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Marburg
Mittwoch, 23. September 1908.
Tie Jnsertionsgebübr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum "15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Bug. Koch, Universitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
43. Jahrg.
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 75.
Fürst Bülow
hat in Norderney mit dem österreichischen Publizisten Siegmund Münz über verschiedene Dinge geplaudert, und dieser teilt nun der „Neuen Fr. Pr." in Wien mit, was er alles gehört hat.
Den Fürsten Bülow ehrt vor allem dabei die Art, wie er über sein. r großen Vorgänger, den Fürsten Bismarck, hier gesprochen hat:
„?r war auf tei. m. Gebiete Dilettant, er war kein Aesthet und doch in Wirklichkeit ein großer Dichter, nicht nur ein Kenner von Shakespeare wie w ttge, sondern eine Shakespeare v e r w a.. . t e Natur, nur daß er das, was seine Phantasie schaute, in Wirklichkeit, nicht nur in Verse zu verwandeln wußte. Wir alle sind Zeugen des Zrozesies gewesen, wie da ein Mann, den wir noch gestern unter den Lebenden gesehen/ in das Reich der Unsterblichkeit eingeht. Ich habe schon als Knabe in Frankfurt den damaligen Herrn v. Bismarck in meinem Elternhause gesehen. Mein Vater war sein Kollege beim Bundestag. Es mögen ja schon damals einige wenige geahnt haben, welch ein Geist er war. Freilich nicht die damalige Großherzogin von Hesfen-Darmsiadt. Sie pflegte von ihm zu sagen: „Ich mag Herrn v. Bismarck nicht, er sieht aus, als ob er sich für klüger hielte, als den Großherzog." Dann haben wir Bismarck als Minister gesehen, groß und immer größer — gewaltige Kämpfe, unvergleichliche Erfolge. Dann sein Rücktritt, und wie Bewunderung und Liebe für ihn nur noch steigen. Schon bei Lebzeiten schien Bismarck in die Walhalla einzugehen. Jetzt weilt er bo’it für immer, und nicht nur in der Regensburger Walhalla. Es vollzieht sich an Bismarck vor unseren Augen, was die Griechen meinten, wenn sie den Zeus einen Herakles in den Olymp emporheben ließen. Mir ist das Hamburger Bismarckdenkmal besonders lieb. Es steht eben jene Apotheose Bismarcks dar, deren Zeugen wir alle sind. Riesengroß in die Höhe ragt dieses Denkmal. Von weit her sieht man es im Hafen und am Strom. Es winkt aus der Ferne allen, die sich zu Wasser Hamburg nahen. Es ist, als ob dieser Bismarck Deutschland unter seine Fittiche nehme. Der Künstler hat in ihm den Schutz- geist des Vaterlandes verewigt. Vielleicht schwebte ihm der Gedanke vor, wie er einst im Parthenon verwirklicht war. Den Schiffern, die vom Vorgebirge von Sunicn her auf Athen zusteuerten, zeigte sich schon aus der Ferne von der Akropolis aus, Attika beherrschend, die Statue der Pallas Athene Promachos, der Schutzgeist der Stadt Athen."
Von dem aufreibenden Leben der parlamentarischen Arbeit meint Fürst Bü-
! Nachdruck verboten.)
Ter Balaittonskater.
Manöver-Humoreske von R. v. R a w i tz.
„Und nun noch eins, meine Herren," hatte Major von Kriblinski am Tage vor dem Aus- marfche des Iögerbataillons in das Manöver gesagt, „ich verbitte mir die riesigen Koffer, in denen man ein Piano, ein halbes Buffet und Zwe Dutzend Tafelaufsätze unterbringen könnte, und ich verbitte mir noch vielmehr die Mitnahme von Kanarienvögeln, Laubfröschen oder F'krotern. Ein preußischer Soldat kommt mit Zaynburste, Felddienstordnung und einer Kiste Ztgarren aus: das Getier aber gehört in den Zanporlotischen Garten. Bitte sich darnach zu timten."
etwa hatte die Ansprache des Majors gelautet, der gern in Superlativen sprach. Leute, denen em Knopf offen stand, nannte er halb- ”on Schüssen, die nicht genau im Mittel- fo11, sÄoy,.a?eibe laßen, behauptete er, sie Ie;*n, nUVe--Ä’.cfltun9 °uf Neu-Guinea abgege- ben und hinsichtlich der Pünktlichkeit zum Dienst pttegre er zu augern: „Ein tüchtiger Jäger ist nicht nur zehn Minuten vor der b"fohlenen Zeit auf dem Platz, sondern eine Ewigkeit vorher und wer unter dem alten Fritzen anzutreten' hat, der mug icyon unter Albrecht dem Bären au- der Falle kriechen und spätestens unter dem »rogen Kurfürsten das Koppelschloß zuhaken"
Diese Eigentümlichkeit des braven Kriblinski Par bekannt und wurde genügend beachtet. Da- her blieben denn wirklich alle überflüssigen Ge- Iackstücke, sowie die Herren Ofsiziershunde da- eim in der Garnison, zum großen Schmerz für
low: „Die Parlamentarier werden bei uns durchschnittlich nicht alt. Das parlamentarische Leben wirkt eben sehr aufreibend. Es ist offenbar anstrengender, Abgeordneter zu sein, als Gesandter oder Botschafter. Schon die Arbeit in den Kommissionen spannt alle Kräfte an. Lieber, Reventlow, . Sattler, Klinkowström, Eugen Richter, der Sozialdemokrat Schönlank — sie sind alle verhältnismäßig sehr früh gestorben. Nicht zu vergeßen meines lieben Freundes, des Prinzen Arenberg, mit dem ich einst gleichzeitig das Referendarexamen abgelegt habe, im Regiment in Bonn und später in Metz zusammen war. Sein Tod ist mir sehr nahe gegangen." Die Fürstin bemerkt: „Es mögen wohl auch die ost schlechte Luft im Sitzungssaal und die Hitze dort dazu beitragen, daß die Herren an ihrer Gesundheit Schaden nehmen." Der Fürst meint: „Das vielleicht nicht so sehr — aber wohl mehr die Unregelmäßigkeit der Lebensweise, welche die parlamentarische Arbeit mit sich bringt. Es ist eine schwere Aufgabe, das parlamentarische Leben und die Gebote der Hygiene miteinander zu vereinigen. Unregelmäßig leben, mit Hast das Mahl hinunterschlucken, um im Sitzungssaale nichts zu versäumen, wie soll das gesund sein? Dazu kommt, daß der Parlamentarier alle Nerven anspannen muß, um im gegebenen Augenblick schlagfertig in die Diskussion einzugreisen, die nicht seltene selbstlose Verschwendung von Temperament an große Dinge, doch auch an Nichtigkeiten ... aß das zehrt am Mark des Daseins. Die Jahre, im Parlament hingebracht, könnten bisweilen wie Kriegsjahre doppelt angerechnet werden. Ich hatte noch nicht lange das relative Stilleben von Rom mit dem Ministerposten in Berlin vertauscht, als ich eines Tages mit Eugen Richter den Saal der Kommissionsberatung verließ. Da warnte er — schon damals etwas müde und abgehetzt von seinem jahrzehntelangen, kampfreichen Dasein — mich in sehr gütiger Weise, daß ich mich in den Kommissionsberatungen nicht aufreiben möchte. Und der ungewöhnlich begabte Mann, den die Riesenarbeit einem frühen Grabe zuführte, sprach aus langer Erfahrung heraus." „Durchlaucht", bemerkte Münz, „da haben es also die Diplomaten wirklich besser. Sie können viel älter werden als die Parlamentarier." Der Fürst erwiderte: „Wenn sie sich nicht durch zu reichliche Diners vorzeitig ins Grab hinüberessen."
Daß der Fürst über das völlige Versagen seines musikalischen Empfindens spottet, vergißt Münz nicht zu erzählen. Er habe dem russischen Musiker Sapelleikow kürzlich ein Buch zum Geschenk gemacht und darauf die Widmung geschrieben: „Dem Meister des Klaviers, de: unmusikalische Reichskanzler." Der Fürst sprach von dieser Wendung und sagte, daß er tatsächlich unmusikalisch sei: er versicherte scherzhaft, daß die Drehorgel eigentlich sein Lieblingsinstrument sei. Reben ihr schätze er aber auch preußische Militärmärsche.
manchen Leutnant und für manchen Karo, Phy- Inr oder Männe.
Wunderschön und höchst ehrenvoll verliefen die ersten Manövertage für das Jägerbataillon Nr. 27. Alle hohen Vorgesetzten waren bei jeder Gelegenheit Lobes voll, und Major v. Kriblinski strahlte vor eitel Freud' und Wonne. Doch mit de- Geschickes Mächten ist kein ewiger Bund.zu flechten und das Unglück schreitet schnell. Und dos kam so:
Eines sonnigen Morgens, als das Bataillon mi. fröhlichem Sang durch das Gelände zog, inspizierte Hauptmann Lilienhoff, der Chef der ersten Kompagnie, Mannschaften und Bagage, die am Schluß der Marschkolonne angehängt war. Welch ein Schrecken überfiel ihn, als er auf dem Vagagewagen seiner Kompagnie, wohl- geborgen hinter Kästen, Kisten und Säcken, einen grauen Kater gewahrte, der es sich in der glühenden Sonne wohl sein ließ und behaglich die Pfoten leckte.
„Das Tier wird mir im nächsten Dorfe abgesetzt," befahl er; „wir brauchen keine Mause- fciiger. Wer hat die Katze auf den Wagen gebracht."
Niemand wollte etwas wissen, ja, niemand sie überhaupt bisher bemerkt haben. Als die Kompagnie die nächste Ortschaft passierte, hob ein Oberjäger das Tier vom SBagen, setzte es vor ein Gehöft und dann ging es weiter.
Am Abend dieses Tages lag die Truppe im Dorf Erünwiese, wo Major v. Kriblinski in eigener Person eine Hauptbesichtigung seiner Kompagnie-, Pack- und Lebensmittelwagen vornahm. Das Erste was er wahrnahm, war her grau» Repräsentant de» Katzeng^chlecht» , Dies
mal saß er unter dem Wagen der ersten Kom- pagnie, sprang aber, durch die Erfahrung ge- witzigt, in das Innere des langen Gefährtes, als er das Herannahen von Menschen gewahrte.
Major v. Kriblinski war starr: heiliger Hubertus," schrie er, „Schutzpatron aller Jäger und Schützen, steh' mir bei! Sehen meine Augen recht?. Ein Kätzenvieh auf einem Königlich preußischen Militär-Dienst-Fuhrwerk? Hauptmann Lilienhoff, wie erkläre ich mir diesen Verstoß gegen alles, was seit der Eroberung der Slawenfeste Brennabox in der Armee, insbesondere aber im Jägerbataillon 27, (ersten Niederdeutschen), und ganz insbesondere bei der ersten Kompagnie Sitte, Brauch, Umgebung und Anstand ist?"
Der Kompagniechef meldete, das Tier sei bereits einmal entfernt worden, hänge aber mit der bekannten Zähigkeit des Katzengeschlechts an dem Ort, den es sich nun einmal — und unbegreiflicherweise — erkoren. Es müsse der Kompagnie nachgelaufen fein.
„Das Vieh wird sofort verscheucht," befahl der Major, „nötigenfalls der hiesigen Gemeinde zur Aufbewahrung überwiesen! Mein Bataillon ist kein Tummelplatz für wilde Tier aus dem Affen-, Katzen- und Hundegeschlecht. Hauptmann Lilienhoff, ich bin sehr unzufrieden."
Wenige Tage darauf fand ein heftiges Gefecht zwischen der Nord- und Südpartei der Division statt und hieran schloß sich eine Parade sämtlicher Truppen vor dem kommandierenden General. Das Jägerbataillon soll in Kom- vaniefronten defilieren und trat soeben unter «n Klängen des Pariser Einzugsmarsches in schnurgeraden Linien an, «l» Leutnant Graf
UWeS
— Das Staatsministerium trat gestern unter dem Vorsitz des Fürsten Bülow zusammen.
— Ans dem „Militärwochenblatt". Berlin, 21. Sept. Das „Militärwochenblatt" gibt die Ernennung der Generale der Infanterie v. Bock und Polach, v. Plessen und Frhr. von der Goltz zu Generalobersten, sowie die Ernennung der Kronprinzessin zum Chef des Dragoner-Regiments König Friedrich III. Nr. 8.
— Landtagsersatzwahl. Tondern, 21. Sept. Bei der Landtagsersatzwahl für den verstorbenen nationalliberalen Abg. Feddersen wurde Dr. Schifferer (natlib.) mit 121 Stimmen gewählt. Die Dänen und Freisinnigen enthielten sich der Abstimmung.
— Die Studiengeseklschaft deutscher Aerzte in Lissabon. Lissabon, 21. Sept. Die Leiter der Studiengesellschaft deutscher Aerzte Geheimrat Strümpell und Dr. Oliven, sowie Oberstabsarzt Bassenge wurden heute vom König Manuel und der Königin Mutter Amalia in ihrer Sommerresidenz Cintra in längerer Audienz empfangen. Der deutsche Gesandte Graf v. Tattenbach stellte die Herren vor.
— Bon der Bankenquete-Kommission. Berliner Blätter entnehmen einer dortigen' Korrespondenz folgende Mitteilung: Der Reichsbankpräsident hat die Mitglieder der Bankenquete- Kommission zum 12. Oktober d. I. behufs Fortsetzung der Beratungen der Kommission eingeladen. Bekanntlich hat die Kommission die Erörterung der die Erhöhung der eigenen Mittel der Neichsbank betreffenden Fragen, sowie die Frage einer Erweiterung der steuerfreien Notengrenze bereits int Juni d. I. abgeschlossen. Es handelt sich bei den bevorstehenden Beratungen in der Hauptsache um Fragen, die eine Verstärkung des Barvorrats der Reichsbank aus dem Auslands- und Jnlandsverkehr bezwecken, darunter besonders um die Frage, ob es sich empfiehlt, die Reichsbanknoten mit der Eigenschaft als gesetzliche Zahlungsmittel auszustat- ten, wie dies in England und Frankreich für die Noten der dortigen Zentralnotenbanken feit Jahrzehnten der Fall ist. Endlich wird die Frage erörtert werden, ob es im öffentlichen Interesse geboten ist, für die Sicherheit und Liquidität der Anlage von Depositen und Spargeldern auf dem Wege der Gesetzgebung Sorge zu tragen, oder ob es angängig und vorzuziehen ist, die in dieser Richtung liegenden Maßnahmen der privaten Initiative der Bankanstalten zu überlassen.
— Ueätt die Pläne des Grafen Zeppelin schreibt der „Schwäb. Merk.": In der alten Landhalle wird gegenwärtig der „Z 1“ flugfertig gemacht, um für die Aufstiege, die etwa Mitte Oktober Beginnen sollen, in die schwimmende Reichshalle gebracht zu werden, wodurch der Raum für den Bau des „Z 3“ (Ersatz 2) frei wird. Die alte Landhalle soll noch bis zu der im Herbst 1909 erwarteten Fertigstellung der neuen Halle als Sauraum dienen. Für das neuerworbene Grundstück sind die Pläne zur Ein
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- -1 ebnung und Entwässerung in Arbeit. Es stellt sich dabei heraus, daß die Kosten für die Her» richtung des ganzen Platzes recht beträchtlich sind; denn neben der erforderlichen Abtragung eines Erdhügels müssen Sümpfe trocken gelegt und zwei Bachläufe, die das Gelände durch-, schneiden, herumgeführt werden. An Hochbauten find zunächst bestimmt in Aussicht genommen zwei Hallen, die, in der vorherrschenden Windrichtung Südwest-Nordost liegend, an beiden Schmalseiten Türen erhalten sollen. Mit dem Bahnhofe werden die Hallen durch Anschlußgleise in Verbindung gebracht. Es wird alles derart beschleunigt, daß int Herbst 1909 mit der Eröffnung des Betriebes im großen begonnen werden kann. lieber die künftige Leistungsfähigkeit der Werft darf mit Bestimmtheit ge» jagt werden, daß nach Beginn der Massenanfer- tigung der Aluminiumteile die Fertigstellung eines Luftschiffes nicht mehr als ein halbes Jahr beanspruchen wird, so daß im Bedarfsfälle auf die Ablieferung von acht Luftschiffen (bei zwei Bauhallen) im Jahre gerechnet werden kann. — Graf Zeppelin selbst veröffentlicht folgendes: Nachdem es mir durch die Opferfreudigkeit de» deutschen Volkes ermöglicht wurde, mein Luftschiff-Unternehmen auf breiterer Grundlage weiter zu entwickeln, habe ich unter dem Namen: Luftschiffbau-Zeppelin-Eesellschast mit beschränkter Haftung in Friedrichshafen a. B. eine Gesellschaft errichtet, deren geistiger Leiter ich bleibe, und deren Geschäfte in meinem Sinne erledigt werden. Zum Eeschäftsfhrer der Gesellschaft habe ich Herrn A. Colsmann ernannt. Dieser übernimmt die Geschästssührung am 2L September 1908. Ich bitte, das bisher meinem Herrn E. Uhland geschenkte Vertrauen auf Herrn Colsmann übertragen zu wollen. Herr Uhland verbleibt für die Verwaltung der Volks- spende sowie meines Privatvermögens nach wie vor mein treubewährter Generalbevollmächtigter. (gez.) Graf Zeppelin.
— Der 12. internationale Pressekongreß wurde vorgestern abend durch einen Empsangs- abend in den Eesellschaftsräumen des Reichstages eröffnet. Mehrere hundert Gäste, namentt lich Franzosen und Italiener, waren anwesend. Von Vertretern der Staatsbehörden waren die Staatssekretäre Dernburg und Dr. Nieberding, sowie Reichsbankpräsident Havenstein erschienen. Der Vorsitzende des deutschen Komitees, Herr Schweitzer, begrüßte die Anwesenden.
— Reue Kämpfe im Flottcnverein? In der gestrigen ordentlicher. Hauptversammlung de» Landesverbandes des Deutschen Flottenvereins für das Großherzogtum Sachsen-Weimar zu Rudolstadt wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Die Hauptversammlung des Landesverbandes des Großherzogtums Sachsen- Weimar erhofft vom Präsidium und vom Präsidenten Großadmiral v. Köster zuversichtlich, daß der in Danzig gefaßten Resolution ohne jeden Vorbehalt in allen Landesverbänden Geltung verschafft wird, daß der deutsche Flottenverein
Hochkirch, der den mittleren Zug der ersten Kompanie führte, halblaut seinen vor ihm marschierenden Kompaniechef anrief:
„Ach Jott, Herr Hauptmann, sehen Sie bloß! Vorn — hinter dem Major! — Kerls beißt Euch auf die Lippen, daß mit keener rausplatzt! Richtung, Richtung! Herrjott, hab' ich so was erlebt! Das Vieh ist da!"
Und wahrhaftig, so war es. Zwei Schritte hinter dem Gaul des Majors, beinahe so wie ein Adjutant, schritt der graue Kater. Zu Ehren des feierlichen Moments hatte er den Schwanz kerzengerade in die Höhe gehoben.
Graf Hochkirch hatte gut reden: die Jäger lachten, der kommandierende General lachte, die ganze Suite lachte, und als die links herausge- fchwenkte Musik der Jäger den Kater sah, da kam sie aus dem Takte und blies falsche Noten. Nur Major v. Kriblinski lachte nicht, denn er sah sich natürlich nicht um und begriff überhaupt nicht, worüber das ganze Armeekorps in Heiterkeit geraten war.
Später, als er die Ursache der Heiterkeit erfuhr, geriet er in fürchterliche Wut und schwur einen teuren Eid, wer ihm den Kater einfinge oder tot brächte, solle zehn Taler haben.
„Zehn Dhaler oder zwanzig! So ein erbärmliches, gemeines Viech! Welche niederträchtige Gesinnung, hinter ein’ herzumarschieren und noch dabei mit präsentiertem Zoogel! Da sage noch einer, die Tiere hätten keinen Verstand! Das malitiöse Biest wußte ganz genau, daß es Parademarsch war, und ich bin überzeugt, es hat die Augen rechts genommen und ist mit der linken Vorderpfote angetietenl6
Die angefetzte Belohnung wurde nicht ver»