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Döe^eW Bettung
mit dem Kreisblatt für sie Kreise Marburg und Kirchhain
und den Serlagen: „Literavischer Aureiger^ßandmirtschaftirchs D-ilage- und „IlluSrierte» KsuulagsblaM.
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Marburg
Sonntag, 23. August 1908.
Die JnsertionSgebühr beträgt kür die 7gefpaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Lug. Koch, llniversttätsbuchdruckerei Inhaber Dr. E. Hltzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
43. Jahrg.
Der heutigen Auflage für de« Kreis Kirchhain liegt Kreisblatt Nr. 67, bei.
Erstes Blatt.
L'E Umschau im Ausland.
Die äußere Politik der letzten Woche zeigt »in auffallendes Steigen des Barometers an, das auf „Schön Wetter" hinwetst. Jetzt erst könnte man, wenn der Vergleich überhaupt angebracht ist, sagen, daß Ferienstimmung in alle Kabinette eingezogen ist. Daß es in diesem Jahre erst so spät dazu gekommen, lag daran, daß die Besuche der europäischen Staatsoberhäupter die äußere Politik nicht zur Ruhe kommen ließen; vor allem aber bedeutete die inner« ’m Umwälzung in der Türkei einen Sturm, der mühsam aufgebaute Kombinationen und Konstellationen mit einem Schlage vernichtete. Er hatte aber das Gute, daß nunmehr, gleich wie nach einem reinigenden Gewitter, friÄliche Stille in der vorher noch so bewegten und drük- kenden Atmosphäre herrschte. Die Ambitionen der verschiedenen Mächte auf die Türkei waren plötzlich verschwunden, als man sah, daß der angeblich „kranke Mann" sich gewissermaßen nur in einem schlafähnlichen Traum befunden hatte, aus dem er nun „froh und kregel" erwachte und mit unerwarteter Kraft die etwas eingerosteten Glieder reckte, so daß es in allen Fugen krachte.^ Man hatte gehofft, daß der „kranke Mann" ohne"" allzu großen Kampf hinübergehen würde und war nun ganz bestürzt, als auf einmal ein im Kern gesunder Mann sich von seinem Lager er- J hob.
Den vielfachen Versuchen gegenüber, es so hinzustellen, als ob auch wir Deutsche durch diese Wendung der Dinge unangenehm überrascht worden wären, wollen wir nur nochmals betonen, daß für unsere äußere Politik eine starke, vor allem waffengewaltige, Türket einen pofi- tiven Gewinn bedeutet. Der Sultan gilt in seiner Eigenschaft als Nachfolger der Khalifen als das Oberhaupt des Islam: bedeutet er der türkischen Tradition entsprechend auch noch einen gewaltigen Kriegsherrn, so ist damit seine Vormachtstellung im Islam unbestreitbar. Diejenigen europäischen Mächte, die als Besitzer großer Kolonialreiche gleichzeitig Herren über große mohammedanische Volksmasien sind, haben dann sehr stark mit dem Padischah in Konstantinopel zu rechnen und auf ihn Rücksichten zu nehmen. Dies ist sowohl für Frankreich als auch für Eng-
Bismarck-Anekdoten.
In Stuttgart erscheint bei dem Verleger Robert Lutz eine rasch sich erweiternde A n e k - d £.t.e n-Bibliothek, deren erster Band .^eWätz' Sammlung von Bismarck-Anekdoten (Preis 2,50 brosch., 3,50 in Leinw. geb.) enthält. Aus dieser Fülle heiterer Bismarck-Erinnerungen, die für jeden Deutschen von großem Interesse sind, bringen wir nachstehende Auszüge mit Erlaubnis des Verlegers ■ i zum Abdruck, und wünschen, daß recht Viele nach dem netten Büchlein selbst greifen werden.
Auch ein Zeugnis. Im Jahre 1837 arbeitete Bismarck bei der königlichen Regierung in Potsdam. Sein Bureauchef war der Regierungsrat Wilke, der mit Bismarcks Eltern in freundschaftlichen Beziehungen stand und sich infolgedessen für seinen Untergebenen sehr interessierte. Nichtsdestoweniger aber stellte er Bismarck das aktenmäßige Zeugnis aus, „daß dieser sich zu den höchsten Aemtern qualifiziere, wenn er seine sichtliche Abneigung gegen alle Bureautätigkeit siegreich bekämpfen würde."
Bismarck und der Berliner. Fürst Bismarck arbeitete einst auch beim Stadtgericht in Berlin. Eines Tages nun hatte er einen richtigen Berliner zu vernehmen, welcher durch Unverfrorenheit die Geduld Bismarcks so erschöpfte, daß dieser plötzlich aufsprang und jenem zurief: „Herr, menagieren Sie sich oder ich werfe Sie hinaus!" Der anwesende Gerichtsrat, als Chef Bismarcks, klopfte diesem, seinem erbosten Auskultator, freundlich auf die Schulter und sagte beruhigend, doch wohl auch im verweisenden Sinne: „Herr Auskultator, das Hinauswerfen ,ist meine Sache!" Daraufhin wurde die Ver- 'nehmung fortgesetzt, es dauerte aber nicht lange, so geriet Bismarck über dis Dreistigkeit seines Jnkulpaten abermals in Hitze, erhob sich erregt vom Stuhle und donnerte jenen mit den Worten an: „Herr, menagieren Sie sich endlich, oder ich laste Sie durch den Herrn Stadtgerichtsrat
land zutreffend, dir in Nordafrika, Aegypten und Vorderindien Misttonen mohammedanischer Untertanen haben. Line starke, waffengewaltige Türkei bedeutet also für diese beiden Mächte einen Machtfaktor, mit dem sie ganz anders zu zählen haben als bisher. Dazu kommt noch, daß Aegypten zur Türkei gehört, und daß sich ferner Vorderindien in einer beständigen Gärung befindet. Die englischen und französischen Sorgen um die Wahrung ihre» ausgedehnten und gerade de» besten Kolonialbesitzes werden jetzt mehr Aufmerksamkeit und auch ein« größere Machtentfaltung in den gefährdeten Kolonien erfordern und somit ganz von selbst eine Abnahme de» Drucke« erzeugen, der seit einiger Zett sich auf unsere Grenzen gelegt hatte.
Oesterreich-Ungarn und mit ihm Italien, Rumänien und die Türkei stehen nach wie vor in einem engeren oder weiteren freundschaftlichen Verhältnis zu uns, mit dem sich auch Schweden verbunden fühlt. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika sind einerseits so stark mit deutsch gebliebenen tonangebenden Elementen versetzt und andererseits politisch und wirtschaftlich so stark auf uns angewiesen, daß wir fte ebenfalls in unser Akttvum einstellen können. In Japan ist die eine Zeitlang herrschende Abneigung gegen Deutschland sehr zu unseren Gunsten umgeschlagen, da man über die Haltung Englands nach dem letzten Feldzuge aufs äußerste erbittert ist und eingesehen hat, daß man sich zu sehr zum Werkzeug Albions hat mißbrauchen und in schlechte Äimmung gegen seinen alten Lehrmeister, Deutschland, hat hineinhetzen lasten. Gewichtige Stimmen haben sich bereits im Lande der ausgehenden Sonne vernehmen lasten, die für einen näheren Anschluß an das Deutsche Reich werben. Auf die freundschaftlichen Kundgebungen aus dem größten südamerikanischen Staate, aus Brasilien, ist schon in unserer vorigen Umschau hingewiesen worden.
In den Ländern, in denen eine uns nicht gerade freundliche Stimmung augenblicklich an der Tagesordnung ist, hat sich aber ebenfalls eine andere Ansicht über das Verhältnis zu uns allmählich gebildet, allerdings weniger aus einem Stimmungswechsel heraus — wenn wir das annehmen wollen, befänden wir uns in einer argen Selbsttäuschung — als deshalb, weil man eingesehen, daß man sich von seinen Launen und Gefühlen zu weit hat hinreißen lasten, und daß doch wohl schließlich nicht diese, sondern reale Faktoren die Beziehungen zwischen den einzelnen Ländern regeln. Die jüngsten Reden der englischen Minister Lloyd George, Churchill und Edward Grey legen Zeugnis davon ab. Uns kann es nur recht sein, wenn nicht nur die leitenden Männer, sondern alle Engländer allmählich
hinauswerfen!" Gegen die scharfe Logik Bismarcks konnte auch sein Vorgesetzter nichts einwenden.
Der verlorene Sohn. Die Liberalen von 1848 betrachteten Bismarck als einen in begrenztem Jdeenkreise erzogenen märkischen Junker, der für die Sache der Volksfreiheit bei einer widerspenstigen unbeugsamen Natur nicht zu erwärmen und in dieser Hinsicht für Deutschland verloren sei. Aus dieser Anschauung heraus sagte der Abgeodnete Veckerath einst in der Kammer mit nicht mißzuverstehenderAnspielung auf Bismarck unter dem Beifall der Linken: „Wo viel Licht ist, da ist viel Schalten und das große deutsche Vaterland muß auch einen verlorenen Sohn haben." „Dieser Vergleich paßt nicht auf mich," erklärte Bismarck bald darauf: „Der verlorene Sohn verließ seinen Vater, um in der Fremde sein Glück zu suchen, ich aber will gerade mein Vaterhaus nicht verlasten."
Exzellenz haben doch angefangen! Bei seiner Rückkehr vom Kriegsschauplätze im Jahre 1866 ward König Wilhelm auch in Görlitz ein feierlicher Empfang bereitet. Junge Damen überreichten ihm und ebenso auch den Prinzen Lorbeerkränze. Auch Bismarck sollte einen solchen Kranz haben. Der aber meinte zu der schönen Spenderin: „Nein, mein gnädiges Fräulein, ich verdiene diese Ehre nicht. Ich bin nicht Kombattant gewesen und habe an den Siegen keinen Anteil!" — Im ersten Augenblick wurde das junge Mädchen durch diesen unerwarteten Einwand völlig aus dem Text gebracht. Sie wußte sich jedoch zu helfen. „Aber Ew. Exzellenz haben dech den Krieg angefangen," versetzte sie, und lachend nahm nun Bismarck den Kranz.
Volkspoesie von 1866. Die Reichsarmee sang bei Beginn des Krieges von 1866:
„Das achte Armeekorps, das schlägt sich wie ein Mann,
Der Prinz Alexander, der führet es an. Der führet uns gerad' nach Berlin hinein. Da fangen vor allem wir Bismarck ein."
zur Einsicht gelangen, daß bei einem Kampfe mit uns für sie keine Seide zu spinnen ist. In Frankreich hat man sich immer noch nicht dazu aufschwingen können, sich mit der seit 1870/71 eingetretenen Veränderung in der Kräfteverteilung der Welt endgültig abzufinden. Die aber dort zutage tretende Resignation über den absoluten Sttllstand de» Volkswachstums gegenüber dem rapiden Anwachsen dewdeutschen Bevölkerungsziffer wird über kurz oder lang das ihrige tun, um auch die unruhigen Geister dieses Landes zur Vernunft zu bringen, mit deren Hilfe sie ebenfalls einsehen werden, daß bei einem Waffengang mit dem östlichen Nachbarn für sie nichts zu gewinnen aber alles zu verlieren ist.
Leider hat man es auch nicht in Rußland unterlasten können, den Deutschenhaß gewister- maßen als Sport zu betreiben. Daran ist zum Teil die allslawische Propaganda schuld, mehr aber ist er auf die allerniedrigsten Beweggründe zurückführen, vor allem auf den Konkurrenzneid des indolenten Rustentums gegenüber dem strebsameren russischen Deutschtum, das eine gewisse Aristokratie im Lande darstellt und viele leitenden Stellungen im Heer, in der Verwaltung und auch im Eeschäftsleben bekleidet. Und zwar wird der Haß gegen alle Deutsche besonders von der russischen Demokratie und den Polen gepredigt, während die Altrusten demgegenüber sich auch heute noch nur anerkennend über die Tüchtigkeit und Loyalität ihrer deutschen Volksgenossen aussprechen. Außerdem ist die russische Regierung ja auch noch stark genug, daß sie sich vom Deutschenhaß weiter Masten wohl kaum auf die schiefe Bahn zu Unfreundlichkeiten gegen Deutschland hinreißen lasten dürfte, das sowohl während des russisch-japanischen Krieges als auch während der Schrecken der Revolution ihr eine mehr wohlwollende Neutralität gewährt hat.
Dksti/ches ymch. k
— Bom Kaiser. Cron berg, 21. Aug. Der Kaiser reiste heute Nachmittag 3 Uhr nach herzlicher Verabschiedung von seinen Verwandten mittels Hofzuges nach Wilhelmshöhe ab. Auf dem Bahnhofe waren ferner zur Verabschiedung erschienen Landrat Dr. v. Marx und Bürgermeister Pitsch. — Wilhelmshöhe, 21. Aug. Der Kaiser ist mit Gefolge um 7 Uhr auf Station Wilhelmshöhe eingetroffen und hat sich, vom Publikum mit Hurrarufen begrüßt, im Automobil nach Schloß Wilhelmshöhe begeben.
— Dernburg. Swakopmund, 21. August. Staatssekretär Dernburg tritt am 22. August seine Heimreise an.
Dagegen sangen die Frankfurter Mütter, als General Vogel von Falkenstein nach lOtägigem Siegesznge vor der alten Reichsstadt stand, ihre Kinder mit folgenden Strophen in den Schlaf:
„Schlaf', Bübchen, schlaf',
Bleib immer fromm und brav, Sonst kommt der Vogel von Falkenstein Und steckt dich in den Sack hinein, Der Bismarck kommt dahinter Und „freßt" die großen Kinder."
Sechsundsechzig. Es wird erzählt, daß König Wilbelm den Fürsten Bismarck beim Beginn des französischen Krieges gefragt habe: „Was machen wir nun mit Frankreich?" „Wir spielen mit ihm Sechsundsechzig," soll dessen lakonische Antwort gewesen sein.
Bis-Mark. Gelegentlich der Prägung von Zweimarkstücken machte ein Witzbold den geistreichen Vorschlag, diese doch mit der Bezeichnung „Vis-Mark" (bis, lateinisch zweimal) einzuführen. Die Vorteile dieser Benennung würden in einer alle Parteien befriedigenden Weise bestehen. Denn die Nationalliberalen hätten dann Bismarck in der Tasche, die Sozialisten sähen in geschlagen, die Ultramontanen könnten ihn nach Belieben wechseln und die Polen verjubeln. — Der Bismarcksche Einfluß würde somit auch nach des Fürsten Rücktritt noch maßgebend sein.
Ich bin auch Schuster. Von Adalbert von Blumenthal kaufte Bismarck im Jahre 1867 die Güter Varzin, Mustow, Puddiger, Misdow, Ehomitz und Charlottenthal. Die nächstgelegene Eisenbahnstation der Berlin-Danziger Bahn ist Schlawe. Bei Bismarcks erster Ankunft dort ereignete sich der nachstehende höchst komische Zwischenfall. Kaum aus dem Zuge gestiegen, erregte Bismarcks stattliche Erscheinung die Aufmerksamkeit der Passanten des Bahnsteigs, Bürgern des Städtchens, di« zum Zeitvertreib dem Bahnverkehr zuschauten. Nachdem sich Bismarck
t — Englischer Besuch. Berlin, 21. Aug. Der t englische Schatzsekretär Lloyd George ist von i Frankfurt a. M. hier eingetroffen und gedenkt, l sich einige Tage in Berlin aufzuhalten, um da» - selbst die Einrichtungen der Alters- und In»' t | validenverstcherung zu besichtigen. Er suchte der- - | halb am heutigen Morgen den Staatssekretär c I der Innern, Staatsminister Dr. v. Bethmann- - I Hollweg, im Reichsamt des Innern auf.
t I — Militärisches. Berlin, 21. Ang. Da» - I „Militär-Wochenbl." meldet: Nöldichen, Oberst, beauftragt mit der Führung der 25. Feldartillerie-Brigade (großherzoglich hessisches) zum Kommandeur dieser Brigade ernannt.
— Der Bedarf gedeckt. Berlin, 21. August. Die „Nordeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Der Bedarf des Königlichen Statistischen Landesamts an Hilfskräften ist gedeckt. Obwohl dies wiederholt zur öffentlichen Kenntnis gebracht worden ist, laufen täglich Gesuche um Beschäftigung ein. Da die geschäftliche Erledigung unnützen Zeitaufwand verursacht, werden et- j waige noch eingehende Gesuche unbeantwortet bleiben müssen.
— Zeppelin-Sammlung in Witzenhausen. Du Kameradschaft der Deutschen Kolonialschule Witzenhausen-Wilhelmshof hat für Graf Zeppelin eine Sammlung veranstaltet, durch welch, 200 <M. zusammen gekommen sind.
— Zur Arbeiterversicherungs-Reiorm schreibt die „Frk. Korr.": Die Reichsregierung befürchtet augenscheinlich, so nimmt man au, ihre Reform der Arbeiterversicherung nicht durchbringen zu können, wenn diese Entwürfe nicht einheitlich vorgelegt und mit Konzessionen nach allen Seiten schmackhaft gemacht werden. Diese Erwägung ist wohl die Quelle einer Reihe von Mitteilungen über Absichten des Reichsamts de» Innern, die über das Stadium von Vermutungen oder Pouparlers hinaus schwerlich einzu« schätzen sind. So soll die Versicherung der Witwen und Waisen ein integrierender Bestandteil- des "Gesetzentwurfs der Arbeiterversicherungs- Reform" fein, an sich ja denkbar, und bereits am 1. Januar 1910 in Kraft treten. Sollten diese Ansichten und Absichten bestehen, so fordern wir um so energischer, daß die Regierung sich entschließe, die so dringend notwendige Reorganisation der Verwaltung der Krankenkassen vorweg zu nehmen: durch Ausscheiden dieses Zankapfels würde sie sich die Verabschiedung der großen Versicherungsreform recht erleichtern. Keinesfalls wird aber der Reichstag das große Ziel aus dem Auge lassen dürfen, die Krankenversicherung wieder ihrem eigentlichen Zwecke zuzuführen, nämlich eine Einrichtung zur Versorgung und Heilung der Arbeiter bei Krankheiten jeder Art zu fein, und nicht ein bequemer einträglicher Unterschlupf für sozialdemokratische Agitatoren auf Kosten und zum Schaden der Versicherten.
auf einer Bank niedergelassen und sich feine Zigarre angezündet hatte, konnte ein wißbegieriger Schlawener Schuhmacher seine Neugierde nicht länger zügeln. Der brave Fußbekleidungskünstler näherte sich schüchtern dem Fremden, setzte sich auf das Ende der Bank und rückte leise näher mit der Frage: „Sie kommen wohl von Berlin?" „So ist's. Wer sind Sie?“ „Ich bin der Schuhmacher Th. von hier — und mit wem hab' ich die Ehre?" „Ich bin auch Schuster!" „Schuster, ei der Tausend, wa» Sie sagen! Da haben Sie gewiß große Kundschaft in Berlin?" „Ich danke, es geht!" Doch bevor noch der Schuster seine Neugier weiter befriedigen konnte, erschien ein Postbeamter und meldete dem Fremden ehrerbietigst: „Exzellenz finden die Extrapost bereit." — Ganz bestürzt über seine Dreistigkeit einem so hohen Herrn gegenüber wollte sich der ehrsame Pechkünstler gezie- mendst entschuldigen, doch der Fremde ließ ihn nicht zu Worte kommen, klopfte ihm vertraulich auf die Schulter und sagte: „Wenn Sie einmal nach Berlin kommen, so besuchen Sie mich in meiner Werkstatt, Wilhelmstraste Nr. 76. Auf Wiedersehen!"
Beinahe nicht wieder erkannt. Fürst Bismarck reiste 1871 zu den Verhandlungen über den definitiven Frieden nach Frankfurt a. M. in Zivilkleidern. Als er in dem von früher her ihm schon bekannten Gasthofe abstieg, erlaubte sich der Oberkellner die Bemerkung, daß er Se. Durchlaucht beinahe nicht wieder erkannt habe. „Ja, mein Lieber," entgegnete der großeStaats- mann, „den Herren Franzosen ist es ähnlich ergangen tvie Ihnen, die haben uns auch erst erkannt, als wir die Uniform anhatten!"
Ei« russisches? — nein! Ein ganz außergewöhnliches Aufsehen erregte die im Oktober 1887 stattgefundene Reise des italienischen Ministerpräsidenten Crispi nach Friedrichsruh zum Fürsten Bismarck. Die bedeutsamen Worte de» letzteren beim Abschiednehmen von seinem Gast« »wir haben Europa eine« Dienst geleistet," wi*