mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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Marburg
Sonntag 20. September 1908.
Die Jnsertionsgebübr beträgt für die ?gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck nnb Verlag: Joh. Ang. Koch, Universitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. L.H ttzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
43. Jahrg.
Zweites Blatt.
Besserung des Kurses der Reichsund Staatsanleihen.
Eng mit der Frage der Reichsfinanzreform ist die der Besserung des Kurses der Reichs- und preußischen Staatsanleihen verbunden. Sie bil- tioti flriortövtftrtwh Oni^-ny )x>r
Finanzen des Reiches und Preußens und nimmt in den Spalten der Presse, welche sich mit finanzpolitischen Erörterungen befaßt, einen breiten Spielraum ein. Ueberwiegend haben sich aber mit der Frage bisher nur im Finanzdienst des Reiches und Staates stehende Personen oder Theoretiker beschäftigt. Es ist daher mit Genugtuung zu begrüßen, daß jetzt auch ein Mann der Praxis, einer der Direktoren der Deutschen Bank, der die Natur und die Bedürfnisse des deutschen Geldmarktes aus Erfahrung kennt, sich zu der Frage geäußert hat: umsomehr als er sich dabei nicht auf die Kritik des bisherigen Verfahrens beschränkt, sondert! positive Vorschläge zur Verbesserung des Kurses unserer Reichs- und Staatsanleihen macht. Herr Mankiewitz stellt in dem in den „Grenzboten" erschienenen Aufsätze zunächst fest, daß der Kursstand der Reichs- uno Staatsanleihen einschließlich der Schatzan- rveisungen der günstigeren Gestaltung des Geldmarktes nicht gefolgt, vielmehr mit Ausnahme der 3proz. Konsols heute noch schlechter ist als selbst zur Zeit der größten Geldknappheit. Er untersucht dann die Ursachen dieser für die Finanzen des Reichs und Preußens so ungünstigen Erscheinung und gelangt dabei zu folgenden positiven Ergebnissen. Indem er als Hauptgrund der Unbeliebtheit unserer Reichs- und SLaats- fchuldverschreibungen den mit den häufigen, allzu hohen Emissionen ursächlich zusammenhängenden Kursrückgang feststellt, gelangt er zu dem Schlüsse, daß man sowohl mit der Ausgabe von Schuldverschreibungen als mit der Ausgabe langfristiger Reichsschatzfcheine möglichst zurück- halten, etwaige Kreditbedürfnisie dagegen vornehmlich mit der Ausgabe von Schatzwechseln nach englischem Muster befriedigen solle. Der Verfasser nimmt an, daß solche auf 3, 6 oder 12 Monate ausgestellte Schatzwechfel von den Banken genau so gern wie Privatwechsel in ihr Portefeuille genommen und nötigenfalls auch über den Fälligkeitstsrntin hinaus prolongiert werden würden. Auf diese Weise würde zugleich die Reichsbank von der Verpflichtung, Rcichsschatzscheine auch dann zu diskontieren, wenn ihre Lage ohnehin schon eine sehr gespannte ist, befreit werden, und es würde überdies feder Druck auf den Anleihemarkt vermeiden lasten.
Als zweite Hauptursache für den schlechten Kursstand unserer Reichs- und Staatsschuldver- fchreibungen bezeichnet der Verfaster die unzureichende Pflege des Marktes unserer Anleihen. Er stellt fest, oaß während in England und Frank-
24 verböte».;
Getrennte Welten.
Roman von Clarissa Lohde.
(syorlsehnng.)
Frau Hiller erhob sich vom Sofa, die Seide der enggeschnürten Taille knisterte. Mit einer gewissen Feierlichkeit schritt sie zu der auf hohem Sockel dem Licht zugekehrten Statuette.
Ellen runzelte ungeduldig die Brauen: „Den Herrn Barom wird das wenig interessieren, Mama," warf sie ein, als Bruno sich anschickte, der Dame des Hauses zu folgen. „Du vergißt immer, daß er kein Freund der modernen Kunst ist."
Brunos Auge begegnete lächelnd dem der jungen Dame: „Ich bin ein Freund jeder Kunst, die wirklich Kunst zu nennen ist."
„Nun, und diese Statuette?"
„Gestatten Sir mir, gnädige Frau, mit meinem Urteil zurückzuhalten."
„Sie gefällt Ihnen also nicht?"
„Wenn Sie es durchaus wisten wollen, nein; Kunstwerke der Art beleidigen mein Gefühl."
„Siehst Du, Mama," rief Ellen nun, zu Bruno mit einem Augenaufschlag aufsehend, besten berückende Wirkung . sie schon öfter Gelegenheit gehabt hatte, zu erproben. „Ich sagte es gleich, als Papa diese Statuette gekauft Hoile: das ist unschön, das widerspricht dem ästhetischen Geschmack."
. - Aber die größten Künstler haben sie gelobt," widersprach Frau Hiller beleidigt.
„Freilich, eine Bajadere kann nicht so aussehen, wie eine vornehme Dame."
„Ich bitte Dich, Mama, nur jetzt keinen Kunststreit," unterbrach sie, einen raschen Blick mit ihr wechselnd, den sie sogleich verstand.
^Vielleicht darf ich dem Herrn Baron lieber
reich Käufe oder Verkäufe von Millionen von Konsols oder Rente einen nur unmerklichen Einfluß auf den Kursstand üben, bereits bei uns Nachfrage oder Angebot von wenigen 100 000 <M. eine empfindliche Aenderung des Kursstandes herbeiführt. Um unseren Reichs- und Staatsschuldverschreibungen wieder einen größeren, für die Aufrechterhaltung ihres Kursstandes geradezu notweirdigen Markt zu sichern, empfiehlt er, von dem jetzt sowohl im Reiche als namentlich in Preußen üblichen Verfahren, die tn dep Etats yoraesehene Schuldentilgung durch Verrechnung aüf bewilligte Anleihen "Mbervirr kcn, abzugehen und den vollen etatsmäßig zur Schuldentilgung bestimmten Betrag zum Ankauf von Reichs- und Staatsschuldverschreibungen auf dem freien Markte zu verwenden. Er nimmt an, daß, wenn so unter sorgsamer Beobachtung des Geldmarktes verfahren wird, jedenfalls mit Erfolg jedem ungünstigen Rückgänge des Kurses der Reichs- und Staatsschuldverschreibungen wirksam entgegengetreten werden kann. Es liegt vuf der Hand, daß diese Vorschläge neben ihren augenfälligen Lichtseiten auch ihre Schattenseiten haben werde«. Immerhin sind sie als ein überaus wertvoller Beitrag zur Lösung der Frage der Besserung des Kurses unserer Reichs- und Staatsanleihen anzusehen.
Normale Schulbesuchsziffern.
In Heft 209 der Preußischen Statistik finden wir eine ausführliche Statistik, die beweist, daß in den öffentlichen Volksschulen des preußischen Staates die Schulbesuchsverhältniste in immer steigendem Maße als normal angesehen werden können. Während noch im Jahre 1891 unter 100 Unterrichtsklassen in den Städten nur 76,80 normale Besuchsziffern aufzuweisen hatten, stieg ihre Zahl 1896 auf 81,53, 1901 auf 88,32 und 1906 auf 92,91. Auf dem Lande gab es 1891 75,93, 1896 81,25, 1901 82,51 und 1906 85,83 normal besuchte unter je 100 Klaffen. Bemerkenswert dabei ist, daß gerade die verbreitetste Schulart, die der einklassigen Schule, die 1906 noch ein Drittel, auf dem Lande zwei Fünftel aller öffentlichen Volksschulen umfaßte, verhältnismäßig die meisten Klaffen mit normalen Besuchsziffern aufweist.
Die Zahl der Schulkinder in den normal besetzten Klaffen der öffentlichen Volksschulen belief sich 1906 auf 5134 509 oder 83,29 v. H. der Gesamtzahl, während sie 1891 3 255 294 oder nur 66,21 v. H. betragen hatte. In diesem Jahre wurden also ungefähr zwei Drittel aller Schulkinder in Klaffen mit normaler Besetzung unterrichtet, und 1906 war ihr Anteil an der Gesamtzahl in den Städten bis auf neun Zehntel und auf dem Lande bis auf ungefähr vier Fünftel angewachsen. Die größte Beteiligung an dieser günstigen Entwicklung sowohl in den Städten, von 68,60 v. H. bis auf 90,09 v. H., wie auf dem Lande, von 54,67 bis auf 75,06 v. H., haben die drei- und mehrklassigen Schulen auf- zuweisen. Doch ist die Anteilsziffer der in ein
einen Spaziergang im Garten vorschlagen, der jetzt wirklich in seiner Pracht steht."
„Ja, ich hoffe, Sie schenken uns den Abend," fügte Frau Hiller mit ihrer liebenswürdigsten Miene hinzu.
Bruno lehnte dankend ab.
Er hatte noch eine Verabredung mit dem Iustizrat Eberhard und mußte zu einer bestimmten Zeit beim Grafen Alten sein. Ellens Gesicht verdunkelte sich sofort; sie sah sichtlich enttäuscht und betrübt aus.
„Wenn Sie jedoch wünschen, gnädiges Fräulein." fügte er soaleich mit einem warmen Blick auf das junge Mädchen hinzu, „stehe ich für eine halbe Stunde zu einem Spaziergang im Garten noch zu Ihren Diensten!"
Sie errötete freudig.
„So wollen wir nicht länger zögern. Die Jungfer soll mir einen Umhang bringen, ee wird schon kühl."
Bruno empfahl sich von der Dame des Hauses.
Ellen legte das ihr gebrachte orientalische Gewebe um die Schultern, was ihrem dunklen Teint besonders gut stand, und schritt voran.
Der Garten war vortrefflich gehalten. Ein Springbrunnen plätscherte in einem von blühenden Rosen umgebenen Bassin, Palmen und Koniferen standen in wohlgeordneten Gruppen, eine blühende Linde breitete ihre Aeste über einen mit eleganten Eartenmöbeln besetzten Platz, wo abends an warmen Tagen gespeist zu werden pflegte. Wie schön, mit welch durchdachter Kunst angelegt, vielleicht etwas zu viel Kunst, ging es durch Brunos Sinn. Vor ihm stiegen die schattigen Alleen des Schönwalder Parkes auf, durch die abends der Wind mit leisem Rauschen ging, und in denen er so gern wandelte und träumte. Ein Gefühl des Glückes durchströmte ihn, daß er dieses schöne Fleckchen
klassigen Schulen mit ordnungsmäßiger Besuchs- zrhl unterrichteten Kinder im Jahre 1906 innerhalb der Städte 89,86 v. H., also fast gleich groß, auf dem Lande sogar eine noch weit höhere, nämlich 89,12 v. H. gegen 75,06 v. H.
Für die einzelnen Bezirke ergibt sich ein sehr verschiedener Zustand. In Berlin gibt es keine überfüllten Klaffen mehr. Dies dürfte wohl vor allem, wie der günstige Zustand in anderen Großstädten, darauf zurückzufllhren sein, daß hier zahlreiche öffentliche höhere Lehranstalten, die noch dazu mit mehrklassigen Vorschulen iW&urtben sind, und eine Unmenge privater Schulen die Volksschulen wesentlich entlasten. Von den Landgemeinden weisen die Bezirke Potsdam Stralsund und Lüneburg die günstigsten Verhältnisse auf, indem hier, wie in nur wenigen Städten, noch nicht 5 v. H. der Schulkinder in überfüllten Klaffen unterrichtet werden. Die ungünstigsten Zustände finden sich bei den Landgemeinden der Regierungsbezirke Münster und Oppeln, wo die Gesamtzahl aller in normal besetzten Klaffen versorgten Kinder 58,67 v. H. und 60,51 v. H. beträgt. Der ungünstige Zustand in. diesen beiden Bezirken dürfte wohl darin begründet fein, daß in ihnen in der letzten Zeit ein plötzlicher Aufschwung der Industrie stattgefunden hat, der die bisher rein ländlichen Gemeinden zu Jndustrieorten mit stark anschwellender armer Jndustriebevölke- rung umgeformt hat. Diesem wenig normalen Anwachsen einer kinderreichen Bevölkerung kann die Schulverwaltung naturgemäß nicht mit gleicher Schnelligkeit Rechnung tragen, da einerseits erst die erforderlichen Bauten ausgeführt werden müffen und andererseits der Nachwuchs an Volksschullehrern leider nicht ausreichend ist, um den Anforderungen zu genügen.
Deilljkhes dulch. h
— Zu den angeblichen Ausschreitungen deutscher Soldaten in Antwerpen bemerkt die „Krcuzztg.": Nach den bisherigen Ermittelungen soll schon feststehen, daß die angeblichen Ausschreitungen zum mindesten stark übertrieben sind. Die angegebene Zahl von mehreren Hundes Mann ist direkt unwahr, da der ganze Militärtransport nur 300 Mann betrug und nut beschränkte Beurlaubungen an Land erfolgen. Die Nachricht von den zerlumpten Uniformen scheint auch keineswegs den Tatsachen zu entsprechen, da bestimmungsgemäß Beurlaubungen nut in tadellosem Anzug erfolgen dürfen. Es kann sich nicht um Verfehlungen des ganzen Transports, sondern höchstens um Ausschreitungen einzelner handeln.
— Keine Landtagskandidatur Dr. Schückings. Für die Landtagsersatzwahl im Kreise Tondern beschlossen die Freisinnigen, deren Kandidat bei der letzten Wahl Bürgermeister Dr. Schücking- Husum gewesen ist, diesmal Wahlenthaltung. Es kandidiert überhaupt nur ein Vertreter der nationalliberalen Partei.
— Der Freisinn und die Barthianer liegen sich bekanntlich besonders in Berlin stark in den
Erde, das et bisher nur flüchtig hatte besuchen tonnen, und das es ihm doch schon mit seinem Zauber angetan hatte, sein nennen durfte Eines nur fehlte ihm noch, um ihm den neuen Besitz vollkommen zu machen: ein liebendes und mit- empfrndendes Herz. Unwillkürlich senkte sich fein Blick auf das neben ihm leicht dahinschreitende Mädchen. Wieder überkam es ihn wie ein Rausch in ihrer Nähe. Er fühlte auf den schmalen Wegen die Berührung des jungen Körpers; wie ein Seufzet entrang es sich seiner Brust.
Seine Hand suchte die ihre.
„Glauben Sie mit, Ellen," sagte er, zum erstenmal ihren Namen nennend, und mit einer Wärme, wie sie sie noch nie von ihm gehört hatte, „es wird mir schwer, aus den altgewohnten Verhältnissen zu scheiden,, die ja auch eine Trennung von Ihnen und Ihrer Familie bedeuten."
„Erne Trennung? Ich hoffe doch, Sie werden Berlin nicht ganz untreu werden."
. „Nicht für immer, gewiß nicht! Aber da Sie, wie Ihre Frau Mutter sagte, schon in der nächsten Woche reisen wollen, werden wohl einige Monate hingehen, ehe wir uns Wiedersehen."
„.Beabsichtigen Sie etwa, den ganzen Sommer in Schöwalde zu bleiben?"
„Allerdings," entgegnete er.
„In der Einsamkeit?"
„Was bleibt mir anderes übrig? Vorläufig wird die Muse meine einzige Gefährtin sein,
^hre Augen trafen sich; die ihren wie in sanftem Flehen, die seinen bang fragend.
„Bis?" sagte sie.
„Bis ich den Mut finde, ein junges Weib in mein Heim zu führen!"
„Braucht tt denn dazu Mut?" fragte sie.
Haaren. Wie wir der „Deutsch. Tgzig." entnefr men fand am vorigen Montage in Berlin eine uon der freisinnigen Volkspartei einberufene Versammlung statt, in der der Abgeordnete Dr. Wiemer über bas Thema „Blockpolitik und Reaktion" referierte. Zu dieser Versammlung halten sich auch zahlreiche Barthianer eingefunden, die ihre Anwesenheit durch fortwährende Störungen kundtaten. Dr. Wiemer wandle sich in seiner Rede äußerst scharf gegen die So- zialliberalen. Er führte u. a. aus: „Zentrum pnd Sozialdemokraten wetteifern darin, den Liberalismus zu verunglimpfen. Als dritter im Bunde erscheint jetzt die neue Partei, die Demokratische Vereinigung, die sich unter Führung der Herren Barth, Breitscheid uird v. Ger lach gebildet hat, um einem tiefgefühlten Bedürfnis abzuhelfen. (Beifall bei den Barthianern.) Je weniger Sie zu bedeuten haben, umsomehr Spektakel machen Sie. (Stürmischer Beifall » Lärm) Aber die Herren sollen an das Wort denken: Wer eine Zeitlang Lärm errett, der glaube nicht, daß er die Welt bewegt! Diese politische Gruppe, hat bei den Landtag-Wahlen das jäm- in erlich st e Fiasko gemacht, das sich denken läßt. Ein ungeheurer Tamtam wurde in der Preffe geschlagen, Versammlungen über Versammlungen abgehalten, Anstrengungen aller Art gemacht — und das Ergebnis war eine Riesenblamage. (Stürmischer Beifall und Lärm.) Um ihre Notwendigkeit der staunenden Mitwelt klar zu machen, müffen sie die freisinnigen Gruppen, von denen sie sich getrennt haben, natürlich schlecht machen. Diese Taktik wird ganz nach sozialdemokratischem Rezept verfolgt, und die Tonart der Polemik, namentlich gegen die Freisinnige Volkspartei zeigt, daß die Herren den Ehrgeiz haben, an Ruppigkeit sogar noch die Sozialdemokratie zu übertreffen. Diese Tonart kennzeichnet die Anmaßung, die politische Großmannssucht und das Wortheldentum bet Leute von der Demokratischen Vereinigung." Auch gegen die Sozialdemokratie fand Dr. Wiemer scharfe Worte. Ihm entgegnete Dr. Moses, der „große Demokrat". Seine Rede, in der er immerfort von „aufrechten, steifnacki - gen Männern" sprach, rief lebhafte Heiterkeit hervor. Nachdem dann noch Dr. Mugdan den Barthianern einige Wahrheiten gejagt hatte, wurde die Versammlung trotz des Lärms der Barthianer, die durchaus noch reden wollten, geschloffen.
Alft'schlh.
** Die ernte in Rußland. Petersburg, 18 Sept. Der „Handels- und Jndustrieztg." zufolge ist der Ernteertrag im europäischen Rußland für Winterweizen allgemein unbefriedigend. Ein befriedigender Ertrag ist nut im Weichselgebiet in den baltischen Provinzen, den nordöstlichen Gouvernements, im östlichen Kaukasus, im Südwesten und in der Krim zu verzeichnen. Sommerweizen ist allgemein gutmii-
„Ja, Ellen, ja! Denn es ist bas ganze Leben, " um bas es sich handelt."
Inniger preßte et ihre Hand, die leis« gib ternd in der seinen ruhte.
„Ein glückliches Leben," kam es wie träumend übet ihre Sippen.
„Glücklich? Glauben Sie, daß ein Weib an meiner Seite glücklich werden kann?"
„Wie sollte ich daran zweifeln?" entgegnete sie mit einem leidenschaftlichen Klang in bet Stimme, bet ihm bas Herz freudig aufklopfen machte.
Schon fing die Dämmerung an, sich übet den von Blumenduft fast betäubend durchfluteten Garten zu breiten. Schmeichelnd umwehte sie der leise Abendwind, in den Büschen zwitscherten leise die Vögel. Es ging wie ein Sehnen »ach Liebe und Wonne durch die Luft. Ellens zarte Gestalt schmiegte sich hingebend an Bruno an. Fast unbewußt legte sich sein Arm um die Bebende. Ihr vom Abendschein umhauchtes schöne? Antlitz hob sich wie verklärt zu ihm empor. Wie ein Nebel legte es sich übet seine Augen. Er wußte nicht, wie ihm geschah. Heiße Schauet durchrieselten ihn und seine Sippen suchten die ihm verlangend entgegenstrebenden des schönen Mädchens.
Ein leiser Aufschrei schreckte ihn aus seinem seligen Traume empor. Wie aus dem Boden gewachsen, sah er plötzlich Herrn und Frau Hiller vor sich stehen die mit würdiger Miene Ellens Hand in die seine legten. „Lieber Schwieger- ohn!" Dieses von der grellen Stimme der Frau Hiller gesprochene und ihm noch lange im Ohr nachklingende Wort machte ihm erst klar, als et sich auf der Straße und dem Wege zu Graf Alten befand, was eigentlich mit ihm vorgegangen wat, daß et sich mit Ellen Hiller verlobt hatte.
(Fortsetzung folgt.)