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; mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham

«ad de« Kriiage«: .Literarischer Arrzrigrr«Kaudwirtschaftliche D-ilage" ««dIllustrierte- Kmmtag-blatt«.

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Erstes Blatt.

Rückblick.

Zur sozialdemokratischen Bud- Getbewilligungsfrage ergreift auch der amtliche Parteitheorettker Karl Kautsky in derNeuen Zeit" das Wort. Daß er ein Entschiedener Gegner der Budgetbewilligung ist, wußte man und daß er mit solchen Partei­genossen, die nicht unbedingt seine Meinung als Dogma anerkennen, übel umspringt, haben alle bisherigen Erfahrungen gelehrt. Kautsky faßt deshalb auch die Budgetbewil- ligung durch die süddeutschenEnossen" als eine Demonstration gegen die Politik der ge­samten deutschen Sozialdemokratie auf, deren moralischer Erfolg nur den Gegnern der Sozial­demokratie zugute komme, die aber den Keim zu Zwist und Desorganisation in die Partei werfe.

Kautsky nimmt einen durchaus folgerichtigen Standpunkt ein, wenn er sich dahin ausspricht, die sozialdemokratische Partei dürfe keine posi­tive Politik treiben, da ja alles, was die gegen­wärtige Gesellschaft bewillige, auch wenn die be­willigten Maßnahmen von der Sozialdemokratie vorgeschlagcn seien, nur Danaergeschenke dar- stelltcn. In der Tat darf die Sozialdemokratie, wenn sie ihrewissenschaftliche" Grundlage nicht aufgeben will, bei ihrem Anhang gar nicht den Gedanken aufkommen lassen, der Eegenwarts- staat sei willens und befähigt, die Lage des Proletariats" zu verbessern. Dann würde die Theorie vom Klassenstaat unhaltbar werden. Darum wird vomwissenschaftlich" sozialdemo­kratischen Standpunkt sich auch nichts dagegen einwenden lassen, wenn Kautsky schließlich schreibt:

Nicht im Kleinbürgertum, auch nicht im kleinbürgerlich fühlenden Proletariat ruht die Wurzel unserer Kraft und auch unserer Wahl­erfolge, sondern int klaffenbewußten, kämpfenden Proletariat, seiner Begeisterung, seiner Hin­gabe für unsere Sache. Das Klassenbewußtsein aber ebenso wie die Begeisterung werden nicht geweckt, sondern gelähmt durch eine Politik des Anerkennens der Arbeiterfreundlichkeit unserer Gegner, die im Anerkennen des Budgets ausge­drückt wird. Und darum weg mit jeder Bewil­ligung eines Budgets, das nicht das Budget einer sozialdemokratischen Mehrheit ist."

An diesem Standpunkte wird die Sozial­demokratie im eigenen Jntereffe offiziell fest­halten muffen,' aber sie wird unbeschadet ihrer Grundsätze" und zugunsten einer erfolgreichen Propaganda auch das tolerari posse zu üben wissen. Bei den Wahlen werden ja ohnehin die sozialdemokratischenGrundsätze" wohlverborgen beiseite gelassen. Wo blieben auch die Mitläufer, wenn die Sozialdemokratie über ihre Ziele die Wahrheit sagen wollte.

Im A u s l a n d e hat man von der Saure­gurkenzeit diesmal auch nicht diel gemerkt.

In der Türkei nimmt die weitere Ent­wickelung einen ruhigen Verlauf. Bemerkens­wert ist, daß jetzt auch in den mehr arabischen Landesteilen dei Verfaffung bekannt und mit großem Jubel ausgenommen worden ist, wäh­rend man befürchtete, daß sie dort zu feindseli­gen Kuittigebungen der der Türkei nicht beson­ders freundlich gesinnten Araber führen würde. Anlaß gab die feierliche Einweihung derheili­gen" Hedschasbahn in Medina am Tage der Thronbesteigung des Sultans, die auch wiederum einen Ehrentag für uns Deutsche bedeutete. Ist doch der Erbauer der Bahn, Meißner-Pascha, der sich nicht nur als ein großer Techniker, sondern auch »fe hervorragender Verwaltungsbeamter gezeigt hat, der es verstand, die großen Arbeiter- maffen in Ordnung zu halten, ein Deutscher. Gleichzeitig wurde General Kiazim-Pascha, der unseren Landsmann tatkräftig unterstützt hat, zum Gouverneur des Hedschas ernannt und vom Volke freudigst begrüßt.

Besonders lebhaft aber ging es in der M a - rokkofrage zu. Die vergangene Woche hat gezeigt, daß die Leitung unserer auswärtigen Politik in der marokkanischen Frage die in der Diplomatie so wertvolle Energie der Geduld be­wiesen und den am besten paffenden Zeitpunkt abgewartet hat, da sie selbst die Initiative er­greifen konnte. Während alle Welt noch mit einer gewißen Unentschlossenheit der durch den endgültigen Sieg Mulay Hafids über Abdul Afis neuen und geklärten Lage in Marokko ge- genüberstand, hat Deutschland nach vorauf­gegangenem Vortrage unseres Gesandten Dr. Rosen in Marokko beim Reichskanzler in Nor­derney die umgehende Anerkennung des neuen Sultans bei den Mächten im Jntereffe der end­lichen Beruhigung Marokkos angeregt und die erforderlichen Schritte unternommen, auch Mu­lay Hafid von dieser Absicht in Kenntis zu setzen. Natürlich hat dieser energische und anerkennens­werte Schritt in Frankreich und England großes Aufsehen erregt. Enthält er doch eine nachdrück­liche Aufforderung an die französische Adresse, die eigenartige Sonderpolitik aufzugeben und die Ordnung der marokkanischen Verhältniffe der Gesamtheit der Unterzeichner der Algecirasakte zu überlassen.

Von besonderer Bedeutung war nach dieser Kundgebung, daß tags zuvor unser Kaiser in Straßburg eine Friedensrede gehalten hatte, in der er zwar betonte, daß der Ausbau unserer Wehrmacht sich lediglich nach unseren Bedürf­nissen zu richten habe und daß er nicht als Drohung gegen irgend eine Macht ausgefaßt werden könnte.

Inzwischen hat Abdul Asis die einzig rich­tige Folgerung aus der ganzen Entwicklung ge­zogen und zugunsten seines Bruders auf den Thron verzichtet. Die endliche Beruhigung des Landes hängt jetzt lediglich noch von der Hal­tung Frankreichs und des in seinem Schlepptau befindlichen Spaniens ob; denen durch den deut­schen Vorschlag ja der am besten gangbare Weg zu diesem Ziele gezeigt ist. Sollten sie ihn nicht betreten, so wäre daurch bewiesen, daß ihnen an

der Beruhigung de» unabhängigen Marokko nichts gelegen ist, und die Folgerungen würden sich dann von selbst ergeben.

Ueber die letzten Ereigniffe in der Behand­lung der durch Deutschland angeregten Frage der Anerkennung Mulay Hafids wird noch ge­meldet:

Berlin, 4. Sept. Wie derL.-A." er­fährt, stattete der französische Botschaftsrat Graf Berckheim gestern nachmittag dem Unterstaats­sekretär Stemrich einen Besuch ab. Der Stand­punkt Frankreichs und. Spaniens ist nach der Unterredung der folgende: Wir sind der Mei­nung, daß die Anerkennung Mulay Hafids durch die Mächte erfolgen könne, nachdem er ihnen seine Thronbesteigung offiziell mitgeteilt, und alle von Abdul Asis übernommenen Verpflich­tungen in bestimmter und offizieller Form auch als für ihn bindend anerkannt hat.

Paris, 4. Sept.Matin" weiß über den Inhalt der französisch-spanischen Note zu be­richten, daß sie außer dem Hinweis auf die Not­wendigkeit der Anerkennug des Vertrages von Algeciras durch Mulay Hafid auch den enthält, daß letzterem auch die Verpflichtung aufzuerle­gen sei, für den Lebensunterhalt seines Bruders Abdul Asis in ange- meffener Weise zu sorgen.

Diese Forderung entspricht dem Versprechen, ihn nicht im Stich zu lassen, das, wie das Bulle­tin du Eomits du Maroc mitteilte, die fran­zösische Diplomatie in Rabat dem Abdul Asis gab, um ihn gegen seinen eignen Willen und den seiner Umgebung zu dem Zuge gegen Mar­rakesch zu bestimmen. Man könnte die Frage aufwerfen, meint dieKöln. Ztg." dazu, ob die Mächte diese Forderung, die einer persönlichen Verpflichtung Frankreichs entspricht, Mulay Ha­fid al völkerrechtliche Bedingung vorzulegen be­rechtigt sind. Doch dürften weder die Mächte noch auch Mulay Hafids Einwände gegen diese Forderung erheben, zumal da die Eigenschaft als Scherif, d. h. die Abstammung vom Pro­pheten, auch dem entthronten Abdul Asis bei den Marokkanern für die Zukunft noch eine ge­wiße Achtung seiner Person sichert. Weiterhin erklärt aber dann derMatin", selbstverständ­lich werde Frankreich außer der Note, welche die alle Nationen intereßierenden Bedingungen zu­sammenfaße, seinerseits noch Bedingungen be­sonderer Art über die Aktion Frankreichs im scherifischen Reiche aufstellen, Bedingungen, die natürlich zur Kenntnis der Kanzleien gebracht werden sollten. Soweit diese besonderen Bedin­gungen Frankreichs auf bestehenden Verträgen beruhen, wird sich auch dagegen nichts einwenden laßen. Schon auf der Konferenz von Algeciras nahm Frankreich aber den Standpunkt ein, daß die auf Grund von Sonderverträgen beruhenden Rechte Frankreichs nicht Gegenstand wei­terer internationaler Behandlung sein könnten, und die Mächte erkannten diesen Standpunkt an. Man kai.n daher erwarten, daß Frankreich auch in diesem Falle die internatio­nalle Anerkennung Mulay Hafids nicht mit

seinen Sonderforderungen »et* quicken wird.

DieKöln. Ztg." weist ferner in ihrer heu­tigen Nummer den Vorwurf zurück, als ob Deutschland mit seinem Vorschläge nicht gewar­tet hätte, bis Mulay Hafid selbst um seine An­erkennung nrchsuchte. Sie bringt ein Schreiben vom 25. Juli an die Vertreter der Mächte zum Abdruck, in dem derselbe um seine Anerkennung bittet und die A! gr < rirasakte rückhaltlos anerkennt« Wenn Deutschland glaubt, daß die Anerkennung jetzt das beste Mittel sei, um den unruhig 'n Zu­ständen in Marokko ein Ende zu bereiten, jo ist in keiner Weise abzusehen, was es hindern sollte, dahinzielende Vorschläge zu machen.

Zum Urteil über Herrn SchückiugS Schriftstellerei sei sei noch folgender intercßante Beitrag verzeichnet.

Der Oberbürgermeister von Hagen, der frei­sinnige Reichstagsabgeordnete Cuno spricht klar imPreußischen Verwaltungsblatte" aus, daß Schücking wegen der Tendenz seiner Schriften der Tüchtigkeit und Sachkunde der großen Mehr­zahl unserer Regierungsbeamten nicht gerecht geworden sei. Es ist gut, daß dieser Vorwurf der Tendenzschriftstellerei, die natürlich immer die objektive Wahrheit verletzt, von freisinniger Seite erhoben wird. Etwas schärfer drückt sich der Verwaltungsgerichtsdirektor Blümke aus, der nttfj denJtzehoeer Nachr." schreibt:

Dr. Schücking wurde vomBerliner Tage­blatt" behufs Empfehlung für die Reichstags« ersatzwahl im Wahlkreise Prenzlau-Angermünde alsein intereßanter und kenntnisreicher Poli­tiker" bezeichnet. Daraufhin unterwarf ich da» bekannte Büchlein der Lupe einer allerdings de» Gegenstandes nur würdigen, flüchtigen Durch- sicht, mußte aber schon hierbei staunen, mit wel­cher Opferwilligkeit Gesetzeskunde sich breit machte. Einige Beispiele (wovon wir nur eine» anführen wollen).

Seite 37 heißt es vom Bezirksausschüße: * Während der Kreisausschuß die Aufsichts­behörde für Landgemeinden, das Verwal­tungsgericht erster Instanz und die Verwal­tungsbehörde des Kreises darstellt, hat bet Bezirksauschuß nur die beiden ersten Funk­tionen. Er ist also nicht Verwaltungsbe­hörde."

Nun bestimmt aber § 4 des Landesverwalt- ungsgefetzes:Zur Mitwirkung bei den Geschäf­ten der allgemeinen Landesverwaltung »ach näherer Vorschrift dieses Gesetzes besteht für beit Regierungsbezirk am Amtssitze des Regierungs­präsidenten der Bezirksausschuß." Es i't da­her falsch, von einer Funktion des Bez-rtsaus» fchuffes als einer Aufsichtsbehörde überch- ipt zu sprechen, noch viel falscher, von einer A ufstcht der Bezirksausschüße über Landgemeinden bet Verfasser hat wohl an Stadtgemeindeu ge­dacht auszugehen. Andrerseits ist der Be, zirksausschuß allerdings nicht Verwaltungsbe­hörde in dem Sinne, wie es der Kreisav-s^uh nach § 130 der Kreisordnung zum Zwecke bet Verwaltung bet Angelegenheiten bet Kreise ist; jedoch ist er wiederum ein Organ bet atlgemei»

lieber feine Reise nach Konstantinopel berichtet ein junger Marburger, bet sich zur Zeit als stud. ing. dort aufhält, in einem Briefe an feine Eltern. Der Brief enthält, wie man siebt, interessante . Eindrücke der neuesten tür­kischen Ereignisse und wurde uns freundlichst zur Verfügung gestellt. Er berichtet:

Ar: Mittwoch Abend fuhr ich von Philippopcl weiter durch die weite von fernen Gebirgszügen begrenzte Maritzaebene; gegen Abend passierten wir die türkische Grenze und die sehr milde Paß- und Zollrevision und des Nachts fuhren mir weiter durch die orientalische Frage. Die Reisegesellschaft im Koupd bestand aus Fran­zosen, Griechen, Türken, Deutschen und spani­schen Mönchen. Die Fahrerei in Bulgarien war erträglich, in der Türkei wurde sie türkisch. Wenn die Station nur aus dem Stationshaus bestand, hielten wir ja nur 20 Minuten; waren noch ein paar Lehmlöcher in der Nähe, bann mußten wir des starken Verkehrs wegen V2 bis % Stunde aushalten. Die Stationen waren ja nicht zahlreich, aber zwischen den einzelnen Sta- tionen waren Ausweichestellen y2 Stunde Aufenthalt, Wasserstationen 10 Minuten Aufenthalt; alle Brücken waren in Reparatur jedes Mal anhalten und langsam fahren. End­lich kam das blaue Meer in Sicht, wir passierten türkische Vororte und Villenstädte, dann die alte Stadtmauer, und mit dreistündiger Verspätung kamen wir endlich in Konstantinopel an. Ein Lnglücksstern und ein Dragoman brachten mich

in ein französisches Hotel Hötel grande Bre­tagne. In Konstantinopel ist der Fremde voll- komen sicher, Raubanfälle, Diebstähle gibt es nicht, auch vor Taschendieben braucht man sich nicht in Acht zu nehmen, nur vor Dragomans und französischen Gastwirten hüte man sich! Ob Grieche, ob Franzos, Gauner sind sie durch die Bank. - Gottlob bin ich jetzt bei meinem zweiten Aufenthalt in Konstantinopel ich bin näm­lich inzwischen wieder von Brußa zurückgefahren in einem deutschen Hotel abgestiegen und hoffe diesmal nicht die doppelte Summe auf der Rechnung zu finden, als ich sie berechnet hatte. Dann machte ich meinen ersten Gang durch Kon­stantinopel, das Hotel liegt im europäischen Stadtviertel Pera, aber trotzdem in einer höchst interessanten Gegend. Etwas derartiges an Nationenwirrwarr kann man anders kaum sehen. Die Inschriften an den Läden sind fran­zösisch, deutsch, englisch, italienisch türkisch, grie­chisch, armenisch, hebräisch, manchmal alles zu­gleich. Aeußerlich laßen sich diese Nationen nicht scharf unterscheiden, nur die Ottomanen von den Westeuropäern durch den roten Fes mit schwarzer Quaste. Früher gab es Armenier, Griechen, Türken, jetzt nur noch Ottomanen depuis la libert^! Die Gebildeten und auch viele vom Volk tragen den Fes als einzigen Rest orientalischer Tracht, aber der Durchschnitts insbesondere die Straßenverkäufer tragen noch blaue Hosen, oben ungeheuer weit, unten ganz eng, Ledersandalen, ein breites buntes, meist rotes Tuch als Gürtel, buntes Hemds selten Weste, noch seltener Jacke, alles möglichst zerfetzt.

In langen Reihen sitzen sie beiderseits auf den Trottoiren mit Pfirsichen, Aepfeln, Birnen, Melonen, besonders Trauben und Haselnüßen, Süßigkeiten, Zigaretten, Feuerzeug usw., als Zeitungsverkäufer, Stiefelputzer und schreien sich die Kehlen in allen Tonarten heiser. Viele rot­weiße Schleifen und sonstige Abzeichen, das Abzeichen der Jungtürken viele Sultanbild­nisse werden verkauft. Diesmal ist es Ernst mit der Konstitution. Selbst wenn der Sultan wollte, zurück kann er nicht mehr. Rotweiße Schleifen, Schlipse, Fähnchen usw. sieht man überall, bei den jungen Offizieren fast durch­gehends. An der Grenze werden keine Bücher mehr visitiert, depuis la libertä, Zeitungen können frei verkauft werden, depuis la libertö. Muß der Paß visitiert werden? Nein, jetzt nicht mehr, depuis la libertö. Braucht man zu einer Reise durch die Provinzen von der Hauptstadt aus einen PeskarS (Paß) ? Nein, jetzt kann man im Lande frei reifen, depuis la libertä. Vor wenigen Wochen noch brandschatzte in Brußa ein türkischer Mali die reichen christlichen Familien in unglaublicher Weise. Jetzt ist ihm das Hand­werk gelegt depuis la libevtd! Täglich und stündlich kann man diesWort hören; es klingt wie ein endliches frohes Aufatmen aus langer Unter­drückung. Heute vor acht Tagen sah ich den Selamlik. Schon um Ml Uhr drängten sich große Menschenmaßen in den dem Publikum zu­gewiesenen Platz, und immer noch strömten neue Massen hinzu. Großer Beifall, als der Sultan in die Moschee fuhr, großer Jubel bei der Rück­kehr, dann zeigte sich der Sultan nochmals an

einem Fenster seines Palastes und nun er­reichten die Ovationen ihren Höhepunkt unb; dauerten noch lange an, als der Sultan f hont wieder zurückgetreten war. Es war ein intrr-, effantes Schauspiel, intereßant auch durch die. Menge Soldaten, die stets zu dieser Fner auf«' marschieren. Im übrigen wird das Leben und; Treiben in der Stadt dadurch nichr weiter be-, einflußt. Ueberhaupt mögen die Berichte rons Unruhen oft genug übertrieben werden. So; erfuhr ich gestern zu meinem großen Erstaunen»! daß in Brußa am Tage meiner Ankunft große! Unruhen gewesen sein sollten, sodaß von Kon­stantinopel Militär requiriert werden mußte. Ich hatte mit meinem Dragoman die ganzes Stadt durchspaziert, ohne irgend etwas Auffülli«. ges wahrzunehmen. Das Militär sah ich cin-s rücken, es war ein großes Fest für die Bruffaer und die Soldaten wurden mit Jubel empfangen» ---Von dem großen Brande habe ich nicht» gesehen, er brach am Tage meiner Abreise nach Brnssa aus. Aber heute durchwanderte ich die Brandstätte. Es ist ein kolossales Gebiet, viel größer als Marburg Altstadt von Reitgaße bis Fürstenhaus, vom Schloß bis zum Museum., Ueberall die traurigen Ruinen, der noch tau«: chende Schutt. Auf den Straßen und Plätzen s sind zahlreiche Zelte aufgeschlagen. Mitten durch, die Ruinen zieht sich ein mächtiger, altrömischets Aquädukt, hoch und massig, ihm haben die Flam­men nichts auhaben können.---

Fritz (5aeb»l ,