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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilage«:Kiterarischrr Amriser-,Lau-wirtschaftliche Beilage« «ndIllustriertes -oirrrtags-latt".

Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessische Ain Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in

Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21.

Der Bezugspreis beträgt durch die'Post 3,25 Mk. (ohne Bestellgeld), Bet unfern ZeitungSstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

LoimcrÄag. 22. Oktober 1908.

Die InsertionSgrbüdr betragt für di« 7gespaltene Zelle oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, UniuersitätSbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marbttrq, Markt 21. Telephon 55.

43. Jahrg.

Die Eröffnung des Preußischen Landtags.

Berlin, 20. Oft. Der Landtag der preußi­schen Monarchie wurde heute mittag 12 Uhr im Weißen Saale des Königlichen Schlosses durch den Kaiser selbst feierlichst eröffnet. Prinz Heinrich, der Kronprinz und di anderen Söhne des Kaisers, mit Ausnahme des Prinzen Eitel Friedrich, sowie die anderen in Berlin anwesen­den Prinzen nahmen an der Feier teil. Der Kaiser verlas mit fester, ruhiger Stimme die Thronrede, die nur an der Stelle, wo sie von der Orientkrise redet, durch lauten Beifall un­terbrochen wurde. Fürst Bülow erklärte dann den Landtag auf allerhöchsten Beseh." für er­öffnet, worauf der Präsident von Kröcher da» Hoch ausbrachte. Die Sozialdemokraten und Polen nahmen an der Feier nicht teil.

Die Thronrede, die wir gestern bereits im Auszugs mitteilten, hat folgenden Wortlaut:

Erlauchte, edle und geehrte Herren von bei­den Häusern des Landtags!

Ein Jahrhundert ist veronnen, feit Mein in (Sott ruhender Vorfahr, weiland König Fried­rich Wilhelm III. durch Erlaß der Städteord­nung die Bürger Preußens zur Teilnahme an der Verwaltung des städtischen Gemeinwesens berief. Segensreich hat sich seitdem die Selbst­verwaltung entwickelt und in stetem Wachstum über Provinzen, Kreise und ländliche Gemein­den ausgedehnt. Mit dem Erlaß der Verfassung ist die Nation in die Mitarbeit auch an den Geschäften des Staates eingetreten. Es ist Mein Wille, daß die auf ihrer Grundlage erlassenen Vorschriften über das Wahlrecht zum Hause der Abgeordneten eine organische Fortentwickelung erfahren, welche der wirtschaftlichen Entwickel­ung, der Ausbreitung der Bildung und des po­litischen Verständnisses, sowie der Erstarkung des staatlichen Verantwortlichkeitsgeföhls ent­spricht. Ich erblicke darin eine der wichtigsten Aufgaben der Gegenwart. Ihre Bedeutung für das gesamte Staatsleben erfordert umfassende Vorarbeiten, die von Meiner Regierung mit allem Nachdruck betrieben werden.

Die schon für die vorletzte Tagung angekün- digten Gesetzentwürfe über die Aufbesserung des Diensteinkommens der Staatsbeamten, Geist­lichen und Volksschullehrer werden Ihnen un- verwsilt zugehen. Gleichzeitig sollen die Woh- nungsgeldzuschüsse neugeordnet, das Besoldungs­system der unmittelbaren Staatsbeamten ver­einfacht und die Lehrerbeiolduna unter Festhalt­ung der verfassungsmäßigen Grundlagen für ihre Ordnung einheitlicher gestaltet werden. Die Gesamtheit dieser Vorlagen stellt erhebliche Anforderungen an die Steuerzahler. Für den Staatshaushalt bedeuten sie unter Zurechnung der bereits in den letzten Jahren beschlossenen Aufbesserungen, sowie der Mehraufwendungen aus dem Volksschulunterhaltunasgesetz eine dauernde Neubelastung von jährlich etwa 200 Millionen Mark. Der Ernst der Lage wird da­durch gesteigert, daß der schon im Fehlbeträge des Rechnungsjahres 1907 zutage getretene un­günstige Stand der Finanzen des Staates an­dauert, ja sich im laufenden Jahre verschlechtern wird. Es ist deshalb unabweislich, daß ein be­trächtlicher Teil der für die Besoldungsgesetze erforderlichen Mittel durch erhöhte steuerliche

47 ; ''"rrAhrün Derberen.)

Getrennte Welten.

Roman von Clarissa Loh da. iffortiehung.)

Was kann ich dafür?" rief nun Ellen da­zwischen.Wenn Herr Baron Dietrich sich nicht scheut, öffentlich mit einer Schauspielerin Berg­partien zu machen, von denen seine Frau nichts weiß, kann er sich doch gar nicht wundern, wenn sie es zufällig erfährt."

Ganz recht," sagte Graf Holm,und ich dächte, es wäre ein gutes Werk, die Dame ein­mal darüber aufzuklären, was der Herr Gemahl hinter ihrem Rücken treibt. Ueberdies ist sein Verhältnis mit der Randolf eine ziemlich be­kannte Sache. Hat sie so lange die Augen darüber zugedrückt, wird sie es auch ferner tun."

Graf Holm hatte recht. Auch zu Editha» Ohren war das Gerücht von einem zärtlichen Verhältnis zwischen ihrem Gemahl und der schönen Schauspielerin gedrungen. Aber ihre stolze Seele hatte nichts davon wissen wollen, und war ihr auch einmal in der Erregung eine bittere Klage gegen ihre Schwägerin über die Lippen gekommen, es war eben nur ein unbe­wachter Augenblick gewesen, der sich nicht wie­derholte. Nun aber war auf offener Straße ihr ins Ohr geschrieen worden, daß sie betrogen [ei, und gerade jetzt, wo sie den Versuch gemacht hatte, den Gatten sich wiederzugewinnen, wo Ne zu hoffen angefangen. Aber nrin, es war ja alles Lüge, auch sie belog sich selbst. Sie hatte ja schon längst keine Hoffnung mehr, und seit et sie in Partenkirchen Btt einet Lüg« ans

Belastung von Vermögen und Einkommen in den höheren Stufen aufgebracht wird. Ent­sprechende Gesetzesvorschläge, die zugleich eine zweckmäßiger geordnete Besteuerung der kapital­kräftigen Erwerbsgesellschaften anstrebt, werden Ihnen vorgelegt werden.

Die ungünstige Lage der Finanzen in Reich und Staat inmitten eines zwar zeitenweise ver- Mngsamten, aber doch gewaltigen Aufschwungs volkswirtschaftlicher Entwickelung enthält eine eindringliche Mahnung an den Geist der Spar­samkeit und Opferfreudigkeit, mit dem Preußen in zäher Arbett auch schwere Zeiten überwun­den hat. Der Etatsentwurf für 1909, der Ihnen erst später zugehen wird, ist desahlb mit äußer­ster Vorsicht aufgestellt worden. Zugleich wird in allen Zweigen der Staatsverwaltung daran gearbeitet, durch übersichtlichere Gestaltung der Behörden, durch Dezentralisation und durch Vereinfachung der Eeschäftsformen auf Erspar­ung von Ausgaben hinzuwirken und die Ver­waltung den Anforderungen des Lebens in voll­kommener Weile anzupassen. Einzelne dahin­gehende Vorschläge werden Ihnen, wie ich hoffe, schon in dieser Session zugehen können.

Das höhere Mädchenschulwesen soll, wie Ihnen bereits bekannt ist, mit dem Ziele um­gestaltet werden, die Bildung der Heranwach­senden weiblichen Jugend unter voller Berück­sichtigung der häusli^n, wirtschaftlichen und sozialen Aufgaben des weiblichen Geschlechts all­gemein zu vertiefen und denjenigen Mädchen, dis im selbsttätigen Erwerbsleben oder in wissenschaftlicher Arbeit ihren Beruf suchen, die Vorbereitung dazu zu erleichtern. Die zunächst erforderlichen Mittel werden in den Etat aus­genommen werden.

Wichtige Aufgaben, zu denen neben anderem noch die Unterstützung von Kleinbahnen und die Vervollkommnung des Staatseisenbahnnetzes hinzutreten werden, harren ihrer Beschluß­fassung.

In illngster Zeit haben sich im nahen Orient Ereignisse vollzogen die die Aufmerksamkeit Europas in Anspruch nehmen. Sind wir dort auch politisch weniger interessiert als andere Mächte, so erfordern jene Vorgänge doch ernste Beachtung. Das deutsche Reich wird in treuer Gemeinschaft mit seinen Verbündeten für eine friedliche und gerechte Lösung der gegenwär­tigen Schwierigkeiten eintreten.

Erlauchte, edle und geehrte Herren! Indem ich Sie heute zum ersten Male nach den letzten Neuwahlen hier willkommen heiße, begleite Ich Ihre Arbeiten mit meinen landesväterlichen Wünschen für das Wohl des Staates.

Aus dm Parlamenten.

Preußisches Abgeordnetenhaus.

Die erste Sitzung, Dienstag, den 20. Oktober, wurde vom Präsidenten der letzten Tagung, Frhrn. v. Manteuffel eröffnet mit einem drei­maligen Hoch auf den Landesherrn. t

Es erfolgte die Wahl des Präsidenten und der Schriftführer. Auf Vorschlag des Staats­ministers Frhr. Lucius v. Ballhausen wurden die bisherigen Präsidenten und Schriftführer wiedergewählt: Landesdireftor Frhr. v. Man-

den Lippen verlassen hatte, wußte sie, daß auch dieser letzte Versuch gescheitert sei.

Mit angstvoller Miene betrachtete Asta die Schwägerin. Sie konnte ihr nur still die Hand drücken, die eiskalt war: denn die Gegenwart der Knaben legte ihr Schweigen auf.

Ein unausstehlicher Schwätzer, dieser Holm," grollte Graf Alten, als er zum Tische zurück­kehrte, und auch sein Blick flog mit geheimer Sorge zu der bleich und still vor sich nieder- schauenden Editha hinüber.Und immer weiß er irgend einen Klatsch zu erzählen, das ist so seine Art. Man darf ihn nur ja nicht ernst nehmen."

Die Speisen wurden von dem Kellner aufge­tragen. Editha berührte kaum etwas.

Ich bitte Dich, habe heute Nachsicht mit mir," bat sie Asta leise, als diese sie zum Essen nötigen wollte. Asta begriff das und 'suchte, bis der Wagen vorfuhr, gemeinsam mit ihrem Gemahl die Kosten der Unterhaltung zu tragen, damit die Kinder nicht aufmerksam wurden. Man sprach über das Schloß in Linderhof, und Asta meinte, es habe im Stil und auch in der Ausschmückung natürlich ins Einfache übertra­gen, viel Aehnlichkeit mit dem Schönwalder Schlosse.

Nur hat der Papa es besser verstanden," widersprach der Graf,bie allzufranzösischen Anklänge zu vermeiden. Ich muß gestehen, diese Verherrlichung der beiden französischen Ludwige in Bildern und Statuen hat mein deutsch« Herz verletzt."

.Ach ja," sprach Asta auffeufzend,den Takt,

teuffel als Präsident, Oberbürgermeister a. D. Becker als erster, Frhr. v. Landsberg-Steinfurt als zweiter Präsident. Ebenso die Schriftführer der vorigen Tagung.

Damit war das Haus konstituiert und die Tagesordnung erschöpft. Nächste Sitzung: Mitt­woch 2 Uhr: Geschäftliche Mitteilungen und Vereidigung neuer Mitglieder. Schluß 3% Uhr.

*

Eröffnungssitzung des Abgeordnetenhaus«.

Das neugewählte Abgeordnetenhaus trat am Dienstag, den 20. Oktober, zu seiner ersten Plenarsitzung in der neuen Legislaturperiode zusammen.

Am Ministertische: v. Rheinbaben, Holle, v. Arnim, Delbrück, v. Moltke, Breitenbach und Kommissare. Der Präsident der vorigen Ses­sion, v. Kröcher, eröffnete die Sitzung mit einem Hoch auf den Kaiser. Das Haus beauftragte den Präsidenten, der Kaiserin zu ihrem Geburtstage und dem Prinzen August Wilhelm zu seiner Vermählung die Glückwünsche des Hauses dar­zubringen.

Der Abg. Schwabach (natl.) hatte den An­trag eingebracht, die litauische Sprache als Ver­sammlungssprache einzuführen. (Große Heiter­keit auf der rechten Seite des Hauses.)

Finanzminister v. Rheinbaben unterbreitete dem Hause eine Reihe größerer Gesetzesvorlagen. 1. Die Besoldungsvorlage der unmittelbaren Staatsbeamten. 2. Die Regelung des Wohn- ungsgeldzuschusses. Hm, wie bisher, in dieser Frage mit dem Reich konform zu gehen, könne die Vorlage erst nach ihrer Regelung durch den Bundesrat erfolgen, der die Erledigung mit möglichster Beschleunigung zugesagt habe. 3. Gesetz betteffend das Diensttinkommen der Lehrer und Lehrerinnen an den Volksschulen. 4. Gesetz betreffend das Diensteinkommen, das Ruhegehalt und die Hinterbliebenenfürsorge der evangelischen Geistlichen. 5. Gesetz zur Re­gelung des Diensteinkommens der katholischen Pfarrer. 6. Gesetz über Abänderung der Ein­kommen- und Ergänzungssteuer und 7. ein Ee- sellschaftssteuergesetz. Der Minister gab zu den verschiedenen Gesetzesvorlagen eingehende Er­läuterungen. Er betonte, daß nunmehr alle Unterbeamten eine Aufbesserung um mindestens 200 Mk. erfahren würden. Das Mindestgehalt von 800 Mk. sei aus dem Etat vollständig ver­schwunden und habe einem solchen von 1000 Mk. Platz gemacht. Die Eeholtsklassen seien von 106 auf 51 erniedrigt worden. Durch die Auf­besserung der Beamten und die Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses werde eine dauernde Mehrbelastung der Staatskasse um 111 Milli­onen Mark eintreten. Die Gendarmen, Schutz­leute und Förster sollen statt der bisherigen Sätze von 1200, ansteigend bis 1600 Mk., fetzt 1400 Bi» 2100 Mk. beziehen. Die Gerichts­schreiber werden den Regierungssekretären im Höchstgehalt gleichgestellt werden. Ferner er­folge eine Gleichstellung der Oberlehrer mit den Richtern durch Erhöhung des Höchstgehalts von

den unser lieber Vater hatte, besitzen nur wenige."

Es war ein Glück, daß der Wagen bald vor­fuhr, denn die gezwungene Unterhaltung drohte schon wieder zu stocken.

Schon senkte sich der Abend über die Berg- firnen und färbte sie mit purpurnem Schein. Dann stieg der Mond hinter dem zackigen Ge­stein empor und umwob mit phantastischem Licht die stille Eebirgswelt. Editha lehnte schweigend in der Wagenecke und schaute wie traumver­loren hinaus in die wie von einem Nebelschleier umhüllte Welt. So schön war alles, so herrlich diese hehre Natur! Warum mußte das Leben so häßlich sein, warum Lug und Trug und Un­lauterkeit der Menschen dieses von Gott geschaf­fene Paradies zur Hölle machen? Vergeblich suchte Asta, als sie heimgekommen waren, Editha noch zu einer Aussprache zu bewegen.

Nein, nein," bat diese,nur heute kein Wort mehr über das Geschehen«. So etwas muß allein ausgekämpft werden."

Für den folgenden Morgen war ein gemein­samer Besuch der Partnachklamm verabredet. Editha aber ließ, als die Familie des Grafen schon um den Frühstückstisch saß, sich durch die Jungfer entschuldigen. Sie fühle sich nicht wohl und bitte di« Herrschaften daher, ohne sie zu gehen. Asta wechselte mit ihrem Manne so­gleich einen bedeutungsvollen Blick und zog ihn, al, die Knaben munter hinausstürmten, um sich für den Ausgang zurechtzumachen, in eine Fen­sternische.

Auch ich werde lieber zu Hause bleiben, Odo, den« die Art, wie Editha diese hämische

6000 auf 7200 Mk. Ebenso werden auch die an­deren Lokalbeamten mit voller akademischer Bil­dung, wie die Kreisschul-, Bau- und Eewerbe- inspektioren, die Kreisärzte, Oberförster usw. den Richtern gleichgestellt werden. Ferner soll die Zeit» welch« ein: 4jährige diätarische Dienst­zeit übersteigt, auf das Besoldungsdienstalter, bis zur Höhe von 2 Jahren angerechnet werden.

Bezüglich der Aufbesserung der Lehrer­gehälter wies der Minister auf die Buntscheckig- keit hin, die mit der Zeit im Eehaltswescn der Lehrer dadurch Platz gegriffen habe, daß man versucht hatte, diese Frage nach den verschiedenen Verhältnissen der Provinzen und Regierungs­bezirke zu lösen. Es soll nun für die Lehrer all­gemein ein Grundgehalt von 1350 Mk., mittels Alterszulagen von 200 Mk. bis 3150 Mk. auf­steigend, eingeführt werden. Das bisherige Höchstgehalt betrug nur 1800 Mk. Die Lehrerin­nen sollen statt bisher 7001420 Mk. jetzt 1050 bis 2400 Mk. beziehen. Je nach Verschiedenheit der lokalen Verhältnisse sehe die Vorlage aber auch noch bestimmte pensionsfähige Ortszulagen vor.

Die Gehälter der evangelischen Geistliche« sollen auf 2400 bis 6000 Mk. gegenüber den jetzt geltenden Sätzen von 18004800 Mk. festgestellt werden. In gleicher Weise wurden die Gehalts­sätze der katholischen Geistlichen gegenüber den jetzigen Bezügen von 18003200 Mk. auf 1800 bis 4200 Mk. in Aussicht genommen.

In Zukunft werde mit einer dauernden Mehrausgabe von 200 Millionen Mark im Jahre zu rechnen sein. Die Erhöhung der ver­schiedenen Diensteinkommen könne von der Re­gierung nur vorgenommen werden, wenn gleich­zeitig die Steuervorlagen, betr. Einkommen-, Ergänzung?- und Eesellschaftssteuer vom Haus« angenommen würden. Aus dem Jahre 1908 sei ein Defizit von 126 Millionen zu erwarten. Da­von sollen nur 55 Millionen durch erhöhte Ein­nahmen, 71 durch äußerste Sparsamkeit gedeckt werden. Der Heberschuß aus der Eisenbahnver­waltung gehe durch Verbilligung einzelner Ta­rife und erhöht« Ausgaben zurück. Bei der Be­soldungsreform entfielen auf die Eisenbahn­beamten allein 44 Mill. Mark. Die Einkommen- steuer solle, bei 7000 Mk. Einkommen mit 5 Pro­zent beginnend, bis zu den Einkommen von 30 000 Mk. steigend bi» auf 25 Proz. gegenüber den jetzigen Steuersätzen erhöht werden. Gleich­zeitig müsse auch eine Erhöhung der Vermögens­steuer für kapitalistische Assoziationen und Aktiengesellschaften vom Ettrage, d. h. im Ver­hältnis des Gewinnes zum Aktienkapital vor­gesehen, beginnend mit 2 Proz. und aufsieigend bis 72/6 Proz. im Höchstbetrage. Das Kom­munalsteuerprivilegium der zurzeit angestellten Beamten soll aufrecht erhalten bleiben, für all« künftig ins Amt tretenden Beamten soll es ab- geschafft werden. (Lebhafter Beifall.)

Nächste Sitzung: Montag 11 Hhr: Präfi- dentenwahl und erste Lesung der heute einge­brachten Vorlagen.

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Enthüllung jenes Holm ausgenommen hat, be­unruhigt mich sehr." _

Auch mich," bestätigte der Graf.Suche sie zu einer Aussprache zu bewegen, Asta. Das ist besser, als wenn sie ihr Leid für sich behält."

Das ist auch meine Absicht, aber zuviel verspreche ich mir nicht davon. Editha ist in vielen Beziehungen unzugänglich, und ich selbst weiß nicht viel zu Dietrichs Entschuldigung zu lagen. Ich hätte nie gedacht, daß er sich soweit vergessen könnt«: solch, eine öffentliche Bla­mage."

Der Graf zuckte die Achseln.

Ich habe ihn genug gewarnt. Jetzt wird er die Folgen seines Leichtsinns tragen müssen, und ich verdenke es Editha durchaus nicht, wenn sie ihn ihren Hnwillen über sein Benehm«« ernstlich fühlen läßt."

Die Knaben kamen, mit ihren Alpenstöcken und Botanisiertrommeln ausgerüstet, wieder herein. Graf Alten küßte seine Frau zum Ab­schied und verließ das Haus. Asta trat auf den Balkon, um der Fortgehenden letzten Gruß zu empfangen. Die Knaben schwenkten freudig ihre Hüte. Dann stieg sie langsam, denn der Gang wurde ihr schwer, die Trepp« hinauf und klopfte an Edithas Tür. Doch wartete sie kein Herrein ab, wie sonst sondern trat mit einem freundlichenGuten Morgen!" ein. Editha saß an ihrem Schreibtisch und war damit beschäf­tigt, ihre Briefschaften zu ordnen. Bei Asta» Eintritt wollte sie sich erheben, doch diese drückt« st« wieder auf ihren Stuhl zurück.

(Fortsetzung folgt.)