MchM Reifung
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Keila gen: .Literarischer ,.r»mdwirtschaftlichr Keilage" und „Illustriertes ^ormtagsblatt«.
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Marburg
Mittwoch, 19. August 1908.
Die JnsertionSgebübr beträgt für die 7gespalta» Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. H i tz e r o th, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
43. Jahrg.
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 66.
Englischer und deutscher Handel.
Während es im atlantischen Verkehr der -dentstM Seeschiffahrt gelungen ist, sich einen geachteten Platz neben den britischen Reedereien G^erohern, hat England auf dem Seewege nach Ostindien und Ostasien unbedingt die Herrschaft in Händen und steht sogar im Begriff, die ausländische Konkurrenz, die an sich schon, weil auf viele Länder verteilt, sehr geringfügig ist, noch weiter zurückzudrängen. Rach den soeben für das Jahr 1907 bekannt werdenden Verkehrsziffern für den Suezkanal haben diese Straße durchfahren 4267 Schiffe im Jahre 1907 gegen 3975 im Jahre 1906 und 4116 im Jahre 1905. Im Vergleich zum Jahre 1906 hat sich also der Verkehr um 292 Schiffe gehoben. Die Zahl der Schiffe unter englischer Flagge ist von 2333 im Jahre 1906 auf 2651 im letzten Jahre gestiegen, die der nichtenglischen Schiffe von 1642 auf 1616 gefallen. Der englischen Suezkanal-Schiffahrt ist jedoch nicht nur der gesamte Verkehrszuwachs zugefallen, sie hat auch einen Teil des nichtenglischen Verkehrs an sich gezogen. Immerhin ist es einigermaßen erfreulich, daß es nicht die deutsche Schiffahrt ist, die die Kosten des Ber- kehrsrückganges unter nichtenglischer Flagge zu tragen hat. An deutschen Schiffen gingen, nach Tonnen berechnet, durch den Suezkanal im Jahre 1905 rund 2113 000 To., im folgenden Jahre 2 157 000 und im letzten Jahre 2 254 000 Tonnen. Der Verkehrszuwachs betrug mithin 98 000 To. gegenüber 1906 und 141000 To. gegenüber 1905. Er ist mit dem Zuwachs der britischen Suezschiffahrt auch nicht annähernd vergleichbar. Der Verkehrszuwachs der britischen Fahrzeuge betrug 1195 000 To. gegenüber 1906 und 1594 000 To. gegenüber 1905, also über das Zehnfache der deutschen Verkehrsstei- gernng. Mit einer Tonnage von nahezu 9,5 Millionen Tonnen im Jahre 1907 steht England im Suezkanal weitaus an erster Stelle. In sehr erheblichem Abstand folgt an zweiter Stelle Deutschland mit rund 2% Millionen Tonnen. Auf Deutschland und England gemeinsam fallen nahezu 80 Prozent des gesamten Verkehrs im Suezkanal. Es betrugen nämlich die prozentuale Tonnage-Anteile für Großbritannien 64,5 Proz., für Deutschland 15,3 Proz., für Frankreich 5,5 Droz., für Holland 4,3 Proz. und für Oesterreich- Üngarn 3 Proz. So stellt sich das Verhältnis auf Grund der Prozentzahlen für alle Schiffe, Kauffahrteischiffe, Postdampfer, Kriegsschiffe, Transportfahrzeuge usw. Unter dem Gesichtspunkte des reinen Güterverkehrs betrachtet, erscheint die Stellung Großbritanniens noch erheblich mächtiger und überlegener. Es waren nämlich unter den 3254 Frachtdampfern, die den Kanal in den letzten Jahren passiert haben, nicht weniger als 2441, also rund 75 Prozent britischer Nationalität. Unter deutscher Flagge fuhren 311 Frachtdampfer oder 9,5 Proz.; auf
Frankreich, Holland, Rußland, Oesterreich-Ungarn, Dänemark, Norwegen zusammen genommen fallen 13,5 Proz. dieses Verkehrs. Nach Maßgabe der Passagierschiffe bezw. Postdampfer hat Deutschland die Führung. Unter den 920 Fahrzeugen dieser Art, die den Kanal passiert haben, waren 262 deutsche mit einem Retto- raumgehalt von 1128 000 Tonnen; unter britischer Flagge fuhren 158 Postdampfer mit 732 000 Tonnen. Daraus folgt, daß von der deutschen Tonnage, die durch den Kanal befördert wurde, rund etwa 1 130 000 Tonnen, von der britischen Tonnage aber 8,8 MMonen Tonnen dem Frachtverkehr angehörten.
Die Einnahmen aus dem Verkehr im Suezkanal haben sich fortgesetzt günstig gestaltet. Während in dem Jahrzehnt 1891—1900 bei einem durchschnittlichen Verkehr von 8,6 Mill. Tonnen die durchschnittliche Jahreseinnahme rund 3,2 Millionen Pfund betrug, wurde im letzten Jahre von 14,7 Millionen Tonnen eine Einnahme von 4,64 Millionen Pfund erzielt. Dabei ist zu berücksichtigen, daß am 1. Juni 1906 eine Herabsetzung der Verkehrsabgaben Platz gegriffen hat.
Der Personenverkehr im Suezkanal war im letzten Jahre erheblich geringer als in 1906, weil die Rücktransports russischer Truppen aus der Mandschurei in Fortfall gekommen find. Es wurden nur 243 580 Personen gegen 359 616 im Jahre 1906 befördert. Davon waren 84 033 Militärpersonen, 105 092 Privatpersonen und 54 413 Pilger und Auswanderer.
U Deutsches Reich.
— Som Kaiserpaar. Wilhelmshöhe, 17. Aug. Der Kaiser, die Kaiserin und die Prinzefiin Viktoria Luise unternahmen heute morgen einen Ausritt in den Habichtswald. Später begab sich der Kaiser im Automobil nach Casiel und nahm in der Orangerie unter Führung des Intendanten Graf Bylandt und des Architekten Karst die Modelle für die architektonische Ausstattung des Neuen Theaters in Augenschein. Hiernach begab sich der Kaiser nach der Königlichen Akademie der Künste, wo er vom Oberpräsidenten v. Hengstenberg und dem Direktor Profeffor Kolitz empfangen wurde. Der Kaiser besichtigte die baulichen Anlagen und hierauf die in den Sälen aufgestellten Werke der Künstler sowie die Schülerarbeiten unter Führung des genannten Direktors und Professors Knack- fuß. Nach 1 Uhr kehrte der Kaiser nach Schloß Wilhelmshöhe zurück. Zur Frühstückstafel ist geladen Profesior Newcomb. — In der vergangenen Nacht ist Prinz Adalbert abgereist.
Zur Promotion des Prinzen August Wilhelm. In Sachen der bekannten Beleidigungsklage der Prüfungskommission des Prinzen August Wilhelm hat die Straßburger Staatsanwaltschaft Anklage erhoben, da ein öffentliches Interesse vorliegt.
— Ernennungen. Berlin, 17. Aug. Polizeipräsident von Hellmann-Posen wurde zum Präsidenten der Regierung in Allenstein, und Landrat v. Heyking-Pleß zum Polizeipräsidenten von Posen ernannt. Zum Präsidenten der Regierung in Osnabrück ist der Geheime Oberfinanzrat und vortragender Rat im Finanzministerium, v. Baumbach-Berlin, ernannt worden.
— Unfall des Parseval-Ballons. Berlin, 17. Aug. Heute vormittag fanden zwei Aufstiege mit dem Parseval-Ballon der Meteor-Luftschiff- Studien-Eesellschast statt, deren erster zur Ausbildung weiteren Personals diente. Bei der Weiten Fahrt wurde das Luftschiff kurz vor der Landung, nachdem das Schlepptau bereits ausgeworfen worden war und der Ballon etwa 20 Meter über der Erde der Landungsstelle zufuhr, durch einen niedergehenden Luftstrom heruntergedrückt, sodaß die Gondel ziemlich plötzlich die Erde berührte. Durch den dabei entstandenen Stoß brach Hauptmann v. Krogh den linken Unterarm. Der Ballon blieb unversehrt.
— Pom Deutschen Katholikentag. Düssel- dorf, 17. Aug. In der heute nachmittag stattgefundenen ersten öffentlichen Generalversammlung hielt der erste Präsident Graf Hans von Praschna, eine längere Eröffnungsrede, in der er es bedauerte, daß die italienische Regierung sich außer Stands erklärt habe, die Sicherheit der Pilger zu verbürgen, sodaß der auf der vorjährigen Generalversammlung in Würzburg be- schloffene deutsche Pilgerzug nach Rom anläßlich des goldenen Priesterjubiläums des Papstes unterbleiben mußte. Der Redner wies des weiteren darauf hin, daß der deutsche Kaiser jede religiöse Ueberzeugung und jede christliche Organisation achte aus treuem Pflichtgefühl gegen seine katholischen Untertanen, aber auch in herzlicher Verehrung zum Heiligen Vater. Wi; sind gute Katholiken und gute Deutsche; wir find und bleiben gute Deutsche, aber wir sind nicht minder gute Katholiken und wir sind gute Deutsche, weil wir gute Katholiken sind. (Stürmischer Beifall.) Nachdem Kardinal-Erzbischof Dr. Fischer die Versammlung gesegnet hatte, verlas der Präsident folgendes Telegramm: „Wilhelmshöhe. Ich spreche den dort versammelten Katholiken Deutschlands für den treuen Gruß und die patriotische Kundgebung meinen besten Dank aus. Wilhelm, I. R." — Dec Präsident brachte hierauf auf den Kaiser ein dreifaches Hoch aus,
— Zum Weingesetz. Eltville, 16. Aug. Hier begann gestern die Generalversammlung des Deutschen Weinbauvereins, die zusammenberufen war, um zu dem Weingesetz Stellung zu nehmen. Bezüglich des Zuckerzusatzes beschloß die Generalversammlung, sich für eine räumliche und eine zeitliche Begrenzung auszusprechen. Der Zusatz von Zuckerwasier soll im Weinbaugebiete selbst zum Zwecke der Verbesierung er
laubt sein, aber nicht mehr als ein Fünftel bet Mischung des Mostes oder Weines betragen und nur bis zum 31. Dezember des Erntejahre» flN stattet sein. Diese letztere Bestimmung emtbt gegen 5 Stimmen angenommen. Im weiteren Verlauf der Verhandlungne wurde einstimmig schärfste Bestrafung jeder Weinfälschung gefordert und dem Wunsche nach Zubilligung einet Karenzzeit für die erste Zeit nach dem Jnkrast-, treten des Gesetzes Ausdruck gegeben. Rament, lich im Interesse des stark bedrängten Qualitätsbaues sprach sich die Versammlung gegen jede Weinbesteuerung aus; auch Flaschenweine sollen von der Besteuerung ausgeschlossen sein. — Der nächstjährige Weinbaukongrch findet in Bingen statt.
— Volksschulbauten. Auf Grund des neuen Volksschulunterhaltungsgesetzes werden in Preußen gegenwärtig die Grundlagen für neue Fonds gelegt. Es sind die Fonds zur Bestreitung der Kosten von Polksschulbauten, die von den Schulverbänden mit 25 und weniger Schulstellen anzusammeln find. Diese Fonds werden bei einer, von der Schulaufsichtsbehörde bestimmten Kasse zinsbar angelegt. Meist sind von den Aufsicht»-' behörden die Kreissparkassen als Anlagekassen ' vorgesehen.
— Zum Falle Schücking. Berlin, 17. Aug. Die Meldung, daß die Verhandlung gegen den Bürgermeister Schücking auf den 19. August festgesetzt sei, bestätigt sich nicht. Der Bezirksau»-^ schuß hat bis zum 1. Sept. Ferien. Zwar ßro,' neu Disziplinarsachen als schleunige Angelegen-' heiten auch in den Ferien verhandelt werden; aber ein Termin war bis jetzt noch nicht festgesetzt.
— Zur Feuerbestattungsfrage. Berlin, 14. August. Der ablehnende Bescheid gegenüber dem Plane der Errichtung eines Krematorium» in Teltow, wird jetzt in seinem Wortlaut bekannt: „Da die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts in der Verwaltungsstreitsache de» Hagener Vereins für Feuerbestattung gegen da» polizeiliche Verbot der Ingebrauchnahme der in Hagen errichteten Leichenverbrennungsanlage noch aussteht und voraussichtlich für eine gesetzliche Regelung des Feuerbestattungswesens, die sich auch auf die Voraussetzung für die Genehmigung der Errichtung von Krematorien zu erstrecken haben würde, bestimmend sein wird, so empfiehlt es sich, die Ausführung der von den dortigen Eemeindeorganen wegen der Herstellung einer solchen Anlage gefaßten Beschlüsse einstweilen bis zu der erwähnten, in naher Zeit zu erwartenden gerichtlichen Entscheidung und bis zum Erlaß eines entsprechenden Gesetze» über die Feuerbestattung hinauszuschieben."
A'iölaub.
** Zum Geburtstage Kaiser Franz Josef«. Berlin, 17. Aug. Die „Nordd. Allg. Z." schreibt zu dem morgigen Geburtstage des Kaisers und Königs Franz Josef: „Dem erlauchten Herrscher
22 kNaSdruck verdaten.)
Else Ho-enbach.
Original-Novelle von E. W a l d. ' (Fortsetzung.)
Else hatte schon verschiedene Bilder aus der Schublade des Schreibtisches herausgenommen, da plötzlich stieß sie einen Schrei der Üeberrasch- ung aus, diese dunklen Augen, die klare Stirn unter dem leicht gewellten Haar kannte sie doch! Hastig ertfernte sie das Briefblatt, welches das Bild umhüllte. — Olga Willburg — schrie sie fast auf! Wie war es möglich, wie kam das Bild der Reinen und Edlen hier in den Schreibtisch ihres Mannes unter die Gesellschaft der Balleteusen und Halbweltdamen? War es für sie bestimmt gewesen, aus Versehen an seine Adresse gelangt, und Bodo hatte vergessen, es ihr zu geben, gewiß, so würde es, sein; mechanisch wandte sie das Blatt um, doch was war das, dort unten stand in Olgas zierlicher Schrift: „Ihrem Bodo, Olga." —
Die junge Frau schlug entsetzt die Hände zusammen; Olga, das schüchterne Mädchen, war es denn möglich, auch sie war in seine Hände gefallen, auch ihr unschuldvolles Gemüt hatte er betört und sie dann verlassen, aber wann, wo und wie Olga mit ihm zusammengekommen? — Plötzlich fielen ihr die Worte ein, die ihre Schwiegermutter bei ihrem ersten Besuche in Güstow gesprochen: „Wenn Sie an Ihre Freundin einen mündlichen Gruß bestellen wollen, er reist nächstens zur Jagd nach Drossen." Ja, so war es, sie hatte damals erzählt, daß ihre liebste Freundin dort in der Nähe als Erzieherin wirkte, und dies hatte der gewisse Rouö benutzt, enter dem Vorwande von ihr einen Gruß zu bestellen, sich bei ihr Eingang zu verschaffen. Arme, arme Olga. Das Datum dort unter dem
Bilde war kurz vor ihrer eigenen Verlobung; während sie gerungen und gekämpft, hatte er Olga zu Füßen gelegen, und — das war die innige Liebe, von der Rudolf ihr geschrieben! Liebe! — sie richtete sich stolz auf, sie wollte keine Liebe von ihm, nichts, nichts mehr, nur die Freiheit, und nun sieht sie den Weg vor sich, den sie gehen muß. Gleich morgen will sie unter irgend einem Vorwande nach Bergwitz fahren, um den Rat ihres Vaters einzuholen und von da aus an Kammler die Bitte richten, sie frei zu geben, aber wenn er nicht einwilligt? Nun, dann finden sich vielleicht Mittel und Wege, ihn zu zwingen; energisch richtet sie sich auf, doch ehe sie das Zimmer verläßt, nimmt sie Olgas Bild und tritt damit an den Kamin, in dem ein helles Feuer brennt, gedankenvoll sieht sie eine Weile in die lieblichen Züge, dann läßt sie das Bild in die Flammen fallen, sie will die Ehre der Freundin retten, kein unberufenes Auge soll ihr Bild jemals in seinem Besitz sehen.
10. Kapitel.
Der Freiherr von Hohenbuch sitzt in seinem Zimmer am Schreibtisch und liest einen Brief wohl schon zum zehnten Male, den er vorhin empfangen, er kann den Inhalt noch nicht fassen, noch nicht begreifen, aber es mußte eine sehr glückliche Nachricht sein, die er erhalten, denn ein Heller Freudenschimmer liegt auf seinen Zügen. Eben legt er bas Blatt wieder auf den Schreibtisch zurück, da hört er das Vorfahren eines Wagens. „Besuch, wer kann cs fein?“ sagte er vor sich hin und tritt ans Fenster. In demselben Augenblick öffnet sich auch schon die Tür und in dem Rahmen steht eine hohe verschleierte Frauengestalt.
„Else, um Gott, Else!"
Da kniet sie auch schon neben ihm und flüstert ihn umfassend:
„Daheim, daheim, ach Papa, Du weißt nicht, was das Wort heute für mich bedeutet."
Der Freiherr zieht sie empor und küßt zärtlich die schöne klare Stirn der geliebten Tochter. „Else, Du weißt, mein Herz heißt Dich tausendmal willkommen, aber erkläre mir, was Deine plötzliche Ankunft hier bedeutet?"
Sie zieht ihn neben sich auf das Ecksofa und erzählt ihm die Erlebnisse des gestrigen Tages. Wie sie geendet, geht der Freiherr, die Hände auf dem Rücken, im Zimmer auf und ab.
„Es ist fatal, recht fatal, und gerade in diesem Augenblick. Elschen lies diesen Brief," sagte er endlich, ihr das Blatt reichend, „sähe es nicht aus, als wollten wir jetzt eine Trennung herbeiführen, wo ich wieder frei atme, auf festen Füßen stehe, Kammler würde sagen, jetzt, da ihr meiner nicht bedürft, kann ich gehen."
Else entfaltet den Brief, er lautet:
Hochverehrter Herr Baron!
Verzeihen Sie, wenn ich mir die Freiheit nehme, in einer delikaten Angelegenheit an Sie zu schreiben. Ich empfing vor einer Stunde den Besuch eines Herrn, der Ihnen gegenüber aber nicht genannt sein will, der mir die Summe von 200 000 Mark zur Verwertung und Sicherstellung übergab. Gleichzeitig beauftragte derselbe mich, bei Ihnen, hochverehrter Herr Baron, anzufragen, ob Sie für dieses Kapital auf Ihren Gütern eine Verwendung hätten, da er es nirgends sicherer anzulegen glaubü als in Ihren Händen. Falls Sie also davon Gebrauch machen wollen, steht obengenannte Summe jeden Augenblick zur Verfügung, und erwarte ich Ihre diesbezüglichen Befehle.
Mit vorzüglichster Hochachtung Leopold Heyden,
Bankier.
Sprachlos ließ Else das Blatt sinken. ■ „Wer kann es sein?" kommt es bebend tum ihren Lippen.
„Ich habe auch nicht die leiseste Ahnung^ selbstverständlich werde ich aber darauf bringen, daß mir der Name dieses edlen Freundes genannt wird, ich muß doch wissen, wem ich verpflichtet bin."
Else wird plötzlich dunkelrot, „Mahlberg" tönt es leise in ihrem Herzen. Der Freiherr bleibt vor ihr stehen.
„Inwiefern hast Du Deinem Manne Deine Abwesenheit motiviert, wenn et zurückkehrt?"
„Ich hinterließ einen Brief, worin ich ihm schrieb, daß ich mich leidend fühlte und um mich zu erholen, aufs Land ginge, da es mir in Güstow allein zu einsam, hätte ich mich zu einem Besuche bei Euch angemeldet; ach, Papa," sagt« sie weich, die schönen in Tränen schwimmenden Augen zum Vater erhoben, „nur ein paar kurz« Wochen laß mich ausruhen, hier an Deinem Herzen, in der geliebten Heimat und bann, wenn Du es —"
„Nein, nein,“ unterbricht sie der Freiherr, „denke nicht, daß ich Dich zwingen will, zu ihm. zurückzukehren, er hat schändlich und ehrlos an Dir gehandelt, und ich empfinde das mit Dir; aber täusche Dich nicht, mein Kind, Kammler wird nicht ohne weiteres in eine Scheidung willigen, und die Welt wird auf seiner Seite stehen, denn heutzutage gehören solche Liaisons ja leider zum guten Ton."
„Mein Gott, so hat sich mir dieser Lichtstrahl nur gezeigt um in tiefere Nacht zurückzusinken,"' sagte Else leise und tonlos.
Wortsetzung folgt.)