OßechM Muni' mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und den Bk'iafte«: .FrLererischer „Kaudrvirtt'chaMrche Beilage" und „Illustriertes SoR«iagsblatt".
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Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberhessisch n Bettung" bet allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in Jwo ZI I) Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21. ” — Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne
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Marburg
Sonntag, 13. September 1908.
Die Jnsertionsgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum "15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, UniversitätSbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Httzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
43. Jahrg.
Zweites Blatt.
Tie Reform
der Arbeiterversicherungsgesetze.
Dip Erundzüge der in Vorbereitung befindlichen Reform der Alterversicherungsgesetze sind schön vor einiger Zeit bekannt gegeben worden. Da jedoch den damaligen Mitteilungen jegliche authentische Bestätigung versagt blieb, war es geboten, sie mit Vorsicht aufzunehmen. Neuerdings aber hat das „Zentralblatt für das deutsche Baugewerbe" aus dem Abänderungsplan genauere Einzelheiten, namentlich über die projektierte Abänderung der Organisation, des Verfahrens und des Jnstanzenzuges in Arbeiterver- stcherungssachen mitgeteilt, und die „Nordd. Allgnl. Ztg." hat sie an der Spitze ihrer politischen Uebersicht bestätigend abgedruckt. Man wird also diese Angaben als zutreffend ansehen müssen.
Diese Angaben beziehen sich hauptsächlich auf beit reformbedürftigsten Zweig desVersicherungs- systems: auf die -Krankenkassen. Mit Recht soll ) aron Abstand genommen werden, die bewährten Betriebs-, Jnnungs- und Knappschafts- Krankenkassen abzuschaffen. Diese sollen viel- mehr in den Nahmen der neuen Organisation einbe,zogen werden. Die als notwendig erachtete Ztntralisation gedenkt man, durch weitgehende Erleichterung und Förderung der freiwilligen Verschmelzung mehrerer Einzelkassen, sowie durch allgemein gesetzliche Einführung des Zusammenschlusses sämtlicher Kassen eines Bezirkes zu einem Verbände berbeizuführen. Statt der Ge- mcindekrankenvsrsicherung soll eineLandkranken- sersicherung eingerichtet werden. Für die Orts- krankenkaffe soll statt der bisherigen beruflichen Gliederung die Abgrenzung nach Bezirken erfolgen. Landarbeiter werden, wo keine Landkrankonkaste besteht, der allgemeinen Ortskrankenkasse zugewiesen werden.
Für die innere Organisation der Kranken- kasien ist in Aussicht genommen, daß die Beiträge von Arbeitgebern und Arbeitern zur Hälfte, nicht wie bisher zu % und %, geleistet werden. Trotzdem aber soll den Arbeitern bet der Beschlußfassung über Unterstützungen und Beiträge zwei Drittel der Stimmen zustehen. Unseres Erachtens ist das ein recht bedenkliches Zugeständnis, das die organisierten Arbeiter, die nur die Machtfrage im Auge haben, ohnedies in keiner Weise befriedigen wird. Ein vom Kommunalverbande zu bestellender unparteiischer Kommunalbeamter, der bei Stimmengleichheit den Ausschlag zu geben hat, dem aber bei der Wahl der Vertreter in den Spruchausschüssen das Stimmrecht entzogen ist, soll den Vorsitz in den Krankenkasien führen. Bei den Landkrankenkasten soll der Vorsitzende, dessen Wahl durch den Kreistag erfolgt, „in der Regel" dic Geschäfte des Vorstandes allein wahrnehmen.
18 (JZaöB-iuf verboten.)
Getrennte Welten.
Roman von Elarissa Lohde.
(Fortsetzung.)
Edith« wandte sich um und ergriff Astas Hrnd, sie zu Bruno hinziehend, während der Graf leise mit dem Justizrat sprach.
„Dietrich hat böse Worte zu dem Bruder gesprochen. suche Du sie wieder gut zu machen."
Etwas gezwungen zwar, doch mit einem anmutigen Lächeln auf den Lippen ließ Asta es geschehen, daß Editha ihre Hand in die Brunos legte.
„Wir sind uns ja noch ganz fremd," sagte sie, „aber ich will mich bemühen, Sie als Bruder zu betrachten, wenn Sie mir Zeit gönnen wollen, v ich in das Reue zu finden."
Graf Alten trat jetzt ebenfalls heran und wechselte einen höflichen Händedruck mit Bruno.
„Ich bitte um dieselbe Gunst," entgegnete Bruno auf Astas Anrede. Und sich vor den Damen verneigend, verließ er hastig das Zimmer. Der Justizrat folgte ihm auf dem Fuße.
. „Ich fürchte," meinte Graf Alten, als er mit seiner Frau und Editha allein war, „der unbedachte Ausfall Dietrichs gegen den neuen Bruder hat alles verdorben. Er wünschte doch so bren- ''.end, Schönwalde für sich zu erwerben, und konnte es trotzdem nicht unterlassen den glücklichen Erben tödlich zu beleidigen. Denn diesen Angriff auf die Tugend seiner Mutter wird dieser halbblütige Rothenfels kaum verwinden." „Dieser halbblütige Rothenfels," warf Astq Ein. „ganz recht. Aber er hat sich doch passabel tzut gehalten, und ich meine, es spricht für die Kraft des edlen Blutes der Rothenfels, daß es selbst dem Sohne einer Anna Müller etwas Adliges verleiht. Und dann seiner merkwürdige Aehniichkeit mit dem Vater, mit Dietrich. Ich
Sämtliche Krankenkassen der verschiedenen Arten innerhalb des Bezirkes jeder unteren Verwaltungsbehörde bilden zusammen einen Kassenverband. Diesem soll die Wahrnehmung bestimmter Aufgaben, die alle ihm angehörigen Kassen gemeinsam berühren, übertragen werden. Es wird aber zugleich als die Grundlage derjenigen Stelle zu dienen haben, die das verbindende örtliche Glied für alle Zweige der Ar- beiterverstcherung darstellt. Der Kassenverband soll demgemäß die Obliegenheiten eines gemeinsamen Unterbaues als Unfall-, Invaliden- und der projektierten Hinterbliebenenversicherung, der Aufsichtsbehörden der Krankenkassen, sowie endlich der regelmäßigen Spruch- und Beschluß- behörde erster Instanz auf dem gesamten Gebiete der Arbeiterversicherung in sich vereinigen. Diese höchst wichtige Behörde soll die Bezeichnung „Versicherungsamt" führen. Ihr geschäfts- führender Beamter „Verstcherungsamtmann" genannt, der die Qualifikation zum Richteramt oder zum höheren Verwaltungsdienst nicht zu haben braucht, soll ebenso wie das Hilfspersonal vom Kommunalverbande gestellt werden. Ein Befähigungsnachweis für diesen verantwortlichen Posten wird jedoch, wie wir meinen, den Anwärtern nicht erlassen werden dürfen.
Zur Besetzung der Sprechausschüsse soll die gleiche Zahl von Vertretern der Arbeitgeber und Versicherten gewählt werden. Die Wahl soll im wesentlichen in derselben Weise wie heute in der Invalidenversicherung derart erfolgen, daß die Vorstandsmitglieder der Krankenkassen — und zwar Arbeitgeber und Arbeiter gesondert — die Vertreter wählen. Der Vorsitzende darf, wie schon bemerkt, hierbei sein Stimmrecht nicht ausüben. Die weiteren Instanzen sollen rein staatliche Behörden und durchweg mit staatlichen Beamten besetzt werden. Es wird beabsichtigt, aus den jetzigen Schiedsgerichten als mittlere Instanz das „Obervsrsicherungsamt" zu bilden. Höchste Instanz bleibt das Reichsversicherungs- amt.
Eine Beurteilung des Reformplanes ist auch nach den vorliegenden Erundzügen nicht gut möglich. Dazu wird man die Veröffentlichung des ganzen Entwurfes mit den mannigfachen, sehr wichtigen Einzelheiten abwarten müssen. Aber auch heute schon kann das Bedauern darüber nicht unterdrückt werden, daß die dringend notwendige Reform des Krankenkassenwesens auf die lange Bank geschoben werden soll, bis die Einführung der Hinterbliebenen- verstcherung als neues Glied der Versicherung hinzutritt und die allgemeine „Verfchmelzung" vor sich geht.
LES Wch. m
— Die deutsche Mittelstandskasse in Posen. Während die Anfledlungskommission bei Beginn ihrer Tätigkeit zunächst ihr Hauptaugenmerk darauf richtete, neue deutsche Bauernwirtschaften im Osten zu schaffen und sie als Rentengüter dauernd an sich zu fesseln, sah sie sich nach der
begriff den von Dietrich ausgesprochenen Zweifel gar nicht. Wie aber steht es mit Schönwalde?"
Der Graf zuckte die Achseln.
„Gestern, meinte der Justizrat, sei ihm der Erbe nicht abgeneigt erschienen, den Wünschen Dietrichs nachzukommen, nun aber —“
Editha verhielt sich völlig schweigend. Sie mochte ihren Gatten nicht anklagen, ihr Herz aber hatte sein Urteil gesprochen. Dieser Stich, mit dem er den Bruder zu verwunden suchte, war ein Ausfluß von Brutalität, die sie leider schon oftmals an ihm kennen gelernt, und die sie ihm innerlich von Jahr zu Jahr mehr entfremdet hatte.
Währenddessen hatte der Justizrat Bruno in seinen Wagen genötigt.
„Sie müssen mir schon noch einig« Augenblicke schenken, Herr Baron, wie ich als Testamentsvollstrecker überhaupt mir für die nächste Zeit öfter die Ehre einer Unterredung werde erbitten müssen. Heute handelt es sich indessen nur um die Beantwortung meiner gestern an Sie gestellten Frage wegen des Gutes Schönwalde. Graf Alten, der übrigens ein durchaus höflicher und in jeder Beziehung vornehmer Herr ist, hat sich," der Justizrat hielt einen Augenblick inne, „nach dem unüberlegten, wir wollen es nicht schärfer nennen. Verhalten des Herrn Baron Dietrich, angeboten, die Verhandlung für ihn zu leiten. „Ich dächte, Herr Baron, Ihnen, dem Jünger der Musen, müßte es erwünscht sein, ein Ent, das Sie selbst zu bewirtschaften weder Lust noch Zeit, noch auch die nötigen landwirtschaftlichen Kenntnisse besitzen, zu veräußern und ein angemessenes Kapital dafür vorzuziehen."
Bruno, der fast mechanisch den Platz neben dem Justizrat im Wagen eingenommen hatte, unterbrach ihn jetzt mit einer energischen Handbewegung :
„Ich bitte Sie, Herr Justizrat verlieren Sie kein Wort weiter über diese Angelegenheit. Das
Erstarkung der polnischen Banken und Genossenschaften nach einigen Jahren vor die neue Aufgabe gestellt, alteingesessene, selbständige deutsche Bauern vor Ueberschuldung und ihr Land damit vor dem Uebergang in polnischen Besitz zu schützen. Den polnischen Geldinstituten mit ihren reichen Mitteln gelang es leicht, den schwer belasteten deutschen Bauer zum Verkauf oder zur Subhastation zu treiben. Um diese Entschuldung und Befestigung deutscherseits durchführen zu können, wurden mit staatlicher Hilfe zwei Banken gegründet: die deutsche Mittelstandskasse in Posen (1904) und die Deutsche Bauernbank für Westpreußen (1906). Beibe Banken lösen die Hypotheken von deutschen Bauernwirtschaften ab und lassen sie durch ein Darlehn der Landwirtschaft und den Rest durch ein Rentendarlehn der Königl. Ansiedlungskommission ersetzen. Durch diese Regulierung gelingt es-ohne besondere Kosten den Bauer von seinen unbequemen und drückenden 5- bis 6pro- zentigen Schulden zu befreien. Jetzt hat er einschließlich der Amortisationsquote nur 4 Prozent Zinsen zu zahlen und vor allem genießt er den großen Vorteil, daß die Kündigung der Darlehen ausgeschlossen ist. Demgegenüber sichert sich der Staat — ähnlich wie bei den Rentengütern — vor einem Uebergang des Landes in polnische Hände durch Einräumen eines Wiederkaufsrechts und dadurch, daß eine nicht ablösbare geringe Rente bestehen bleibt. Welche guten Erfolge die deutsche Mittelstandskasse in steter Fortentwickelung gezeitigt hat, ergibt ihr letzter Kassenbericht. Die Zahl der von ihr bearbeiteten ländlichen Beleihungssachen ist von 1311 mit 28 272 Hektar gestiegen auf 2549 mit 48 488 Hektar. Fertig gestellt sind 875 Sachen mit 15 770 Hektar, gegen 297 Sachen mit 6211 Hektar im Vorjahre. Es sind also bislang 60 000 Morgen bäuerlichen Grundbesitzes in der Provinz Posen den Entschuldungsverfahren zugeführt und dem Deutschtum gesichert. Gleichzeitig hat man die zahlreichen deutschen Sparund Darlehnsgenossenschaften zur Mitarbeit herangezogen, diese übernehmen gegen eine Entschädigung die Bürgschaft für die Rentendarlehen. Es geschieht dies auch im Interesse eines möglichst sicheren Kredits, denn die Genossenschaften sind numehr sehr daran interessiert, nur folche Güter zur Entschuldung zu bringen, deren Wert nicht unter der Hypothekenbelastung zurückbleibt. Dies" Zusammenarbeiten hat sich nach dem genannten Eefchäftbericht ebenfalls sehr bewährt. Es arbeiten augenblicklich 160 Genossenschaften mit der Mittelstandskasse, von denen 70 den Raiffeisen- und 90 dem Offenbacher Verbände angeschlossen sind.
— Bürgermeister Schücking als Reklamemittel. Wir haben neulich schon darauf hinge- wicsen, wie unglaublich marktschreierisch Herrn
efen Erlebte macht es mir zur Pflicht, mich durchaus an den Wortlaut des Testaments zu halten."
„Sie wollen also wirklich?"
„Schönwalde übernehmen, ja? Da es bisher von einem Administrator bewirtschaftet wurde, wird cs ja auch wohl weiter so gehen."
„Haben Sie aber auch bedacht, daß Sie dadurch nächster Nachbar von Frauenstein, dem Majorate von Baron Dietrich, werden?"
„Ich habe niemand zu fürchten," entgegnete Bruno fest, „also auch nicht diese Nachbarschaft."
Der Justizrat schwieg eine Weile.
„Ich kann Ihnen nicht verhehlen," nahm er dann wieder das Wort, „daß Sie durch diesen Widerstand gegen die Wünsche Ihrer Geschwister Ihr Verhältnis zu ihnen nicht verbessern werden."
„Doch auch nicht verschlechtern," war die entschiedene Antwort. „Ich verteidige mein Recht, das kann mir niemand verargen, und werde nie dulden, verstehen Sie mich richtig, Herr Justizrat, nie, daß irgend jemand daran zu rütteln wagt, wer es auch sei. Nach den" — Bruno verschluckte das folgend« Wort zwischen den Zählten — „Insinuationen des Herrn Barons Dietrich von Rothenfels halte ich es für eine Ehrenpflicht, den mir von dem verstorbenen Vater eingeräumten Platz mit Einsatz meiner Person und meiner ganzen Kraft gegen jeden zu behaupten und darauf auszuharren."
Der Justizrat konnte nicht umhin, mit einem beifälligen Lächeln und einem zustimmenden Kopfnicken die entschiedene Erklärung Brunos zu begleiten.
„Ich werde dem Herrn Grafen Alten von dieser, Ihrem Entschlüsse Mitteilung machen. Haben Sie mir sonst noch etwas aufzutragen?"
„Nichts, Herr Juftiirat. Doch möchte ich die Bitte an Sie richten, die Erbschaftsregulierung so schnell al» möglich zu Ende zu führen. Ich bin
Schückings „Tat" von dem verwiegend ftubentU scheu Nationalverein im parteipolitischen Sinne ausgebeutet wurde. Jetzt gilt er schon als beste» Zugmittel für Reklamepropaganda. Die Verwaltung der „Städtezeitung" überflutet die deutsch« Geschäftswelt mit folgendem Zirkular: „Unseren geehrten Inserenten wird die Nachricht zweifellos von großem Interesse sein, daß Herr Bürgermeister Dr. Schücking eine der lei-' tenden Stellen in unserer Redaktion und zwar als Herausgeber übernommen hat. Dieser Umstand sichert der „Städtezeitung", soweit die» noch möglich ist, eine immer größere Bedeutung und Beachtung, was wiederum geeignet ist, den Erfolg der Inserat« noch weiter zu erhöhen." — So ist der „Fall Schücking" doch noch zu etwas gut gewesen. Meinen die „Lpz. N. N." dazu sehr richtig.
— Die Doktorarbeit des Prinzen August Wilhelm. Berlin, 9. Sept. Die Dissertation des Vrinzen August Wilhelm ist erschienen. Sie trägt den Titel: „Die Entwicklung der Kommissariatsbehörden in Brandenburg-Preußen bis zum Regierungsantritt Friedrich Wilhelms I. Jnaug.-Dissertation der hohen Rcchts- und Staatswissenschaftl. Fakultät der Kaiser Wilhelms-Universität Straßburg zur Erlangung der staatswissenschaftlichen Doktorwürde vorgelegt durch August Wilhelm, Prinz von Preußen. Berlin MDCCCCVIII.“ — Die Widmung lauten: Seiner Majestät dem Deutschen Kaiser und König von Preußen gewidmet. — Der bei Dissertationen übliche Lebenslauf hat folgende Fassung: „Ich, August Wilhelm, Prinz von Preußen, wurde geboren XXIX. Januar MDCCCLXXXVII. Bis zu meinem vierzehnten Lebensjahre erhielt ich Eymnasialunter- richt im elterlichen Hause. Darauf besuchte ich vier Jahre die Prinzenschule zu Plön, wo ich am XXIV. Januar MDCDV das humanistische Reifezeugnis erhielt. Nack der am XXVfI. Mai MDCDV abgelegten Offiziersprüfung trat ich ins erst« Garderegiment zu Fuß ein, wo ich bis zum Herbst MDCDVI Dienst tat. Von diesen, Zeitpunkt ab besuchte ich die Universität Bonn, wo ich mich den Rechts- und staatswissenschaftlichen Studien widmete, die ich an der Universität Straßburg bis zum Schluß des Sommersemesters MDCDVIII fortsetzte. In den Ferienmonaten des Jahres MDCDVII führte mich Herr Professor Schmoller in die Verfassungs- ünd Verwaltungsgeschichte des siebzehnten Jahrhunderts ein."
— Demokraten und Sozialdemokraten. Die Mainzer demokratische Partei beschloß einstimmig, bei den nächsten Landtagswahlen für die sozialdemokratischen Kandidaten einzutreten. Wie übrigens die „Freis. Zta " meldet, agitieren die VartLianer in Berlin lebhaft unter den Anarchisten. Dazu bemerkt die „Leipziger Volkszeitung":
„Soweit wäre also die neugegründeke Demokratische „Partei" in den paar Wochen ihres Bestehens gekommen: Zur Beschützerin
mit einer größeren literarischen Arbeit beschäftigt, und Sie können denken, daß derartige aufregende Ereignisse mir die innere Ruhe nehmen. die man zu poetischem Schaffen braucht."
Der Wagen hielt vor der Wohnung Brunos wohin der Justizrat dem Kutscher zu fahren befohlen hatte.
Mit einem leichten Häededruck schieden sie von einander.
’ II.
Dietrich war mit leiner Frau sogleich nach Frauenstein zurückg-kehrt, fuhr aber fast täglich nach Berlin zur Erledigung der Nachlaßgeschäfte. Asta hatte sich mit .h-rn Kindern in der jetzt zu ihrem Eigentum f w.tenen Villa eingerichtet. Sie empfing z^!g*ich- Trauervisiten aus den höchsten Gesslls.ha^skreisen. Man deutete in zartester Weise an. daß man von den letzten Vorgängen, dem plötzlich aufgetauchten Bruder, vernommen habe, drückte auch wohl hier und da ein leises Bedauern aus; fast keiner aber verfehlte eine gewisse Neugier, den Vielbesprochenen kennen zu lernen.
„Uebrigens," meinte eine der Damen trö- st-nd gegen Asta, „ist es ja gar nichts Ungewöhnliches mehr, daß Mitglieder der Aristokratie sich schriftstellerisch betätigen. Es gibt merklich einige recht gute Federn unter den männlichen, wie den weiblichen Poeten unsere» Standes."
„Leider hat sich Müller-Rothenfels durch fei» Novellenbuch geradezu in Opposition gesetzt mit den hervorragendsten Vertretern unserer modernen Literatur."
„Das gerade gefällt mir!" versetzt« Asta und setzte ihre hoheitsvolle Miene auf.
„Ein Rothenfels darf nicht mit Ser MvNM schreiten; er wählt sich seinen besonderen Weg."
„Sie hat doch sehr viel Haltung die Gräfin Alten," äußerte man beim Fortgeyen.
(Fortsetzung folgt.)