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Marburg

Sonntag, 25. Oktober 1908.

Dt« Jnsertionsgebübr beträgt für di« 7gespaltene Zelle oder deren Raum 15 Pfennig, slir Reklamen 30 Pfennig.- Druck und Verlag: Job. Äug. Koch, llniversitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. L. H itzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

43. Jahrg.

Drittes Blatt.

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Von der gestrigen Fahrt des Grafen Zeppelin

Kegen folgende Meldungen vor:

Friedrichshafen, 23. Okt. Soeben. Wz Uhr, fährt die königliche JachtKondwira- mur" mit der Königin an Bord nach Manzell. Der König steht auf der Schloßgartenterrasft und erwartet von dort den geplanten Aufstieg Die Familie des Grafen Zeppelin und Frhr. v. Bassus sind schon in Manzell, während die Ingenieure Dürr und Kober seit zwei Stunden in der Luftschiffhalle weilen, um die letzten Vorbereitungen zu treffen. Der württem'ber- gische Extradampfer fährt soeben aus dem Ha­fen. Der Wind ist abgeflaut. Der Aufstieg ist binnen einer Stunde zu erwarten.

Friedrichshafen, 23. Okt., ' 2 Uhr 5 Min. nachm. Der Ballon ist soeben -glatt aus­gestiegen und fährt über das Schloß in der Richtung nach Friedrichshafen zu.

Friedrichshafen, 23. Okt. Das Luft­schiff ist von Friedrichshafen nach Manzell zu­ruckgekehrt. Es hat über der Ballonhalle ge­wendet und nahm bann zum zweiten Male den Kurs auf das Schloß zu, ging also, ebenso wie bei Beginn, sofort gegen den Wind. Das Ur­teil geht allgemein dahin, daß der Gang dieses Luftschiffes noch eleganter und sicherer ist, als der des bei Echterdingen verunglückten. Als die Königin auf der Königlichen Jacht in Manzell eintraf, erschien um 1% Uhr das Heck des Luft­schiffes am Ausgange der Halle. Knapp 10 Minuten später war das ganze Luftschiff aus der Halle heraus und um 2 Uhr 5 Min. stieg es auf. In diesem Augenblicke brach die Zu­schauermenge am Ufer und auf dem Extradamp­fer in brausende Hochrufe aus.

Friedrichshafen, 23. Ott. Das Luft­schiff hat bis jetzt, 5 Uhr nachmittags, eine über alle Erwartung glänzende und erfolgreiche Fahrt gehabt. Es steuerte zunächst das würt- tembergische Ufer entlang, ging dann über den

VkMivv Ncolai.

Zum Gedächtnis des 300jährigen Todestages D. Philipp Nicolais, der als Kind des Wald­ecker Landes, als Sohn des aus Westfalen stammenden Dietrich Nicolaus Rafflenboel zu Mengeringhausen am 10. August 1556 geboren und als Hauptpastor an der St. Katharinen­kirche zu Hamburg am 26. Oktober 1608 verstor­ben ist, hat aufVeranlassung des Fürstlich wald- eckischen Konsistoriums zu Arolsen Professor D. Viktor Schultze zu Gräfswald, welcher sel­ber ein Waldecker Landesttnd durch seineWald- eckische Reformationsgeschichte, Leipzig 1903 und durch die von ihm redigiertenWaldeckischen Ceschichtsblätter" als der beste Kenner der wald­eckischen Geschichte in der Gegenwart erwiesen hat, eine kleine Schrift gedruckt zu Mengering­hausen 1908, 79 S. ausgehen lassen, welche der gesamten deutschen evangelischen Kirche, in wel­cher Nicolais Lieder gesungen werden, eine will­kommene Gabe sein wird. Dieselbe ist gleichwie dieReformattonsgeschichte" mit vielen Bildern Nicolais, feiner Eeburtsstadj, seines Geburts­hauses und der Orte und Kirchen seiner Wirk­samkeit, Herdecke, Wildungen und Unna, sowie des Grabdenkmals des zu Tübingen jung ver­storbenen Grafen Ernst Wilhelm, Nicolais Zög­lings, schön illustriert. Die waldeckische hält auch, wo sie zerstreut ist, ähnlich zusammen und ehrt die großen Männer, welche das Land her­vorgebracht hat. Das Denkmal, welches hier das Landeskonsistorium durch den Verfasser reicht über die Grenzen Waldecks weit hinaus: es ist im Namen und aus Dankbarkeit der ganzen deutschen evangelischen Christenheit dem großen Kirchenliederdichter und Sänger gesetzt, der zwar nur vier Kirchenlieder gedichtet hat ein fünftes ist verloren aber darunter die Lieder:Wachet auf, ruft uns die Stimme undWie schön leuchtet der Morgenstern, welche mit Recht als der König und die Königin der evangelischen Choräle bezeichnet worden find. Bunsen, ebenfalls ein geborener Wald­

See zum schweizerischen Gestade und kehrt« darauf wieder in der Richtung nach Manzell zurück. Es fuhr verschißene Male über das Schloß Friedrichshafen hinweg und steuerte auch landeinwärts. Um 5 Uhr wandte es sich wieder nach Manzell, wo es sich anscheinend an­schickte, in die schwimmende Halle einzulaufen.

Friedrichshafen, 23. Ott. Das Luft­schiff des Grafen Zeppelin ist nach glänzender 3Mündiger Fahrt um 5 Uhr 30 Min. in der schwimmenden Halle von Manzell glatt ge­landet.

Berlin, 23. Ott. Dem Grafen Zeppelin sind aus Friedrichshafen heute nachmittag fol­gende Telegramme zugegangen: Erstens: 3 Uhr 20 Minuten sehr guter Aufstteg. Stabilität, Steuerung, Geschwindigkeit ausgezeichnet. Zwei­tens: 7 Uhr 6 Akin. Fahrt von 3ya Stunden tat­sächlich ausgezeichnet. Steuerung mit einem und mit zwei Motoren sowie einem und zwei Steuern gleich gut.

Stuttgart, 23.. Ott. Uebet die heutige Fahrt des Zeppelinschen Luftschiffes erfährt bet Schwäbische Merkur von fachmännischer Seite aus ber Umgebung des Grafen Zeppelin: Das Luftschiff wurde um 1 Uhr 40 Minuten aus ber Halle gebracht und um 2 Uhr erfolgte ber Auf­stieg. An ber Fahrt nahmen zehn Personen teil. In ber oorberen Gondel befand sich Gras Zeppelin jun., Oberingenieur Dürr, zwei Unter­kapitäne und zwei Monteure. In der hinteren Gondel Ingenieur Stahl, Leutnant von Bran- benftein und zwei Monteure. Es herrschte mäßi- aer Nordostwind. Der Abstieg erfolgte um ,5y2 Uhr. Steuerung vorzüglich, ebenso Stabilität und Geschwindigkeit. Letztere wird auf etwa 13 bis 14 Sekundenmeter geschäht. Die Höhe, in ber sich das Luftschiff bewegte, betrug 200 bis 300 Meter; das Luftschiff gehorchte auch dem leisesten Steuerdruck.

Berlin, 23. Okt. Wie wir aus durchaus zuverlässiger Quelle erfahren, löste sich ber Konflikt zwischen dem Grafen Zeppelin und dem Major Groß dadurch in nichts auf, daß die Veranlassung als gar nicht bestehend erwiesen wurde.

Tagung des Ausschusses der Landes-Versicherungsanstalt

Hessen-Nassau.

Cassel, 17. Oktober.

Am 14. und 15. Oktober b. I. fanb zu Cassel im Sitzungssaale ber Landes-Nersichetungsan- stalt die alljährliche orbentliche Tagung bes Ausschusses dieser Anstalt statt. Zu Beginn der Sitzung würbe vom Ausschuß das bisherige Präsibium burch Zuruf auch für das kommende Jahr neu bestellt und zwar Justizrat und Fa­brikbirektor Haeuser-Höchst am Main zum Vor- sitzenben, Kraiikenkassen-Kontrolleur Brank-

ecker, nennt das Morgensternliebeines der er­habensten lyrischen Gedichte deutscher Zunge und einen wahren Kirchenhymnus" und Albert Knapp sieht in ihmdas herrlichste und süßeste von allen deutschen Liedern". Beide erhabene Lieder find während Nicolais Amtszeit zu Wil- bungen und zwar sowohl ihr Text, wie ihre Me­lodien von ihm verfaßt. Nach feiner Wildunger Zeitverläßt ihn mit dem heimatlichen Boden die Sangeslust. Ein wirklicher, ein gottbegna- betet Dichter war Nicolai". Beibe Kirchen­lieder werden neben denen von Luther, Paul Gerhard ufw. für alle Zeiten im evangelischen Gottesdienst ihre Stelle behalten. Beide sind schon früh ins Plattdeutsche übertragen worden. Die Anfangsbuchstaben des Morgensternliedes ergeben den Satz: Wsilhelm) Esrnst) E(raf) v(und) H(err) z(u) W(aldeck), ebenso die An­fangsbuchstaben des Liedes von der Stimme zu Mitternacht rückwärts gezählt: Gfraf z(u) W(aldeck). Nicolai hat darin seinem gräflichen Zögling ein Denkmal gesetzt.

Eine Erzählung, die in ihrem Kern auf den Dichter selvsi zurückgeht, berichtet, daß er, als das Moroc ' rnlied entstand, so hingenommen war vcn . 'engebanfen des himmlischen Lebens, ,,b' ber orbentlichen Mahlzeit dat- iiber vergessen, und als er von den (»einigen dazu Berufen worden, habe er sich zu kommen geweigert mit dem Bedeuten, er fei jetzo fo ge­sättigt von einer innerlichen geistlichen Freube, baß et weder Hunger, noch Durst am Leib« fühle, würde auch weder essen, trinken, noch ruhen, bis er diese seine geistlichen Freuden­gedanken an diesem Lied in Ordnung und zu Ende gebracht habe. Als endlich nachmittags 3 llhr das Lied fertig war, soll er ungemein Freude darüber empfunden haben.

Wie Dr. phil. Nicolai zu dem benachbarten Westfalen, wo er vor und nach seiner Wildunger Amtszeit zu Herdecke und Unna im Amte ge­standen, ja bis nach Holland hin Beziehungen und Einfluß hatte, so konnten ihm solch« auch nach dem nahen Hesse« nicht fehle«, wo der itzmfen

mann-Cassel zu dessen Stellvertreter. Stabtrat Ruetz-Cassel zum Schriftführer, Papierfabrikant Mittler-Wetter tntb Krankenkassen-Vorfitzenber Gerhardt-Wiesbaden zu Beisitzer« des Aus­schusses.

Die Rechnung über die Einnahmen und Aus­gaben bei der Versicherungsanstalt für das Jahr 1907 war bereits vorher durch die vom Ausschuß eingesetzte ständige Rechnungs-Prüfungskommis­sion einer eingehenden Prüfung unterzogen. Auf Antrag dieser Rechnungs-Prüfungskommis­sion wurde dem Vorstand für die Rechnungs- führunK des Jahres 1907 Entlastung erteilt und gleichzeitig di« Ueberschreitung einzelner Aus­gabetitel gegen den Haushaltungsplan geneh­migt. Dabei wurde es vom Ausschuß mit ganz besonderer Genugtuung begrüßt, daß der Vor­stand die im Haushaltungsplan vorgesehene Vorlage für Krankenfürsorge, nachdem sich her- ausgestellt hatte, daß dieselben infolge überaus zahlreicher Gesuche um Uebernahme des Heilver­fahrens unzureichend feien, in Höhe von 150 000 J*. überschritten hat. Diese nachträglich« Genehmigung etwaiger Etatsüberschreitüngen beim Heilverfahren war vom Ausschuß schon bei der Beratung des Haushaltungsplanes für 1907 in Aussicht gestellt, sobald sich ergebe, daß die zunächst vorgesehene Vorlage dem zu Tage tre­tenden Bedürfnis nicht entspräche. Ebenso waren die Mittel, welche für außerordentliche Unter­stützung von Angehörigen der in Krankenhäu- fern untergebrachten Verletzten im Etat vorge- fehen sind, start überschritten und zwar in Höh« von rund 18 500 M. Auch diese Mehrausgabe wurde gern nachträglich genehmigt.

Es wurde sodann der Haushaltungsplan für das Jahr 1909 auf das eingehendste durchbe- raten und zum Schlüsse die Vorfchläge des Ee- samtvorstandes zu allen einzelnen Kapiteln un­verändert genehmigt, wie auch das Reicbsvet- sicherungsamt sich vorher mit dem vorgeschlage­nen Haushaltungsplan überall einverstanden erklärt hatte. Dabei ist hervorzuheben, daß die Verlage für Kosten der Krankenfürsorge für das Jahr 1909 wiederum eine Vermehrung um 100 000 cM erfahren haben, so daß für das Jahr 1909 dem Vorstand für diese Zwecke überhaupt 700 000 M zur Verfügung stehen werden und zwar wiederum mit der Ermächtigung, falls auch dieser Verlag sich als unzureichend erweisen sollte, denselben entspreibend überschreiten zu dürfen. Eine längere Erörterung schloß sich an die Frage ber Unterstützung ber Angehörigen ber in Krankenhäusern untergebrachten Ver­sicherten an und mürbe dabei ber Wunsch laut, zu versuchen, ob es sich nicht ermöglichen lasse, für biefe Zuwenbungen bestimmte Grundsätze aufzustellen und dabei insbesondere eine Staffe­lung der Beihilfen vielleicht in ber Weise einzu­treten lassen, daß besonders ttnberreiche Fami­lien entsprechend höher und nach bestimmten Grundsätzen unterstützt würden. Der Landes­hauptmann Freiherr Riedesel zu Eisenbach gab

gleichgesinnte schwäbische Theologe D. Aegidius Hunnius einen weitgehenden Einfluß auf die studierenden Theologen und die oberhessischen Geistlichen ausübte und bei letzterer viele Freunde sich erworben hatte. Doch sind diese Be­ziehungen für Nicolai schließlich schmerzlich, für den Landgrafen Wilhelm IV., ber bett Bei­namen bes Weisen trägt, nicht gerade ehrenvoll gewesen. Im Monat August 1590 hielt sich Nicolai vierzehn Tage in Marburg auf, wo et schon 1589 mit feinem Bruder Jeremias den D. Hunnius besucht hatte; er ließ sich immatri­kulieren und verteidigte am 15. August unter des Hunnius Vorsitz im theologischen Audi­torium Thesen zur Erlangung ber theologischen Doktorwürde, um auch hierdurch seinen theolo­gischen Gegnern sich als ebenbürtig zu erweisen. Euenius sandte diese Thesen mit einem empfeh­lenden Vorwort und Zuschrift an die drei wald- eckischen Lanbessuperintenbenten unb empfahl barin ben Ph. Nicolai wegen seiner vielen unb ausgezeichneten Gaben ben Superintendenten, welchen er durch diesen Anlaß einen Beweis seiner Zuneigung unb Wertschätzung geben wollte. Da griff Sanbgraf Wilhelm, ber sich selbst für einen der größten, jedenfalls urteils­fähigsten Theologen hielt, in die Promotions- verhanblung ein unb verbot am 4. September 1590 der Universität die Erteilung der theol. Doktorwürde an Nicolai, der sich einen Pfarr­herrn auf der Altstadt Wildungen nannte, und ließ sich bis zu offenbaren ungerechten Vorwür­fen und Beleidigungen gegen die Universität hinreißen, der et Gewinnsucht und sogar den Abfall des jüngeren Joh. Pistorius zum Vor­wurf machte, welcher vor 23 Jahren in Mar­burg ben mebizinftch-en Dottorgrab erworben hatte, dann in die Welt hinausgegangen «;b im Dienste badischer Fürsten 1575 zum reformierten Bekenntnis und endlich 1588 zur katholischen Kirche tibergetteten war. Alle diese dünkelhaf­ten Anmaßungen und ungerechten Vorwürfe waten nur di« Folgen des Hasses des Lanbgra- gegen Hunnius «nb die Lutheraner. Nach

als Vorsitzender des Vorstände» die Erklärung ab, daß er diesen Gedanken gern in Erwägung ziehen würde, zumal hierdurch die Dezernente« eine nut willkommene Entlastung erführe« und denselben die in den einzelnen Fällen oft überaus schwierige Entscheidung übet bas Mehr bet zu bewilligenden Beihilfe abgenommen würde.

Im Anschluß an die Beratungen des ersten Derhandlungstages unternahmen Ausschuß und Vorstand einen gemeinschaftlichen Ausflug nach Dbertaufungen zwecks Besichtigung der Lungen­heilstätte daselbst. Die Einrichtungen bet Heil­stätte fanben allseitige Anerkennung unb man schieb mit dem Bewußtsein, baß für die dort untergebrachten Kranken in bet denkbar besten Weise gesorgt fei.

Infolge bet sich fortgesetzt mehrenden An­träge auf Gewährung von Heilstättenkuten lassen sich die Wünsche ber Kranken, und namentlich bet weiblichen Kranken, auf schnelle Einweisung in eine Heilstätte iemmer schwerer erfüllen. Die Mitglieder des Ausschusses und bes Vorstandes wären daher übereinstimmend der Ansicht, daß eine baldige Erweiterung der Heilstätte Oberkaufungen um mindestens 60 Betten dringend erwünscht fei, und es wurde dem Vorstände die Ermächtigung erteilt,, dem Vaterländischen Frauenverein zu Cassel di« zu diesem Zwecke erforderlichen Kapitalien zur Verfügung zu stellen.

Ferner herrschte darüber allseitiges Einver- ständnis, daß dem Verein für Rekonvaleszenten­anstalten zu Frankfurt a. M. die zwecks Aus­führung ber beabsichtigten Erneuerungsbauten bet Heilstätte Ruppertshain unb der sonst not­wendigen Verbesserungen der Heilstätte erfor­derlichen Mittel zur Verfügung zu stellen seien.

Im Anschluß an ben Etat mürbe rneiter die demnächst bevorstebende Revision des Besol- dungsplanes der Beamten erörtert und er­klärte sich bet Ausschuß ausdrücklich damit ein­verstanden, daß der gesamte Besoldungsplan ent­sprechend dem Vorgeben des Staates unb Rei­ches einer grundsätzlichen Ausbesserung unter­zogen wird und die Aufbesserungen ben Beam- ten rückwäts vom 1. April 1908 ab nachbezahlt werben Es wurde außerbem beschlossen. bem Eesamtvorstand zur Beratung dieser Ange- legenheil eine besondere, aus Mitgliedern de, Ausschusses zu wählende Kommission zur Seite zu stellen. In biete Kommission würben gewählt bis Herren Haueser, Brinkmann, Gerbardt und Ruetz. Enblich würbe noch mit Rücksicht ba-auf, baß bie nächste Tagung bes Ausschusses erst im Herbst 1909 vermutlich ftattfinbet, die Beamten aber unmöglich bis bahin auf bie Auszahlung ber Aufbesserungen warten können, beschlossen, daß die Aufbesserungen alsbald zur Zahlung angewiesen werden sollen, jedoch vorbehaltlich ber nachträglichen Genehmigung durch den Aus­schuß. Soweit die Nachzahlungen für bas Iaht 1908 in Frage kommen, sollen bieselben auf bem

bes Fürsten Tod forderte Landgraf Ludwig IV. zu Marburg zwar bie Universität am 15. Jan. 1593 auf, in ber Promotion fortzufabren, unb bem PH. Nicolai den höchsten theologische» Grad zu erteilen, doch trug bie Universität jetzt Bedenken, solange sich bie beiden Sanbnrafe« zu Cassel und Marburg nicht geeiniat hätten. Nicolai, welchen ber noch vor Wilhelms IV. Tod nach Wittenberg berufene D. Hunnin» schon am 4. Mai 1592 aufgeforbert hatte, bte theol. Doktorwürbe in Wittenberg, sobald e» ihm beliebe, zu empfangen, wurde bann borte« am 11. Juli 1594 in Gegenwart bes Aeg. Hun­nius, Samuel Cesmo u. A. von Prof. D. Po» lycarp Leyser zum Doktor ber Theologie pro­moviert.

Noch wäbrenb feiner Amtszeit zu Hamburg erhielt D. phil. Nicolai zweimal Berufungen nach Wittenberg und einmal nach Greifswald, bie er jeboch aus Li°be zum Pfarramte ablehnte. Dieses Verbot 6. Wilhelms IV. hübet jeden­falls auch ein Glied bet Kette von Streitigkei­ten. welche bie Entfrembung zwischen Hessen- Cassel gegen Wolbeck zur Folge hatten, gleichwie gegen Darmstadt.

Auch in seiner Stellung zu Hamburg hat Ph. Nicolai bie kirchlichen Vorgänge in Hessen unter Moritz mit lebhaftem Interesse begleitet unb seine Teilnahme an ben Leiben bet verjag­ten oberhessischen Pfarrer unb seine Freube über ben ihnen von Landgraf Ludwig IV. z« Darmstadt gewährten Schutz und Hilfe, sowie über die Gründung ber Universität Gießen be­zeugt in mehreren Briefen, welche ebenfalls Prof D. Schultze unlängst in ber Neuen kirch­lichen Zeitschrift (19. Jahrgang) veröffentlicht hat. Di evangelische Christenheit aber wird Ni­colais Lieder vom Morgenstern und von ber Stimme zu Mitternacht singen bis an ihr End« und hat von denselben mehr Gegen, Freube, Lob unb Erbauung gehabt, als von den kirchliche« Maßregeln der Landgrafen Wilhelm IV. und Moritz, an welchen die Nachwelt mehr «nb mehr das Interesse verloren hat. '*> HL