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Der heutigen Nummer liegt bei Kretsblatt Nr. 67.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg Kirchhain

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Deutsches Nclch.

Vom Kaiser. Mainz, 20. Aug. Gegen 8 Uhr fuhr der Kaiser mit dem Prinzenpaar Friedrich Karl von Hessen und der Kronprin­zessin von Griechenland und ihren Söhnen in Automobilen nach Schloß Friedrichshof bei Tronberg. Das Eroßherzogspaar von Hessen mit dem Erbgroßherzog begibt sich im Laufe des Nachmittags mittels Automobils nach Schloß Wolfsgarten. Tronberg, 20. Aug. Der Kaiser traf um 3 Uhr 45 Min. von Mainz kom­mend im Automobil hier ein. Im ersten Wa­gen saßen außer dem Kaiser die Kronprinzessin von Griechenland sowie Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen. Es folgten die Prinzen von Griechenland und das Gefolge des Kaisers. Die Straßen der Stadt sind wieder prächtig geschmückt. Das Wetter ist herrlich.

Vom Reichskanzler. Berlin, 20. August. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Beim Reichs-

neir-Regiment Nr. 6, der Stab der 25. Ka­vallerie-Brigade, 1. Eroßherzoglich-hessisches Dragoner-Regiment (GardeDragoner-Regiment) Rr. 23, der Stab der 21. Feldartillerie-Brigade, 1. Nassauisches Feldartillerie-Regiment Nr. 27 (Oranien). Der Kaiser ritt zunächst die Front der zum Parademarsch angetretenen Regimenter ab und begrüßte sie. Der erste Vorbeimarsch erfolgte in Kompagniefronten, bezw. Eskadron- und Batteriefronten die berittenen Truppen im Trabe, der zweite Vorbeimarsch in Regiments­kolonnen, die Kavallerie in Eskadronfronten im Galopp und die Artillerie in Abteilungsfronten im Galopp. Beide Male führte der Kaiser sein Regiment vor, ebenso der Eroßherzog von Hessen sein 115. Infanterie-Regiment und sein 23. Dra­goner-Regiment, die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen das Füsilier-Regiment v. Gersdorff dessen Uniform sie trug. Prinz Friedrich Karl von Hessen als Oberst des 81. Infanterie-Regi­ments und Prinz Ernst von Sachsen-Weimar als Kommandeur der 21. Kavallerie-Brigade waren eingetreten. Nach dem Parademarsch nahm der Kaiser militärische Meldungen ent­gegen. Die Großherzogin von Hessen kam mit dem Erbgroßherzog im Automobil an und fuhr zum Schloß, von einer zahlreichen Menschen­menge stürmisch begrüßt. Nach dem Parademarsch setzte sich der Kaiser mit dem Eroßherzog von Hessen an di« Spitze der Truppen und ritt so­dann in Mainz ein, das reichen Flaggenschmuck trug. Eine überaus zahlreiche Menschenmenge begrüßte den Kaiser und dem Eroßherzog mit stürmischen Zurufen. Um 1 Uhr fand Frühstücks­tafel im großherzoglichen Palais statt. Der Kaiser hat eine Reihe von Auszeichnungen ver­liehen, u. a. den Roten Adlerorden zweiter Kl. an die Generalmajore v. Peltzer, v. Werder, v. Besser und v. Süßkind und den Kronenorden zweiter Klasse an die Obersten v. Schlutterbach Frhr. v. Seckendorfs, Stadtkommandant von Mainz und Reppert (2. Pionier-Inspektion).

Di?, preußischen Sparkaffen im Jahre 1906.

Das Königlich preußische Statistische Landes» emt wird in dem nächsten Heft seiner Zeitschrift eine eingehende Untersuchung über den Ge­schäftsbetrieb und über die Ergebnisse der preu­ßischen Sparkassen im Rechnungsjahr 1906 ver­öffentlichen. Aus den dieser Arbeit beigegebenen tabellarischen Uebersichten ist folgendes mitzu­teilen.

Die Anzahl der Sparkassen stieg während des Rechnungsjahres 1906 von 1588 auf 1606. Bon diesen 1606 Sparkassen waren 732 städtische (gegen 724 im Vorjahre), 246 Landgemeinde- usw. Kassen (233), 441 Kreis- und Amtsspar­kassen (434), 6 Provinzial- und ständische (wie im Vorjahre) und 181 Vereins- und Privat­sparkassen (186). Zu den 1606 Sparkassen ge­hörten 693 Filial- oder Nebenkassen und 2814 Sammel- oder Annahmestellen bei einem Zu­gänge von 23 bezw. 103. Sparstellen überhaupt waren also 5113 gegen 4964 im Jahre 1905 und zwar in 4150 Orten (gegen 4044 Orte im Vor­jahre) vorhanden. Es kommt somit eine Spar­stelle auf 7421 Einwohner gegen 7523 im Jahre 1905. Die meisten Sparkassen hat das Rhein­land (250); es folgen Schleswig-Holstein (199), Westfalen (197), Schlesien (181), Hannover (176), Sachsen (141), Brandenburg (112), Po­sen (88), Pommern (83), Hessen-Rassau (80), Ostpreußen (51), Westpreußen (45), Berlin (2) und Hohenzollern (1).

Sparkassenbücher waren 11 095 276 im Um­laufe: gesperrt waren 169 715 Bücher.

Die Einlagen betrugen am Schlüsse des Be­richtsjahres 8788 Millionen Mark, gegenüber dem Jahre 1905 nahmen sie um 494 Millionen zu. Von dielen Einlagen sind bei den städti­schen Sparkassen 51 vH., bei den Kreissparkassen 32 vH. und bei den übrigen Sparkassen zusam­men 17 vH. eingezahlt.

Auf den Kopf der Bevölkerung Preußens kamen an Spareinlagen 232 Mark gegen 222 Mark im Jahre 1905 und auf jedes Sparkassen­buch im Durchschnitt 792 Mark gegen 779 Mark im Vorjahre.

Als Reservefonds waren vorhanden 538 Millionen Mark, gegen 1905 trat eine Verrin­gerung um 55 Millionen Mark ein.

Für öffentliche Zwecke sind feit dem Bestehen der Kassen 353 Millionen Mark aufgewendet worden, davon 22 Millionen im Jahre 1906.

Nach Art der Anlage kam von den zinsbar angelegten Kapitalien auf Hypotheken 59 vH., auf Jnhaberpapiere 25 vH., auf Anlagen bei öffentlichen Instituten 11 vH. und auf Anlagen in Schuldscheinen, Wechseln usw. 5 vH.

Der der Berechnung zu Grunde liegende Bilanzwert der Jnhaberpapiere stellte sich im

Durchschnitt im Jahr« 1906 auf 96 vH. ihre» Nennwert«, gegen 1905 fiel dieser Bilanzwert um 2 vH.

In Schuldverschreibungen des Reiche» waren 214 Millionen und in solchen Preußen» 714 Millionen Mark angelegt.

Dir Mainzer Kaiserparade.

Mainz, 20. Aug. Da» heutige prachtvolle Wetter hat zur Truppenschau durch den Kaiser tausende von Fremden hierher gebracht; alle hier au» allen Richtungen eintreffenden Eisen­bahnzüge sind voll besetzt und in hellen Haufen strömen die Landleute der Nachbarorte in die Stadt.

Der Kaiser traf, wie schon kurz gemeldet, 8 Uhr an der Haltestelle beim Großen Sand mittels Sonderzuaes von Wilhelmshöhe kom­mend ein. Der Kaiser und der Großherzog be­grüßten sich überaus herzlich ebenso begrüßte der Kaiser die anwesenden fürstlichen Damen. Nach­dem der Kaiser, welcher die Uniform des Infan­terieregimentsKaiser Wilhelm" (2. großherzog­lich hessisches) Nr. 116 trug, zu Pferde gestie­gen war, begann die Truppenbesichtigung auf dem Großen Sand, der auch u. a. der englische Oberst Davison beiwohnte. Zuerst fand ein Exerzieren des 1. großherzoglich hessischen Dra­gonerregiments (Eardedragoner-Regiment) Nr. 23, dessen Inhaber der Großherzog von Hessen ist, statt. Es folgte eine Gefechtsübung der 41. Infanterie-Brigade, des Füsilier-Regiments von Gersdorff (kurhessisches) Nr. 80, des Magdebur- gifchen Dragonerregiments Nr. 6 und der ersten Abteilung des nassauischen Feldartillerieregi­ments Nr. 27Oranten". Die Gefechtsaufgabe war von Generalleutnant Scholz gestellt. Die 41. Jnfanteriebrigade unter Generalmajor v. Sueßkind stellte die blaue Partei, das Füsilier- regiment von Gersdorff unter seinem Oberst v. Conta die rote Partei dar. Dragoner und Artillerie waren auf beide Parteien verteilt. Hieran schloß sich eine längere Kritik.

Gegen halb 11 Uhr begann der Parademarsch unter dem Kommando des Generalleutnants Scholtz. An dem Parademarsch waren folgende Truppenteile beteiligt: Der Stab der 21. Divi­sion, der Stab der 41. Infanterie-Brigade, 1. Nassauisches Infanterie-Regiment Nr. 87, 2. Nassauisches Infanterie-Regiment Nr. 88, der Stab der 42. Infanterie-Brigade, Füsilier-Re­giment von Gersdorff (hessisches) Nr. 80, 1. kur- hcssisches Infanterie-Regiment Nr. 81, der Stab der 49. Infanterie-Brigade, 1. Eroßher- zoglich-hesstsches Infanterie- (Leibgarde) -Regi­ment Nr. 115, Infanterie-Regiment Kaiser Wil­helm (2. großherzoglich-hessisches) Nr. 116, der Stab der 50. Infanterie-Brigade, 3. Eroßher­zoglich-hessisches Infanterie-Regiment (Leib-Re­giment) Rr. 117, die Unteroffizierschule Bieb­rich, Feldartillerie-Regiment General-Feldzeug­meister (1. Brandenburgisches Nr. 3), Nassaui- fches Pionier-Bataillon Rr. 21, der Stab der 21. Kavallerie-Brigade, Magdeburgisches Drago-

kanzler in Norderney verweilen gegenwärtig die Botschafter Graf Wolff-Metternich und Frhr. Marschall von Bieberstein.

Krkegsminister von Einem. Berlin, 2t. August. Kriegsminister von Einem wird mor­gen in Cassel eintreffen, um der am 28. d. M. stattfindenden Fahnenweihe der Feldzeichen bei­zuwohnen. Von Cassel begibt sich dann der Kriegsminister nach Straßburg und Metz zu den Paraden, von da nach Berlin; nachher nimmt er an den Kaisermanövern teil.

Reue Uniformierung. Bei der diesjähri­gen Zufammensetzung der Eewehrprüfungskom- mifston sind sämtliche kommandierten Mann­schaften mit Feldmützen und Waffenröcken au» dunkelblauem oder dunkelgrünem Tuch, sowie Tuchhosen aus dunkelblau-meliertem Tuch aus­zustatten.

Militärluftschiff und Parseval-Luftschiff. Berlin, 20. Aug. Heute früh gegen 8 Uhr stie­gen das Militärluftschiff uni) das Parseval- Luftschiff vom Tegeler Schießplatz auf und ver­blieben zwei Stunden in den Lüften. Im Kreuzer der Luftschifferabteilung hatte Herzog Ernst von Oldenburg Platz genommen; den Parseval" steuerte Hauptmann von Kehler; außerderm nahmen Teil: Fabrikant Eradenwitz und Oberingenieur Kiefer. Oberhalb des Bran­denburger Tores begegneten die beiden Luft­schiffe einander. Major Groß lag etwa 60 Meter höher; sie manövrierten eine Zeit lang zusam­men, fuhren gemeinsam die Linden hinab bi» zum Zeughaus und landeten um 10 Uhr in Tegel. Sie hatten eine gute Fahrt, nut an­fangs hatten sie mit einer aufsteigenden Luft­strömung zu kämpfen. Gegen W/2 Uhr mit­tags stieg derParseval" ein zweites Mal auf mit Hauptmann von Kehler am Steuer und nahm die Richtung nach dem Grünewald; er landete glatt nach halbstündigem Manövrieren. Die Fahrten dienen der Ausbildung des Per­sonals und sollen den Mitgliedern des Aero­klubs Gelegenheit zur Ballonbenutzung geben. Der MotorballonParsival" unternahm heute Abend einen dritten Aufstieg, nachdem er am Nachmittag nach Charlottenburg gefahren war. Er fuhr bis Hermsdorf; Aufstieg und Landung ging glücklich vonstatten. An der Abendfahrt nahm Herr Erbsloeh vom Aeroklub teil, der sich zum Motorballonführer ausbilden will.

Bom deutschen Katholikentag. Düsseldorf, 20. August. In der Generalversammlung der Katholiken Deutschlands gelangte heute in ge­schlossener und auch in öffentlicher Verhand­lung ein langer Antrag zur Annahme, in dem es heißt: Die Generalversammlung muß den Ausspruch aufrecht erhalten, daß der Papst eine volle und wirkliche Unabhängikeit und Freiheit genießt, welches die unerläßliche Vorbedigung für die Freiheit und Unabhängigkeit der katho»

rwwt ,,.«;***.* Die JnsertionSgrbühr beträgt für die 7gespaltene Zeile

oder Deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. in w c t mno Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universttätrbuchbruckerei *ö#

Sonnabend, 22. August 1908. Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberhesslsck» "eit un g" bei allen Postämtern und unfern Zeitung »stellen in Hetter sowie bei unserer Expedition Markt 81. ....... - - 8 28 M. j-otitu

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Else Hobenbach.

Original-Novelle von E. Wald.

l Schluß.)

Darf ich Sie in Ihrer Einsamkeit stören, Frau Baronin, ober schicken Sie mich fort?" be­grüßt sie Herr von Mahlberg, während er ihre kleine Hand ehrerbietig an di«. Lippen zieht.

Eie deutet auf einen Eartensessel.Warum soll ich Sie fortschicken, Herr von Mahlberg?"

Er setzt sich neben sie und dann beginnt Else irgend ein gleichgültiges Gespräch, und während sie von längst versunkenen Zeiten, von Kunst­werken und Gemälden sprechen, finden ihre Augen sich immer wieder mit fragendem Blick, als wollten sie forschen, ob der Götterfunke, der ihnen einst daraus geleuchtet, noch lebe in der Seele des andern. Es ist Totenstille um sie her­um, irgendwo wird mit weicher Stimme ein italienisches Liebeslied gesungen, eine süße Be­fangenheit liegt über beiden. Endlich beugt Mahlberg sich zu ihr herüber.

Else, mir ist es, als seien die letzten zwei Jahre versunken, und ich sehe Sie wieder vor mir wie damals, als ich zum erstenmal in Ihre lieben unschuldigen Augen geblickt, -ich möchte Sie aber auch um Verzeihung bitten für ein Unrecht, das ich Ihnen getan."

Sie sieht überrascht zu ihm auf.Ein Un­recht, Sie mir?"

Ja, Else. Werden Sie mir zürnen, wenn ich Ihnen gestehe, daß von dem ersten Tage an, wo ich Sie gesehen, eine süße selige Hoffnung mein Herz erfüllt hat, die Hoffnung, ein herr­liches blondes stolzes Mädchen mein Eigen zu nennen für alle Ewigkeit und dann da plötz­lich hörte ich, daß ein anderer die Hand aus­strecken durfte nach meinet holden Blume und

sie pflücken durfte Sie verlobten und ver­mählten sich, da, in meinem Schmerz tat ich Ihnen bitter Unrecht."

Sie sieht mit traurigem Lächeln zu ihm em­por.Sie glaubten, ich habe nach Glanz und Gold verlangt und wäre jene Ehe nur eingegan­gen, um eine reiche Frau zu werden?"

Er nickt.Ich kann zu meiner Entschuldig­ung nur das eine sagen, ich war halb von Sin­nen, Else, das Leben hatte allen Wert für mich verloren. O, warum sind Sie nicht damals an jenem Eewitterabend offen zu mir gewesen, es hätte noch alles anders werden können. Er­innern Sie sich, wie ich Ihnen sagte, ich hätte Schritte getan, um Rudolf zu arrangieren; wie ich damals von Bergwitz nach Hause kam, fand ich von meinem Onkel eine Anweisung vor, die notwendige Summe bei seinem Bankier zu er­heben."

Es war zu spät," sagte Else leise.An jenem Abend hatte Baron Karnmler schon mein Jawort."

Ich erfuhr das," nickte Mahlberg.Denn als ich zwei Tage darauf nach L. fuhr, sagte mit Rudolf, daß zwei Wechsel schon von seinem Schwager bezahlt seien, nur den einen, wo ich mit verpflichtet, habe ich noch geordnet."

Es war ein Ehrenwechsel, nicht wahr?" fragte Else rasch.

Ja, doch woher wissen Sie das?"

Mein Bruder schrieb mir damals, daß Ehrenwechsel fällig seien, wo Sie mit verpflich­tet, er konnte nicht zahlen, und auch Sie nicht, Herr von Mahlberg, so blieb für Sie beide nur ein Ausweg die Kugel, wenn ich nicht" sie stockte.

Wenn Sie nicht Baron Karnmler die Hand reichten."

Ja, auf diesen Brief hin willigte ich ein." Das wat schändlich von Rudolf!" brauste

Mahlberg auf,denn er wußte mit positiver Bestimmtheit, daß ich Ehrenwechsel, es war nur einer, pünktlich einlöste. O Else, nun durch­schaue ich alles, um so schwerer wird aber auch meine Schuld gegen Sie: während Sie sich auf­opferten, auch für mich, habe ich Sie verdammt, können Sie mir denn verzeihen?"

Er war zu ihr herangetreten und hatte ihre beiden Hände an seine Brust gezogen.

Ich verzeihe Ihnen von ganzem Herzen," sagte sie und schlägt die schönen klaren Augen voll zu ihm auf. Er schaut tief, tief hinein in die herrlichen Sterne.

Eoldelse! Ich möchte aber auch noch mehr haben, wie Deine Verzeihung. Darf ich, kann ich Dir in diesem Augenblicke sagen, wie heiß ich Dich liebe, wie noch kein Mensch geliebt worden ist, daß ich nicht mehr leben kann ohne Dich. Lange genug mußte ich von ferne stehen und war verbannt aus Deiner süßen Nähe. Willst Du nun meine Liebe annehmen und das liebe angebetete Weib meines Herzens sein?"

Cie antwortet nicht gleich, aber sie läßt es willig geschehen, daß er sie in seine Arme zieht, dann drückt sie ihren blonden Kopf fest an seine Brust und sieht mit seligem Lächeln voll zu ihm auf.

Mein Viktor, was habe ich gelitten, als ich Dir entsagen mußte."

Denke jetzt nicht mehr daran, mein Lieb­ling, wir wollen die Vergangenheit vergessen, ein neues Leben liegt vor uns."

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Herbst ist es, ein nebliger, regnerischer Novembertag, der Wind braust um das stattliche Herrenhaus von Westritz, dem Majoratsfitz Herrn von Mahlbergs, und fegt im Park die letzten gelben Blätter von den hohen Bäumen. Vor wenigen Tagen hat das junge Paar feinen Einzug gehalten. Neben dem Arbeitszimmer

ihres Mannes liegt Elsens lauschiges Boudoir, die rotseidenen Vorhänge sind zugezogen, im Karnin glüht ein mächtiger Eichenblock und auf dem Sophatisch brennt die Spirituslampe unter dem silbernen Teekessel. Die junge Frau »on Mahlberg sitzt mit einem Buch am Kamin, zu, ihren Füßen liegt Pluto. Sie sieht frisch unb rosig aus und die schönen blauen Äugen strah­len wieder in ihrem alten fröhlichen Glanze, da wird nebenan die Türe geöffnet, gleich darauf tritt Mahlberg über die Schwelle; wie sie ihn erblickt, eilt sie freudig auf ihn zu und bietet ihm die frischen Lippen zum Kusse.

Verzeih, mein Lieb, daß ich Dich warten ließ, ich wollte nur noch rasch etwas erledigen; ich bringe Dir dafür auch etwas mit." Et hält ihr einen Brief hin.

Von Olga Willbutg!" sagt die junge Frau; sie tritt an den Tisch und entfaltet das Blatt.

Siehst Du, Viktor", rief sie freudig, nach­dem sie ein paar Zeilen gelesen,so hat meine Ahnung mich doch nicht getäuscht. Erinnerst Du Dich noch, daß ich Dir erzählte, sie habe in ihrem letzten Briefe den Vater ihrer Schülerin, der seit ein paar Wochen in Lohin zum Besuch weilt, mit so warmen Worten gepriesen? Hier ist ihre Verlobungsanzeige mit ihm. Sie schreibt, der Kapitän nimmt seinen Abschied und kauft sich dort in der Nähe an. Ich freue mich von ganzem Herzen ihres Glückes."

Was ist alles Glück in bet Welt gegen; unser Glück," sagte Mahlberg unb zieht seliri junges Weib zärtlich an sich. Sie lacht fröhlich; auf unb schmiegt sich fest an seine Brust; brau« ßen heult bet Wind unb bet Regen klopft an die Scheiben; hier brinnen ist es traut und be­haglich, benn in ihren Hetzen wohnt bet hell« Sonnenschein der Liebe unb des Glückes.

End«.