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Marburg
Donnerstag, 10. September 1908.
Die JnsertionSgebübr beträgt für die ^gespaltene Zeil« oder deren Raum 16 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. — Druck und Verlag: Job. Ang. Koch, Universitätsbuchdruckerei Jnhecker Dr. 6. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 66.
Fürst Bülow.
Der Kaiser soll nach einer Meldung, die, von tzer „Augsburger Abendzeitung" ausgehend, Augenblicklich die Runde durch die Presse macht, 'aesagt haben: „Bernhard bleibt, ob mit oder ohne Block." Blätter verschiedener Richtungen geschäftigen sich darum jetzt mi« der Frage, ob .es möglich sei, daß Fürst Bülow auch nach dem Scheitern der von ihm inaugurierten Politik Reichskanzler bleibt.
Das Zentrum hält es für möglich und hat in dieser Frage offenbar in letzter Zeit eine Schwenkung vollzogen. In linksliberalen Kreisen ist man nach wie vor davon überzeugt, daß mit dem Block auch Bülow steht und fällt. Mit zudringlicher Deutlichkeit versucht man hier seit Peginn der neuen Lage diese vermeintliche Konstellation zu Parteizwecken auszunutzen. Ob es sich um einen politisch völlig belanglosen Hu- I sumer Bürgermeister oder um Wahlrechtsfrage und Reichsfinanzreform handelt, immer hört man die Bülow bedrohende Melodie. Wir haben schon oft darauf hingewiesen, daß man sich in diesem Lager nicht ganz richtige Vorstellungen von der Blockpolitik macht. Sie hat jedenfalls nicht den Zweck, den linksliberalen Duodez- größen den Steigbügel zu halten, auch hat fie Nicht den Zweck, allmählich den Liberalismus zur herrschenden Partei zu machen. Wer nicht freiwillig mithelfen will, dem Reiche die Mittel zu verschaffen, vorwärts zu kommen nach innen und außen, scheidet von selbst aus der Reihe der Blockparteien aus. Wer bei der Bewilligung nationaler Forderungen jedesmal fragt: was < gibst du mir dafür?, dürfte kaum auf die Dauer als zuverlässig im Sinne einer nationalen Blockpolitik gelten. Wenn der Linksliberalismus durch seinen Uebermut die jetzt bestehende Mehrheit zum Scheitern bringt, so dürfte das auf die Stellung des Fürsten Bülow keinen Einfluß haben, und die Worte des Kaisers — mögen sie wirklich gesprochen oder blos erfunden sein — kennzeichnen die Lage richtig. Fürst Bülow hat gezeigt, daß er mit dem deutschen Volk eine Politik der nationalen Kraft im Innern und nach außen zu führen imstande ist, treten Interessen auf, die ihm die Fortführung dieser Politik unmöglich machen, für die er aber nicht verantwortlich gemacht werden kann, so wird das seine Stellung nicht erschüttern. Es würde auch, oa wir das System des Parlamentarismus und der Abhängigkeit der Minister von den Parteien nicht haben, höch'^ merkwürdig sein, wenn die politische Existenz des leitenden Ministers in diese Verwicklungen hineingezogen werden sollte.
Aus dem Kaiser-Manöver.
Kürzel (Lothringen), 8. Sept. Die in der allgemeinen Kriegslage genannten Armeen erreichten gestern beide die beabstchtigten Marschziele und setzten heute den Vormarsch fort, die rote Armee mit dem rechten Flügel auf Euichen- bach, die blaue mit dem linken Flügel auf Sargemünd. Dieser linke Flügel der blauen Armee wird durch die dritte bayerische Infanteriedivision gebildet. Das rote (16.) Armeekorps, das gestern Nachmittag nach einer Rast an der Nied seinen Marsch fortgesetzt hatte, war gestern Abend mit der 34. Division bis Falkenberg, mit der 33. bis Lübeln, mit der Kavallerie- divifion A bis Folschweiler gelangt. Das blaue (15.) Armeekorps stand abends mit der 30. Division bei Münster, mit der 31. bei Altweiler, mit der bayerischen Kavalleriedivision bei Albes- dorf. Heute beabsichtigte das rote (16.) Korps auf Eroß-Tänchen und Freibuß weiter zu marschieren, während Teile der Hauptreserve, Infanterie und Artillerie, in der Nacht von Metz nach Remilly und Brülingen befördert werden sollten. Das blaue (15.) Korps wollte heute mit Infanterie auf Hellimer und Kreuzhof, mit der bayerischen Kavalleriediviston auf Eroß-Tänchen vorgehen. Die dem 15. Korps unterstellte bayerische Kavalleriedivision wird von Generalleutnant v. Eelbsattel, die 3. bayerische Infanteriedivision von Generalleutnant Ritter von Lobenhoffer kommandiert.
U r v i l l e, 8. Sept. Der Kaiser begab sich heute früh von Bischdorf im Automobil nach der Höhe von Fremersdorf und beobachtete von dort die Entwickelung der beiden Armeen. Gegen Mittag stieg Ler Kaiser zu Pferde und ritt in das Gelände zwischen Hellimer und Freibuß, wo er den Angriff der 34. (roten) Division, welche durch die bayerische Besatzungsbrigade aus Metz verstärkt war, gegen die (40.) blaue Division, insbesondere auch der Attacke der bayrischen Kavalleriedivision, gegen den siegreich vorgehenden Flügel der 34. Division beiwohnte. Der Kaiser kehrte alsdann zu Pferde auf die Höhe nordwestlich von Fremersdorf zurück und verließ um 6 Uhr nachmittags, als der Kampf im wesentlichen entschieden war, im Automobil das Eesechtsfeld. Zu dieser Zeit war die rote Partei im Besitz der Höhen im Westen von Hellimer und Altrip, während die 30. Division auf dem Rückzüge in östlicher Richtung begriffen und die 31. Division infolgedessen nicht in der Lage war, ihre zeitweilig errungenen Erfolge gegen die 33. (rote) Division auszunutzen. Der Kaiser und Erzherzog Franz Ferdinand kehrten gegen 7 Uhr nach Urville zurück.
Kürzel, 8. Sept. Die besonderen Kriegslagen find nunmehr bekannt gegeben worden. Demnach hatte die blaue Armee am 6. Sept, die Nordvogesen erreicht. Das im Unterelsaß zusammengezogene Armeekorps stand bei Bischheim und Straßburg. Das Korps erhielt vom Oberkommando den Befehl, westlich der Saar porzugehen und zugleich die Armee gegen Unternehmungen von Metz her zu sichern. Die besondere Kriegslage für die rote Partei besagt: Der kommandierende General des 16. Armeekorps hat den Auftrag, sein Korps derart vorzuführen, daß es bei dem bevorstehenden Zusammenstoß gegen den linken Flügel der Armee eingesetzt werden kann. Am 7. September wurde ihm di« bisher al» Hauptreserve in Metz verwendete 34. Division unterstellt. Vom 7. abends ab trafen in Metz die zur Bildung einer neuen Hauptreserve bestimmten Truppen ein.
DMches Müh. >.
— Prinz Ernst August, der jüngste Sohn des Herzogs von Cumberland, der in bayerischen Heeresdiensten steht, hat sich, nach der „Voss. Z.", zu den Kaisermanövern begeben, wo er sich dem Kaiser vorstellen wird.
— Schwere Angriffe gegen den Grafen Po- sadowsky find auf dem Essener Baugewerksmeistertag von feiten des Architekten Nieß- Braunschweig gefallen. Dieser meinte: Graf Posadowsky war der schlimmste Gegner unseres Standes. Er hat verhindert, daß uns der Befähigungnachweis zuteil wurde, trotzdem der Reichstag ihn bereits beschlossen hatte. Er hat auf fehlerhafter Grundlage dem Reichstag Berechnungen vorgelegt, ohne fie vorher dem Reichsverstcherungsamte vorzulegen. Der frühere Präsident des Reichsverficherungsamtes, Gäbel, h a t u n s im Reichsversicherungsamte diese Mitteilung gemacht und gebeten, ihn in seiner Stellung zu schützen. Er sagte, er habe die Vorlage er st aus den Reichsdrucksachen kennen gelernt. Die Folge dieses Vorgehens des Grafen Posadowsky war, daß die Vorlage bei einer Besetzung des Reichstages mit 36 Abgeordneten durchgepeitscht wurde. Man darf gespannt sein, was zu dieser Angelegenheit weiter gesagt wird.
— Die Novelle zur Strafprozeßordnung ändert auch in verschiedenen Punkten die jetzi- g n Bestimmungen über die Vereidigung von Zeugen. In der Bezeichnung derjenigen Personen, die als Zeugen nach richterlichem Ermessen unvereidigt gelassen werden können, geht der Novelleentwurf erheblich über das gel
tende Recht hinaus. Nach diesem kann btt Richter aüf Grund seines Ermessens nur solch« Zeugen unvereidigt lassen, die als Angehörige des Verdächtigen das Zeugnis verweigern dürfen. Der Entwurf erweitert diese Befugnis nach zwei Richtungen. Er stellt den Angehörigen bei Verdächtigen die Angehörigen des Privatkläger» gleich und läßt das richterliche Ermessen allgemein über die Vereidigung hinsichtlich der Auskunft über solche Fragen entscheiden, deren Beantwortung dem Zeugen oder einem seiner Angehörigen die Gefahr strafgerichtlicher Verfolgung zuziehen oder zur Unehre gereiche» könnte. Der Privatkläger hat an dem Ausgange des Verfahrens ein so erhebliches Interesse, daß seine Angehörigen vielfach ebensowenig wie Angehörige de» Verdächtigen als unparteiische und sichere Zeugen gelten können. Es kommt hinzu, daß 3er Privatkläger unter gewissen Voraussetzungen infolge der Erhebung einer Widerklage zum Angeklagten werden kann. Diese Umstände haben in der Praxis al: einen Mißgriff empfinden lassen, daß das Gericht bei der Vereidigung der Angehörigen des Privatklägers nicht in gleicher Weise nach seinem Ermessen schalten kann wie bei der Vereidigung der Angehörigen des Verdächtigen. Auch bei der Auskunft auf Fragen, deren Beantwortung dem Zeugen oder einem sein r Angehörigen eine strafgerichtliche Verfolgung zuziehen oder zur Unehre gereichen könnte, liegt die Gefahr un- r-chtiger Bekundungen besonders nahe. Es dient der Verhütung von Meineiden und entspricht einer billigen Rücksicht auf die Zwangslage des Zeugen, wenn hier gleichfalls nach richterlichem Ermessen von der Vereidigung abgesehen werden darf. Die Vorschrift», nach der in allen Sachen, die in erster Instanz vc . de» Amtsgericyten zu verhandeln sind, die Vereidigung der Zeugen zu unterbleiben hat, soweit sie nicht vom Vorsitzenden für erforderlich erachtet oder vor dem Schlüsse der Beweisaufnahme von einem Mitglisde des Gerichts oder einem Pro- zeßbereiligten verlangt wird, greift auch in solchen Sachen Platz, in denen die Zuständigkeit des Amtsgerichts dadurch begründet worden ist, daß der Staatsanwalt auf Grund des § 222 der Novelle zum Eerichtsverfassungsgesetze die Anklage bei dem Amtsgericht erhebt. Mit Rücksicht auf die Erweiterung des Kreises der Sachen, iir denen dem Staatsanwälte diese Befugnis eingeräumt wird, ist die Vorschrift von erheblicher Tragweite. Im übrigen gilt sie, wie die Fassung ergibt, nicht nur für das Verfahren in erster Instanz, sondern auch für die Verhandlung vor dem Berufsgerichte. Der Verminderung der Eidesleistungen soll auch die Dor-
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Getrennte Welten.
Roman von Clarissa Lohde.
(Fortsetzung.)
Warum, hielt man ihm entgegen, gehe er denn nicht mit gutem Beispiel voran, warum sei er, der Zweiunddreißigjährige, noch immer unvermählt? Wahrscheinlich habe er doch auch gesucht und nicht gefunden? Solange seine Mutter lebte, war es ihm beinahe als ein Anrecht erschienen, ihr, die alles für ihn geopfert, nicht die ganze Wärme und Neigung feines Herzens zu weihen. Und nun? Weyn einer, so fühlte er sich jetzt im Herzen vereinsamt, suchte er nach Verständnis und Liebe. Würde er sic finden, die hingebende, treue Gefährtin, die er suchte? Unwillkürlich tauchte das Bild der reizenden Ellen Hiller vor seinem Geiste auf. Seit er Lehrer der Söhne des Kommerzienrats Winter geworden war, hatte er viel freundliches von dieser Familie, namentlich aber auch von Eilen und deren Eltern erfahren. Bankier Hiller, der Vater von Frau Winter und Ellen, zählte zu den reichsten Männern der Finanzwelt in Berlin Der schönen, noch unvermählten Tochter fehlte es daher nicht an Bewerbern. Sie aber zeichnete ihn vor allen anderen aus. Freilich, dem Ideal, das er im Herzen trug, entsprach sie kaum. Aber wenn sie ihn liebte, wirklich liebte, glich das nicht die kleinen Schatten aus, die ihr reizendes Bild verdunkelten? Ist doch die Liebe die beste Lehrmeisterin) und sie war noch jung, noch bildungsfähig. Er konnte sie noch formen »ach seinen Wünschen. Ja, wenn sie ihn liebte? Darüber war er jedoch noch keineswegs im Klaren. Daß sie nicht ganz ohne Koketterie sei, gestand er sich ein, gleichwohl fühlte er sich stets tzanz hingenommen von ihrer Nähe. Wie an- !gehend sie zu plaudern wußte, wie sie sich be- trebte, auf seine Gedanken einzugehen, ihn zu Perstehen! Ihre reizende kleine Person hatte sich )chon einen Platz in seinem Leven erobert, einen
io großen Platz, daß er selbst den ihm wenig sympathischen Ton im Hause ihrer Eltern übersah und sich von der gönnerhaft protzigen Weise, in der sich besonders Hiller ihm gegenüber oft gefiel, nicht zurückschrecken ließ. Doch hielt ihn, i.i,' sie zu erwerben, auch noch ein anderes Bedenken zurück, der Reichtum ihrer Eltern, die Acppigkeit, in der sie aufgewachsen war. Ellen galt allgemein für eine elegante Weltdame. Sie liebte den Sport, war eine ausgezeichnete Reiterin, eine Meisterin im Lawn-Tennisspiel. Paßte das alles zu dem schlichten Beruf eines Gymnasiallehrers? War er ehrlich, so mußte er fick diese Frage mit einem chf (Siebenen „Rein" beantworten. Wie oft hatte er sich vorgenommcn, si. zu meiden, der Gefahr aus dem Wege zu gehen. Sobald er aber wieder in ihre Nähe kam, vergaß er alles, ließ sich immer aufs neue von dem Zauber, den sie auf ihn ausübte, umweben.
Es war der Abend, an dem in Frauenstein dis Beisetzung des Barons erfolgt war. Bruno batte, wie jetzt, fast täglich eine Einladung emp- fcngen, im schattigen Garten der kommcrzien- rätlichen Villa den Tee zu nehmen. Nach der Uhr lebend, die bereits auf die siebente Stunde zeigte, legte er die fleißige Feder nieder und erhob sich von seinem Schreibtisch, um sich besuchsmäßig anzukleiden. Da hörte er an seiner Korridortüre schellen. Die Portiersfrau, die ihn bediente, öffnete, eine Männerstimme wurde hörbar. Bruno ging dem späten East, in dem er einen seiner Kollegen vermutete, einige Schritte entgegen. blieb aber überrascht stehen, als er in das Antlitz des ihm fast fremden Justizrats Eberhard blickte. Er erinnerte sich zwar sofort, daß er ihn am Teetisch der liebenswürdigen Rätin Arnold gelehen hatte; was aber führte den fremden, älteren Herrn noch so spät zu ihm?
„Sie gestatten, Herr Doktor," redete der Justizrat ihn mit der gewohnten Sicherheit an, die sofort auf das Ziel lossteuert, „daß ich Ihre kostbare Zeit für einige Augenblicke in einer geschäftlichen Angelegenheit i» Anspruch nehme.
Ich werde Sie durchaus nicht lange aufhalten, fürchten Sie das nicht, nur eine kurze Benachrichtigung."
Und schon hatte er die in das Vorzimmer führende Tür fest hinter sich zugezogen und saß dem ihn artig auf einen Stuhl nötigenden Bruno gegenüber.
„Das Schriftstück, das ich die Ehre habe. Ihnen zu überreichen, hätte ich auch durch einen Boten senden können," er legte bei diesen Worten ein amtlich gefaltetes Schreiben auf den Tisch; „aber ich glaubte, in Ihrem Interesse zu handeln, wenn ich es persönlich überbrachte. Ich erlaube mir nämlich, mich Ihnen als Testamentsvollstrecker des heute zur letzten Ruhestatt ge- leiteten Barons von Rothenfels vorzustellen."
Bruno wechselte die Farbe. Hatte er doch schon jeden Gedanken daran, daß der Heimgegangene seiner gedacht, aufgegeben. Und nun doch! Der Mutter Brief hatte also dennoch gewirkt!
„Sie haben mir von dem verstorbenen Baron von Rothenfels etwas mitzuteilen?" fragte er, während sein Blick unwilliürlich das Bild der ! Mutter streifte. Auch des Justizrats Augen hatten sich auf dieses Bild geheftet. I
„Man muß gestehen, der Verewigte ist ein i Kenner weiblicher Schönheit und Anmut ge- i weien. Ihre Frau Mutter jedenfalls?" ;
Bruno zog ein wenig die Stirn kraus. Ihm gefiel die leichte Art nicht, mit der der Justizrat dieses ihm so schmerzliche Thema berührte.
„Meine Mutter, ja!" entgegnete er kühl, „die Baronin von Rothenfels."
„Ganz recht," fiel ihm der Justizrat ins Wort, ohne sich durch die deutliche Abwehr Brunos aus der Fassung bringen zu lassen. „Ich vermute, daß Ihnen Ihre Frau Mutter mitgeteilt, wie der verstorbene Baron in der Zeft des Sturmes und Dranges an ihr gesündigt hat, und an Ihnen, Herr Baron."
Zum erstenmal wurde Bruno mit diesem Titel angeredet. Er machte eine abwehrende Bewegung mit bet Hand. „Ich habe nicht bi«
Absicht, den Namen meiner Mutter, den ich bi» jetzt geführt, abzuleaen, Herr Justizrat."
„Das, mein Verehrtester, würde jedoch durchaus nicht den Intentionen Ihres verstorbenen Herrn Vaters entsprechen. Er hat mich kurz vor seinem Tode beauftragt. Ihnen sein Bedauern! über das auszusprechen, was geschehen ist, und was bei Lebzeiten zu ändern, ihm zu schwer, oder sagen wir. unmöglich war. Doch hat er danach getrachtet, im Tode gut zu machen, was er im Leben gefehlt. Ich habe die Ehre, Sie, Herr. Boron von Rothenscls, den erstgeborenen, ehelichen Sohn des verstorbenen Barons Georg von' Rothenfels nach dessen Villa zur Eröffnung besi mir von ihm cingchändigten Testaments einzuladen."
„Mich?" stieß Bruno heftig hervor, „in das Haus, das mir während des Lebens des Barons verschlossen war? Das ist ein eigentümliches: Ansinnen, Derr JustUrat."
„Dem ich Sie aber dennoch nachzukommen bitle, da d'cs des Barons ausdrücklicher ffiifle- war. Es sei denn, Sie wollien der Erbschaft entsagen."
„And wenn es so wäre? Wenn ich das n-ollte?"
..Verzeihen Sie, Herr Doktor, da Sie lieber mit diesem Titel, dem selbsterworbenen, genannt jein wollen, was ich begreife, wenn ich Ihnen eften sage, daß das nicht allein eine Torheit, sondern auch ein Unrecht märe; eine Torheit, die im Hochmut ihren Grund hat. Ja, ja, widersprechen Sie nicht. Sie wollen nicht von einem toten Vater annehmen, was der lebende Ihnen verweigerte. Indessen werden Sie mir als philo-. sophisch gebildeter Mann zugeben, daß Geld und! Gut von niemand gering geachtet werden darf. Wem also die Vorsehung die Gunst erweist, ihn. mit reichen Mitteln zu beschenken, der sollte die«! fes Geschenk annehmen, es sei denn, er wäre sich' bewußt, der Fähigkeit zu ermarrgeln, r.ne* richtigen Gebrauch davon zu machen."
. (Fortsetzung folgt.)