der Reichskanzler, wenn er, wiewohl schweren Herzens, sich entschloß, in kritischer Stunde die Bürde seines Amtes weiter zu tra­gen dies aus reinem Patriotismus, Pflichtge­fühl und Anhänglichkeit an den Kaiser getan hat. Was geschehen ist, läßt sich nicht ungeschehen machen; aber statt zu hadern, wollen wir lieber einen gesunder. Optimismus pflegen. Ich glaube gewiß, datz auch für Deutschland beffc : Tage kommen werden. (Beifall.) Der Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten wird künftig öfter in regelmäßigen Zwischenräumen zusammentreten: dann wird sein Zusammentritt auch nicht, wie es diesmal» geschehen ist, al» Sensation angesehen werden. (Lebhafter Bei­fall.) Der Abgeordnete Opitz gab namens der Konservativen dem Wunsche Ausdruck, daß die jetzigen Ereignisse nicht mit dem Rücktritt des Fürsten Bülow endeten, sondern gerade dieser bedeutende Staatsmann dem Reiche auch für die Zukunft erhalten bleib«. Dem pflichteten di«

Alle monarchisch «mvfindenden Kreise wer­den vielmehr, nachdem oie Entscheidung so ge­fallen ist. wie man gehofft hat, darauf bedacht sein, die Wunden zu heilen. Der Gedanke des Kaisertums und der Monarchie würde schwer geschädigt werden, wenn die ablehnende Stellung des Nichtverstehens gegenüber dem Kaiser wie sie durch die üblen Folgen der Ver- öffntlichungen in der englischen Zeitung von dem gesamten Volke nicht mit Unrecht eingenommen wurde jetzt beibehalten würde, wenn insbeson­dere die t: diesem Sinne gepflogenen Erörter­ung:. weiter gesponnen würden. Die Feind« der Mona-chie werden leider schon genügend da­für sorgen, daß dieser Puntt so schnell nicht auo ihre,.! Agitationsprogramm verschwindet. Es wird aber auch zu wünschen sein, daß im Parlament nun wieder die sehr weise Gepflo­genheit Platz greift, den Kaiser nicht in die De- batte zu ziehen. So berechttgt diese ei ne Ab­weich ng sein mochte, so sehr würde Karser u n d R e i ch nach innen und außen leiden, wenn sie zur Regel würde. Das braucht aber bei der jetzigen Zusammensetzung des Reichstages w«- r.igsten» nicht befürchtet zu werden.

umständen, die nur den Reichsfeinden, offenen und heimlichen, zugute gekommen waren bei uns sowohl als im Auslande. Diese Gefahr ist beseitigt. Dafür danken wir dem Reichs­kanzler, dem man wohl nachsagen darf, daß er seit dem Beginn seiner Kanzlerschaft verkannt wurde. Erft ganz allmählich hat man seine Ta- ttgkrit mehr und mehr erkennen und schätzen gelernt. In der jetzigen schweren Zett nun hat et gezeigt, daß der so oft gegen ihn erhobene Vorwurf, ein geschmeidiger Hofmann zu Jein, dem zum aufrechten Mann, den seine Stellung fordert, nicht weniger al» alle» fehlt, hinfallrg ist. In ernster Stunde ist er vor den Karser getreten und hat den einmütigen Willen de» Volkes zum Ausdruck gebracht und wie die amt­liche Erklärung imReichsanzeiger" zer§t, mit Erfolg Daß et stch der schwierigen Lage völlig ge­wachsen gezeigt hat, wird nicht verkannt werden und wird sein Ansehen nach innen und außen fefhgen. . m ,

Im Besonderen dankt unser Volk aber dem Kaiser. Wit verebten in unserem Karser einen Mann von eminenten Fähigkeiten, besten überschäumende Tatkraft und hochgespannte» Persönlichkettsgefühl stch patt mit edlen, idealen Zielen. Man kann stch denken, wie alles das, wa» nun hinter uns liegt, weil e» einen so ganz anderen Erfolg hatte, als er gewollt hatte, rn Enttä'i'chung und Schmerz auf den Kaiser ge­wirrt hat. ... .

Die Erklärung im Reichsanzerget sprrcht da­von daß der Kaiser die Uebertreibungen der'öffentlichen Krittk als ungerecht emvsunden hat, und wer wollte leugnen, daß Sensattons- mache und Parteiwut, Dinge, die in kritischen Zeiten wahre Orgien feiern, auch hier manche» entstellt und übertrieben hat. Die maßvoll be­rechtigte Krittk hat auf den Kaiser im Gegen­satz hierzu einen anderen Eindruck gemacht, er hat au» ihr gelernt unbeirrt durch di« Entstellungen der anderen. Ein Zeichen des hockherzigen Sinnes, den wir anerkennen muffen. Der Kanzler, den der Kaiser seines fortgesetzten Berttouens verstcherte, hatte am 10. November erklärt:

Die Ansicht, daß die Veröffentlichung dreier Aeußerungen in England nickt die von Sr. Ma­jestät dem Kaiser erwartete Wirkung gehabt, in Deutschland aber tief geb ende Erregung und schmerzliche» Bedauern hervorgerufen hat, wird diese feste Ueberzeugung Hobe ich in diesen schweren Taten gewonnen Se. Majestät den Kaiser dabi« führen, künftig auch in sein.nPrivatqesprächen sich dre- jenige Zurückhaltung aufzuerl«. gen, die für eine einheitliche Po­litik, die für die Autorität der Krone «ine unerläßliche ist. Wäre dem nicht so, so könnte weder ich noch einer meiner Nachfolger dafür die Verantwortung tragen." .

Solche Zugeständnisse find für eine starke Individualität, wie unser Kaiser, nicht leicht. Darum darf man aber auf ihre Tiefe und Nach- halttgkeit vertrauen. Für eine kraftvolle Na­tion wie vir es sind, wäre es ein Zeichen der Schwäche, wollten wir jetzt nicht mutvoll in die Zukunft schauen, sondern uns in die Betrachtung der nun einmal gemachten Fehler, die doch nicht zu ändern find, verkriechen.

Kämpfe gewesen, et allein schaute in der Witwe schmerzbewegtes Herz.

XXV.

Die Gruft in Frauenstein öffnete sich von neuem, ein Glied der Familie in ihre stillen Mauern aufzunehmen. Neben dem alten, nach langem Geben abgerufenen Vater ruhte jetzt der junge, in voller Kraft, in jugendlichem Atter oahingeraffte Sohn. Alles, was man sonst an ihm nicht laut genug hatte tadeln können, war vergeffen. In der Erinnerung lebte nur der stolze, vornehme Kavalier, der heitere Gesell­schafter, der freigebige Gebieter. Graf Alten hatte mit seiner Gemahlin Editha nach Frauen­stein begleitet. Sie standen ihr in den schweren Tagen heliend zur Seit«. Editha litt unsäglich unter all den gutgemeinten Worten der Teil­nahme und de» Trostes, die ihr von weit und breit gespendet wurden. Viele wußten, wie wenig glücklich, ja wie nahe am Scheitern di« Ehe gewesen war, glaubten aber jetzt, da Got­tes Hand sie geschieden, um so mehr sich so ver­halten zu müssen, als hätten st« nicht» von allem geahnt, al, hätte die innige Liebe allezeit die Gatten vereint. Und sie mußte schweigen, wenn e» in ihr auch schmerzvoll auffchrie.

Warum darf ich ihn nicht wirklich al» den geliebten Gatten betrauern, al» den man ihn ringsum preist? Warum hat et mir den Sta­chel im 'Herzen zurückgelaffen, den Stachel verra. teuer Liebe, gebrochener Treue?"

Was hätte sie darum gegeben, da» Bild ihre» Gatten, dem sie ihre reine, junge Neigung ge­schenkt hatte rein und ungetrübt im Herzen be­wahren zu können. Saft ste es nicht tonnt«, da»

1 eben verdoppelt« ihren Schmer».

Di« JnsertionSgebübr beträgt fttr die 7gefpütene Bette

oder beten Raum 15 Pfennig, ffc Reklamen 30 Pfennig. «*>

1onQ Druck und Verlag: Joh. «ug. Koch. llmoersltätsbuchdruckecei Freitag, 20. Novenry« 1908, Inhaber Dr. «.H itzeroth, Marburg. Markt 21. Telephon 55.