mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Keilagen: „Literarischer Anzeiger-, „Karrdwirtschafttiche Keiluge" «*> „Illustriertes S-uutagsbLatt-.
t bie 7 aespaltene Zeile iklamen 30 Pfennig. —
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mit offenen Armen; denn auch ihr drückte es | schon das Herz ab. in die Brust der Vertrauten
ihre Freude über die Erfüllung eines langgehegten Wunsches auszuschütten; denn Bruno, der für den Herbst und den Winter nach Berlin übersiedeln wollte, hatte sie aufgefordert, ihn dorthin zu begleiten und auch dort seiner Wirtschaft vorzustehen. Berlin! Das war der Traum ihres Lebens, so lange sie denken konnte Ihr schwebte die Residenz, in der zu verweilen ihr nur immer wenige Tage vergönnt gewesen war, wie ein Ort vor, in dem alle märchenhaften Wünsche ihres Herzens erfüllt werden mühten. Daß diese Wünsche hauptsächlich darin gipfelten, die so stolz gehegte Jungfrauenwürde abzulegen und einen für sie passenden Mann zu finden, das machte fie sich selbst nicht klar.
In ihrem Feuereifer lieg fie denn auch Frau Schott gar nicht zu Worte kommen, sondern machte sie gleich, nachdem sie in der Küche Kaffee und Gebäck bestellt hatte, mit ihrer frohen Neuigkeit bekannt.
„Na," warf die dicke Dame, die noch immer pustend und sich mit dem Taschentuche das Gesicht abtrocknend, ganz aufgelöst vor Hitze, dasaß, endlich verdrosien, ein, „wenn die Freude nur lange dauern wird. Ich denke, Ihr Baron heiratet bald?" Und ob die junge Frau Sie dann behalten wird, ob sie sich nicht vielmehr ihre eigenen Leute mitbringt, für Berlin meine ich, das scheint mir doch noch sehr zweifelhaft."
Christine setzte die Tassen nebst Zucker und Sahne auf den Tisch und schüttelt« leise den »ach neuester Mode frisierte« Kopf:
Der Eid auf die Verfassung und die Sozialdemokratie.
Artikel 108 der Preußischen Verfassung lautet in fernem ersten Absatz:
„Die Mitglieder der beiden Kammern und alle Staatsbeamten leisten dem Könige den Eid der Treue und des Gehorsams und beschwören die gewissenhafte Beobachtung der Verfassung."
Diesen Eid haben die anwesenden 6 sozialdemokratischen Mitglieder des Hauses heute geleistet. Die Weigerung der Ableistung des Eides auf die Verfassung schließt die Befugnis aus, einen Sitz im Hause einzunehmen, das besagt der Absatz II des § 6 der Geschäftsordnung des Hauses, welcher im Mai 1876 eingefügt worden ist. So lange der Betreffende bei seiner Weigerung beharrt, ruht die Befugnis, gib die Reichstagsabgeordneten ist die Leistung eines solchen Eides nicht vorgesehen. Der Artikel 29 der Reichsverfassung bestimmt: Die Mitglieder des Reichstages sind Vertreter des gesamten Volkes und an Aufträge und Instruktionen nicht gebunden." Wohl aber ist er auch in anderen Bundesstaaten verfassungsmäßig vorgeschrieben. Die Sozialdemokraten haben sich hier nicht bedacht, einen solchen Eid zu leisten; sie haben z. B., worauf die „D Tagesztg." aufmerksam macht, sich im Königreich Sachsen nicht gescheut, zu schwören, bttLi sie das unzertrennliche Wohl des Königs und Vaterlandes allezeit wahren würden. Wi? sie ihre Handlunge» mit ihren Eiden in Einklang bringen, ist allerdings Männern, <ie hinter ihren Worten und erst recht hinter ihren Eiden stehen, schwer verständlich. Der verstorbene Abg. Auer charakterisierte z. B. die Eide gelegentlich im Reichstage einst als „Zwirnsfäden, über die ein Genosse nicht stolpern dürfe". Aehnlicher Frivolität begegnet man auch, sonst.
So schrieb nach den jüngsten Landtagswahlen Mehring mit Bezug auf den Verfassungseid der Abgeordneten in der „N. Zeit":
„Um sich durch Vogelscheuchen schrecken zu lassen, sind die deutschen Arbeiter längst viel zu aufgeklärt; sie wissen, daßVerfassungseide gleichgültiger Schnickschnack sind; nur daß es ihnen ihre ehrliche Politik gestattet, offen darauf zu pfeifen, während die herrschenden Klassen allerlei trügerisches Briborium darum machen müssen."
Auf dem sozialdemokratischen Parteitag in Lübeck hat sich Bebel im September 1901 wie folgt über den Verfassungseid ausgesprochen:
„Geradezu unerhört ist, daß Fendrich den Verfassungseid als Grund angibt, weshalb man
' ^infliBrud verdaten.!
(Getrennte Welten.
Roman von Clariffa Lohd«.
(Forttehung.)
XIX.
Königliche Staatsregierung zu ersuchen, schleunigst eine Vorlage einzubringen, durch die der unbeschränkte Gebrauch der litauischen, masurischen und wendischen Sprache in öffentliche» Versammlungen landesgesttzlich gewährleistet wird." Der Abgeordnete Rahardt hat folgendes beantragt: „Die Königliche Staatsregierung zu ersuchen, den Schwierigkeiten gegenüber, die für einge Erwerbsklassen, insbesondere in den Großstädten, durch die gegenwärtige wirtschaftliche Lage entstanden sind, helfend einzugreifen: 1. durch möglichst beschleunigte Vergebung der im laufenden Etat vorgesehenen Arbeiten, insbesondere im Baugewerbe, 2. durch Rücksichtnahme auf diese Verhältnisse bei Aufstellung des nächstjährigen Etats." Der Abgeordnete Gras von der Recke-Volmerstein beantragt: „Die Königliche Ctaatsregierung zu ersuchen, das Kreis- u. Pro. vinzialabgabengesetz vmn 23. April 19r, dahin abzuändern, daß im § 7 Abs. 6 Zeile 9 hinter dem Wort „herangezogen" folgender Satz singe- schoben wird: „Ebenso werden die Stadt- und Landgemeinden mit ihrem Einkommen aus dem im ei;-'nen Bezirke gelegenen Grundbesitze und Gewerbebetriebe zu den Kreis- und Provinzialabgaben herangezogen; erhebt eine Gemeinde diese Steuer ihrerseits nicht, so findet eine Veranlagung zu derselben zum Zwecke der Kreis- und Prooinzialbesteuerung statt."
— Bon der Weinsteuer. Die Zeitungsnachricht, schreibt die „Reue politische Correspon- denz", daß de.r Ertrag der Weinsteuer (bie eine Flaschensteuer sein wird) auf 50 Millionen angesprochen wird, ist unzutreffend; der geschätzte Betrag umfaßt 20 Millionen.
— Ein Dementi. Berlin, 27. Okt. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: iach dem Bericht der „Augsburger Postzeitung" hat der 3«. trumsabgeordnete Schädler in einer Rede ausgeführt: „Ich erinnere daran, daß man versucht, die höchste Autorität der Kirche gegen uns auszuspielen. Wenn in letzter Zeit an die Entsendung des Frhrn. v. Schorlemer als Gesandter des Kaisers zur Gratulation beim hl. Vater gewisse Hoffnungen geknüpft wurden in der Richtung einer Einwirkung auf das Zentrum, so glaube ich nicht, daß Frhr. v. Schorlemer so taktlos ist, mit seiner Mission einen solchen politischen Nebenzweck zu verbinden; aber selbst wenn es versucht werden sollte, würde er jedenfalls dieselbe Antwort erhalten, die ein anderer erhalten hat, der vor nicht langer Zeit ebenfalls in Rom gewesen ist. Näheres ist authentisch zu erfahren beim Fürsten Reichskanzler." Wenn damit gemeint sein soll, der Reichskanzler habe bei seinem Besuch in Rom den Papst oder die Kurie zu einer Einwirkung auf das Zentrum veranlassen wollen, so wäre in jeder Form das Gegenteil die Wahrheit. Die Mission des Oberpräsidenten v. Schorlemer mit politischen.Nebenzwecken in Verbindung zu bringen, war in ernsten politischen Kreisen niemandem eingefallen. Die Regierung hat nur den Wunsch, daß die Kurie gegenüber dem Gegensatz zwischen Regierung und Zentrumspartei, der sich lediglich auf
sich über die Behandlung der Polen durch die Beamten beklagte, erwiderte Minister v. Rheinbaben, daß sich die Polen es lediglich ihrem eigenen Verhalten zuzuschreiben hätten, wenn das Verhältnis zwischen Beamten und Bevölkerung kein wünschenswertes sei. Die Kreisschulinspektoren hätten bei dem Schulstreik lediglich ihre Pflicht getan. Es sprachen noch zur Sache die Abg. Eyßling ffrs. Vp.), Peltasohn (frs. Vgg.), Strobel (soz.). Auf den Einwand des letzten Redners, daß in der Vorlage nicht an die Arbeiter gedacht worden sei, erwiderte Minister vrertenboch, daß die Arbeitslöhne feit Jahren in fortwährendem Steigen begriffen feien. Ein Antrag v. «rnim-Züjedom (kons.) auf Schluß der allgemeinen Debatte wurde angenommen. Nächste Sitzung: Mittwoch, 27. Oktober vorn, 11 Uhr. Fortsetzung der ersten Beratung des Besoldungswesens. Schluß der Sitzung 434 Uhr.
„Vorläufig ist ja das Fräulein noch auf Reisen."
„Sie wird aber doch wiederkommen und dann —“
„Dann wird zuerst unser Drama aufgeführt."
Frau Schott konnte nun doch trotz ihrer Betrübnis nicht anders, als hell auflachen:
„Ihr Drama?"
Christine setzte ihre würdigste Miene auf.
„Nun ja, unser Drama," meinte sie in ihrer etwas gezierten Sprechweise, die Frau Schott noch mehr zum Lachen reizte. „Wenn man das Glück hat, bei einem gottbegnadeten Dichter, wie dem Herrn Baron engagiert zu sein —“
„Aber, liebstes Fräulein Christine," unterbrach fie nun Frau Schott in ihrer derben Art, „nehmen Sie sich doch nicht eine Redeweise an, die im Munde der Stadtherren und -Frauen recht gut klingen mag, aber für uns vom Lande sich doch nicht paßt. Gottbegnadet! Mein Himmel, wir find alle gottbegnadet, und wenn Sie oder ich ein gutes Diner zuzubereiten verstehen, ist das auch eine Gabe, und jede Gabe kommt von Gott."
„Frau Schott, Sie werden sich doch nicht mit unserem Herrn Baron vergleichen wollen?"
„Gott bewahre mich, allen Respekt von Ihrem Herrn Baron; aber ob er da Drame« schreibt, oder sonst etwas, das ist für uns und die Schönwalder Leut' doch ganz egal. Wen» er nur ein guter Herr ist und den Leuten 6mte» tut."
u Wortsetzuna
Bestellungen
pr die Monate November «. Dezember auf die
^»berhessische Zeit««," nebst ihren Beilagen werden noch von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch. Dnin, Neustadt und Wetter, sowie von «llen Postanstalten und Landbriesträgern ent» gegengenommen.
Frau Schott, der Wirtschafterin in Frauenstein, ist das Herz zu voll. Sie muß hinüber nach Schönwalde zu Fräulein Christine, um sich auszusprechen. Mein Himmel, denkt sie, der Mensch kann doch nicht alles in sich hinünter- fchlucken. Einem muß man sich doch nicht offenbaren können, und wenn man dazu solche verständnisvolle Seelen gefunden hat, wie Fräulein Christine —
Seit die Herrschaft ins Gebirge gegangen ist, hat sich der freundschaftliche Verkehr zwischen dem alten Faktotum im Schlosse Frauenstein und der neuen Wirtschafterin sehr rege entwickelt. Frau Schott liebt es, beim Täßchen Kaffee sich zu unterhalten, und sie weiß viel zu erzählen, denn sie ist seit 35 Jahren im Dienst in Frauenstein. Sie war dort, als noch der alte Baron mit seiner schönen stolzen Frau im Schlosse gewohnt und einen großen, vornehmen Haushalt geführt hatte. Sie erinnert sich noch, wie das neue Schloß in Schönwalde gebaut wurde und die Baronin hinüberzog, weil fie glaubte, die dicken Mauern des alten Schlosses trügen die Schuld an ihren häufigen Erkältungen. Aber das war es nicht gewesen, sondern der Tod hatte bei der bis ins Alter schönen und auf ihre Schönheit viel haltenden Dame ange- Vopft und auch der Wechsel der Wohnung hatte
für das Budget stimmen mußte. Wenn so etwas maßgebend sein soll, dann hört allerdings alles auf. Wir haben im sächsischen Landtag erklärt: Wir leisten den Eid, wir betrachten ihn als leere Form wir find Republikaner und werden uns in unserer Abstimmung nicht dadurch gebunden halten."
Der von den Mitgliedern des preußischen Landtages zu leistende Eid hat. wie wir auf Anfragen mitteilen, folgenden Wortlaut: „Ich schwöre zu Gott dem Allmächtigen und Allwissenden, daß ich Seiner Majestät dem Könige treu und gehorsam sein und die Verfassung gewissenhaft beobachten will, so wahr mir Gott helfe"
Die Mitglieder von Konfessionen können die ihrem Glauben entsprechende Beteuerungsformel dahinter fetzen.
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Der Kaiser begab sich gestern Nachmittag nach Wernigerode zum Besuch des Fürsten Stolberg.
— Besuch Kaiser Wilhelms beim österreichi. scheu Thronfolger. Berlin, 27. Okt. Der „L.-A." meldet aus Wien: Kaiser Wilhelm trifft zu seinem bereits angekündigten Jagdbesuche am 4. November in Eckartsau in Niederösterreich ein. Der Monarch wird dort drei Tage lang mit dem Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand der Jagd obliegen und sodann höchstwahrscheinlich dem Kaiser Franz Josef in Wien einen kurzen Besuch abstatten.
— Bom Bundesrat. Berlin, 27. Okt. In seiner heutigen Plenarsitzung hat der Bundesrat den Ausschußanträgen zu den Finanz- reformgesetzen zugestimmt.
— Auszeichnung. Stuttgart, 27. Ott. Der „Staatanzeiger" meldet: Der König hat dem Preußischen Minister Breitenbach das Eroßkreuz des Friedrichsordens verliehen.
— Landtagsersatzwahl. Schweidnitz, 27. Okt. Bei. der Landtagsersatzwahl im Wahlkreise Breslau 6 wurde Generalleutnant z. D. Fiche, v. Reitzenstein zu Nieder-Weistritz (kons.) mit sämtlichen 402 abgegebenen Stimmen gewählt.
— Aus den Reichstagkommiffionen. Berlin, 27. Okt. Die Kommission des Reichstages für die Novelle der Gewerbeordnung nahm einen Antrag des Zentrums an, daß n Sonnabenden und den Vorabenden der gesetzlichen Feiertagen di« Arbeitszeit höchstens neun Stunden betragen dürfe. Ferner wurde ein Antrag des Zentrums angenommen, daß Wöchnerinnen vor und nach der Niederkunft, im Ganzen acht Wochen, nicht beschäftigt werden dürfen; der Wiedereintritt soll an den Nachweis geknüpft werden, daß seit der Niederkunft mindestens sechs Wochen verflossen sind. Die Vertreter der Regierung behielten sich die Stellungnahme vor, erklärten sich aber nicht gegen eine Aenderung.
— Anträge der konservativen Frattion des Abgeordnetenhauses. Die Abgeordneten von Bieberstein. Dr. Gaigalat, Kreth und Meyer- Tilsit haben folgenden Antrag eingebracht: „Die
das Ende nicht aufzuhalten vermocht. Frau Schott hatte auch die junge reizende Baroneß an der Seite des Grafen Alten als Jungvermählte das elterliche Haus verlassen und Baron Dietrich mit seiner jungen Gemahlin in Frauen- stein einziehen sehen. Sie wußte von allen viel Interessantes zu erzählen. Und Fräulein Christine hörte gern Liebes- und Heiratsgeschichten, um sich auf das, was ihr noch vielleicht in Aussicht stände, vorzubereiten, wenn auch etwas verspätet, wie die dicke, behäbige Frau Schott sich heimlich lachend gestand.
Es war einige Tage nach der Baronin unvermuteter Ankunft in Frauenstein. Editha war zu der Förstersfrau gegangen, die schon seit Wochen im Verscheiden lag und deren Auslösung jeden Moment erwartet wurde. Da Frau Schott wußte, daß die Baronin dort lange zu verweilen pflegte, so gedachte sie, deren Abwesenheit zu einem Plauderstübchen zu benutzen. Der Tag war heiß und das breite Gesicht der alten Dame dunkel gerötet von dem schnellen Gange, als sie in das im Erdgeschoß gelegene fteund- liche Zimmer der Wirtschafterin von Schönwalde trat. Bruno befand sich mit der Rätin und Gertrud Wese wie gewöhnlich zu dieser Zeit, seit die erstere hier als East weilte, auf einer Spazierfahrt, bei der man zugleich die der Fürsorge Brunos von Editha Empfohlenen zu besuchen pflegte. Die Rättn, mit ihrem wohlwollenden Herzen, hatte sich natürlich gleich mit Eifer aller Armen und Kranken in Schönwalde angenommen.
Christine, aufs zierlichste und mit etwas Koketterie gekleidet, empfing die alte Freundin
Aus den Parlamenten,
rlbgeordnetenhau».
Im Abgeordnetenhause fand am Dienstag, den 27. Oktober, die Vereidigung der neugewählten Mitglieder des Hauses statt, soweit fie den verfassungsmäßigen Eid noch nicht geleistet haben. Abg. Hirsch (Soz.) sprach für den Antrag Borgmann u. Een. (Soz.), die Regierung um Aussetzung der Vollstreckung der gegen den Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) erkannten Festungshaft während der gegenwärtigen Session zu ersuchen. Abg. Kreth (kons.) trat dem Antrag entgegen. Die Wahl des Dr. Liebknecht zum Abgeordneten sei kein Plebiszit des preußischen Volkes. Wenn einzelne Kreise den Dr. Liebknecht gewählt haben, so sei das keine Ehrung für ihn, sondern nur bezeichnend für seine Wähler (Bravo!) Die gesetzlichen Bestimmungen sprächen es klar und deutlich aus, daß unter Einstellung des Strafverfahrens nur die „Untersuchungshaft", nicht aber eine rechtskräftig gewordene „Strafhaft" zu verstehen fei. Diesen Standpunkt habe der verstorbene Abg. Liebknecht sen. im Jahre 1874 im Reichstage ausdrücklich als richtig anerkannt. Die schlüssige Deduktion von Liebknecht sen. müsse aber billigerweise Liebknecht jun. gelten lassen. Die rechtskräftige Verurteilung Liebknechts sei seinen Wählern bekannt gewesen und sie hätten es sich nur selbst zuzuschreiben, wenn sie jetzt ohne Vertretung im Abgeordnetenhaus« wären. Ein Begnadigungsrecht aber könne den Wählern nicht zuerkannt werden. Falls eine andere politische Partei Kommissionsberatung beantragen würde, könnten seine politischen Freunde dem ^stimmen. Sonst aber würden sie den Antrag Borgmann glatt ablehnen. (Beifall.) Auch die folgenden Redner wandten sich gegen den Antrag. Schließlich wurde er, einem Anträge des Dr. Friedberg (nl.) folgend, an die Geschäftsordnungskommission verwiesen, um eine Grundlage für eine konstante Praxis in solchen Angelegenheiten zu gewinnen. Ebenfalls an die Ee- schäftsordnungskommisfion ging der Antrag Dr. Ezuman u. Gen. (Pole) betr. Einstellung eines Strafverfahrens gegen den Abg. Switala. Bei der Fortsetzung der Beratung der Besoldungsvorlage trat Abg. Roeren (fteikons.) für eine möglichste Schonung des Mittelstandes bei Aufbringung der Mittel für die Aufbesserungen ein. Dem Abg. Dr. v. Zazdzewski (Pole), der
Di« ZnfertionSgebühr beträgt für bie 7gespaltene Zeile "der deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — .
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vt2» <5vv Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21. **
Donnerstag. 29. Oktober 1908.