mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
ft
und de« Kritage«: „Kiterarischer Anzeiger-. „Landwirtschaftliche Keilage" «ud „Illustrierte- Sauutagsblatt-.
Jti 233
Dian abonniert auf die täglich erscheinende „Oberhessische Rettung" bei allen Postämtern und unfern Rettungsstellen in Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21. — Der Bezugspreis beträgt durch die Poft 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bet unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.
Marburg
Sonnabend, 3. Oktober 1908.
Die Jnscrtionsgebübr beträgt für die 7 gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt21. — Telephon 55.
43. Jahrg.
32
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 78.
Bestellungen
fät da« vierte Quartal 1808
, » auf die
«Obe^hesfische 3eitueg* nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition "Mark 21) unseren Ausgabestellen in Kirch-
‘in, Neustadt und Wetter, sowie von ren Postanftaiten und Landbrieftrügern ent» egenzenommen.
(5(a-t6rurf Betbo’en.J
Getrennte Welten.
Roman von Tlarissa Lohde.
(Sortierung.)
i „Ich bitte darum," entgegnete Bruno höflich, I um sich dann zurückzuwenden und Editha «nb I gegenzugehen, die eben aus dem Hause trat.
,.Ich bin bereit," sagte sie freundlich, den Fußweg neben der Landstraße einschlagend.
Bruno nahm dem Jungen, der das unruhig gewordene Pferd nicht ohne heimlichen Stolz auf und nieder führt«, den Zügel ab, und es durch sanftes Streicheln zu stillerer Gangart bringend, schritt er an ihrer Seite hin.
„Der Doktor hat Ihnen gesagt," begann sie
| sogleich.
i Daß Sie den elenden Menschen für einige
! Zeit von seinem gequälten Weibe zu entfernen wünschen," fiel er ihr beiftimmend ins Wort. „Ich bin ganz Ihrer Ansicht und werde sehen, den Schulz auf bem Vorwerk zu beschäftigen, wo ein tüchtiger und strenger Inspektor, und die Entfernung weit genug ist, um ihn von seinem Hause vorläufig wenigstens fern zu halten."
„Freilich nur ein Surrogat für ein schweres, unheilbares Leiden," sagte sie, und etwas wie Bitterkeit klang durch ihre Stimme, die ihn schmerzlich traf. ,D>as Leiden einer unglücklichen, durch ungezügelte Leidenschaften zerstörten Ehe."
„Besonders, wenn diese Leidenschaften sich zur Brutalität steigern, die dann zu Mißhand- lungen an dem unschuldigen Weibe ausartet."
„Halten Sie wirklich jene Mißhandlungen die die arme Frau hat erleiden müssen, für da» Schlimmste, das sie betroffen hat, Bruno? Mich dünkt, bitterer ist es selbst für diese gedrückte Seele^ den Mann, den sie geliebt hat, den Vater ihrer Kinder, rettungslos dem Untergang entgegen gehen z» [e$enr ,
Panzerkreuzer F. mit auf der Werft herzustellenden Turbinen ausgerüstet wird.
— Aus Vaden. Konstanz, 1. Ott. Das badische Eroßherzogpaar stattete der Stadt Konstanz offiziell seinen Besuch ab. Nach der Fahrt durch die Straßen der Stadt im Rathaus und im Regierungsgebäude wurden die Spitzen der städtischen und staatlichen Behörden vorgestellt.
— Der deutsch-französische Zwischenfall. Die französische Regierung läßt, wie wir der „Köln. Ztg." entnehmen, durch die Agentur Havas zu dem Zwischenfall von Casablanca mitteilen, ein Telegramm des Admirals Berryer, des Befehlshabers des französischen Geschwaders an der ma- | rokkanischen Küste, melde, daß der von dem deutschen Konsulat zur Einschiffung der Fremdenlegionäre ausgestellte Geleitschein sechs Personen erwähne, die spätere Reklamation sich aber nur auf drei Personen beziehe. Aus der angestellten Untersuchung gehe ferner hervor, daß die Deutschen z u e r st tätlich geworden seien. Man wird hierzu die deutschen Erklärungen abwarten müssen, da es sich hier selbstverständlich nur um die von französischer Seite angestellte Untersuchung handelt. — Einen besonders schlechten Eindruck dürfte die Beförderung des Generals d'Amade zum Divisionsgeneral machen in diesem Augenblick, wo die von ihm angeordnete gewaltsame Festnahme der unter deutschem Schutz stehenden Deserteure der Fremdenlegion und seine Weigerung, die Leute wieder auszuliefern, den Zwischenfall von Casablanca geschaffen haben. Der „Hannov. Cour." meint dazu: Man entsinnt sich, daß d'Amade, als er rechtswidrig Asemmur besetzt hatte, zwar von Paris aus einen Verweis, rber gleich darauf auch einen Orden ils Pflaster erhielt. Diesmal sahen wir eine Beförderung, aber keinen Verweis. Fast möchte man meinen, die französische Regierung fürchte sich, einen erfolgreichen General zu maßregeln. Das ist am Ende ihre Sache, aber sie darf sich nicht wundern, wenn das Produkt ihrer Furcht in Deutschland als das beurteilt wird, was es in jedem Falle auch ist: eine grobe Taktlosigkeit, die nicht dazu beitragen kann, Deutschland bei der Erledigung des Zwischenfalles zu Entgegenkommen und Rücksichtnahme zu bestimmen. Deutschland hat es daran bisher nicht fehlen lassen, wenn ihm aber die Gegenseitigkeit verweigert wird, dann werden eben schärfere Saiten aufgezogen werden müssen. Es schiene z. B. zweckmäßig, sich mit einer Bitte um Entschuldigung und mit Bestrafung der unmittelbar schuldigen Subaltern nicht zu begnügen, sondern auf der Maßregelung auch des schneidigen neuen Divisionsgenerals zu bestehen. — Aus Tanger wird der „Nationalztg." berichtet: Die Desertionen deutscher Söldner aus der Fremdenlegion sind nichts seltenes, seitdem diese Truppe in Marokko gelandet ist, und die Casablanca-Affäre bildet keineswegs einen Präzedenzfall. Die deutschen Behörden in Tanger haben annähernd 40 Legionäre in den letzten
vor drei Jahren die Sozialdemokratie mit besonderem Nachdruck. Immer wieder wurde hervorgehoben, daß eine eben erst aufgeblühte Industrie vernichtet werde und daß viel« Tausende von Arbeitern brotlos werden würden. Dieser Feuereifer der Sozialdemottatie erklärte sich nicht zum geringsten Teile dadurch, daß die Zi- garettenindustrr« besonder» im Königreich Sachsen zuhause ist. Sachsen war aber damals (1905/06) noch das „rote Königreich", denn von den 23 sächsischen Reichstagsmandaten waren 21 sozialistisch vertreten. Die Sozialdemokraten mußten also für die sächsischen Industriearbeiter mit besonderem Eifer eintreten.
Doch dies nur nebenbei. Für die Reichs- ftnanzreform ist es von besonderem Interesse, daß wenn irgend eine Steuer eine reine Genußmittelsteuer ist, dies von der Zigarettensteuer zu sagen ist. Nimmt man nur noch dazu, daß da» günstige Ergebnis dieser Steuer in einer Zeit rückgängiger wirtschaftlicher Konjunttur erzielt worden ist, so geht daraus klar hervor, daß die Genußmittelsteuern das Rückgrat der Reichs- fjnanzreform zu bilden haben. Der Zigarettenkonsum ist uf der Höhe geblieben trotz der Steuerbelastung und trotz der wirtschaftlich ungünstigen Lage. Diese Tatsache spricht dafür, daß auch eine schärfere Heranziehung der Zigarren, des Bieres, de» Branntweins und des Weines den Verbrauch an diesen Genußmitteln gar nicht oder nur unwesentlich beeinträchtigen dürfte. Damit entfällt aber das Hauptargument der Gegner dieser Steuern, daß nämlich durch die Einführung der Steuern bezw. durch die Erhöhung bereits bestehender Steuern auf Genuß- mittel ungezählte Arbeiter brotlos werden würden.
Die Sektsteuer hat den Verbrauch deutschen und ausländischen Schaumweins nicht einge- schräntt und die Zigarettensteuer hat den Zigarettenkonsum nicht gemindert. Aehnliche Erfahrungen wird man bei den nun geplanten Steuererhöhungen auf Eenußmittel machen.
Im Gegensatz zu dem günstigen Ergebnisse der Zigarettensteuer steht der Mißerfolg der Frachtsteuer, der Fahrkartensteuer, der Tantiemesteuer, kurz derjenigen Steuern, die nicht Eenußmittel betreffen. Auch diese Taffache sollte sich die Reichsfinanzreform zur Lehre dienen lassen. Sie wird mit der Jnseratensteuer und der Elettrizitätssteuer Schaden und Verwirrung anrichten und dabei viel geringere Erträgnisse erzielen, als die Regierung zu erhoffen scheint. Deshalb wäre es §ut, wenn der Reichstag diese Steuern kurzerhand ablehnen würde.
'HMches WH.A
— Ein neuer Panzerkreuzer. Hamburg, 1. Okt. Das Reichsmarineamt übertrug der Werft von Blohm und Voß den Bau des großen Panzerkreuzers „G.", der ebenso wie im Jahre 1907 an die gleiche Firma vergebene große
Monaten nach der alten Heimat befördert. Di« geschah stets vor den Augen der französischen Gesandtschaft, die sich jedoch angesichts der Kapi» tulationen streng passiv verhielten. Auch in Casablanca haben Konsul Lüderitz, sowie Vizekonsul Mänse wiederholt Deserteur? deutscher Reichsangehörigkeit an Bord deutscher Dampfer gebracht, ohne daß von der französischen Militärverwaltung irgend ein Widerspruch erhoben worden wäre. Die deutschen Konsuln in Rabat und Mogador find gleichfalls Landsleuten, di« die Tyrannei der Fremdenlegion nicht mehr ertragen konnten, zur Rückkehr nach Deutschland behilflich gewesen. Vielfach brachten Marokkaner die entflohenen Legionäre in die deutschen Konsulate. Bemerkenswert ist, daß die Marokkaner sich jedesmal mit der größten Opferfreudigkeit der Deserteure annahmen. Arabische Kleidung und Verpflegung von Dorf zu Dorf ist jedem Flüchtling aus den Reihen der Franzosen an der ganzen Küste sicher. Nie aber ist es bisher zu irgend einem Konflikt gekommen, wie in Casablanca, trotzdem die französischen Behörden beinahe jeden einzelnen Fall genau kannten.
— Zur Verbesserung de» Unterrichtsverfahrens in den Volksschulen hat der preußische Kultusminister eine Verfügung erlassen, in der darauf hingewiesen wird, daß die Lehrpläne' nicht selten zuviel Unterrichtsstoff enthalten und dadurch die Durcharbeitung beeinträchtigen/ Um die Gefahr einer nur oberflächlichen Aufnahme des Lehrstoffes zu verhüten, soll eher der Umfang des Stoffes beschränkt, als durch eine mechanische Methode den Schülern eingeprägt werden. Bedürfen also die Lehr- und Stoffpläne einer eingehenden Durchsicht, so ist auch im Unterrichtswesen, das sich zuviel nut in der Form von Frage und Antwort vollzieht, der Selbständigkeit und der selbständigen Leistungen der Kinder (dem selbständigen Zusam- menfassen, Vortragen, Rechnen, Messen, Niederschreiben u. a. m.) mehr Raum zu gewähren. „Die Fragen sind — so heißt es in dem Erlasse — zu leicht und rufen nur wenig das Interesse der Schüler hervor. Es ist nötig, die Denkarbeit, die Urteilskraft der Kinder mehr in Anspruch zu nehmen. Den Uebungen im mündlichen und schriftlichen Ausdruck ist besondere Sorgfalt zuzuwenden. Die Kinder sollen befähigt werden, ihre Gedanken vollständig und sprachlich richtig darzulegen. Was den Religionsunterricht betrifft, so ist unter Beachtung der Lehrpläne dahin zu wirken, daß eine Ueberhäufung mit Unterrichtsstoff vermieden wird, um nicht die religiös-sittlichen Einwirkungen auf die Kinder zu beeinträchtigen. Geistloses Erlernen soll nicht Platzgreifen. Bei der gedächtnismäßigen Aneignung der Religionsstoffe ist ein Uebermaß zu vermeiden." Ob in dem Erlasse auch bezüglich der anderen Unterrichtsfächer besondere Vorschriften gemacht sind, ist uns noch nicht bekannt.
— Württembergs Maßregeln gegen die Einschleppung der Cholera. Stuttgart, 1. Okt. Die Regierung hat zum Schutze gegen die Einschleppung der Cholera angeordnet, daß alle von Rußland nach Württemberg zureisenden Personen
„Das trifft sich gut," entgegnete Bruno, durch bte Aussicht, mit Editha zusammen für das Wohl seiner Armen und Leidenden wirken zu können, aufs angenehmst« berührt. „Auch ich wollte zum Forsthause, um mit dem braven Brandt etwas zu besprechen."
„So bitte ich nur noch um einen Augenblick Geduld, ich werde sogleich bereit fein."
eie traf noch einige Anordnungen mit Eer- trub ilseie, die mit der Tochter um die Leidende beidjäftigt war. während Bruno mit dem Arzt Rucksprache nahm und dann, nachdem er eine Summe Geldes zur Pfleg« auf den Tisch gelegt 9Qti£- in feiner Begleitung das Haus verließ.
„Ich hoffe, die Frau wird bald wieder auf- kommen," meinte der Arzt. „Glücklicherweise ist mch,2 gebrochen, doch scheint es mir notwendig, oen Mann für einige Zeit wenigstens aus dem p°u,'e Zu entfernen, damit die Frau Zeit hat, ftch zu erholen. Ich sprach schon darüber mit nur Tt"* ^atontn- Lanz meiner Mei- , ",Vber wie wie soll das möglich sein?" fragte Bruno. „Man kann dem Manne nicht verbieten, seine Wohnung zu betreten.“
„Das nicht, aber die Frau Baronin hat eine Spee, die sie Ihnen Mitteilen wird. Mich ruft Jetber die Pflicht fort. Mit dem alten Pastor in orauenstein steht es schlecht, eben tarn ein »oie hierher mir nach. Aber wenn der Herr »aron gestatten, spreche ich in den nächsten Ta-
einmal in Schönwalde vor."
Defizit und Finanzreform.
Man schreibt uns:
Die Slenereitznahmen der ersten fünf Monate d« Rechnungsjahres 1908/09 haben die sehr unerfreuliche Tatsache ergeben, daß der Ertrag bet der großen Mehrzahl der Steuern und Zölle hinter dem Voranschläge zurückbleibt. Besonder, groß ist der Ausfall bei Weizen, Roggen und Mai». Bei diesen Getreidearten beläuft er sich tn den ersten fünf Monaten des Jahres allein auf 25 Millionen Mark. Von den im Jahr« 1906 bewilligten sogenannten neuen Steuern bietet nur die Zigarettensteuer ein erfreuliche» Bild, da ihr Ertrag den Voranschlag überschreiten dürfte. Bei allen anderen Steuern jenes Jahres (Frachtstempel, Tantiemesteuer, Fahrkartensteuer usw.) wird der Voranschlag bei weitem nicht erreicht.
Der „Vorwärts" registriert diese Tatsachen : schmunzelnd, da ihm natürlich alles, was für das deutsche Reich eine Verlegenheit bedeutet, höchst sympathisch ist. Wir meinen aber, daß gerade aus diesen Tatsachen Schlüsse zu ziehen sind, die den „Vorwärts" wenig sympathisch berühren dürften. Zunächst ist die Mindereinnahme gegenüber dem Voranschläge ein neues und sehr wichtiges Argument für die unbedingte Notwendigkeit der Reichsfinanzreform. Denn diese Mindereinnahme legt dar, daß selbst bei der gröfj’en Sparsamkeit die Ausgaben des Reichs durch die vorhandenen Einnahmequellen nicht gedeckt werden können. Zweitens ist interessant, daß Der größte Ausfall gegenüber dem Voranschläge bei den Getreidesorten, Weizen, Roggen und Mais zu verzeichnen ist. Das sozialdemokratische Hauptschlagwort ist bekanntlich der „Broiwucher". Je geringer aber die Einnahmen <n Zöllen aus Getreide sind, desto weniger kann oom Brotwucher geredet werden.
Einen beachtenswerten Fingerzeig für die geplante Reichsfinanzreform ergibt die Tatsache, daß gerade die Zigarettensteuer die Erwartungen nicht getäuscht hat, sondern sie sogar noch übertrifft. Gerade gegen diese Steuer kämpfte
ihm Pfeifen aus Weichselrohr. Unter den Bäumen stand der offene Jagdwagen, den Editha benutzt hatte.
„Der Klein« wurde ungebulbig,“ sagte der Förster, nachdem er die Ankommenden begrüßt hatte. „Da muß man schon für seine Unterhaltung sorgen."
Editha faßte den blondlockigen Knaben bei der Hand und führte ihn Bruno zu.
„Sage dem Onkel guten Tag und reiche ihm die Hand."
Der Kleine tat, wie die Mutter ihm geheißen hatte. Bruno nahm ihn, innerlich beft wegt, auf den Arm und küßte ihn.
„Ein herziger Knabe."
„Mein Glück und meine Hoffnung für die Zukunft," sagte sie während ihr Auge t%it strahlender Zärtlichkeit sich in das fröhliche Kinderantlitz versenkte.
Noch einmal ging sie zur Försterin hinein, die schon feit Monaten das Bett hütete. Dann, nachdem sie von der Kranken, der ihr Besuch stets wie ein Sonnenstrahl erschien, der ihr dunkles Leben für Momente verklärte, Abschied genommen hatte, schritt sie, den Kleinen an der Hand, dem Wagen zu. Bruno half ihr beim Einsteigen.
„Auf Wiedersehen," sagte sie, ihm noch einmal die Hand reichend. „Sie bleiben in Schönwalde?" ,
„Den Sommer über, ja." 1
„Und wann heiraten Sie?“
„Wahrscheinlich zum Winter." I
„Für das nächste Jahr darf ich also hoffen, j daß Ihre jung« Frau sich an bet Sorge für meine Schönwald« Pflegling« beteiligen wirb.
Wie dunkel der Ton ihrer Stimme dabei klang, wie schmerzdurchzittert.
Ist es bet Nachklang selbsterfahrenen Leides ging es Bruno durch den Sinn, das der edlen Frau dieses tiefe Mitgefühl mit jenem armen geprüften Weibe einflößt? Sie bemerke, was in ihm vorging, und den Eindruck zu verwischen suchend, den ihre, von Bitterkeit der eigenen Erfahrungen durchzitterten Worte auf ihn gemacht hatten, lenkte sie plötzlich das Gespräch auf etwas anderes, empfahl einige Arm« Schönwaldes seiner Aufmerksamkeit und kam dann auf die Reise, die sie vorhabe.
„Wohin gehen Sie zunächst?" fragte er.
„In das oberbayerische Gebirge. Asta hat mir eine so anziehende Beschreibung von der Schönheit und Einsamkeit jener Gegenden gemacht."
„Suchen Sie di« Einsamkeit? Ich glaubte, auch^in Frauenstein lebten Sie einsam genug.“
«Ich werde die Einsamkeit des Gebirges mit meinem Manne teilen. Hjer in Frauenstein rufen ihn feine Geschäfte, feine kameradschaftlichen Verbindungen viel von meiner Seite. Dort werbe ich ihn mehr besitzen."
Es ging dabei wie ein Hoffnungsschimmer über ihr bleiches Gesicht, was Bruno tief bewegte. Ach, daß ihre Erwartungen sich erfüllten, daß Dietrich wirklich die Liebe zu der Lebensgefährtin wiederfände, ohne die kein Glück, kein Fried« möglich ist! Er fteilich vermochte diese Hoffnung kaum zu teilen. Nach allem, was et von Dietrich gehört hatte, schien ihm solche Umkehr, wie Editha sie ersehnte, außer dem Bereich des Möglichen zu liegen.
Vor dem Forsthause spielte der kleine Günther mit der Bonn«. Der alte Förster schnitt