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Marburg

Die InsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zelle oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, llniversitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. H i tz er o th, Marburg, Markt 21. Telephon 55,

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»/? nm Zeitung" bei allen Post J12. tilv Kirchharn und Wetterst______________T_______ _________

Donnerstag. 17. September 1908.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Kettage«: ..Literarischer Amerssr«KarrdivLrtschMttche KsiLage" «ttd ..Mußrirrts» Souutagsblatt«

21

verboten.).

Getrennte Welten.

Roman von Clarissa Lohde.

(Fortsetzung.)

Run ja, es gibt auch nichts Häßlicheres, Un­angenehmeres als ein unfriedliches Leben im Hause, schon der Kinder wegen. Darüber bin ich mi: Asta einig gewesen, und deshalb sind wir beide bemüht, uns danach zu halten."

Sehr weise beim Himmel! Das klingt ja fast, als hättet Ihr über Euer moralisches Ver­halten einen gegenseitigen Vertrag geschlossen."

Nun ja, nenne es so: aber wir sind zufrie­den dabei, und ich möchte Dir raten, es uns nach- zumachen."

Warum nicht? Wenn es ginge. Aber Editha ist nicht Asta. Sie hat ihren Kopf für sich."

Du machst ihr nicht genug den'Hof. Frauen wollen immer ein wenig geschmeichelt sein, auch durch den Ehemann. Da Du sie brauchst, das heißt, ich meine ihre Güte und ihr Wohlwollen für Dich, so solltest Du Dir ein wenig mehr Mühe geben, ihr zu gefallen."

Dietrich unterdrückte ein Gähnen.Als ob ich das nicht zur Genüge getan im Anfänge unserer Ehe: aber sehr bald schon verfing meine Galanterie nicht mehr. Ich liebe keine Schmei­cheleien," sagte sie.Nun, da ließ ich es."

Editha hatte Gertrud Wese aufgefordert, mit­zuspeisen: das junge Mädchen aber bat, sie zu entschuldigen.Wenn die Frau Baronin allein sind," schloß sie errötend.

Fürchten Sie sich vor den Herren, Gertrud?" fragte die Baronin lächelnd.

, Ein wenig," gestand sie.ich bin an den Ton der vornehmen Welt nicht gewöhnt."

Nun denn ein andermal und grüßen Sie Ihre Eltern. Ich komme in den nächsten Dagen «orst einmal hinüber, ehe der neue Herr ein- ,ieht.-

Die Aufnahme der französisch­spanischen Note.

Die französisch - spanische Note findet in der gesamten französischen Presse die lebhafteste Zustimmung und die englische Presse sekundiert. Nur dieDaily News" nennen es unglaublich, daß Mulay Hafid Entschädigungen bezahlen soll für Maßnahmen, die man gegen ihn getroffen habe. Hier kehrt auch, diesmal auf englischer Seite, die Behauptung wieder, daß Abdul Asis Truppen verkleidete Franzosen gewesen seien. Frankreich wolle Mulay Hafid durch wirtschaft­liche Abhängigkeit, in die er durch Uebernahme so großer Verpflichtungen geraten, zwingen.

Die deutsche Presse ist vorderhand noch etwas zurückhaltend in ihrem Urteil, doch überwiegen die Bedenken gegen die Bedingungen der Note. Besonders wird ausgesprochen, daß die vor­aussichtliche Höhe der Kriegsent­schädigung genügen werde, um die Ab­hängigkeit Marokkos von Frank- reichfürimmer zu besiegeln und Frankreich auf diesem Wege zum Ziele kommen werde. Die T. R." meint zu dieser Frage:Wie kommt Mulay Hafid dazu, die Kosten zu bezahlen, die Frankreich sich verursachte, indem es zuerst (ge­gen die Akte von Algeciras) gegen Abdul Asis

Theorie und Praxis der Sozialdemokratie in der Steuerpolitik. ließet die Unmöglichkeit, die Staatsausgaben eruf Einnahmen aus direkten Steuern zu basie- '>rrn, hat sich die nach Marx größte Autorität, »Genosse" Engels, in derNeuen Zeit" 1895 folgendermaßen ausgesprochen:

Nehmen wir England. Dort beträgt das Staatsbudget 90 Millionen Pfund Sterling.

-.Davon werden aufgebracht durch die Ein- ifkommensteuer 13^ bis 14 Millionen, die Lbri- ?»en 76 Millionen zum kleineren Teil durch Be­treuerung von Geschäften (Post, Telegraphen, Stempel), zum weitaus größten Teil aber .durch Auflagen auf die Massenkonsumtion, durch ftets wiederholtes Abzwacken, in kleinen, un- tnerklichen, aber sich zu vielen Millionen auf­summierenden Beträgen, vom Einkommen aller Einwohner, vornehmlich aber der Aermeren. Und es ist in der heutigen Gesellschaft kaum möglich, die Staatsausgaben auf andere Weise zu decken. Gesetzt, man legt in England alle 90 Millionen den Einkommen von 120 Pfund Sterling === 3000 Francs und darüber in pro­gressiver direkter Steuer auf. Die durchschnitt- kichc jährliche Akkumulation, die jährliche Ver­mehrung des gesamten nationalen Reichtums, betrug 1865 bis 1875 nach Giften 240 Millionen Pfund Sterling. Sagen wir, sie sei jetzt gleich FOG Millionen jährlich: eine Steuerlast von 90 Millionen würde fast ein Drittel der gesamten Aftumulation verzehren. Mit anderen Worten, feine Regierung kann so etwas unternehmen nutzer einer sozialistischen

Aber auch eine sozialistische Regierung würde damit weder so eilig noch so leicht haben. Darüber hat sich eine andere sozialdemokratische AutoritätGenosse" Kautzky in seiner Broschüre über die soziale Revolution folgendermaßen ge- Lußert:

Es ist ja heute schon unsere Forderung, daß wir durch eine solche (progressive Einkommen-, Vermögens- und Erbschafts-) Steuer alle an­deren, besonders die indirekten Steuern er­setzen. Wenn wir aber zu einer Durchführung heute die Kraft erhielten, etwa durch Unter­stützung anderer Parteien, was freilich ausge­schloffen, da keine bürgerliche Partei so weit ginge, so würden wir doch dabei auf große Schwierigkeiten stoßen. Es ist eine bekannte Toi fache, daß, je höher die Steuer, desto größer die Versuchungen zu Steuerdefraudationen. Aber selbst wenn es gelänge, jede Verbergung von Einkommen und Vermögen unmöglich zu machen, selbst dann wäre man nicht in der Lage, dir Einkommen--und Vermögenssteuern beliebig hoch zu schrauben, weil die Kapitalisten, wenn die Steuer ihr Einkommen oder Vermögen zu sehr beschnitte, einfach aus dem Staate fort­ziehen würden, und dieser das Nachsehen hätte. Der Staat hätte dann die Einkommen- und Vermögenssteuer, aber ohne Einkommen und

Vermögen, lleber ein gewißes Maß kann man also bei diesen Steuern heute nicht hinaus, selbst wenn man die polittsche Macht dazu hätte. Die Situation ändert sich aber vollständig, wenn das sämtliche kapitalistische Eigentum die Form von öftentlichen Schuldverschreibungen annimmt.."

Hiernach ist von sozialdemokrattscher-autori- tativer Seite festgestellt, daß der Programm- vmrkt der Sozialdemokratie über den Ersatz der indirekten durch direkte Steuern unerfüllbar ist. Wenn trotzdem die sozialdemokratischen Zeitungen und Agitatoren imEegenwarts- staate" mit dieser Forderung krebsen, so ist das ein unredliches Spiel. Ein bedeutsamer Aus­spruch des Genossen Engels aber darf ebenfalls nicht übersehen werden. Er lautet:

Steuern! Dinge, die die Bourgeoisie sehr, die Arbeiter aber nur sehr wenig interessieren: Was der Arbeiter an Steuer zahlt, geht auf die Dauer in die Produftionskosten der Arbeitskraft ein, muß also vom Kapitalisten vergütet wer­den. Alle diese Punkte, die uns hier als hoch­wichtige Fragen für die Arbeiterklaffe vorge­halten werden, haben in Wirklichkeit wesent­liches Interesse nur für den Bourgeois und noch mehr für den Kleinbürger...."

Was bleibt nach diesem zutreffenden Aus­spruche von den Klagen über den Steuerdruck, dem die Arbeiter ausgesetzt seien und von der Behauptung, in Wirklichkeit seien es die Ar­beiter, die Steuerlasten allein trügen, übrig?

Ach, muß es denn sein?" sagte Gertrud. Was wird aus Schönwald werden ohne die Frau Baronin. Die alten Leute besonders und die Kranken, nach denen die Frau Baronin öfters zu sehen pflegen, wollen sich gar nicht be­ruhigen. daß sie jetzt eine andere Herrschaft be­kommen."

Sagen Sie ihnen, Gertrud, daß sie nicht unter dem Wechsel leiden sollen. Ich werde vor wie nach sie besuchen. Da der jetzige Besitzer von Rothenfels unverheiratet ist, wird er gewiß gern die Fürsorge für die Armen und Kranken weiter gestatten."

Das wird die Leute in Schönwalde sehr be­ruhigen," meinte Gertrud,wenn die Frau Baronin mir gestatten, es ihnen zu sagen. Ilebrigens hörte ich in Berlin schon, daß der neue Baron sehr gut sein soll!"

So?" fragte die Baronin interessiert. Und von wem haben Sie es gehört?"

Bon der Frau Rätin Arnold."

Sie kennen die Rätin Arnold, Gertrud? Das soll ja eine ausgezeichnete Frau sein. Man hat sie mir in der Armenpflege ganz besonders gerühmt. Und sie kennt Bruno von Rothenfels?"

Ja, schon als er noch Bruno Müller war. Die Rätin ist im Vorstand unserer Fortbildungs­schule und kümmert sich sehr um unsere Biblio­thek, daß nichts Ungeeignetes darin ausgenom­men wird. Da schenkte sie denn vor einem Jahre etwa uns die Novellen von Müller- Rothenfels.Das ist ein Buch, das Ihr mit Nutzen lesen könnt," sagte sie,und ein schönes Buch dazu." Und dann erzählte sie mir, der sie erlaubt, sie zuweilen in ihrem traulichen Heim zu besuchen, daß sie den Verfasser der Novellen kenne, und daß er ein so guter, so hervorragen­der Mensch sei. Wer hätte damals ahnen können, daß er Herr von Schönwalde werden würde!"

«hatte schweigend zugehött, während

>d bis zur Parkpforte geleitete. Sie fühlte sich tief bewegt durch da, dem von Dieb

und dann (gegen die Akte von Algeciras und alle feine eigenen Beteuerungen) für Abdul Asis Krieg führte. Jedenfalls kann diese Zu­mutung nicht den ärmlichsten Schein einer Be­rechtigung aus der Algeciras-Akte herleiten."

DieVossische Ztg." wendet sich ferner gegen die Forderung, daß der neue Sultan durch einen scherifischen Brief an die Städte und Stämme ausdrücklich widerrufe; dies fei eine Willkürlichkeit, die um so gehässiger erscheinen müße, je weniger Mulay Hafid oder auch Abdul Asis jemals den heiligen Krieg verkündet haben. Der heilige Krieg sei nichts als eine tendenziöse Erfindung französischer Hetzer.

DieG e r m a n i a", das Hauptorgan des Zentrums, meint: In der Note trete wiederum nicht anderes als die Verschleppungstaktik der französischen Marokkopolitik hervor. . . . Die deutsche Regierung hat offenbar bei ihrer Stel­lung zur Marokkopolitik das Recht auf ihrer Seite, und nachdem sie einmal mit ihrer Forderung nach Beschleunigung der An­erkennung Mulay Hafids einen energischen Ton angeschlagen hat, wird sie auch daran festhalten müffen."

DieT ä g I. R d s ch." sucht der deutschen Re­gierung ferner den Rücken zu stärken, indem sie schreibt:Wenn jetzt der froh vernommenen Fanfare mit der Annahme dieser französischen Zumutungen wieder eine Schamade folgen würde, würde uns das Verständnis für eine solche Art der Wahrung nationaler Würde mangeln."

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Die Reichstagsersatzwahl in Wolfenbüttel. Wolfenbüttel, 15. Sept. Amtliches Wahlergeb­nis.) Bei der am 11. September stattgehabten Reichstagsersatzwahl im zweiten Braunschweiger Wahlkreis wurden insgesamt 24 527 gütige Stimmen abgegeben; davon erhielten Hofbesitzer Kleye-Jerzheim (natlib.) 11422, Maurer Rieke- Braunschweig (Soz.) 7190 und Notar Dedekind- Braunschweig (Braunschw. Landes-Rechtspartei) 5912 Stimmen; zersplittert waren 3 Stimmen. Es hat also eine Stichwahl zwischen Kleye und Rieke stattzufinden.

Als Mitglieder der Interparlamentari­schen Friedenskonferenz haben sich u. a. verschie­dene ausländische Minister angemeldet; so die belgischen Minister Beernaert und Dupont, die ungarischen Graf Apponyi und Dr. Günther, aus Norwegen Ministerpräsident Gunnar Knudsen, aus Italien Graf Sonnaz. Außerdem wird eine Reihe Minister a. D. erscheinen, so aus Spanien Dato, Prendergast und Canalejas; aus Rumä­nien Diffescu und Badarau, aus Norwegen Ehr.

rrch so gehaßten Bruder gespendete Lob. Eine <viöu, wie die Rätin Arnold, von der sie so viel Rühmenswertes gehört, hielt ihn hoch, und die welche ihm am nächsten standen, die ein Unrecht an rbm gutzumachen hatten, behandelten ihn wr- einen unliebsamen Eindringling, einen Un­würdigen. Und auch sie, hatte sie nicht gleich bei dec ersten Begegnung den Eindruck gehabt daß ein ungewöhnlicher Mensch vor ihr stand, einen Eindruck, der noch bestärkt wurde durch die Er­innerung an das, was sie von ihm gelesen hatte? Ganz zufällig waren ihr die Novellen von Müller-Rothenfels in die Hände gefallen, als sie in Berlin in einer Buchhandlung einige Lek­türe zur Mitnahme nach Frauenstein ausge­sucht batte. Man hatte ihr das Buch sehr warm empfohlen. Dazu kam der Name Rothenfels, der sie neugierig machte. Als sie sich dann aber in das Werk vertiefte, war sie ganz hingenom- me>: gewesen, am meisten durch den edlen Geist, der aus allem sprach, durch den Ernst seiner sittlichen Anschguungen, die sie hegte und um derentwillen sie so oft den Spott des Gatten er­tragen mußte.

Wie ein plötzlich aufsteigendes Schmerzgefühl durchzuckte es sie. Warum kann Dietrich nicht ebenso denken und empfinden, wie jener von ihm so hochmütig zurückgestoßene Bruder? Kann es denn ein eheliches Glück geben ohne Ueberein- stimmung der Ueberzeugungen? War das nicht eine Unmöglichkeit, mußte sie nicht jeden Ge­danken daran aufgeben für immer? Und doch, es war der Vater ihres Kindes, und wenn nicht das Glück, so mußte sie doch den Frieden aus dem Schiffbruch ihres Lebens zu retten suchen. Sie mußte dulden, ertragen, verzeihen um ihres Kindes willen. Eiligen Fußes flog sie die Treppe hinauf zu dem Schlafzimmer ihres Knaben, der sein Mittagsbrot schon bekommen hatte und jetzt von der Bonne zu kurzer Ruhe ins Bett gelegt war. Ein heißes Sehnen erfaßte sie, an feinem Anblick sich wieder aufzurichten neue Kraft M

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Knudsen, Blehr und Lövland, aus Oesterreich Wittek, aus Portugal Candido und Teixeira Coelho, aus Ungarn v. Berzeviczy und György usw. Außerdem nennen wir aus Oesterreich Fürst Kinsky, aus Norwegen den Gesandten aM Dänischen Hof Hagerup, aus Italien General Pistoja, aus Frankreich Profeffor Collin von der Pariser Rechtsfakultät, aus Belgien Kammer­präsident Nerincx, aus Canada der Speaker bei Parlaments Danduraud, aus Portugal Graf v. Valencas, Patt des Reichs. Die Zahl der Angemeldeten ist 920.

Der Berband mittlerer Reichs-Post- «ich Telegraphenbeamten hielt vom 10. bis 12. Sep« tember in Berlin seinen 18. Verbandstag ab. Im Vordergründe des Interesses stand die Frage der Vesoldungsreform. In maßvoller Form, aber entschieden wurde Stellung genomi men. An einer Besoldungsvorlaae, deren Vor« schlüge den ja auch von der Regierung als be, rechtigt anerkannten Wünschen der Beamten nicht voll entsprechen, kann, wie die angenom­mene Resolution meint, die Gesamtheit der mittleren Postbeamten kein Interesse haben; Lieber gar keine Reform als eine ungenügende. Sobald die Vorlage der Regierung bekannt ge­worden ist, soll ein außerordentlicher Verbands- tag einberufen werden. Schon seit einem Jahre strebt der Verband an, seinen Mitgliedern eine höhere soziale Schulung zu vermitteln, sie zur gründlichen Beschäftigung mit den Fragen des öffentlichen Lebens anzuregen, um dadurch da- Niveau der Beamtenschaft zu heben. Jetzt Hal der Verbandstag diesen Bestrebungen durch Er­richtung einer besonderen Verwaltungsstelle ein noch festeres Gepräge gegeben. Für diese Be­strebungen sowohl, wie überhaupt für die Ver­tretung der Jniereffen der mittleren Postbeam­ten ist die Durchführung eines einheitlichen Zu­sammenschlusses sämtlicher Veamtenkategorien der mittleren Postbeamtenschaft eine unbedingte Notwendigkeit. Der Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt. Der nächste ordentliche Ver­bandstag soll wieder in Berlin stattfinden.

Fahrt des Ballons Parieval. Berlin, 15. Sept. Der Ballon Parseval passierte nm 10 Uhr 10 Min. Potsdam, um 11(4 Uhr das Dorf Götz in der Nähe von Brandenburg a. d. Havel, um 12*4 Uhr Kleinkreuz, um 4 Uhr Burg bei Magdeburg. Er machte, dann eine kurze Wen­dung und fuhr zurück über das Marmorpalais und Potsdam, er erschien um 6 Uhr wieder über Reinickendorf. Die Jnsaffen teilten durch einen heruntergeworfenen Zettel mit, sie wollten so lange fahren, als das Benzin ausreicht.

Der frühere Reichstagsabg. Hilbck f. Der preußische Landtagsabgeordnete und frühere. Reichstagsabgeordnete Hilbck ist in der Nacht zum Dienstag in Dortmund gestorben. Herr gewinnen für die schwierige Aufgabe, die sie sich stellte. Wie süß er aussah mit dem blonden Lockenköpfchen, das sich in das weiße spitzen«' besetzte Kiffen preßte. Und wie glich der Schnitt seines Gesichtes, dem des Vaters. Eie sank an- dem Bettchen in die Knie und faltete im stillen' Gebete die Hände. Für ihn, den süßen Liebling,; den größten Schatz ihres Lebens betete sie und) für feinen Vater, daß es ihm gelingen möge, ihr gequältes, hoffnungsloses Herz ihm wieder zuzu« wenden, den inneren Zusammenhang zwischen sich und dem Gatten nicht ganz zu verlieren"

Sobald Graf Alten sich verabschiedet hatte, ging Dietrich nach seinem Grundsatz, das Unan­genehme sobald als möglich abzumachen sogleich auf fein Ziel los. Editha gegen feine Gewöhn- beit in ihrBoudott, wohin sie sich bis zumAbend« effen stets zurückzuziehen pflegte, begleitend, bat er sie um eine Unterredung. Er setzte sich in einen Fauteuil ihr gegenüber und blickte einen Augenblick mit gesenkten Lidern, wie sinnend über das, was er zu sagen hatte, vor sich nieder. Dann, aber kam die lange vorbereitete Beichte. Dietrichs Stolz litt fürchterlich darunter, aber et gestand Editha alles. Daß er im Vertrauen auf die zu erwartende Erbschaft vom Vater, die jetzt so geschmälert worden fei, mehr verbraucht habe, als verständig gewesen. Er habe große Renn- verluste gehabt, und da er weder 'sie noch den Vater habe behelligen wollen, Geld auf Wechsel aufgenommen. Jetzt aber zeige sich, daß er bU Wechsel aus eigenen Mitteln nicht einzulosen vermöge. Er muffe deshalb zu ihr kommen, sie um ihre Hilfe zu bitten. Für sie sei das Opfer ja gering; wenn auch die Summe vom Kapital genommen werden müffe, würde der Ausfall in den Zinsen doch kein bemerkbarer fein. Ob sie ihm eine Vollmacht, ein Blankoakzept an ihren Sachverwalter geben wolle, das ihm ermögliche, soviel er brauchte, aufzunehmen. »J

(Fortsetzung folgt.) 1

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