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(Fortsetzung folgt.)

als wohl irgend ein anderer in Washingron akkreditierter Diplomat. Auf ihren langen Spazierritten wurde die Freundschaft, di« später für Deutschland und Amerika so wertvoll sein sollte, befestigt. Der stellvertretende Staats­sekretär Adee drückte dem Auswärtigen Amt in Berlin sowohl im Namen seiner Regierung wie auch für fich persönlich das Beileid aus.

Botschafter Speck von Sternburg.

Wie wir bereits gestern meldeten, fkt Frei­herr- SpeL. zu Sternburg, der deutsche Gesandte tn den Bereinigten Staaten, in Heidelberg, wo et sich in Behandlung des Profesiors Tzerny be­fand, verschieden. Neueren Nachrichten zufolge ist er nicht am Darmkrebs sondern an einer Lungenentzündung gestorben.

Der Verstorbene gehörte zu den Botschaftern, die einen der schwierigsten Posten in unserer Diplomatie inne hatten und vielleicht gerade deshalb auch am meisten angefeindet werden. Ehe er die Vertretung der deutschen Interessen in Amerika übernahm, war er bereits mit den dortigen Verhältnissen vertraut. Er war mit einer Amerikanerin Miß Lilian Langham ver- heitratet und hatte schon aus seiner Zeit als Se­kretär bei der Botschaft innige Beziehungen zu Roosevelt geknüpft. Man erzählt, daß er, der ehemalige Reiteroffizier, seinem Freunde Roose­velt manchen guten Rat zur Organisation der Truppe der Rough. Riders gab. Die Freund­schaft mit Roosevelt kam ihm und den von ihm vertretenen Interessen später sehr zu Gute, aber er verstand es überhaupt, und das ist fein wesentlichstes Verdienst, in Amerika für den deutschen Namen Sympathien zu erwerben. Man hat ihm oft zum Vorwurf gemacht, daß er nicht überall die richtige SEiSk, gewahrt habe, soviel ist jedenfalls sicher, daß *as Verhältnis beider Länder während seiner Botschasterzett bedeutend besser geworden ist.

Frhr. Speck v. Sternburg wurde als Sproß eines sächsischen Adelsgeschlechts 1852 auf eng­lischem Boden in Leeds in Yorkshire geboren. Er besuchte die Fürftenschule 6t. Afra in Mei­ßen und trat 1870, als der Krieg mit Frankreich ausbrach, in das 2. Sächsische Reiter-Regiment ein, in dem er den Feldzug mitmachte und Offi­zier wurde. Vis zum Rittmeister blieb er im aktiven Militärdienst, zuletzt im Generalstab, dann wurde er 1888 als Militär-Attache an die Botschaft in Washington kommandiert, und trat 1891 als Legationssekretär in die Diplomatie über. Zunächst war er in Peking fünf Jahre lang beschäftigt, dann in Buenos Aires und Belgrad, bis er 1898 Erster Sekretär in Washington wurde. Er vertrat Deutschland in der Kommission, die auf Samoa die bekannten internationalcn Zwistigkeiten regelte und kam 1901 als Generalkonsul nach Kalkutta, von wo er 1903, zuerst als Geschäftsträger für den ab-

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 68.

43. Jahrg..'

lRacddruck verboten.)

Getrennte Welten.

Roman von Clarissa Lohde.

(Fortsetzung.)

Der Justizrat konnte eine Gebärde höchsten Erstaunens nicht unterdrücken:Aber ich dächte, Herr Baron, es war in dem Testament alles aufs beste vorgesehen. Die Herrschaft Frauen­stein und das Gut Schönwalde erbt Baron Diet­rich, die Villa und das bare Vermögen die Frau Gräfin Alten in München. Auch des alten Kam­merdieners Franz ist gedacht, sowie der Frau Müller, der der Herr Baron durch mich eine jährliche Rente von 3000 M zugehen ließen. Letztere erhält sogar eine ansehnliche Summe." Der Baron schüttelte ungeduldig den Kopf.Die Frau Anna Müller braucht nichts mehr von mir, sie ist seit einigen Monaten tot."Ah so, das ändert allerdings etwas die Sache. Haben der Herr Baron die ihr zugedachte Summe vielleicht für jemand anders bestimmt?" Der Baron ant­wortete nicht, sondern griff, sich mühsam auf­richtend, nach einer verschlossenen Mappe, die mit einer Anzahl von Büchern und einigen Schreibutensilien auf einem zu seiner Bequem­lichkeit an der Fensterwand angebrachten Bü­cherbrett lag. Dann öffnete er sie mit einem kleinen an seiner Uhrkette befestigten Schlüssel- chen, nahm ein größeres, sorgsam versiegeltes Schriftstück heraus und überreichte es mit einer gewissen Feierlichkeit dem Justizrat.

Gott sei Dank! Jetzt werde ich ruhig sterben kam cs nun wie erleichtert über seine Lippen. Der Justizrat stutzte. Für so ernst und wichtig hatte er bei dem großen Vermögen des Barons dieses kleine Legat nicht betrachtet.Sie sehen mich fragend an, lieber Juftizrak," fuhr der Baron nach kurzem Hustenanfall fort.Als Testamentsvollstrecker haben Sie ein Recht, wissen zu wollen, was in diesem Kodizill steht. Und Sie sollen es wissen, alles, sollen meine

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain «uv de« Beilage«:Literarischer Anzeiger«,Landwirtschaftliche Beilage" undIllustriertes Ssrmtag-blatt".

Kinder auf den Inhalt vorbcrelten, wozu mir" er seufzte schwer auf,um offen zu sein, der Mut fehlt." Der Justizrat konnte fein Befremden bei den letzten Worten des Barons nicht ganz ver­hehlen. Wenn irgendwo, hätte er geglaubt, daß hier die Verhältnisse klar lägen.Ich muß mich kurz fassen," fuhr der Baron hastig fort,denn meine Kräfte reichen nicht weit, und es wird mir schwer, Ihnen zu gestehen, was ich so lange im tiefsten Herzen verborgen gehalten, welche Schuld auf meinem Leben lastet, eine Schuld, die ich beinahe mit mir ins Grab genommen, wenn nicht das arme, verlassene Weib mit ster­bender Hand mein Gewissen aufgerüttelt und mich an meine Pflicht gemahnt hätte. Sie er­raten, es handelt sich um Anna Müller."

Der Justizrat konnte nun doch ein leises Lä­cheln nicht unterdrücken. Er, der feine Men­schenkenner, hatte ja gleich geahnt, daß es nicht bloß Menschenliebe war, die den lebenslustigen Herrn bewogen hatte, der Tochter seines alten Administrators eine so reiche Unterstützung zu gewähren, sondern daß ihm Anna Müller einst näher gestanden hatte.

Sie lächeln, Justizrat," fuhr der Baron fort,und ich ahne, was Sie denken; aber Sie tun der armen Heimgegangenen Unrecht. Sie wer mein rechtmäßiges angetrautes Weib. Der Sohn, den sie hinterlassen hat, steht mir ebenso nahe, wie Dietrich, er ist mein Erstgeborener."

Der Justizrat fuhr mit einem Laut höchster Ueberraschung von seinem Sitze empor.Das das ändert allerdings alles. Ein rechtmäßiger Erbe? Wie aber ist es möglich, daß bis jetzt?"

Es wat Feigheit, Justizrat, erbärmliche Fergheit, die mir den Mund verschlossen hat ge­gen mein Weib, meine Kinder!"

Der Justizrat schüttelte noch immer zweifelnd den Kopf:Ich begreife noch immer nicht, Herr Baron, wie alles so kommen konnte."Sie be­greifen nicht, und doch ist es so einfach! Gewiß erinnern Sie sich noch, daß mein Vater außer der Herrschaft Frauenstein und dem Allodialgul

berufenen Herrn v. Holleben, später als Bot­schafter wiederum nach den Vereinigten Staaten entsandt wurde.

Zum Tode des Botschafters find bisher zirka 40 bis 50 Depeschen von hochstehenden Staats­beamten des In- und Auslandes eingelaufen. Am Sterbebette weilen außer der Gatttn die Mutter und die Schwester der Baronin. Die Ueberführung der Leiche soll nach dem Ritter­gut Lutzschenen bei Leipzig stattfinden. Vom Reichskanzler Fürsten v. Bülow lief heute Abeyd folgendes Telegramm ein:Norderney. An Are Erzellenz Frau Baronin v. Sternburg. Gest-tten Sie mir, Ihnen meine aufrichtigste Teilnahme bei dem Hinscheiden Ihres Gatten auszusprechen. Die großen Dienste, die der Ver­storbene dem Vaterlande geleistet hat, werden ebenso unvergessen sein, wie die bewunderungs­würdige Energie, mit der er trotz schwerer Er- ttankung seine letzten Kräfte dem kaiserlichen Dienste gewidmet hat. Fürst v. Bülow."

Bei der Witwe des verstorbenen deutschen Botschafters Frhrn. Speck v. Sternburg ging heute vormittag aus Wilhelmshöhe folgendes Telegramm des Kaisers ein:Tieferschüttert durch die unerwartete Nachricht vom Heimgang Ihres Mannes spreche ich Ihnen aufrichtige Teilnahme und mein herzliches Beileid aus. Ich verliere in dem Entschlafenen einen be­währten Freund und ausgezeichneten Diplo­maten, der mir und feinem Vaterlande wert­volle Dienste geleistet hat und schwer zu ersetzen sein wird. Der Herr verleihe Ihnen in Ihrer großen Trauer seinen himmlischen Trost. Wil­helm I. R. An den Bruder des Verstorbenen, Frhrn. Alexander v. Sternburg, ist im Laufe des Nachmittags folgendem Telegramm vom Kaiser gelangt:Ich spreche beim Ableben Ihres Herrn Bruders meine herzliche Teil­nahme aus. Ich betrauere diesen ausgezeich­neten Botschafter aufrichtig. Seine Verdienste um unser deutsches Vaterland sichern ihm eine Dankbarkeit über das Grab hinaus. Wil­helm I. R.

Wie man in Amerika den Tod des Botschaf­ters empfindet, zeigt folgende Auslassung der Asseciated Preß" in Washington: Der Tod des deutschen Botschafters Speck von Sternburg bedeutet einen schweren Schlag für feine persön­lichen und amtlichen Freunde in Washington. Von den Beamten des Staatsdepartements und den Freunden Sternburgs wird fein Hinfcheiden als ein schwerer persönlicher Verlust betrachtet. Es beeinträchtigt niemand, wenn man sagt, Sternburg war eines der beliebtesten und ge- achtetsten Mitglieder des diplomatischen Korps in Washington. Er unterhielt mit Roosevelt intimere persönliche und amtliche Beziehungen

Deutsches SWj. %

Der deutsche Schulschiffverein hielt am 23. August in München unter dem Vorsitz des Groß- herzogs von Oldenburg, feines Protektors, feine diesjährige Mitgliederversammlung ab, zu der unter anderen die Prinzen Ludwig. Rupprecht und Alfons von Bayern, sowie die Vertreter der Hansestädte und mehrere Reichs- und baye­rische Staatsbehörden erschienen waren. In der Begrüßungsansprache dankte der Eroßherzog von Oldenburg den bayerischen Prinzen für ihr Erscheinen und gab bann einen kurzen Ueber- blick über die Ziele des Vereins, wobei er auf die Notwendigkeit der Erbauung eines zweiten Schulschiffes hinwies. Hierauf erstattete Pro­fessor Dr. Schilling den Jahresbericht, aus dem unter anderem hervorgeht, daß in den sieben Jahren des Bestehens des Vereins der Handels­marine 800 vollgeschulte Matrosen zur Ver- füaung gestellt wurden. Nach einem Referat über die' beabsichtigte Erbauung eines zweiten Schulschiffes, auf dem Deckmannschaften für Dampfer innerhalb sieben Monaten ausgebildet werden sollen, wurde beschlossen, an den Kaiser folgendes Telegramm abzusenden:Eurer Maje­stät dem weitblickenden Förderer deutscher Sckiffahrt, sende ich von der unter dem Ehren- Vorsttz des Prinzen Ludwig von Bayern, und in Anwesenheit der Prinzen Rupprecht und Alfons stattfindenden Mitgliederversammlung des deut­schen Schulschiifvereins huldigenden Gruß. Dre in München stattfindende von Anerkennung unserer Bestrebungen getragene Tagung wird nicht nur unserem Verein auch in Süddeutsch- land neue Freunde zuführen, sie soll auch da­durch der Markstein unserer Entwickelung lein, daß wir zur Ausbildung von Deckmannschaften der Dampfer den Bau eines zweiten Schulschiffes in Auftrag geben. Möge unserer für Deutsch­lands Geltung zur See eifrig arbeitenden Ver­einigung auch fernerhin das fachkundige Wohl­wollen Eurer Majestät erhalten bleiben, (gez.) Friedrich August, Eroßherzog von Oldenburg.'

Minister auf Reifen. München, 24. Aug. Der italienische Minister des Aeußern, Titloni, empfing vor einigen Tagen den deutschen Botschafter am Quirinal, Grafen von Monts, der gegenwärtig auf Urlaub auf Schloß Heimhaufen bei München weilt. Abends folgte der Minister einer Einladung des Botschafters zum Diner auf Schloß Heimhaufen. An dem Diner nahm u. a. der preußische Gesandte in Schönwalde noch ein Gut in Ostpreußen besaß, das ihm meine Mutter zugebracht hat. Dieses sollte einst, da meinen beiden älteren Brüdern Frauenstein und Schönwalde zufiel, nach des Vaters Tode mein Besitz werden. Ein feit langen Jahren im Dienste meines Vaters stehender Administrator bewirtschaftete es mit Treue und Geschick. Ich stand bei den Garde- Husaren in Potsdam, ein flotter, luftiger Offi­zier. Meinen Urlaub im Herbst benutzte ich fast alljährlich dazu, meinen künftigen Besitz auszu- suchen und dort mit benachbarten Freunden und den Offizieren der nahen Earnisonstadt der Jagd obzuliegen."

Des Barons Kopf sank tiefer auf die Brust herab aus der es wie ein Stöhnen aufstieg.Da geschab's," fuhr er nun so leise fort, daß der Justizrat sein Ohr fast an den Mund des Kran­ken legen mußte.Der Administrator harte ei t liebreizendes Töchterlein. Wir beide waren jung, empfänglich und liebten uns. Aber ich war kein Lump, der es über das Herz gebrach! hätte, zum Verderber des einzigen Kindes eines alten, braven Beamten zu werden. So warb ich denn als ehrlicher Kerl um ihre Hand. Was es für Kämpfe da gegeben hat, ehe ich mein Ziel erreichte, das können Sie sich denken. Aber ich fetzte meinen Willen durch, reichte meinen Ab­schied ein und heiratete Anna, mein junges Glück in der Einsamkeit meines ostpreußischen Gutes bergend." Der Baron schwieg einen Augenblick. Mit gespanntester Erwartung folgte der Justizrat der Erzählung.

Sie wissen", sagte , der Baron sich nach kur­zer Pause wieder aufraffend,daß der Tod zah und unerwartet, erst meinen Vater, dann meine Brüder ereilte. Ich wurde dadurch einziger Erbe des Familienbesitzes. Das war der Ruin unserer in jugendlichem Leichtsinn eingegange- nen Ehe. Anna Müller paßte nicht zur Gattin des Majoratsherrn von Fräuenstein. Sie und ihr Vater sahen da, selbst ein. Die Trennung der Ehe war beschlossene Sache. Ich glaubte

München, von Schloezer teil. Karlsbad, 24. Aug. Der russische Minister des Aeußern Is­wolsky und der französische Ministerpräsident Clemenceau hatten heute nachmittag eine ein» stündige Konferenz. Karlsbad, 24. Aua. Der rumänifche Ministerpräsident Sturdze ist gestern abend hier eingetroffen. Bremen, 24. Aug. Der englische Schatzkanzler Lloyd George ist nebst Begleitung, von Hamburg kommend, abends gegen halb 7 llhr hier eingetroffen.

Jüdische Reisende in Rußland. Die bay­rische Staatsregierung hat angeordnet, daß in den Pässen für bayrische Reisende nach Rußland jede Religionsangabe fortfallen soll. Dieser Entschluß erfolgte in der ausgesprochenen Ab­sicht, jüdische Reifende vor Scherereien in Ruß­land zu schützen.

Zum Boigi-Kuttus schreibt dieNordd. Allg. Ztg." sehr richtig:Jeder gesund empfin» dende Deutsche mußte mit lebhaftem Un« willen wahrnehmen, wie im Laufe der ver­gangenen Woche von gewissen Leuten, denen jedes Mittel zur Befriedigung niederster Sensationssucht recht ist, der Versuch ge­macht wurde den Schuhmacher Voigt aus Anlaß seiner Begnadigung und Entlassung aus dem Gefängnis zu einem Heros zu stempeln. Da» hierbei das nötige Publikum nicht gefehlt hat, kann niemand wundernehmen, der weiß, wie der großstädtische Pöbel jederzeit bereit ist, bei einem öffentlichen Unfug die Rolle des mitwi^ kenden Chors zu übernehmen. Es handelt sich da meist um Elemente, die erfreulicherweise noch nicht berufen find, die wahre Volksmeinung zu vertreten ja zur Ehre der Reichshauptstadt taun gesagt werden, daß auch ihre Bevölkerung nur in sehr beschränktem Maße an dem wider­wärtigen Treiben beteiligt gewesen ist. Gegen dis Veranstalter des Unfugs aber muß der Vor­wurf erhoben werden, daß sie in skrupellosester Weise alle Begriffe von Recht un» Moral, auf bereit Heilighaltung das Dasein jedes gesitteten Staatswesens beruht, mit Füßen getreten und dadurch zu der Ver­wirrung jener Begriffe in gewissen Volksschich­ten beigetragen haben. Mag man über manche Verhältnisse, die Voigt zur Beraubung der städ­tischen Kasse von Köpenick mitbeftimmt haben sollen, denken wie immer, unter allen Umstän­den ist und bleibt er ein Mensch, der mit den geltenden Gesetzen mehrfach bei dem Köpe- nicker Vorfall ebenso wie schon früher m schweren Konflikt gekommen ist. Die Verherr­lichung eines solchen Mannes bedeutet eine Schmähung der Rechtsordnung, die, nicht scharf genug zurückgewiesen werden kann . Voigt soll sich übrigens, wie ein Berliner Blatt zu melden weiß, entschlossen haben im Aus­lande Vorstellungen zu geben (!!).. Ein Wiener Telegramm meldet demB. T. DerHauptmann von Köpenick", der heute nach: Wien kommt, tritt in den allernächsten Tagen mich frei und warb um die Gunst der schönen Gräfin Heldberg, für die mein Herz erglüht war.' Da traf mich wie ein Blitzstrahl aus heiterem Himmel die Kunde, daß Anna sich Mutter fühle. Alle meine Hoffnungen, meine Aussichten für die Zukunft schienen dadurch mit einem Schlage; vernichtet. Mich auf die Eisenbahn setzen unb: nach Ostpreußen fahren war ber Entschluß eines- Augenblicks. Ganz unerwartet trat ich vor bas bis zum Tode erschreckte arme Weib.Ist es; wahr?" stöhnte ich auf, ihr zu Füßen sinken» und ihre Knie wie ein Verzweifelter umfassend. Sage, daß es nicht so ist! Es kann ja nicht fein!*, Sie neigte statt aller Antwort nur schweigend und errötend den Kopf.So ist alles aus, stieß ich tonlos hervor.Die ganze Zukunft ver­nichtet und zerbrochen." . ;

Jetzt erhob sie den Kopf, und mir, ber rote ein Rasender aufgeschnellt war und jetzt mit. großen Schritten das Zimmer durchmaß, nut einer Würde entgegentretenb, die ich ihr nie zugetraut hatte, sagte sie ernst:Sei ruhig,. Georg. Ich will und werde Deinem Glücke nicht im Wege stehen, weder ich, noch mein Kind." Etwas wie neubelebte Hoffnung mußte wohl in meinen Zügen auf leuchten; denn zum erstenmal sah ich es um ihren sanften Mund wie Bitterkeit, aufzucken.Unb was, was soll werben?" fragte ich.Nur ein wenig Eebulb sollst Du noch mit mir haben," gab sie mir traurig zur Antwort.

Meine unb meines Kinbes Ehre barf ich Dir nicht opfern. Bis zu seiner Geburt bleibe ich Deine Gattin. Dann aber soll ber Erfüllung Deines Wunsches nichts mehr entgegenstehen.; Doch stelle ich Dir eine Bebingung: Das Kind, bem ich bas Leben gegeben, ist mein, mein qllein? Du entsagst allen Ansprüchen barauf.' Ich will nicht, baß seine junge Seele gleich in den Zwiespalt versetzt werbe, zwischen Vater und Mutter wählen zu müssen. Es ist vaterlos, ehe es nur zur Welt kömmt es soll das auch

Man abonniert auf bie täglich erscheinendeOber he ff i ~AA Zeitung" bei allen Postämtern und nnfern Zeitung-ftelle, JWö 2(1(1 Kirchhain und Hetter sowie bet unserer Expedition -Mark

»/IX ÄfVU _ Bezugspreis beträgt durch He Post 2,35 Mk. (i

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, __ nr ri «AAr, Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversitStsbuchdruckerei

Mittwoch, 26. August 1908. Inhaber Dr. C. H ttzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.