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zu gewinnen. Das Ergebnis der Umfrage lautet also: 91 vom hundert aller Stimmen gegen und nur 9 vom hundert für Einführung des Frauenstimmrechts." — 9 Prozent ist wenig!
— Die 8. ärztliche Studienreise. Hamburg, 25. Sept. Die Teilnehmer an der 8. ärztlichen Studienreise nach Teneriffa und zurück fstch mit dem Dampfer „Ozeans" der Hamüurg-Amerika- Linio nach beendigter Reise heute nachmittag 5 Uhr in Hamburg eingetroffen. Ungefähr 60 Teilnehmer haben bereits in Ostends das auf der Ausfahrt wegen schlechten Wetters nicht besucht wurde, das Schiff verlassen. Eikke größere Anzahl tritt heute die Heimreise an, Das Komitee sprach der Direktion der Hamburg-Ame- rika-Linie telegraphisch seinen Dank aus für die ausgezeichnete und umsichtige Fürsorge und Verpflegung, sowie Leitung während der Studienfahrt.
— Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. Zn der Presse ist mehrfach die Mitteilung verbreitet worden, daß ein Gesetzentwurf, betreffend Abänderung der Bestimmungen der Gewerbeordnung über die Sonntagsruhe im Handels- gewrrbe, zurückgezogen sei oder zurückgezogen werden solle. Wie aus den Erklärungen des Staatssekretärs des Innern in der Sitzung des Reichstags vom 28. März ds. Zs. hervorgeht, liegt ein endgültiger Gesetzentwurf überhaupt noch nicht vor. Es sind vielmehr Äußerungen der verbündeten Regierungen über die Möglichkeit einer günstigeren Gestaltung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe eingeförder^ diy noch nicht vollständig eingegangen sinkt. Erst wenn dies der Fall ist, wird die Fragen tn welchem Umfange eine weitere Einschränkung der Soun- tagsarbeit möglich ist, näher getreten werden können.
— Sparsamkeit bei Eisenbahnbauten. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat den auf die Einhaltung der möglichsten Sparsamkeit bei Staatsbauten abzielenden Erlaß der zuständigen preußischen Minister vom 1. August d. I. den Eisenbahndirektionen zur Beachtung mitgeteilt. Er bemerkt dazu: Auf Eisenbahnhochbauten des Betriebs- und Verkehrsdienstes von voraussichtlich nur beschränkter Dauer bezieht sich der im Erlaß enthaltene Hinweis auf die Wahl der Konstruktion und der Baustoffe zur Sicherung einer möglichst langen Dauer der Gebäude selbstverständlich nicht. Hierfür bleiben die Bestimmungen des Erlasies vom 28. Okt. 1907 auch weiterhin maßgebend. Im übrigen vertraue ich, daß die Königlichen Eisenbahndirektionen auch bei den Bauausführungen, die schon eingeleitet sind, weitmüglichst in den zu- lässigen Grenzen auf Sparsamkeit hinwirken und bei der äußeren Gestaltung der Gebäude sowie der inneren Ausstattung jede unnötige Eeldausgabe vermeiden werden.
— Der neue Polizeipräsident von Rixdorh» An Stelle des zum Landesdirektor der Fürste» tümer Waldeck und Pyrmont ernannten bi» herigen Polizeipräsidenten v. Elasenapp ist der bisherige Landrat Becherer in Hadersleben zu» Polizeipräsidenten in Rixdorf ernannt worden.
— Zur Angelegenheit des Prinzen Bernhard zur Lippe teilt die „R. Pol. T." mit: Die Darstellung der „Lippeschen Landeszeitung" über die angeblichen Vorgänge bei den Kavallerieübungen in der Senne, nach welcher der Kaiser den Prinzen Bernhard nicht habe seh-,' wollen, ist unzutreffend. Richtig ist nur, daß der Kaiser den Prinzen in der Senne überhaupt nicht gesehen hat; aber von einer Absicht, ihn nicht zu sehen, kann nicht die Rede sein. Es bot sich in der Senne keine Gelegenheit, weder für den Kaiser noch für den Prinzen, zu einer persönlichen Begegnung. Der Bruder des Prinzen Bernhard, der regierende Fürst zu Lippe, hat an den Kaiser die Bitte gerichtet, den Abschied seines Bruders aus der Armee zu genehmigen. Das Gesuch kam in Berlin unerwartet.
— Zu einer stürmischen Auseinandersetzung zwischen „Sozialliberalen" und Freisinnigen kam es, wie wir de: „Tgl. R." entnehmen, in einer Volksversammlung zu Schöneberg. „Nachdem Abg. Dr. Wiemer die allgemeine politische Lage vom Standpunkt der Freisinnigen Volkspartei geschildert und dabei auch die Angriffe auf die Blockpolitik zurückgewiesen hatte, trat ihm der unvermeidliche Dr. Barth entgegen, um die Blockpolitik zu „verurteilen". Aus den Beifallskundgebungen war zu ersehen, daß die Mehrheit der Versammlung aus den Desperados von der „Demokratischen Vereinigung" bestand. Während aber bei den Reden von Dr. Wiemer und Dr. Barth die Versammlung ruhig war, kam es zu stürmischen Szenen, als Abg. Kopsch Dr. Barth angriff. Er sagte u. a.: Dr. Barth habe das Vertrauen seiner Wähler in Hirschberg und Kiel verloren, und es gebe nichts Schlimmeres, als wenn ein Abgeordneter sich des Vertrauens seiner Wähler unwürdig zeige. Dr. Barth rief darauf, das sei eine Verleumdung. Der Vorsitzende, Stadtv. Zobel, forderte darauf Dr. Barth auf, diese A e u ß e r - ung zurückzuneh men oder den Saal z u v e r l a s s e n. Dr. Barth erbat zur Begründung seines Rufes das Wort, es wurde ihm jedoch nicht erteilt, sondern man wies ihn hinaus. Der größte Teil der Versammlung protestierte in stürmischer Weise dagegen, und brachte Hochrufe auf die demokratische Vereinigung aus. Der Vorsitzende mußte die Versammlung schließlich vertagen, und als er sie wieder eröffnete und Abg. Kopsch erneut Dr. Barth angriff, verließen die Demokraten bis aus wenige den Saal. Im Vorzimmer kam es sogar zu tätlichen Auseinandersetzungen zwischen den streitenden Parteien. So hat es also der „entschiedene" Liberalismus wieder einmal fertig gebracht, von sich reden zu machen."
meinfam antreten. Einer soll des anderen Stütze fein. Hast Du das auch ganz erfaßt? Befürchtest Du nicht, müde zu werden auf diesem Wege? Es ist wahr, Du hast seit langem Teilnahme und warmes Interesse für mein Streben und Schaffen gezeigt. Aber anderes ist es, das Vollendete zu genießen, anders dem mit der Kunst Ringenden zur Seite zu stehen. Meine Frau muß auch meine Gefährtin sein, die mit mir geduldig und liebevoll auf der oft dornenvollen Poetenlaufbahn wandelt. Sie darf nicht zu den Dutzendfrauen gehören, die sich damit begnügen, für des Mannes Wohlergehen auf ihre Art Sorge zu tragen. Sie mit mir im Geiste leben, muß es verstehen, meinen wankenden Mut wieder aufzurichten, wenn er zu erlahmen droht. Sie muß der Welt sterben, um mir zu leben. Ich vermag nicht, zu teilen. Das Weib, das ich liebe, will ich ganz besitzen, mit allem Empfinden, allen Regungen ihres Herzens. Hast Du das wohl bedacht?"
Ellen hatte langsam während dieser wie ihr vorkam, unendlich langen Rede, die sie jedoch dem Dichter nachsah, und die ihr höchst interessant erschien, als läse sie ein Kapitel aus einem Ronlan, die Lider gesenkt. Sie war ein wenig verlegen. So schlagfertig sie sonst die Konversation zu führen wußte, auf die Beantwortung so ernster Worte hatte sie sich nicht vorbereitet. So zog sie denn nach kurzer Erwägung vor, zu schweigen, nur mit dem Kopf zu nicken, die Arm« um Brunos Hals zu schlingen, und sich an seine Brust zu pressen. Die Wirkung war die gewünschte. Zn heißer Aufwallung, während er sie mit stürmischer Zärtlichkeit umfing, glaubte er, ihr btt begehrte Antwort, di« ft« ihm mit Worten nicht gegeben hatte, von den
Lippen zu küssen. Aber sie wußte, was sich für eine junge Verlobte schickt, und sich sanft, aber entschieden aus seinen Armen lösend, führte sie ihn weiter in ein anstoßendes Kabinett, wo sie zu musizieren pflegte. Dort stand im Erker ein mit Perlmutter ausgelegtes zierliches Notenpult zwischen grünen Topfgewächsen, daneben ir ebenso ausgestattetem Kasten lag ihre Geige.
„Soll ich Dir etwas vorspielen?"
Er nickte.
In diesem Augenblicke war er wirklich ganz nur der Liebende, der sich von der Herrscherin seines Herzens am Leitseil führen läßt. Sie spielte ein Spohrsches Adagio, von dem sie wußte, daß er es ganz besonders gern hörte. Er lauschte, im Sessel zurückgelehnt, geschlossenen Auges. Als sie geendet, sprang er auf und drückte ihr dankend die Hand.
„Das wirst Du mir öfter vorspielen, wenn Du mein bist," sagte er warm.
„Dein Eigentum, über das Du verfügen kannst," flüsterte er zärtlich. Er war bezaubert.
Sie fühlte, daß ihr das Debüt im Brautstande gelungen war und kehrte befriedigt in den Salon zurück. Aber ihre Stimmung erlitt im Laufe des Tages wieder einen argen Stoß, als die Geschwister gekommen waren und man über die projektierte Reise sprach. Auf die wie selbstverständlich von der Schwester an Bruno gerichtete Frage, ob er sich ihr und den Eltern anschließen oder doch an einem vorher be- sttmmten Ort« mit ihnen zusammentteffen werde, erklärte er, vorläufig an eine Reis« nicht denken zu können, da er mit einer dramatischen Arbeit beschäftigt sei, die er in der ländlich«, Stille Schönwald«« za vollende« gebentc,
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2)1 ait abonniert auf die täglich erscheinende „Oberhessische Zeitung" bet allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21. — Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bet unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.
Marburg
Sonntag, 27. September 1908.
Die Jnsertionsgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Unwersitärsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. H ttzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
43. Jahrg.
Erstes Blatt.
Rückblick.
Hebet die Reichssinanzreform lag Dieser Tage abermals eine von uns bereits ein- -ehend wiedergegebene Kundgebung vor. Der Staatssekretär des Reichsschatzamts Herr Sydow äußert sich selbst zu dem Thema in einem Aufsatz, der im Ottoberhest der „Deutschen Rundschau" erscheint. Es werden darin die Grundgedanken der Reform näher erörtert. Erneut wird bestätigt, daß in erster Linie Gegenstände des allgemeinen Verbrauches, wie z. B. Bier§ Branntwein und Tabak, einen Teil der erforderlichen Mittel werden aufzubringen haben; »nd daß bei der geplanten, auf Gatten und Deszendenten auszudehnenden Erbschaftssteuer der ländliche Grundbesitz besonders zu schonen sein wird. Die Schwierigkeiten, die dem Reformwerke im Reichstage infolge der Stellungnahme der einzelnen Parteien entgegenstehen, werden nicht verhehlt, und es wird in diesem Zusammenhangs betont, daß den verbündeten Regierungen an einer möglichst großen Mehrheit für die Reform gelegen sein müsse. Sodann warnt der Aufsatz davor, daß die einzelnen Parteien die Bedingungen Überspannen, von denen sie ihre Zustimmung zu den Vorschlägen der Regierung etwa abhängig machen sollten; denn eine solche Ueberspannung müßte dahin führen, die Regierung dem politischen Gegner in die Arme zu treiben. — Jedenfalls ist es zu begrüßen, daß der Reichsschatzsekretär dergestalt selbst in die Arena des Meinungsstreites tritt, noch ehe die 'Entwürfe im Wortlaut bekannt sind und noch ehe der parlamentarische Kampf um sie begonnen hat. Zur Klärung der Auffassung kann das nur beitragen. Die Einzelheiten über die von der Staatsregierung in Aussicht genommene Aenderung unserer Steuergesetzgebung werden bald bekannt werden. Denn es liegt, wie die „Berl. P. N." heute mitteilen, in der Absicht des Finanzministers, die betreffenden Vorlagen so bald als möglich nach Eröffnung des Landtages, vielleicht schon am Tage der Eröffnung selbst, im Abgeordnetenhause unter Darlegung der für die Vorschläge maßgebenden Gesichtspunkte einzubringen.
In Düsseldorf hat im Laufe der Woche die fünfte Generalversammlung der Deutschen Mittel st andsvereinigung stattgefunden. Einen der wichtigsten Verhandlungspunkte bildete die Frage, wie weit der Kreis der Mittelstandsbewegung zu ziehen sei. Der llnteroerband Rheinland-Westfalen, die sogen. Düsseldorfer Richtung, vertrat den Standpunkt, daß nur die Handwerksmeister und die selbständigen Kaufleute des gewerblichen Mittelstandes in den Kreis der Mittelstandsvereinigung gehörten und daß die Vereinigung die gewerb-
29 t Nachdruck verboten.).
Getrennte Welten.
r. Roman von Clarissa Loh de.
(Fortsetzung.) '
„Weißt Du, daß ich heute viel mit Dir vor- habc?" nahm nun Ellen das Wort, sobald sie allein waren, sich an ihn schmiegend und mit ihren großen schmachtenden Augen zärtlich zu ihm aufblickend.
„Du siehst mich zu Deiner Verfügung," entgegnete er, sich ganz ihrem Zauber hingebend.
„So komm! Ich werde Dir zunächst mein Boudoir zeigen. Man sagt, daß man den Charakter eines Menschen am besten aus den Räumen erkenne, in denen er wohnt, und Du sollst mich ganz so kennen lernen, wie ich wirklich bin."
Lächelnd folgte Bruno der ihn an der Hand durch Eesellschaftsräume zu dem Flügel des Hauses Führenden, in dem ihr Boudoir lag.
„Hier har weder Papa noch Mama einzureden gehabt," rief sie, vor einer mit einer Portiere bedeckten Tür stehen bleibend und sie aufstoßend. „Das ist ganz mein Geschmack."
Sie hatte sich schon seit gestern auf den Eick- druck gefreut, den die von ihren Freundinnen und allen, die es sonst gesehen hatten, bewunderte Ausstattung dieses lauschigen Raumes auf Brunos Künstlernatur machen werde. Ihm voran eilend, stellte sie sich in die Mitte des Gemaches, wo das durch die herabgelassenen mai- grünen Vorhänge dringende Licht ihre schlanke Gestalt magisch umflutete. Die erwartete Wirkung blieb jedoch aus. Mit eigentümlich prüfendem Ausdruck blieb et in der Tür stehen
lichen und Standesinteressen des deutschen Mittelstandes zu vertteten habe. Die Berliner Richtung dagegen wollte auch die mittleren Beamten und kaufmännischen Angestellten mit einbezogen wissen, um den gesamten Mittelstand zu vereinen. Die Vettretung der Berufsinteressen müßten den beruflichen Organisationen überlassen bleiben. Die Düsseldorfer Richtung fürchtete, das Programm der Berliner Richtung könne im letzten Grunde zur Bildung einer politischen Partei führen. Schließlich kam ein Kompromiß auf der Grundlage zustande, daß zunächst der gewerblichtz Mittelstand in der Mittelstandsvereinigung vertreten sein soll, dann aber auch die Anderen Berufe, deren Heranziehung die sogenannte Berliner Richtung wünscht. Man kann der „Kreuzztg." recht geben, wenn sie zu diesen Auseinandersetzungen nachstehendes bemerkt: Folgerichtiger und auch wohl mehr den Interessen der Vereinigung entsprechend ist ohne Frage der Standpuntt der Düsseldorfer Richtung, der mehr Wert auf die innere Geschlossenheit der Vereinigung als auf eine möglichst hohe Kopfzahl legt. Das Natürliche ist, daß nur solche Gruppen sich enger zu- sammenschließen, die durchaus gleiche Ziele und Interessen haben. Das ist hier nicht der Fall. Bei Hinzuziehung von Beamten von Handlungsgehilfen wird die innere Geschlossenheit der Mittelstandsvereinigung gefährdet. Man berücksichtige nur, daß z. B. die selbständigen Kaufleute und die Handlungsgehilfen in manchen Fragen einander gegenüberstehen werden. Auch die Beamten und der gewerbliche Mittelstand haben nicht durchweg dieselben Interessen. Es ist deshalb höchst fraglich, ob der durch da« Kompromiß beschrittene Weg sich als ein auf di« Dauer gangbarer bewähren wird.
In einem Artikel des Vismarck-Frauen- Jahrbuchs (Organ des Kleeblattbundes) über Frauenstimmrecht lesen wir: „Unsere vorjährige Umfrage begegnete in den Freundeskreisen des Kleeblattbundes lebhafte Teilnahme. Aus dem ganzen Deutschen Reiche kamen uns Meinungsäußerungen zu, die allerdings in erdrückender Mehrzahl sich gegen das Frauenstimmrecht :ussprachen und von denen wir unten eine Blumenlese folgen lassen. Von nahe 15 000 abgegebenen Stimmen erklärten sich 18 600 gegen und nur 1320 für Einführung dieses neuen Frauenrechtes und dies oft noch unter Vorbehalt. Daß zahlreiche Frauen die Frage überhaupt nicht beantworteten, bleibt begreiflich bei der Scheu und der Ungewohntheit der deutschen Frau, zu einer öffentlichen Frage Stellung zu nehmen und sich hierüber kurzweg entscheiden zu sollen. Immerhin würde eine größere Stimmenabgabe das gewonnene Verhältnis der gegenteiligen Meinungen in der Frauenwelt kaum verändern. Die Unentschiedenen und Vorsichtigen, die Gleichgültigen und Verständnislosen sind in den gebildeten Ständen wohl kaum für einschneidende Neuerungen so leichthin
und ließ seinen Blick befremdend über den eigen- arttgen Raum schweifen.
„Nun?" fragte sie unmutig.
„Nun?" wiederholte er mit einem Lächeln, nähertretend.
„Du möchtest Dein Lob hören?"
»Ich glaube in der Tat, einem Poeten, wie Dir, müßte es hier gefallen?"
„Du gefällst mir. Ist das nicht genug?“
Er wollte sie an sich ziehen, sie aber trat, ihn abwehrend, einen Schritt zurück.
„Erst sage mir, was Du an meinem Tus- kulum auszusetzen hast."
„Willst Du das wirklich wissen?"
,Zch bitte Dich darum."
„Nun denn, ich finde hier alles zu raffiniert erdacht, zu sehr auf Deine Person zugeschnitten." „Wie das?"
„Die maigrüne Farbe, gestehe es nur, soll Deiner Schönheit das rechte Relief geben. Isis nicht so?"
„Und wenn es so wäre, müßtest Du nicht damit zufrieden sein? Oder liebst Du nicht, mich so schön als möglich zu sehen?"
„Zch liebe es, wenn eine Frau nicht gar zu sehr an ihre äußere Erscheinung dentt!"
Sie wurde rot und wandte sich verletzt von ihm ab. So hatte noch niemand zu ihr gesprochen. War das die Freude des Brautstandes, daß der Verlobte ihr Sottisen sagte?
Er faßte ihre Hand und setzte sich mit ihr auf das kleine grüne, mit verstreuten Frühlingsblumen bestickte Sofa.
„Laß un» von etwas Ernsterem teben, Ellen," bat er. „Mit dem gestrigen Abend find wir in einen neuen Abschnitt unsere« Leben» getreten. Wir wollen von heute an den Pilgerweg ge»