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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain *
«nd den Deila gen: .Literarischer Anzeiger-. ,,Kaudwir1schaftliche Deilage" und „Illustriertes K-mttassblatt".
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Marburg
Sonntag, 18. Oktober 1908.
Die Jnsertionsgebühr beträgt für tue 7gespaltene Zeile oder deren Raum "15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C Hltzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
43. Jahrg.
Zweites Blatt.
Kapltattsmus und Nationalismus.
Es ist unleugbar, daß die Ereignisse, die sich während der vergangenen Woche auf der Balkanhalbinsel abg.spielt haben, die Möglichkeit kriegerischer Verwickelungen nähergerückt haben. Die deutsche Sozialdemokratie ist nun eifrig am Werke, den verhaften „Kapitalismus" für diese drohende Kriegsgefahr verantwortlich zu machen. Vor einigen Tagen schon sprach der „Vorwärts" von der :m Dienste des Kapitalismus stehenden Diplomatie, und angesichts der Aeutze- rungen des englischen Handelsministers Churchill über die Notwendigkeit einer starken Flotte sagt das sozialdemokratische Zentralorgan: „So kapitulieren auch die letzten bürgerlichen Verfechter der Friedens- und Abrüstungspolitik angesichts der Interessengegensätze, die der Kapitalismus immer aufs neue zwischen den Nationen schafft" Es ist geradezu unsinnig, den Kapitalismus für di? Ereigniffe auf der Balkanhalb- lniel verantwortlich zu machen. Noch ist keine Flinte losgegangen, aber die Kapitalisten verspüren schon jetzt den Schaden, den ihnen die Verwirrung im nahen Orient bringt. An dem Tage, an dem die Annexion Bosniens und die Unabhängigkeitserklärung Bulgariens bekannt wurden — am 5. Oktober —'wurden an allen europäischen Börsen viele Millionen verloren. Käme es gar zum Kriege, so würden sich die Verluste vervielfachen. Gewiß werden bei jedem Kriege eine Anzahl von Kapitalisten (Lieferanten von Waffen, Uniformen, Lebensmitteln «sw.) reich, aber der Vorteil, den diese verhält- yismäßig beschränkte Zahl von Leuten hat, verschwindet neben dem ungeheuren Nachteil für die große Masse der Kapitalisten. So ist also ein Krieg vom kapitalistischen Standpunkte aus sicherlich ein Unglück und deshalb kann es dem Kapitalismus gar nicht beifallen, die Interessengegensätze zwischen den Nationen zu verschärfen, sein oberster Grundsatz ist vielmehr „Quieta non movere."
Etwas ganz anderes wäre es, wenn der „Vorwärts" den Nationalismus für die Valkanwir- ren verantwortlich gemacht hätte. Die Annexion Bosniens und der Herzegowina hängt eng mit der Nationalitätenfrage zusammen. Hätten die Serben sich nicht seit Jahr und Tag bemüht, ihre in den nunmehr okkupierten Gebieten lebenden Landsleuten zur Empörung gegen die österreichisch-ungarische Monarchie aufzuputschen, so hätte Oesterreich-Ungarn kaum an dem bestehenden Zustande gerüttelt. In noch höherem Grade entspringen die Unabhängigkeitserklärung Bulgariens und der proklamierte Anschluß Kretas an Griechenland nationalistischen Beweggründen. Der nationalistische Gedanke hat bei allen Völkern nicht nur Europas, sondern der ganzen Welt im letzten Jahrhundert ungeheure Fort-
44 ■v-nTitTi'tf verboten. I
Getrennte Welten.
Roman von Clarissa Lohde.
(ftcrtfefcunfl.)
„Das wird erst der Erfolg lehren. Wie weit weine Macht reicht, kann ich heute noch nicht beurteilen. Aber ich werde sie anwenden und tzwar gegen ihn, das verspreche ich Ihnen."--
Unter den Insassen des Landauers, der jetzt Langsam die zum Fernpaß steigende Straße bin- «uffuhr, war die Begegnung von gleich aufregender Wirkung gewesen, wie bei dem nach Nasiereith wandernden Paare.
„Sie kennen meinen zukünftigen Schwager, den Baron von Nothenfels auf Frauenstein?" fragte Ellen mit einem ihr sehr gut stehenden "mädchenhaften Erröten den ihr gegenübersitzenden Grafen Holm, mit dem sie schon in Gastein, wo ihre Eltern die Kur gebraucht hatten, zusammengewesen war, und der ihr seitdem wie ein Schatten folgte. Schwager und Schwester, die nur kurze Zeit zum Besuch der Eltern in Gastein geweilt hatten, befanden sich jetzt auf der Reise nach Baden-Baden, wo der Kommerzienrat eine Villa besaß. Kinder mit Lehrer Und Gouvernante waren bereits dort. Frau Hiller war mit ihrem Gatten noch über Bregenz nach Heiden gefahren, welches Bad der stark an Asthma leidenden Dame zur Kur verordnet war.
Ellen hatte es vorgezogen, dem langweiligen Badeleben in dem hochgelegenen Schweizer Kurort aus dem Wege zu gehen und lieber die Geschwister nach dem viel amüsanteren Baden-Baden zu begleiten. Die Fahrt durch das bayerische Hochland war ein rasch improvisierter Abstecher,
schritte gemacht und er ist die Haupttriebfeder der meisten großen politischen Ereignisse.
Daß auch die Sozialdemokratie, die so gern mit ihrer Tatennationalität, also mit der ausgesprochenen Feindschaft gegen den Nationalismus, prunkt, nationalistischen Empfindungen keineswegs unzugänglich ist, zeigt sich gerade gelegentlich der gegenwärtigen Balkanwirren. Der „Avanti", also der ins italienische übersetzte „Vorwärts", verlangt ganz offen, daß Italien sich als Gegenleistung für die Annexion Bosniens und der Herzegowina auf österreichischem Boden schadlos halten solle. Man solle das Trentino besetzen und wenn man auch von der Besetzung Triests vorläufig Abstand nehmen möge, so muffe doch wenigstens eine italienische Universität für diese Stadt verlangt werden. Daß Oesterreich-Ungarn nicht ohne Kampf die fruchtbaren Gebiete Südtirols aufgeben würde, muß dem „Avanti" klar sein. Zum bloßen Vergnügen sind ja die kostspieligen Befestigungen an den österreichisch-italienischen Grenze sicherlich nicht errichtet worden. Dem „Avanti" aber scheint der Zeitpunkt so günstig und das sozialistische Blatt ist derart von nationalistischen Empfindungen beseelt, daß es ihm auf einen Krieg gar nicht ankäme, wofern nur die Wünsche der italienischen Irredentisten BefriÄigung fänden.
Was sagt der „Vorwärts" zu dieser „Durchseuchung" des italienischen Bruderorgans mit dem „Gifte" des Nationalismus? Er hat sich ja von diesem Gifte immer freizuhalten gewußt und die Schippel, Galmei und Konsorten sind ihm immer ein Greul gewesen. Aber wenn auch die sozialdemokratische Führerschaft die nationalistischen Empfindungen bei sich selbst nach Kräften ausmerzt, und wenn sie auch solche „Genossen", die derartigen Empfindungen Ausdruck geben, nach Möglichkeit auf tote Geleise schiebt und sie in der Partei einflußlos zu machen sucht, so sind doch die sozialistischen Masten in viel höherem Maße nationalistisch, als es die Führerschaft auch nur ahnt. Empfindungen, die die ganze Welt durchziehen, lasten sich nicht durch Parteiprogramm aus der Welt schaffen. Die australische Sozialdemokratie hat aus ihrem strengen Nationalismus nie ein Hehl gemacht, bei der italienischen tritt er jetzt deutlich zutage und bei den sozialistischen Masten Deutschlands wird, daran zweifeln wir nicht, das nationale Empfinden in der Stunde der Gefahr den Sieg über alle Irrlehren des „Vorwärts" davontragen.
— lieber den Verkehr mit Kraft-Last-Fahrzeugen haben der Landwirtschaftsminister, der Minister der öffentlichen Arbeiten und des Innern folgenden Erlaß an die Oberpräsidenten gerichtet: Bei der Ausführung unseres Erlöstes vom 16. Juni vorigen Jahres find vereinzelte Schwierigkeiten hervorgetreten, welche ihren Grund hauptsächlich in der von den Wegebau-
zu dem man sich erst in Innsbruck, wohin man die Eltern begleitet, entschlossen hatte. Graf Holm war ein Herr mittleren Alters, mit ein wenig verlebtem Gesicht, aber tadellosen Manieren. Er hatte etwas wild gelebt, war aber im Begriff solide zu werden, und suchte nach einer Frau, um seine stark zerrütteten Finanzen durch ihr Vermögen aufzubessern. Die an ihn gerichtete Frage des schönen Mädchens beantwortete er mit etwas boshaftem Lächeln:
„Ganz gut! Wir find häufig Konkurrenten bei den Rennen."
„Und die Dame, die mit ihm war?" warf nun die Kommerzienrätin sich vorbeugend ein.
„Seine Frau schien es nicht zu sein. Da er mit Bruno, dem Verlobten meiner Schwester, nicht verkehrt — Sie haben vielleicht davon gehört, wie unnobel er sich gegen feinen Bruder benommen — kenne ich auch seine Frau nur von Ansehen: sie soll übrigens an Hochmut ihm nichts nachgeben."
„Auch ich kenne die Baronin kaum, sie lebt sehr cingezogen. Dagegen habe ich die Dame an des Barons Seite recht gut erkannt."
„Die Randolf," flüsterte Ellen nun. „Ich glaube, ich habe mich nicht geirrt."
„Ja, die Randolf," stimmte der Graf zu.
„Eine Dame übrigens, der Herr Kommerzienrat wird mir beistimmen, die gar nicht wert ist, von so schönen Lippen genannt zu werden."
Ein bewundernder Blick aus den kleinen, funkelnden Augen des Grafen traf Ellen, der ihr noch heißer das Blut in die Wangen trieb. Sie lehnte sich in die Wagenecke zurück und überließ sich den halb angenehmen, halb ärgerlichen
pflichtigen vertretenen Auffassung haben, daß der Verkehr mit Lastkrafffahrzeugen, auch wenn diese im einzelnen den gesetzlichen Vorschriften genügen, nicht unter den Gemeingebrauch der Wege falle. In dem erwähnten Erlaß ist bereits ausgesprochen, daß die Verwendung der Lastkraftfahrzeuge unter den Gemeingebrauch der Wege zu rechnen ist, soweit die Fahrzeuge den für Ladungsgewicht, Radfelgenbreite, Beschaffenheit der Radkränze, Anhängewagen usw. der Fuhrwerke geltenden Vorschriften entsprechen. Die gegenteilige Ansicht findet in den gesetzlichen Bestimmungen keine Stütze. Die Wege- gesetzgebung in den älteren Provinzen kennt nur den Begriff der „Fuhrwerke" und als zu diesen gehörig müssen daher ebenso wie die Per- sonenautomobile auch die Lastautomobile gerechnet werden. Die Auffassung, daß die Benutzung von Kraftfahrzeugen der Regel nach unter den Gemeingebrauch der öffentlichen Wege füllt, hat auch die Billigung des Oberverwaltungsgerichts gefunden. Hiernach muß" daran festge- halten werden, daß einzelne Lastkraftfahrzeuge ebenso wie Lastkraftzüge, welche den gesetzlichen Vorschriften im einzelnen genügen, ohne besondere Genehmigung auf den öffentlichen Straßen verkehren dürfen. Dies gilt insbesondere, was das Gewicht betrifft, für solche Fahrzeuge, deren Ladungsgewicht 7,5 Tonnen nicht übersteigt, die also insgesamt (Fahrzeug und Ladung) nicht mehr als etwa 9 Tonnen wiegen. Wir weisen hierbei daraus hin, daß neuerdings seitens der Militärverwaltung Lastkraftzüge in Gebrauch genommen worden sind, welche nur aus zwei Wagen bestehen, deren jeder beladen das angegebene Gesamtgewicht nicht überschreitet und welche auch im übrigen den gesetzlichen Vorschriften entsprechen. Dieser Typ eines Last- kraftzuges wird mit Unterstützung der Militärverwaltung demnächst auch bei Privaten Eingang finden. Seiner ungehinderten Benutzung werden also keine Bedenken entgegenstehen. Für die Verwendung aller Lastkraftzüge dagegen mit höherem Gewicht oder mit sonstigen von den gesetzlichen Vorschriften abweichenden Eigenschaften ist die besondere Genehmigung der Wegebaupflichtigen erforderlich, und für sie greifen also die in unserem Erlaß vom 16. Juni v. I. getroffenen Anordnungen Platz. Für alle Arten von Lastkrastfahrzeugen ist naturgemäß der Verkehr auf denjenigen Straßen und Brücken nicht zulässig, welche nach ihrer Bauart Fuhrwerke von dem betreffenden Gewicht nicht tragen können. Straßen und Brücken, bei welchen dies in Frage kommt, werden daher durch Polizeiverordnung für die eine bestimmt anzugebende Gewichtsgrenze überschreitenden Fuhrwerke zu sperren fein, lieber die Bildung der nach unferm Erlaß vom 16. Juni v. I. im Falle von Meinungsverschiedenheiten zu berufenden Schiedsgerichte beabsichtigen wir nicht eine allgemeine Anweisung zu geben, überlassen es vielmehr der Vereinbarung in den einzelnen Provinzen.
— Aus der deutschen Univerfitäts-Statiftik. Aus der amtlichen Statistik ist zu entnehmen, daß auf den deutschen Universitäten im Jahre 1892/93 von je 10 000 männlichen Einwohnern • 10,55, 1899/1900: 11,06 und 1905/06 12,67 Schüler vorhanden waren. Im nördlichen Deutsch-
Gefühlen, die des Grafen Huldigung in ihr erregte.
Angenehm, weil diese Huldigung des vornehmen Mannes ihrer Eitelkeit ungemein schmeichelte, ärgerlich, weil sie Vergleiche zog mit dem Verhalten Brunos gegen sie, der es nicht einmal für nötig gehalten hatte, sie auf der Reise zu begleiten. Aus Verdruß darüber, und um sich zu zerstreuen, kokettierte sie auch etwas stärker mit ihrem neueroberten Verehrer, als es für eine Braut eigentlich schicklich war. Ihre Schwester bemerkte das zuweilen nicht ohne Unwillen und ließ es an Ermahnungen nicht fehlen, über die Ellen jedoch nur lachte. Warum sollte sie sich nicht mit dem Grafen ein wenig amüsieren! Wäre Bruno mitgereift, dann wäre es ihr ja nicht eingefallen. Aber so wäre es doch selbstverständlich, daß sie die ihr gewährte Freiheit noch ausnützte. Denn das hatte sie wohl gemerkt, über feine Frau würde Bruno strenge Aufsicht führen und ein sie eifersüchtig von der Welt abschließender Ehemann fein. Dem stimmte die Schwester im Innern bei, und zudem war die Sache nur von kurzer Dauer. Schon in München, wohin sie nach dem Besuch der Königsschlösser gehen wollten, trennte sich der Graf wieder von ihnen. Freilich hatte er davon gesprochen, daß er zu dem im September stattfindenden Rennen nach Baden-Baden kommen würde, aber da man sich erst in der Mitte des August befand, war bis dahin noch einige Wochen Zeit, und mittlerweile würde Ellen ihn wieder vergessen haben.
Es war spät, als die kleine Gesellschaft in Partenkirchen eintraf, wo für einige Tage Station gemacht werden sollte.
land entsenden im Verhältnis zur Bevölkerungs- zahl die meisten Studierenden (nämlich 1520 auf je eine Million männliche Einwohner) die beiden Mecklenburg. Erst dann folgt Brandenburg mit Berlin mit 1489 Studierenden auf je eine Million, während Berlin für sich allein genommen mit 2266 Studierenden auf eine Million männlicher Einwohner dem ganzen übrigen Reiche beträchtlich voran steht. Die wenigsten Studierenden kommen aus den Provinzen West- preußen (738), Posen (838) und Schleswig-Holstein mit Lübeck (880). — Von den Gebieten des westlichen und mittleren Deutschland zeigt Hessen-Nassau mit Waldeck (1591) die stärkste Beteiligung, die zweitstärkste die freie Hansestadt Bremen (1412). Die übrigen Länder und Länderverbindungen halten sich dem Durchschnitt der zweiten Zone (1263) nahe; nur Oldenburg steht ihm erheblicher nach. — In der südlichen Zone nimmt Hessen eine Sonderstellung ein, indem es mit 1884 Studierenden auf 1 Million männliche Bewohner, nicht nur sämtliche Gebiete des Südens, sondern aller drei Zonen ein gut Teil hinter sich läßt. Der nächstfolgende Staat Baden (1583) weist zwar 300 weniger aber damit ungefähr immer noch ebensoviel Studierende auf wie die beiden am stärksten beteiligten Länder der ersten und zweiten Zone. Auch Bayern mit 1443 Studierenden überschreitet noch den hohen Durchschnitt der dritten — südlichen — Zone (1425). Württemberg, verbunden mit Hobenzollern (1257) und Elsaß-Lothringen (1104) erreichen ihn zwar nicht mehr, übertreffen aber immer noch den Durchschnitt der ersten Zone und bleiben nicht weit hinter dem der zweiten zurück.
— Zur Reform der Arbeiterversicherung. Der Staatssekretär des Innern hat zu den Ende Oktober im Reichsamte des Innern ftattfinben* den Sitzungen über die Reform der Arbeiterversicherung Vertreter folgender Jnteressenten- gruppen eingeladen: 1. Zur Besprechung der Fragen der Krankeiwersicherung: Vertreter der Orts-Betriebs- unddJnnungskrankenkassen, bet Knappschaftskrankenkassen, der freien Hilfskassen sowie der Kassenbeamten. 2. Zu den Konferenzen über die Umgestaltung der anderen Zweige der Arbeiterversicherung: Vertreter der Landesversicherungsanftalten, und zwar sowohl beamtete Mitglieder als Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus den Vorständen; Vertreter der gewerblichen und der landwirtschaftlichen Unfallberufsgenossenschaften, sowie als Vertreter der der Unfallversicherung unterliegenden Arbeiter eine Reihe nichtständiger Mitglieder des Reichs-Versicherungsamts. 3. Für die Beratungen der Verhältnisse der Krankenkassen zu den Zahnärzten und den Apotheken; Vertreter der Krankenkassen, der Zahnärzte, Zahntechniker, der Apotheker und bet Drogisten. Außerbem werben an bett Konferenzen teilnehmen: Vertreter des Reichs-Ber- sicherungsamts, ber Landesversicherungsämter, des Kaiserlichen Gesundheitsamts, sowie der Reichs- und Landeszentralbehörden. Die Fragen sollen nicht ein irgendwie bindendes Programm darstellen oder den Kreis ber zu be* fprechenben Fragen beschränken; sie sinb viel- mehr lediglich bazu bestimmt, einen vorläufigen Anhalt für ben äußeren Gang ber Verhand-
„Welche Frechheit von einem verheirateten Manne," bemerkte die Kommerzienrätin, als der Graf sich zurückgezogen hatte, und sie mit Mann und Schwester allein war, „sich so öffentlich auf bet Lanbstraße mit ber verrufenen Ranbolf zu zeigen."
„Besonders da feine Frau, wie Bruno schrieb, augenblicklich sich in Pattenkirchen zum Sommeraufenthalt befinbet,“ fügte Ellen hinzu.
Auch der Kommerzienrat schüttelte ben Kopf.
„Ja, biefe Herten erlauben sich alles, trotz so hochgespannter Ehrbegriffe, die sie selbst auf einen Mann wie Bruno herabsehen lassen, als sei er nicht roürbig, in ihre Familie ausgenommen zu werben."
Der Groll des braven Mannes, bet ein vorwurfsfreier Gatte unb Vater war, kam aus bem Hetzen. Freilich vergaß er babei, wie er und die ganze Familie danach getrachtet hatten, des stolzen Ftauensteiners Bekanntschaft zu machen, wohl gar als Verwandte in dem alten Majo- ratssitze ausgenommen zu werden; und feine sittliche Entrüstung hätte sich wahrscheinlich weniger scharf geäußert, wenn er und seine Familie sich nicht durch Baton Dietrich verletzt gefühlt hätten.
„Mir tut, beim Himmel, die arme Fra« leid," meinte die Kommerzienrätin, „obwohl sie sich gegen uns nicht gerade entgegenkommend bewiesen hat. Tun sie doch alle, die Rothenfels unb Altens, als kennten sie uns gar nicht, obwohl doch Ellen die Braut ihres Bruders und Schwagers ist."
- Wortsetzung folgt.)