WchM Jettmg
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain >
imh de« Beilage«: ..Literarischer Ameiaer". „LlmdmirtschMiche Beilage" ««d „Illustriertes Kountagsblatt".
Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberheisrsche __ c\r\n Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in
Jwo Xlln Kirchhain und Wetter lowie bei unserer Expedition — Markt 21.
* — Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne
Bestellgeld), bet unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.
Marburg
Mittwoch, 2. September 1908.
Die InsertionSgebühr beträgt für die Toefpaltene Zeile oder deren Raum 15 Mennig, für Reklamen 80 Pfennig. — Druck und Verlag: Iah. Aug. Koch, UnioersitätSbuchdruckerei Inhaber Dr. T. H itzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 65.
43. Jahrg,
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 70.
Die neue Taktik der Franzosen in Marokko.
■ Man schreibt uns:
Das Lomirs du Maroc ist unermüdlich. Es hat sich nach der unerwarteten Niederlage seines 'Schiitzlings unerwartet schnell von seinem Schrecken erholt. Europa atmete schon auf und dachte, die marokkanische Angelegenheit gewinne nun mit der ganz natürlichen An- «rkennung des tatsächlichen Sultans Mulay Hafid ein friedliches Aussehen. Aber nein! Schon beginnt das alte Spiel. Neueste Nachrich- tc-n au>» Fez melden, Mulay Hafids Lage fei durch innere Schwierigkeiten sehr ernst. Abdul Asis sammle in Settat eine neue Mahalla, er fei keineswegs niedergeschlagen usw. Die Pariser Presie, in der die marokkanischen Interessenten den maßgebenden Einfluß zu haben scheinen, sekundiert eifrig. Da und dort.kommen auch offiziöse Stimmen, die ständig das Thema der Bedingungen variieren, unter denen Frankreich bereit sein würde, Mulay Hafid anzuerkennen. Auf diese Bedingungen wird sich in den nächsten Wochen das Interesse der europäischen Diplomatie zu konzentrieren haben. Frankreich will natürlich diese Bedingungen zu -eiten machen, die den neuen Sultan ebenso fest wie den alten an Frankreich fesieln und das arme Marokko unter der Last seiner Verpflichtungen erdrücken. Um das zu erreichen, inszeniert man einige Verzögerungen der Anerkennung, schwenkt vielleicht Abdul Asis, die tote Puppe, noch ein paarmal in der Luft, um die Unterhändler Frankreichs bei Mulay Hafid zu unterstützen. Da wird weiter behauptet, Mulay Hafid müsse nicht nur den Willen zeigen, sondern auch seine Macht, Ordnung zu schaffen, beweisen, ehe man ihn anerkennt. Man weiß ganz gut, daß er die Macht, überall Ordnung zu schaffen, nicht beweisen kann, ehe nicht die Franzosen. die Aufregung und Unruhe in das Land getragen haben, das Land wieder verlassen. Die schwierigsten Fragen werden wohl die Uebernahme der Schulden des Abdul Asis und die Kosten des Krieges, den Frankreich in Casablanca begonnen hat, sein. Die Franzosen wollen alles den Schultern Mulay Hafids aufladen. Sie wollen auf Marokko eine Schuldenlast häufen, unter der es zusammenbrechen muß. Das ist dann die Hypothek auf Marokko, von der Doumer in der Kammer gesprochen hat. Die Anerkennung dieser Schulden Marokkos an Frankreich durch Mulay Hafid würde das Land
Z iNnchdrnr? verboten.)
Getrennte Welten.
Roman von Clarifsa Lohde.
(Fortsetzung.)
Gräfin Asta von Alten war eine ebenso schöne und stolze Erscheinung als ihr Bruder. Ihre Züge hatten einen klassischen Schnitt. Sehr hellblond, von jener ins goldige schimmernden Farbe, die man früher die tizianische nannte, und die man jetzt mit so vieler Kunst nachzu- bildcn strebt, wo es die Natur versagt hat, befaß sie eine blendende Hautfarbe und blaue, etwas schmachtende Angen, ein reizend feines Näschen und stolz geschwungene Lippen, die gleich denen des verstorbenen Vaters ungemein anmutig zu lächeln und zu plaudern verstanden. In diesem Augenblick freilich waren die Lider vom Weinen gerötet. Auch sie hatte den Vater aufrichtig geliebt, der immer sehr gütig gegen sie gewesen und ihr stets voll ritterlicher Galanterie begegnet war, der erste und immer sich gleichbleibende Bewunderer ihrer Schönheit. Sie stand jetzt am Ende der Zwanziger, war aber, da sie sich mit achtzehn Jahren verheiratet hatte, schon Mutter von vier Kindern. Deshalb und wegen des aufregenden Gesellschaftslebens, das sie führte, machte sich ein etwas müder Zug auf ihrem Gesicht bemerkbar, der sie älter erscheinen ließ, als sie war. Mit Schrecken beobachtete sie täglich im Spiegel, daß ihre Wangen an Rundung, ihre Augen an Glanz zu verlieren begannen, daß ihr blondes, goldschimmerndes Haar dunkler und matter in der Farbe wurde. Beim Himmel, wenn das so fort ging, war sie ja bald eine alte Frau! Durch eine alljährliche Badereise zur Stärkung ihrer Nerven glaubte sie dieser Konsequenz zuvorkommen zu rönnen) aber alles vergeblich. Der Winter mit seinen Festen, seinen rauschenden Vergnügungen
aller seiner Einnahmen berauben und an Frankreich ausliefern. Da werden aber wohl auch noch andere etwas mitzureden haben. Wenn auch Europa schwerhörig ist für Ironien, wie für die, daß Mulay Hafid die Kosten eines Krieges zahlen soll, den Frankreich ungeachtet der Algecirasakte gegen ihn unternommen hat, so wird doch, glauben wir in diesem Falle, die deutsche Diplomatie ein Wörtchen mitsprechen.
Der kleine Befähigungsnachweis.
Mit dem 1. Oktober tritt das Gesetz, betr. di« Abänderung der Gewerbeordnung, vom 30. Mai 1908 in Kraft, das den von vielen Handwerkern geforderten sog. „kleinen Befähigungsnachweis" bringt. Bei diesem handelt es sich vornehmlich um den Nachweis der Befähigung, andere Personen zu erziehen, und zwar nicht allein um die Sorge für die Fachbildung als vielmehr um die Rücksichtnahme auf die allgemeine Erziehung der Lehrlinge im Handwerk.
Die wesentlichste neue Forderung des Gesetzes ist, daß die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen nur solchen Personen zusteht, die eine Meisterprüfung bestanden haben. Bisher genügte, daß der Lehrherr, wie auch das neue Gesetz fordert, das 24. Lebensjahr vollendet hatte und entweder die Lehrzeit und die Gesellenprüfung in dem betr. Gewerbe bestanden hatte oder es fünf Jahre hindurch persönlich selbständig ausgeübt oder als Werkmeister darin tätig gewesen war. Personen, die den gesetzlichen Anforderungen nicht entsprechen, kann die höhere Verwaltungsbehörde die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen widerruflich erteilen. Doch ist vorher die Handwerks-(Gewerbe-) kammer oder die Innung anzuhören.
Um jede unberechtigte Härte zu vermeiden, ist jedoch bestimmt, daß solche Personen am 1. Oktober 1908 die Lehrbefugnis bereits fünf Jahre lang besaßen und während dieser Zeit in ihrem Berufe tätig waren, auf Antrag von der unteren Verwaltungsbehörde auch weiter ohne Meisterprüfung Lehrlinge ausbilden dürfen.
Wer die Lehrbefugnis bisher noch nicht besessen hat und auch sonst nicht den Anforderungen des neuen Gesetzes entspricht, muß, um die Lehrlingsbefugnis zu erlangen, sofern er Lehrling oder Geselle ist, zunächst auf dem vorgeschriebenen Wege die Meisterprüfung ablegen. Dasselbe wird von denjenigen selbständigen Handwerkern verlangt, die noch nicht fünf Jahre selbständig sind und bisher weder im Lehrlings- noch im Gesellenverhältnisse gestanden haben.
In Bezug auf die Lehrzeit enthält das neue Gesetz einige Ausnahmebestimmungen, die man durchaus nicht erfreulich nennen kann. So kann die Lehrzeit nach wie vor auch in einem dem zu
raubte ihr bald wieder die gewonnene Frische. Dennoch war Graf Alten, ihr Gemahl, noch immer verliebt in sie und erklärte sie für die schönste Frau, die er kenne.
„Wollen wir die Kinder noch einmal zum Vater führen?" fragte Asta sich an ihre Schwägerin wendend. „Ich denke, sie sollten ihn jetzt noch sehen, ehe er sich verändert. Er sieht so schön im Tode aus, der gute Papa!"
Editha schüttelte den Kopf. „Gestern noch war mein Günther beim Großpapa und bat seinen Segen empfangen. Ich meine, es ist besser, die Kinder behalten das Bild des Lebenden in Erinnerung, das ja doch immer freundlicher ist, als das des Toten."
„Ja. ja. Du magst recht haben," meinte Asta, sich müde in einen Sessel niederlassend. „Was meinst Du, Odo?"
Graf Alten, ein kleiner, zierlich gebauter Herr mit hübschem, glattem Gesicht und einem stets verbindlichen Lächeln auf den Lippen, antwortete prompt wie immer, wenn seine Gemahlin ihn etwas fragte: „Bestimme Du, Liebe!"
„Dann also nicht) Editha meinte, es sei nicht gut, wenn die Kinder den Großpapa als Leiche sehen, und Editha hat immer recht. Aber wo willst Du hin?" fragte sie die eben dem Ausgange Zuschreitende.
„Einmal nach den Kindern sehen. Sie sind oben mit Deinem Fräulein und meiner Bonne allein."
„Acb, Du kannst ruhig sein, mein Fräulein ist eine sehr zuverlässige Person. Man kann ihr die Kinder vertrauensvoll überlassen."
„Es ist aber doch gut, wenn man ab und zu nachsieht. Ich habe mich in den letzten schweren Tagen so wie so wenig um meinen Liebling bekümmern können."
Damit war sie auch schon hinaus. Man hörte bei der Stille, die rings umher herrschte, ihren leichten Schritt im Nebenzimmer verhallen.
erlernenden Gewerbe angehörenden Großbetriebe abgeleistet werden oder in einer Lehr, werkstätte oder Fachschule erfolgen. Obgleich hierfür nur besonders nach Anhörung der Hand- Werks- oder Eewerbekammer staatlich anerkannte Anstalten in Betracht kommen, ist die praktische Lehre bei einem tüchtigen Meister in dessen Be- triebe selbst jedenfalls erheblich vorzuziehen.
Eine andere Ausnahmebestimmung steht vor, daß bis zum 1. Oktober 1913 die Ablegung der Meisterprüfung noch erfolgen kann, ohne daß vorher die Gesellenprüfung bestanden werden muß, während von da ab dreijährige Lehrzeit und dreijährige Gesellenzeit in dem Gewerbe vorangegangen sein müssen, in dem die Meisterprüfung abgelegt werden soll.
— Der Straßburger Kaiserrede widmen die französischen Blätter Besprechungen. Die „Patrie" und die „Liberts" wenden ein, daß die vom Kaiser verlangte Einigkeit den alten französischen Soldaten, die der Annektierung nicht mit Resignation gegenüberständen, schwer werden dürfte. Der „Temps" gibt keine Besprechung der Kaiserrede, er bemerkt jedoch im Anschluß an eine Auslassung der Süddeutschen Reichskorrespondenz über Marokko, daß, wenn die Dinge in Marokko sich noch weiter hinziehen, was die deutsche Diplomatie zu verstimmen scheine, Frankreich nicht die Ursache davon fei; denn Mulay Hafid habe noch keinerlei Schritte unternommen und bevor man ihn anerkenne, müsse man natürlich warten, welche Haltung er einnehmen werde. In der Besprechung eines Artikels der „Köln. Ztg.", den der „Temps" für offiziös hält, stellt er sodann mit Befriedigung fest, daß vom Mulay Hafid die Anerkennung der Algeciras-Akte und der früheren Verträge und Uebereinkommen, sowie Beseitigung der Unruhen an der algerischen Grenze gefordert werde. Das Blatt bezweifelt aber, daß Mulay Hafid der berufene Schirmer von Leben und Eigentum der Europäer werden könnte, und fügt hinzu, Frankreich verlange mit Fug und Recht von Hafid die Bezahlung der Expeditionskosten, und wenn diese Kosten hoch wären, so sei es deswegen, weil Frankreich nicht allein den Fanatismus der Schauja habe niederhalten, sondern auch den Anhängern Mulay Hafids habe gegenüberteten müssen. Der „Temps" hofft, daß die „Köln. Ztg." und die deutsche Regierung nicht dem Drucke der alldeutschen Blätter nachgeben, sondern seiner Ansicht beipflichten werden.
— Die Marinelaufbahn des Prinzen Adalbert. Prinz Adalbert von Preußen, der von seinem Posten als Wachoffizier auf dem kleinen Kreuzer „Danzig" zurücktritt, um später das
„Du hast wirklich eine musterhafte, pflicht- getreue Frau, Dietrich," unterbrach Asta das Schweigen, sich zu dem Bruder wendend. „Ich bin um vieles sorgloser und leichtsinniger als sie) aber da mein Mann damit zufrieden ist —“.
, Aber, liebste Asta," rief der Graf empha- thisch, zu seiner Gemahlin tretend und ihre Hand zärtlich an die Lippen ziehend. „Welch ein kaltes Wort: zufrieden! Dein Besitz macht mich unendlich glücklich. Dietrich weiß ja, daß wir trotz zehnjähriger Ehe noch immer miteinander leben, als befänden wir uns in den Flit- terwochen. Ist es nicht so, Asta, bete ich meine schöne Frau nicht immer noch an?"
Er setzte sich an ihre Seite und legte den Arm un; ihre Taille, sie schob ihn leise zurück. „Ja, ja, es ist so) ich wünschte, man könnte ein Gleiches von Dir sagen, aber Du bist gar zu wenig zärtlich zu Deiner jungen Frau. Ihr verkehrt ausfallend kühl miteinander."
„Das ist Edithas Art." antwortete Dietrich, sich zu der Schwester sehend.
„Sie hat sich doch aber bei der Krankheit des Vaters ganz ausgezeichnet benommen, aufopfernd, ganz Samariterin."
„Zu sehr, viel zu sehr," rief Dietrich stirnrunzelnd. „Ich wünschte, sie wäre weniger Samariterin, weniger aufopfernd, und verstünde etwas mehr, das Leben zu genießen."
, „Ja, ja," sagte Graf Alten, „da ist meine Asta wieder ein Muster. Sie versteht die Kunst, sich das Leben reich auszugestalten, das ist nur eine Stimme in München. Die Feste in unserem Hause sind berühmt) denn keiner weiß es Asta gleich zu tun an geschmackvollem Arangement und reicher Bewirtung."
„Weil ich einen Mann habe," lächelte die Gräfin nun gnädig, „der mich im Budget nicht beengt. Das ist des Rätsels Lösung."
Dietrich wiegte sich in seinem Stuhle auf und nieder: »Jetzt wirst Du über noch reichere Mittel
Kommando de» zur Schulflottille gehörige» Hochseetorpedoboot«» „K. 42“ zu übernehmen, wird zur Vorbereitung für diesen Posten, auf dem er zum ersten Mal« «in Kriegsschiff selbstständig zu führen haben wird, vom 1. Oktober ab in Mürwik an Bord des Torpedoschulschiff» „Württemberg" einen Torpedokursus durch« machen.
— Rumänischer Besuch bei Bülow. Norderney, 31. Aug. Der rumänische Ministerpräsident Sturdza ist zum Besuch des Fürsten Bülow hier eingetroffen. Bei seiner Ankunft wurde er im Auftrage de» Reichskanzlers von dessen persön- lichem Adjutanten, Hauptmann v. Schwartz- koppen, begrüßt. Der Ministerpräsident folgte einer Einladung des Fürsten und der Fürstin Bülyw zur Mittagstafel. Nach Tisch hatten der ReichÄanzler und der rumänische Ministerpräsident eine längere Besprechung.
— Zum neuen Unterstaatssekretär vonElsaß- Lothringen ist, Blättermeldungen zufolge, bei der letzten Anwesenheit des Kaisers in Straßburg Frhr. Zorn von Bulach erwählt worden. Somit wäre für den im Dezember aus dem Amte scheidenden Frhrn. v. Köller ein einheimischer Nachfolger in der zweiten Verwaltungsstelle des Landes gefunden.
— Beisetzung des Herzogs Karl Borwin zu Mecklenburg. Mirow, 31. Aug. Heute mittag fand in der Gruft zu Mirow die Beisetzung der Leiche des Herzogs Karl Borwin zu Mecklen- burg-Strelitz statt, nachdem vorher in der Kirche eine Trauerfeier abgehalten worden war. Anwesend waren u. a. der Eroßherzog und der Erbgroßherzog, ferner als Vertreter des Kaiser» Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen, als Vertreter des Eroßherzogs von Mecklenburg-Schwerin Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg und Herzog Georg Alexander zu Mecklenburg, ferner eine Abordnung des Holsteinischen Feldartil- llerie-Regiments Nr. 24, dem der Entschlafen« angehört hat.
— Zollaufhebung. Der „Reichsanz." veröffentlicht die Aufhebung der Verordnung vom 17. April 1901 wegen Erhebung eines Zolle» auf Blauholz und eines Zollzuschlags auf Kaffe« und Kakao aus der Republik Haiti.
— Der Entwurf einer neuen Strafprozeß- ordnung ist soeben in einer gut ausgestatteten amtlichen Ausgabe im Verlage von Otto Liebmann zu Berlin W. 57 zum Preise von 2 Mk. erschienen. Der genaue Titel lautet: „Entwurf einer Strafgesetzordnung und Novelle zum Gerichtsverfassungsgesetze nebst Begründung". Der bekannten „Deutschen Juristenzeitung" ist diese amtliche Ausgabe unentgeltlich beigelegt. Der Entwurf, der auch , eine vergleichende Gegenüberstellung der neuen Paragraphen mit denjenigen der geltenden Strafprozessordnung beigegeben ist, ist nicht etwa nur eine Novelle zur
verfügen können, da der gute Alte tot ist. Wirst Du die Villa, die, wie der Vater mir oft gesagt hat, jetzt Dein Eigentum wird, behalten?" <
„Wenn ich es kann, gewiß," entgegnete sie, „das heißt, wenn das Barvermögen, das der Vater hinterläßt, groß genug ist, sich diesen Luxus zu erlauben." ।
„Da macht Euch nur keine Illusion," entgegnete Dietrich. „Ich fürchte, das hat in den letz- ten Jahren sich sehr vermindert. Der Alte ver- brauchte, besonders in letzter Zeit nach dem Tode der Mutter, sehr viel, und bei dem Rückgang des Zinsfußes —"
„Das heißt, Du hast bei dem vielen Geldoer- brauch gründlich mitgeholfen, Dietrich," rief die Schwester, lebhafter werdend, nun man auf die Frage über Mein und Dein zu sprechen kam.
„Wohl nicht mehr als Du, Asta. Wie oft sagte der Vater: ich habe Asta nach München wieder so und so viel tausend Mark schicken müssen. Sie kommt doch gar nicht mit der ihr ausgesetzten Zulage aus."
Graf Alten, dem die Unterhaltung der Geschwister peinlich wurde, um so mehr, da er selbst wenig bemittelt war, sondern den Luxus seines Lebens zumeist durch das Vermögen seiner Frau bestritt, machte Miene, aufzustehen) doch setzte er sich sogleich wieder an feinen Platz, als Asta »un die zwischen ihnen schon ventilierte Frage an Dietrich richtete, welche Aenderungen das nach Edithas Mitteilung vom Vater an Justizrat Eberhard übergebene Kodizill wohl für das Testament enthalten werde.
Dietrich zuckte die Achseln.
Keine Ahnung! Vielleicht hat er noch im letzten Augenblick an irgend eine zarte Verpflichtung gedacht, die er beim ersten Niederschreibe» des Testaments vergessen."
Asta schüttelte unmutig den Kopf. 1
5 ~ (Fortsetzung frtyj