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Marourg
Lonntag. 25. Oktober 1908.
Die Insertionsgebüur beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum iS Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, llnioersitatsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. H i tz er o t h, Rlarburg, Dtarkt 21. — Telephon 55.
43. Jahrg.
Zweites Blatt.
Deutsches Kapital im Orient.
Der Kaiser hat durch unseren Bot- fchaster am Goldenen Horn ausdrücklich erklären lassen, daß die deutsche Regierung in keinerlei Zusammenhangs gestanden habe mit dem von Oesterreich-Ungarn getanen Schritte auf dem Balkan. Das ist von der deutschen Presse mit Genugtuung festgestellt worden, und in der Tat entspricht dieser neueste Schritt unserer Reichsregierung in auswärtigen Dingen genau dem Programm, das seit langen Jahren in Stambul für unsere Diplomaten maßgebend gewesen ist. Es ist uns von freundnachbarlicher Seite oft genug die stille Absicht untergeschoben worden, daß wir im gegebenen Augenblick das enge und freundschaftliche Verhältnis, das zwischen den Herrschern des Deutschen Reiches und der Ottomanischen Monarchie besteht, dazu ausnützen würden, uns territoriale Vorteile im Gebiet des Osmanischen Reiches zu sichern. Diese Verdächtigung wurde besonders stark kolportiert, als deutsches Kapital sich in Anatolien und Mesopotamien festlegte und dort Kulturarbeiten in Angriff nahm, die sich der besonderen Förderung der türkischen Regierung erfreuten. Das Deutsche Reich hat aber offiziell dabei wohlweislich alles vermieden, was nach territorialen Annektierungsgelüsten riechen konnte. Die Schenkung der Dormition in Jerusalem durch den Sultan an unseren Kaiser wurde sofort von diesem den religiösen Wünschen der katholischen Christenheit dienstbar gemacht. Das Geschrei, welche die englische Presie erhob, als gefällige Zeitungsschreiber die angebliche Absicht des Berliner Auswärtigen Amts, den Hafen Kuweit zu einem deutschen zu machen, in die Blätter lanzierten, erwies sich sehr bald als Lärm em nichts. Ja die deutsche Politik ging sogar so weit, sich in der Akaba-Affäre durchaus zurückhaltend zu benehmen, um nicht in Reibereien zwischen drei Mächten und der Hohen Pforte eine Rolle spielen zu müsien. Die Interessen der deutschen Regierung im Orient haben nichts mit den Protektoraten und Annektionen zu tun. Sie beschränken sich vielmehr darauf, die Beziehungen zwischen Berlin und Konstantinopel stets so ungetrübt zu erhalten, daß das deutsche Kapital, das im Orient arbeitet, dies ohne ernste Beunruhigung und unter dem Schutze der türkischen Regierung tun kann. Diese Politik entspringt lediglich der Erwägung, daß einmal das deutsche Kapital im türkischen Reiche berechtigt die Forderung hat, von den diplomatischen Vertretern des Reiches und der Berliner Regierung unterstützt und geschützt zu werden, dann aber der nichtigen Einsicht, daß die Türkei, falls man ihr den Uebergang zu einer wirtschaftlichen Gesundung durch Zufuhr eines stillen, aber zielbewußt arbeitenden Kapitals erleichtert, in Zukunft ein Land sein wird, das für deutschen Export, deutsche Industrie und deutsches Kapital wertvoller sein dürfte, als es heute der Durchschnittsdeutsche ahnt. Wir geben auf Grund uns zugängig ge-
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Getrennte Welten.
Roman von Clarisfa Lohde.
iftortlefcung.)
Editha schob die Bittende sanft von sich. 4 sprechen wir nicht weiter darüber; wenn Du mich lieb hast, Asta, kein Wort mehr davon. Es wäre ja auch umsonst."
„Umsonst? Wie soll ich das verstehen, Editha?"
„Ja," sagte Editha, sich von ihrem Sitz erhebend, „denn mein Entschluß ist gefaßt. Es wäre Torheit, nach allem, was geschehen ist, noch an ein weiteres friedliches Zusammenleben zu denken. Ohne diesen Frieden aber vermag ich nicht zu existieren, gehe ich zu Grunde. Ich gebe Dietrich daher seine Freiheit zurück."
„Das, das wolltest Du tun?" schrie Asta nun auf. „Editha, nein, das spricht nicht Dein gütiges Herz. Das spricht allein Deine augenblickliche Erregung, Dein berechtigter Unwille. Du wirst Dich anders besinnen, es Dir anders überlegen."
Editha machte eine hastige abwehrende Bewegung.
„Dringe nicht weiter in mich," bat sie mit erlöschender Stimme, während ihre Hand sich, wie nach einer Stütze suchend, auf den Tisch lehnte. „Ich brauche noch meine Kraft und fürchte, daß ich am Ende damit bin, wenn ich mich nicht aus diesem Wirrwarr der Empfindungen emporringe, die doch immer in der einen sich zusammenfinden."
„Und war willst Du tun?" fragte Asta beklommen.
Für's erste, sobald es angeht, nach Frauen-
machten Materials in großen Zügen die Hauptmaste des deutschen Kapitals an, soweit es im Orient festgelegt ist. Die Gesamtsumme dieses deutschen Geldes ist eine gewaltige, sie beträgt gegenwärtig nach guter Schätzung nicht weniger als 520 Millionen Mark.
Dieses deutsche Kapitel ist in erster Linie tätig in den Verkehrsunternehmungen, welche in den letzten Jahren von deutscher Seite aus türkischem Boden in Angriff genommen wurden. An der Spitze dieser Arbeiten steht die Anato- lische Eisenbahn-Gesellschaft mit 1032 Kilometer Strecke. Die eingezahlten Aktten im Gesamtwerte von 40 Millionen Mark sind fast ausschließlich in deutschen Händen, ebenfalls die Obligationen im Gesamtwerte von 128 Millionen Mark. Die Anatolische Eisenbahn-Gesellschaft besitzt auch die Mehrzahl der Aktien und Obligationen der Bahngesellschaft Mersina- Tarsus-Adana, deren Aktienkapital nominell £ 207 000 und deren Obligationskapital £ 246 000 beträgt.
Das Eisenbahnunternehmen, das gegenwärtig im Vordergründe deutscher Arbeiten im Orient steht, wird ausgeführt von der Kaiserlich Ottomanischen Bagdad-Eisenbahn-Gesellschaft. Erst vor kurzem teilte die deutsche Preste mit, daß der leitende Ingenieur nach Damaskus ab- gereist sei und die Weitertrassterung dieser Bahn von deutschen Ingenieuren betrieben werde, so daß bis Weihnachten die Bahnspur bis Alepo sicher sei. Bisher sind von der Bagdad-Eisenbahn gebaut 2050 Kilometer; Bauverträge find bereits für weitere 840 Kilometer abgeschlossen. Das notwendige Bau- und Betriebskapital besteht aus bezahlten Aktien und der Bagdad-Anleihe Serie I im Werte von rund 50 Millionen Mark. Die Attien sind zu einem erheblichen Teil in deutschen Händen, in denen auch die Führung des Unternehmens liegt. Die Bagdad- Anleihe ist vorwiegend in Deutschland unter- gebracht.
Von der Hafengesellschaft Haidar Pascha mit einem Kapital von rund 10 400 000 J*. sind die Aktien und Obligationen fast ausschließlich in deutschem Besitz, ebenso von der Eisenbahngesellschaft Salonik-Monastir mit rund 55 000 000 J*., der Betriebsgesellschaft der OrientalischenEisen- bahnen mit rund 40 000 0000 M.
Insgesamt sind in den fünf genannten Unternehmungen investiert ca. 325 000 000 «M., von denen 240—250 000 000 J*. deutsches Kapital sein dürften.
Von Anleihen ist die vierprozenttge Otto- manische Staatsanleihe von 1903 (im Umlauf rund 48 000 OOOJt) fast ausschließlich in Deutschland plaziert; ebenso die vierprozentige Kaiserlich Ottomanische Anleihe von 1905 (im Umlauf rund 48 300 000 ferner die vierprozenttge Konvertierte Unifizierte Ottomanische Anleihe von 1903 (im Umlauf rund 600 000 000J0 und Türkenlose im Umlauf rund 150 000 00 J*., sind zusammen rund 750 000 000 <M.. Davon sind 90-100 000 000 in deutschem Besitz. Demnach ist der deutsche Besitz an türkischen Anleihen auf ca. 170—180 000 000 M zu schätzen.
Zu den in den Verkehrsunternehmungen und Anleihen investierten Kapitalien tritt noch das arbeitende Kapital der in der Türkei ansässigen
stein zurückkehren, um von dort das weitere zu verhandeln."
„Du willst also Dietrichs Rückkehr nicht abwarten, ihn nicht anhören?"
Sie schüttelte nur den Kopf, während ein krampfhaftes Beben ihren ganzen Körper durchzuckte.
„Du siehst, ich kann nicht!"
Asta wandte sich ab; auch in ihre Augen traten Tränen. Zum ersten Male kam ihr voll zum Bewußtsein, wie schwer ihr Bruder sich an dieser Frau versündigte.
Editha war in ihrem Stuhl zurückgesunken und saß da, den Kof in deck Händen bergend. Asta trat an sie heran und drückte einen Kuß auf ihre Haare. Dann verließ sie schweigend das Gemach. Als ihr Gemahl gegen Mittag von der Wanderung heimkehrte, fand er Asta seiner schon in höchster Aufregung harrend.
„Es ist alles vergeblich gewesen," rief sie ihm entgegen. „Alles — Editha ist unversöhnlich. Sie reist morgen schon mit dem Kinde nach Frauenstein ab." Und sie erzählte dem Grasen, was sie mit Editha gesprochen hatte und was das Resultat ihrer Unterredung gewesen war.
„Laß sie gehen," meinte der Graf, als Asta geendet. „Vielleicht ist es das Beste, daß sich die Gatten vorläufig nicht wiedersehen. Hoffen wir auf den Einfluß der alles ausgleichenden Zeit."
XVIII."
Die unwillkommene Begegnung auf dem Fernstein drückte doch mehr auf Dietrichs Stimmung, als er sich selbst gestehen mochte. Er konnte ein inneres Unbehagen nicht los werden. Wenn Graf Holm plauderte? Er teilte das Vertrauen seiner Begleiterin zu desten Diskretion keineswegs. Auch ihm, wie seinem Schwager
deutschen Handelshäuser. Die Denkschrift des Reichsmarineamts vom Jahre 1905 über »die Entwickelung der deutschen Seeinteresten im letzten Jahrzehnt" schätzt die Summe dieser Kapitalien auf 70—80 Millionen. Jetzt dürfte sie auf ca. 100 000 000 J*. zu veranschlagen sein. Insgesamt find also an deutschem Kapital investiert ca. 520 000 000 <M..
Neuordnung des höheren Mäochen- jÄulwesens.
Der Kultusminister Dr. Holle teilt unterm 15. Oktober dem Landtage schriftlich mit, daß ein Allerhöchster Erlaß von: 15. August ds. Js. ihn ermächtigt habe, die höheren Mädchenschulen sowie die weiter führenden Bildungsanflalten für die weibliche Jugend als höhere Lehranstalten in den Aufsichtskreis der Provinzialschul- kollegien mit der Maßgabe zu überweisen, daß hinsichtlich der Rang- und Titelverhältnisse der Direktoren und akademisch gebildeten Oberlehrer die für die höheren Lehranstalten der männlichen Jugend geltenden Borschristen entsprechende Anwendung finden. Dabei ist in der Weise zu verfahren, daß die mit Lyzeen, höheren Lehrerinnenseminaren oder Studienanstalten verbundenen öffentlichen höheren Mädchenschulen und die für sich bestehenden öffentlichen Lyzeen, höheren Lehrerinnenseminare und Studienanstalten ebenso wie die Vollanstalten unter den höheren Lehranstalten für die männliche Jugend, hingegen die für sich bestehenden öffentlichen höheren Mädchenschule' wie die höheren Lehranstalten für die männliche Jugend mit geringerer als neunjähriger Kursusdauer behandelt werden. Exemplare der auf Grund dieser Ermächtigung am 18. August erlassenen Bestimmungen über die Neuordnung des höheren Mädchenschulwesens waren der Mitteilung beigefügt.
Kein Wahlbier mehr in Bayern.
Wie der „Bayrische Kurier" mitteilt, hat das dortige Ministerium des Innern folgende Verfügung erlaßen:
„In der Kammer der Abgeordneten wurde wiederholt auf die namentlich in Unterfranken und in der Pfalz bestehende Unsitte hingewiesen, daß bei den Gemeindewahlen eine Wahl- beeinflustung durch Gewährung von Zechfreiheit an die Wähler geübt wird. Derartige Vorgänge müssen auf das schärfste verurteilt werden. Sie sind nicht nur mit der Würde des Eemeinderats, das auf solchem Wege gewonnen werden will, unvereinbar und geeignet, bestehende Parteigegensätze zu verschärfen und Ausschreitungen zu veranlaßen. Sie können auch zu einer Bestrafung nach § 109 des Reichsstrafgesetzbuches (s. das oberstrichterliche Erkenntnis vom 22. Januar 1877, Ministerialamtsblatt S. 71—76) führen und nach Artikel 175 und 104 der beiden
Alten war Graf Holm nie eine angenehme Persönlichkeit gewesen. Er hatte etwas Hämisches in seinem Charakter, etwas, das sich an anderer Unglück freute. Dazu die Neigung, sich jedermann anzufreunden, bei dem er ein großes Portemonnaie und luxuriöse Bewirtung voraussetzen durfte. Wie er wieder den Galanten bei dieser Berliner Bankiersfamilie gespielt hatte, gerade dieser, die Dietrich besonders verhaßt war, weil eins ihrer Mitglieder seinen Namen, den stolzen Namen Rothenfels führen sollte. Widerwärtigkeit nach Widerwärtigkeit! Mit dem Tode des Vaters schien in Wahrheit das Unglück über ihn hereingebrochen zu sein; Verluste an Geld und Ansehen, und dazu das seltsame Verhalten seiner Frau, die, solange der Vater gelebt hatte, sich in alles zu finden schien und jetzt so aufsässig sich zeigte; die jetzt Bedingungen machte und Forderungen an ihn zu stellen können glaubte. Und warum? Wieder um des elenden Geldes willen, das ihm durch des Vaters Testament geraubt worden war. Ja, geraubt! Immer mehr bohrte er sich in diesen Gedanken hinein. Jener so plötzlich auftauchende Halbbruder Bruno trug an allem die Schuld.
Und die Macht, die dieser Mensch ausübte! Selbst seine stolze Schwester hatte sich bereits mit dem Gedanken an diese plebejische Verwandtschaft ausgesöhnt. Graf Alten begegnete diesem neuen Rothenfels wie einem Gleichgestellten, ja, huldigte sogar noch seinem Talent. Ein Rothenfels Schriftsteller, der jetzt mit dem Herrn So oder So, einem Anhänger der Sozialdemokratie, in die Schranken, in einen Wettkampf auf den Brettern.trat. Es war nicht aus- -udenken. Auch euf Fräulein Randolf wirkte
Gemeindeordnungen Ungültigkeit der Wahl sowie den Verlust des Wahlstimmrechtes und bet Wählbarkeit der betreffenden Wahl zur Folge haben. Die Eemeindeaufstchtsbehörden habe« daher dieser Unsitte, soweit sie in den Gemeinden ihres Bezirkes besteht, mit allem Nachdrucke entgegenzutreten, insbesondere vor Abhaltung der ordentlichen Wahlen entsprechende Belehrungen und Verwarnungen unter Hinweis auf die schweren strafrechtlichen Folgen einer Wahlbestechung zu erlaßen und bei nach- gewiesener Wahlbeeinflußung Strafanzeige zu erstatten, die Nichtigkeit der Wahl zu erklären und dem Gewählten die Bestätigung zu versagen."
Diese Verfügung ist sehr zeitgemäß und regt zur Nachahmung an. Wie steht es aber mit den weit verwerflicheren Beeinflußungen der Wahlen durch Terrorimus, wie er durch die Sozialdemokratie ausgeübt wird?
- Eine Enquete über die Dienstbotenver- haltnisse. Der Bund deutscher Frauenvereine hat eine Enquete über die Dienstbotenverhält- niste veranstaltet. Solche Privatenqueten haben an und für sich nur höchst selten eine Bedeutung; denn sie sind unter allen Umständen lückenhaft und unzuverlässig. Aber so traurig mag selten das Ergebnis einer Privatenquete sein, wie das der neuesten Frauenvereins-Enquete. Frl. Dr. Else Conrad berichtete nämlich auf der Breslauer Generalversammlung des Bundes darüber folgendermaßen: In zwanzig Städten seien Fragebogen ausgegeben worden, hätten aber vielfach keine Beachtung gefunden. So seien in Breslau nur von 50 Dienstboten und 30 Hausfrauen Antworten eingegangen. Die Rednerin bestritt das Vorhandensein einer wirklichen Dienstbotennot, die in einem empfindlichen Mißverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage ihren Grund habe; eine Dienstbotennot bestehe nur insofern, als Mangel an geschulten, für den Beruf ausgebildeten Kräften sei. Wie diesem abzuhelfen sei, habe man in München gezeigt, wo junge Mädchen als Lehrlinge in einfache Haushaltungen eingestellt würden. Neben solchen häuslichen Lehrstellen empfahl die Rednerin die Einrichtung wirtschaftlicher Unterrichtskurse. Die Löhne der Dienstboten seien nicht zu niedrig, doch würden die Mädchen von den Stellenvermittlerinnen zu höheren Forderungen aufgereizt. Uebelstände seien noch hinsichtlich der Wohnung und der freien Zeit zu beseitigen; das von manchen empfohlene Wohnen der Dienstboten außer dem Hause betrachte die Rednerin jedoch, weil dadurch ein persönliches Vertrauensverhältnis unmöglich gemacht würde, als unangebracht. Diese Ansichten sind jedenfalls verständiger, als sie bisher unter den Führerinnen der Frauenbewegung hervorgetreten sind. Ob man sich von der Einrichtung wirtschaftlicher Unterrichtskurse für Dienstmädchen etwas werde zu versprechen haben, erscheint uns zweifelhaft. Der praktische Unterricht im Dienst eines einfachen gut geleiteten Haushal» allmählich die üble Laune ihres sonst stets aufgeräumten Verehrers.
„Für diesmal ist es mit dem Vergnügen nichts," dachte sie, und schützte daher, als man in Imst angelangt war, eine Verabredung mit Freunden vor, die sie nach Bregenz riefe.
„Dann auf Wiedersehen in Baden-Baden," sagte der Baron, ohne auch nur einen Versuch zu machen, sie zurückzuhalten.
Auf dem Bahnhof trennte man sich. Der eine fuhr nach Westen, der andere nach Osten. Aber was nun? Nach Partenkirchen jetzt schon zurückkehren, das mochte Dietrich nicht. Editha hatte ihn beim Abschiede mit so fragenden Augen angesehen, und er scheute diese Augen. So entschloß er sich denn, um doch etwas von dem, was er seiner Frau vorgeredet hatte, zur Wahrheit zu machen, dem Fürsten Soeben den in München ihm vorsprochenen Besuch zu machen. Der Fürst besaß große Güter zwischen Kufstein und Salzburg. Er war reich, unverheiratet und hielt ein offenes Haus. Dietrich wußte, daß er dort willkommen sein sein würde, und so war es auch. Schloß Ebersbach öffnete im Sommer und Herbst, welche Zeit der Fürst dort zuzubttngen pflegte, jedem seine Tore, der den Vorzug hatte, mit dem Besitzer bekannt zu sein und deßen Neigungen für Sport und Jagd zu teilen. Man konnte dort ganz nach seinem Gefallen lebei^ allein auf Hühnerjagd gehen, oder mit einem Führer ins Hochgebirge steigen, um auf Gemsen zu pürschen. Auch war der Chiemsee nicht weit für die Liebhaber des Waßersports. Und dann das Gestüt! Dieser Stolz des Fürsten, die herrlichen Raßenpferde, das Arabervollblut mit den feinen Köpfen und zierlichen Füßen, die seh- eigen, schlanken englischen Renner l (Forts, f.)