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43. Jahrg.
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«ud de« Beilage«: .Literarischer Anzeiger", „ßaudwirtschafttichr Beilage" ««d „Illustriertes Amrutageblatt".
Die InsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Sonnabend, 24. Oktober 1908. Inhaber"vr. S?H?tzero'th, Marb^q^MarktÄ! —^relephon^'
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 84.
Die Hochzeitsfeier im Kaiserhause.
Berlin, 22. Ott. Die Feierlichkeiten zur Vermählung des Prinzen August Wilhelm mit Ser Prinzessin Alexandra Victoria zu Holstein« »lücksburg im Königlichen Schloß begannen heute nachmittag um 4 Uhr. Um halb 5 Uhr fand im Kurfürstenzimmer die standesamtliche Eheschließung durch den als Minister des königlichen Hauses fungierenden Oberhofmarschall Fürsten zu Eulenburg in Gegenwart der Mitglieder der engeren Familie des Brautpaares statt. Alsdann ordnete sich der große, feierlich« Zug der allerhöchsten und höchsten Herrschaften zur Kapelle. Oberküchenmeister Freiherr v. Pückler und Schloßhauptmann Graf Höhenthal- Doelkau führten das Brautpaar. Der Prinz trug die Uniform des 1. Garde-Regiments, die Prinzessin eine weißes Kleid mit Silberstickereien und alten holsteinischen Spitzen. Sodann folgte unter Vortritt der Hof-, Ober-Hof- und obersten Hofchargen der Kaiser mit der Herzogin Friedrich Ferdinand zu Holstein- Glücksburg. Der Kaiser trug die Uniform des 1. Garderegiments zu Fuß. Herzog Friedrich Ferdinand zu Holstein-Glücksburg führte sodann die Kaiserin, welche ein Kleid in Lila mit Silberstickereien angelegt hatte. Oberhofprediger Dryander mit der Hof- und Domgeistlichkeit erwarteten den Zug tm Eingang zur Kapelle und geleiteten das Brautpaar zum rnyrtenge- schmückten Altar. Nach dem Eemeindegesang vollzog Oberhofprediger Dryander die Trauung. Seiner Ansprache legte er das Bibelwort zu Grunde: Seid fleißig, zu halten an der Einigkeit im Geiste durch das Band des Friedens ufw. In dem Augenblicke, in dem das Brautpaar die Ringe wechselte, donnerte vom Lustgarten die aufgestellte Leibbatterie des ersten Garde-Feldartillerie-Regiments 36 Kanonenschüsse herüber. Das Kaiserpoar beglückwünschte das Brautpaar mit Kuß und Händedruck. Unter den schmetternden Fanfaren der alten Weise „Wilhelmus von Raffauen" verließ sodann der Zug in feierlicher Ordnung die Kapelle. Es folgte große Eratulationscour im Weißen Saal.
Nach der Eratulattonscour meldete der Ober-Zeremonienmeister Graf Eulenburg das Souper. Die allerhöchsten und höchsten Herrschaften begaben sich wiederum in feierlichem Zuge nach dem Rittersaal zur königlichen Zeremonientafel. In der Mitte der Tafel nahm das hohe Brautpaar unter dem Thronhimmel Platz. Rechts neben der Braut saß der Kaiser, neben ihm die Mutter der Braut; links neben dem Prinzen August Wilhelm die Kaiserin mit dem Vater der Braut. Die übrigen Fürstlichkeiten reihten sich zu beiden Seiten an.
Der Kaiser brachte die Gesundheit des hohen Brautpaares mit folgendem Trinkspruch aus: -„Ich spreche Euch in unserem Namen und dem Namen meines Hauses den herzlichsten Glückwunsch aus. Meine liebe Alice, Du kommst vom meerumschlossenen Lande zu uns, nicht als Un-
43 verboten.)
Getrennte Welten.
Roman von Clarissa Lohd«.
Iftortlehung.)
„Laß Dich nicht stören, ich komme nur, zu sehen, wie es Dir geht."
„O, schon besser," entgegnete Editha; aber ihr bleiches, übernächtiges Aussehen strafte ihre Worte Lügen. „Ich hatte eine schlechte Nacht, das ist alles. Doch will ich nicht fürchten, daß Ihr Euch durch mich in Euren Plänen habt stören lasten."
„Odo mit den Knaben ist eben fortgegangen, ich blieb hier, weil ich mich nach dem gestrigen, doch immer etwas anstrengenden Tage ein wenig ermüdet fühle und Dich auch nicht allein lasten wollte."
Editha reichte ihr mit einem gerührten Ausdruck in den Zügen die Hand hin.
„Du bist gut, Asta," sagte sie.
„Hieltest Du mich nicht dafür?"
„Gewiß; aber ich glaubte nicht, daß Du für mich," ihre Stimme bebte ein wenig, „so viel Liebe und Teilnahme hegtest. Ach, ich habe daran zweifeln gelernt in den letzten Jahren, daß mich überhaupt jemand lieben kann."
„Ich möchte Dir entgegnen, Editha: Wer sollte Dich nicht lieben, Dich, die Du so gut und freundlich gegen alle bist!"
In diesem Augenblicke klopfte es an die Tür, und die Jungfer brachte die Postsachen herein. Es fanden sich darunter eine Karte und ein Brief an Editha. Asta erkannte sogleich auf der Adresse der Karte die Handschrift ihres Bruder».
„Dietrich hat geschrieben?" fragte sie nicht ohne Zögern. Edttha schob ihr, ohne ein Wort
bekannte, denn Du hast viele Wochen Deiner Jugend bei uns verlebt in verschiedenem Alter. In der frühesten Zeit hat sich zwischen Euch das Band geknüpft das zu dem heutigen glücklichen Tage geführt hat. Ich nehme Dich mit offenen Armen auf bei uns und mögest Du bei uns der schönen Heimat wenigstens etwa, vergeflen. Ihr werdet nun Euren Hausstand begründen und das Leben zusammen beginnen. Leben heißt arbeiten, arbeiten heißt Schäften, Schaffen bedeutet Wirken für andere, für das Vaterland, für das Volk, Wirken in unserem Haus«. Nach den frohen Stunden der ersten Tage und Monate wird an Euch der Ernst des Lebens herantreten mit feinen Pflichten, den Pflichten, wie sie in unserem Hause geübt werden. Wir sehen auf Euch beide als auf unsere Helfershelfer in unserem Wirken. Du, mein Sohn, hast unserem Hause Ehre gemacht mit Deinem Examen, welches Dir zu Deiner Zivillaufbahn den Weg geöffnet hat und Du wirst Deiner Frau hilfreich zur Seite stehen in den Werken der barmherzigen Liebe. Möge für Euch auch das Bild maßgebend sein, welches für uns Menschen von oben gezeichnet ist: der Strom, der sich vielfach teilt. Der eine Arm, der belastet wird, der die Schiffe trägt, dem Meere zu, ein Vorbild dafür, daß einem im Leben von oben Lasten auferlegt werden, die gemeinsam getragen werben sollen, und daß die Kraft zum Tragen aus dem festen Vertrauen auch dort oben erweckt. Und der andere Arm, der Arbeit verrichtet; auf dieses Bild greifen wir zurück als einem Bilde dafür, daß wir stetig wirken sollen in Werken der Liebe zu den Brüdern und wirken in stettger Arbeit für das Wohl des großen Ganzen und zur Ehre unseres Hauses. In diesem Sinne erheben wir die Gläser und trinken jetzt auf das Wohl Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen August Wilhelm und der Prinzessin August Wilhelm von Preußen."
Das Fest schloß nach althergebrachter Sitte mit einem Fackeltanz im Weißen Saal. Der Oberstmarschall Fürst zu Fürstenberg lud das Brautpaar zum Beginn des Tanzes ein. Nach dem Rundgang durch den Saal, wobei zwölf Pagen mit Fackeln folgten, machte die Braut mit dem Kaiser, der Bräuttgam mit der Kaiserin einen neuen Nundgang, hierauf die Braut mit den anwesenden Prinzen und der Bräutigam mit den Prinzessinnen. Sobald erfolgte die Verteilung des Strumpfbandes. Prinz und Prinzessin August Wilhelm reisten darauf nach Schloß Hubertusstock ab. Der Kaiser geleitete das Paar zur Bahn.
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— Beileidstelegramm zum Tode des Ministerialdirektors Althoff. Der Kaiser hat folgendes Telegramm an die Witwe des verstorbenen Wirklichen Geheimen Rates Friedrich Althoff gerichtet: Das Hinscheiden Ihres von mir hochverehrten Gatten hat mich mit inniger Teilnahme erfüllt, und spreche ich Ihnen mein wärmstes Beileid aus. Gott der Herr tröste Sie in Ihrem großen Schmerze. Ich beklage mit Ihnen den Verlust dieses seltenen Mannes,
dessen weitumspannenden Geist und tre.sliche« Tharatter, verbunden mit einem für all« Edle und Gute empfänglichen Herzen und einer unermüdlichen Schaffenskraft ich zu meiner Freude tm persönlichen Verkehr Kennen lernen und schätzen durste. Das Vaterland verliert in dem Verewigten einen seiner besten Söhne, besten segensreiche Lebensarbeit unvergängliche Spuren hinterläßt. Seine mir und meinem Hause bi» in die letzten Lebensstunden geleisteten heuen Dienste sichern ihm meinen unauslöschlichen Dank. Wilhelm I. R.
— Ein Nekrolog aus Mintsterialdirettor Alt. hoft. Der „Reichsanzeiger" sagt in einem Nekrolog auf Althoff: Das Schaffen bes außerordentlichen Mann« in engem Rahmen zu übersehen, ist unmöglich. Den preußischen Universitäten war sein innerstes Herz geweiht und um sie hat er sich durch Gewinnung ausgezeichneter Lehrer, wie hinsichtlich ihrer äußeren Ausgestaltung und der Entwicklung ihrer Institute die größten Verdienste erworben. Das Blatt weist hin auf seine Inangriffnahme einer Schulreform und seine Sorge um die Hebung d« höheren Lehrerstandes und die Sicherstellung der Witwen und Waisen in den seiner Obhut unterstellten Berufszweigen. Der „Reichsanzeiger" hebt dann seinen Anteil an der Organisation zur Bekämpfung der Lungentuberkulose und sonstiger Volkskrankheiten hervor. Wo immer er sein geniales Können in den Dienst einer Sache stellte, machte sich neben der unerschöpflichen Fülle der Ideen und der Starke seines Willens di« überragende Persönlichkeit geltend, der auch scheinbar Unmögliches gelang. Vor allem war er durch ein nie ermüdendes Pflichtgefühl ausgezeichnet und ethisches Empfinden gab allem seinem Wirken Lauterkeit und innere Wärme.
— Di« künftige Gestaltung der Konkurrenz- Hansel. Berlin, 21. Ott. Zwischen den Bundes- vegierungen bestehen, wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, über die künftige Gestaltung der Konkurrenzklausel wesentliche Meinungsverschiedenheiten. Das Gutachten der preußischen Regierung, das vor einigen Wochen dem Reichsjustizamte zuging, weicht in mancher Hinsicht vom Standpunkte des Reichsjustizamt« wie der übrigen befragten Bundesregierungen ab. Gegenwärtig versucht man, durch mündliche Verhandlungen zwischen dem Reichsjustiz- amte und dem preußischen Handelsministerium eine Einigung zu erzielen. Parallel damit verhandelt das Reichsjustizamt auf schriftlichem Wege mit den anderen größeren Bundesstaaten. Zunächst ist für eine baldige Beendigung der Verhandlungen wenig Aussicht vorhanden. Der Reichstag dürfte sich in dieser Session mit dem Gesetzentwurf betreffend Einschränkung der Konkurrenzklausel nicht mehr befassen.
— Ein Kapitän zur See a. D., Berger, erhebt in der Oesfentlichkeit, speziell letzthin im „Blaubuch" schwere Beschuldigungen gegen seine Vorgesetzten, insbesondere gegen den Vizeadmiral Schmidt. Jetzt wird mitgeteilt,
daß die Beteiligten Strafanttäge bei oer zuständigen Staatsanwaltschaft gestellt haben.
— Eine Kommission „zur Bekämpfung de» drohenden Tabaksteuergefahr" ist das Neueste, was die Sozialdemokratie, um ihre lahm gewordene Agitation zu beleben, geschaffen hat. Diese Kommission veranstaltet allenthalben Protestversammlungen und fordert in besonderen Flugblättern zu zahlreichem Besuche anf. Recht bezeichnend ist der folgende Satz in einem Flugblatte, das in Schlesien verbreitet worden ist: „Es ist Pflicht aller Tabakarbeiter und -Arbeiterinnen, für einen Massenbesuch zu sorgen." Mit welchen Mitteln die „Kommission" arbeitet, um aufreizend zu wirken. 7eigt folgende Stelle aus dem erwähnt-- Blatte: „Besonders beschämend für die gierung aber ist es, daß die Tabakindustrie ücn Zufluchtsberuf tausender von Krüppeln bildet, die in (ei» nem anderen Berufe mehr unterzukommen vermögen. Es gehört eine ganz ungewöhnliche Gemütsverhärtung dazu, diesen Krüppeln den Da- felnskampf zu erschweren, ihnen den schwer erarbeiteten Bissen Brot geradezu aus der Hand zu schlagen, ohne ihnen den geringsten Ersatz dafür zu bieten." Die Tabakarbeiter und -Arbeiterinnen werden über diese Darstellung selber staunen. In dem Flugblatte sind für Schlesien 18, für Posen 6 Versammlungen angekündigt.
— Französisch« Jäger in Baden. Der „Schw.
:kur" nimmt mit Recht Veranlassung, wieder einmal gegen das Auftreten französischer Jäger auf deutschem Boden Klage zu führen. An einen Einzelfall ankniipfend, schreibt das Blatt: „Das Fort Blumenthal gehört zu den rechtsrheinischen, also badischen Forts bet Festung Straßburg und wenn , hier französische Offiziere mit Erlaubnis unb Wissen der badischen Behörden die Jagd ausüben, so ist dies sehr bedenklich! Erst vor kurzem hat die Pariser Presse die bis- r:nften Bemerkungen gemacht, weil deutsch Dffi«
- in Ballons auf französischem Gebiet niebet« g. n find und unverhohlen von den Gefahr- . . er Spionage gesprochen. Kein Deutscher erhält in Frankreich Jagderlaubnis. Die badischen Behörden aber gestatten, daß französische Offiziere unter den Wällen der Straßburger Forts dem Jagdvergnügen nachgehen! Man muß diese Dinge alle zusammenhalten ir d wird dann zu dem Ergebnis gelangen, daß das Verfahren der badischen Regierung nicht recht begreiflich ist."
— Bürgermeister Schiicklng. In der Privat- Nage des Bürgermeisters Schücking von Husum gegen den Beigeordneten des Barmrr Magistrats, Dr. Markull, wegen einer Kritik des letzteren im preußischen Verwaltungsblatt über die bekannte Broschüre Schückings kam vor dem Schöffengericht ein Vergleich zustande. Dr. Markull erklärte, daß er durch den Artike die persönliche Ehrenhaftigkeit des Klägers nicht habe antasten oder schmälern wollen und in allen Beziehungen, soweit der Kläger in dem Artikel Beleidigungen für seine Person findet, diese zu« rücknehme. Die Privatklage wurde hierauf zu«
zu sagen, die Karte hin. „Ich meine, Dietrich hat mir jetzt nichts mehr zu schreiben."
Asta wurde rot. Die Karte enthielt übrigens nichts als einen Gruß vom Fernstem. Nun ergriff Editha den Brief und öffnete ihn.
„Verzeih' einen Augenblick, Asta! Es ist ein Brief von Gertrud Wese. Du weißt, sie gibt mir regelmäßig jede Woche einen Bericht über meine Pfleglinge in Frauenstein und Schönwalde."
Asta nickte nur und versank in Nachdenken. Editha machte es ihr gar zu schwer, eine Anknüpfung für das zu finden, was ihr auf der Seele brannte.
„Gertrud schreibt auch über Bruno, was Dich vielleicht interessieren wird," sagte Editha, als sie die Lektüre beendigt hatte, unb reichte ihr den Brief hin.
„Doch Gutes, wie ich hoffe," antwortete Asta etwas zerstreut, unb burchflog mit ben Augen bie ihr von Editha bezeichnete Stelle.
,Iun ich der Frau Baronin über ihre Pfleglinge alles berichtet habe, was Sie interessieren kann," hieß es darin, „möchte ich auch noch einige Worte über meine Person hinzufügen, von der Sie so gütig waren, etwas wissen zu wollen. Und da muß ich bekennen, so schöne, genußreiche Tage, wie in diesen Ferien hier bei meinen Eltern, habe ich noch nie erlebt. Freilich bin ich die meiste Zeit tm Schlosse, um der Rätin Arnold behilflich zu fein, die, wie Sie wissen, hier als East während bet heißen Sommermonate weilt, da weite Reisen ihr zu beschwerlich finb. Die Rätin nun ist in bet Armenpflege die eifrigste Stellverheterin bet Frau Baronin, die man sich denken kann. Um all« kümmert sie sich und um alle, und steht dem
Herrn Baron, dessen gütiges Herz überall helfen möchte, mit Rat und Tat bei. Und abend», nach des Tages Arbeit, reihen wir uns im Eartensaal oder auf der Terrasse um den Teetisch, zu dem auch unser junger Pfarrer Lorenz sich zuweilen einfindet. Dann wird über di« und jenes gesprochen: über Religion, Kunst, Literatur, und ich sitze mit meiner Handarbeit beschäftigt dabei und höre und lerne. Wie anders erscheint mir seitdem die Welt und Leben, wie bildet sich mein Geist an dem. Urteil dieser lieben, hochgebildeten Menschen. Ja, der Umgang mit so hochangelegten Naturen fördert doch mehr noch als jede Schule. Nun ist mir erst klar geworden, was Goethes Spruch bedeutet:
Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, Und grün des Lebens goldner Baum."
„Der Herr Baron hat auch an einem Abend der Frau Rätin etwas aus seinem neuen Drama vorgelesen. Sie war ganz begeistert davon und ich auch. Doch die Frau Baronin werden es ja im Winter auf der Bühne sehen, wenn es aufgeführt wird. Der Herr Baron freilich ist noch gar nicht zufrieden mit seinem Werke und findet noch immer zu ändern unb zu feilen. Meine Ferien gehen leider bald zu Ende. Die Frau Rätin nimmt mich nach Berlin mit, wenn sie zurückkehrt, da ich den nächsten Winter gern noch die Fortbildungsschule besuchen möchte. Der Herr Pfarrer Lorenz, den ja die Frau Baronin seit seiner Kindheit kennen, wie et un» erzählt«, wird dann im Verein mit dem Baron für die Armen und Kranken im Dorfe auf dar Gewissenhafteste sorgen das hat et mit in die Hand gelobt. Die alte Försterin ist sehr schwach. Sie sagt« neulich, sie hege noch den ginen Wunsch, vor ihrem Tode noch einmal dar
fallen lassen.'
(Fortsetzung folgtZ
liebe Antlitz der Frau Baronin wieder zu sehen. Ob der Himmel ihr noch so viel Frist vergönnt?"
Dann folgten noch einige Abschiedsworte.
Asta legte den Brief auf den Tisch.
„Sie schreibt ganz manierlich, die Kleine/ sagte sie. „Ich fürchte jedoch, Bruno zieht sie zu sehr heran und verdirbt ihr ganz den Geschmack an dem Stande, dem sie nun einmal angehört Er ist zu sehr Idealist."
„Hälft Du das für einen so großen Fehler? fragte Editha mit einem schmerzlichen Lächeln.
„Ja wohl; denn ein gar zu großer Idealismus führt immer zu Enttäuschungen und Entfremdung vom Leben. Die Welt ist nun einmal unvollkommen, und es ist weise, sich in diese Unvollkommenheit zu finden."
„Es kommt darauf an. was man unter Unvollkommenheit versteht, Asta. Nachsicht zu üben gegen die Fehler und Schwächen seines Nächsten, das ist ja schon eines unserer ersten christlichen Gebote. Aber diese Nachsicht darf meiner Meinung niemals soweit gehen, über jeden moralischen Fehler, jede Sünde gegen das sechste Erbot hinwegzusehen. Wer das tut, entwürdigt sich selbst."
In Edithas Stirn war eine Helle Röt« gestiegen; ihr« Augen glänzten fieberhaft.
„Editha," rief Asta nun, den Arm um bet Schwägerin Hals schlingend und ihr bittend ins Auge sehend. „Ich verstehe, was Du leidest, verstehe «s ganz. Aber Du darfst nicht unversöhnlich sein. Bedenke, Dietrich ist leichtsinnig, aber doch nicht schlecht. Du darfst ihn nicht