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. mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Mtt> den Derläge«:Kitrrarischer A»,eiqer^,tta«dwirtschaft',iche KeUnge- mrdILnstrierte« S-Mita-sdlE.

Man obennett cuf btt täglich ttftbtinenbtObetbeff iftbe "Xf* nma Zeitung be* allen Postämtern und nnfetn ZeitungSttellen in i/j£ 2*4 ti jrirchbain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21.

Der Bezugspreis beträgt durch die Dost 2,25 Mk. (ebne Bestellgeld), be unfern ZertungSstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Mittwoch, 18. November 1908«

Die InlertionSgebllbr beträgt für die 7g«spalten« Zeile »der deren Raum 16 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Berlag: I»h. Aug. Koch, UniversttätSbuchdruckerei Inhaber Dr. T.Hitzer»th, Marburg, Markt 21. Telephon SS.

43. Jahrg.

Zweites Blatt.

s Nachdruck verboten.^

Das Rettunqsweien tm Berabau.

i Die Erplosions- und Brandkatastrophe <mf be*. Zeche Radbod bei Hamm, das grösste Massen- 'rrnalück, das bisher den deutschen Bergbau be» ;troffen, hat in der gesamten zivilisierten Welt Trauer und Mitgefühl wachgerufen. Di« V'Hütter nde Tragik des Ereignisses wird noch »erftuit« durch die Tatsache, dass man die drei­hundert im Schacht eingeschlossenen Bergleute notgedrungen ihrem allerdings kaum noch zwei, selhaften Schicksal überlassen und die Wieder« ausnahme der Bergungsversuche auf unbestimmt« Zeit vertagen muhte. Bei dieser Sachlage ist es durchaus verständlich, wenn in den Erörter­ungen über die Katastrophe auch die Frage bet Erubenstcherbeit und des Rettungswelens ange­regt wird. Es ist nickt unsere Aufgabe zu prü. fen, ob und inwieweit insbesondere aus der Zeche Radbod den berechtigten Forderungen der Bergarbeiterschaft nach Schaffung von Vorkehr­ungen zum Schutze ihrer Gesundheit und ihres Lebens Rechnung getragen worden ist, da über die Frage der Schuld oder Richtsckuld der Ver­waltung nach Abschluh der bergbehördlichen Un- tersuchung eine andere Stelle zu entscheiden haben wird. Zweck dieses Aufsatzes soll es viel­mehr sein, kurz die Ausbildung des Rettungs» wesens zu schildern, wie es nach dem Stand« der heutigen Technik für die Bekämpfung von Gru- Lenkatastrophen in Betracht kommt.

Die Bestrebungen namhafter Erfinder und Konstrukteure waren und sind darauf gerichtet, einen Selbstrettungsapparat zu schaffen, den jeder Bergmann zu seiner Sicherheit während der Arbeit zum sofortigen Gebrauch fertig bei sich haben kann. Das wird naturgemäss nur vann möglich sein, wenn der Apparat einfach, widerstandsfähig, nicht zu kostspielig und vor allen Dingen im Bedarfsfälle wirklich brauch­bar ist. Mit der Erreichung dieses Ideals wird die ganze Frage der Organisation des Rettungs­wesens im Bergbau, soweit irresvirable Gase dabei eine Rolle spielen, erledigt sein. Vraktisch hat man bisher, da ein solcher Idealapparat noch nicht vorhanden war, eine wesentlich an­dere Stellung einnehmen muffen. Abgesehen von der Erscheinung des Pneumatogens hat sich die Konstruktion der Atmungsapparate keines­wegs vereinfacht. Die Anforderung der Vraris, baff der Apparatträger von der Sorge für das ununterbrochene und gleichmäßige Zufliehen des Näbrgafts ''Sauerstoff) vollständig befreit und in feiner Bewegungsfreiheit möglichst wenig be­schränkt sein soll, hat eine Reihe von komplizier, ten Organen in die Konstruttion des Atmungs­apparates hineingebracht. Die in dieser Weise entstandenen Apparate können als Selbstret- tungsapparate nicht angesehen werden; sie ent­sprechen nicht den Anforderungen die vorhin al»

58 « --i »<e verboten.),

Getrennte Welten.

; Roman von Elarissa Lohde.

c^ortietzung.I

Wie elegant er das Hindernis nimmt! rüst Fräulein Randolf und biegt sich, die Lorgnette vor die Augen haltend, weit vor.

Ein wenig zu leidenschaftlich, wirft Fürst Loeben ein, der sich erhoben hat und nun hinter der schönen Schauspielerin aufrecht steht.

Mehr Ruhe wäre mit lieber.

Das zweite Hindernis!" stötzt die Randolf atemlos bervor.

Er ist noch immer der erste. Doch was ist das? Ein anbetet Reiter nähert sich, die Sphinx stutzt, sie bäumt sich.

Er kriegt sie unter, beruhigte sie Fürst Loeben, der mit ganzer Seele dabei ist, und atmet erleichtert auf. In bet Tat, ein Schenkel­druck, das Pferd fliegt wie ein Pfeil hinüber. Ein Aufschrei aus tausend Kehlen erfolgt im selben Moment. Roh und Reiter wälzen sich jenseits des Hindernisses im Staube der Renn­bahn. Die Randolf wird totenblaß, ihre Hand zittert.

Dietrich! flüstett sie, und die ganze zätt- fiche Leidenschaft, die der schöne Mann in ihr erweckt hat, bebt in seinem Namen wieder. {

Fürst Loeben ist schon von bet Tribüne herab I und eilt dem Unglücksplatze zu. Fräulein Ran­dolf steht, rote man den Gestürzten unter dem Pferde hervorholt, das schon wieder heil, wenn auch mit zitternden Gliedern, auf seinen Beinen steht. Der Körper Dietrichs wird auf eine Bahre gehoben, man trägt ihn hinweg. Jetzt lei­det es sie nicht mehr auf ihrem Platze. Sie macht sich durch das Gedränge Bahn. Man Zeiht ihr di« kostbaren Spitzen vom Kleid«, st«

unentbehrlich für den Eharatter des Selbst- rettungsapparates angegeben wurden.

Man muß also zunächst noch mit den vor­handenen Apaaraten rechnen und da kommt es denn darauf an, zu prüfen, wie und wo der allerdings kompliziette, aber vollendet arbei­tende neuzeitliche Atmungsapparat in einer die schnelle Greifbarkeit und ein zuverlässiges Ar­beiten sichernden Weise vorrättg gehalten wer­den soll.

Am nächsten ist man mit der Arbeitsstelle des Bergmanns mit den Fluchtstationen und At­mungsapparat-Magazinen in den österreichi­schen Bergwerken gerückt. Anlage und Einrich­tung des Raumes sind nach einer Beschreibung der auf dem Iohann-Maria-Schacht der gräflich Wilczekschen Gruben in Polnisch-Ostrau vor­handenen Rettungsarbeiten so gedacht, daß die­ser vermöge feiner seitlich von Hauptförder­und Wetterwege aewählten Lage und seines schleusenartigen Abschlusses gegen einen etwa durch Explosion erfolgenden Stoß möglichst ge­sichert ist und den gefiüchteten Bergleuten einen gewissen Vorrat an Verbands-, Stärkung»- und Atmnngsmittel bietet. Die Station ist Flucht- raum und Sckntzenaufenthalt für einige Zeit und bietet außerdem Gelegenheit und Mittel zu einer von der Station ausgehenden Hülfelei- stUNL.

In Deutschland und insbesondere in West­falen bat man man es im allgemeinen bisher nickt für durchführbar und zweckmäßig gehalten, Atmungsavvarate unter Tage aufzubewahren. In England stebt man auf einem ganz anderen Standpunkte. Man ist dott für die Zentrali- katiirn der Rettungsstationen, die sich aber im Ernstfälle wegen bes Zeitverlustes, der mit dem Transport der Atmungsapparate vom Zenttal- laget zur Unglücksstätte verbunden ist, als Un­zweckmäßig erweisen dürste. Fn Deutschland laßt man sich von dem Gedanken leiten, daß auf feder Sckachtanlage, wo Bergleute ein- und ausfahren, eine dem Umfang des Betriebe» ent­sprechende Anzahl von Atmungsapvargten vor­rätig fein muß. Bergpolizeilich ist diese Ein­richtung bis fetzt erst in einem der fünf preußi­schen Oberbergamtsbezirke, nämlich dem Bres­lauer, vorgefchrieben. Auf ähnlichem Standpunkt wie in Schlesien steht man bei denjenigen rbet, nisch-westfälifchen Bergwerksunternehmungen, wo bisber die Einrichtung von Rettnngslagern aus freier Entschließung getroffen ist. In der Ausarbeitung des ganzen Rettungsavparats- Gedanksns für Gruben hat Rergwerkdirettor Maver-Herne bahnbrechend gemirft. Auf seine persönliche Anregung bin wurde im Jahre 1897 auf der Zeche Schamrock V-? (Hiberniaqesell- schast) das erste Rettungswefen mit einer or­ganisierten Rettungstruvpe im rheinisch-west­fälischen Bezirk gegründet. Dem geoebenen Bei- spiele folgend, hat man bann im rheinisch-west­fälischen Bezirk auf einer Reibe non Gruben Rettungsstationen eingerichtet, deren jede eine selbständige und von der Nachbarstation unab­hängige Einrichtung darstellt.

Die Sicherheits- und Rettungseinrichtungen

achtet dessen nickt. Atemlos steht sie endlich an des Fürsten Seite.

Wie steht's?"

Er wendet sich um, fein Gesicht ist sehr ernst.

»Der Fall war fdjmet, aber er atmet noch. Und wo: roo hat man ihn bingebracht?" Mit dem Krankenwagen in seine Woh­nung.

Schon ist sie wieder fort, vor der Auffahrt angelangt, bränot sie sich burch die zu einem festen Knäuel gestaute Menge; was sie von ihren Kostbarkeiten dabei verliert, sie weiß es nicht. Rur auf ihren Wagen stürzt sie zu und nennt den Namen von Dietricks Hotel.

Zum Rheinischen Hof!"

Einige dott müßig vor der Tür stehende Kell­ner sehen die elegante Dame erstaunt an.

Baron von Rothenfels?

Der Portier kommt aus seiner Loge hervor.

Wohl die Frau Baronin?" sagte et, mit bet für den traurigen Fall geeigneten ernsten Miene sich verneigend.

Sie nickte nur.

Mögen sie sie für Dietrichs Frau halten, wenn ihr dieser Irrtum den Weg nur frei macht!

Sie fühlte sich in diesem Augenblicke zur höchsten Hingabe berett. Tag und Nacht will sie ihn pflegen, nut am Leben, nur ihr erhalten soll et bleiben.

Man zeigt ifft diensteifrig den Weg. Der Baron ist in ein Patterrezimmet gebracht, im Lusthof steht eine Gruppe von Gästen, die eifrig über den Unglücksfall sprechen. Aller Augen sind auf die Tür gerichtet, hinter der die Bahre mit dem Verletzten verschwunden ist. Eine Di. akonissin mit fünftem Gesicht erscheint darin, man umringt sie. Sie gibt freundlich Antwott, aber sie weiß nichts Genaues zu sagen, sie be­stellt nut etwas bei dem Kelln« und will btt

bet Hibetniazechen gehen weit übet bas Maß dessen hinaus, was vom königlichen Oberberg- amt gefordert wird. Die Gruben verfügen je Über eine vorzüglich organisierte Feuerwehr, Übet eine geschulte Sanitätskolonne und über eine Rettungsttuppe. Der Rettungstruppe, die seinerzeit in Courtieres war, gehören 26 Mit­glieder an. Außerdem find für den Dienst 48 Beamte ausgebildet. Die Kolonne hält in bet Regel einmal wöchentlich eine Hebung ab. Der für die Exetzition bet Truppe geschaffene Ueb- ungsraum ist genau den Raumverhältnissen der Grube nachgebildet.

Der größte Wett wird auf bet Shamrock- Grube auf eine planmäßige Durchbildung des Meldewefens gelegt. Ein Beamter, bet von dem zu feinet Kenntnis gelangter. Ausbruch eines Etubenbrandes nicht sofort Mitteilung macht, verliert ohne Weiteres seine Stellung. Der Meldedienst wirb dadurch erleichtert, daß, ent­sprechend einer bergpolizeilichen Bestimmung, sämtliche Füllörter mit der Hängebank durch eine Fetnsprechanlage verbunden sind. Diese Fernsprechanlage ist soweit ausgebildet, daß sie etwa 6,3 Kilometer Grubenstrecke durchzieht. Da nicht das ganze Raumnetz der Grube mit Fernsprechanlagen durchzogen werden kann auf Shamrock beträgt die Länge dieses Netzer 120 Kilometer so hält man außer bet fest- liegenden noch eine transportable Fernsprech­leitung bereit, die in wenigen Stunden einge­baut werden kann und es demBetriebsführer er­möglicht, auch beim Verweilen über Tage mit den an der Brandstelle im Schacht tätigen Be­amten jederzeit in Verbindung zu treten.

Sehr reichlich ist das Retti-ngslaaer auf der Zeche Shamrock ausgestattet. Es zerfällt in drei Hauptteile. Der erste Teil enthält Rauchmas­ken, Rauchbelme, Handblalebälge und die zuge­hörigen Sckläuch« zur Luftzuführung, sowie Verdindungsstücke und Werkzeuge, welche man gebrauckt, um einen Rauchmaskenapparat mit einem Verbindungsschlauch in wenigen Minu­ten an die in vielen Teilen bet Grube vorhan­dene Preßluftleitung anzuschließen.' Die zweite Abteilung enthält die frei tragbaren und mit Sauerstoff gespeisten Apparate. Es befinden sich dort stets betriebsfähig zehn Sauerstoff-Apva- rate für zweistündigen ununterbrochenen Ge­brauch mit Mundschlauch und dem auf der Brust zu tragenden Regenerationsträger enthaltenden Atmungssack und dem mit Reduzierventil, Ma­nometer und Injektor ausgeftatte+en, aus zwei Stahlflascken bestebendenSauerstoffmagazin, das auf den Rücken des Avparatträaers unterge­bracht wird. Das Manometer enthält eine elek­trische Kontaktvorrichtung, welche mit einer kleinen Klingel in Verbindung stebt, fo daß zu der durch die Kontatteinstellung bestimmten Zeit der Träger des Apparates an feine Rück­kehr aus den nickt atembaren Galen gemahnt wird. Zu dieser Abteilung aebören außer den schon erwähnten noch eine Reibe anderer Gegen­stände und Meterialien, u. a. eine Ilebersüll- und Pteßpumve zum Uebersüllen von Sauerstoff, Sauerstoffvorräte und Aetzkali, tragbare Akku-

Tür wieder hinter sich zuziehen. Fräulein Ran­dolf tritt ibr in den Weg.

Sie wünschen?" fragte die Diakonissin.

Zum Baron von Rotbenfels!"

Einen Augenblick, ich darf niemand unan­gemeldet hineinlassen. Wollen Sie mir Ihren Namen Jagen?

Mein Name tut nichts zur Sache. Ich stehe dem Baron nahe, sehr nahe."

Sie drängt sich hinein, die Diakonissin blickte sich hilfesuchend um. Im Nebenzimmer sind die Aerzte um den Verunglückten beschäftigt. Un-' heimliche Stille herrscht, nur zuweilen von einem schmerzvollen Stöhnen, einem leisen, hastigen Flüstern unterbrochen. Ein Herr von eleganter Erscheinung, mit verstörten, totenblassen Zügen tritt auf sie zu. Erschreckt weicht fi« einen Schritt zurück.

Herr Gras Alten . . ."

Ah, Fräulein Randolf, sagt der auch tm höchsten Affekt der höflichen Form nie Ver­gessende, obgleich ihm der Besuch dieser Dame im Augenblick höchst fatal ist.

Sie kommen, sich nach dem Befinden des Kranken zu erkundigen?"

Sie fühlt, daß diese kühl förmlichen Wort« sich wie eine Mauer zwischen sie und den gelieb­ten Mann schieben, den sie mit ihrem Herzblut retten möchte. Alles, was sie gewollt hat, all ihr Wagemut schwindet vor des Grafen vornehm abweisenden Blick. Ein inneres Gefühl enthüllt ihr die Wahrheit: dieser mit weltmännischer Höflichkeit sie Überschüttende, vornehme Herr wünscht sie weit sott von hier.

Ist Hoffnung für sein Leben vorhanden? fragte sie bebend.

Leider wenig, entgegnete bet Graf,doch so lange er atmet, darf man sie nicht fallen lassen. Indessen Sie wollen mich entschuldigen l"

mulatorlampen usw. Die dritte Abteilung de» Shamrocker Rettungslagers enthält Mate­rialien und Eezähestücke, die zur Herstellung von Brandabdämmungen gebraucht werden.

Wenn die von den verschiedenen Seiten her­beigeeilten Rettungsmannschaften auf Radbod nichts Wesentliches auszurichicn vermochten, so ist dies nicht etwa der Unzulänglichkeit ihrer Einrichtungen, sondern dem besonderen Ber- hängnis zuzuschreiben, das bei dieser Kata­strophe obwaltete und jedes Eingreifen zur Unmöglichkeit machte.

Starburr: und llmgrgkud.

lNachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 der Urheberrecht- nur mit der deutlichen Quelli>nanzabe »Obrrheff fltg.* gestattet. >

17. N<-v^r.

Bußtag.

Bußtag! Was kann er ausrichten in einer Zeit, die mit allen Fasern an den Glücksgütern des Diesseits hängt? Vielleicht murmeln und murren nicht wenige über den allgemeinen Buß­tag als eine überlebte Einrichtung. Oder sie setzen sich auf die Bank bet Spötter. Sünde Buße Erlösung, was habe der moderne Mensch mit diesen Wahnbildern einer kindlichen Phantasie zu schaffen? Sie lachen: aber wie einer ihrer allermodernsien Poeten und Pro- phtten in unbewußter Selbstironie sagt cs ist ein Lachen mit blutenden Wunden". Au» Büchern und Reden, ans dem Hasten und Eieren nach Geld und Genuß, ans der nervös gesteigerten Arbeit, aus dem Schwanken zwi­schen Furcht und Hoffnung, Trotz und Verzweif­lung, aus dem hochmütigen und doch so kläg­lichen Unfrieden bringt ein erschütternder, wahr­haft herzzerreißender Sebn^nchtsschrei: Wo ist das eigentliche Glück? Wie gelangt man zu wirklichen, bleibenden Höhcnwerten?

Ein Heldengedicht des alten Deutschland, Hartmann von Aues,Iwein", hebt an:Wer auf wahren Wett wendet feinen Sinn, dem folgt Glück und Ruhm." Ja, wenn man nur eben hätte, das Wahre! Man meint es oft mit Hän- den zu greifen, und es war doch nur wieder eine von den vielen Illusionen. .Und umso schwerer legt sich der Druck des Ungewissen auf die Seele, den keine psychologische Kunst wegnehmen und keine Kulturfreudigkeit ganz vergessen mähen kann. Was ist Wahrheit? Bußtagsglocken läu­ten. Sie nenneu.'s auf einmal so deutlich, was uns so irren und suchen läßt: Schuld, eigene Schuld, und dazu die in Staub zwingende Tat­sache: wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht! Aber ein christlicher Bußtag ist kein Verzweif­lungstag. Denn da spricht aum schon eine ver­gebende, wunderbar tröstende Stimme: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben! Jesus Christus, bet Wsltheilanb!

* Weihnachtsbitte für die deutschen Seeleute. Immer größer wird die Zahl derer, die zur See gehen. Nich nur von der Wasserkante, sondern aus allen Teilen des Binnenlandes wendet sich

Er wendet sich ab von ihr, sie aber faßt sich ein Herz.

Herr Graf," sagte sie und hält ihn zurück, In Augenblicken, wie diesem, fallen alle äuße­ren Schranken. Ich weiß nicht, ob Ihnen be­kannt ist, wie ich zu dem Baron stehe. Mein« Anwesenheit hier wird Ihnen jedoch sagen, daß ich ihn Hebe. Wollen Sie mir gestatten, daß ich bei ihm bleibe, und wenn ich nur einige Handleistungen für ihn tun darf? Hier im Vor. zimmer mich in seiner Nähe wissen, seinen Atem hören, das ist alles, worum ich Sie bitte!

Des Grafen Gesicht hatte sich immer mehr verfinstert

3u meinem Bedauern kann ich Ihr aus dem Herzen kommendes, schätzenswertes Anerbieten nicht annehmen, Fräulein Randolf. Eben erst habe ich an feine Frau telegraphiert. Sie wirb wahrscheinlich schon morgen in aller Frühe hier sein."

Die Randolf tritt zurück, ihr Gesicht wirb aschfahl. Ihr wird klar, ihres Bleibens kann hier nicht länger fein. Nicht einmal sehen darf sie noch den Mann, dessen Liebe sie besessen bat, mit dem sie an diesem Abend noch den Sieg zu feiern gedachte, der statt des Lorbeers ihm den Totenkranz gebracht. Ohne noch einmal aufzu, sehen, eilt sie zu ihrem Wagen und läßt sich nach ihrer Wohnung fahren. In dem mtt me» bernfter Pracht eingerichteten Salon in dem fi« süße Stunden mit ihm zu verleben gehofft hatte, wirft sie sich aufschreiend auf den schwel­lenden, seidenen Divan und bricht in wildes, heftiges Schluchzen aus. Vorbei, vorbei? Ju­gend, Schönheit, Kraft alles gebrochen, vernich, tet in einem tunen Augenblick! Ein Schauer erfaßt sie, ein Schauer vor dem Vergehen, bete Ende, ber Nacht in die alle Lust, aller glimmet i und Glanz ber Erde versinkt. j

/Fortsetzung folgtj