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i mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg rmb KirchhM

««d de« Beilage«:Kiteramschrr Auzelgsr*^ ..^audwirlschafttichc Beilage" undIllustriert-« Karmtagsblatt".

Di- KnsertionSgebühr betrat für bie 7».spalten- Zeile

Jtl 246 ^irchl> akn «M. W.tttr f2e bei unserer Expedition - Markt 21. ,b« leren ffimtm 15 i tfennig, für SReKamen Jfenmg - .

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Seftengelb), bei unfern Z-itungSstell-n und bet Expedition 2 Mk. 001111104, ±O. 4JUVDCT Iwö, Inhaber Dr. C.Hltzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Erstes Blatt.

Ein Doppelfest im Kaiserhause.

Wat nächsten Donnerstag vollendet Auguste Bittoria, Deutsche Kaiserin und Königin von Preußen, ihr 50. Lebensjahr. Am gleichen Tage wird ihr vierter Sohn, Prinz August Wil- fchn, seine Braut, die Prinzessin Alexandra Viktoria zu Schleswig-Holstein-Sonderburg- Elücksburg, zur Vermählung in die Branden­burgische Brautkammer des Königlichen Schlosses zu Berlin führen. Wie man am 27. Februar 1906 die Hochzeit des Prinzen Eitel Friedrich und der Prinzessin Sophie Charlotte von Olden­burg mit dem Tage der Silberhochzeit des Kaiserpaares vereinigte, so feiert man auch heute wieder zwei Feste zusammen: ein Zeichen, wie innig die Familienbande in unserem Kaiser­hause geknüpft sind, und wie das Gefühl der Herzlichkeit und Zusammengehörigkeit den Ge­danken jeder Förmlichkeit weit hinter sich läßt.

Fünfzig Jahre alt wird unsere Kaiserin. Das ist ein Zeitabschnitt im Leben, in dem man die Höhe eben überschritten zu haben meint. Aber die Elastizität der Erscheinung, das helle blühende Antlitz '.nd die Freude, mit der die Kaiserin ihre vielen Pflichten als Wohltäterin ihres Volkes erfüllt, beweisen uns, daß die er­lauchte Frau noch lange nicht an den Rand der Tage gekommen ist, von denen der Prophet sagt: sie gefallen mir nicht. Das deutsche Volk kennt die Kaiserin gleich dem Kaiser immer noch als die junge Kaiserin, wie sie vor zwanzig Jahren im reifen Vollgefühl der Jugend mit ihrem kaiserlichen Gemahl den Hohenzollernthron be­stieg. Was seitdem durch sie geschah, ist ihr nicht vergesien. Hell leuchtend tritt, wenn je in Deutschland von Familienleben und Wohltätig­keitssinn gesprochen wird, ihr Bild hervor. Sie ist der gute Genius der kaiserlichen Familie und hat durch ihr makelloses Beispiel als Gattin und Mutter als ein Vorbild deutscher Frauentugend gewirkt. Das ist in unserer Zeit der Zerbröcke­lung der tiefsten Ideale eines Volkes, der Fa­milienideale, von hoher sittlicher Bedeutung.

Es ist so: wer in Deutschland an die Kaiserin denkt, dem steht ein unendlich liebenswürdiges .Bild von Anmut, Anschmiegsamkeit, Mütterlich­keit und frauenhafter Güte vor dem inneren Auge. Man sieht mehr die Frau als die gekrönte Deutsche Kaiserin. Eie mischt sich nicht in poli­tische Themata, vermeidet es, mit ihren Mei­nungen auf die Oeffentlichkeit wirken zu wollen, und gehört zu keiner Partei als zu der einen, die das Wirken der Frau am .höchsten anschlägt, wenn sie es im Hause und in der Familie sucht. Was darüber hinausgeht, könnte höchstens den Zweig der Wohltätigkeit betreffen. Vorbildlich folgt die Kaiserin di-sen Wegen. Als Frau hat sie eine Ehe begründen helfen, an der kein Ma­kel ist; als Mutter hat sie dem Hohenzollern- Hause sechs gesunde Prinzen und eine Prinzessin MOgesckenkt; als Kaiserin empfängt sie die Dankbar- ' Lei'Her, die in den Zeiten der Not jemals ihre wohltätige Güte und den Zauber ihres gütigen Blickes erfahren haben.Das Band, welches mich mit dieser Provinz verbindet und sie vor allen anderen meines Reiches an mich kettet, das ist der Edelstein, der an meiner Seite glänzt, Ihre Majestät die Kaiserin. Dem hiesigen Lande Entsprossen, das Sinnbild sämtlicher Tugenden seiner germanischen Fürstin, danke ich es ihr, Wenn ich imstande bin, die schweren Pflichten meines Berufes mit dem freudigen Geiste zu er« Mllen, und ihnen obzuliegen, wie ich es ver- Mag." Diese Worte sprach der Kaiser im Sep­tember 1890 in Glücksburg beim Besuch der Pro­vinz Schleswig-Holstein. Sie sind ganz ohne Pose die schlichteste und treffendste Charakteri­sierung der Kaiserin. An ihrer Erscheinung prallt der Spott jener Emanzipation, die selbst die Ehe dem Herzenszuge des Gemüts entwöh­nen und sie dem Verstände überliefern will, jäh­lings ab.

Möge die junge Ehe, die des Kaiserpaares vierter Sohn August Wilhelm mit der anmutt- gen Prinzessin Alexandra zu Schleswig-Holstein am 22. Oktober schließen wird, von dem glück­lichen Stern seines hohen Elternpaares begleitet fein!

, Beisetzungsfeierlichkeiten für den Verstor­benen Dr. Schoen. Lübeck, 16. Ott. Unter Teil- «ahme der gesamten Bevölkerung fand die Bei­

setzungsfeier für den verstorbenen präsidierenden Bürgermeister Dr. Schoen statt. Ihr wohnten der preußische Gesandte in Hamburg, Graf Götzen, der präsidierend« Bürgermeister Dr. Burchard-Hamburg, der Vorsitzende des Bremer Senats, Bürgermeister Dr. Pauli, die in Lübeck domizilierten Konsuln Rußlands, Schwedens, Norwegens, Dänemarks, Frankreichs und der Vereinigten Staaten von Amerika u. a. bei. Hauptpastor Lindenberg hielt in der Marien­kirche am Sarge die Trauerrede; sodann setzte sich der Leichenzug nach dem Kirchhof St. Eer- trudstadt in Bewegung. Am Grabe legt im Aufttage des Kaisers Freiherr von Lüttwitz einen Kranz nieder.

Die erst« Lesung der Finanzrcform-Vor- lage« ist nach derNeuen politischen Korrespon­denz" am Schluß dieser Woche beendet. Dem Vernehmen nach sind mancherlei wichtige Detail­änderungen, die den eingebrachten Wünschen Rechnung tragen, zur Annahme gelangt; im ganzen hat jedoch der Bundesrat die Vorlagen, wie sie ursprünglich in Aussicht genommen wa­ren, als solche akzeptiett.

Zur Revision der Berner Urheberrechts- Übereinkunft. Berlin, 16. Ott. Die Kommission der internationalen Konferenz zur Revision der Berner Urheberrechtsübereinkunft konstituierte sich heute Nachmittag unter dem Vorsitz von Louis Renault-Paris. Man trat in die Be­sprechung der deutschen Vorschläge zu Art. 2 ein und behandelte die Tragweite der Bestim­mungen der Berner llebereinkunst im allgemei­nen und die Ausdehnung des zu gewährenden Schutzes und die Bemessung der Schutzfrist. Es zeigten sich mehrfache Mess: ngsverfchieden- hetten, sodaß die Weiterbesprechung auf Montag den 19. ds. vertagt werden mußte.

Die deutsche Infanterie benutzt zu A u s - bildungszwecken und zum Gebrauch im Gefecht denkleinen Entfernungsmesser M. 99" und die beidengroßen Entfernungsmesser Bickel und Hahn", so genannt nach den Erfin­dern, zwei deutschen Offizieren. Vor kurzem ist nach derNeuen polit. Korresp." derkleine Entfernungsmesser" M. 99 abgeschafft und durch denkleinen Entfernungsmesser 06" ersetzt wor­den. Dieser dient auch, gleich seinem Vorgänger, in erster Linie der Ausbildung, kann aber auch zum Festlegen von Entfernungen nach weithin sichtbaren Punkten im Vorgelände einer Vertei­digungsstellung benutzt werden. Bei der Wich­tigkeit, die das richtige Enffernungsschätzen für die Feuerwirkung hat, wird überall diesem Aus- bildungszweig große Bedeutung und Aufmerk­samkeit zugemessen. Bekanntlich werden auch die zur Jnfanterie-Echießschule kommandietten Offiziere mit demgroßen Entfernungsmesser" vertraut gemacht, und am Schlüsse des Kom­mandos findet außer dem Preisschießen auch ein Preis - Entfernungsschätzen, das sogenannte Preisbickeln" statt.

Schfffsmodell-Bersuchsstatio«. Der Wunsch, von der Fahrgeschwindigkeit, der Stabilität, den Krängungsverhältnissen und anderen spä­teren Eigenschaften neu zu erbauender Schiffe von vornherein ein möglichst genaues Bild zu erhalten, um eventuell noch kurz vor Beginn oder während des Baues in der Lage zu fein, entdeckte Mängel abzustellen, hat schon vor meh­reren Jahrzehnten dem englischen Schiffbau­ingenieur W. Fronde die Anregung gegeben, für die englische Mattne eine Station zur An­stellung von Versuchen nach dieser Richtung hin zu erbauen. Ebenso besitzen die Marinen von Holland, Rußland, Frankreich, Nordamerika und Italien solche Stationen. In Deutschland besteht seit einer Reihe von Jahren eine solche Versuchsanstalt auf der Schiffswerft und Ma­schinenbauanstalt in Dresden-Uebigau. Ferner hat vor zirka fünf Jahren die Technische Hoch­schule eine Anstalt in Berlin im Tiergatten er­baut. Nunmehr sind für Erbauung einer ber« artigen Anstalt 700 000 M in den Flottenhaus­halt eingestellt. Das Reichs-Marineamt hat in Lichtenrade bet Berlin für diesen Zweck ein Terrain von zirka 30 Morgen erworben und ist mit dem Bau bereits begonnen. Das Verfahren bei den Versuchen, die in einer derartigen Sta­tion vorgenommen werden, ist kurz folgendes: Nach mehreren, untereinander verschiedenen Konstruttionsrissen desselben Schiffes werden etwa 4,5 bis 5 Mtr. lange Paraffinmobelle ge­gossen, mittelst einer sehr sinnreich erdachten Fräßmaschine direkt nach der Zeichnung in bet Fotm bes Schiffskörpers geschnitten und mittelst Krahns in das Versuchebasfin gesetzt. Sodann bringt man sie durch BleigewiKe auf den ttch- tigen Tiefgang und schleppt sie nun mit wach­sender Geschwindigkeit durch var Bassin. Hier­zu dient ein Wagen, der über dem Wasserspiegel

seitlichen Schienen rollt. Mittelst Dyna­

mometer werden hierbei bie zum Schleppen er­forderliche Kraft, der Widerstand und die Ge­schwindigkeit gemessen, auch werden bie beim Schleppen austretenden Tauchungsunterschiebe bes Mobells genau ausgezeichnet. Nach ben ge­fundenen Resultaten wird bann berjenige Kon- struktionsriß für bas Schiff gewählt, dessen Mo­dell für bie verlangte Geschwindigkeit den klein­sten Widerstand aufweist.

Koloniales. Nachdem laut rmtl. Mittei­lung in Accra seit dem 16. August d. I. kein Todesfall und kein neuer Erkrankungsfall an Pest an der Eoldküste vorgekommen ist, hat bas Gouvernement von Togo unterm 23. September bie angeorbneten Quarantänemaßregeln nun­mehr aufgehoben. Die französische Abteilung bet beutsch-ftanzöfischen Erenzkommission, be­stehend aus dem Etenzkommissat Capitaine Foutn, Capitaine Schwattz, Dt. de Puybetneau und Leutnant Vilatte ttaf am 15. August in Lome ein zut Aufnahme bet Arbeiten an bet Ostgtenze in Anecho und veteinigte sich bett mit bet bereitstehenden deutschen Abteilung. Haupt­mann Fteihert von Seeftied ist bet deutscherseits delegierte Erenzkommissar.

** Zur Katastrophe auf derJena". Paris, 16. Ott. Die Kammer beriet den Bericht der Untersuchungskommission, welche die Ursachen der Katastrophe auf dem PanzerschiffJena" zu prüfen hatte, und besprach verschiedene Inter­pellationen über die Unglücksfälle bei der Ma­rine und dem Heere. Der Berichterstatter der Jena-Kommission, Michel, erklärte, er fei fest überzeugt, daß das Pulver die Ursache der Un­glücksfälle sei.

Zur Orirntfrage.

Bor bet Konferenz.

Köln, 16. Ott. Ein Artikel betKöln. Ztg." kommentiert bie in einer Meldung bet Agence Havas angegebenen Programmpunkte für die geplante Konferenz und bemertt u. a. dazu: Das wichtigste an dem Programm ist das­jenige, was es nicht entthält. Es ist zunächst festzustellen, daß kein Wort von einer feier­lichen Verbürgung des Besitzstandes der Türkei sich findet. Darin liegt nach unserer Ansicht ein großer Fehler. Man konnte annehmen, daß Großbritannien dafür sorgen werde, daß in das Programm irgend eine Garantie des türkischen Besitzstandes ausgenommen würde. Das geschah nicht und diese Lücke wird in der Türkei sicher­lich sehr unangenehm empfunden werden. Da­gegen ist es ein Gewinn, daß die Dardanellen- frage au» der Erörterung ausgeschaltet ist. Da­mit verschwindet ein Punkt, um ben folgeschwere Zwistigkeiten hätten entstehen müssen. Ein an- berer Punkt bes Programms ist bie Verpflich­tung Bulgariens, bie Türkei finanziell zu ent­schädigen. Es handelt sich dabei in erster Linie um den ostrumelischen Tribut. Dann geht dar Blatt auf bie anderen einzelnen Programm­punkte nähet ein unb bemerkt weiter: Eine be­deutende Rolle muß natürlich der Versuch spie­len, der Türkei Genugtuung zu verschaffen. Unter anderem soll ihr die Aufhebung jener Artikel bes Berliner Vertrages, bie bie Ver­besserung des Loses der Christen in ber europä­ischen Türkei, wie der Armenier bezweckten in Wirklichkeit aber durch bie Möglichkeit einer steten Einmischung ber Mächte in innere tür­kische Angelegenheiten eine Quelle dauernder Unruhen geworden ist, moralisch-politische Ent­schädigungen bringen. Wenn ihre Abschaffung von dem Erlaß befriebigenber Reglements ab- gngig gemacht wird, ist baburch bie Gefahr von rwicklungen nahegerückt. Wir timen uns nicht vorstellen, wie sich bie neuen beftiebigenben Re- fjlement» von ben in bet Türkei zu Recht be- tehenden Vorschriften unterscheiden sollen. Sie sind vorhanden, und wenn sie nicht ganz ausge- führt sind, so liegt die Schuld gar nicht allein bei der Pforte. Eine bedingungslose Abschaffung bet Artikel wäre besser gewesen. Was bie Sondererklärungen über bie Aufhebung ber Kapitulationen unb ber fremden Postämter in Aussicht stellen, ist Zukunftsmusik. So kann man im allgemeinen von dem ganzen Programm nur sagen, baß es ein Verlegenheitsgeschöpf ist. Die großen Erwartungen, bie man baran ge­knüpft hat, besonders in der Türkei, werden nicht erfüllt.

Paris, 16. Ott. DerTemps" tadelt es scharf, baß bas in London aufgestellte Konferenz- Programm noch vor ber llebermittelung an bie. Diplomatie durch eine Indiskretion an bie fDtffentlWeit gelangt fei. Diese Veröffentlich- vna sei mehr al» eine Inkorrektheit, sie fei ein Fehler. Wenn, wie es wahrscheinlich ist, Ab- Mttungfss vorgeiMmen rvexden sollten, dann

würden diese für den einen bie Bedeutung eine» Erfolges und für bie anbeten bie einer Schlappe erhalten. Das fei nicht banach angetan, um bas Einvernehmen zu beschleunigen. Das Blatt schreibt weiter, baß Oesterreich-Ungarn bie Ver­öffentlichung bes Lonboner Programmentwurfe» als ein nicht sehr angenehmes Vorgehen be­trachte. Den Artikel 7 bes Programmes (Ser­bien zu gewährende Vorteile) werde Oesterreich, Ungarn nicht annehmen. Wohl sei Oesterreich- Ungarn erkenntlich dafür, baß bet Minister Pichon bie Abänderung bet ursprünglichen Fassung dieses Artikels (Erenzberichtigungen zu Gunsten Serbiens und Montenegros auf Kosten bes bem Sanbschak Nowibazar benachbarten Ge­bietes von Bosnien unb ber Herzegowina) ver­anlaßt habe; aber Oesterreich könne auch bie zweite Fassung, wenngleich sie unbestimmter laute, nicht annehmen. Der türkische Bot­schafter sprach sich mehreren Berichterstattern gegenüber über ben Programmentwurf aus unb sagte unter anberent, baß bie Türkei den viel­leicht auf ihre Kosten Serbien zu gewährenden Vorteilen nicht zustimmen könnte. Die Dar- danellenfrage sei eine europäische unb er könne sich nicht votstellen, wie dieselbe direkt zwischen Rußland unb ber Türkei verhandelt werden solle. Der serbische Gesandte erklärte, et könne sich übet das Programm in amtlicher Weise nicht äußern, aber die Belgrader Kund­gebungen gegen bie Annektion Bosniens zeigen beutlich, wie bas Programm in Serbien ausge­nommen werben würbe. Der griechische Ee. sanbte etklätte einem Mitarbeiter berTemps", baß er von bem Artikel 4 bes Programment­wurfes betreffenb Kreta seht befriedigt fei und hoffe, daß derselbe in Griechenland wie in Kreta eine gute Aufnahme finden werde.

Konstantinopel 16. Ott. Das Organ des Gross: : ziersJeni Gazeta" sagt, baß die -Türkei das Konferenzptogramm, welches nur auf die bosnischen unb bulgarischen Fragen zn beschränken sei, selbst bittieren müsse. Das Organ bes jungtürkischen KomiteesSchurai Ummet" ist berfelben Anschauung und fügt hin­zu, andernfalls würde bie Türkei nicht teilneh­men, ba ein erweitertes Programm bie Teilung bet Türkei bebeuten würbe. Für bie Annektion Bosniens müsse Oesterreich-Ungarn auf bie Post­ämter unb einige Kapitulationsrechte verzich­ten unb von bet türkischen Staatsschuld einen Anteil für Bosnien übernehmen. Angesichts dieser Stimmung hat die Pariser Depesche übet da» Konferenzprogramm einen bestürzenden Eindruck gemacht. (F. Z.)

Au» Serbien.

Belgrad, 16. Ott. Die Skupschtina be­willigte heute einen Kredit von 16 Millionen für militärische Rüstungen; dagegen stimmte bloß bet sozialdemokratische Deputierte Kar- lerovic.

Berlin, 16. Ott. Von maßgebender ser­bischer Seite wird die Blättermeldung, König Peter beabsichtige abzudanken, als jeder Be­gründung entbehrend bezeichnet.

Die Lage in der Türkei.

Sofia, 16. Okt. Gegenüber der Behaup­tung des türttschen Ktiegsministers über die Erenzvetstärkungen und Waffensendungen nach den befestigten Punkten Bulgariens ver­sichert bieAgence Bulgare", dass Bulgarien keine Ttuppenvetstätkungen an bie Grenze vor- Snommen unb keine Kanonen, Gewehte und omben abgeschickt habe.

Port 6aib, 16. Ott. Der Dampfet Achilles" des österreichischen Lloyd ist hier an­gekommen und berichtet, daß der aufgebrachte Pöbel von Beirut die Mannschaft mit Revol­vern und Messern bedrohte, um die Löschung ber Landung und die Landung ber österreichi­schen Post zu verhinbetn. DerAchilles" geht heute Nacht nach Alexanbria, um bie ßanbung unb bie österreichische Post für Syrien einem anberen Schiffe zu übergeben.

Oeffentliche Versammlung.

)( Marburg, 17. Ott.

Die auf gestern Abend in ben Saal bes Re­staurants Höck einberufene öffentliche politische Versammlung war von Angehörigen aller Par­teigruppen gut besucht. Reichstagsabgeordneter Dr. Böhme sprach überdie letzte Reichstags­session unb bie parlamentarischen Eegenwarts- aufgaben. Der Redner gedachte zunächst des Umstandes, baß ber nach ber Auflösung des alten neugeschaffene Reichstag bie nationalen Forbe- rungen betreffs Stärkung unserer Seemacht be­willigt habe. Deutschlanb wolle ja mit feiner Flotte Englanb nicht überflügeln, «iber es boch soweit bringen, daß mit ihr gerechnet werden müsse. Auch bet Fürsorge für das Landheer mürbe habet nicht aus bem Auge gelassen. Für alle diesbezüglichen Vorlagen fei bie wirtschaft.