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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und de« Keilage«: „Literarischer Anzeiger-. „Kandwirtschaftliche Seilage- und „Illuktriertr* Ksn«1as»b1att-.
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Marburg
Freitag 6. November 1908.
Die JnsertionSgebübr beträgt für die 7gespalte«e Zeile oder deren Raum "15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Jvh. Bug. Koch, Univerfttätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. H! tz e r o t h, Marburg, Markt 2L — Telephon 55.
43. Jahrg.
Die Zuspitzung der Casablanca- Angelegenheit.
Zwischen dem Reichskanzler und dem französischen Botschafter Cambon soll über die Deserteur-Angelegenheit eine Unterredung stattgefun- ben haben, die nach einigen Blättern zwar äußerlich korrekt verlaufen sei — von anderen «ird auch dies bestritten —, aber zu einem Resultat nicht geführt habe. Die deutsche Regierung wünschte natürlich, daß die Franzosen sich wegen der tätlichen Angriffe auf die Konsularbeamten, die nach Völkerrechten noch immer unverletzlich sind, eine Entschuldigung erfolge. Dies haben die Franzosen abgelehnt. Es ist selbstverständlich, daß bevor dieser Punkt erledigt ist, Deutschland nicht daran denken kann, die Streitfrage einem Schiedsgericht zu unterbreiten. Auffallend ist dabei vor allem die Haltung der französischen Presse. Obwohl dieser deutsche Standpunkt non vornherein vertreten und auch der französischen Regierung mitgeteilt worden ist, behauptet sie, daß jetzt eine schärfere Tonart von der deutschen Regierung angeschlagen worden wäre. Diele führt sie merkwürdiger Weise auf den in Berlin noch gar nicht anwesenden Gesandten Kiderfen Wächter zurück. Der „Matin" meint sogar: „Die deutsche Regierung sucht ohne Zweifel eine Ablenkung angesichts der ernsten Unannehmlichkeiten, welche ihr die innere politische Lage Bereite4-, und bemüht sich, den Zwischenfall von Easablanca zu vergrößern. Wir glauben zu wissen, daß da eine kostbare Zeit verloren geht, denn die französische Regierung ist fest entschlossen, nur eine Lösung anzur.ebmen: das Schiedsgericht." — Die „Petite rchu.blique" schreibt: „Wir werden um so ruhiger sein, als wir nicht allein dastehen. Die Trivel- «ntente ist nicht tot, sondern aus den letzten Vor-
, fälllm vermarkt hervorgegangen."
Aus alle dem fAeint uns he-norzuv-EN, daß «nfere Nachbarn die Lage für günstig er- ai^ten, auf uns einen kleinen Druck auszuüben. Nur dürften sie darin einem beträchtlichen Irrtum verfallen sein, denn das deutsche Volk würde unbedingt hinter dem Fürsten Bülow stehen, wenn er nach außen bin die nationale Würde "wahrt. Alle Schwierigkeiten nach innen und ait&en treten sofort hierhinter zurück. Niemand wird Lust haben, die Vorfälle in Casablanca über Gebühr aufzubauschen, nur soll man nicht glauben, daß das deutsche Volk nach außen hin nicht eine geschloffene Front darstellte.
Reicvstaa.
Der Reichstag enttäuschte die überaus zahlreichen Tribimenbesucher gewaltig, die heute zur Wiederaufnahme seiner Verhandlungen in Erwartung aroßer Ereignisse gekommen waren. Fürst von Hatzfeld, Herzog zu Trachtenberg (Reichsp.) schlug vor, zuerst die Petitionen zu erledigen, zu denen keine Wortmeldungen Vorlagen, eine Besprechung also nicht zu erwarten war, dann aber das Plenum zu vertagen, um den Fraktionen Gelegenheit zur Besprechung
58 «Nowdrnd üerbcten.)
Getrennte Welten.
Roman von Clarissa Lohde.
i Fortsetzung. >
„Darf ich Sie einen Augenblick unter vier Augen sprechen. Fräulein Gertrud?" fragte der Pfarrer. Das junge Mädchen warf heiß errötend einen fragenden Blick auf die Rätin. Bruno aber fiel sogleich erklärend ein, daß es sich um einen Auftrag Edithas handle, woraus die Rätin ihr lächelnd und ermutigend zunickte und sie aufforderte, mit dem Herrn Pastor in ihr Boudoir zu gehen. Kaum hatte sich die Tur hinter den beiden jungen Leuten geschlossen, als auf dem Hofe das Rollen eines Wagens hörbar wurde.
„Besuch/' sagte die Rätin.
„Es scheint so," fügte Bruno mit einem Ausdruck der Enttäuschung hinzu, „und ich hatte ein solches Bedürfnis, mich an Ihrer Frische, Ihrem Lebensmut wieder einmal aufzufrischen."
„Was drückt Sie, lieber Freund?" fragte die Rätin, ihm nicht ohne Sorge in das erregte klntlitz sehend. „Sind es wieder literarische klnfeindungen, die Ihnen den Mut vertrüben. »der etwas anderes?"
„Wäre es das nur!" entgegnete er aufseuf- icnb. „Mit diesen Feinden will ich schon fertig werden. Doch was sehe ich," unterbrach er sich, vortretend. „Das ist ja ein Frauensteiner Wagen. Wenn mich meine Augen nicht täuschen, sitzt mein Schwager Alten mit Zustizrat Eber-
der gegenwärtigen ernsten politischen Lage zu geben. Trotzdem zur Abwehr eines Einspruches der äußersten Linke Dr. Arendt darauf hinwies, daß bei der unaufmerksamen erregten Stimmung es gerade im Interesse dieser strittigen Petitionen liege, trat man doch in deren Erörterung ein. Allerdings kehrte der Antrag von anderer Seite wieder» aber auch ohne Erfolg. Man schloß sich im allgemeinen den Vorschlägen der Kommission an, verwies aber den Bericht beir. Einführung eines Zolles auf Milch und Rahm an die Kommission zurück.
Die Sitzung eingeleitet hatten geschäftliche Mitteilungen, darunter ein Gesuch des Abg. Held, ihm zur Beschleunigung seiner schwebenden Privatklageverfahren zu verhelfen, und die Ehrung der seit der vorigen Tagung verstorbenen Mitglieder, darunter des Alterspräsidenten von Winterfeld-Menfin. Morgen steht das Automob^hastpflichtgefetz auf der Tagesordnung. — Die Antwort auf die Reichstagsinterpellationen über die auswärtige politische Lage wird der Reichskanzler Fürst von Bülow in dieser Woche schwerlich noch erteilen. Soviel wir hören, ist für dielen Wunsch die Tatsache maßgebend, daß gewisse diplomatische Arbeiten sich ihrem Abschlüsse nähern, über deren Ergebnis dann der Reichskanzler sich zugleich aussprechen würde. Man nimmt deshalb an, daß vor Dienstag die Interpellationen nicht verhandelt werden dürften. Im Foyer des Reichstages unterhielt man sich u. a. über den Stand der Casablanca-Angelegenheit recht eingehend; man erwartete deren baldigen Abschluß.
DeifErs Vü-H. .
— Die Erk a unq des Staatssekretär, e. Schoen. Berlin, 4. Nov. Die „Nordd. Allg. Zta." schreibt: Die Erkrankung des Staatssekretärs v. Schoen ist lediglich eine Folge ganz ungewöhnlicher Ileberbürdung im Zusammenhang mit einem Leiden, das nach einem in Petersburg überstandenen Gelenkrheumatismus zurückgeblieben fein scheint. Die Besserung in dem Befinden des Staatssekretärs schreitet langsam vorwärts. Er hatte dieser Tage in seiner Wohnung eine Unterredung mit dem Botschafter Cambon.
— Interpellationen. Berlin, 4. Nov. Dem Reichstage gingen folgende Interpellationen zu: 1. Bassermann fnatL), Ablaß (Freis. Vp.), Al- breckt (Soz.) und v. Rormann (Kons.) über die Veröffentlichung der Aeußerungen des Kaisers, 2. Graf Hompesch (Ztr.) und Albrecht (Soz.) über die herrschende Arbeitslosigkeit. Die Interpellationen werden auf eine der nächsten Tagesordnungen gefetzt werden. — Der Abgeordnete Bassermann ersucht die „Nationalzeitung", mit« zuteilen, daß die vom „Berliner Tageblatt" in seiner Abendausgabe vom 4. November wieder- gegebenen und angeblich von ihm gebrauchten Aeußerungen bezüglich der Haltung des Reichstags gegenüber dem Reichskanzler nicht erfolgt sind.
— Aus de« Parlamenten. Berlin, 4. Nov. Die verstärkte Budget-Kommission des Abgeordnetenhauses stimmte heute zunächst über die Gehaltssätze der Klassen eins und zwei ab. Den nationalliberalen Anträgen entsprechend wurde für die Klasse eins das Gehalt festgesetzt auf
Hard darin. Ich fürchte, ich fürchte, liebe Freundin, auch diese beiden bringen nichts Gutes."
Die Rätin nickte traurig.
Bruno eilte hinaus, die Herren zu empfangen. Mit einem Seufzer schaute ihm die Rätin nach. „Arme Baronin," dachte sie. „Eibt's denn für ein Menschenherz Schwereres zu tragen, als da getäuscht zu werden, wo es geliebt und vertraut hat. Das aber geschieht gerade den Besten. Auch Bruno wird es nicht erspart bleiben, diesen bitteren Kelch zu leeren." Sie blieb nicht lange allein, denn aus dem Boudoir traten freudestrahlenden Antlitzes der Pfarrer und Gertrud. Die Rättn ahnte sogleich, was geschehen war.
„Gott sei gedankt, wenn ich recht ahne," rief sie dem auf sie zutretenden Paare entgegen. „Doch einmal glückliche Menschen!"
Gertrud sank neben Ihrem Stuhle in die Knie.
„Ja, liebe Frau Rättn," jubelte sie. „Sie sollen es zuerst erfahren. Ich bin eine glückliche, überselige Braut!"
Die Rättn neigte sich über sie und küßte sie innig. Dann reichte sie dem Pfarrer Lorenz die Hand, über die er sich ehrfurchtvoll neigte.
„Sie haben's gut gemacht, lieber Pfarrer," sagte sie freundlich, „eine bessere Wahl konnten Sie nicht treffen, als unsere liebe Eettrud, die nun, statt mit mir nach Berlin zu gehen, in das Pfarrhaus in Frauenstein als junge Frau einziehen wird."
„ »So eilig geht es doch nicht, liebe Frau Rättn," rief Gertrud, und über ihr strahlendes
1100 M, steigend um je 25 bis 1200 <M, für die Klasse zwei auf 1100 M bis 1500 «M, steigend in 2a zweimal um je 60 und viermal um je 70 M.. Eine Abstimmung für die Klasse 3a und 3b ergab die einstimmige Annahme der Regierungsvorlage, sonach betragen die Gehälter dieser Klasse 1100 bis 1600 M, steigend in 3a einmal um 80 cM. und sechsmal um 70 «M, in 3b jweirnal um je 90 Jt und viermal um je 80 JL — Berlin, 4. Nov. Die elfte Kommission des Abgeordnetenhauses genehmigte heute zunächst die Satzungen betreffend Fürsorge für die Witwen und Waisen der evangelifchen Geistlichen. Sie nahm folgenden konservativen Antrag an: Die Staatsregierung zu ersuchen, daß sie bei der Verteilung der Mittel, welche ibr aus Kapitel 124, Titel 8a des Staatshaushaltsetats für Witwen und Waisen von vor dem 1. April 1895 verstorbenen Geistlichen zur Verfügung stehen, möglichst den vollen Betrag, der den Witwen aus den Reliktenfonds zu gewähren gewesen wäre, wenn das Gesetz zur Zeit des Ablebens des Pfarrers schon bestanden hätte, den Witwen zukommen lasse. Darauf wurde die Vorlage betreffend die Besoldungsverhältnisse der evangelischen Geistlichen angenommen und sodann das Besoldungsgesetz für die katholischen Pfarrer beraten. Die Kommission nahm nach weiterer Debatte das Besoldungsgesetz für die katholischen Pfarrer an. Zwei Anträge auf Gewährung von staatlichen Beihilfen zum Diensteinkommen der katholischen Hilfsgeistlichen und auf angemessene Erhöhung der zu den Beihilfen für Ruhegehälter für katholische Geistliche ausgeworfenen Summe von 120 000 wurden abgelehnt.
— Ei« Rattonal-Bismarckdrnkmal. Berlin, 4. Nov. Ein Ausschuß, dessen Präsidium der Reichskanzler hat, und dem die Abgeordneten Bassermann, Dr. von Heydebrund, Kämpf und der Oberpräsident bet Nheinprovinz Frhr. von Schorlemer-Lieset angehören, erläßt einen Aufruf zur Errichtung eines National-Bismarck- Denkmals, das am Rhein errichtet werben soll.
— Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses. In der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses teilte der Finanzminister mit, daß das Wohnungsgeld der Unterbeamten um 33% v. H., das der mittleren und höheren Beamten um 50 v. H. erhöht werde. Für die unteren Beamten bedeutet dies, worauf wir bereits aufmerksam machten, eine Erhöhung um 100 Prozent gegenüber dem Stande von 1906.
— Eine llebersicht über die Schulbildung de, preußische« Soldaten, die in dem „Zentralblatte für die gesamte Unterichtsverwaltung" veröffentlicht worden ist, kann auf erhebliches Interesse Anspruch machen. Es ist daraus zu entnehmen, daß in Preußen im Ersatzjahre 1907 beim Landheere 151955 Mannschaften eingestellt worden sind, von denen nur 21 in ihrer nichtdeutschen Muttersprache eine Schulbildung empfangen hatten und 39 (also 0,03 Proz.) überhaupt ohne Schulbildung waren. Von den 9481 bei der Marine eingestellten Mannschaften besaß nur einer eine Schulbildung in der nicht- deutschen Muttersprache, während ein anderer (0,01 Proz.) ohne Schulbildung war. Für die Monarchie ergibt sich damit, daß von 161 381 Mannschaften 22 nur in der nichtdeutschen Muttersprache unterrichtet und 40 ohne Schul-
Gesicht flog es wie ein Hauch der Wehmut. „Wir wissen jetzt, daß wir uns fürs Leben gehören, das wird uns über die Zeit der Trennung hinweghelfen."
„Der Trennung?" fragte die Rätin erstaunt. „Ich dächte, ein deutscher Pfarrer hätte alle Ursache, so schnell als möglich eine Lebensgefährtin an feine Stelle zu nehmen."
„Das wohl," nahm nun der Pfarrer das Wort. „Aber eine höhere Pflicht der Dankbarkeit und der Freundschaft fordert von uns diese Entsagung. Ich kam, um meiner Gertrud die Bitte der Frau Baronin zu überbringen, sie in die stille Zurückgezogenheit zu begleiten, die sie mit ihrem Kinde für die nächsten Monate aufsuchen will."
„Das ist recht von Ihnen, Gertrud," rief die Rätin gerührt, „und auch von Ihnen, lieber Pfarrer, daß Sie der eines freundlichen Zuspruchs bedürftigen Frau dieses Opfer bringen."
„Wir bringen es gern," rief Gertrud mit leuchtenden Augen, „wenn es überhaupt ein Opfer zu nennen ist, einer so geliebten Frau einen Dienst leisten zu dürfen. Und nun zu den Eltern. Sie beurlauben mich für heute, Frau Rätin?"
„Mit Freuden, liebes Kind, und sagen Sie Ihren Eltern, daß ich heute noch selbst zu ihnen kommen werde, ihnen meinen Glückwunsch auszusprechen. Und ich denke, der Baron wird mich begleiten."
Sie waren kaum gegangen, da ließ sich der Justizrat bei der Rättn melden.
»Lange erwartet, lieber Eberhard," rief pe
bildung waren. Der Eesamtprozentsatz bet Mannschaften ohne Schulbildung ist 0,02. Das bedeutet einen wesentlichen Fortschritt, denn 10 Jahre vorher betrug dieser Prozentsatz noch 1,07 Proz. Dieser günstige Zustand, der von keiner Armee der Welt erreicht, noch weniger Übertroffen werden dürfte, ist ein vollgültiges Zeugnis für die Trefflichkeit des preußischen Schulwesens und für die stetigen Fortschritte, die auf diesem Gebiete gemacht werden.
— Au» der preußischen Sterblichkeitsstattsttk. Wie die „Statistische Korrespondenz" mitteilt, hat Preußen im Jahre 1907 durch den Tod 355 791 männliche und 325158 weibliche Personen, zusammen also 680 949 Personen verloren. Im Vorjahre lauteten diese Ziffern: 352 777 männliche, 320 892 weibliche, insgesamt 673 669 Personen. Außerdem wurden den Standesbeamten (17167) weiblichen Geschlechts gemeldet. Wird ohne Berücksichtigung der Totgeborenen die Sterbeziffer auf 1000 am 1. Januar 1907 Lebende berechnet, so beträgt sie für die Bevölkerung überhaupt 18,0 (18,0), für ihren männlichen Teil 19,0 (19,1) und für ihren weiblichen 16,9 (17,0); demnach ist sie im Jahre 1907 um ein geringes günstiger als 1906. Ver, gleicht man die Sterbeziffer mit der der früheren Jahre bis 1875 rückwärts, seitdem infolge der Standesamtseinrichtung eine einheitliche Berichterstattung und Verarbeitung der Nachrichten über die Gestorbenen durchgeführt wurde, so erscheint sie am ungünstigsten im Jahre 1875 mit 26,3, dagegen im Berichtsjahre wie auch im voraufgegangen mit 18,0 am günstigsten; dann folgen'die Jahre 1902, 1904, 1905 und 1903 mit den Sterbeziffern 19,3, 19,5, 19,8 und 19,9. Für die männliche Bevölkerung traten zwischen 1875 und 1907 Schwankungen der Sterbeziffern von 28,1 bis 19,0 im Berichtsjahre ein, für die wttb- liche dagegen von 24,6 bis 16,9. Die allgemeine Sterbeziffer der Eefamtbevölkerung , ist ind"s für die Beurteilung der Eterblichkeitsverbält- nisse in einem Lande ober in feinen einzelnen Teilen nicht ausreichend, weil die verschiedenen Altersverhältnisse neben dem Geschleckte bet Bevölkerung einen natürlichen, bestimmenden Einfluß auf das Sterben der Menschen aus- üben und die Zusammensetzung der Bevölkerung nach dieser Richtung sehr verschieden sein kann. Berechnet man die Sterbeziffern für die einzelnen Altersklassen getrennt nach den beiden Geschlechtern, so ergibt sich für die (5efamtbe= völkerung des Staates, daß im Jahre 1907 in den jüngsten Altersklassen mit Einschluß des Säuglingsalters die Sterbeziffer günstiger geworden ist. Von 1875 bis 1907 weist letztere» Jahr bei dem männlichen Geschleckte in ben fünf jüngsten Altersklassen die günftioüe Sterbeziffer auf. Bei dem weiblichen Gescklechte trifft dies in den sechs jüngsten Altersklassen und iw der Altersklasse von 25 bis 30 Jahren gleichfalls zu.
** Die Präsidentenwahl in Amerika. Re«» yotk, 4. Nov. Nach den bisherigen Schätzungen ist die Wahl Tafts mit 1091000 Stimmen Mehrheit erfolgt. Präsident Roosevelt übersandte Taft ein herzliches Glückwunschtelegramm. Taft dankte hierfür und betonte, die Wahl be*
dem Eintretenden freundlich entgegen. „Sie haben mich auf den von meinem Manne Ihnen aufgetragenen Gruß vergeblich warten lassen."
„War nicht meine Schuld, verehrte. Freundin," entgegnete er. „Sie wissen, ich bin ein Sklave meiner Arbeit, und außerdem schreibt Arnold so fteißig an Sie und hat Sie so genau auf dem Laufenden erhalten über alles, was uns beiden Ausreißern begegnet ist, seitdem wir dem wilden Regiment Ihrer Hand entrückt waren, daß Sie den Gruß kaum wohl entbehrt haben werden. Na, der gute Arnold genießt ja noch weiter die Freiheit, und gar in bet beneidenswertesten Gesellschaft."
Er sprudelte die Worte nur so heraus; die Rätin aber merkte doch einen gewissen Zwang. Er schien ihr durchaus nicht so heiter, wie er sich den Anschein gab, es zu fein.
„Sie kommen aus Frauenstein?" fragte sie.
„Ja, von einer der seltensten Frauen, die ich in meinem Leben gesehen habe," antwortete er, plötzlich ernst werdend, „und von einer her unglücklichsten zugleich!"
„Ja, ja, sagte die Rätin. „Immer das alte Leid von einem zertretenen Herzen. Ich hörte, daß die Baronin Frauenstein sehr bald verlassen will."
„Ja, in ben nächsten Tagen."
„Und wissen Sie, wohin sie geht?"
„Ich glaube, nach Loschwitz bei Dresden, WO ihr Sachverwalter einen kleinen Besitz hat, bat er ihr tut Verfügung stellt."
-- -----------. (Foriletzung folgte