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Marburg

Donnerstag, 8. Oktober 1908.

Die Jnsertionsgebübr beträgt für die 7 gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, llnioersitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. E. H ttzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

43. Jahrg.

Bestellungen fit das vierte Quartal 1908 auf die ^vderhessische Zeit««g" nebst ihren Beilagen werden noch von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch- Kain, Neustadt und Wetter, sowie von Men Postanstatten und Landbriesträgern ent- gegengenommen.

Die Ereignisse im Orient.

Das Manifest des Zaren Ferdinand.

Sofia, 6. Okt. Das gestern von dem Sou- »erä:i in Tirnowo verlesene Manifest hatte fol­genden Wortlaut:

Durch den Willen unserer unvergeßlichen Be­freier, des großen russischen Volkes, und auch durch den Beistand unserer guten Freunde und Nachbaren, der Rumänen, der Untertanen des Königs der Rumänen, ist seit 1878 die Kette des Joches gebrochen. Seit diesem Zeitpunkte, schon 30 Jahre lang, hat das bulgarische Volk unerschütterlich in seinem Gedenken an die Apostel der Freiheit unermüdlich an der Ent- wiäelung des Landes gearbeitet und es unter meiner und des hochseligen Fürsten Alexander Führung in den Stand gesetzt, als ein würdiges Mitglied mit gleichen Rechten in die Familie der zivilisierten Völker zu treten, um kulturell und wirtschaftlich weiter vorwärts zu kommen. Auf diesem Wege darf nichts Bulgarien auf­halten, und nichts soll feuteit Fortschritt hindern. Das ist der Wunsch und Wille des Volkes. Das Volk der Bulgaren und sein Oberhaupt können nur ein und dasselbe denken und wünschen. Tat­sächlich unabhängig, ist das Land doch in seiner natürlichen und friedlichen Entwickelung durch Bande gehemmt, deren förmliche Zerreißung die Spannung zwischen Bulgarien und der Türkei beseitigen wird. Ich und mein Volk wünschen eine Verjüngung der Politik der Türkei herbei­zuführen. Sie und Bulgarien, frei und unab­hängig, haben die Vorbedingungen, um freund­liche Bande zu schaffen und zu festigen, indem si: sich einer friedlichen Entwickelung htngeben. Durchdrungen von der heiligen Aufgabe und um den Bedürfnissen des Staates gerecht zu werden, prol.amiere ich mit dem Segen des Allmächtigen das seit 1885 geeinigte Bulgarien zum unab­hängigen Königreiche. Mit meinem Volke glaube ich, : dieser Schritt die Billigung der Eroß- mächt: findet. Es lebe das Volk und das unab­hängige Bulgarien!

Di: Präsidenten der Kammer und der Mini- ft-.rat boten im Namen der nationalen Vertret­ung und der Regierung dem Fürsten den Titel des ersten bulgarischen Königs an, den der Fürst, wie er sagte, mit Stolz und Dankbarkeit annahm.

Die Stimmung in Bulgarien.

S fia, 6. Okt. DieAgence Bulgare" meldet: Der Souverän und der Minister sind von Tirnowo aügereist) sie werden in der Nacht Galrovo und Echipkapaß berühren und morgen in Philippope! eiatreffen. Nachrichten aus der

36 .'itattibtiid vcrUulct:.-

Getrennte Welten.

Roman von Clarissa Lohde.

i Fortsetzung.)

Freilich, freilich," stimmte der Justizrat, nun auch ernst, zu.Ich hegte von Anfang an die Befürchtung, die beiden passen nicht für -einander, und habe schon im stillen darüber nachgegrübelt, ob es im Blute der Rothenfels liege, daß sie zu vorschnell ihre Lebensgefährtin­nen wählen. Ta ist der alte Baron, der da glaubte, mit einem schlichten Landmädchen, in das er sich verliebt hatte, durchs Leben gehen zu können) Baron Dietrich, der, im Gegensatz dazu, sich eine so vornehme, hohe Frauennatur aus­erwählte, die seiner nach Genuß strebenden Leichtlebigkeit ganz entgegengesetzt ist, und nun unser Freund xicr, den die Gaden der Musen in eine Welt gehoben haben, die eine kleine, reizende, in Berliner Gesellschaftskreisen ausge­wachsene Vankierstochter gar nicht begreift und nicht begreifen wird."

Dann aber wäre es ja ein Unglück für beide, sich für das Leben zu verbinden," fiel die Rätin ihm ins Wort.

Wie man's nimmt, liebe Freundin. Es liegt eben ein lleberschwang in den Rothenfels. Es sind Vollnaturen, die, der eine auf diese Art, der andere auf jene, über das gewöhnliche her­ausragen, keine Durchschnittsmenschen. Denen ist es nun einmal in der Welt nicht bestimmt, die recht', weibliche Ergänzung zu finden, und auch der verstorbene Baron hat sie in sein«» stolzen zweiten Gemahlin nicht gesunden. Er

Provinz besagen, daß die Bevölkerung überall in großen Mengen zusammengeströmt ist und die Meldung von der Proklamation mit unbe­schreiblichem Enthusiasmus ausgenommen hat. Die Bevölkerung brachte dem Heer und den Be­hörden Ovationen dar und feierte bis spät in die Nacht.

Eine große Menschenmenge brachte gestern aus Anlaß der Proklamation Bulgariens zum unabhängigen Königreich vor der Wohnung des Erbprinzen diesem enthusiastische Ovationen dar. Der Erbprinz erschien am Fenster und danste mit den Worten:Mit Hilfe des bulgari­schen Volkes vollführte mein Vater eine große Tat. Es lebe das Königreich Bulgarien!" Fer­ner fanden Sympathiekundgebungen vor dem Denkmal des Zar-Befreiers und vor den Ge­bäuden der diplomatischen Vertretungen der Großmächte statt.

Weitere Meldungen aus Bulgarien.

Sofia, 6. Okt. Heute morgen wurde auf dem Marsfelde in der Nähe der Hauptstadt ein Tedeum abgehalten, nach welchem der Militär­kommandant vor den Truppen ein Manifest verlas. Hierauf defilierten die Truppen und zogen auf dem Rückmärsche zur Stadt nach dem fürstlichen Palais, wo sie der Fürstin und ihren Kindern huldigten. Die Truppen wurden von der Bevölkerung lebhaft begrüßt.

Sofia, 6. Okt. Die bulgarische Regierung hat die amtliche Anzeige der Proklamierung des Königreiches allen diplomatischen Vertre­tern der fremden Staaten übermittelt.

London, 6. Okt. Der bulgarische Ge­schäftsträger erschien heute vormittag im Aus­wärtigen Amt und machte offiziell von der Un­abhängigkeitserklärung Bulgariens Mitteilung. Er teilte ferner mit, daß Bulgarien keinen Krieg wünsche, seine Bestrebungen vielmehr durchaus friedliche seien.

Die Türkei und die Lage.

Konstantinopel, 6. Okt. Die in fran­zösischer und italienischer Sprache erscheinende ZeitungLa Turquie" veröffentlicht ein Inter­view mit dem Minister des Aeußern, welcher erklärte, seine Ansichten seien nicht pessimistisch) ein Krieg sei nicht unvermeidlich. Die Türkei wünsche den Frieden. Die Pforte erwarte die Note, die die Mächte nach Sofia richten werden. Vis dahin müsse sie in strikter Reserve bleiben. Schließlich sagte der Minister, die Pforte habe die getrennten Kommissariats in Sofia nicht abberufen und dementierte das Gerücht, daß die Bulgaren die türkische Grenze passiert hätten.

Konstantinopel, 6. Okt. DemTk- bc: : zufolge protestierte die Pforte in ihren A v.'.worten an den Fürsten Ferdinand in scharfer Weise gegen den Akt der Unabhängigkeitserklär­ung. Sie kündigte an, daß die an dieser Frage interessierten Siguatarmächte des Berliner Ver­trages zu einer Konferenz eingeladen werden, um ihre Ansicht auszudrücken. Den Blättern zu- werde die Protestnote sofort telegraphisch an die Kabinette abgesandt. Fast die gesamte Presse empfiehlt Ruhe und drückt ihr Vertrauen in bcy Vorgehen des Kabinetts aus. Die Presse befaßt sich auch mit der Bosnischen Frage.

hätte eigentlich einer Frau bedurft, die beider Naturen, halb Anna Müller, halb Gräfin Held­berg in fick' verband. So ist er über ein halbes Glück in seinem Leben auch nie hinausgekom­men. Und ich glaube fast, das ist das Los der meisten Menschen. Also, da das Vollkommene nicht zu gewinnen, muß auch unser Freund Bruno, der in seiner Dichternatur vielleicht überhaupt zu viel vom Weibe fordert, sich an einer Ellen Hiller genügen lassen. Und ich meine, er kann noch ganz zufrieden sein."

Sie sind ein Sophist, lieber Justizrat," sagte nun die Rätin lächelnd.

Ein Sophist? Und warum, beste Frau? Weil ich die Ansicht verteidige, daß der Mensch sich bescheiden muß? Wo gibt «s denn in der Welt Vollkommenes? Haben Sie an Ihrem guten Arnold etwa gar nichts auszusetzen?"

Der Amtsgerichtsrach der gegenübersaß und di« letzten Worte des Gesprächs gehört hatte, rief nuil lachend hinüber:D, sehr viel, lieber Freund! Aber wir haben uns dahin geeinigt, daß wir unsere Fehler nicht sehen und nur un­sere Tugenden im Auge behalten. Und da deren, wie Du mir zugÄben mußt, bei mir eine große Anzahl vorhanden"

Natürlich, natürlich," unterbrach ihn der Jvstizrat heiter.Du machst di« Probe auf das Exempel. Zwei Eheleute müssen trachten, mit­einander zufrieden zu sein, und wenn sie sich das t'tglich vorsagen, gelingts am Ende auch."

Wenn Du so gut philosophieren kannst, warum hast Du den« diese» Glück nicht ver­sucht?"

Aus Konstantinopel meldet dieFrks. Ztg." weiter: Aus der hiesigen bulgarischen Le­gation ist seit Mittag die bulgarisch« Königs­flagge gehißt. Di« Beziehungen zwischen ihr und der Pforte find abgebrochen. Geheimpoli­zisten bewachen das Gebäude, um es vor Demon­strationen zu schützen. Die Mehrheit der musel­manischen Organe erblickt in der Krönung in Tirnowo einen gemeinsam von Oesterreich-Un­garn und Deutschland gegen die Türkei unter­nommenen Schachzug. In dem leitenden Organ Jkdam" schreibt der angesehene Jungtürke Ali Kemal: Bulgarien war in Wirklichkeit seit langem unabhängig. Die größte Gefahr, welch« aus diesem Ereignis erwächst, ist eine Serie wohlüberlegter Intrigen seitens einiger Groß­mächte gegen das neue Regime, welchem sie mißgünstig gegenüberstehen. Diese Mächte be­dauern aus Rücksicht auf persönliche Interessen die schönen Zeiten des alten Despotismus. Die bulgarischen Patrioten fühlen hinter sich die Aktion Oesterreich-Deutschland. Ohne der letz­teren Hilfe kann ersteres nicht handeln.

Der Eindruck der Proklamation auf Serbien.

Belgrad, 6. Okt. Die Ereignisse in Bul­garien riefen in den serbischen Regierungskreisen einen sehr starken Eindruck hervor. An maßge­bender Stelle wird erklärt, daß Serbien, welches an der Herbeiführung dieser Ereignisse nicht be­teiligt war, zunächst deren weiterer Entwickelung mV ernsten Besorgnissen entgegensetzen wird, da in dem Falle, daß serbisch-nationale Interessen berührt werden, di« serbische Regierung den Empfindungen des serbischen Volkes Rechnung tragen müsse. Gegenwärtig sei die Regierung darauf bedacht, vorzusorgen, daß die Manifesta­tionen der Bevölkerung im Rahmen der Ruhe und Ordnung bleiben. Ein« weitere Vorsichts­maßregel besteht in der Einberufung der Re­servemannschaften. Diese Anordnung hat sich als umso notwendiger erwiesen, als am 14. Oktober der größte Teil der Präsenzmannschaft beurlaubt werden sollte. Andererseits hat sich bei den gestrigen Manifestationen gezeigt, daß die Be­sorgnis einer Annektion Bosniens und der Her­zegowina die stärkste Erregung bei der Bevölker­ung hervorruft. Die Regierung mußte deshalb vorsorgen, um durch Erhöhung des Truppen- kadres für alle Eventualitäten die Staatsgewalt voll in den Händen zu behalten.

Belgrad, 6. Ott. Der Ministerrat hat beschlossen, die Manöver bei Sopot nicht abzu- brechen. Der König begab sich heut« früh aus das Manöverfeld. DasAmtsblatt" veröffent- lichr einen königlichen Ukas, durch welchen die notwendige Anzahl von Reservisten zur Stoffen» Übung einberusen wird.

Die Ansicht der Diplomaten.

Paris, 6. Ott. Der Minister des Aeußern, Pichon, hatte heute vormittag eine Unterredung mit dem bulgarischen diplomatischen Agenten, Dr. Stanicow. Man versichert, daß letzterer, nach­dem ihm die Unabhängigkeitserttärung Bulga­riens amtlich mitgeteilt worden war. erklärt habe daß Bulgarien keine kriegerische Absicht hege und seine Unabhängigkeit aufrecht erhalten wolle, sich aber der festen Hoffnung hingebe, daß seine Unabhängigkeit ohne Störung des Frie-

Ja, warum? Das frage die Sterne. Si«, an der ich es versuchen konnte, kam eben nicht."

Schalk," rief der Amtsgerichtsrat.Auf Dein Wohl, und wenn ich boshaft wäre, setzte ich hinzu: daß die Richtige noch komme!"

Nennst Du das boshaft? Schein« ich Dir zun Heiraten etwa zu alt?"

Keineswegs. Es hängt ganz davon ab, wie Du Dich fühlst."

Wie ein Jüngling, wahrhaftig, und wenn man so an einer Verlobungsfeier teilnimmt uich so weise über das Glück der Ehe spekuliert, wie ich's eben mit Deiner besseren Hälfte getan habe, könnte man wirklich Lust bekommen, es noch zu wagen. Wenn ich nur ein gleichfühlen- des Herz fände!"

Um Himmelswillen," rief nun lachend die Rätin.Sie eingefleischter Junggeselle! Nein, Si« verdienen eine Frau nicht mehr. Die Zeit haben Sie verpaßt."

Die Tafel wurde ausgehoben. Man begab sich in den angrenzenden Salon, wo der Kaffee eingenommen werden sollte. Die Rätin hatte richtig bemerkt. Ueber Brunos Bräutigamge­sicht hatte e» sich wie eine Wolke gebreitet. Zu sehr war auf sein Feingefühl eingestürmt wor­den. Auch Ellens Uebermut, den er so reizend gefunden hatte, berührte ihn heut« nicht ange­nehm. Er fühlt« das Bedürfnis, ihr ins Auge zu sehen, sich an ihrer Liebe wieder aufzurichten nach der Pein der letzten Stunde. Seinen Arm um sie schlingend, flüsterte er ihr zu, ob er ihr nut auch sein Tuskulum zeigen dürfe, wo er arbeiten, dichten, an sie denken wolle, wen« st« von ihm fern weil«.

bene- anerkannt werde. Um 11 Uhr stattete Minister Pichon Jswolstt einen Besuch ab. Am Nachmittag wird er den spanischen Botschafter empfangen. Ministerpräsident Clemenceau, Mi­nister Pichon und der englische Botschafter hat­ten heute morgen eine Unterredung über di« orientalische Frag«. Das Gespräch Pichons mit dem Botschafter erstreckte sich auch aus die Frage der Einberufung einer internationalen Konfe­renz zweck» Revision de» Berliner Vertrages. Es wird versichert, daß die Regierungen geneigt seien, den ®ebanten aufzunehmen. Die Kon­ferenz würde alsbald in Vorschlag gebracht wer­den. England und Frankreich hätten der Tür­kst den Rat gegeben, eine Politik der Mäßigung zu betreiben.

P a r i s, 0. Ott. DemPetit Parisien" zu­folge werde die französische und die englische Diplomatie in Konstantinopel geltend machen, daß die Türkei zwar zwei Demütigungen erlit­ten habe, daß aber ihr Prestige in Makedonien eine Kräftigung erfahre, insbesondere durch die Räumung des Sandschaks Niwobazar, wodurch Oesterreich jeden Vorstoß nach Saloniki ausge­geben habe.

L o n d o «» 5. Ott. Reuter erfährt, die bri­tische Regierung könne keiner Macht das Recht zugestehen, den internationalen Vertrag zu än. dern, ohne Einwilligung der anderen daran be­teiligten Faktoren. Sie mutz daher jeder Aus­hebung des Berliner Vertrages ihee Zustim- mung verweigern und ablehnen, das, was ge­schehen ist, anzuerkennen, bevor nicht die An­schauungen der anderen Mächte bekannt sind, insbesondere diejenigen der Türkei, die näher als jede andere Macht beteiligt ist. Reuter erfährt ferner, daß Italien sich bereit erklärte, seinen Vertreter in Sofia anzuweisen, bezüglich der Orientbahitfrage di« Schritte Englands zu unterstützen. Man erlangte dagegen in London keine Kenntnis von der Ansicht, die man in Rom bezüglich der Unabhängigkeit Bulgariens und der neuen Politik Oesterreich-Ungarns hin- sichtlich Bosniens gewonnen habe. Der ita« lienische Botschafter hatte mit dem Minister de» Auswärtigen, Drey, eine lange Besprechung, um sich über die Stellungnahme Englands zu den letzten Ereignissen zu vergewissern. Der türkische Botschafter hatte heute nachmittag ebenfalls eine längere Unterredung mit Grey.

Die Einverleibung Bosniens und der Herzegowina.

Budapest, 6. Ott. DerPester Lloyd" meldet: Oesterreich-Ungarn ist bereit, mit der Pforte wegen Abänderung der Konvention vom 21. April 1879 in Unterhandlung zu treten. Die vorbehaltenen Souveränitätsrechte des Sul­tans in Bosnien und der Herzegowina find aus­gehoben, hingegen ist die Nennung des Namens des Sultans in den öffentlichen Gebeten der Mohamedaner auch künftighin zugelassen, da der Sultan ihr geistliches Oberhaupt ist. Ebenso könne die ottomanische Fahne auf den Minaret» bei mohamedanischen Festen gehißt werden. Die Frage der Ernennung eines geistlichen Ober­hauptes der bosnischen Mohamedaner und dessen

Gewiß!"

Sie nickte ihm fröhlich zu.

Ich bin sehr neugierig. Aber mache Dich gefaßt auf eine strenge Kritik. Du hast ein so scharfes Gericht über mein kleines Boudoir ge­halten, jetzt werde ich mich an dem Dichterheim des Schloßherrn revanchieren."

Er lächelte ein wenig gezwungen dazu. Wünschte er denn eine Kritik von ihr? Sie hatte die seine herausgefordert, wollte ihren Geschmack bewundern lassen, er aber der Ge­liebten das Heiligtum seiner Ettnnerung zeigen.

Ich unterwerfe mich," sagte er,obwohl Du zum Kritisieren nichts finden wirst) denn es ist meine Berliner Einrichtung, die dort oben ihren Platz gefunden hat, dieselbe, die Zeugin meines ersten Erfolges gewesen ist, in der ich mein neues Werk angefangen habe, und jetzt beendigen will."

Ellen zog ein wenig die Stirn kraus. War eg ihr doch bisher trotz Schmeicheleien nicht ge­lungen, Bruno zur Aenderung seines Entschlus­ses in betreff der Reife zu bringen. Doch die Wolke des Unmuts, die sich momentam über ihre frohe Laune gebreitet hatte, schwand bald wieder, als sie im oberen Stock an den zahl­reichen Fremdenzimmern vorbeiging und daran dachte welch ein herrliches Leben ihr als Schloß- fraü bevorstand, wenn zur Zeit der Jagden dies« Zimmer alle von einer vornehmen illustre« Gesellschaft gefüllt sein würden. »

______(Fortsetzung folgt.)