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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain '
«nd den Beilagen: „Wera rischer Anzeiger-, „Kaudwirlschaftliche Beilage" und „JUnstrierles tz-mtta-sblatt-. "
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Marburg
Freitag, 80. Oktober 1908.
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43, Jahrg
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Trlegrammes lesen, das jetzt in den Archiven von Windsor Castle liegt und in dem ich den König von England von der Antwort in Kenntnis gesetzt habe, die ich den Mächten gab. Der Kaiser fuhr fort: Im Dezember 1899 hab« er selbst auf einen Brief seiner Großmutter hin einen Feldzugsplan ausgearbeitet, dieses Schriftstück sei ebenfalls unter den Staatspapieren im Windsor Castle. Der von ihm aufgestellte Plan sei demjenigen sehr nahe gekommen, welcher wirklich von Lord Roberts angenommen und glücklich von ihm ausgeführt wurde. Der Kaiser schloß damit, daß er über die deutsche Flotte sprach und sagte: Deutschland, das junge emporblühende Kaiserreich, habe einen weltweiten, sich schnell ausdehneiüien Handel; ein berechtigter Ehrgeiz verbiete es allen patriotischen Deutschen, diesem irgenwelche Grenzen zu setzen. Deutschland müsse eine machtvolle Flotte haben, um seinen Handel und seine mannigfaltigen Interessen auch in den entferntesten Meeren zu schützen. Deutschland müsse für alle Eventualitäten im fernen Osten gerüstet sein. Wer könne im voraus wissen, was sich in kommenden Tagen im Stillen Ozean ereignen werde, in Tagen, die nicht so fern seien, als manche glaubten! Der Kaiser schloß: Nur auf die Stimmen von Mächten mit starren Flotten wird mit Achtung gehört werden, wenn die Frage der Zukunft des Stillen Ozeans sich lösen wird. Es kann wohl einmal geschehen, daß England selbst froh sein wird, daß Deutschland eine Flotte hat, wenn beid; Länder gemeinsam auf derselben Seite ihre Stimme erheben werden in den großen Debatten der Zukunft.
Verboten.)
Getrennte Welten.
Roman von C l a r i s s a L o h d «. —: (Fortsetzung.)
London, 28. Okt. „Daily Telegraph" sagt zu den Aeußerungen, daß der Kaiser offenbar das Mißtrauen auf englischer Seite übertrieben beurteile. Es sei unleugbar, daß seit dem Besuch des Kaisers die eifrigen llnfriedenstifter in der englischen Presse in einem sehr bemerkenswerten Grade abgenommen habe. Schwerlich werde das Mißtrauen der Engländer, der der wiederholt erklärten Freundschaft des Kaisers bisher nicht geglaubt hat, beim sorgfältigen Lesen der kaiserlichen Worte bestehen bleiben. Es sei denn, daß des Kaisers außerordentlicher Freimut als ein krasser Beweis machiavellistischer Absichten mißdeutet werde. Welches immer die richtige Lesart dieser bedeutsamen Unterhaltung sein möge, sie sei ein direkter Appell an das englische Volk, an die Aufrichtigkeit der Freundschaft zu glauben, die der Kaiser bewiesen haben will, sowohl wenn der politische Himmel bewölkt war, wie durch seinen tatkräftigen Widerstand gegenüber den Vorurteilen einem großen Teile seiner eigenen Landsleute.
Die Unterredung eines Engländers mtt dem deutschen Kaiser.
„Dai.y Telegraph^ veröffentlicht in zwei Spalten «ine Unterredung mtt dem deutschen Kaiser die kürzlich stattgefundrn habe und nach d« Versilberung des Blattes einer unantastbaren Lutorität entstammen soll. Der Verfasser berichtet der Kaiser sagte, et empfinde als persönliche B e l e i d i g u n g die beständige falsche Auslegung und Verdrehung seiner wiederholten Freundschaftsanerbieten seitens eines Teiles der englischen Presse. Die in weiten Kreisen der mittleren und unteren Klassen des deutschen Volkes vorherrschende Gesinnung sei keine freundschaftliche für England. Als der Versager auf die Mißbilligung Europas betreffend die Rückkehr des Konsuls Fasse! nach Fez und den Vorschlag der Anerkennung Muley Ha- sids hinwies, erwiderte der Kaiser, dies wäre ein ausgezeichnetes Beispiel der Art und Weise, wie das Vorgehen Deutschlands falsch dargestellt würde. Fasse! wurde nach Fez allein deshalb zurückgesandt, weil die deutsche Regierung wünschte, er solle auf die Privatinteressen der deutschen Untertanen, welche um Hilfe und Schutz ersuchten, achten. Außerdem sei der französische Konsularvertreter bereits mehrere Monate in Fez gewesen, bevor Fasse! aufbrach. Was Muley Hafid angehe, so erklärte die deutsche Regierung für entscheidend und maßgebend die Mitteilung Muley Hafids an die Negierungen Deutschlands, Frankreichs und Englands im vergangenen Juli, in welcher er versprach, alle Verbindlichkeiten Abdul AsiS' anzuerkennen. Der Kaiser ging dann über auf die Beweise seiner Freundschaft, die er England gegeben hätte. Als die Abgesandten der Buren eine Intervention Europas zu erlangen versuchten und in Holland und Frankreich gefeiert wurden, da habe er, der Kaiser, es abgelehnt, sie zu empfangen. Als der Burenkrieg auf seiner Höhe war, baben die Negierungen von Frankreich und Rußland an Deutschland das Ersuchen gerichtet, sich mit ihnen zu vereinigen und England aufzufordern, dem Kriege ein Ende zu machen, um England zu demütigen, habe er erwidert, daß Deutschland sich immerdar von einer Politik fernbalten mülle, die es mit einer Seemacht wie England in Verwicklungen bringen könne. Die Nachwelt, so fügte der Kaiser hinzu, wird eines Tages den genauen Wortlaut des
Aus den Parlamenten.
Abgeordneten bans.
Das Haus fetzt die erste Lesung der Besoldungsvorlage bei der Lebrerbesoldungsvorlage fort.
! „Na, daran zweifeln Sie doch nicht, Frau Schott," fiel ihr nun Fräulein Christine mit "zornig gerötetem Gesicht in die Rede. „Nur zu gut ist er, zu gut. Die Taglöhnerfrau, die Schulz, ernährt er ja fast ganz mit den Kindern. Den ältesten, ungezogenen Rangen bat er zum Schmied von Frauenstein in die Lehre gegeben und zahlt für ihn, nur damit er unter des Herrn Vastors Aufsicht kommt. Und die Mädchen haben hier die Frau Rätin und Fräulein Gertrud alle Tage vorgenommen, und da wird an ihnen gewaschen und herumgemodelt, daß sie schon ganz manierlich aussehen. Die älteste nimmt der Herr Amtmann zu sich, die soll zum feinen Stubenmädchen ausgebildet werden, und die Frau beschäftige ich hier, soviel es geht, mit leichten Arbeiten, wofür sie bezahlt bekommt., wie die tüchtigste; die kann von Glück sagen.**
„Na, und der Mann?" fragte Frau Schott.
„Dem ist's hier zu heiß geworden. Er ist fort nach Amerika. Der Herr Baron hat ihm das Geld zur Ueberfahrt gegeben und auch noch etwas für den Anfang dort, alles um der armen Frau und der Kinder willen."
„Na, so ganz freiwillig wird er es doch wohl nicht getan haben, da hat unser neuer Herr Pastor wohl auch dabei geholfen?"
Bestellungen für die M»*ete November u. Dezember auf die
..OSerheffische Zeitun," nebst ihren ,'Ser.«g«n wrrde-c U»ch von unserer Expedition (Mark» Ü) unserem Ausgabestellen in Kirch. Hain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstöiten und Landbriefträgern ent« gegengenommcn.
„Das schon," sagte Fräulein Christine, dem eintretenden Mädchen die dampfende Kaffeekanne und einen mächtigen selbstgebackenen Napfkuchen abnehmend und beides vor ihren East auf den Tisch stellend. „Uebrigens blieb dem Tunichtgut auch kein anderer Ausweg. Seitdem er auf dem Vorwerk war und der Frau das sauer verdiente Geld nicht mehr abnehmen konnte, gefiel's ihm hier gar nicht mehr. Eine andere Stelle, die mehr nach seinem Sinn gewesen wäre, bekam er auch nicht. Selbst Ihr Oberinspektor in Frauenstein, der doch den nichtsnutzigen Stallbub, den Fritz, nicht zu schlecht fand, ihn in Dienst bei den Pferden zu nehmen, wollte von dem Schulz nichts wissen."
..Na, ein Glück ist's für die Frau, daß et fort ist." meinte Frau Schott, während sie in ihrer Tasse löffelte und mit lobender Eeberde von dem Kuchen aß.
„Sind doch eine Meisterin in Ihrem Fach, Fraulein Christine. Im Backen, da tut's Ihnen keine gleich. Aber was ich sagen wollte, mit dem Herrn Pastor Lorenz ist ein wahrer Segen in Frauenftein und Schönwalde eingezogen. Der verstorbene Pastor, Gott habe ihn selig, war ja auch ein guter, frommer Mann, aber sich so um unsereinen kümmern, das war nicht seine Sache; auch als er noch gesund und kräftig war."
„Da» kommt, weil er ein Neumodischer ist," meinte Fräulein. Christine wichtig. „Die find so für die Armen, und der Herr Pastor Lorenz ift es noch ganz besonders. Deshalb hat die Frau Baronin, die ihn schon kannte, auch so sehr ferne Berufung »ach Frauensteil, befürwortet".
Gegen 11% Uhr erschien der Kronprinz in der Hofloge, wo er vom Präsidenten o. Kröcher begrüßt wurde.
Abg. ». Ditfurth (kons.) führte aus, er stimme der Vorlage im wesentlichen zu, weil er darin eine solide Basis für eine gedeihliche Entwicklung der Volksschule erblicke. Besonders auf dem platten Lande find die Besoldungsverhältnisse der Lehrer unzulänglich. Der Abstand zwischen den Gehältern in den Städten und auf dem platten Lande hat geradezu zu einer Landflucht der Lehrer geführt, unter der namentlich die einklassigen Schulen leiden. Dazu kämen hohe Schullasten, welche die ländlichen Schulverbände aufzuwenden hätten. Die Volksschule hat sich nicht nur in den Großstädten, sondern auch auf dem Lande auf einer gebührenden Höhe zu erhalten; darin liegt ihre Kulturleistung. Einzelne Mängel des Gesetzes, wie die vierteljährliche Wartezeit bis zur Erlangung des vollen Grundgehaltes, sowie Unbilligkeiten inbezug auf die Anrechnung der Dienstzeit an Privatschulen beim llebertritt in den Staatsdienst bedürfen einer sorgfältigen Prüfung. Er beantrage die Ueberweisung der Vorlage an eine 21 gliedrige Kommission.
Abg. Elattfelder (Ztr.) stimmt der Ueber- weisung an eine Komission bei. Wir meiner, daß das Grundgehalt von 1350 M für Orte unter 25 000 Einwohnern nicht genügt und hoffen, daß auch der Finanzminister sich noch bereit finden lassen wird, mehr als 30 Millionen in seinen Fond für die Volksschullehrer zu legen. Auch für die Ortszulagen halten wir höhere Sätze erforderlich. Wir geben die Erwägung anheim, ob nicht auch die Gehaltssätze der Lehrerinnen erhöbt werden müssen. Gegen die Alterszulagekassen, zu denen die einzelnen Gemeinden ganz verschiedene Beiträge leisten, werden vielfach schwerwiegende Bedenken geäußert. Man möge prüfen, ob diese Einrichtung nicht veraltet sei und entbehrt werden kann.
Abg. Schiffer (natl.): Wir haben uns entschlossen, für die grundsätzliche Gleichstellung der Lehrer in Stadt und Land einzutreten. Die Differenzierung in Stadt- und Landlehrer entfällt für uns. Wenn die Landflucht der Lehrer behoben wird, so muß auch dafür gesorgt werden, daß sie nicht in Standes- flucht umschlägt. Die Gleichstellung muß nach oben und nicht unten erfolgen Von dem niederen Küsterdienst sollten die Lehrer befreit werden. Die Schule muß politisch neutralisiert werden. (Beifall und Händeklatschen; der Präsident rügt die letzte Art der Kundgebung.)
Ministerialdirektor Schwartzkopfs erwiderte Das Ideal des Vorredners, den Lehrern ein Gehalt von 1800—4500 J*. zu geben, ist heute noch nicht zu erreichen. Die Freizügigkeit soll den Lehrern nicht beschränkt werden, dabei müssen die Interessen der kommunalen wie der staatlichen Steuerzahler gewahrt und endlich Ruhe und Stetigkeit in dem Volksschulwesen angestrebt werden. Er hoffe, daß auf dem von der Regierung vorgeschlagenen mittleren Weg in der Kommission eine Einigung erzielt wird.
Frhr. v. Zedlitz (freit) führte aus: Die Schule in den kleinen Städten und auf dem Lande darf nicht aufhören, eineErziehungsstätte zu fein und herabsinken zu einer reinen Abrichtungsanstalt der Jugend. Auf diesen Weg
Bei Erwähnung der Baronin stieß Frau Schott einen tiefen Seufzer aus, der nicht verfehlte, die Aufmerksamkeit von Fräulein Christine zu erregen. Sie ahnte sogleich, daß ihr East etwas auf dem Herzen habe, daß in Frauenstein etwas oorgefallen fei, vielleicht gar zwischen dem Baron und seiner Gemahlin. Wie vielen unverheirateten Mädchen, so bereitete es auch ihr ein inneres Behagen, von einer Ehe zu hören, in der es nicht zum Besten ging. Niemand in der. ganzen Gegend hatte daher auch ein offenes Ohr für die vielerlei Gerüchte, die über die Frauensteiner Herrschaft kursierten, als Fräulein Christine.
„Ist denn etwas passiert?" fragte sie gespannt. „Ach, erzählen Sie doch, liebe Frau Schott, erzählen Sie!"
„Ach, zu erzählen ist da nicht viel. Die Frau Baronin ist ganz unvermutet von ihrer Reise zurückgekehrt."
Fräulein Christinens Augen öffneten sich immer weiter.
„Und der Herr Baron?"
Frau Schott schüttelte mit vielsagendem Ausdruck den Kopf.
„Er natürlich nicht. Wird nach Baden-Baden sein, zu den Rennen. Die Pferde sind schon fort, seit einigen Tagen, wie der Herr Inspektor sagt!"
„Da ist unser leichffertiger Stallknecht, der Fritz, wohl auch mit? Na, das wollte et ja bloß, das wat ja sein ganzes Trachten. Deshalb wollte er auch hier gar nicht gut tun und ließ sich allerlei Nachlässigkeiten zu Schulden kommen." - .......
werden wir daher gedrängt werden, wenn wir der Regierungsvorlage folgten. Die Vorlage stellt zwar einen Fortschritt dar, indem sie füt den größeren Teil der Lehret ein Einheitsgehalt darstellt, aber dieser Grundsatz wird durch die Festsetzung der Ortszulagen in den Städten durchbrochen. Anders ist der Schuldienst in den großen Städten. Zweifellos aber schwieriger ist die Aufgabe des Lehrers der ein- und zwei- klassigen Schulen. Um die erziehliche Arbeit der Schule zu erhalten, müssen wir nicht nur den Grundsatz des gleichen Gehalts für Stadt und Land proklamieren, sondern ihn auch wirklich durchführen bis auf die wenigen Ausnahmen, wo ganz enorme Lebensver- h ä l t n i f f e bestehen in den Städten, in denen tatsächlich das Geld nicht so viel Wert hat wie sonst überall im Lande. Darum muß das Einheitsgehalt so hoch sein, daß nur in diesen ganz besonderen Verhältnissen eine Erhöhung nötig ist. Der Lehrer muß mit den mittleren Beamten gleichgestellt werden. Erwünscht ist auch eine höhere Bemessung der Dienstalterszulagen. Es steht die ganze Entwicklung unserer Volksschule auf dem Spiele, deren Degenerierung wir int Interesse des Staatsganzen verhüten müssen, (Beifall rechts.)
Abg. Cassel (fr. Vp.) plädiert namentlich gegen jede Beschränkung der Autonomie bet Städte, ihre Lehrerbesoldungen beliebig zu erhöhen. Eine Gleichstellung der Lehrer mit den Verwaltungssekretären sei finanziell unmöglich, eine Erhöhung bet Regierungssätze aber nötig unter entsprechender Erhöhung der Staatszu- wendung. Nach Erörterung einiger Einzel- fragen erklärte bet Redner sich mit verstärkten Zuwendungen des Staates einverstanden, nicht aber mit deren jetzigen Verteilung nach bet Zahl bei Schulstellen, infolge beten bet Löwenanteil an den Staatszuschüssen den Landgemeinden und Kleinstädten zufällt. Schließlich trat et gegen Besoldungskassen sehr energisch ein, (Beifall links.)
Dann vertagte sich das Haus bis Donnerstag 10 Uhr. Tagesordnung: Fortsetzung der Generaldebatte.
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— Kultusminister Dr. Holle erkrankt. Köln, 28. Okt. In einem Berliner Telegramm bet „Kölnischen Zeitung" heißt es: Es ist nach allen Nachrichten aus unterrichteten Kreisen leidet nicht mehr daran zu zweifeln, daß Kultusminister Holle sehr ernstlich erkrankt ist und daß nut diese Erkrankung den Minister daran gehindert hat, zu Beginn des Landtags sein Ressort zu vertreten. Als völlig unzutreffend wird es uns bezeichnet, daß an irgend einer amtlichen Stelle Mißstimmung gegen den Minister vorliegt und irgendwo der Gedanke aufgetreten ist, ihn durch eine andere Persönlichkeit zu ersetzen. Es wird vielmehr aufs tiefste bedauert, daß der zufällige Umstand, daß die Erkrankung Holles mit dem Beginn des Landtags zusammentrifft, zu allerlei Kombinationen und einer Kritik des Schwererkrankten geführt hat, die schon das Gebot der gewöhnlichen Rücksichtnahme auf einen durch
„Der Oberinspektor hat ihn gern genommen, weil die Sphinx, das neue Pferd vom Herrn Baron, das er für schweres Geld, ich weiß nicht für wieviel Tausende, in England gekauft hat, schwer zu behandeln ist, und der Herr Baron will sich doch mit ihm am Herrenreiten beteiligen. Und wenn er das Pferd nicht gut zuge- ritten bekommt, bann gibts ein Donnerwetter. Der Stallmeister war nämlich bei uns, er hat einige Sorge um das Pferd. Es will nämlich nicht parieren, wie nötig. Es ist noch ganz jung und hitzig; na, und der Fritz soll ja den Teufel niederkriegen, wenn er ihn zwischen den Schenkeln hat."
Fräulein Christine blickte ihre Freundin mit offenem Munde an.
„Aber Frau Schott, Sie sprechen ja, als wären Sie mit dem Rennstall Ihres Herrn Barons so vertraut, wie mit der Milchkammer."-
„Nun, wenn man «s alle Tage hört," sagt« die gutmütige Frau. „Bei uns spricht man von Pferden, bei Ihnen von der Schriftstellerei." ]
„Nun, das muß ich gestehen," sagte Fräulein Christine, „da ist mir doch di« Poesie lieber, mit der wir uns hier beschäftigen."
„Jeder nach seinem Geschmack, liebes Fräulein Christine,** sagte nickend die Schott von oben herab. „Wir find eben nach der alten Art Aristokraten vom reinsten Wasser? Ihr Herr Baron, allen Respekt, aber er kommt mit v»r, wie unser neuer Pfarrer. Es ist auch ein so Neumodischer. Kein Standesunterschied mehr. Wenn unser seliger Herr Baron von den Schrift- stellern sprach, nannte er sie nie ander» als Fe, Versuchs«." (Forts, folgt.)