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Marburg

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

m» »en Krilagr«:ziterarisöxrr Anzeiger",z<m»wirtschastliche Keil«-»« m»Illnstrierte, Kmmta-sbl-tt".

Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessiscke __ . Zeitung" der allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in

JWO 201 Kirchhaln und Wetter sowie bei unserer Expeduion Markt 21. .

** Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Donnerstag, 5. November 1908.

Bestellgeld), bei unfern ZertungSstellen und der Expedition 2 Mk.

Die Jnsertiousgebühr beträgt fiir die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, jur Reklamen 30 Pfennig. ,n Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C.Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Die KanzlerttisiS.

Noch immer beherrscht die durch die Etöff- nungen desDaily Telegraph" geschaffen^ Lage die politische Erörterung. Insbesondere be« schäftigt man sich mit der Stellung de» Fürsten Bülow, die von einem großen Teil der Presse für unhaltbar erklärt wird. Wer selbst link» liberale Blätter geben zu, daß der Augenblick zum Kanzlerwechsel besonders wegen der inner­politischen Aufgaben außerordentlich schlecht ge­wählt wäre und mahnen zu ruhiger Ueber- legung. Noch ist freilich die Spannung keines­wegs gelöst, und noch immer erhalten sich Ge­rüchte von dem nahen Rücktritt des Kanzler», selbst auf Seiten, wo der Wunsch nicht Vater des Gedankens ist. Die Erörterung der An­gelegenheit im Reichstage, zu der schon meh­rere Parteien Interpellationen angekündigt haben, wird ja noch über manche Einzel­heiten Licht verbreiten. Sie wird vor allem aber auch zeigen, ob das durch das Parla­ment vertretene Volk dem Kanzler für den von ihm selbst eingestandenen Fehler Verzeihung gewährt. Als der Kanzler im April 1906 plötzlich erkrankte und man annehmen konnte, daß in absehbarer Zeit ein Wechsel in der Lei­tung eintreten würde, zeigte sich, daß das Volk diesem nur schweren Herzens entgegensah. Im großen und ganzen hat Fürst Bülow bis jetzt also das Vertrauen des Volkes in reichem Maße genossen. Der Reichstag steht jetzt vor einer schweren Entscheidung. Will er den Kanzler trotz alledem halten? Zur Beantwortung der Frage wird er sich vor Augen halten müßen, daß die Lage nach innen und außen zurzeit eine äußerst schwierige ist. Von Einfluß wird aber auch sein, was der Kanzler an Garantien bieten wird da­für, daß ähnliche Vorkommnisie in Zukunft al» «usgeschlosien gelten können.

Der englische Grundsatz:Recht oder unrecht, es ist mein Vaterland", der für uns Deutsche in mancher Beziehung viel Beherzigenswertes ent­hält, läßt sich auf die jetzige Situation nicht aus­dehnen, und es liegt nicht im Interesse der nationaldenkenden Kreise, hier irgend etwas zu verheimlichen oder zu vertuschen. Andererseits aber haben wir bereits betont, daß wir schon allein um des Eindrucks im Auslande willen nicht die Pflicht haben, fortgesetzt grau in grau zu malen. Es wäre gut, wenn die Oeffentlich- keit sich nunmehr solange in ihrem Urteil Zu­rückhaltung auferlegte, bis oie restlose Klarstel­lung vor dem Reichstag erfolgt.

Die neuen Reichsfteuern.

DieRordd. Allg. Ztg." veröffentlicht heute in 16 Spalten den Wortlaut der dem Reichstage zugehenden Gesetzentwürfe über die Reichsfi­nanzreform samt einer Denkschrift. Daraus ist folgendes hervorzuheben:

57 «Nachdruck verboten.)

Getrennte Welten.

f. Roman von Clarissa Lohde,

r (Fortsetzung.)

Meine Schwägerin aus Frauenstein war bei ihr," konnte Bruno nicht umhin, ihm ins Wort zu fallen.

Das weiß ich," versetzte der Pastor.Die Frau Baronin hat mir das selbst heute mitge­teilt, als ich die Ehre hatte, bei Ihr zu sein."

Ich hoffe, sie befindet sich wohl?" fragte Bruno, ohne aufzusehen.

Sie sah leidend aus, wollte aber doch vor ihrer Abreise noch wegen einiger Wohltätig­keitseinrichtungen mit mir sprechen. Sie hatte eine größere Summe für kirchliche und Schul­zwecke ausgesetzt, deren Verwaltung sie mir übertragen hat, da sie, wie ich zu meinem Be­dauern hörte, für längere Zeit fortbleiben will. Für den Herrn Baron und auch für die Rätin Arnold hat sie mir einen Gruß aufgetragen."

Die Festsetzungen über das Begräbnis waren bald beendet. Der Pastor bat um die Erlaub­nis, mit Fräulein Wese, die er vergeblich bei ihren Eltern gesucht hatte, Rücksprache nehmen zu dürfen, der er auch noch einen Auftrag von der Frau Baronin auszurichten habe. In seinen Augen leuchtete es dabei warm auf. Bruno wußte, daß der junge Pastor Gertrud Wese gern hatte. Mit der Rätin hatte er schon oftmals darüber gesprochen, was für eine gute Land­pfarrersfrau sie abgeben würde. Beide wiinsch- ten dem jungen Mädchen von Herzen das Glück, n eines so warmherzigen und gebildeten Man­nes Seite ihre Fähigkeiten weiter entwickeln zu können, hier, wo jeder sie kannte und wert hielt.

Die Steuervorlage«.

Bei Gestaltung des neuen Steuersystems find die verbündeten Regierungen von der Erwägung ausgegangen, daß auf die bestehenden einzel- staatlichen und kommunalen Verhältnisse Rück- fich zu nehmen, im übrigen aber die Reform auf den Grundsatz der Ergiebigkeit, Allgemeinheit, Gerechtigkeit und Wirtschaftlichkeit aufzubauen sei. Hieraus ergab sich folgendes System: In erster Linie bedurfte es der allgemeinen Heran­ziehung der Eenußmittel, Branntwein, Bier Wein und Tabak. Daneben ist eine Steuer auf Elektrizität und Gas, sowie auf Anzeigen vorge­sehen, schließlich waren auch solche Steuern her­anzuziehen, di« vornehmlich von den Besitzen­den getragen werden. Dies kann nur durch den Ausbau der Nachlaßbesteuerung geschehen, die in dreifacher Form durch eine allgemeine Nachlaß- steuer, durch Beschränkung des gesetzlichen Ver­wandtenerbrechts und durch Aenderung des Erb- schastssteuergesetzes erfolgt. Von eigentlichen Verkehrssteuern ist Abstand genommen. Im Gegenteil wird Aufhebung der Fahrkartensteuer und Ermäßigung des Ortsportos für Postkarten wenigstens auf 3, wenn auch nicht auf 2 Pfennig vorgeschlagen. Der Ertrag der vorgeschlagenen Steuern beläuft sich schätzungsweise aus Brannt­wein auf 100 Millionen JA, aus Tabak auf 77, Bier 100, Wein 20, Erbschaften insgesamt 92, Elektrizität und Gas 50, Anzeigen 33, insge­samt rund 475 Millionen JA.

1. Der Zwischenhandel de, Reiche, mit Branntwein.

Die Vorlage überträgt den An- und Verkauf des Branntweins im Großen auf das Reich. Der regelmäßige Verkaufspreis wird so be- rnessen, daß an die Reichskasse eine Reinein­nahme von 220 Millionen JA abgeführt wird. Der regelmäßige Ankaufspreis wird so bestimmt, daß er die durchschnittlichen Herstellungskosten eines Hektoliters Alkohol deckt, wobei die Schlempe kostenfrei dem Brennereibesttzer bleibt. Die sogenannte Liebesgabe fällt fort. Dafür er­halten die Brennereibesitzer auf zehn Jahre eine Entschädigung in halber Höhe des Wertes der gegenwärtig erteilten Kontingentscheine. Den süddeutschen Brennern werden anstelle des Vor­teils der günstigeren Kontingentierung entspre­chende Zuschläge zum regelmäßigen Branntwein­ankaufspreise gewährt. Den bestehenden Bren­nereien wird im allgemeinen der bisherige Be- ttiebsumfang gewährleistet.

2. Brausteuer.

Die Erhöhung der Biersteuer wird das Hek­toliter fertigen Vieres mit etwa 2 JA treffen. Die allgemeine Steuerstaffel ist nach dem Vor­bilde der badischen und der elsaß-lothringischen Biersteuer vereinfacht und mehr zusammenge­drängt worden. Sie beginnt mit dem Satze von 14 JA und endigt bei einer Malzoerwendung von über 5000 Doppelzentner mit dem Satze von 20 JA für einen Doppelzentner Malz. Den vor dem 1. Oktober 1908 bestehenden kleinen Brau­ereien wird eine Ausnahmestellung in der Weise eingeräumt, daß von ihnen nur 10 -K für 1 Doppelzentner zu zahlen sind.

Fräulein Wese wird wahrscheinlich bei der Rättn sein," sagte er.Wenn Sie mich begleiten wollen, ich war eben auf dem Wege zu den Damen."

Der Pastor folgte mit einer Verneigung dem voranschreitenden Hausherrn. Unten im Erker ihres kleinen Salons saßen die Rätin und Ger­trud, wie gewöhnlich mit einer Handarbeit be­schäftigt. Aber nicht wie sonst flog die Unter­haltung munter hin und her. Gertrud, deren .Gedanken sich voll geheimer Sorge mit der Ba­ronin beschäftigten, beugte sich schweigend über ihre Arbeit, die Rätin aber blickte nachdenklich in den herbstlich sich färbenden Park und Gar­ten. Die Post hatte ihr heute von dem Gatten aus Baden-Baden einen Brief gebracht, der sie äußerst beunruhigte.

,Du kannst Dir denken," schrieb der Rat,daß ich hier in der schönen Villa Winters ein Herrenleben führe. Alle Tage werden Partien gemacht zu Pferde und zu Wagen in die Um­gegend. Gestern waren wir auf der Pburg, natürlich in großer Gesellschaft; denn anders tun es die verwöhnten Leutchen nun einmal nicht. Wenn ich zu Pferd sage, so meine ich dabei Ellen und die in Paris verheiratete Schwester Win­ters, Madame Duplesfis, die mit ihrem Manne auch zu den Rennen hier eingetroffen ist. Du erinnerst Dich der pikanten, kleinen Dame; sie ist die Eins und er die Null, was ja wohl öfters in der Ehe vorkommen soll. Da ich das Glück habe, eine Frau wie Dich zu besitzen, ist das natürlich für mich ein dunkles Gebiet. Diese Null teilt also, oder muß. die Leidenschaft seiner besseren Hälfte für den Sport teilen, und Ellen ist davon über alle Gebühr angesteckt. Natür­lich hat sich zu der Null, ich will nicht sagen, eine zweite Null, denn ich kenn« heg Herrn zu wenig,

3. Weinsteuer.

Der neue Weinsteuerentwurf sieht für den hn Inlands auf Flaschen gefüllten, sowie für den aus dem Auslande in Flaschen eingehenden stillen Wein eine Abgabe vor. Die Qualitäts­weine sollen eine ihrem Werte entsprechende Be­steuerung erfahren, die in den Haushaltungen abgefüllten Weine aber nur einer geringen Steuer unterworfen werden. Die Abgabe be­steht in einer allgemeinen Flaschensteuer und in einem gestaffelten Zuschläge. Der Weinsteuer unterliegen alle stille« Weine in Flaschen ohne Rücksicht auf den Preis, dem Zuschläge hinge­gen nur solche im Preise von mehr als 1 JA die Flasche. Als Weinsteuersatz wird der Be­trag von 5 Pfennig für die Flasche, einerlei ob ganze oder halbe Flasche, vorgeschlagen. Der Zuschlag ist sechsfach abgestust, die Zuschlagssätze bewegen sich zwischen 10 Pfennig und 3 JA. Pri­vatpersonen bleiben im allgemeinen von der Entrichtung des Zuschlages frei. Auch die Schaumweinsteuer soll erhöht werden; für Schaumweine im Preise von mehr als 3 JA die Flasche werden die Zuschlagssätze für stillen Wein als Mehrbelastung neben der Schaumwein­steuer angesetzt. Auch die Schaumweine im Preise bis zu 3 JA erhalten einen Zuschlag da gerade unter ihrer Konkurrenz die besseren Sor­ten stiller Weine zu leiden haben.

4. Tabaksteuer.

Die Vorlage entscheidet sich für die Fabrikat­wertsteuer nach dem Banderolensystem. Die Steuersätze bewegen sich für Zigarren in 6 Stu­fen von 4 Jt 6is 96 Ji für 1000 Stück, für Zi­garetten in 7 Sufen von 1.50 JA bis 24 JA für 1000 Stück, für feingeschnittenen Tabak in 5 Stufen von 0.80 JA bis 12.80 JA für 1 Kilo­gramm. Die Steuersätze betragen für Zigarren 10 bis 13 Prozent, bei Zigaretten 15 bis 20 Pro­zent des Kleinverkaufspreises. Das Verhältnis der Steuerbelastung der Zigarren zu den Ziga­retten ist auf etwa 1 bis iy2 bemessen. Die geltende Tabakbesteuerung soll ohne Aenderung des Zollsatzes für ausländischen Rohtabak und des Steuersatzes für inländischen Tabak bestehen bleiben.

5. Elektrizität»- und Gassteuer.

Die Steuer beträgt für Elektrizität und Gas, die gegen Entgelt abgegeben werden, 5 Proz. des Abgabepreises, jedoch nicht mehr als 0.4 Pfennig für die Kilowattstunde oder das Kubik­meter. Bei Herstellung zum eigenen Bedarf be­trägt der Steuersatz 0.4 Pfennig für die Kilo­wattstunde und für das Kubikmeter Eas von wenigstens 3000 Wärmeeinheiten, 0.2 Pfennig für Eas von 1000 bis 3000 Wärmeeinheiten. Die Steuer auf Glühlampen beträgt für solche bis 15 Watt 5 Pfennig, von über 15 bis 20 Watt 10 Pfennig, von über 25 bis 60 Watt 20 Pfennig, von über 60 bis 100 Watt 30 Pfen­nig für das Stück. Für Glühkörper für Gas­glühlicht 10 Pfennig für das Stück.

8. Anzeigensteuer.

Durch die Vorlagen sollen Anzeigen, die in Zeitungen und Zeitschriften enthalten sind (Ein­rückungen) oder Sonderbeilagen, sowie Ankün­digungen besteuert werden. Die Steuer beträgt

als Begleiter der Damen gefunden, ein Graf Holm. Er soll ein Bekannter von Baron Rothenfels, dem Sport-Rothenfels, wie man ihn jetzt zum Unterschiede von unserem Freunde Bruno, dem Dichter Rothenfels, nennt, und des Grafen Alten sein. So sagt wenigstens Deine Kousine Winter, um damit den, ich muß ge­stehen, gar zu vertrauten Verkehr Ellens mit diesem Kavalier zu entschuldigen.

Da sie schon morgens weite' Ritte in die Berge unternehmen und oft erst nachmittags zu- rückkehren, sehe ich sie nicht zuviel, höre aber beim Diner und Abendessen, wo auch Graf Holm zumeist zugegen ist, wie die Unterhaltung sich ausschließlich um Pferde und die großen bevor­stehenden Rennen dreht, wie man Überhaupt hier selbst bei den exquisiten Konzerten im Kur- Hause fast nur von den Rennen spricht. Ueberall umschwirren Namen aus dem Altertum, wie Sphinx, Merkur, Hebe, Phöbus usw. die Ohren und ich zerbreche mir den Kopf, warum gerade die Pferde alle aus dem Olymp stammen sollen. Indessen, da mir selbst dieses von ganz Baden- Baden geteilte Interesse Ellens und ihres Kava­liers für den Sport zu intim wurde, in An be­tracht dessen, daß sie die Braut unseres Freunde» ist, der Dir eine so außerordentlich liebenswür­dige Gastfreundschaft gewährt, erlaubte ich mir, mit Deiner Kousine Winter ein Wort im Ver­trauen zu sprechen. Aber Du kennst diese guten Winters. Ja, liebes Weib, ein Graf, mag er nun sein, wie er wolle! Graf Holm aber ist, wie ich bezeugen muß, äußerlich wenigstens durchaus vornehm und hat bei ihnen an und für sich ein Vorrecht vor allen anderen, dem Range nach unter ihm stehenden Menschen. Er kann nach ihrer Ansicht ja gar nichts anderes tun, als was der feinsten Sitte entspricht. Also, um kurz

für Anzeigeblätter, die mehr als einmal wScheut, lich erscheinen, bei einer Auflage bis 5000 Stück 2 Prozent, bis 10 000 Stück 4 Prozent, bis 50 000 Stück 6 Prozent, bis 100 000 Stück 8 Prozent und über 100 000 Stück 10 Prozent der Einrück- ungsgebühr. Anzeigeblätter, die wöchentlich einmal oder in größeren Zwischenräumen erschei­nen, entrichten 10 Prozent der Einrückungsge- bühr. Für Sonderbeilagen beträgt die Steuer 20 Prozent der Beilagegebühr. Steuerfrei blei­ben Arbeits- und Stellengesuche von nicht mehr als 5 Zeilen. Ankündigungen in Schrift und Bild, für deren Anbringung ein Entgelt entrich­tet wird, unterliegt einer Steuer von 10 Pro­zent. Ankündigungen, für deren Anbringung ein Entgelt nicht entrichtet wird, unterliegen einer Steuer nach dem Flächenraume. Firmen­schilder und andere Aufschriften, die lediglich den Geschäftsbetrieb der Bewohner oder Inhaber be­treffen sind steuerfrei.

7. Erbschaftssteuer.

Der Entwurf einer Nachlaßsteuer trifft den Nachlaß als Ganzes ohne Rücksicht auf die Per­sonen, an welche die Erbschaft fällt und ergreift so auch das Erbe der Kinder und Ehegatten Die Steuerpflicht ist auf solche Nachlässe be- schränkt, die 20 000 JA übersteigen. Die Steuer steigt von 0,5 Prozent bei einem Nachlaß von 20 000 bis 30 000 JL auf 3 Prozent bei einem Nachlaß von mehr als 1 Million. Ein Nachlaß von 100 000 bis 125 000 Jl zahlt 1,4 Prozent. Für die Landwirtschaft sind wesentliche Erleich­terungen geschaffen durch Gestaltung der Renten­zahlung, durch Steuerberechnung nach dem Er­tragswert und ähnliches. Als Zuschlag zur Nach, laßsteuer soll von dem Nachlasse derjenigen wehr­pflichtigen Personen, die nicht aktiv gedient haben, eine Wehrsteuer von 1,5 Prozent erhoben werden. Der Ertrag aus der Nachlaßsteuer ist auf 14 Millionen JA veranschlagt.

In dem Entwürfe über das Erbrecht de» Staates wird das gesetzliche Verwandtenerbrecht auf Ehegatten und Verwandte erster und zwei- ter Ordnung (Abkömmlinge, Eltern, Geschwister und deren Abkömmlinge und die Großeltern) beschränkt. An die Stelle der weiteren Ver­wandten tritt als gesetzlicher Erbe der Fiskus. Als finanzieller Ertrag ist die Summe von etwa 25 Millionen JA angenommen.

8. Da» Gesetz betreffend Aenderungen im Fi­nanzwesen

regelt vor allem das finanzielle Verhältnis zwi­schen Reich und Einzelstaaten. Es bestimmt, daß der Höchstbetrag der Matrikularbeitrüge auf di« Dauer von fünf zu fünf Jahren durch besonderes Gesetz festgesetzt wird. Ferner trifft das Gesetz Bestimmungen über die Tilgung der Reichsschuld und ähnliches.

Heber die einzelnen Vorschläge der Regier­ung wird noch manches zu sagen sein.

T'liil^es toU.Tj.

Bon Auswärtigen Amt. Wie dieNeu« polit. Korr." erfährt, wird der vorübergehend mit der Leitung der Geschäfte des Auswärtigen Arnis betraute Gesandte von Kiderlen in den

zu sein, er ist ein noli me tangere, und um alle» in der Welt, möchte man seine Gesellschaft nicht entbehren. Da er nun auch mit einigen Pfer­den, ob sie nun Apoll ober Artemis, Mars oder Aphrodite heißen, ist mir unbekannt und offen gestanden auch gleichgültig, sich an dem Rennen beteiligt, so verspricht man sich auch durch ihn mannigfache Vorteile, wie bevorzugte Plätze usw. Also ich habe nichts ausgerichtet, doch halte ich es für meine Pflicht, Dir ein Avis zu geben. Handle nach Deiner immer das Richtige treffen­den Ansicht."

Das Richtige," wiederholte sich die Rätin kopfschüttelnd.Wieviel, er mir zutraut! Zu­viel! Hier das Richtige zu treffen, ist schwerer, als er ahnt. Wie kann ich aus der Ferne über das Verhalten des leichtsinnigen Mädchens ur­teilen? Und weiß ich denn, wie es mit ihm, dem Baron eigentlich steht?"

Sie gedachte, wie schweigsam er sich in Be­ziehung auf Ellen in letzter Zeit ihr gegenüber verhalten hatte; aber dqnnoch schien et an dem Gedanken festzuhalten, im Herbst feine Hochzeit zu feiern. Neulick erst, als er Fräulein Chri­stine aufgeforbert hatte, mit ihm nach Berlin zu gehen, hatte et hinzugefügt: Bis meine Frau bas Regiment im Hause übernimmt. In Her­zensangelegenheiten sich zu mischen, schien ihr immer eine mißliche Sache. Und Bruno war­nen, wie ihr Mann vielleicht wünschte? Warum aber? Vor einem Nebenbuhler, der mit Ellen ritt, von seinen Pferden mit ihr sprach? War ein solcher Mann von ihm zu fürchten?

Bruno» und de» Pastor» Eintritt enttisseU sie ihrem Sinnen. '

v...... .. (Fortsetzung folgt)

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