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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

den Ke-I-gen: ,Lit-r«risch«r Aasiger«.z-xdwirlschaftlich- K-il-ge« «udAll-ftri-rt-, K-im1ag-l>l«U«.

Ott Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile

ober deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. in Dienstag, 1. September 1908. Ä«®r.6%a?j ero'th,^CTburgf'marft SL^tekp^to1.

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n, Aeustadt und Wetter, sowie von «Srn PlHanstaiten und Landbriesträgern ent« Segengenommcn.

Die Betriebsergebnisse deutscher und ausländischer Eisenbahnen.

Die Länge des gesamten Eisenbahnnetzes der Erde belief sich Ende 1906 auf 933 850 Kilo­meter; die der eurcpäijchen Eisenbahnen auf 316 093 Kilometer. Das Eesamtnctz der deut­schen Bahnen hatte 1895 eine Lange von 45 479 Kilometer, Ende 1905 von 54 953 rind Ende 1906 von 57 376 Kilometer. In Deutschland ist das Netz der preußis-lphessifchen Staatsbahnen naturgemäß das umfangreichste, es nahm 1895: 27 236 und 1905: 34 552 Kilometer ein. Die bayrischen Staatsbahnen waren Ende 1905: 6355, die sächsischen: 2764, die württembergi- schen: 1862, die badischen 1701. die elsaß-loth­ringischen: 1937, die deutschen Priv '.bahnen 4024 Kilometer lang

Die Betriebsergebnisse waren im Jahre 1905 folgende: In der Verwaltung der preußisch- hessischen Staatsbahnen betrugen die Gesamt­einnahmen auf einen Kilometer 50 051 Mk., die Gesamtausgaben beliefen sich im Verhältnis der Gesamteinnahmen aus 59,8 pTt., der Ueberschuß auf 1 Kilometer betrug 20111 Mk. und im Ver­hältnis zum Anlagekapital 7,3 pCi. In keiner der übrigen deutschen bezw. europäischen Eisen­bahnverwaltungen wird eine Verzinsung in ähnlicher Höhe erzielt. Im Durchschnitt des Deutschen Reichs betrug sie Danr der gün­stigen Vetriebsergebnisse der preußisch-hessischen Verwaltung 5,8 pTt., in Bayern aber nur 3,6 pEt., in Sachsen 4,7 pCt., in Württemberg 3,3 pCt., in Vaden 3,6 pCt., in Elsaß-Lothringen 4,1 pCt. und ebensoviel bei den deutschen Pri­vatbahnen.

Die österreichischen Staatsbahnen in einer Gesamtlänge (1905) von 12 347 Kilometer brachten nur einen Ueberschuß pro Kilometer von 5810 Mk. und im Verhältnis zum Betriebs­kapital von 3,1 pCt., die ruigarischen einen sol­chen von 9723 Mk. bezw. 4 pEt. In der Schweiz wurde bei einer Bahnlänge von 4258 Kilometer ein Ueberschuß von 11 348 Mk. bezw. 4,3 pTt.,

7 (Nachdruck verboten.),

(getrennte Welten.

Roman von Clarissa Lohde. "07 (Fortsetzung.)

Auch war er nie ein Spielverderber gewe­sen, wo es sich hier und da unter Standesge- nossen um Extravaganzen bei verriegelten Türen in und durch Jalousien nach außen ver­schlossenen Räumen handelte. Er hatte ein Auge zugedrückt, als er. Dietrich, in seiner Offi­zierszeit, wie der Vater bei den Garde-Husaren in Potsdam dienend, ein wenig über die Schnur schlug. Ohne viel Worte zu machen, hatte er alles zugedeckt und selbst der Mutter, die strenger darüber dachte, nichts davon mit­geteilt. Und wie freigebig hatte er sich bei Gelegenheit von Dietrichs Vermählung erwie­sen! Alles hatte ja mit Neid auf den Glück­lichen geblickt, dem es gelungen war, die Hand Tdithas von Schlichting, einer der reichsten Er­binnen im Kreise der Aristokratie, zu gewin­nen. Leicht freilich war cs ihm nicht geworden; denn Editha war ein ebenso eigenartiges Mäd­chen gewesen, wie sie jetzt eine eigenartige Flau war. Eine Knospe, die sich noch scheu vor dem Licht verschloß. Auch ihm war das holde Mädchen lange mit größter Zurückhaltung be­gegnet: das holde Mädchen, ja, das war der rechte Ausdruck für sie; nicht schön und glänzend wie'sei ne Schwester Asta, aber durch alle Eigen­schaften ausgezeichnet, die mit dem Ausdruck hold sich decken. Rein, ohne Falsch, voll Her« zensgüte, alles an ihr licht und hell. Das Dunkel mußte weichen, wo sie erschien. Die Nachtseiten des Lebens waren ihr noch ein Ge­heimnis, von dem sie sich angstvoll abwandte. Schuld und Sünde kannte sie nur dem Namen nach, mit schüchternem Vertrauen betrachtete sie die Welt und Menschen. Und ihm, dem glän­zenden, leichtlebigen Husarenoffizier, war dap Glück zuteil geworden, dieses reine, unberührte

in Frankreich (Bahnlänge 39 585 Kilometer) ein solcher von 15 232 Mk. bezw. 4,3 pCt. erzielt. Großbritannien und Irland besaß 1905 ein Ee- samtnetz von Eisenbahnen in einer Länge von 36761 Kilometer, die auf den Kilometer 23 648 Mark Ueberschuß abwarfen, also im Verhältnis zum Kapital nur 3,4 pCt. brachten. Die Ver­einigten Staaten von Amerika verfügten schon im Jahre 1895 über ein Gesamteisenhahnnetz von dem gewaltigen Umfang von 290 677 Kilo­meter mit einem Anlagekapital von über 46% Milliarden Mark, die jedoch auf 1 Kilometer nur 835 Mk. und im Verhältnis zum Anlage- kapital sogar nur 0,5 pEt. Ueberschuß brachten.

Im Jahre 1905 bestanden in der Union ins- gesamt Eisenbahnen mit einer Betriebslänge von 350 929 Kilometer, die Zunahme betrug also innerhalb 10 Jahren mehr als der ganze derzeitige Bestand der Eisenbahnen int Deut­schen Reiche. Das Anlagekapital betrug in den Vereinigten Staaten für das Eisenbahnnetz 1905 fast 58 Milliarden; die Eesamteinnahme aber erreichte mit 27 842 Mk. auf den Kilometer nicht viel mehr als die Hälfte der preuhisch-hesiischen Einnahme. Der Ueberschuß auf einen Kilometer bezifferte sich auf 3934 und im Verhältnis zum Anlagekapital nur 2,3 pEt.

Zu dem deutschen Eisenbahnnetze treten übrigens noch die Schmalspurbahnen mit einer Gesamtlänge von über 2000 Kilometer hinzu. In Oesterreich-Ungarn beträgt die Länge der schmalspurigen Bahnen 678 Kilometer. Im übrigen beziehen sich die Angaben nut auf voll- spurige Eisenbahnen.

Der Kaiser m Straßburg.

Straßburg, 29. Aug. Die Parade auf dem großen Polygon war trotz des Regens von einem zahlreichen Publikum besucht. Gegen 10 Uhr ließ der Regen etwas nach. Der Kaiser be­gab sich an der Spitze der Fahnenkompagnie des Infanterieregiments Nr. 60 auf den Paradeplatz. Er trug die Uniform eines Generalfeldmarschalls mit Mantel. Mit dem Kaiser ritten der Kron­prinz und seine drei Brüder. Die Kaiserin hatte mit der Kronprinzessin und der Prinzessin Eitel Friedrich in einem sechsspännigen offenen Wagen Platz genommen. Der Kaiser übergab zunächst die neuen Fahnen in der Mitte des Paradefeldes an die Kommandeure der betreffenden Regimen­ter und begrüßte dann die Kriegervereine des Korpsbezirkes, die überaus zahlreich erschienen waren, indem er langsamen Schrittes die Front abritt und viele der alten Krieger ins Gespräch zog. Nach Begrüßung der Reserve- und Land­wehroffiziere ritt der Kaiser an der großen Tri­büne vorüber, wo das Publikum ihm und der Kaiserin stürmische Ovationen darbrachte. An der Parade nahmen auch der König von Sach-

Herz, das sich lange wie eine Mimose vor dem Begehren ihrer zahlreichen Bewerber verschlos­sen hatte, zu rühren. Als Sieger war er aus Dem großen Wettstreit um ihre Hand hervorge­gangen, freilich mit Hilfe des Vaters und auch der stolzen Mutter, die beide diese Verbindung heiß gewünscht und alles daran gesetzt hatten, ihn in den Augen der Vielumworbenen sowohl, wie ihrer frommen Großmutter mit allen Tu­genden zu schmücken, die man von dem künfti­gen Gatten Edithas von Schlichting erwartete.

Aber wo die Elückssonne zu hell scheint, fehlt auch der Schatten nicht. Die Art seiner Ge­mahlin legte ihm Schranken auf, die mit den Jahren, er war jetzt seit fünf Jahren verhei­ratet, recht unbequem wurden. Mein Gott, ein Kavallier konnte doch nicht wie ein Säulen­heiliger leben. Ihr zu Gefallen schon hatte er seinen Abschied genommen und war nach Frauenstein gezogen, das bisher mit dem Allo- dialgut Schönwalde zusammen von einem Ad­ministrator bewirtschaftet worden war. Mit gewohnter Noblesse hatte ihm der Vater die Einnahmen der Herrschaft Frauenstein über­wiesen und sich ai" die Schönwaldes beschränkt, wo er schon während der letzten Jahre in dem neuen, von einem berühmten Architekten Ber­lins erbauten kleinen, aber bequem eingerich­teten Schlößchen mit der Mutter den Sommer zu verbringen pflegte, da diese bei ihrer Kränk­lichkeit das alte Schloß Frauenstein mit seinen dicken Mauern und gewölbten Gängen, in denen eine kühle, frostige Luft wehte, fürchtete. Ueberglücklich hatte Editha diese Uebersiedelung auf das Famaliengut gemacht, weil es ihr dort vergönnt war, ganz ihren Neigungen zu leben, der Erziehung ihres Erstgeborenen und den Pflichten, die ihr die Fürsorge für die Insassen der ausgedehnten Herrschaft auferlegt^ Leider dauerte diese Glückseligkeit nicht lange, da der Gemahl ihr sehr bald schon erklärte, daß ihm diese völlige Zurückgezogenheit von der Welt durchaus nicht behage, Uebepdem »Mütchen

scn, der Eroßherzog von Baden, der Herzog von Coburg und Gotha und Herzog Albrecht von Württemberg teil. Die Parade stand unter dem Kommando des Generals Ritter Hentschel von Gilgenheimb. Die Truppen waren in zwei Treffen aufgestellt. Der König von Sachsen führte sein 105. sächsisches Regiment vor, der Großherzog von Baden das 126. Regiment, der Herzog von Coburg und Gotha das 9. Husaren­regiment, Feldmarschall Graf Haeseler ging mit den anwesenden Schwadronen der 11. Ulanen vorbei. Das Publikum brachte den Truppen, die trotz aufgeweichten Bodens vorzüglich mar­schierten, Ovationen dar. Der Vorbeimarsch nahm sein Ende kurz nach 12 Uhr. Nach der Kritik und nach Entgegennahme militärischer Meldungen setzte sich der Kaiser mit den vier Prinzen-Söhnen an die Spitze der Fahnenkom­pagnie und führte sie unter dem Jubel der Be­völkerung, die von dem Kehler Tor an Kopf an Kopf gedrängt Spalier bildete, nach der Stadt zurück. Um 341 Uhr traf der Wagen der Kai­serin im Kaiserpalast ein. Eine halbe Stunde später ritt der Kaiser mit den Prinzen und Fürstlichkeiten, den Generalen und Offizieren, be­gleitet von der Fahnenkompagnie der Standar­tenschwadron, ein.

Auf dem Wege, den die Majestäten vom Paradeplatz nach der Stadt zurücknahmen, bilde­ten Gewerkschaften und Schulen Spalier. Vor der evangelischen Earnisonskirche hatte eine Srößere Gruppe von jungen Mädchen und Bur- hen in Landestracht Aufstellung genommen. Die Kaiserin ließ hier halten. Einige Mädchen sagten Gedichte auf und überreichten Blumen, wofür die Kaiserin huldvoll dankte. Im Kaiser- palaste frühstückte die kaiserliche Familie mit dem Fürsten zu Fürstenberg und den Damen und Herren des engeren Gefolges. Um 3 Uhr nach­mittags war Damenempfang bei der Kaiserin im Kaiserpalaste. Um 7 Uhr abends fand Pa­radetafel bei ihren Majestäten im Kaiserpalaste statt.

Bei der Tafel brachte der Kaiser folgenden Toast aus:Das 15. Armeekorps hat am heutigen Tage mit Ehren eine glanzvolle Parade bestan­den vor Seiner Majestät dem König von Sach­sen, vielen deutschen'Fürsten und mir, und es ist mir eine Freude, Euer Exzellenz nochmals meine vollste Anerkennung und dem Korps meinen Glückwunsch auszusprechen, auf historischem Bo­den. vor dem Toren Straßburgs, der schönen Stadt! Ebenfalls erhebend aber war der Anblick der im bürgerlichen Gewände dem Korps gegenüberstehenden Reihen alter Kampfgenosien aus der Zeit meines Großvaters. Ebenso wie in Metz, und nicht zum mindesten hat es mich gefreut, unter ihnen eine Menge französischer Soldaten zu finden: sie standen einträchtig ne­beneinander, die Kämpfer von Solferino, Ma­genta, Inkerman, Sebastopol, die unter Bosquet, St. Arnaud Pellissier, Forey gestanden haben und neben ihnen, mit eisernem Kreuz, die Kämp-

die altbewährten Beamten die Herrschaft viel besser zu verwalten als er, dem mancherlei an­dere Jnteresien noch am Herzen lägen, nament­lich sein Rennstall, der eine große Aufmerksam­keit und Sorgfalt erheische, sollte er nicht die empfindlichsten Verluste erleiden. Dann wollte er auch nicht mit den Kameraden auseinander^ kommen, auch wäre es seine Pflicht, sich ab und zu bei Hofe zu zeigen, da ihm ja später doch das Hofamt, das jetzt der Vater bekleide, zu­fiele.

Editha hatte nicht widersprochen, sondern war mit ihm für die Wintermonate nach Ber­lin gezogen. So wenig sie eigentlich große Ge­sellschaften liebte, hatte sie doch seinetwegen alles mitgemacht, wozu er sie aufforderte. Aber gerade dieses stille Fügen in bas, was ihr, wie er wußte, nicht angenehm war, machte ihn verdroßen. Hätte sie sich beklagt, mit ihm ge­grollt, wie es andere Frauen mit Männern tun, vielleicht hätte er sich ihren Wünschen ge­fügt. Aber so! Sie ließ ihn ohne Vorwurf ge­hen und treiben, was er wollte, und daß er diese Freiheit ausnutzte, war das zu verwun­dern? Der Vater, der jetzt so still mit dem feierlichen Totenantlitz vor ihm lag, hatte ihm ir letzter Zeit zum erstenmal in seinem Leben, wie er sich erinnern konnte, ernste Vorstellungen über fein Verhalten gegen seine Frau gemacht. Du hast eine Perle," hatte er ihn gemahnt, hüte Dich, daß Du sie nicht verlierst."Ah bah," war seine Antwort gewesen,sie verlangt nichts anderes von mir, sie entbehrt daher auch nichts. Sie ist eine Natur, die sich selbst genügt, »nd sie hat ihr Kind."Vielleicht irrst Du Dich doch in ihr. Sie ist eine Meisterin in der Selbstbeherrschung und zu stolz, ihr Leid in die Welt hinauszuschreien."

Leid? Leidet sie denn wirklich? Scheu streifte sein Blick die zur Seite des Lagers in stillem Gebete Knieende. Ja, sie sieht bleich gus, urtb aus diesen tränengefüllten grauen Äugen, die eben den feinen begegnen, spricht

ser des Prinzen Friedrich Karl, des General» Steinmetz und vieler anderen deutschen Heer­führer. So muß es fein! Wo echter soldatischer Geist lebt, da finden sich die Soldatenherzen zu­sammen. Möge das Korps auch fernerhin in dem ausgezeichneten Stand, in dem es sich mit gezeigt hat, vorgeführt werden, und möge es im Manöver feine kriegsmäßige Ausbildung zu meiner Zufriedenheit betätigen. Ich trinke auf das Wohl des 15. Armeekorps. Hurra! Hurra! Hurra!"

Am Abend war die Stadt wahrhaft glänzend illuminiert. Unter anderen Gebäuden bot das Münster im Schmuck elektrischer Lichterreihen ein großartiges Bild dar. Trotz des Regenwetters waren Taufende auf den Straßen, besonders auf dem Kaiserplatz vor dem Kaiserpalast, wo großer Zapfenstreich stattfand, dem der Kaiser und die übrigen Fürstlichkeiten vom Balkon des Palastes aus beiwohnten.

Straßburg, 30. Aug. Der Kaiser ließ den für heute vormittag angesetzten Feldgottes­dienst auf der Esplanade wegen Unbeständigkeit des Wetters absagen. Statt dessen wurde in der evangelischen Garnisonkirche ein feierlicher Got­tesdienst abgehalten, an dem die kaiserliche Fa- milie und der Eroßherzog von Baden teilnah« men. Der Kaiser verlieh eine große Anzahl von Auszeichnungen an Beamte und Bewohner des Reichslandes, unter anderem den Schwarzen Adlerorden an den Staatssekretär von Köller, den Stern zum Roten Adlerorden zweiter Klasse mit Eichenlaub und Krone an den Präsidenten des Landesausschusies, Iaunez den Stern zum Roten Adlerorden zweiter Klasse mit Eichenlaub an den Unterstaatssekretär Zorn von Bulach, den Kronenorden 3. Klasie an den Bürgermeister von Metz, Böhmer. Der Kaiser und di« Kaiserin unternahmen nachmittags eine Aus­fahrt im Automobil. Um 7 Uhr findet bei den Majestäten im Kaiserpalast eine Festtafel für bas Reichslanb statt.

kein Glück. Wie ist es aber auch anders mög­lich, als daß sie bleich und angegriffen aussieht, da sie mit gewohntem Eigensinn die Hilfe einer Krankenschwester bei der Pflege des Vaters ab­gelehnt hat?Er liebt nicht Fremde in der Nähe," hatte sie auf Dietrichs Vorhaltung, sich S schonen, erwidert,und soll ihm dieser letzte unsch nicht erfüllt werden? Der alte Franz und die Haushälterin genügen vollständig zu den Handreichungen, deren der Kranke bedarf." Er hatte nicht weiter widersprochen, weil er das Widersprechen ihr gegenüber schon lange aufge­geben hatte; wußte er doch, daß sie von einmal gefaßten Beschlüssen nicht wieder abging. Sie war eben eigensinnig, wie die meisten Frauen ihrer Art.

Editha hatte sich von den Knieen erhoben und trat jetzt an ihres Gatten Seite, seine Hand ergreifend und sie warm drückend. Ueber fein stolzes, schön geschnittenes Gesicht glitt es wie ein Zug innerer Befriedigung, die hohe, kräftige Gestalt richtete sich mit erneutem Selbstbewußtsein auf:Sie liebt mich," dachte er,liebt mich noch immer. Torheit zu fürch­ten, daß diese Perle, wie der Vater sie nannte, mir jedenfalls verloren gehen könnte. Eben weil sie eine Perle ist, hält sie auch fest und treu an ihrem vor dem Altar ausgesprochenen Gelübde, und außerdem, welche Frau hätte nicht ab und zu ein Auge über des Mannes Passionen zuzudrücken? Auch meine Mutter hat das ge­tan, und mit meinem Vater doch eine glücklich« Ehe geführt. Editha wird nickt mehr bean» sprachen als meine Mutter beanspruchte." Zart« licher als sonst seine Gewohnheit war, legte et den Arm um sie und geleitete sie in den an« stoßenden Salon.

Wir wollen jetzt dem alten Franz und bei Haushälterin ben Platz räumen, sagte er, seiner Schwester sich zurückwendend, bi« mit ihrem Gemahl folgt»,

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Staatssekretär Dernburg. Swakopmund, 29. Aug. In seiner Abschiedsrebe sprach Staats­sekretär Dernburg seinen Dank sür bte Auf­nahme aus, bte et überall gefunden habe. Er sagte dann weiter, einige bittere Wahrheiten seien hier anzuführen. Südwestafrika sei nicht reich, aber ungewöhnlich produktiv und sicherer Produzent für fleißige Menschen, denen sich Existenz und Wohlstand biete. Die Krise sei eine natürliche Folge des Krieges und einige Vorsicht im Kreditgeben notwendig. Der Wunsch der Bevölkerung nach größerem Anteil an bet Verwaltung und Verantwortung könne durch die Einrichtung von Handelskammern, Landwirt­schaftskammern, Schulen und einer kommunalen Kreditanstalt gewährt werden. Die Verord-