Einzelbild herunterladen
 

45

> ?iafli6tud uctburen.)

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchharn

r' «*> bra «-Uaoe«:Litererischer A«,eigrr».ß-mdwirtschastlich- S'il-ge« -xdIll-ftri-rt» Smml-g-bl-tt«.

L«r Kaiser an den Erbprinzen von Neuß. Greiz, 17. Ott. Der Kaiser sprach der Ereize Zeitung zufolge in einem Telegramm an den Erbprinzen sein Bedauern über den Rücktritt des Fürstenregenten aus, bestätigte die Mit» teilung über die Regentschaftsübernahme und versicherte den Erbprinzen seiner kaiserlichen und bundesfreundlichen Unterstützung.

Ein Kaiser-Friedrich-Denkmal in Metz. Metz, 18. Okt. Heute mittag wurde hier in Gegenwart der Spitzen der Zivil- und Militär­behörden der Grundstein zu einem Kaiser Fried­rich-Denkmal gelegt, dessen Ausführung dem Bildhauer Franz Dornbach in Charlottenburg übertrimen ist.

Regimentsfeier. Breslau, 18. Okt. Der Kaiser hat dem Grenadier-Regiment König Friedrich III. (zweites schlesisches) Rr. 11 aus Anlag seines hundertjährigen Bestehens Seku- larfahnenbänder verliehen, die nach der Been­digung des Festgottesdienstes und der Ver­lesung der Allerhöchsten Kabinettsordre heute an den Fahnen befestigt wurden. Auch die Erbprinzesstn von Sachsen-Meiningen verlieh als Chef des Regiments Fahnenbänder in den Regimentsfarben zur bleibenden Erinnerung an die Koinmandoführung ihres hochseligen Va­ters weiland König Friedrich III.

Vom Grafen Zeppelin. Friedrichshafen, 17. Okt. Graf Zeppelin hat sich heute nachmit­tag nach seiner Villa in Giersberg am Bodensee begeben; er kommt heute abend mit seiner Fa­milie, die während der Aufstiege hier weilen wird, hierher zurück. Zu diesen Aufstiegen, die anfangs der nächsten Woche, der erste ver­mutlich am Dienstag, stattfindcn werden, trifft hier auch Geheimer Oberregierungsrat Dr. Le- wald vom Reichsamt des Innern hier «in.

Aus dem deutschen Schulschiffverrin. Ham­burg, 17. Olt. In einer heute unter dem Vor­sitz des Erostherzogs von Oldenburg abgehalte­nen Sitzung des geschäftsführcnden Ausschusses des Deutschen Schulschiffsvereins wurde der im Frühjahr beschloßene Bau eines zweiten Schul­schiffes an die Firma Klohm und Voß in Ham­burg mit Lieferung zum 1. April 1910 vergeben.

Vom Zwischenfall in Casablanca. Paris, 18. Okt. Bezüglich des Zwischenfalles von Ca­sablanca will derTemps" wisien, daß die französische Regierung das Verlangen der deutschen Regierung betreffend die Frei­lassung der festgenommenen deutschen Deserteure der Fremdenlegion abgelehnt habe. Die deutsche Regierung habe deshalb die Absicht, die Angelegenheit vor den Haager Schiedsgerichtshof zu bringen. Von un­terrichteter Seite wird hierzu bemerkt, daß bei den diesfallstgen Verhandlungen eine schiedsge­richtliche Austragung des Angelegenheit bisher lediglich als eine der Lösungsmöglich« ketten ins Auge gefaßt worden fei.

Ein Dementi. Köln, 17. Okt. Ein Tele­gramm derKölnischen Zeitung" aus Berlin besagt: In Kopenhagener Meldungen tauchen wieder einmal die schon früher zurückgewiesenen Gerüchte auf, Deutschland hätte seiner Zeit be­absichtigt, einen deutschen Prinzen auf den Nor­wegischen Thron zu bringen. Nach einer neuen

unb anderen Städten, sowie verschiedene wirt­schaftliche und politische Vereinigungen und stu­dentische Korporationen legten ebenfalls Kränze nieber. Nachdem bie Niederlegung bet Kranz­spenden beendet war, teilte Freiherr v. Pobe- wils mit, baß sich der junge Fürst von Bismarck in bet freien Luft wieder vollkommen erholt habe unb baß nur bie Anstrengungen bet Reise unb bie Auflegung des Tages bas Unwohlsein veischuldet zu haben scheinen. Vot bet Wal­halla hatten inzwischen zahlreiche Verehrer des Altreichskanzlers die sämtlichen Ballustraben be­setzt. Fanfaren und Festgesang des Regens­burgerLieberkranz" ertönten, als bie Festgäste aus der Walhalla traten. Hier hielt Hofrat Dr. Mutter eine längere Ansprache. Daraus hin- weifenb, baß bie Büsten des alten Kaisers unb Bismarcks nunmehr für immer in der Walhalla vereint feien, betonte der Redner, Bismarcks Bild bedeute für uns eine Frage, ob wir fein Werk treu behütet haben und eine Mahnung, daß wir eingedenk seien der Pflichten gegen unser gemeinsames Vaterland. Die Krank­heiten unserer Zeit, Materialismus, Egoismus unb zu starke Betonung unserer Sonderinteres- sen, so führte der Redner aus, müßen wir mit dem Bismarckschen Idealismus kurieren. An seiner Größe müßen wir größer werden in der Erfassung der sich steigernden Ausgaben und in rückhaltloser Hingabe an die Gemeinsamkeit. Bismarcks müßen wir wert und würdig sein, dann können wir nicht untergehen. Redner hob weiter hervor, daß die Dankesschuld gegen Bis­marck nut dutch vaterländisch« Taten abgetragen werden könne. Für ganz Deutschland hätten heute die hier Versammelten vor der Büste Bis­marcks den feierlichen Schwur abgelegt, daß wir wollen fein ein einig Volk von Brüdern, tn keiner Not uns trennen und Gefahr. Mutter schloß: Mit diesem Schwur möge erbrausen das Lied, das unser Gelöbnis, all' unser Wollen und Schaffen für die geliebte Heimat enthalte: Deutschland, Deutschland über Alles! Als das Lied verklungen war, wurde die Rückkhr nach Regensburg angetreten, wo die Ehrengäste das Rathaus besichtigten und ein Frühstück ein- nahmen.

Um iy2 Uhr begaben sich der Reichskanzler und die anderen Ehrengäste nach dem Rathause, um einer Einladung der Stadt Regensburg zum Frühstück in dem alten Kurfürstenzimmer zu entsprechen. Oberbürgermeister Eeib hieß im Namen der städtischen Behörden die Gäste unb speziell den Reichskanzler an historischer Stätte willkommen. Um 4 Uhr nachmittags sand im Regierungsgebäude ein Festeßen statt, dem städtische Ehrengäste unb die anderen Teil­nehmer an der Walhallafeier beiwohnten. Den ersten Toast brachte bei Reichskanzler Fürst Bü­low auf den Prinzregenten von Bayern aus unb Ministerpräsident Podewils entgegnete mit einem Hoch auf den Kaiser.

Die JnsertionSgebübr beträgt für die 7gespaltene geile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, llniversitätsbuchdruckerei x>**9*Bi Inhaber Dr. C.Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55,

Bismarcks Einzug in die Walhalla.

Regensburg. F Okt. Aus Anlaß der «orgen ftatftf.nbenb-u Enthüllung bet Bis- » orcksbüt; ist bie ganz: Stadt festlich ge­schmückt. 9T-.f dem reich ill inerten Bismarck­platz wurde heut : abend vo i b« Kapelle des 11. Infanterieregiments eine l^trenabe ausgeführt, zu der eine zahlreiche M-nfSenmeng« erschienen war Nach der Sere-sabe fand im Theater eine Festvorstellung statt. - Zur Teilashme an bet Enthüllungsfeier b«: Bismarckbüste in Wal­halla trafen heute 'v: Enkel des Fürsten Bismarck, Fürst Otto von Bismarck, in Be­gleitung des Grafen ). Pleßen ein und die Mi­nister Fr-c v. chodewil^, v. Wehner, v. Pfaff, v. Brettr»:ch uno Fry^:. v. Horn.

Regensburg, 18 Ott. Reichskanzler Fürst v. Bülow unb Staatsminister v. Beth- mann-Hollweg tr-fen h, ute früh kurz vor 8 Uhr in Begleitung de» Unterstaatssekretä>-s v. Loe- bell und des Hauptmanns v Ech«oartzchoppen zur Teilnahme an der (EnUjüftn^ifee > der Büste des Fürsten v. Bismarck in der Walhalla hier ein. Gegen 11 Uhr e-ffä-wn die genannten Herren vor der Walh-t«.,-.

Der Festakt in der Walhalla selbst wurde eingeleitet durch ein vor Gesangvereinen aus Regensburg vorgetragenes L-ed. Herauf hielt Ministerpräsident Freiherr von Podewtls eine Ansprache; während dieser Ansp^che ereignete sich ein aufsehenerregender Zwischenfall. Der Enkel Bismarcks stürzte plötzlich bewußt­los vor der Büste feines Großvaters zu Boden. Der Reichskanzler, der unmittelbar hinter ihm stand, und eine Reihe anderer Herren eilten so­fort herbei und trugen ihn aus der Walhalla. Ministerpräsident v. Podewils mußte feine Rede einige Minuten lang unterbrechen. Nach dieser Rede ergriff der Reichskanzler das Wort:

Euere Exzellenzen! Meine Herren! An dieser weihevollen Stätte kann kein Deutscher stehen, ohne im tiefsten Herzen ergriffen zu wer­den von den gewaltigen Erinnerungen, welche um die hier vereinigten Denkmäler der edelsten Geister unseres Volkstums schweben. Deutscher tritt wie der hohe Erbauer es hoffte der Deutsche heraus aus dieser Halle. Und wenn künftig der Besucher das Auge auf dem nun ent­hüllten Abbild Otto von Bismarck ruhen laßen wird, auf dem Bild des Deutschesten aller Deut­schen, so wird ihm zum Bewußtsein kommen, wie das Werk König Ludwigs I. sich in gleichem Maße innerlich vollendet hat, wie unfern Volke das höchste Gut, die nationale Einheit, zurück­gewonnen wurde. Daß hier dem Fürsten Bis­marck als dem Vollender der deutschen Einheit ein Denkmal errichtet werden konnte, ist ein Höhepunkt in der Geschichte dieses Baues, die ihr Ziel findet in der Erfüllung der nationalen Träume König Ludwigs. Laßen Sie uns einen Augenblick bei jener trüben Zeit verweilen, wo den Kronprinzen Ludwig zum ersten Male der Plan der Walhalla beschäftigte, den er als Kö­nig so herrlich verwirklicht hat: Es waren s. ........ ......... : ja ; ।1 ii, jjggS

Preße besprochen werden würde, an seinem un- gehörten Hochmut gescheitert. Sie hatte es noch in Berlin von ihren literarischen Freunden er­fahren, daß Bruno sich jede Andeutung in der Preße über seine Privatverhältnisse, wozu er auch feine Verlobung rechne, aufs strengste ver­beten habe. Er haßte die Reklame, wollte alles nut durch sich selbst erringen. Und doch, wer wüßte heute von Müller-Rothenfels etwas, wenn sie und ihre Schwester nicht damals ohne fein Wißen für ihn unb feine Novellen Reklame gemacht hätten! Und brauchte sie sich denn von ihm so obenhin behandeln zu laßen? Andere neideten ihm das Glück, ihre Hand zu erhalten, höher Gestellte als er, die nicht erst nach dem Tode des Vaters einen hochtönenden Namen, bie von Jugend auf ihn geführt hatten unb eine Stellung in der vornehmen Welt einnahmen, eine unbestrittene Stellung, und doch anbetend vor ihr sich neigten und von ihr mit einem Wink ihrer Augen beglückt wurden. Auf ihrem Lager noch verfolgten sie des galanten Grafen Holm heiße Blicke. Hatte er neulich nicht erst gesagt, wie er bedauere, nicht eher ihre Be­kanntschaft gemacht zu haben, um noch den Kampf um ihre Gunst selbst mit dem, wie er gehört habe, intereßanten Dichter aufnehmen zu können? Wenn auch nicht durch sein Talent, so hätte er doch vielleicht durch bie Kraft seiner Liebe gesiegt. Unb im Grunde, was nützte es ihr, von einem Dichter geliebt zu werden, wenn et sie um feinet Dichtkunst willen vernachläs­sigte? Unb Gräfin? klingt das nicht noch bester als Baronin? Wer weiß, wer weiß? Mit eitlem Lächeln auf den Lippen schlief sie ein,

es doch wie ein Hauch bei Wehmut über dem kleinen Rokokoschlößchen, das inmitten eines von gewaltigen Bergriesen mit schneebedeckten Häup­tern umgebenen Talkaßels wie eine Perle in ihrer Muschel ruht. So reich, prächtig und golditrahlend auch sein Inneres, so kunstvoll die Anlagen des Parkes sind, der sich so harmonisch in die Großartigkeit bet Eebirgsnatur fügt, bi« Verlassenheit dieses einstigen Königssitzes macht sich dennoch fühlbar. Die Beete sind ohne Blu­menschmuck, und die plätschernden Maßet, auf bie ein kürzlich aufgestelltes, von der Hand einet maerikanischen Künstlerin gemeißeltes Matmot­bild des jungen Monarchen, der all diesen Zau­ber erdacht hatte, herniedersieht, scheinen ein melancholisches Lied zu singen von irdischem Leid und irdischer Vergänglichkeit.

Still schlug die kleine Gesellschaft, zu der auch die beiden hoch aufgeschoßenen Söhne, des Erafenpaares gehörten, den Rückweg zu der am Eingang des Schlotzgartens gelegenen Restau­ration ein. Graf Alten hatte eine Erfrischung bestellt und sich einen Tisch reservieren laßen, da das Haus kaum die Zahl der Gäste zu faßen vermochte, die das schöne Wettet heute in grö­ßerer Menge noch als sonst herbeilockte. Alle Tische in der offenen Veranda vor bet Restau­ration waren dicht besetzt. Teller klirrten, Gläser klangen, lautes Gespräch flog hin unb wieder. Nur mit Mühe gelang es Graf Alten, mit seinen Damen und den beiden Knaben bi», zu seinem freigehaltenen Tisch zu gelangen. Der Kellner stand schon wartend da, bie bestellten Speisen waren bereit, unb et eilte, sobald sich bie erwarteten Gäste niedergelassen hatten, sttz herbeizuholen. (Forts, folgt!

Getrennte Welten.

Roman von Clarissa Lohde.

(Fortsetzung.)

U'uj Bruno," fiel Ellen, in der aller Aer- jtr über bie von ihr schwer genug empfundene Kränkung aufstieg, ihrer Schwester ins Wort, ist dessenungeachtet immer nur des Lobes voll über seine Schwägerin und spricht von ihr nur in Ausdrücken höchster Verehrung und Bewun­derung. Wäre sie nicht eine verheiratete Frau, könnte ich fast eifersüchtig werden."

Von ihm finde ich das seht hübsch und rit­terlich," verteidigte bie Kommerzienrätin ben Schwager. Sie kam jetzt oft in bie Lage, bes Entfernten Partei nehmen zu müßen. Denn je länger Ellen von Bruno fern, bem Einfluß feiner Person entrückt war, besto mehr fanb sie an ihm zu tadeln, namentlich auch gefielen ihr feine Briefe nicht. Sie hatten etwas so unaus­stehlich Belehrendes, als schriebe nicht ein Ver­lobter, der doch bie Pflicht hat, bis über bie Ohren in seine Braut verliebt zu sein und ihr alles mögliche Schöne zu sagen, sondern ein Schulmeister an sie, der noch die Notwendigkeit empfindet, sie zu erziehen. Das hatte ihr selbst die Freude am Schreiben verdorben, unb sie be­schränkte sich einfach bar auf, ihn über ihre Er- irbniße auf dem Laufenden zu erhalten. Er sollte empfinden, daß er sie gekränkt habe, sollte klbbitte leisten. Soviel ftanb fest bei ihr: tyran­nisieren würde sie sich nicht laßen, selbst nicht »on bem doch hauptsächlich durch ihr Bemühen »erühmt gewordenen Dichter. Waren doch auch hr« Hoffnungen, baß ihre Verlobung in der

Als Graf Alten und seine Frau mit ihren beiden ältesten Söhnen, die jüngeren waren unter Aufsicht der Bonne in München geblieben, am bestimmten Tage in Partenkirchen eintrafen, fanden sie Editha zwar bleich unb müde, aber boch freundlich und zuvorkommend wie immer. Voll Eestaunen jedoch hörten die Angekomme- nen, daß Dietrich auf einer Fußtour abwesend sei. Graf Alten kannte ja den Fürsten Löben und wußte, baß der Pferdesport ihn «nit Diet­rich zusammengesührt hatte, aber er war eben­so wie Editha überzeugt, daß die Sache sich anfcers verhalte, und er ahnte, daß Dietrich den in München geplanten übermütigen Streich, mit der reizenden Randolf eine lustige Wander­ung durch bie Berge zu unternehmen, jetzt wirk­lich ausgeführt habe. Nur Asta äußerte gegen den Gemahl die Hoffnung, von der sie nicht laßen wollte, daß ihr Bruder die Wahrheit ge­sprochen und wirklich zum Besuch des fürstlichen Rennstalls fortgegangen fei. Sie habe zwischen bem Fürsten unb Dietrich während dessen letzter Anwesenheit in München einen solchen Besuch verabreden hören.

Die Fahrt nach Linderhof kam, wie schon in München geplant worden war, zur Ausführung. Es war ein klarer Sommertag, und Berge und Wälder prangten im herlichsten Grün. Man war erst nachmittags aufgebrochen, kam aber doch noch zur Zeit, um nach Besichtigung des Schloßes und Parkes noch bem Springen der Waßer zuzusehen, die täglich nur zweimal, mit­tags um zwölf unb abends um sechs Uhr, vor bem Publikum für einge Minuten ihre Pracht entfalteten. Trotz des Hellen Sonnenscheins unb tzex ben Park durchflutende» Menschenmenge lag

er hat es selbst gesagt bie Tage Austerlitz, Ulm unb ^ena, bie Zeit unserer Selbstzerfleisch­ung unb tiefsten Erniedrigung. Als ein Schwär­mer mag bet königliche Jüngling Vielen er­schienen sin, der gerade in diesen Tagen den un­erschütterlichen Glauben an eine nationale Wie­dergeburt unb Einigung bes deutschen Volkes nicht aufgab. Wenden wir nun ben Blick zu dem Bilde des Fürsten Bismarck. Wie hohe Be­deutung et dem schönen Verhältnis des Ver­trauens beimaß, in dem er zu König Ludwig II. stand, das hat er noch in feinenGedanken unb Erinnerungen" bekundet, wo niemand ohne Be­wegung die Briefe lesen wirb, bie er an ben ver­ewigten König schrieb unb von ihm empfing. Es spricht aus biefen Briesen neben bet Ver­ehrung für bas bayrische Königshaus auch jene weise Schätzung bes nationalen Wertes bet beut= scheu Fürstenhäuser, bie Fürst Bismarck einmal im Reichstag in ben Worten nieberlegte:Mein Vertrauen darüber, daß unsere Einheit auch in Zukunft gesichert sei, beruht heutzutage auf ben Dynastien" bas Vertrauen in bem nationalen Sinn bei Dynastien, bem die sorgsame Achtung ihrer Rechte entspricht. Kein Kanzler bes Deut­schen Reichs wirb sich hier jemals von ben Bah­nen entfernen dürfen, bie Fürst Bismarck vor­geschrieben hat, unb mir persönlich ist es ein Be­dürfnis, Zeugnis dafür abzulegen, daß ich bie Achtung vor diesen Rechten als gleichbedeutend betrachte mit der Achtung vor ben föderativen Grundlagen des Reiches. Die deutschen Dyna­stien und die deutschen Stämme, durch gleiche Vaterlandsliebe und gemeinsame nationale Ge­sinnung in unlöslicher Einheit miteinander ver­bunden, sie können doch sicher sein, daß die An­sprüche der Gesamtheit niemals das Opfer ihrer Eigenart verlangen, mit deren Verschwinden das Deutsche Reich um ein wesentliches Gut ver­armen würde, jene Eigenart, bie sich erst recht zu entfalten vermag im Schirm unb Frieden des Deutschen Reichs, wie es der Dichter besingt:

Eins nach außen, schwertgewaltig, Um ein hoch Panier geschart, Doch im Innern vielgestaltig, Jeder Stamm nach seiner Att.

Meine Herren! Es ist eine denkwürdige Stunde, wo an dieser durch den Patriotismus unb ben Kunstsinn des bayerischen Herrscherhauses ge­schaffenen Stätte bas Denkmal bes ersten Reichs­kanzlers eingeweiht wirb. Und es sind Gefühle tiefer Dankbarkeit, mit denen wir rufen: Gott schütze unb erhalte bas Haus Wittelsbach!

Nachbem Fürst Bülow seine Rede beendet hatte, legte er vor der Büste bes ersten Reichs­kanzlers einen Lorbeerkranz nieder; Minister­präsident v. Podewils folgte mit einem Lorbeer­kranz des Prinzregenten unb einem solchen ber Staatsregierung. Der Präsident der Kammer ber Reichsräte, Fürst zu Löwenstein, bie beiden Vizepräsidenten der Kammer ber Abgeordneten, der Fürst von Thurn und Taxis, bie Bürger­meister von München, Augsburg, Regensburg

Man abonniert auf die täglich erscheurendeOberheist)che

Zeitung" bet allen Postämtern und unfern ZettungSstellen tn

9.47 Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21. . _

- Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2^25 Mk. (ohne 20. CftObCI 1908

Bestellgeld), bet unfern Zeitungsstellen und der Spedition 2 $11. 60 »'