Deutscher Schiffsverkehr in den Balkanbäfen.
Angesichts der Verschiebung der staatsrecht- Achen Verhältnisse auf dem Balkan dürfte es •on besonderem Interesse sein, an der Hand der reichsstatistischen Nachweisungen sich einmal darüber zu unterrichten, wie stark di« deutsche Handelsflagge in den Häfen der verschiedenen valkanstaaten in den letzten Jahren vertreten war.
Am Gesamtverkehr Griechenlands mit dem Auslande nahm Deutschland erst an sechster Stelle teil mit 5,8 v. H. der Verkehrstonnag« von 9 975 686 Reg.-Tons i. I. 1906. Der griechischen Flagge gehörten 41,9 v. H. an. Nach der Große des Verkehrsanteils folgten die österreichische Flagge mit 15,9 v. H., die britische mit 13,0 v. H., die italienische mit 10,5 v. H. und die französische mit 7,3 v. H. Wenn demnach auch die Stellung Deutschlands in der Schiffsbewegung der griechischen Häfen noch nicht bedeutend ist, so zeigt sich doch ein starkes Wachstum gegen 1901. Damals betrug unser Anteil nur 2,6 v. H. und wurde außer von den oben genannten Staaten noch von der Türkei und Rußland übertroffen, deren Anteile 4,5 und 4,2 v. H. betrugen.
Auch am Verkehre Bulgariens mit dem Auslande waren wir 1905 erst an fünfter Stelle mit 5,2 v. H. Anteil an der bewegten Schiffstonnage von 4171982 Reg.-Tons beteiligt. Wir übertrafen damit allerdings noch den der Landesflagge, der nur 2,6 v. H. betrug. Am stärksten war die Flagge Oesterreich-Ungarns mit 55,6 v. H. der Verkehrstonnage beteiligt, der erst im weiten Abstande die britische mit 9,4 v. B., die griechische mit 9,2 v. H. und die russische lagge mit 5,8 v. H. des Gesamtverkehrs folgten. Auch hier sind wir seit 1895 vom ersten Platze mit 1,6 v. H. bedeutend heraufgestiegen.
Von den türkischen Häfen ist zu bemerken, jajj sich in Konstantinopel die deutsche Schiffahrt seit 1895 ziemlich gut entwickelt, während ie für Dedeagatsch und Saloniki weniger gün- tige Ergebnisse aufzuweisen hatte. Der unter deutscher Flagge in Konstantinopel bewegte Raumgehalt hat sich in diesem Zeitabschnitte nahezu vervierfacht und das Verhältnis zum Eesamtverkehr ist ein dreimal besieres geworden ; die türkische und die britische Flagge haben dagegen an Raumgehalt und in ihrem Verhältnis zum Eesamtverkehr verloren.
An der Seeschiffahrt von der unteren Donau über den rumänischen Hasen von Sulina war die deutsche Flagge 1906 an sechster Stelle mit 2,5 v. H. des Eesamtverkehrs beteiligt. Am stärksten vertreten war die britische Flagg« mit 42,9 v. H., sodann die griechische mit 22,1 v. H., die österreichisch-ungarische mit 12,8 v. H., die italienische mit 6,3 v. H. und schließlich die türkische mit 2,8 v. H. des Eesamtverkehrs. Wiederum ist seit 1896 ein Aufsteigen der deutschen Flagge von der achten Stelle festzustellen.
Aus diesen Zahlen können wir ersehen, daß auch unsere wirtschaftlichen Jnt«resien auf dem Balkan nicht zu stark sind, um ein Heraustreten yus unserer Zurückhaltung in den politischen Fragen des nahen Orients zu rechtfertigen.
43 i 3taitii>tud uerDolezt.)
Getrennte Welten.
Roman von Elarissa Lohde.
l Fortsetzung.)
Ein Herr und eine Dam« treten eben aus den Königsgemächern, die sie noch, beim letzten Licht des Tages sich haben zeigen lasten. Er in Tiroler Tracht mit Joppe, kurzen Beinkleidern und keck auf das blonde, sorgfältig gescheitelte Haar gesetztem Hut mit Spielhahnfeder, sie in elegantem Lodenkostüm mit spitzem Tirolerhütchen über einem auffallend schönen, wenn auch ein wenig kokett blickenden Antlitz. In der Veranda stehen ihre Bergstöcke, sie wollen noch weiter wandern bis Nassereith, wo besteres Nachtquartier in Aussicht steht, als in dem einsamen Fernsteinwirtshaus, desten primitive Einrichtung das verwöhnte Paar von der Absicht, hier zu bleiben, abgeschreckt hat. Er legt sich den Rucksack über den Rücken, auch sie trägt eine Rolle an einem um die schlanke Taille geschlungenen Riemen. Lachend sehen sie sich in die Augen. Etwas Uebermütiges liegt in ihrem Blick, das von heimlich genostener, verbotener Lust spricht.
Der Herr zieht die Börse und zahlt dem hübschen Wirtstöchterlein seine Zeche. Dabei saßt er sie unter das Kinn und sagt ihr einige Worte, bei denen sie errötet. Dann nehmen beide ihre Bergstöcke zur Hand und steigen die Me Treppe hinunter, die zur Straße führt. Ein Landauer, von Imst kommend, fährt eben über die Brücke unb hält vor der Tür tat
Uttijche- ReWM
— Fürst Heiurich XIV. von Reuh j. L. hat wegen seines hohen Alters die Regentschaft in Reuß älterer Linie niedergelegt. Rach den Hausgesetzen Lhssrnahm für den Fürsten Heinrich XXIV. ä. L. der Erbprinz Heinrich XXVII. j. L. die Regentschaft.
— Sem Reichekanzler. Berlin, 15. Okt. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Reichskanzler Fürst Bülow hat den Botschafter Fürsten Radolin vor d«sten Abreise nach Paris empfangen.
— Som Bundesrat. Berlin, 15. Okt. Der Bundesrat erklärte sich in seiner heutigen Sitzung bezüglich der Vorlagen über den Gesetzentwurf betreffend die Einwirkung der Armenunterstützung aus öffentliche Rechte, über den Entwurf eines Besoldungsgesetzes und über den Handelsvertrag zwischen dem deutschen Reiche und dem Freistaate Salvador mit der Ueberwei- sung an die zuständigen Ausschüste einverstanden.
— Sammlung des Deutschen Flotten-Serein» für den Zeppelin-Fonds. Obgleich ein großer Teil der Ortsgruppen des Deutschen Flotten- Vereins sich bereits vor Eingang des Auftufs durch die Präsidial - Geschäftsstelle anderen bei der Sammlungen für den Zeppelinfonds an- geschlosten hatten, find bis heute bei der Präst- dial-Eeschäftsstelle des Deutschen Flotten-Ver- eins im ganzen 30 665,16 «M. für den Zeppelinfonds eingegangen.
— Konferenz zur Revistou des Berner Ur- heberrechtsstreftes. Berlin, 15. Ott. In der heutigen zweiten Sitzung dr Urheberrechtskonferenz wurde zunächst das folgende Antworttelegramm des Kaisers verlesen: „Ich danke der internationalen Konferenz für die Revision der Berner Konvention aufrichtig für die guten Gesinnungen, die ste sich sofort nach ihrem Zusammentritte in meiner Hauptstadt beeilt hat, Mir zum Ausdruck zu bringen. Ich wünsche von ganzem Herzen, daß die Arbeiten der Konferenz von Erfolg gekrönt sein und so eine neue Etappe auf dem Wege des Fortschrittes der Zivilisation und des guten Einvernehmens zwischen den Völkern bedeuten mögen. Wilhelm I. R.“ Die Verlesung des Telegramms wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Im Verlaufe der Sitzung wurde der deutsche Antrag auf Einrichtung einer Pensionskaste für Beamten des Berner Bureaus vom Direktor im Auswärtigen Amt Dr. von Körner begründet und, nachdem sich Direktor Morel zu jeder gewünschten Auskunft bereit erklärt hatte, einer Kommission überwiesen. Geh. Justizrat Prof. Dr. Kohler gab einen geschichtlichen Ueberblick über die Entwickelung des Autorrechts. Prof. Dr. Oesterith entwickelte das System der Verner Konvention und keni^eich- nete ihren Inhalt und ihre Vorarbeiten, die inzwischen der Reichsregierung als Material für ihre gegenwärtigen der Konferenz vorgelegten Anträge dienten, sowie den Inhalt dieser Anträge selbst. Er sprach zum Schluß den Wunsch aus, daß die der Union noch nicht angehörenden, auf der Konferenz vertretenen Staaten sich der Union anschließen möchten, ausdrücklich mit Be-
Wirtshauses. Di« Jnsasten des Wagens, zwei Herren und zwei Damen, verlangen nach einem erfrischenden Trünke. Die beiden Wanderer bleiben stehen und treten in den Schatten des Hauses zurück, sie scheinen nicht gerne gesehen werden zu wollen. Aber zu spät schon lüftet einer der rückwärts im Landauer fitzenden Herren den Hut, und ein hübscher Frauenkopf beugt sich vom Vordersitz wie staunend vor.
„Gott zum Gruß, Herr Baron!"
Etwas erschrocken erwidert Dietrich den Gruß. Verbergen hilft nichts m«hr. Er gibt seiner Gefährtin einen Wink und schreitet mit ihr weiter die Straße hinunter. Ihm ist als tönte ein kurzes Auslachen ihm nach. Ein Fluch drängt sich über sein« Lippen.
„Daß ich gerade diesem Menschen hier begegnen mußte!"
Sie lacht.
„Schelten Sie ihn nicht, Dietrich. Graf Holm gehötte einst zu meinen erg«bensten Freunden."
„Einst? Das heißt, er hat sich einen Denkstein auf dem Kirchhof ihres Herzens erworben."
„Und einen besonders ausgezeichneten —." „Hoffentlich werden Sie mir einen nicht minder wertvollen errichten, sobald Sie Lust verspüren, einen anderen Sklaven in Ihren besonderen Dienst zu nehmen."
Sie schaut ihn mit halb fragendem, halb un« mutigem Blick von der Seite an:
„Sind Sie Ihres Dienstes schon müde?"
Er legt, statt zu antwotten, den Arm um ste, steht ihr heiß in die durch das Dunfel ihm feurig
ziehung auf Holland, Rußland und die Vereinigten Staaten, in denen die deutschen Urheber noch nicht einen ihren Jnteresien entsprechenden Schutz genösten. — Hebet die einzelnen Bestimmungen der revidierten Berner Konvention wurde die Eeneraldiekusfion eröffnet. Einzelne Vorschläge wurden einer Kommifion zur näheren Beratung überwiesen. Die erste Kommis- stonsfitzung wurde auf Freitag den 16. Oktober nachmittags anberaumt.
— Der neue Bürgermeister von Lübeck. Als Nachfolger des verstorbenen Dr. Schoen ist der Senator Dr. Eschenburg zum regierenden Bürgermeister vom Senate erwählt worden.
— Die Konservativen und die Lehrerbesoldung. Was die Lehrerbesoldungen anlangt, so hat die konservative Partei die Forderung aufgestellt, daß die Gehälter in Stadt und Land für die Lehrer nicht verschieden sein sollen. Der Grundsatz, die Lehrergehälter nach den örtlichen Verhältnissen zu bemessen, ist nicht mehr haltbar. Die Lehrergehälter sollen für den ganzen Bereich der Monarchie gleich sein. Von dieser Forderung werden die Konservativen nicht abgehen. Sie ist eine grundsätzliche, durch die Lage der Dinge gebotene. Sie wird nicht nur im Interesse der Lehrer erhoben, sondern ebenso sehr in dem der Volksschule und damit im Ee- samtinteresse. Eine prinzipielle Bevorzugung der Stadtlehrer würde die einer gleichen Vorbildung wie jene sich erfreuenden Landlehrer zu Lehrern zweiter Klasse stempeln. Ein solcher Zustand darf nicht eintreten.
— Vom deutsch-ostastatischen Geschwader. Kiautschou. Die Versuche des deutschen ostasiatt- schen Geschwaders mit der Hungschan-Kohle haben nach soeben eingetroffenen amtlichen Nachrichten durchaus befriedigende Ergebnisse gehabt. Im Juni dieses Jahres wurden zunächst bei den Elettrizitätswerken in Tsingtau Heizversuche mit den Kohlen des neuen, bei Hung- schan in Bearbeitung genommenen Kohlenflözes gemacht, die sehr gut ausfielen und dem Kreuzergeschwader auf Anregung des Gouvernements Veranlassung gaben, mit dem Abschluß neuer Kohlenverträge zu warten, um zunächst auch seinerseits Brennversuche mit der neuen Kohle vorzunehmen. Diese Versuche befriedigten erfreulicherweise so sehr, daß die zukünftige Verwendung der Kohle des neuen Flözes der Schan- tung-Eesellschaft durch das Kreuzergeschwader so gut wie sicher ist. Diese Verwendung würde für die Marine eine recht erhebliche Kostenersparnis bedeuten, da die westfälische und die Cardiff- Kohle durch den weiten Transport in Ostasten sehr teuer ist, die hochwertige Hungschan-Kohle aber anscheinend zum Ersatz der westfälischen und der Cardiff-Kohle sich eignen wird. In Schanghai betrug Ende Juni 1907 der Preis für ein Tonne Cardiff-Kohle 40 bis 50 Jt, für australische Kohle 30 bis 36 Jt, für japanische Kohls 15 bis 25 J*. und für Schantung-Kohle 17 bis 22 M. Vor allem aber wird durch eine als vollwertige Schiffskohle in Betracht kommende Schantung-Kohle das deutsche Geschwader sich
entgegenleuchtenden Augen. Dann seufzt «r leicht auf.
„Die Begegnung hat Sie verstimmt, Dietrich gestehen Sie es," sagt sie nach einer Pause zu dem schweigend Weiterschreitenden.
„Ich gestehe es, ja! Sie werden mir es nachempfinden. Ein verheirateter Mann hat Rücksichten zu nehmen."
„Ich glaubte, Ihre Frau wäre sehr bequem. Wenigstens sagte man es mir."
„Sie war es, doch seit einiger Zeit . . ., aber brechen wir davon ab. Es wäre töricht, uns diesen köstlichen Abend durch nutzloses Grübeln zu verderben, über Dinge, die nicht mehr zu ändern sind."
„Ich glaube übttgens," suchte seine Eefähr- ttn ihn zu trösten „Sie können ruhig fein. Eraf Holm ist ja kein Neuling in der Welt, er wird zu schweigen wissen."
.Kannten Sie die Leute, die mit mir waren"? fragte Dietrich.
„Ich glaube, ja. Kommerzienrat Winter mit Frau und Schwägerin!"
„Teufel," stieß Dietrich nun stehenbleibend hervor.
„Gerade diese, es ist ein Verhängnis!"
„Ja so, jetzt fällt's mir ein. Die hübsche Hiller hat sich ja mit Ihrem quasi Bruder, dem Dichter Müller-Rothenfels, verlobt."
„Kennen Sie ihn etwa auch?"
„Zu Befehl, hochmögender Herr Baron. Ich habe das Vergnügen, wie man so einen Herrn von der Feder zu kennen pflegt. Das heißt in der nächst«« Session tpiri» «in Drama von ihm
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
##> den KrUngen: ..Literarischer Anzeiger-, „Kaudwirtschaftlichr Keilage" mrd ..Allustrirrtra Kamttagsbtatt«.
Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberhessische Zeitung" bei allen Postämtern und unsern Zeitung-stellen tn JW6 Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21.
— Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.
Marburg
Sonnabend, 17. Oktober 1908.
Di» JnsertionSgebühr beträgt für die 1 gespaltene Zell« oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklanwn 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UnwersttätSbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
43. Jahrg.
leichter und unabhängig von fremden Gebieten mtt Kohle versorgen können.
— Österreich und der Casablanca-Zwischenfall. Wie bereits gestern gemeldet, hat Oesterreich die deutsche diplomatische Stellung in der Casablanca-Angelegenheit dadurch geschwächt, daß der österreichische Botschafter in Paris den Protest des österreichischen Konsuls in Casablanca wegen der mitverhafteten zwei österreichischen Deserteure zurückzog. Man fragt sich, ob dieser wenig bundesfreundliche Schritt darauf zurück- zuführen ist, daß Deutschland mit der Türkei de» österreichischen Ueberrumpelung wegen nicht brechen wollte, oder ob Oesterreich glaubt, durch diese Verbeugung gegenüber Frankreich dies Land zur Anerkennung seiner Orientpolitik zu bewegen. Das letztere dürfte ihm schwerlich auf Grund solcher kleinen Gefälligkeiten gelingen. Deutschland hat jedenfalls alle Ursache, sich diesen unfreundlichen Akt genauer zu merken. Erfreulich an der Geschichte ist nur, daß die deutsche Reichsregierung in ihrer Stellung zu der Casablanca-Frage, in der das Recht so sehr auf ihrer Seite ist, dadurch in keiner Weise beeinflußt wird.
— Zur weiteren Behandlung der MLdchen- schulreform lesen wir in der Post: Die Mädchenschulreform, die bekanntlich bereits Anfang April nächsten Jahres in Kraft treten soll, erfordert noch die Erledigung einer Reih« sehr schwieriger Vorarbeiten. Wie wir hören, wird im Kultusministerium mit der Ausarbeitung der Ausführungsbestimmungen in kürzester Zeit begonnen werden. Da die Reform erheblich« Mehrausgaben mit sich bringt, die schon im nächsten Etat in Rechnung gestellt werden sollen, so sind umfangreiche Beratungen zwischen dem Kultus- und dem Finanzministerium erforderlich. Die Arbeiten an den Ausführungsbestimmungen müssen seht beschleunigt werden, um den Provinzialschulkollegien, denen die lokale Regelung der Reform überlassen bleibt, Zeit zu geben, ihrerseits die nötigen Anordnungen zu treffen. Auch die Verleger warten mit Schmerzen auf die neuen Bestimmungen, welch« die genauen Studienpläne enthalten, um die Neuausgaben der notwendigen amtlich neu einzu- führenden Schulbücher vorbereiten zu können. Man hofft an zuständiger Stelle, am Ende d. I. die Vorarbeiten soweit gefördert zu haben, daß Anfang Februar die gesamten Bestimmungen der Oeffentlichkeit übergeben werden können.
Ausland.
** Marokko. Paris, 15. Ott. Das „Journal" veröffentlicht eine Unterredung seines Berichterstatters mit Mulay Hafid, der ihm u. a. sagte: „Von Deinem Lande kenne ich nur die Stimme der Kanonen. Frankreich hat sich als mein Feind erklärt, als es für meinen Bruder Partei ergriff. Frankreich hat mit niemals ein Wort des Friedens gesagt. Ich werde die Algeciras- akte anerkennen, aber nur in ihrem Wortlaute. Ich werde nicht anerkennen, daß man unter dem Vorwande der Polizei in Marokko fremde Streitkräfte unterhält, ebensowenig, daß das Frankreich und Spanien anvertraute Mandat
zur Aufführung kommen, worauf man in allen literarischen Kreisen gespannt ist, denn es gilt einen Kampf des siegreich die Welt durchschreitenden Naturalismus mit dem von Mül- ler-Rothenfels, man muß gestehen, mit Talent vertretenen Idealismus. Denn einer unserer bedeutendsten modernen Bühnendichter bereitet ebenfalls eine neue dramatische Arbeit vor, mit der er zu gleicher Zeit vor das Publikum treten wird. Indessen stehen die Chancen für Müller- Rothenfels nicht schlecht. Er ist, rote Sie am besten wissen werden, durch das famose Testament Ihres Vaters zu einer interessanten Pet- sönltchkctt geworden, und das kann lchroer in die Wage zu feinen Gunsten fallen. Dazu seine Verlobung mit der Tochter eines unserer Börsenbarone! Er weiß, wie es scheint, trotz seiner Idealität, alle Vorteile zu benutzen."
„Sie gehen jetzt wohl schon zum Feind« über?" grollte er.
„Im Gegenteil! Ich bin ganz bereit, mit Ihnen einen Bund gegen den Dichter Müller- Rothenfels zu schließen, der mir durchaus unsympathisch ist, wenn auch aus anderen Gründen als Ihnen."
„Ah so, ich verstehe. Er huldigt Ihrer unvergleichlichen Schönheit nicht, und das ist nicht allein ein Unrecht, sondern in diesem Falle ein« Dummheit. Denn nur in diesem Zeichen", er zog sie an sich und preßte einen heißen Kuß auf ihre Lippen, „kann ein Dramatiker siegen. Habe ich recht oder unrecht?"
(Fortsetzung sokgt.)