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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:ßiteram scher Auzergrr"»ßandrvirlschaftliche Beilage" undIllustriertes SomttagsblaE.

M 212

Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessische Bettung bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21. Der Bezugspreis beträgt durch die Poft 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Mittwoch, 9. September 1908.

Die Insertionsgebühr Betrögt für die 7gespaltene Zelle oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, Universitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. H itzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

43. Jahrg--

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 72.

3h der Regelung der Handelsbeziehungen Deutschlands zum Auslände

richt-die Entwicklung in neuerer Zeit überhaupt nicht. Vor dem 1. März 1906, dem Zeitpunkte Les Inkrafttretens des neuen deutschen Zoll­tarifs, wurde die Mehrzahl der jetzt gültigen Tarifverträge fertig gestellt. Danach aber find die verschiedensten anderen Handelsabkommen noch vereinbart und raktifiziert worden. So im Mai 1906 der Handelsvertrag mit Schweden. Er bildet insofern eine Ausnahme von den an­deren Verträgen, als er einen bestimmten Ab­lausszeitpunkt, den 31. Dezember 1910 enthält, Während sonst ein Zeitpunkt zwar auch für den Ablauf genannt, aber gleichzeitig hinzugefügt ist, daß, wenn in einer bestimmten Frist vor ihm nicht gekündigt wird, das Abkommen weiterläuft. Eine derartige Bestimmung ent­hält der nach dem 1. März 1906 zustande gekom­mene deutsch-schwedische Handelsvertrag nicht. Zm Jahre 1907 kam das neue deutsch-nordame­rikanische Handelsabkommen zustande. Auch dieses weicht bezüglich der Bestimmung über den Ablauf von der üblichen Norm ab. Es war auf ein Jahr und zwar vom 1. Juli 1907 bis dahin 1908 abgeschlossen, es ist aber bestimmt, Latz es, wenn nicht ein halbes Jahr vor dem letzteren Termin gekündigt würde, was zutraf, Weiterläuft und immer noch ein halbes Jahr nach etwa erfolgter Kündigung in Kraft bleibt. In der letzten Reichstagstagung ist bekanntlich der deutsch-montenegrinische Vertrag zustande gebracht. Wenn er auch von keiner wesentlichen materiellen Bedeutung ist, so hat er doch be­wirkt, daß die Beschäftigung des Reichstags mit handelspolitischen Fragen keine Unterbrechung erfuhr. Im nächsten Tagungsabschnitt wird das such nicht der Fall sein. Der mit Bolivien ab­geschlossene Meistbegünstigungsvertrag wird vor­gelegt werden müssen. Er wird voraussichtlich ohne weitere Schwierigkeiten genehmigt werden, weil es durchaus von Deutschland von Wert ist, zu möglichst vielen Staaten in geregelte Han­delsbeziehungen zu treten. Von der Wiederauf­nahme der deutsch-dänischen Handelsvertrags- Verhandlungen verlautet nichts wieder, Man wird sich wohl damit vertraut machen können, daß" ein solcher Vertrag den Reichstag nicht dem­nächst beschäftigen wird. Aber auch die danach folgenden Reichstagstagungen werden handels­politische Gegenstände zur Behandlung vor­finden. In der Tagung von 1909/10 müßte Vorsorge für die Weiterregelung der Handels­beziehungen zu England getroffen werden. Hier ist bekanntlich der Verkehr zwischen den beiden Reichen so geregelt, dah der Bundesrat durch Gesetz beauftragt ist, bis zu einem bestimmten Zeitpunkte den Provenienzen Englands und seiner Kolonien das Meistbegünstigungsrecht 311 gewähren. Tatsächlich hat von dieser Vollmacht der Bundesrat auch, abgesehen von Kanada, Gebrauch gemacht. Diese Befugnis steht dem

14 iV'nLLruck rctholin.)

Getrennte Welten.

Roman von Clarissa Lohde.

(Fortsetzung.)

Nun war sie hinüber die arme Dulderin! Er aber hatte noch keinen Schritt getan, sich das Liecht, das man ihm nicht gutwillig geben wollte, zu erkämpfen. Sein Mannesstolz bäumte sich dagegen auf, sich in eine Familie zu drängen, die ihn voraussichtlich nie als ebenbürtig aner­kennen würde. Er war unter dem schlichten bürgerlichen Namen Müller ein geachteter Mann geworden, als Dichter hatte er sich den ihm gebührenden Namen Nothenfels beigelegt. Errang er Ruhm damit, nun, dann konnte er ja eines Tages vor den stolzen Vater, vor die ari­stokratischen Geschwister hintreten und sagen: »Seht, ich bin Eurer nicht unwert und habe den Namen, den wir gemeinsam tragen, mit Lor­beeren geschmückt."

Ja, wenn diese Zeit gekommen wäre. Aber ster Lorbeer für den Dichter pflückt sich nicht so Seicht. Dazu gehören Jahre voll Arbeit, voll meisten Mühens, und ob er überhaupt je würdig ein würde, ihn zu empfangen? Noch fühlte er 'chmerzlich, wie weit entfernt er von dem hohen ßieie sei, das vor ihm schwebte.

Es waren Tage voll innerer Kämpfe für ihn ^wesen, als er von der schweren Erkrankung des wrons gehört hatte. Sollte er der verstorbenen

Bundesrat aber auf Grund des erwähnten Ge­setzes nur bis zum 31. Dezember 1909 zu. Von da ab muß eins Neuregelung eintreten. Wie immer fie auefällt, daß sie den Reichstag be­schäftigen wird, ist sicher. Die darauf folgende Reichstagstagung wird sich mit den deutsch­schwedischen Handelsbeziehungen beschäftigen. Wie schon erwähnt, ist der Ablaufstermin für den jetzigen Vertrag der 31. Dezember 1910. Ob es zu einer Verlängerung des jetzigen, ob *$ zum Abschluß eines neuen Vertrages kommen, ob ein vertragloser Zustand eintreten wird, das ist na­türlich jetzt nicht vorauszusehen. Man kann sich aber vorstellen, daß der Reichstag sich auf jeden Fall mit der Gestaltung der deutsch-schwedischen Handelsbeziehungen befasien wird, gleichgiltig, ob der Erörterung eine Vorlage zugrunde lie­gen wird oder nicht. So ist jetzt bereits aus eine lange Zeit vorauszusehen, daß der Reichstag sich immer von neuem mit handelspolitischen An­gelegenheiten befasien wird. Cs ist auch durch­aus zu wünschen, daß versucht wird, die Handels­beziehungen zum Auslands immer weiter zu ordnen. Nur muß die Ordnung auch zum Vor­teile für Deutschland ausschlagen.

Vom Kaisermanöver.

St. Johann-Saarbrücken, 7. Sept. Außer den bereits bei den Paraden in Metz und Straßburg genannten hohen Offizieren nehmen noch an den Manövern teil und sind hier ein­getroffen: der Chef des Generalstabes der bay­rischen Armee Generalleutnant Fasbender, der großbritannische Brigadier - General Stuart- Wortley, der amerikanische Generalmajor Wood, die vier Herren der brasilianischen Delegation, der schweizerische Divisionär Sprecher von Bernegg, der schweizerische Major Crescol«, der Kommandeur der Luftschifferabteilung Major Groß, ferner die Militärattachees Oberst Wisser- Amerika, Major Toranzo-Argentinien, Major Ostornol-Ehile, Oberst Trench-Eroßbritannien, Oberst Pamanashi-Japan, Oberst Montuori- Jtalien, Oberstleutnant Klepsch-Kloth von Ro­den-Oesterreich und Generalmajor von Tati- scheff-Rußland.

Prinz Leopold von Preußen ist heute nach­mittag um 5 Uhr 50 Min. zur Teilnahme an den Kaisermanövern hier eingetroffen. Um 6 Uhr 30 Min. traf der Großherzog von Baden mit Gefolge hier ein, im gleichen Zuge der Herzog von Sachsen-Koburg und Gotha, eben­falls nebst Gefolge. Die Herrschaften begaben sich in Begleitung ihres Ehrendienstes zu den Quartieren.

Der Kronprinz traf heute nachmittag 4 Uhr 15 Min. im Automobil von Dillingen zur Teil­nahme am Kaisermanöver hier ein und fuhr, von dem zahlreichen Publikum, welches die ge­schmückten Straßen füllte, lebhaft begrüßt, zu seinem Standquartier. In der Begleitung des Kronprinzen befinden sich Hofmarschall Graf von Bismarck-Bohlen und die Adjutanten Oberst­leutnant v. Oppen und Rittmeister Frhr. von Düngern.

Kürzel, 7. Sept. Beide Parteien haben den Vormarsch angetreten. Das Wetter ist

Mutter Wunsch erfüllen und sich ihm zu nahen versuchen? Aber zu welchem Zweck? Konnte der Baron, der so lange kein Verlangen gezeigt hatte, ihn zu sehen, jetzt ihn herbeiwünschen, da. die Kinder seiner ebenbürtigen Ehe sein Lager umstanden? Und wenn er ihn wünschte, wäre es ja ein leichtes für ihn, ihm ein Zeichen zu geben, da die Mutter, wie sie ihm mitgeteilt, dem Baron alle nötigen Angaben über ihn und seinen Wohnort gemacht hatte. Meldete er sich aber unaufgefordert, wie leicht konnte man ihm d.i eigensüchtige Zwecke unterlegen, daß er nicht den Vater zu sehen, sondern sich sein Erbteil zu sichern begehre. Nein, so klein sollte die stolze Familie, deren Blut ja auch in seinen Adern floß, nicht von ihm denken. Was der Vater ihm nicht freiwillig gewährte, das wollte er sich nicht erzwi:gen. Selbst die jährliche Rente, die der Mutier gezahlt worden war, war er entschlossen, zurückzuweisen, wenn ihm nicht zugleich das Vaterhaus geöffnet wurde. Was er besaß, hatte er sich erworben, und das ist auch ein stolzes Ge­fühl, das man nicht so leicht aufgibt.

Da drang die Kunde von dem Tode des Ba­rons zu ihm. Das Schicksal hatte entschieden, jetzt war jeder Kampf beendet. Hatte er sich gescheut, dem Vater mit seinen Ansprüchen entgegen zu treten, so noch^ vielmehr den Kindern desselben, die nichts von ihm wußten und ihn daher nur mit feindlichen Augen betrachten konnten, wenn er sich anschicken sollte, ihr Erbe zu verringern. Und ohne Prozeß würde es sicher nicht abgehen.

schön und sehr warm. Die Manöverleitung mit dem General der Infanterie v. Moltke an der Spitze liegt in Kürzel, ebenso der Kriegsminister v. Einem mit seinem Stab. Oberster Schieds­richter ist der Kaiser. Oberschiedsrichter find General der Artillerie v. Dulitz, General der Kavallerie v. Kleist, General der Kavallerie v. Pfuel und General der Infanterie v. Beseler; Schiedsrichter sind der bayrische Generalleut­nant Gras Eckbrecht von Dürckheim, General­leutnant v. Deines, der württembergische Gene­ralleutnant Frhr. v. Starkloff, die General­majore Kettembeil, v. Euendell, v. Stangen, Matthias und v. Steuben, sowie die Obersten Stein und Wandel.

Urville, 7. Sept. Der Kaiser, Prinz August Wilhelm, der Fürst zu Fürstenberg und das Gefolge sind mit dem Automobil um 12 Uhr 30 Min. auf Schloß Urville eingetroffen. Das Dorf Kürzel legte Flaggenschmuck an. Die Ein­wohner begrüßten den Kaiser herzlich. Die Fahrt des Kaisers ging heute morgen von Straßburg über Zabern-Finstingen-Eroßtäuchen. Hierbei überholte der Kaiser zunächst bei Saar­burg die 30. Devision und die bayrische Divi­sion, beide zur blauen Partei (15. Korps) ge­hörend, und begegnete später der aus Metz aus­marschierten 34. Division von der roten Partei (16. Armeekorps). Mit dem Kaiser hat in Ur­ville das Hauptquartier Wohnung genommen. Hierzu find außer den früher genannten Herren getreten Eeneraloberarzt Dr. v. Jlberg, der Flügeladjutant Kapitän zur See v. Rebeur- Paschwitz und der Ordonnanzoffizier des Kai­sers bayr. Oberleutnant Frhr. v. Thüngen. Nachmittags 5 Uhr 50 Min. traf auf Bahnhof Kürzel Erzherzog Franz Ferdinand von Oester- reich-Efte mit Gefolge, Kammervorstehcr Frhr. von Rumerskirch, Major Brosch Edler von Aarenau und Hauptmann Graf Gudehus, ein. Zum Empfang hatten sich eingefunden der Kai­ser, der die Uniform eines österreichischen Ge­nerals trug, Prinz August Wilhelm, der Fürst zu Fürstenberg und das Gefolge. Nach herz­licher Begrüßung schritt der Kaiser die Front der vom lothringischen Infanterie-Regiment Nr. 135 gestellten Ehrenkompagnie mit seinem hohen Gaste ab, der die Uniform seines preu­ßischen Ulanenregiments trug, und nahm den Vorbeimarsch ab. Darauf begaben sich die Herr­schaften im Automobil nach Schloß Urville, wo der Erzherzog Wohnung nahm. Zum Ehren­dienst beim Erzherzog sind befohlen General der Kavallerie v. Deines und Rittmeister Graf von Kageneck, der Militärattachee in Wien, der ebenfalls zum Empfange anwesend war.

lieber Deutschlands Initiative in der Marokkosrage hat sich die Erregung in den diplo­matischen Kreisen allmählich gelegt. Der Lon­donerStandard" meint: Wenn Frankreich sich beklage, hätte Berlin keinen Grund, auf die französische Parteinahme im Kampfe zwischen den beiden Sultanen und die zögernde An­erkennung der Niederlage Abdul Afis' hinzu­weisen. Am besten wäre es, diese gegenseitigen

Dann aber mußte die ganze traurige Vergan­genheit wieder aufgewühlt werden, eine Ver­gangenheit, die schon von zwei Gräbern gedeckt war. Nein, nein, es war bester, er sah in jedem Schritt von dieser Angelegenheit ab.

Mit erneutem Eifer stürzte er sich in die Ar- bei. Sie sollte ihm über alle Zweifel, die seine Seele beunruhigten, hinweghelfen. Er schrieb an einem Drama, das die alle Gemüter be­wegende soziale Frage behandelte, deren Lösung er allein für möglich hielt, wenn Religion und Sitte wieder in das Herz des Volkes einzögen und die bösen Dämonen der Genußsucht und des Unglaubens besiegten. Seinem Helden, der im Kampfe für feine Ueberzeugung Glück und Leben einsetzte, hatte er ein Weib an die Seite gestellt voll Mut und Begeisterung, das ihm Stütze und Helferin wird und durch hingebende treue Liebe ihm die dunkelsten Leidenswege verklärt. Das war das Ideal des Weibes, wie er es im Herzen trug, das er in dieser Gestalt schiwerte, im grel­len Gegensatz zu der Anschauung vieler moderner Dichter, die auf einer Seite für die Emanzipa­tion der Frauen eintreten, auf der anderen Seite sie aber zum Spielball der Leidenschaften des Mannes, der eigenen Leidenschaften herab­würdigen. Als Verderberin des Mannes, die ihn dämonisch in den Sumpf Hinabziehende, so wird die Frau am Ende des 19. Jahrhunderts den nachfolgenden Geschlechtern erscheinen, wenn fie sie nach den Erzeugnisten der neaen Literatur beurteilen sollte.

Beschwerden als ausgeglichen anzusehen und sich mit Tatsachen von Belang zu beschäftigen Träte nichts besonders Neues ein, würden di» Mächte Mulay Hafid demnächst anerkennen. Er müste indes Bürgschaften für das Festhalten an' den Bedingungen bieten, die Abdul Afis min­destens zu erfüllen versucht hat; fein Versprecheu- genüge nicht. Im übrigen könne Frankreich es sich nicht einfallen lasten, Deutschland aus feiner Stellung in Marokko herauszudrängen. Eins Anzettelung gegen Deutschland würde gleich»: zeitig eine Anzettelung gegen andere Staaten, ja selbst gegen England bedeuten, denn aller Rechte fußten auf derselben Grundlage. Ebenso undenkbar sei es, daß Berlin Frankreichs Aus­schluß anstrebe. Irgend eine Macht, die ver­suchte, die. mauriscken Häfen zu beherrschen, würde einem überwältigenden Zusammenschluß der andern Mächte gegenüberstehen. Eine schöne Illustration zu der Behauptung, in dem Streit zwischen Abdul Afis und Mulay Hasid nicht Partei ergriffen zu haben, bringt der Be­richt des englischen Leibarztes Abdul Afis' über dessen letzte Niederlage. Dr. Verdous schreibt da wörtlich:Die Artillerie des Sultans stand unter dem Kommando französischer Offiziere und eröffnete auf 3- bis 4000 Meter das Feuer. In Frankreich ist man angesichts der Ma­növer in Elsaß-Lothringen etwas zurückhaltend geworden. Die Berichte, die Pariser Blätter darüber bringen, heben mit einem wehmütigen Seitenblick auf die eignen Zustände die ausge­zeichnete Disziplin und Haltung unserer Trup­pen hervor. Ein Berichterstatter meßet einem Blatte sogar:Heber dem Schauspiel, das ich soeben gesehen habe, liegt eine Atmosphäre von Disziplin, Methode, Organisationsgeist, ver­bunden mit einer Liebe für militärische Dinge, die bis zu religiöser Verehrung getrieben ist. Da haben wir wah hastig, und zwar nicht in Gestalt einer abstrakten Utopie, sondern in Fleisch und Blut verkörpert, bte lebendige Syn­these derNation in Waffen" vor Augen."

* Die interparlamentarische Konferenz, welche vom 16.20. September in Berlin stattfindet und zu der nahe an 1000 Parlamentarier aller Länder hier erwartet werden, rttrb zumeist mit der internationalen Friedensbewegung verwech­selt, welche Abrüstung, Weltfrieden usw. an strebt. Die Interparlamentarische Union will auch ihrerseits dem Frieden dienen, aber auf anderem Wege. Sie will die gesetzgebenden Körperschaften der Nationen einander näher bringen und den Gedankenaustausch über Fra­gen des internationalen Völkerrechts herbei- führen. Das Hauptziel der Union ist die An­bahnung von Schiedsgerichten bei bestimmten internationalen Streitigkeiten. Das entspricht auch den Zielen der deutschen Politik und des­halb sind der deutschen Gruppe dieser Union auch zahlreiche Abgeordnete be'getreten, welche sich an den allgemeinen Abrüstungs- und Friedens­bestrebungen nicht beteiligen würden. Die Kon­ferenz unterteilet sich dadurch von sonstigen Kongresten, daß sich nur Mitglieder Ser parla­mentarischen Gruppen an ihr beteiligen tönten.

Die Heidelberger Sedanfeier will noch nicht zur Ruhe kommen. Der Hewelberger Stadt-

Bruno hatte sich ein anderes Bild von ihr bewahrt. Wer eine Mutter gehabt wie er, eine Mutter, die voll selbstloser Hingebung ihr ganze» Leben nur ihm geweiht, wie sollte der nicht hoch von der Frau denken. Ihm war fie noch der Typus höchster Reinheit, die den Mann durch ihre Liebe erhebt, die Hüterin der heilgen Flamme am häuslichen Herde, an dem der drau­ßen mit den dunklen Gewalten des Leben» Kämpfende den Frieden sucht und findet. Wie ost hat man ihm in Freundeskreisen entgegen­gehalten, daß die heutigen Frauen in Wahrheit diesem Ideal nur in Ausnahmefällen noch ent­sprächen, daß es ein Familienleben, wie er es sich träume, kaum mehr gebe. Die moderne Frau strebe ebenso wie der moderne Mann nach Frei­heit, die int Eheleben beiden Teilen verloren gehe. Er war anderer Ueberzeugung. Wo Liebe, wahre Liebe waltet, ist auch wahre Freiheit, Nur wo die Liebe fehlt, wird die Ehe zur Feste!. Waren die Arnolds trotz der Prüfung, die ihnen durch das langwährende Leiden der Hausfrau auferlegt worden war, nicht glücklich? Und welch eine sympathische Erscheinung war die Rätin wie liebenswürdig in ihrem stillen Dulden! Gewiß, es gibt eb!e Frauen, die wirklich die Krone des Mannes sind, natürlich wie oCe» Gute und Edle in der Welt nicht im Uebermaß. Sie laufen nicht auf den Gasten umher, sonder« müst-n gesucht werden. Freilich, mancher findet fie nie.

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