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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain tz

ttit> de« Beilage«: Literarischer Anzeiger-,Landwirtschaftliche Beilage- ««dILustriertea Kauntagsblatt-.

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Marburg

Sonntag, 1. November 1908.

Die Zns«rti»»-ff«bÜbr betrögt fit die 7 gespaltene Zeil« oder deren Raum 16 Pfennig, für Reklame« 30 Pfennig. Druck und Verlag: Iah. Bug. Koch, UnioersttätSbuchdruckerei Inhaber Dr. E. Httz«roth Marburg, Markt 2L Telephon 66.

43. Jahrg.

Baumwollspinnereien war infolge des Mangels jeglicher Kauflust andauernd ungünstig. Auch die chemische Großindustrie klagt nach wl« vor über den Mangel an Exportaufträgen. Im Steinkohlenbergbau des Ruhrgebiets trat eine Abschwächung ein, da die Abrufe der Industrie weiter abnahmen; die anderen Bezirke waren gut mit Arbeit besetzt. Die Stahl- und Walz­werke waren, soweit Halbzeug, Eisenbahnma-- terial und Formeisen in Betracht kommt, unge­fähr im gleichen Umfang wie im Vormonat be- schäftigt. Die elektrische Industrie war im we­sentlichen zufriedenstellend mit Aufträgen ver­sehen. Die erhoffte Verbesserung der Bau­tätigkeit trat nicht ein, infolgedeffen herrschte an vielen Orten ein Ueberangebot von Arbeitern. Ein» Verbesserung brachte der September ins­besondere den Rekleidungsgewerben, so einigen Zweigen der Konfektionsindustrie, soweit ste für das Inland arbeitet, der Hutindustrie, der Putzfederindustrie, der Korsettindustrie usw. Ein« Befferung vollzog sich vielfach auch im Handelsgewerbe.

Bei den an das Kaiserliche Statistisch« Amt berichtenden Krankenkassen zeigte sich am 1. Oktober 1908 im Vergleich zum 1. September eine Zunahme der Beschäftigungsziffer um 25 690 Personen, während die Zunabme im Vorjahr bei den gleichen Kassen zur selben Zeit nur 18 459 Personen betrug. Dabei ist jedoch zu bedenken, daß die Abnahme in den Vormonaten dieses Jahres viel grösser war als in den glei­chen Monaten des Vorjahres, und daß die jetzige Zunabme sich auf die weiblichen Arbeits­kräfte beschränkt. Den Berichten der Arbeits­nachweise zufolge hat sich der Beschäftigungs­grad wohl den Vormonaten gegenüber etwas ge­bessert, war aber im Vergleich zum Vorjahre ungünstiger.

Die Zahl der Arbeitslosen, die den an die periodische Arbeitslosenstatistik des Kaiserlichen Statistischen Amts angeschlossenen Arbeiterfach­verbänden angehören, stellte sich an den drei Stichtagen im Juli, Auaust und September auf 84 046 bezw. 34 355 und 34 624, das sind 2,7 bezw. 2,7 und 2,7 Proz. der 1 272 549 Mitglieder der angeschlossenen Verbände. In England da­gegen wurden von den berichtenden Eewerk- vereinen mit nur 648 585 Mitgliedern 57 912 oder 8,9 Prozent Ende August als arbeitslos ge­meldet, das ist ungefähr das Vierfache der deut­schen Arbeitslofenziffer.

Zweites Blatt.

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Der Fall Liebknecht.

Der Antrag der Sozialdemokraten im preussischen Almeordnetenhause, auf Haftent­lassung des Abgeordneten Liebknechts hinzu­wirken, ist nicht nur eingehend im Abgeordne­tenhause besprochen worden, sondern er wurde der . Geschäftsordnung-Kommission überwiesen, damit das Abgeordnetenhaus prinzipiell über diese Frage sich schlüssig würde. Er wird hierauf in der Kommission und dann auch wohl noch im Plenum eingehend zur Besprechung gelangen.

Wir meinen, dass die bürgerlichen Parteien damit den sieben Sozialdemokraten des Abgeord­netenhauses eine weitgehende Rücksicht gewährt haben, die ein zu 98 Proz. sozialistisch besetztes Parlament den 2 Proz. bürgerlichen Agbeordne- ten sicherlich nicht würde angedeihen haben lassen. Trotzdem fällt das sozialdemokratische Parteiorgan über das Verhalten des Abgeord­netenhauses in gehässiger Weise her. Es tut die sehr ernsthaften und eingehenden Auslegungen der bürgerlichen Vertreter mit dem Worte Force" ab.

Das Abgeordnetenhaus wäre völlig im Rechte gewesen, wenn es den sozialistischen An­trag mit wenigen Worten abgetan hätte; Es hätte nur gesagt zu werden brauchen, dass erstens eine gesetzliche Handhabe für die sozia­listische Forderung nicht vorhanden sei und dass zweitens auck der Reichstag die Ansicht vertrete, dass ein Antrag auf Haftentlassung nach An­tritt der Strafe in der bestehenden Gesetzgebung eine Rechtfertiaung nicht finden könne. Wenn der ans dem allgemeinen gleichen und direktem Wahlrecht hervoraehende Reichstag dieser Auf- | fassung ist, dann ist es doppelt läpvifch. gerade j bei dieser Gelegenheit über dasJunker- und Celdsackparlament" herzufallen. Man wird vielmehr daraus den Schluss berleiten müssen, dass die Richtgewäbrung eines Vrivilegs für Ab­geordnete. in dem Falle, dass die Strafvollstreck­ung in Frage kommt, sachlich berechtigt sei.

Diele Auffassung ist zmeifellcs auch innerlich vollständig zutreffend. Würde die Immunität der Abgeordneten auch auf die Strafvollstreckung ansaedehnt werden, lo würde das unter Um­ständen der Straffreiheit nahekommen.

Wenn ein Abgeordneter gleichzeitig dem Reichs­tag und dem preußischen Abgeordnetenhaus an­gehört, so sind kaum 4 Monate im Jahre parla­mentfrei. Wird nun ein solcher Abgeordneter, der ein Doppelmandat hat, wegen eines Delik­tes zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt, so würde die Aufhebung der Strafvollstreckung während der Dauer der Session bedeuten, dass 6 Jahre darüber hingehen würden, bis die Straf» voll­zogen ist. Denn der Abgeordnete würde ja in jedem Jahre nur 4 Monate absitzen und wäh­rend der übrigen Zeit an den parlamentarischen Verhandlungen teilnehmen. Dies würde aber dem Strafzwecke völlig widersprechen. Denn eine längere Freiheitsstrafe wird um deswillen verhängt, damit gerade die lange Dauer der hintereinander zu verbüßenden Strafe als ein starkes Uebel empfunden wird. Es ist natür­lich ein sehr großer Unterschied, ob jemand 2 Jahre hintereinander hinter Eefängnismauern zubringen muss oder ob er in 6 Jahren nur je 4 Monate im Jahre der Freiheit beraubt ist.

Abgesehen aber davon, daß der Strafzweck eine Immunität der Abgeordneten hinsichtlich der Strafvollstreckung nicht gestattet, würde auch das Ansehen des Parlaments durch «ine der­artige Erhöhung der Parlamentsprivilegien nicht gewinnen, sondern verlieren. Denn es kann diesem Ansehen doch sicherlich nicht förder­lich sein, wenn ein Abgeordneter fortwährend aus dem Gefängnis ins Parlament und dann wieder aus dem Parlament ins Gefängnis hineinspaziert^

Angesichts der Tatsache, daß der Vater des Abgeordneten Liebknecht selbst als Reichstags­abgeordneter festgestellt hat, daß das Privileg der Abgeordneten sich nicht auf die Strafvoll­streckung bewae, angesichts ferner des Umstandes, daß diese Auffassung eines der bedeutendsten Führer, die die Sozialdemokratie je gehabt bat, doch wohl den sozialdemokratischen Antragstel­lern bekannt sein müßt«, erscheint es zweifellos, daß der Antrag mit dem Bewusstsein eingebracht worden ist. nickt daß er abgelehnt werden könne in diesem Bewußtsein wird natürlich jeder Antrag eingebracht, sondern dass er abgelehnt werden müsse. Er hat also lediglich einen agi­tatorischen Zweck verfolgt. Unter diesen Um­ständen kann man es nur bedauern, daß das Ab­geordnetenhaus ihm zu viel Ehre erwiesen hat.

Die Gestaltung des Arbeitsinarktes im Sevtember. *

Wie dasReicks-Arbeitsblatt" mitteilt, war die Lage des Arbeitsmarktes im vergangenen Monat vor allem dadurch gekennzeichnet, daß in einer Anzahl von Saisongewerben die alljährlich um diele Zeit erfolgende Belebung einsetzte, während in einigen Zweigen der deutschen Großindustrie die rückläufige Bewegung anhielt. So war die Robeisenindustrie nach wie vor un­befriedigend beschäftigt, die Roheisenvorräte sammeln sich immer mehr an. Auck in den Eisengießereien hat sich die unbefriedigende Lage kaum geändert. Der Geschäftsgang in den

Detters LtW -.

Kaufmännische Buchführung in ftaatlick«« Betrieben. Unter dem TitelKaufmännische Buchführung in staatlichen und städtischen Be­trieben" ist im Berliner Verlage von Otto Lieb­mann aus der Feder des Direktors der Aktien- gesellfckaft Ludw. Loews u. Eomp., Dr. jur. Waldichmidt. eine Broschüre erschienen, die viel­fach Beachtung finden dürfte. Der Verfasser fragt hinsichtlich der Vorwürfe, dass der Staats­haushaltsetat unübersichtlich sei, wo der Grund dafür gesucht werden müsse, da doch ein Stu­dium des Etats zeige, wie außerordentlich sorg­

54 -f-bri'.tf verboten.)

Getrennte Welten.

Roman von Clarissa Lohd«.

i Fortsetzung.«

Ich glaube," meinte die Rätin,es ist besser, wir bleiben draussen, lieber Baron. Sie 'wissen, mit welcher Sehnsucht die Försterin auf die Rückkehr Ihrer Schwägerin gewartet hat."

Er stimmte dem zu, war aber entschlossen, nickt fortzugehen, ehe er Ediths gesprochen hat. Trägt er doch Sorge für sie im Herzen; Ellen hat nicht unterlassen, in ihren Briefen eine An­deutung fallen zu lassen, die zwar nichts Ge­naueres über ihre Begegnung mit Dietrich mit- teilt das batte ihr die Schwester geradezu untersagt ibn aber doch ahnen lässt, dass etwas für Ediths sehr Betrübendes vorgefallen sei. Und er kann das Bild der unglücklichen Frau, die er so sehr verehren gelernt hat, von deren Güte und Wohltätigkeit jeder Schritt, den er in Schönwalde tut. belehrt, nickt aus dem Gedächt­nis verlieren. Wie etwas Heiliges, Erhebendes und Ausrichtendes lebt es in ihm, wenn ihn selbst manches Bittere, das er erfahren bat, nie­derdrücken will. In diesem Augenblick tritt Gertrud in die Haustür. Sie sieht tief ergrif­fen aus.

,.Es ist zu Ende," sagte sie zu Bruno und der Rätin ernst.Ihre Hand in der unserer lieben Baronin, ist sie sanft hinübergegangen."

Bruno ziehts nun doch hinein, dem alte» Förster und dem Sohne, der mit Frau und. Kin­dern aus einer entfernten Försterei in Schlesien eingetroffen ist, einige Worte des Trostes zu sagen. Der Förster ist sein Beamter. Er ist zwar auf das Abscheiden seiner Frau vorbereitet, aber nun ist es doch gar schnell gekommen. Da»

Zimmer ist gross und Halbdunkel, da die Vor­hänge an den von wildem Wein umrankten Fenstern zugezogen sind, um das von Westen über das Feld grell eindringende Sonnenlicht abzuhalten. Wie es im Forsthause Brauch ist, schmücken auck hier Geweihe und ausgestoyste Vögel die Wände. Ein grosses altväterliches Bett steht mit der Schmalseite ins Zimmer hinein. Dort bat die arme Dulderin, die jetzt den letzten Seufzer ausgehaucht hat, monatelang gelitten. Hm das Totenbett herum stehen still weinend Kinder und Enkel. Der jetzt verein­samte Gatte lehnt, den Kopf in die Hand ge­stützt, in dem Stuhl am Fenster, ihm zur Seite, wie der Engel der Barmherzigkeit, mit mildem Zuspruch stch zu ihm neigend, erkennt Bruno Editba. Ein Sonnenstrahl stiehlt stch durch die Vorhänge, die des Försters sich auf das Fen­sterbrett stützender Arm verschoben hat, und" haf­tet auf dem blonden Haupt« der jungen Frau, deren feine, edle Züge Bruno heute noch ver- geistiater erfcheiuen, als sonst.

Sie haben viel verloren, lieber Brandt," hört er ihre weiche Stimme, in der ihr teil­nehmendes Herz zu zittern scheint, leise zu ihm sprechend;eine brav«, gute Frau, aber preisen Sie Eott, daß Sie so viel an ihr verloren haben. Wohl dem, dem so lange wie Ihnen Treue und Lieb« geschenkt worden. Die Erinnerung wird Ihnen die Einsamkeit weniger schwer machen."

Ich klage jo auch nicht," entgegnete der alte Mann in gehaltenem, wenn auch von Wehmut durchzittertem Ton.Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen! Sie ist jetzt von allen Schmerzen erlöst und glücklich. Sie, gnä­dig« Frau Baronin, haben ihr die letzte Stunde noch versüßt. Es war die Erfüllung ihres h«^en Wunsches. Gott hat Sie hergefuhtt, g«ud« noch im letzten Augenblick.- al» ste noch

erfassen konnte, wer ihr die letzten Liebesdienste erwies. Und was Sie alles an ihr getan, all die Jahre hindurch, seit Sie in Frauenstein find! Eott vergelte es Ihnen, gnädigste Frau Baro­nin. ich vermag es nicht!"

Wie es bei diesen gut gemeinten Worten schmerzlich um ihr Gesicht zuckt! Bruno sieht, wie die schönen Augen sich mit Tränen füllen. Sie wendet sich, ihre Tränen zu verbergen, der Toten zu. Als sie stch wieder aufrichtet, erblickt sie Bruno, und wie ein Freudenschimmer huscht es über ihre Züge. Zu ihm tretend reicht sie ihm in sichtlicher Bewegung die Hand.

Welch ein Wiedersehen an einem Toten­bett!" x

Wir kamen hierher, uns nach dem Ergehen der Kranken zu erkundigen," sagte er leise, sich zu ihr neigend.Darf ich hoffen. Sie draussen noch zu sehen? Die Rätin Arnold ist mit mir hier und Gertrud, Ihr Schützling."

Gertrud, die bescheiden zur Seite gestanden hatte, eilte jetzt auf die Baronin zu und küßte ihr die Hand. Editha fühlt, wie Tränen aus des jungen Mädchens Augen auf sie herabfallen. Das aber sind nicht Tränen um die Tote ge­weint; nein, sie fühlt und weiß es, diese Tränen gelten ihr. Denn unter allen, die in Frauen­stein und Schönwalde wohnen, hat des Amt­manns Tochter den meisten Einblick in ihr Ehe­leben getan, weil sie zuweilen ihre Einsamkeit teilen durfte. Bruno ist zum Förster getreten. Er spricht mit ihm, mit dem Sohne und dessen Frau. Was kann man in solchen Fällen Trö­stendes sagen? Solche Schmerzen überwindet nur die Zeit. Aber es ist manches Notwendige $n besprechen: die Beerdigung, der Pastor, der benachrichtigt werden muß. Bruno übernimmt einen Teil des Geschäftlichen, das den Zurück« bleibenden |M besorgen zu schwer wird.

fällig et aufgestellt, ja wie er in feiner Art «in Kunstwerk sei. Der Fehler liege darin, daß das dem Etat zugrunde liegende, unter dem Namen Kameralstil bekannte Buchhaltungssystem «in« größer« Uebersichtlichkeit nicht ermöglich». Der Verfasser tritt deshalb für die Einführung der dopelten Buchführung ein. Deren Vorteile sind bekannt, man kann aus dieser Buchführung er­sehen, wie ein Unternehmen im letzten Jahre gearbeitet hat, welches Vermögen vorhanden ist, wie hoch die Aktiva und Passiva und danach die Ueberschüsse sind. Und in wenig Minuten weiß man über das alles Bescheid. Der Verfasser sucht nun an der Hand eines umfangreichen Mate­rials aus den Haushaltungsplänen des preussi­schen Staates, der Städte Wiesbaden, Wien und Frankfurt a. M. nachzuweisen^ daß die Ein­führung der kaufmännischen Buchführung in Staats- und Kommunalbetrieben dringend er­forderlich sei. So interessant und bemerkenswett es ist, was der Direktor einer unserer grössten industriellen Gesellschaften hierüber zu sagen hat- und so sehr es zu empfehlen ist, den Vor­schlag zu prüfen, so schwierig dürfte es sein, ihn im Handumdrehen zu verwirklichen.

Dee Gesetzentwurf Lb.r die Einwirkung von Armenunterstützung auf öffentliche Rechte, welcher vom Bundesrat am-29. d. M. beschlossen worden ist und dem Reichstage morgen zugehen wird, bestimmt in seinem einzigen Paragraphen folgendes-Soweit in Reichsgesetzen der Verlust öffentlicher Rechte von dem Bezug einer Armen- unterstützung abhängig gemacht wird, sind als Armenunterstützung nicht anzuseben: 1. di« Krankenunterstützung; 2. die einem Angehörigen wegen körperlicher oder geistiger Gebrechen ge­währt« Anstaltspflege; 3. Unterstützungen zum Zwecke der Erziehung oder der Ausbildung für einen Beruf; 4. sonstige Unterstützungen, wenn sie nur in der Form vereinzelter Leistungen zur Hebung einer augenblicklichen Notlage gewährt sind; 5. Unterstützungen, die erstattet sind."

Falsche Bezeichnungen. DieD. Tgsztg." schreibt unter dieser Überschrift: Die demokra­tische und die sozialdemokratische Presse nimmt mit unverhohlener Freude davon Kenntnis, was Professor Adolph Wagner und was dieErenz- boten" für die Nachlaßsteuer ausgeführt haben. Die Ausführung Wagners und der genannten Wochenschrift sind hier erörtert und widerlegt worden, so daß es nicht nötig ist, sachlich darauf zurückzukornrnmen. Wohl aber möchten wir uns dagegen wenden, daß bei dieser Gelegenheit Herr Professor Adolph Wagner und di« G r « n z b o t e n als konservativ, ja so­gar alsgut konservativ" bezeichnet werden. Das ist ein Irrtum. Professor Wagner sieht ja in manchen seiner Anschauungen den Konser­vativen und auch den Agrariern ziemlich nahe. Er ist aber nicht konservativ, sondern gehört der christlich-sozialen Partei an, deren zweiter Vor­sitzender er bis vor kurzer Zeit war und vielleicht auch heute noch ist. Was aber dieErenz^oten" anlangt, so haben wir schon vor Jahr und Tag

Als Bruno aus dem Forsthause tritt, sieht er was er so lange gewünscht hat, die beiden Frauen, die er> die seltensten ihres Ge­schlechts bält, nebeneinander fibend. Aber keim Freude über die langersehnte Begegnung ist auf ihren Zügen zu lesen. Auf Edithas Antlitz liegt es wie ein tiefer innerer Druck, der es fast ftari erscheinen lässt; auf dem der Rätin malt sich ein, tiefe Teilnahme. Bruno reicht ihr den Arm um sie zum Wagen zu führen. Er selbst bleibt zurück, um Editha, die zu Fuss nach Frauen- stein gehen will, ein Stück Weges zu geleiten; Eine Weile schreiten sie schweigend nebeneinan- der hin. Heber ihren Häuptern rauscht bei Wald, durch den schon ein herbstliches Wehen geht. Einzelne Blätter fallen zu ihren Füßen.

Welkes Laub und welkes Hoffen," zieht es durch Brunos Sinn, während sein Auge voll schmerzlichen Anteils auf dem bleichen Antlitz Edithas ruht. Ein Ahnen, daß sie Schweres er­fahren hat. durchzittert sein Herz.

Ich fürchte," beginnt er nun mit einer Stimme, in der ein tiefes Mitgefühl bebt, es ist nichts Gutes, was Sie vor der Zeit von Parten­kirchen in die Heimat zurückgeführt hat!"

In die Heimat?" wiederholte sie schmerzlich. Ist Frauenstein mir denn je eine Heimat ge­wesen?"

Er sieht sie befremdet an.

Es ist das Reich, das Ihnen gehött, in dem Sie wirken und wallen zum Wohle anderer. Man liebt Sie hier. In jeder Hütt« wird Ihr Name segnend genannt. Und Sie können glau­ben hier sei nicht Ihre Heimat?"

Wenn sie es war, wird sie bald aufhören, es zu sein. In wenigen Tagen werde ich Fra»! enstein wahrscheinlich für immer verlassen I"

lForijetzung jolgt^ Ji