Einzelbild herunterladen
 

6JU MM MM ff

r/rilrilllllllri ^IrillllIlli

Vw UvIlUMJU vl/l'lWIvll

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

«ud den Beilagen: .Literarischer Anzeiger".ZandwirLschaftliche Berlage^ undJUnstrirrtes Ssuutngsblatt-.

Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessische nn Zeitung- bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen rn _[6 1'114. Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Crpedition Markt 21. Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unser« ZeitungSstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Sonntag, 30. August 1908.

Die Jnsertionsgebühr beträgt für di« 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversttätSbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hrtzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

43. Jahrg.

Zweites Blatt.

Bestellungen

fgt beit Monat Septewbet ' auf die

»Oberhessische Ieitnntz" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition s(Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch- Gain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Landbriesträgern ent­gegengenommen.

Die Abnahme der Auswanderung nach den Vereinigten Staaten.

Im ersten Halbjahr 1908 ist die deutsche Auswanderung nach den Vereinigten Staaten nahezu auf den Nullpunkt gesunken. Wenn es im zweiten Halbjahre ebenso bleibt, so werden im Laufe des ganzen Jahres kaum 15 000 Aus­wanderer sein, während noch in den letzten Jahren doch immerhin durchschnittlich 30 000 Deutsche nach Nordamerika auswanderten. Noch mehr zurückgegangen ist die Auswanderung fremder Staatsangehöriger über deutsche Häfen, besonders über Bremen. Da der größte Teil russischer Emigranten nach Amerika den Weg über die deutschen Häfen nimmt, so ist also die russische Auswanderung ebenfalls stark in der Abnahme befindlich, was einerseits auf bie, gebesserten wirtschaftlichen Verhältnisse Rußlands, andererseits auf die Verschlechterung ber Aussichten der Auswanderer in Amerika zurückzuführen ist.

Der Rückgang der nordeuropäischen Auswan­derung nach den Vereinigten Staaten ist aber verhältnismäßig noch gering gegenüber der Minderung der italienischen Emigration. Wäh­rend bis zum Jahre 1900 die Zahl italienischer Auswanderer nach den Vereinigten Staaten sel­ten die Ziffer von 100 000 überstieg, waren es in den Jahren 1904, 1905 und 1906 jedesmal über 200 000. Noch größer war die italienische Auswanderung nach Amerika in dem letzten Jahre, wo allein in der Zeit von Januar bis Juli über 200 000 Personen nach Nordamerika gingen. Im ersten Halbjahr 1908 aber wan­derten nur 35 679 Italiener nach den Vereinig­ten Staaten aus, also ungefähr nur ein Sechstel soviel wie in der gleichen Zeit des vorigen Jahres.

Noch merkwürdiger wird dieses Bild, wenn man die Rückwanderung von Italienern aus den Vereinigten Staaten nach der Heimat ins Auge faßt. Im ersten Halbjahr 1907 kehrten 26 786 Italiener zurück, im ersten Halbjahr 1908

6 lNciLVrlick verboten.),

Getrennte Welten.

Roman von Clarissa Lohde. 7T;

(Fortsetzung.)

Ja, ich weiß darum," entgegnete der Ju- stlzrat,da ich die Ehre habe, der Sachverwal­ter des Herrn Barons zu sein."

So, so, nun. dann werden Sie auch wohl wißen, daß das Vermögen gar nicht so gewaltig sein soll, wie man allgemein annimmt. Stein Mann meinte, der alte Herr hätte schon manches Sümmchen verbraucht, und der junge noch bei weitem mehr. Aber die Baronin soll ja enorm reich sein. Ansehen tut man's ihr freilich nicht. Sie kleidet sich fast wie eine Herrnhuterin, da­bei aber ist sie von unnahbarem Stolze. Ein seltsamer Gegensatz zu der Gräfin Alten, ihrer Schwägerin, die immer die glänzendsten Toilet­ten macht und für eine der elegantesten und schönsten Erscheinungen am bayrischen Hofe gilt. Die Altens sollen jedoch viel verbrauchen, und deshalb dürfte ihnen ein Ausfall in der erwar­teten Erbschaft sehr unbequem sein."

Der Justizrat zuckte die Achseln.Da bin ich wirklich gar nicht kompetent, so weit reicht meine Kenntnis nicht."

Das heißt, Sie wollen nichts wissen. Also nichts weiter davon."

Apropos, lieber Doktor," wandte die Rätin sich an Bruno,was mir eben dabei einfällt: Wie sind Sie eigentlich darauf gekommen, sich als Schriftsteller Müller-Rothenfels zu nennen? Ein jo bekannter Name unter einer Familie, in welcher das Dichten, glaube ich, etwas ganz Unbekanntes ist?"

Die Augen des Justizrates richteten sich hinter den Brillengläsern gespannt auf den also Interpellierten, der ohne sichtliche Erregung antwortete:Ich habe ein gewisses Recht, diesen

aber 111000, also mehr als viermal soviel. Zm ersten Halbjahr 1907 überstieg die Ein­wanderung nach den Vereinigten Staaten bte Rückwanderung um 175 000, während im ersten Halbjahre 1908 die Rückwanderung die Ein­wanderung um 76 000 übertraf.

Dies ist also allein an italienischer Ein­wanderung ein Minus von % Million für die Bereinigten Staaten. Die Bevölkerung der großen Republik hatte in den letzten Jahren durch Einwanderung durchschnittlich je eine Million zugenommen: im Jahre 1908 wird es, wenn das zweite Halbjahr nicht noch bas Bild sehr wesentlich verändert was aber kaum anzunehmen ist, noch lange nicht die Hälfte davon sein.

Diese große Herabminderung der Einwan­derung ist umso beachtenswerter, als sie immer einen sehr wesentlichen Teil der Bevölkerungs- vermehrung der Vereinigten Staaten über­haupt gebildet hatte. Wenn z. B. zwischen 1880 und 1890 die Bevölkerung der Vereinig­ten Staaten die enorme Vermehrung von 25 Proz. aufzuweisen hatte, so trug zu dieser star­ken Vermehrung die Einwanderung nicht weni­ger als 10% Proz. bei, während die natürliche Vevölkerungsvermehrung rund 15 Proz. aus­machte. Mithin war die Zunahme durch Ein­wanderung 2A der Eesamtzunahme. Die na­türliche Bevölkerungsvermehrung ist in den letzten Jahrzehnten von 22% Proz. zwischen 1870 und 1880 auf 15 Proz. zwischen 1880 und 1890 und auf 14% zwischen 1890 und 1900 ge­sunken. Vor zwei Menschenaltern berug sie noch 28 Proz., sie war also relativ doppelt so groß wie im letzten Jahrzehnt.

Diese prozentualen Verhältnisie sind nicht ganz unbedenklich. Gewiß haben sich die Ver­einigten Staaten viel rascher vermehrt, als jedr andere Großstaat der Welt. Ihre Ein­wohnerzahl ist vom Jahre 1870 bis zum Jahre 1900 von 38% Millionen auf 76 Millionen ge­stiegen, sie hat sich also nahezu verdoppelt, wäh­rend in dem gleichen Zeitraum die Einwohner­zahl Deutschlands nur von 40 Millionen auf 60 Millionen gestiegen ist. also nur um die Hälfte zugenommen hat. Es ist aber zu beden­ken, daß Deutschland in dieser Zeit noch meh­rere Millionen durch Auswanderung verloren hat, während die Vereinigten Staaten in der­selben Zeit durch Einwanderung 11%. Millio­nen gewonnen haben. Die natürliche Bevöl­kerungsvermehrung war also in dem Menschen­alter von 1870 bis 1900 in den Vereinigten Staaten nicht größer als in Deutschland, trotz­dem auf dem ungeheuren und verhältnismäßig noch sehr dünn bevölkerten Gebiete der Ver­einigten Staaten die Ernährungsmöglichkeiten günstiger waren als in dem dicht bevölkerten Deutschen Reiche.

Hält in Deutschland die in den letzten Jah­ren zu konstatierende starke Abnahme der Aus­wanderung und in den Vereinigten Staaten die in diesem Jahre festzustellende wesentliche

Namen zu führen, es ist der Name meiner Mutter."

Wie diplomatisch," dachte der Justizrat. Und laut fügte et hinzu:Dann sind Sie wohl mit der Familie Rothenfels, von der die Rede war, verwandt?"

Allerdings," entgegnete der Doktor sehr ge­meßen, als wolle er weitere Fragen damit ab­schneiden.

Die Erbschaft kommt ihm jedenfalls nicht ganz unerwartet, dachte der Justizrat, und nun ich ihn kennen gelernt habe, teile ich auch des Barons Hoffnung, daß sich alles gut, abwickeln kann, wenigstens, was ihn anbetrifft.

Du nanntest vorhin die Baronin von Ro­thenfels," wandte sich die Rätin zu ihrer Kou- sine:Kennst Du sie persönlich?"

Nur von Ansehen, von der Straße her. Sie gehört nicht zu den Persönlichkeiten, mit denen man leicht bekannt wird."

Eine höchst eigentümliche Frau soll sie sein, fiel Ellen nun ein,die ganz und gar nicht für ihren Gemahl paßt. Er. ein Lebemann durch und durch, sie von gesuchter Einfachheit, er von bestrickender Schönheit und vornehmster Lie­benswürdigkeit, sie kaum hübsch zu nennen, still und zurückhaltend. Nur in einem sollen sie sich gleichen, in ihrem beispiellosen Hochmut."

Und doch gilt die Baronin für eine der wohltätigsten Frauen," warf die Rätin ein, und auch der teilnehmendsten und liebevoll­sten, wo es gilt Kummer und Not zu lindern. Ich kenne zufällig die Tochter des Administra­tors von Schönwalde, auch eines Rothenfels- schen Gutes, die nicht genug die Baronin zu preisen weiß. Sie soll ein Segen für die ganze Gegend dort sein."

Auch ich zähle zu den Verehrern der Baro­nin," nahm der Justizrat nun das Wort.Ihre Eigenheiten, von denen Sie sprechen, Fräulein Hiller, erklären sich leicht durch ihren Lebens­gang. Sie ist früh verwaist, dazu von einet

Verminderung der Einwanderung an, bleibt es ferner dabei, daß Deutschland, wie es in den letzten Jahren der Fall war, an relativer Zu­nahme durch die natürliche Bevölkerungsver­mehrung lleberschuß der Geburten über die Todesfälle die Vereinigten Staaten über­trifft, so dürfte zwar die Zeit noch sehr fern sein, wo Deutschland dir Vereinigten Staaten an Einwohnerzahl erreicht dazu ist deren Vorsprung zu groß, aber mit der sprung­haften Ueberflügelung Deutschlands dürfte es vorbei sein.

tojrfjts Re'ch.M

Annahme von Zinsscheinen. Nach einet jüngst erlaßenen Bekanntmachung der Haupt­verwaltung der Staatsschulden- und Reichs­schuldenverwaltung können die Zinsscheine der preußischen Staatsschuld und der Reichsschuld in Preußen allgemein statt baren Geldes in Zahlung gegeben werden bei allen hauptamtlich verwalteten staatlichen Kaßen, mit Ausnahme der Kaßen der Staatseisenbahnverwaltung, sowie bei Entrichtung der durch die Gemeinden zur Hebung gelangenden direkten Staatssteuern. Ermächtigt, aber nicht verpflichtet zur Annahme ai. Zahlungsstatt sind die Reichspostanstalten. Die Zinsscheine sind den Kaßen nach Wertab­schnitten geordnet mit einem Verzeichnisse vor­zulegen. in welchem Stückzahl und Betrag für jeden Wertabschnitt, Gesamtsumme sowie Na­men und Wohnung des Einlieferers angegeben sind. Von Vorlegung eines Verzeichnisses wird abgesehen, wenn es sich um eine geringe An­zahl von Zinsscheinen handelt, deren Wert leicht zu übersehen und festzustellen ist. Formulare zu den Verzeichnissen werden bei den beteiligten Kassen vorrätig gehalten und nach Bedarf un­entgeltlich verabfolgt. Weniger geschäftskundi­gen Personen wird auf Wunsch von den Kas­senbeamten bei Aufstellung der Verzeichnisse be­reitwilligst Hilfe geleistet werden. Eine Quit­tung über die gegen Zinsscheine erfolgte Zahlung wird nicht erfordert. Ist die Ein­lösungsstelle an den Reichsbankgiroverkehr an­geschloßen, so kann auf Wunsch des Empfangs­berechtigten statt der Barzahlung die Ueber- weisung des Einlösungsbetrages auf ein Reichs­bankgirokonto erfolgen. Von der Überweisung des Einlösungsbetrages wird dem Inhaber des betreffenden Kontos, sofern nicht die Ueber­weisung auf das eigene Konto des Empfangsbe­rechtigten erfolgt, unter Namhaftmachung des letzteren Kenntnis gegeben. Kosten hierfür wer­den dem Empfangsberechtigten nicht in Rech­nung gestellt. Bei der Uebersendung des Ein­lösungsbetrages durch die Post trägt der Empfänger das Porto. Auch macht die Schul­denhauptverwaltung darauf aufmerksam, daß die Kaßenbeamten gehalten sind, dem Publikum über die für die Staats- und Reichsschuldpa­piere maßgebenden Bestimmungen bereitwilligst Auskunft zu erteilen, insbesondere auch, inso-

alten, sehr frommen und als Wohltäterin ge­rühmten Großmutter erzogen, der Gräfin Or­tenstein. Eine rechte Kindheit, das heißt eine fröhliche, heitere Kindheit, hat sie nicht gehabt, deshalb wohl ihr zurückhaltendes, verschlossenes Wesen.".

Wie aber der übermütige Baron Rothen­fels sie bei all ihren gepriesenen Tugenden sich zur Frau erwählen konnte, begreife ich doch nicht," fiel Ellen kopfschüttelnd ein.Sie kommt mir immer wie ein lebendig gewordenes Bild aus alter Zeit vor, das in das jetzige Leben nicht paßt."

Jedenfalls muß sie keine gewöhnliche Frau fein. mischte sich jetzt Bruno ein, der voll In­teresse zugehört hatte.Was hier über sie ge­sprochen worden, könne mich neugierig machen, sie kennen zu lernen."

Sie wollen sie wohl als Heldin für Ihren nächsten Roman benutzen?" scherzte Ellen.

Muß man denn bei allem egoistische Zwecke verfolgen, gnädiges Fräulein?"

Die Welt ist nun einmal egoisftsch."

Ich hoffe/ daß trotzdem die Selbstlosigkeit noch nicht ausgestorben. ist, wie an dieser Ba­ronin zu beweisen wäre, und" er neigte sich gegen die Rätin,an unserer hochverehrten Wirtin, die immer freundlich unserem Geplau­der lauscht und doch sicher schon der Ruhe be­darf." Es war in der Tat schon zu spät und kühl geworden. Alles brach auf und verabschie­dete sich.

Der Justizrat ging noch eine Strecke mit Bruno und den Damen, gelangte aber nicht dazu, auch nur ein Wort mit dem jungen Manne allein zu wechseln, da dieser die Schwe­stern nach Hause geleitete.Der alte Baron hätte wahrlich nicht Ursache gehabt, sich dieses Sprößlings zu schämen," dachte der Justizrat, als er den Weitergehenden nachblickte.Wie stolz und vornehm er dahin schreitet. Da ist Rasse darin. Und diese tänzelnden, schlangen­

weit es sich um die Einlösung und die Erneuer» ung von Zinsscheinen, die Erteilung von Ersatz­stücken für beschädigte Schuldverschreibungen und Schatzanweisungen sowie um das preußische Staatsschuldbuch und das Reichsschuldbuch han­delt. Ueber die zu ihrer Kenntnis gelangenden Vermögensangelegenheiten der Staatsgläubiger haben die Beamten unverbrüchliches Stillschwei­gen zu bewahren.

Ueber die geplante Gas- und Llektrizk» tätssteuer bringt die den Regierungskreisen nahestehendeKommunale Rundschau" in ihrer September-Nummer eingehendere Mitteilun­gen. Gegenüber den Ausführungen des Ober­bürgermeisters Cuno in der Hagener Stadtver­ordnetenversammlung, in der von einem Ein­heitssätze von 2 4 für die Kilowattstunde und von einer Verteuerung des Strompreises um 25 bis 40 Prozent die Rede war, wird in der ge­nannten Zeitschrift bemerkt:Der Entwurf des Reichsschatzamts muß, soll er nicht ein totgebo­renes Kind bleiben, von dem fundamentalen Unterschied zwischen einer höheren Steuer auf das Licht und einer erheblich geringeren auf die Kraft ausgehen. In der Tat sind wir bestimmt zu versichern in der Lage, daß der Entwurf wirklich diesen Unterschied macht. In dieser Be­ziehung sind also die Cunoschen Angaben irrig. Aber damit sind, von unserem Standpunkte aus, die Bedingungen, die man an einen überhaupt diskutierbaren Entwurf zu knöpfen hätte, noch nicht erschöpft. Wir denken unter anderem noch an gerechte Abstufungen der Lichtsteuer für die einzelnen Arten des Lichtverbrauchs: für Luxus­beleuchtung, Beleuchtung von Straßen, gewerb­lichen Anlagen und Kleingewerben. Der Eu- nosche Steuersatz von 2 -Z mag hierbei auch an­zutreffen fein; keinesfalls sollte er, auch nut für die Lichtsteuet, als Einheitssatz ausgestellt sein. Für die Steuer auf elektrische Betriebs­kraft aber muß dieser Zweipfennigsatz ganz aus dem Spiele bleiben. Wir würden für die Kraft­besteuerung einen Satz von 5/1#, höchstens %(, eines Pfennigs als äußersten ansehen, der innerhalb der Kommunen wohl diskutabel wäre. Nötigenfalls müßte auch hier noch diffe­renziert werden, wenn und soweit das technisch durchführbar ist."

Stempelsteuern für englische Shares. Der preußische Finanzminister hat soeben den Han­delskammern folgendes mitgeteilt:Nach einem Bericht des Hamburgischen Reichsstempelrevi­sors werden die Kaufgeschäfte zwischen Lon­doner Bankiers und ihren deutschen Kunden über englische Shares nicht nur in der Form des reinen Reportgeschäftes, sondern auch in der Weise verlängert, daß der Bankier dem Käufer den Kaufpreis gegen Berechnung von Zinsen stundet und die auf seinen Namen lau­tenden Zertifikate, die erst nach Zahlung des vollen Kaufpreises auf den Namen des Käufers umgeschrieben werden, in Verwahrung behält. Diese Geschäfte und Verlängerungen werden im Verkehr als Depot- oder Lombardgeschäfte be-

haft sich an ihn schmiegenden Frauengestalten neben ihm, welch ein Gegensatz'. Ja, Eva ist noch immer die Verführerin. Und ob selbst dieser anscheinend so charaktervolle Mann den Künsten dieser niedlichen Kokette widerstehen könnte, wenn sie es ernstlich daraus anlegt, ihn zu bezaubern, u'tr weiß? Reizend genug ist Ellen Hille, und pikant dazu, aber für einen Dichter und Idealisten nimmermehr die rechte Frau.

III.

Baron Georg von Rothenfels hatte ausgelit­ten. Irdische Freude und irdisches Leid berühr­ten ihn nicht mehr. Er stand jetzt vor seinem höchsten Richter. Der Geistliche, der ihm da» letzte Abendmahl gereicht hatte, sprach noch einige tröstende Worte zu der Familie und ver­abschiedete sich bann. Jetzt traten die Zurückge­bliebenen noch einmal in stillem Gebet an da» Lager des Toten. Auf allen Gesichtern malte sich tiefe, ernste Bewegung, selbst auf dem de» leichtlebigen Dietrich, dem sonst nichts tief ging; ober er hatte allezeit wirklich für den Vater viel übrig gehabt, den er als das Urbild eine» Kavaliers und Edelmannes betrachtete. Immer mit Wärme für alles eintretend, was die Standes- und Kavaliersehre betraf, war er allezeit ein ritterlicher Verehrer der Damen ge­wesen, vor allem seiner schönen, etwas den Pantoffel schwingenden Gemahlin, die dafür jedoch gern über kleine Unregelmäßigkeiten in seiner Lebensführung hinwegsah. Und wie nobel er stets das Geld auszugeben verstanden; hatte, ohne zu markten und zu knausern, wie e» dem Kavalier geziemt, der die elende Münz^ die für ihn nur Nebensache ist, ohne einmal. hinzusehen, durch die Finger rollen läßt. Er war kein Spieler gewesen, hatte aber doch, wenn er im Klub weilte, mit den anderen poim , tfert und, ohne mit der Wimper zu zucken, bs» > deutende Summen gewonnen ober verloren.

(Fortsetzung folgt.)