43. Jahrg<
Druck und Verlag: Inhaber Dr. T. H itz
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Joh. Aug. Koch, Universttärsbuchdruckerei eroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 58.
Di« Jnsertionsgebü ober deren Raum 15 P
Durchführung der Beschlüsse von Algeciras zu sichern und die Ruhe in Marokko wiederherzustellen. Die maßvolle Form der deutschen Forderungen gibt allerdings der „T. 91.“ zu Bedenken Anlatz, „ob die Sprache der deutschen Antwort deutlich genug ist, um von den Parisern auch recht verstanden, eindringlich genug, um von ihnen auch recht beherzigt zu werden". .....Am wenigsten — meint sie — beruhigt die Antwort der deutschen Regierung in ihrer Behandlung des Punktes, der am wichtigsten ist, in der Frage der Kriegskostenentschädigung. Kein Wort der Andeutung über die Ungeheuerlichkeit einer solchen Forderung überhaupt, und wie schwach und weitgesteckt die Grenze einschränkenden Bedenkens!" Auch die „Kreuzzeitung" wundert sich. Sie meint: Die Antwort schlägt einen so vertrauensvollen Ton an, datz er einen Beobachter, der sich lediglich auf das offenliegende Tatsachenmaterial und den sich daraus ergebenden fortwährenden Widerspruch zwischen den amtlichen Erklärungen und dem tatsächlichen Verhalten der französischen Negierung und ihrer Truppenbesehlshaber stützen würde, nur befremden könnte. Wir zweifeln aber nicht daran, daß unsere Regierung ihre besonderen Gründe für ihr Verhalten hat, und dürfen wohl die Erwartung aussprechen, datz Frankreich das durch die deutsche Antwort bewiesene sehr weitgehende Vertrauen würdigen und durch sein weiteres Verhalten rechtfertigen wird. — Das Blatt meint ferner, in der Kostenfrage habe die Regierung wesentliche Konzessionen gemacht.
Wenn Frankreich nicht imstande ist, auf der Basis maßvoller und im Interesse der Beruhigung von Marokko notwendiger Bedingungen Deutschlands zu einem Einvernehmen aller Algecirasmächte die Hand zu bieten, so würde es nur offen zugeben, daß es nicht das Eesamt- interesie aller Mächte verttitt, sondern unrechtmäßige Sonderinteresten erstrebt.
Ueber eine Unterredung mit Mu - lay H a f i d berichtet der „Daily Expreß". Die erste Frage Mulay Hafids an den betreffenden Journalisten war die, ob er Deutschland für einen aufrichtigen Freund Marokkos halte. Als er darauf eine bejahende Antwort erhielt, nickte Mulay Hafid sichtlich befriedigt. Dann beschwerte er sich über die Haltung Englands und insbesondere darüber, daß man seine Gesandtschaft dort unbeachtet gelasien habe. Der Journalist erwiderte, daß man eben leider in Großbritannien zu wenig über die Lage der Dinge in Marokko unterrichtet sei. Der Sultan erklärte weiter, daß er entschlossen sei, die Alge- ciras-Akte anzuerkennen und sich auch nicht weigern würde, sich einer weiteren Konferenz zu unterwerfen. Er fügte hinzu, daß man in Marokko absolut nicht die Absicht habe, den europäischen Handel zu schädigen. Marokko erkenne im Gegenteil die Vorteile, die er dem Lande bringe, willig an.
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 76.
Hfttijches Nclsh.
— Der Kaiser an den internationale« Preste- kongreß. Der Kaiser richtete an die Präsidenten des Internationalen Prestekongrestes, Wil-
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und de« Krll«se«r »Literarischer Anzeiger«, „r»«d«irtsch»ftl!che Keil««-'' ««> „IUxftrierte, Kmmto-.dlatt«.
Das Echo.
Die nach dem Vorgehen Deutschlands in der Frage der Anerkennung Mulay Hafids mit Spannung erwartete deutsche Antwort auf die französisch-spanische Rote hat alsbald ein weitschallendes Echo gefunden. Allgemein wird in den am meisten interestierten Ländern England, Spanien und Frankreich anerkannt, daß die Rote im versöhnlichen Geiste gehalten ist. Die „Times" nennen sie fair und gemäßigt. „Daily Chronicle" meint: Die Antwort Deutschlands auf die französisch-spanische Marokkonote ist vor- sichtigt abgefaßt, nach Inhalt und Form aber gemäßigt und friedliebend. Befriedigend wirtt es, daß jeder Wunsch, die Alge- ciras-Atte zu umgehen, fehlt. Man hat keinen Versuch gemacht, für Deutschland, als eine Art Beschützer Mulay Hafids, einen Sonderanspruch auszustellen. Der Wunsch, daß dem neuen Sultan zur Wiederherstellung der Ordnung Freiheit des Handelns gelasten werden solle, zeugt von einer Einsicht, die angenehm b e rüh r t. Es liegt Weisheit in dem Frankreich gegebenen Ratschlage, bezüglich der finanziellen Ansprüche keinen übermäßigen Druck auf das arme Land auszuüben. Rach dem beunruhigenden Zwischenfall, der sich vor einigen Wochen ereignete, ist die Antwort bester, als erwartet werden konnte. Sie ist sehr geschickt abgefaßt und wird eine allseitig befriedigende Regelung der marokkanischen Frage erleichtern.
Auch der spanische „Eclair" glaubt, daß auf dieser Grundlage eine Verständigung erzielt werden könne. In F r a n k r e i ch erörtern nur einige wenige Blätter eingehend die deutsche Antwort auf die französisch-spanische Rote: Der „Figaro" kritisiert verschiedene Punkte der Antwort und schreibt sodann: Man muß laut erklären, daß die Form, in der sich die deutschen Einwendungen darbieten, der französischen Regierung eine aufmerksame und entgegenkommende Prüfung gestatten. Die Erörterung wird ruhig und maßvoll fortgesetzt werden können. — Eine sehr berufene Persönlichkeit hat sich über die deutsche Antwort folgendermaßen geäußert: Es wäre Unrecht, wenn die Franzosen da Bestreben nach Versöhnlichkeit verkennen, das sich in der deutschen Antwort kundgibt. Wir können nicht alles vorbehaltlos annehmen, aber die Besprechungen zum Zweck einer Verständigung werden in dem begonnenen wohlwollenden Tone fortgesetzt werden. Die deutsche Antwort gibt begreiflicherweise zur Kritik Anlaß. Sie ist aber derart, daß sie uns weder verletzen, noch in Erstaunen setzen kann.
Die maßgebenden Abendblätter konstatieren mit Befriedigung den versöhnlichen Ton der deutschen Antwort auf die französisch-spanische Rote. ' Der „Temps" erklärt, Frankreich werde gewiß in gleich versöhnlicher Sprache antworten. Das „Journal des Dubais" sagt, die Antwort Deutschlands zeige, datz es auf die bona fides Frankreichs rechne, und dieses Vertrauen werde nicht getäuscht werden.
Die deutsche Preste stimmt im allgemeinen der Antwortnote zu und erkennt an, daß die Regierung offenbar den festen Willen hat, die
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Die „Oberhesfische Zeitung" mit der amtlichen Beilage des Kreisblattes für die kreise Marburg und Kirchhain ist mit ihrer ständig wachsenden Auflage- Mer das gelesenfte Orga« in Marburg und de» umliegenden Kreisen.
Die »Oberhesfische Zeitung' berichtet eingehend ' e Cie politische« Tagesereignisse im Öl#« und nölaudt und nimmt zu diesen in nationalem liHtte selbständig Stellung. Die Tagungen der Stichen Parlamente finden besondere Berück- cchtigung.
Durch ihre Verbindung mit den besten Korre- ,pon)enzen, insbesondere mit dem Wolst'schen Tel»« gravhrnbnrea«, ist sie in der Lage mit ihrem letzten Nachrichten- und Depeschenteil ebenso schnell tote die größeren Tageszeitungen über die neuesten Tagesnachrichten zu unterrichten.
Dem lokalen und provinziell»« Teil läßt die .Oberhesfische Zeitung' in Berichten über kommunale Angelegenheiten in Stadt und Land sowie über lokale Ereignisse aller Art fortgesetzt aufmerksame Pflege zuteil werden. Ein ausgedehnter Nachrichtendienst ermöglicht auch hier schnell» und slchere Bekanntmachung. Die Strafkammer» und Schwurgerichts« vrrhaudlnuge« des hiesigen Landgerichts, dessen Bezirk bekanntlich die Kreise Marburg, Kirchhain, Franlenberg, Ziegenhain und Homberg umfaßt, werden ebenfalls in der »Oberhesfischen Zeitung', soweit sie Interesse beanspruchen können, t» objektiver Form mitgrtellt.
Die »Oberhesfische Zeitung' ist ständig bemüht, die Juteresse« ihrer Leser i« Stadt uud 8a«d aufs beste z« vertrete«.
Mit ihrer Illustrierte« So««tagsb»ilag», der eigens für unsere Gegend bearbeittten La«dwirt» fchastliche« Beilage, dem Literarische« Anzeiger, bietet sie zumal für die lang,« Wi«t»r- abende reichhaltigsten Lesestoff.
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Ma« abonniert auf die „Oberhefi. Zeitnug" bei ollen Postämtern für 2 Mk. 25 Pfg., bei der Expedition (Marburg, Martt 21) und den ZeituugS- stellen für 2 Mk. vierteljährlich.
Re« hiuzutretende Abonueute« erhalte« biS zum 1. Oktober «ufere Zeit««g frei i«S Ha»S geliefert.
Geschäftsstelle der „Oberhesfische« Zeit«»«"
Markt 21.
— Bom Gustav-Adolf-Verein. Straßburg (Elsaß), 24. Sept. In der heutigen Sitzung der Hauptversammlung des Eustao-Adolf-Ver- eins wurde die große Liebesgabe im Betrage von 22 586 cM. mit großer Mehrheit der Ge« meinde Kreisch in Siebenbürgen zuerkannt. (Von den beiden unterlegenen Gemeinden Habinghorst, Westfalen, und Sao-Leopoldo, Brasilien, erhält die erste 6903 J(, die letztere 6953 J*.. — Die Hauptversammlung des Enstav- Adols-Vereins beschloß, die nächstjährige Ver- sammlung in Bielefeld infolge der von dort ergangenen Einladung abzuhalten.
— Aus dem bayrischen Flottenverein. München, 24. Sept. Rach der „Telegr.-Korr." verlautet zuverlässig, der Landesverband des bayrischen Flottenvereins habe die Forderung verschiedener Vereinsverbände nach dem Rücktritt des bayrischen Vereinsvorstandes „ebenso einmütig als entschieden" abgelehnt.
— Die Zeppelinspende. Rach einer aufgestellten Berechnung dürfte die Summe aller für die Zeppelinspende eingegangenen Beiträge etwa 6 Millionen Mark erreichen. — Urt Friedrichshafen den Charakter einer Residenzstadt zu bewahren und verhängnisvolle Grundeigen- tumsspekulationen zu verhüten, zu denen der erwartete Zuzug von Beamten und Arbeitern der Zeppelinschen Neuanlage bereits Veranlassung gegeben hat, wird die Luftschiffbau-Gesellschaft-Zeppelin eine größere Anzahl von Einfamilienhäusern errichten. Diese Häuser sollen an ihre Arbeiter und Beamte zum Selbstkostenpreise mit jährlichen Ratenzahlungen abgegeben werden.
— Ein« Forderung für Feldküchen im neuen Militäretat. Wie die „Inf." erfährt, enthält der neue Heeresetat für 1909 auch ziemlich umfangreiche Forderungen für Neuanschaffungen von Feldküchen. Die eingestellte Summ« bezieht sich nicht nur auf die Anschaffung der Feldküchen, sondern enthält auch Mittel, die für deren dauernden Gebrauch im Frieden notwendig sein würden, denn man beabsichtigt nicht, die einmal angeschwfsenen Küchen ohne Benutzung zu lasten. Von einer Forderung für Anschaffung von Feldküchen für die ganze Armee ist sowohl aus Sparsamkeitsrücksichten wie au» dem Grunde Abstand genommen worden, weil die Lieferanten derartig beschäftigt sind, datz die Herstellung einer solchen umfangreichen Bestellung in der erwünschten Zeit sich doch nicht ermöglichen lasten wird. Es soll also nur ei« größerer Teil der Truppen mit Feldküchen be-
helm Singer und Georg Schweitzer, aus Rv- minten folgendes Telegramm: „Für das mir durch Sie übermittelte freundliche Vegrüßungs- telegramm der in Berlin versammelten Vertreter der Presse spreche ich Ihnen meinen aufrichtigen Dank aus. Ich hoffe, daß Sie sich all» in meiner Haupt- und Residenzstadt wohlfühlen werden und hege die Erwartung, datz Sie auch die neuen Beziehungen, die Sie dort bei dieser Gelegenheit anknüpfen, in den Dienst der großen zivilisatorischen Aufgaben stellen werden, welch« der Internationalen Preste obliegen. Wilhelm I. R."
— Bom Reichstag. Berlin, 24. Sept. Es bestätigt sich, daß der Reichstagspräsident die nächste Plenarsitzung des Reichstags auf Mittwoch, den 4. November, nachmittags 2 Uhr, anberaumen wird. Auf der Tagesordnung wird die Beratung von Petitionsberichten stehen.
Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberhesfische
_ Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in
»0 *2*27 Kirchhain und Wette« sowie bei unserer Expedition — Markt 21. t .ftnn
__ Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Sonnabend, 26. September 1908. Bestellgeld), bet unfern ZeitungSstellen und der Cxpeditton 2 Mk. r
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auf die
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23 (Nachdruck t?cvb:y•-.}
Getrennte Welten.
Roman von Clarissa Lohd«.
(Fortsetzung.)
Run hatte sie doch recht behaltenl Welch ein Triumph für sie, welch ein Beweis von der Macht, die sie über Männerherzen ausübte! Und sie gestand sich mit heimlichem Lachen, daß es ihr doch leichter geworden sei, als sie geglaubt hatte, ihm das bindende Wort, mit dem er so lange gezögert, nun endlich zu entlocken. Welch ein glücklicher Zufall, daß sie gerade in demselben Augenblick die Eltern auf die Linde hatte zuschreiten sehen, als er sie umfaßt und an sich gezogen. So war die Sach« schnell gemacht. Ja, wer nur versteht, de« rechten Moment zu benutzen, die Männer bei der Eitelkeit zu fasten! Das ist ihre Achillesferse, an der man sie nur zu treffen verstehen muß, um den Sieg auch über das stolzeste Herz zu gewinnen. Freilich, ihre Bewunderung für Brunos Werke, für seine dichterische Begabung war, wenn auch nicht von Anfang an ganz aufrichtig, so doch allmählich «ufrichtig geworden, und der Erfolg hatte gezeigt, daß sie keinen Fehlgriff getan, als sie und ihre Schwester diesen stillen Poeten an die Oef- fentlichkeit gezogen, ihm Ruhm bereitend, der «uf sie als seine Entdecker auch seinen Glanz zurückwarf.
Jetzt freilich wäre sie mit jedem in einen Kampf eingetreten, der an den Werken des von ihr Erwählten etwas auszusetzen finden sollte. Mit manchem früheren literarischen Freunde der modernsten Richtung, der in der Eltern Salon verkehrte, hatte sie einen Strauß für Bruno durchgefochten und je mehr er ihr nähergetreten war, desto mehr hatten sich die ernst Bevorzugten aus ihrem Kreise zurückgezogen. Aber Bruno besaß auch eine Anzahl warmer freunde in der literarischen Welt. Natürlich würde ihre Verlobung auch in den Zeitungen nicht unerwähnt bleiben, und sie berauschte sich jetzt fd)on in dem Gedanken, was man ihr bei dieser Gelegenheit sagen, wie man die Schönheit und die Talente der von Bruno Erwählten öffentlich preisen werde. ...
Als sie zum Frühstück, zu etwas spater Stunde, denn sie hatte heute mehr Zeit als gewöhnlich zur Toilette gebraucht, ins Speisezimmer trat, teilte ihr die Mutter mit, der Baron -r sie betonte den Baron — sei heute ganz besonders früh gekommen und seit einer ganzen Weile beim Vater, wahrscheinlich, um den Zeitpunkt der Hochzeit festzusetzen.
„Er kann es gar nicht erwarten, sein Bräut- chen heimzuführen," schloß sie. „Wie gut nur, Ellen, daß Du in unserer Nähe bleibst. Schloßfrau von Schönwalde! Wahrlich, das klingt nicht übel. Meine Tochter, Baronin von Rothenfel» auf Schönwalde! Wenn ich denke, wie hochmü
tig die verstorbene Frau Baronin war. Erinnere Dich nur: es war wenige Jahre vor ihrem Tode, als wir in St. Moritz zusammen in demselben Hotel wohnten. Du warst damals noch ein Kind und die jetzige Gräfin Alten erst im Aufblühen ihrer Schönheit. Keinen Blick hatten die Damen damals für uns, kaum daß sie unseren höflichen Gruß mit einem leichten Kopfnicken erwiderten. Besinnst Du Dich noch darauf, wie einmal alle Plätze beim Konzert besetzt waren und die Baronin mit ihrer schönen Tochter vergeblich nach einem Stuhl suchte? Der Vater stand auf und bot ihr mit einer respektvollen Verbeugung seinen eigenen Stuhl an. Mit- welcher hoheitsvollen Miene wies sie da seine Beflistenheit zurück! Von oben bis unten sah sie ihn an, und das: „Danke, ich bin nicht müde!", mit welchem Ton sie das sprach, ils wollte sie sagen: „Wie kommt Ihr dazu, Zhr untergeordneten Menschen, mir zuzumuten, mich neben Euch zu setzen?" Das vergeste ich nie! Nun wird meine Ellen Herrin von dem schönen Schloste Schönwalde, das sie so hermetisch gegen jeden Besuch Fremder abschloß. Das ist meine größte Freude!"
Die heut« ebenso wie die Tochter reich geschmückte, in helle, glänzende Seide gekleidete T«me schmunzelte zufrieden, so daß ihr rundes, etwa- stark gerötetes Gesicht wie Vollmond strahlt«. Ell«n hörte nur halb hin. So sehr sie auch die Freude ihr« Mutter über dieses Spiel
des Zufalls teilte, war sie doch zu erregt in der Erwartung von Brunos Erscheinen um an etwas anderes als an ihn zu denken. Hastig nahm sie ihr Frühstück ein und eilte dann mit der Mutter in den Salon, wo man, wie der Vater hatte sagen lasten, ihn und Bruno erwarten solle. Dort trat sie vor den großen, bi» zum Boden reichenden Spiegel an der Fenster- wand und drehte sich nach allen Seiten, um noch einmal ihren Anzug zu mustern.
„Tadellos," flüsterte sie, um gleich darauf der Mutter Arm zu nehmen und mit ihr in dem großen Raum auf und nieder zu schreiten.
„Ich habe keine Ruhe zum Sitzen, Mama, begreifst Du das?" I
„Na, wie soll ich das nicht begreifen? War ich doch auch einmal jung. Und als Dein Vater um mich warb, da schlug mir das Herz wohl noch heftiger als Dir, denn meine Eltern wollten den jungen Hiller, der erst ein Anfänger im Bankgeschäft und fast ohne Vermögen war, icht zum Schwiegersohn haben. Denn ich war eine gute Partie damals und ebenso hübsch rote Du: denn Du gleichst mir auffallend, wie ich zu jener Zeit aussah. Das sagen alle, die mich in der Jugend gekannt haben."
Ellen konnte bei den letzten Worten der Mutter ein leises Lächeln nicht unterdrücke«. Ihr Augen streiften den Spiegel, an dem st» eben vorbeigingen. Ihre Mutter, diese dicke,! etwas watschelnde Frau, mit dem runAicheil,