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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

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Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessische ing" bei allen Postämtern und unser» ZeitungSstellen in . ,, tut und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 2L Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern ZeitungSstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Freitag, 21. August 1908.

Die JnsertionSgebübr beträgt für die 1 gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aua. Koch, UniversitätSbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Httzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

43. Jchrg.

I

Der Reichshaushaltsetat 1909.

Bei der Aufstellung des Reichshaushalts­etats ist es auch von Wichtigkeit, zu wissen, ob mit Ueberschüssen der Reichskasse aus früheren Jahren gerechnet werden kann oder nicht. Es handelt sich dabei immer um Ueberschüsse oes zweitvorhergegangenen Jahres, da bei der Aus- ^beittmg des Etats das letzte Finanzjahr noch mcht zL^Lnde gegangen ist. Sind solche Ueber- fchüsse vorhanden, so können sie in die Einnah­men eingestellt werden und so auf die Herbei­führung der Balance günstig einwirken. Zn früheren Zeiten hat die Reichsfinanzverwal­tung recht häufig mitUeberschüssen aus frü­heren Jahren", wie die betreffende Etatsposition wörtlich lautet, bei der Etatsaufstellung rechnen können, und es ist dabei ganz merkwürdig, daß es beträchtliche, ununterbrochene Zeiträume für solche Ueberschüsse gab. Co waren die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts mit Ausnahme »om Jahre 1878 sämtlich Ueberschußjahre. Im Jahre 1874 hatte sich der Mehrertrag sogar auf 48,6 Millionen Mark gehoben, eine Höhe, die spater niemals erreicht wurde. Im Reichshaus­haltsetat für das zweitfolgende Jahr konnte diese Summe als Einnahme gebucht werden. Um Deckung in diesem Betrage brauchte man sich damals keine anderweitige Sorge zu machen. Das achtziger Dezennium war dagegen mit Aus­nahme der Jahre 1881, 1882 und 1889 ein Fehl­betragszeitraum. Im Jahre 1887 steigerte sich der Fehlbetrag sogar auf die Summe von 22,9 Millionen. Cie ist leider nicht die HölUtsumme geblieben. Seit 1889 aber setzte wieder ein Zeit­raum der Ueb erschüsse ein, der bis zum Jahre 1899 durchweg angehalten hat. Els Jahre hin­durch konnte also in die Reichshaushaltsetats regelmäßigUeberschüsie aus früheren Jahren" «ingestellt werden. Die Höchstsumme wurde hier im Jahre 1899 mit 32,5 Millionen Mark er­reicht, die im Etat für 1901 verrechnet wurde. Bon 1900 ab aber setzten wieder Fehlbeträge «in, bei ihnen wurde im Jahre 1901 mit 48,4 Millionen Mark die höchste Zahl erreicht. Die Jahre 1905 und 1906 haben für die Reichskasie Ueberschüsse erbracht, aber diese konnten für die zweitfolgenden Etats nicht verwendet werden, weil inzwischen die Bestimmung getroffen war, daß die Ueberschüsie der Reichskasie zur Kürzung .der ungedeckten Matrikularbeiträge verwendet werden müsien, und solche 1906 und 1907 vor­handen waren. Für den Etat von 1908 hätte sonst der lleberschuß aus 1906 von Bedeutung werden können, da er nicht weniger als 27,2 Millionen Mark ausgemacht hatte. Ist nun zu erwarten, daß in den Reichshaushaltsetat für ,1909 ein lleberschuß aus dem Finanzjahre 1907 eingestellt werden kann? Die Frage wird auch Hetzt schon, wo der Finalabschluß der Reichs- hauptkasse für das letzgenannte Finanzjahr noch nicht vorliegt, unbedingt verneint werden müs­sen. Ob überhaupt die Reichskasie einen Ueber-

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i RatbLt uck per puren.).

Elje Hohenbach.

Original-Novelle von E. Wald.

(Fortsetzung.)

11. Kapitel.

"Ein^Jahr ist vergangen, wieder will es Früh­ling werden, zum ersten Male begrüßt ihn Else nicht in der Heimat. Cie hat nach Bodos Tode still und zurückgezogen in Güstow gelebt und ist dann mit Komtesse Käte als Begleiterin auf Reisen gegangen. Zunächst rief sie wiederum «ine Trauerbotschaft nach Nizza, die alte Baro­nin Kammler war gestorben; der Schmerz über den Tod ihres einzigen Kindes hat den ohnehin schon schwachen Lebensfaden zerrisien,, sie ist ihm 'gefolgt in ein besseres Jenseits. Else ist ein paar Wochen in Nizza geblieben, um ihrem Schwiegervater über die ersten paar schweren Wochen hinwegzuhelfen, dann sind die beiden (Konsilien nach Italien gereist. Sie waren zu Weihnachten und Neujahr in Neapel und hat­ten das Fest selber auf Capri verlebt; Else hatte 'mit seltsamen Gefühlen zurückgedacht, was das letzte Jahr ihr gebracht, dann waren sie nach Rom zurückgekehrt und hatten eine hübsche ge­mütliche Wohnung bezogen. Sie gingen und fuhren stundenlang spazieren, und Else taucht ihre schönheitsdurstige Seele tief unter in die Wunder der ewigen Stadt: heute haben sie ver­schiedene Kirchen besichtigt und gehen dann V-ndachtig gestimmt durch die herrlichen Meister- tberke der Kunst, die sie gesehen, auf dem Monte Pincio. Die Lust ist wie erfüllt, wie von Mil­lionen Eoldstäubchen leuchtend, majestätisch «lammt die Riesenkuppel von St. Peter, und wie nit einem Glorienschein umgeben liegt dort jmten die heilige Stadt; ein lauer Wind trägt tausende von Bluniendüften zu ihnen empor. In einem der einsameren Mittelwege gehen Ilse und Käte langsam auf und ab; die junge prau trägt noch Trauer, aber auf ihren Wangen

schuß für 1907 wird verzeichnen können, ist sehr fraglich. Gewiß haben die hauptsächlichsten Ein­nahmezweige des Reiche» deren Jahreserträge schon vor Monaten veröffentlicht wurden, einen geringen lleberschuß ergeben, und er ist wahr­scheinlich, daß andere Einnahmezweige, deren Ergebnisse noch nicht publiziert find, gleichfalls mit Mehrerträgen «-schließen werden. Er ist aber durchaus sicher, daß diesen Mehreinnahmen auch Mehrausgaben gegenüberstehen. Ueber die Höhe der letzteren wird erst der Finalab- schluß Auskunft geben. Wahrscheinlich werden die Mehrausgaben die Mehreinnahmen bei der Reichskasie übersteigen. Selbst wenn dies nicht der Fall sein würde, so würde doch kein Ueber- a aus 1907 in den Etat für 1909 eingestellt en können, weil auch aus ihn die Bestimm­ung Anwendung zu finden hätte, daß er zur Kürzung der ungedeckten Matrikularbeiträge zu verwenden wäre, llnd diese waren schon nach dem Etat für 1907 auf einige 80 Millionen Mark bemessen, werden sich aber in Wirklichkeit wahrscheinlich noch etwas steigern, da die Ueber- weisungssteuern für 1907 nicht so viel abge- worsen haben dürften, als im Etat von ihnen erwartet wurde. Es ist nicht daran zu denken, daß ein etwaiger lleberschuß auch nur entfernt an diese Summe heranreichen würde. Unter allen Umständen würde er aber, wenn er über­haupt vorhanden wäre, durch die ungedeckten Matrikularumlagen ausgezehrt werden. So ist es denn sicher, daß die Reichssinanzverwaltung leider bei der jetzt in Angriff genommenen Auf­stellung de» Reichshaushaltsetats für 1909 mit Ueberschüssen aus früheren Jahren" nicht wird rechnen können. Es werden ja wohl, wie in den letzten Jahren, unter dieser Position wreder einige hunderttausend Mark eingestellt werden, das sind aber lediglich Einnahmen, die infolge der Prüfung der Rechnungen zu erwarten und nicht wesentlich sind. Zn den siebziger und neun­ziger Jahren des vorigen Jahrhunderts haben dieUeberschüsse aus früheren Jahren die bei der Etatsaufnahme schwierigste Aufgabe der Heranschastung der Deckungsmittel vielfach er­leichtert. In den letzten Jahren ist diese Er­leichterung dem Reichsschatzamt nicht mehr zu teil geworden und wird es auch für den Rerchs- haushaltsetat auf 1909 nicht werden.

Deutsches Reich.

Bom Kaiser. Wilhelmshöhe, 19. Aug. Der Kaiser ist um 11 Uhr 20 Min. im Sonder­zuge von Wilhelmshöhe nach Mainz abgereist.

Der Kronprinz hat gestern vormittag seine praktischen Arbeiten im Ministerium des In­nern unter der Leitung des Geh. Oberregier­ungsrats v. Falkenhayn wieder ausgenommen.

$i« Hochzeit des Prinzen Wilhelm wird, wie nunmehr feststeht, am 22. Oktober d. Js. stattfinden. Die Braut, Prinzessin Alexandra

schimmert «in feines Rot, und wenn sie auch nicht mehr übermütig ist wie früher, in den blauen Augen liegt doch wieder ein warmer Glanz. Sie bleibt jetzt einen Augenblick stehen und läßt die Blicke schönheitstrunken ruhen auf dem schonen Bilde, das sich vor ihr ausbreitet, dabei bemerkt sie nicht, daß aus einem der Seitengänge ein Herr näher kommt, der aber offenbar nicht die herrliche Aussicht bewundert, sondern dessen Blicke wie gebannt, schon von weitem an der vornehmen schlanken Krauenge­stalt hingen, sie ist so versunken, daß sie sein Näherkommen nicht bemertt.

Darf ein alter Freund es wagen, einen Gruß aus der Heimat zu bringen. Frau Baro­nin?" fragt da plötzlich eine wohllautende Stimme neben ihnen.

Hastig wendet sie sich um und ihre kleine Hand greift wie zur Stütze in die Zweige der Cyprege, neben der sie steht.Herr von Mahl­berg!" kommt es bebend von ihren Lippen. Sie hatte keine Ahnung, daß er in Italien und nun stehen sie sich plötzlich gegenüber allein inmitten der herrlichen Natur denn Käte sitzt ein paar Schritte weiter auf einer der Keinen Bänke, die da zum Ausruhen einladen. Else hat sich zuerst wiüier gefaßt und hält ihm freundlich lächelnd die Hand hin.

Ein Gruß aus der Heimat ist ja immer willkommen, umsomehr, wenn ihn ein lieber Freund bringt."

So haben Sie mich noch ein klein wenig im guten Andenken, gnädige Frau?" fragt er und seine treuen guten Augen suchen sehnsüchtig die ihren, er kann sich nicht losreißen von ihrem süßen schönen Gesicht, und doch, sie kommt ihm so verändert vor oder ist es nur das Trauergewand, welches sie ihm so anders erscheinen läßt. Sie ist nicht mehr da» lachende mutwillige Kind, welches er gekannt, und ach so unendlich geliebt hat, aber die gemfisene Ruhe, die jetzt über ihr liegt, da» sttlle hoheitsvolle Wesen lassen sie noch

Pittoria zu Schleswig-Holstein-Sonderburg- Glücksburg, wird bereits am 20. Oktober in Berlin etntreffen und mit ihrer Mutter im Schloß Bellevue Wohnung nehmen.

Die Miidchenschulreform. Die bereits er­wähnte, an den Kultusminister gerichtete Kabi­nettsorder, durch die die Reform des Mädchen­schulwesens die königliche Genehmigung er­halten hat, lautet wörtlich folgendermaßen:

Auf Ihren Bericht vom 12. Juli d. I. er­mächtige ich Sie, die höheren Mädchenschulen sowie die weiterführenden Bildungsanstalien für die weibliche Jugend als höhere Lehran­stalten in den Aussichtskreis der Provinzial- Schulkollegien mit der Maßgabe zu überwei­sen, daß hinsichtlich der Rang- und Titelver­hältnisse der Direktoren und akademisch ge­bildeten Oberlehrer die für die höheren Lehr­anstalten der männlichen Jugend geltenden Vorschriften entsprechende Anwendung finden. Dabei ist in der Weise zu verfahren, daß die mit Lyzeen, höheren Lehrerinnenseminaren oder Studienanstalten verbundenen öffent­lichen höheren Mädchenschulen und die für sich bestehenden öffentlichen Lyzeen, höheren Lehrerinneilseminare und Studienanstalten ebenso wie die Vollanstalten unter den höhe­ren Lehranstalten für die männliche Jugend, hingegen die für sich bestehenden öffentlichen höheren Mädchenschulen wie die höheren Lehr­anstalten für die männliche Jugend mit ge­ringerer als neunjähriger Kursusdauer be­handelt werden.

Wilhelmshöhe, den 15. August 1908. (gez.) Wilhelm B.

Zur Reichsfinanzreform. Berlin, 19. Aug. Wie dieVoss. Ztg." erfährt, tritt der Bundes­rat zur Entgegennahme der Vorlage über die Reichsfinanzreform zwischen dem 15. September und 20. September zusammen, da die Fertig­stellung der Vorlage im Reichsschatzamt früher nicht möglich ist.

Deutscher Zuristentag. Der 29. Deutsche Juristentag, der dieses Jahr vom 10. bis 12. September in Karlsruhe stattfindet, wird sich mit dem Problem des gewerblichen Kollektiv­vertrages befassen. Im Vordergrund steht die Frage, ob sich schon jetzt eine gesetzliche Regelung der Materie, über die in der Rechtswissenschaft noch die größten Differenzen herrschen, emp­fiehlt. Justizrat Dr. Junck-Leipzig und Privat­dozent Dr. Köppe-Marburg haben die Bericht­erstattung übernommen.

Vom deutschen Katholikentag. Düsseldorf, 19. August. In der heutigen öffentlichen Ver­sammlung des Katholikentages sprach Oberland­gerichtsrat Marx-Düsseldorf über die Lage der Katholiken Deutschlands in der Gegenwart. Der Redner beklagte es, daß die Katholiken in der

schöner und anmutsvoller erscheinen. Eine leise Röte steigt ihr unter seinem Blick bis unter die Schläfe.

Warum sollte ich nicht, Herr von Mahl­berg?" sagt sie leise als Antwort auf seine Frage.

Wir haben uns lange nicht gesehen, El, Frau Baronin!"

Ja, ich habe viel erlebt, seit ich damals so fröhlich aus der Pension kam," sagt sie träu­merisch, ohne ihn anzusehen.Doch Sie kom­men ja aus der Heimat," setzte sie rasch hinzu, haben Sie jemanden von den Meinen gesehen? Wie lange sind Sie schon auf Reisen?"

Ich komme direkt von meinem Gute, hatte aber kurz vorher ein Rendezvous mit Rudolf in der Residenz und sah bei dieser Gelegenheit auch Ihren Herrn Vater."

Mein guter Papa, wie sieht er aus?"

Er ist frisch und munter, und hofft, daß Sie bald zurückkehren."

Ich rüste mich schon zur Heimkehr," lächelt die junge Frau.

So wollen Sie das schöne Rom schon ver­lassen?"

Ja, in spätestens vier Tagen geht es heim­wärts. ich bin schon so lange unterwegs, daß ich mich heimsehne."

Und Sie gehen nach Bergwitz?"

Zunächst ja, dann nehme ich meinen dauern­den Aufenthalt in Eustow." ,

Sie waren langsam die Allee hinabgeganaen, wo die Komtesse sich zu ihnen gesellte, die eben­falls sehr erfreut war, den Freund so unerwartet hier zu sehen. In heiterem Geplauder kehrten sie nach der Stadt zurück, erst an ihrer Wohn­ung verabschiedete sich Herr von Mahlberg von den Damen. Nach dem Tee vertieft Käte sich in die Lettüre eine« neu angekommenen Büche«, und Else tritt hinan» auf den von Blumen um- rankten Balkon undsteht träumerisch hinab in den kleinen vom Mond beschienenen Garten. Die Orangenbäume hauchen süße betäubende

Gesetzgebung und Verwaltung sehr zurückgesetzt seien. Er verlangt Gerechtigkeit seitens bet Gesetzgebung, Achtung bet religiösen Leberzeug­ung seitens Andersgläubiger, strengste Wahrung des konfessionellen Friedens. In der ge­schlossenen Generalversammlung wurde beschloß sen, die Wahl des Ortes für die nächstjährige Generalversammlung dem Zentralausschuß zu überlassen. Aus Rom war folgendes Tele­gramm eingegangen:Der heilige Vater hat die Gelöbnisse und Glückwünsche der in Düssel­dorf glücklich tagenden 55. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands freudig aufgenom- men und die dem obersten Lehrer und Hirten bargebrachte Versicherung der Liebe und Er­gebenheit mit Genugtuung vernommen. Er lobt aufs höchste ihre Bestrebungen in der För­derung der katholischen Sache, in der Betonung der Freiheit der Kirche und des apostolischen Stuhles und spendet allen Teilnehmern aus liebevollem Herzen den apostolischen Segen. Statssekretär Merry de Val." Dem Papst« wurde hierauf ein dreifaches Hoch dargebracht.

Militärluftschiffunfall. Berlin, 19. Aug. Nach dem Bericht einer hiesigen Mittagszeitung sollte das Militärluftschiff gestern Abend 10 Uhr einer nächtlichen Fernfahrt, bis zur Nordsee in die Gegend von Hamburg unternehmen. In­folge Versagens beider Motore verzögerte sich der Ausstieg bis 2 Uhr nachts. Da durch Ein- drücken eines Oelrohres die Motorölung un­möglich geworden war, kehrte der Ballon be­reits um y24 Uhr nachts zurück und ging auf dem Tegeler Schießplatz nieder. Der Schaden ist leicht auszubessern. Fahrtteilnehmer waren Major Groß, Major Sperling, Oberleutnant Kirchner, Oberingenieur Vasenach und ein Chauffeur.

Die Presse und bet Zeugniszwang. Ber­lin, 19. Aug. Nach Mitteilungen in der Press« soll in den Entwürfen zur neuen Strafprozeß« ordnung der Zeugniszwang für Redakteure und Angestellte der Zeitungen zwar beschränkt wer- den, aber nicht ganz wegfallen. Er soll für den Fall bestehen bleiben, daß durch den Inhalt eines Artikels bet Tatbestand eines Verbrechens begründet wird. Die Zwangshaft soll auf di« Hälfte, also von 6 auf 3 Monate herabgesetzt werden und auch nur dann zulässig sein, wenn alle andern Maßnahmen zur Erlangung eine« Zeugnisses fruchtlos gewesen find.

Die Gärtner und die Gewerbeordnung. Frankfurt a. M., 19. Aug. Der Handelsgärtner, tag hat in bezug auf die Frage, ob die Gärtnerei der Reichsgewerbeordnung zu unterstellen sei, folgende Resolution angenommen:Der Deutsche Handelsgärtnertag protestiert gegen die Be­handlung und Erledigung der gärtnerischen

wirrt senken muß.

(Schluß folgt)

Wohlgerüche und zwischen den hohen Cypressen plätschert der kleine Springbrunnen. Else atmet tief auf, ein weiches, glückliches Lächeln spielt auf dem wunderschönen Gesicht, sie fühlt sich so frei, so glücklich heute, wie eine Blume, die nach Regentagen der erste Sonnenstrahl trifft, wi« eben nur ein junges Herz sich fühlen kann, da» leise, leise eine köstliche Hoffnung umschmeichelt nach langer Leidenszeit. Und willenlos kommen süße Träume über sie beim Rauschen des kleinen Brunnens da unten, weit fort sind ihre Gedan­ken im fernen Vaterlande, sie sieht sich wieder aus der Pension zurückkehren, ein fröhliches übermütiges Kind, wie sie den schlanken hüb­schen Dragoner zum erstenmal gesehen. Ver­sunken ist die herrliche italienische Nacht, die sie umgibt, Seite an Seite reitet sie wieder mit ihm durch den Wald, seine treuen tiefen Augen tauchen mit unendlich zärtlichem Ausdruck in die ihren, unhörbar versinken die Pferde in dem weichen Moos und nur feine Stimme schlägt an ihr Ohr, schmeichelnd und innigEoldelse".

Am anderen Morgen sitzt Else allein im Garten, sie hat eine Häkelarbeit ergriffen und während sie Masche an Masche fügt, denkt sie zu­rück an die kurzen sonnigen Tage ihrer Mädchen- zeit, an die Stürme, die sie dann umbrausten, und' an den Frieden, der sie jetzt umgibt. Doch seit gestern pocht das junge Herz wieder in schnelleren Schlägen, und wie sie an die Begeg­nung, an den Monte Pincio dentt, da überzieht «in rosiger Schimmer das süße Gesicht. Sie ist so in Gedanken, daß sie nicht hört, daß rasche fest« Schritte über den kleinen gepflasterten Hof körn- men und bann in ben Garten treten. Und einen Moment später steht er vor ihr, groß und statt­lich, den Hut in bet Hand, bas Sonnenlicht funkelt über seinem braunen Haar und laßt seine Augen aufleuchten, baß sie bie ihren vet»