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mit dem Meisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den KeUagen: .Literarischer Ameiger-.KartdmirtschaMche Beilage« undILnftriertes Somttagsblatt«.

Die InsertionSqebükr beträgt für die 7gehaltene Zeile ober deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. jq Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

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--- a . A Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in 3wvWVVX*V^

Jvo zAAl Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21.

Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne 11. Oktober 1908.

Bestellgeld), be< unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk. xx. avvm.

Zweites Blatt.

Wie polnischen Erwerbs- und

Wirtschaftsgenossenschasten filbe:;' eine starke Stütze der großpolnischen Be­legung. Seit den letzten zwei Jahrzehnten hat sowohl die Zahl der Eenoffenschaften als auch die der Mitglieder, namentlich aber die Summe der Miikgliederanteile und der Depositen in außer­ordentlich steigendem Maße zugenommen. Diese Zunahme ist aber nicht der Erkenntnis unter der polnischen Bevölkerung von der Nützlichkeit de; Genoffenschaftswesens zu verdanken, sondern sie ist die Frucht des fast beispiellosen Terroris- tnv.5, den die großpolnische Führerschaft auf Po­len sowohl wie auf Deutsche ausübt. Dadurch, daß die polnische Bevölkerung in Stadt und Land gezwungen wurde, nicht bei Deutschen zu kaufen, wurde den polnischen Kaufleuten und Gewerbetreibenden ein großer, ständig zuneh­mende. Kundenkreis geschaffen. Die Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften dienten dazu, diese polnischen Geschäftsleute zu stützen und zu unterstützen. Sie wurden mit der Zeit zu lei­stungsfähigen Banken für den polnischen Mittel­stand ausgestaltet und dadurch noch finanziell verstärkt, daß die polnischen Arbeiter und Klein­bauern veranlaßt, oder vielmehr gezwungen werden, ihre Spargroschen in den Genossenschaf­ten anzulegen.

Auf diese Weise erfolgte das Anwachsen der polnischen Erwerbs- und Wirtschafts-Genossen­schaften außerordentlich schnell. Bei ihrer Grün­dung im Jahre 1873 belief sich ihre Zahl auf 43, die zusammen nicht mehr als 7660 Mitglieder umfaßten. Die Anteile der Mitglieder betrugen 623 486 Mark und die Depositen 2,6 Millionen Mark. Sieben Jahre später (1880) waren auch erst 57 Genossenschaften mit 13 440 Mitgliedern, 1,25 Millionen Mark Mitgliederanteilen und 5,2 Millionen Depositen vorhanden. Nach zehn Jahren 1890 war die Zahl der Genossenschaften sch-.!i auf 71, die der Mitglieder auf 26 553 ge- wachs»:. und die Mitgliederanteile beliefen sich aus 2,6 Millionen Mark, die Depositen auf 12,5 Millionen Mark. Im nächsten Jahrzehnt steiger­ten sich diese Ziffern sehr wesentlich. Das Jahr 1900 schloß mit 126 Eenoffenschaften zu 53 500 Mitgliedern, 7,35 Millionen Mark Mitglieder­anteilen und 37,7 Millionen Mark Depositen. . Noch erheblich höher war das Wachstum in den folgenden Jahren. Im Jahre 1907 wurden nicht s weniger als 225 Genossenschaften mit fast 100 900 Mitgliedern, über 17 Millionen Mark Mitgliederanteilen und über 123 Millionen Mark Depositen gezählt.

Man kann hieraus sehen, wie die besonders in dem laufenden Jahrzehnt auf die Spitze ge­triebene großpolnische Agitation auf die Hebung de großpolnischen Genossenschaftswesens gewirkt Hal. Seit der Gründung der Eenoffenschaften, als seit 35 Jahren hat sich deren Zahl mehr als verfünffacht, die Mitgliederzahl verfünfzehn- facht. Die Summe der Mitgliederanteile ist um

88 Warütmtä cerboten.)

Getrennte Welten.

Roman von Clarissa Lohd«.

(Fortsetzung.)

. Verzeih', wenn ich Dir offen meine Meinung sage, aber ich glaube, Du vergreifst Dich in den Mitteln, Dietrich mehr zu Dir zu ziehen. Bester .'s, Du entristest Dich Deiner Neigung zur E'nsamkeit und folgtest ihm in das geräuschvolle Treiben der großen Welt, das er nun einmal liebt."

Um mit anzusehen," stieß Editha nun mit schmerzvoller Heftigkeit hervor,wie er seine Le­benskraft in den wilden Leidenschaften verzet- telt? Soll ich etwa dabei sein, wenn er im Spiel, ob mit Pferden, ob mit Karten oder im Roulette, unberechenbare Summen verliert oder Damen von zweifelhaftem Charakter und Sitten anbetend zu Füßen liegt?"

Um Eotteswillen, Editha," rief Asta nun aufs Höchste erschreckt,wer hat Dir das hinter­bracht?"

Du meinst wohl," entgegnete Editha, und ihre Augen färbten sich dunkel wie in erstarrtem Wey,weil ich so still in Frauenstein fitze, schein- . bar nur mit meinem Kind« beschäftigt, ich höre und sehe nichts? Aber das ist ein Irrtum. ' Fama hat eine weit hallende Stimme, und es gibt geschäftige Zungen die es lieben, pikant« Historien weiter zu erzählen und über die Blind­heit der Gattin heimlich zu spotten, die so ruhig dahinlebt, als wäre alles in bester Ordnung."

Asta blickte sehr betroffen vor fich nieder. Für eine so leidenschaftliche Natur hatte ste xditha nie gehalten, und Dietrich war doch ein Rothenfels, für den einzutreten fie für ihre .Pflicht hielt.

»Und roea» diese geschäftigen Zungen ver-

Die Fleischeinfnhr in Deutschland für 1907.

Im Jahre 1907 wurde in Deutschland an frischem Fleisch am meisten Rindfleisch und Kalbfleisch eingeführt, nämlich 48 523 Tierkör­per im Gewicht von 5,5 Millionen Kilogramm. Seit dem Vorjahre, in dem 61 407 Körper im Gewichte von über 7,5 Millionen Kilogramm ein geführt wurden, ist ein starker Rückgang ein- yetreten, der durch die Vermehrung der inlän­dischen Schlachtungen beinahe gedeckt wird. Von Schweinen wurden 10163 Körper im Gewichte von 867 890 Kilogramm eingeführt, während der vorjährige Import mehr als das Zehnfache be­trug. Allein hier find die inländischen Schlacht­ungen um nahezu zwei Millionen Stück, also toc;f mehr gestiegen, als der Ausfall in der Einfuhr betrug. Daraus ist zu ersehen, wie wenig der Einfuhrrückgang für den inländischen Verbrauch von Schweinefleisch ins Gewicht fällt.

Die Einfuhr von sonstigem Fleisch war wie immer nur gering, sie betrug noch nicht 19 000 Kilogramm gegenüber 41000 Kilogramm im Vorjahre. Wesentlich größer waren die Mengen des eingeführten zubereiteten Fleisches, und da­von erreichte die Einfuhr von Därmen mit über 15 Millionen Kilogramm, gegen 14,5 Millionen

das Dreißigfache, die der Depofiten fast um das Sechzigfache gestiegen. Allein in den sieben Jahren des letzten Jahrzehnts aber hat sich di« Zahl der Eenostenschaften und ihrer Mitglieder fast verdoppelt, die Summe der Anteile der Mit­glieder ist um mehr als das Doppelte, bieSumme der Depositen um mehr als das Dreifache ge­stiegen. Die polnischen Agitatoren haben fich hier wie auch bei anderen ihrernationalen" Unternehmungen als gut« Finanzkünstler er­wiesen. Indem fie aber ihre Finanzkunst den polnischen Kaufleuten und Gewerbetreibenden dienstbar machen, feffeln sie diese an ihre Fah­nen, so daß die polnische Preffe anläßlich der vor kurzem abgehaltenen Generalversammlung der polnischen Erwerbs- und Wirtschaftsgenoffen- schasten schreiben konnte:Die Kraft unseres Mittelstandes ist ohne Zweifel der Kern unserer Widerstandsfähigkeit gegenüber dem preußischen System, sie ist das Rückgrat unseres sozialen Or­ganismus, sie ist die Basis unseres sozialen Gleichgewichtes."

Es ist für uns Deutsche beschämend, daß di« Polen den politischen,nationalen", Wert eines kräftigen Mittelstandes mehr zu schätzen wiffen, als es vielfach bei uns Deutschen geschieht. Die Polen haben ihren Mittelstand, der sehr jung ist und sehr wenig widerstandsfähig war, mit allen Kräften künstlich in die Höhe gebracht und stützen ihn jetzt auf jede Weise, in dem Bewußt­sein, an dem Mittelstände selbst eine, leider gegen die Staatserhaltung gerichtet«, kräftige Stütze fich zu schaffen. Unser deutscher Mittel­stand, seit Jahrhunderten bewährt, sowohl wirt- slbaftlich als politisch staatserhaltend, konnte erst nach schweren Kämpfen mit dem Liberalis­mus wieder zu dem Schutze gelangen, deffen er zu feiner Erhaltung bedarf.

leumdet haben, wenn Du doch falsch berichtet bist?«

Ich würde Gott auf den Knien dafür dan­ken, wenn es so wäre," rief Editha, das tränen­volle Auge zu Asta erhebend.Du weißt am besten wie sehr ich Dietrich geliebt habe."

Zu sehr vielleicht, Editha. Du, hast zuviel von ihm verlangt, denselben Idealismus, den Du besitzest, und der von einem Manne nicht zu erwarten ist, hast zuviel ihm nachgesehen als Du es vielleicht noch in der Hand hattest, ihn zu zügeln."

Möglich," entgegnet« Editha hart;aber ich war achtzehn Jahre alt, als ich heiratete, und kannte das Leben nicht, und" setzte sie finster hinzu,wie häßlich es sein kann."

Wir find alle keine Engel, Liebe. Glaubst Du denn, Alten hätte nicht auch seine Schwächen? Ich hätte nicht auch über ihn zu klagen? Aber ich bin klug genug, mir zu sagen: es ist nun nicht anders, drücke ein Auge zu und rett«, was zu retten ist. Und fo leben wir ganz glücklich miteinander, genießen, was fich uns bietet, und bewahren uns den mit Klugheit errungenen Frieden. Dietrich ist ja doch «in Ehrenmann, er wird nicht weiter gehen, als es mit der Ehre verträglich"

Es kommt darauf an, Asta, was man unter Ehre versteht"

Nun, daß et Dir vor der Welt alle Achtung erweist, die feiner Gattin zukommt."

Vor der Welt? Nein, Asta, das ist mir nicht genug. Ich verlange, daß auch ich meinen Gatten achten kann."

,Fkun ich hoffe, das darfst Du. Dietrich hat meines Wissens nichts Unehrenhaftes getan."

Nichts? Glaubst Du das wirklich oder nennst Du es nicht unehrenhaft, wenn jemand das Vermögen, das feinem Kinde einst zufallen

im Vorjahre, den weitaus größten Umfang. Der Speckimport ist auffallend zurückgegangen, näm­lich von über 6 Millionen im Jahre 1905 und noch nicht 3 Millionen in 1906, auf nur noch 110164 Kilogramm. Aber auch dieser Rückgang ist die Folge davon, daß der Verbrauch in stark steigendem Maße vom Inland gedeckt wird. Ebenso und aus demselben Grunde ist die Ein» fuhr von anderem zubereiteten Fleische, so auch von Schinken, erheblich gesunken. Man kann darin nur einen Erfolg des vermehrten Schutzes unserer Landwirtschaft erblicken und fich der da­mit erreichten Kräftigung der deutschen Vieh­zucht erfreuen.

Was die in den amtlichen llntersuchungs- stellen ausgesprochenen Beanstandungen der Fleischeinfuhr angeht, so hat daran bemerkens­werterweise Amerika den Hauptanteil. Von zu- bereitetem Rind- und Kalbfleisch ist aus keinem anderen Lande soviel beanstandet worden wie aus den Vereinigten Staaten. Von großbritan­nischen Sendungen beispielsweise brauchte fast nichts beanstandet zu werden. Ganz auffallend ist auch bei dem aus Nordamerika eingeführten Speck di« Zahl der Beanstandungen gestiegen; während nämlich 1906 noch 2 453180 Kilo­gramm von dort importiert und davon nur 898 Kilogramm beanstandet worden waren, betrug di« Einfuhr 1907 nur 89 556 Kilogramm, die beanstandete Menge aber 6721 Kilogramm. Das­selbe war mit Schweineschmalz der Fall. Von diesem wurden im Vorjahre von fast 65 Milli­onen Kilogramm Einfuhr beinahe 46 000 Kilo­gramm beanstandet; im Jahre 1907 aber war bei der geringeren Einfuhrziffer von noch nicht 58 Millionen Kilogramm di« Zahl der Bean­standungen fast 66 000 Kilogramm. Aus diesen Ergebnissen kann man erkennen, wie berechtigt das Mißtrauen gegen die amerikanische Fleisch­einfuhr ist.

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. Ä. C. Heeresetat und Reichsfinanz­reform. Der Reichsschatzsekretär Sydow hat als Grundlage für den Voranschlag der gesamten Einnahmen und Ausgaben des Reiches, den et bet Reichsfinanztefotm zugrunde gelegt hat, entsprechende Voranschläge auch vom Kriegs­ministerium eingefordert. Nach derAllgemei­nen Armee-Correspondenz" dürften dem Vor­anschlag des Kriegsministeriums folgende Ee- fichtspunkte zugrunde liegen: Kriegsminister von Einem hat bereits früher erklärt, daß er den organisatorischen Ausbau der Armee im großen und ganzen für abgeschloffen erachte, daß aber im einzelnen, besonders bei den technischen Truppen, Luftschiffern usw., noch umfangreiche Weiterentwicklungen möglich seien. Die Heeres­verwaltung ist bekanntlich durch das Friedens­präsenzgesetz bis zum Jahre 1910 gebunden. In­wieweit eine spätere Zukunft Neuforderungen bringen kann, läßt sich heute noch in keiner Weise übersehen. Diese können aus mancherlei Grün­den nötig werden, wie durch neue technische Er­findungen, z. B. Vervollkommnung der Luft­fahrzeuge, durch Vorgänge bei anderen Armeen

soll, vergeudet und hinter dem Rücken seiner ihm angetrauten Frau ein offenkundiges Ver­hältnis mit einer ihrer Liaisons mit Lebemän­nern wegen berüchtigten Schauspielerin hat, bei bet er die Hälfte seiner Tage zubringt, während die Gattin einsam und allein zu Hause ihrem gemordeten Glück« nachweint?"

Asta richtete ihre Augen mit ungläubigem Forschen aus Editha. Sie hatte zwar dieses und jenes von Dietrich erzählen hören, auch von sei­ner neuesten Passton für die Schauspielerin Randolf. Ihr Gemahl aber war in betreff Diet­richs gegen fie verschwiegen gewesen, selbst von den Geldnöten ihres Bruders hatte er ihr nichts verraten.

Du faßt eine einfach« Kurmacherei ent­schieden zu tragisch auf," meinte sie.Läßt man die Männer gehen, so kehren sie bald wieder zu den Penaten des Hauses zurück."

So leicht wi« Du kann ich darüber nicht denken. Die Ehe ist für mich heilig, und ich ver­mag den Ehebruch nur als eine schwere Sünde anzusehen."

Die ein« kluge Frau doch aber zu verzeihen wiffen muh."

Ich sage nicht, daß ich fie nicht verzeihen könnte; doch nur in einem Falle!"

Und der wäre?"

Entschiedene Befferung."

Die Du nie kontrollieren kannst. Nein, nein, Editha, mit solchen puritanischen Ansichten kommst Du nicht durch die Welt. Es gibt Dinge, die eine Frau von Stande übersehen muß, schon um ihrer Kinder willen. Drücke die Augen zu, und suche Dir Dein eigenes Leben etwas heiterer S gestalten. Du lebst zu einsam, grübelst zu el."

Ich suche, mein Leben auf meine Art aus- jMfüIUn,"

usw. Jedenfalls ist von einer bevorstehenden umfangreichen Militärvorlage feine Rede und auch keinerlei Vorbereitung für eine solche ge­troffen. Die vom Kriegsministerium als Bedarf für die nächsten Jahre angegebenen Zahlen dürften im wesentlichen auf den Erfahrungen der letzten Etatsjahre beruhen.

Aus bet Ostmark. Nachdem die großpol- nisch« Agitation in Wort und Schrift eine ganz« Zeit hindurch sich darüber aufgehalten hat, daß das preußische Enteignungsgesetz bisher nicht zur Ausführung gekommen ist und nachdem daran die gewagtesten Kombinationen geknüpft find, wird nunmehr wohl jeder Zweifel an dem ernsten Willen der preußischen Staatsregierung, auf dem in dem genannten Gesetze bezeichneten Wege vorzugehen, schwinden. Der Staatsan- zeiger hat die Königliche Verordnung über di« Kommission für deutsche Ansiedelungen in den Provinzen Westpreußen und Posen veröffentlicht und damit erst die Grundlage für ein weiteres Vorgehen in der genannten Richtung geschaffen. Mit dieser Verordnung ist die Reorganisation der Anstedelungskommission durchgeführt. Be­kanntlich aber soll die reorganisierte Ansie­delungskommission erst den Enteignungsplan in den Ostmarken aufstellen und der Staatsregie, rung vorlegen. Also die erste Bedingung für die Durchführung des Enteignungsgesetzes ist nunmehr geschaffen es kann an die Aufstellung der Enteignungspläne herangetreten werden. Das wird denn auch möglichst bald geschehen. Im übrigen ist an den Bestimmungen über die Anstedelungskommission nicht allzuviel geändert worden. Ihre anderweitige Zusammensetzung wurde durch das Enteignungsgesetz notwendig. Daß die Oberpräfidenten Der beiden in Betracht kommenden Provinzen in bet Ansiedelungskom­mission auch weiter Sitz und Stimme haben würden, war schon mehrfach von der Regierungs­seite vorausgesagt worden. Die wichtigste son­stige Aenderung ist, daß als Sitz der Kommission die Stadt Posen bestimmt ist. Dem Vorsitzenden ist es allerdings überlasten, die Kommission für einzelne Geschäfte auch in einem anderen Orte zu versammeln. Es ist ihr also eine ihren Zwecken bester entsprechende Zusammensetzung und die nötige Bewegungsfreiheit gegeben. Es darf danach erwartet werden, daß die Ansiede­lungskommission in ihrer neuen Verfassung noch mehr als bisher zur Stärkung des Deutschtums in den Ostmarken beitragen wird. Hinzugefügt muß aber werden, daß di« preußische Staats» tegierung durchaus nicht auf die Ergreifung weiterer Maßnahmen zur Erreichung des glei­chen Zieles verzichtet. Im Gegenteil, die Pläne, die bezüglich der Lahmlegung gemistet Parzel- lietungsbanken in Westpreußen und Posen, ]u« wie der Ausdehnung bet Tätigkeit von Mittel- stanbskasten und SBauernbanten auch auf andere Provinzen schon längere Zeit bestanden haben, werden weiter verfolgt. Für ihr« Ausführung waten allerdings das Enteignungsgesetz und seine Ausführung Voraussetzung. Nachdem nun­mehr aber die Vorbedingung für die Durchfüh­rung des Enteignungsgesetzes geschaffen ist, wird auch das Feld für die Verwirklichung der ge­nannten Pläne frei.

Auch eine sehr würdige Art, Editha, gewiß, das gestehe ich Dir gern zu. Du bist eine Wohl­täterin der Atmen im großen Stil. Dagegen kann ja niemand etwas haben, und wenn es Dich befriedigt

Den Riß in meiner Seele kann es nicht aus­füllen, das weißt Du doch so gut wie ich, Asta, und ich fürcht« zu unterliegen, roenrr es nicht an­ders wird."

Wie meinst Du das?"

Wenn Dietrich sich nicht ändert."

Du glaubst' wirklich, Dietrich könnte fich nach Deinem Wunsche wandeln? Das hieße bei ihm, seine Natur zu verleugnen. Welch idealistischer Wahn, Editha."

Hältst Du es für einen Wahn?"

Allerdings. Für Dich bleibt nur eins. Dich in das Unabänderliche zu ergeben und Dietrich zu nehmen, wie er ist. Mit dem Alter wird ja dann auch bet ihm Vernunft kommen."

Das heißt, wenn «t mich, sein Kind und sein Erbe ruiniert hat. Nein. Asta, dem ruhig zuzu­sehen, halt« ich für eine Sünde."

Und was willst Du tun?

Editha war der Antvort enthoben, denn Graf Alten und Dietrich, eben von einem Spazierritt im englischen Garten zurückgekehrt, traten ins Zimmer.

Graf Alten hatte eine Loge im Königlichen Theater, und trotz der Trauer redete Asta ihrer Sckwägerin zu, mit ihr die Vorstellung zu be­suchen, da gerade ein berühmter Gast in Mün­chen weilte und ihre Loge ihnen erlaubte, ganz unbemerkt von dem großen Publikum dem Spiel auf der Bühne zusehen zu können. Editha fühlte durchaus keine Neigung dazu, gab aber aus Astas Drängen nach, die diese kleine Zerstreuung ^ctlfam für bei Schwägerin trübe Stimmung

lett, (Forts, folgt.)