Weniger Reichseinnahmen.
Die hauptsächlichsten Reichseinnahmen haben sich im ersten Mertel des laufenden Finanzjahr res günstig nicht entwickelt. Zölle. Verbrauchssteuern, Spielkartenstempel- und^Rechselstempel- steuer sollen nach dem Etat für 1908 im Vierteljahr durchschnittlich 271,7 Millionen ab- verfen, tatsächlich sind von ihnen 247 Millionen «W-, trffH 24,7 Mill. Ut weniger aufgekommen. Der ungünstige Abschluß ist hauptsächlich auf btt Zölle zurückzuführen, die einen Fehlbetrag von 27,8 Mill. M aufweisen, während Brau- und Maischbottichsteuer mit einem Weniger von je 2,5 Millionen und Salzsteuer, Tabak- und Schaumweinsteuer mit solchen von 0,4 bis 0,2 Mill. M. abschloffen. Demgegenüber kam da» Mehr bei der Brantweinverbrauchsabgabe in Höhe von 5,8 Mill., bei der Zuckersteuer in ^öhe von 2,8 Mill, und bei der Zigaretten- und Wechselstempelsteuer mit je 0,2 Mill. M nicht auf. Ebenso ist der Ertrag der zur Ueberweisung an die Einzelstaaten bestimmten Reichsstempelabgaben ungünstig gewesen. Die Börsensteuer hat statt des Vierteljahrdurchschnittsansatzes von 10,1 Mill. J( nur 8,5 und die Losesteuer statt 10,1 nur 9 Mill., beide zusammen statt 20,2 nur 17,5 Mill. cAl abgeworfen. Sie schnitten danach mit einem Fehlbeträge von 2,7 Mill. M ab. Auch die reichseigenen Reichsstempelabgaben haben eine geringere Einnahme zu verzeichnen gehabt, als im Etat durchschnittlich von ihnen erwartet wurde. Der Frachturkundenstempel hat 3,3 statt 3,9, die Personenfahrkartensteuer 3,7 statt 5,9, die Kraftfahrzeugsteuer 0,5, wie im Etat angenommen, und die Tantiemensteuer 0,8 statt 1,5 Mill. M abgeworfen. Zusammen haben diese Steuern 8,3 statt 11,8 Mill. M, also 3,5 Mill, weniger erbracht. Daß Personenfahrkarten- und Tantiemensteuer wieder hinter dem Etatsanschlage zurückgeblieben sind, ist nicht weiter auffällig. Man war dies an ihnen gewöhnt, auch nachdem sie im Etat gegenüber den ' früheren Schätzungen wesentlich herabgesetzt waren. Daß jetzt aber auch der Frachturkunden- • stempel, der bisher unter den neuen Steuern mit der Zigarettensteuer eine rühmliche Aus- ; nähme machte, hinter dem Etatsansatze zurückbleibt, ist zu beachten. Die Erbschaftssteuer hat 4,9 Mill. J*.. statt 10,5, der Spielkartenstempel 0,4 statt 0,3 Mill. M abgeworfen. Beide hatten zusammen ein Weniger von 5,5 Mill. <M. zu verzeichnen. Schließlich haben auch für die großen Betriebsverwaltungen Fehlbeträge verzeichnet werden muffen. Die Reichspostverwaltung hat 143,3 Mill. Jl gegenüber einem Etatsdurchschnittsansatze von 161,0 Mill, und die Reichseisenbahnverwaltung 29,3 statt 31,4 Mill. ,*cK Einnahme gehabt; beide zusammen hatten demgemäß einen Fehlbetrag von 19,8 Mill. -4t zu verzeichnen.
Rechnet man sämtliche Fehlbeträge zusammen, so kommt man auf die recht ansehnliche Summe von 56,2 Mill. M. Um diese ist der .wirkliche Ertrag des ersten Viertels im laufenden Finanzjahre hinter dem durchschnittlichen
21 iN<?cbdr!!li verboten.«
Ase Hobenbach.
Original-Novelle von E. Wald.
(Fortsetzung.)
„Ich verstehe Sie nicht," sagte sie endlich kühl, „doch bitte, folgen Sie mir," sie schritt voran und öffnete rasch eine Tür. Zögernd blieb sie auf der Schwelle stehen, sie hatte in ihrer Erregung nicht gemerkt, daß es das Zimmer ihres Mannes war, in welches sie die Fremde führte. Auf dem Tisch brannte eine hohe Kugel-Lampe, da man nicht wußte, wann der Baron zurückkehrte, waren seine Gemächer stets erleuchtet und erwärmt, doch entschloffen trat sie näher. Die beiden Frauen standen sich gegenüber, Else groß, stolz, mit vornehmer Ruhe, die andere bleich und zitternd, den Kopf gesenkt, wie betäubt von einem Schlage.
„Mit wem habe ich das Vergnügen?" sagte Else und wies auf einen Stuhl. Die junge Dame stützte sich mit beiden Händen auf die Lehne des hohen geschnitzten Seffels, aber sie blieb stehen. : „Mein Name ist Wanda Lehfeld." 1 „Und was führt Sie hierher?"
„Ach, mein Gott, wenn sie wirklich, wirklich seine Frau sind, wie soll ich es Ihnen da sagen, dann habe ich ja kein Recht, dann bin ich eine Verstoßene, eine Verworfene," anfangs leise sprechend, schrie sie das Letzte fast und schlug verzweifelt die Hände vors Gesicht.
„Ich bitte Sie, faffen Sie sich," sagte Else Vornehm und kalt, „und erklären Sie mir endlich, was das alles bedeutet?"
„Ich bin die Tochter des verstorbenen Musikdirektors Lehfeld aus Wien, mehre Eltern sind tot, ich bewohne mit meinem Bruder eine eigene Besitzung in der Maria-Theresien-Vorstadt. Ein Zufall führte mich im Prater mit Baron Kamm- Her zusammen, wir sahen uns von da ab öfter,
Etatsvierteljahresanschlage zurückgeblieben. Run spricht ja die Erfahrung dafür, daß im Herbst und Winter die Erträge au» den hauptsächlichsten Einnahmequellen de» Reich» sich besser ge- stalten, al» im Frühjahr und Sommer, und diese Erfahrung wird sich hoffentlich im laufenden Finanzjahre bestätigen. Man wird aber zugeben müssen, daß die für Herbst und Winter au» einigen Einnahmequellen zu erwartenden Ueberfchüffe rech't. beträchtlich sein müssen, wenn solche Fehlbeträge gedeckt werden sollen." E» kommen jetzt die schlimmen Folgen einer in den letzten Jahren befolgten Methode bei der Etats- Einnahmeaufstellung zu Tage. Um die Fehlbeträge nicht noch größer erscheinen zu lasten, hat man sich daran gewöhnt, die Einnahmeansätze möglichst hoch zu gestalten. Früher war in der Retchsfinanzaebahrung gerade die gegensätzliche Methode maßgebend. Hoffentlich greift diese wieder für die Zukunft Platz. Bei Beurteilung des obigen Fehlbetrages wird man weiter bedenken müffen, daß die Summ« der in den Reichshaushaltsetat für 1908 eingestellten ungedeckten Matrikularumlagen mehr als 120 Mill. oK beträgt. Rach den bisherigen tatsächlichen Einnahmen ist nicht ausgeschlosten, daß sie sich beim Finalabschluß noch erhöht. Auf jeden Fall beweist auch die diesjährige tatsächliche Entwicklung bet Reichsfinanzen, wie notwendig eine gründliche und umfastende Reichsfinanzreform ist.
Deutsches Resch.
— «om Kaiser. Wilhelmshvhe, 15. Aug. Heute morgen vor dem ersten Frühstück machte der Kaiser mit dem Generaladjutanten von Plesten und dem Gesandten v. Ienisch einen Is^stündigen Spiziergang. Von 10 Uhr ab hörte bet Kaiser den Vortrag des Chefs des Zivil« kabinetts. Zur Frühstückstafel bei den Majestäten waren geladen der Fürstlich Echaumburg- Lippifche Staateminister Freiherr v. Feilitzsch, der sich al» Stifts-Schirmvogt des Klosters Fischbeck meldete, die Gräfin Viktoria v. Bernstorff, Gesandter Graf von Bernstorff und Regierungspräsident v. Bernstorff. Prinz Adalbert ist auf zwei Tage hier eingetroffen,' in seiner Begleitung befindet sich Kapitänleutnant v. Haxthausen. — Castel, 15. Aug. Heute nachmittag unternahm das Kaiserpaar mit den anwesenden FamilienmitgliÄrer^i und den Damen und Herren der Umgebung einen Ausflug im Automobil nach Wilhelmstal, wo der Tee eingenommen wurde.
— Vom Kronprinzen. Bamberg, 15. Aug. Der deutsche Kronprinz traf heute mittag gegen 12 Uhr, von Bayreuth kommend, hier ein und stattete dem Herzog Franz Josef von Bayern, Leutnant im ersten Ulanen-Regiment, einen Besuch ab. Gegen 1 Uhr fuhr der Kronprinz, der sein Kraftfahrzeug selbst steuerte, nach Halle weiter.
er kam in unsere Wohnung und wußte auch meinen Bruder zu gewinnen." Langsam und abgebrochen kamen die Worte von ihren bleichen Lippen, während Röte und Bläffe auf dem schmalen Gesicht wechselten.
„Dann — kam ein Tag, wo er mich bat, seine ^raut zu werden, ich liebte ihn und willigte ein, er bestimmte mich, die Verlobung geheim zu halten, da es für ihn bei seinen Eltern gewiffe Schwierigkeiten zu überwinden gab, weil ich eine Bürgerliche bin; ich willigte in alles, denn ich vertraute ihm, dann reiste er ab nach seinen Besitzungen in Deutschland. Ein paar Monate vergingen — er kam wieder und da — und da —“ sie senkte den Kopf tief auf die gefalteten Hände, brennende Röte färbte ihr Antlitz. Else von Kammler wich einen Schritt zurück, in den blauen Augen flammte es auf. Eine Pause entstand, Fräulein Lehfeld atmete tief und schwer.
,Zm November verließ er mich, seitdem habe ich ihn nicht mehr wiedergesehen; er versprach, Weihnachten zu kommen, er kam nicht, keiner meiner Briefe wurde beantwortet, nur auf einen schickte er mir, ohne eine begleitende Zeile — eine Stimme Geldes." Eine unendliche Bitterkeit klang aus ihren Worten. „Da überfiel mich eine furchtbare Bangigkeit, ich sah das, was ich schon zu fürchten begann, zur Gewißheit werden — er hatte mich verlaffen." Sie hielt einen Augenblick inne, dann fuhr sie hastig fort: „Wir sind Deutsche und haben noch Verwandte hier in der Residenz; in meiner Verzweiflung beschloß ich, zu einer Koufine zu reisen. Baron Kammler hatte mir gesagt, daß er hier bei seinen Eltern die Saison mitmache, so kam ich her, ich wollte'mich seiner Mutter zu Füßen werfen, sie sollte ihn an seine Pflicht erinnern. Für mich hätte ich nie, nie diesen Schritt getan, aber ich — mutzte — es tun —
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den «rfUgea: „titerarNcher Äwinrr", ,.z<mdwtrtsch«frtzch« 6eil»ge“ 0«d „Illustriert-« »aitnlngeblati*.
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Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberhesfische Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen tn Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt St. — Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), Bet unfern Zeitungsstellen und der (Expedition 8 Mk,
Marburg
Dienstag, 18. August 1908.
Die JnsertionSgebübr beträgt für die 7«spalte« Zelle oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversitätSbuchbruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
tS. Jahrg
— Fürst Bülow in Straßburg. Hamburg, 15. Aug. Wie die „Hamb. Nacht." melden, wird Fürst Bülow während der Kaisermanöver tm Gebäude der Bürgermeisterei zu Straßburg Wohnung nehmen.
— Staatssekretär »an Köller. Berlin, 16. Aug. Staatssekretär v. Köller wird, wie er bereit» vor einem Jahre in Aussicht stellte, zu Anfang de» Jahre» 1909 in den Ruhestand treten.
— Die angebliche Reichatagskandidatur des Grafen Pofadowsky. Zu der auch von uns wiedergegebenen Nachricht, daß eine nationalliberale Vertrauensmännerversammlung den Grafen Posadowsky im Kreise Speyer-Ludwigs- hafen als Kandidaten aufgestellt habe, erfährt die „Franks. Ztg.", daß diese Meldung zum mindesten verfrüht sei.
— Vom Justizministerium. Der Landrichter Dr. Kotigen aus Trier ist zum Geheimen Justizrat und Vortragenden Rat im Justizministerium ernannt worden. Dr. Koettgen ist erst 1891 Referendar im Bezirk des Oberlandesgerichts Köln geworden. Er wurde am 12. November 1896 Eerichtsaffeffor und kam am 23. Mai 1903 als Landrichter nach Trier. Vor kurzem wurde er als Hilfsarbeiter in das Justizministerium berufen, in dem er jetzt Vortragender Rat und Geheimer Justizrat geworden ist.
— Von den Kaisermanövern. Am diesjährigen Kaisermanöver zwischen dem 15. (elsässischen) und 16. (lothringischen) Armeekorps werden Truppen fast aller Kontingente beteiligt sein; Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberger und Badenser. Außer dem 15. Armeekorps mit der 30. und 31. Division und dem 16. Korps mit der 33. und 34. Division wird noch die 3. Division des 2. kgl. bayr. Armeekorps und eine aus der 1., 8. und 4. bayr. Kavallerie-Brigade gebildete Kavallerie-Division herangezogen. Die Führung der Parteien liegt in den Händen des Generals der Infanterie Ritter Hentschel von Eilgenheimb (15. Armeekorps) und des Generals der Infanterie v. Prittwitz und Gaffron (16. Armeekorps). Das Manöver wird sich in dem Gelände zwischen den Linien Metz-Saarburg-Zabern-Saargemünd bewegen. Die bis jetzt bekannten Daten — wenn wir mit dem Auftakte zu den Manövern, mit den Kaiserparaden, beginnen — sind folgende: Am 27. August Parade über das 16. Armeekorps auf dem Frescaty-Felde bei Metz, am 29. August Parade des 15. Armeekorps auf dem Polygon bei Straßburg. An den Paraden beteiligen sich die besonders zusammengestellten Kavallerie- Divisionen A und B. In der Zeit zwischen den Paraden und dem eigentlichen Beginn der Manöver am 7. September finden gegenseitige Aufklärungsübungen der Kavallerie - Divisionen statt und in den ersten Septembertaqen die An-
um meines Kindes willen, auf ihm sollte kein Makel ruhen, es sollte einen ehrlichen Namen führen. Und nun finde ich ihn verheiratet, ich bin eine Betrogene, meine Ehre, meine Unschuld hat er mir geraubt und mein Kind wird keinen Vater haben." Unfähig, sich länger zu halten, sank sie in einen Stuhl und brach in leidenschaftliches Weinen aus. Else stand wie erstarrt, es flimmerte vor ihren Blicken, ein Chaos von Gedanken und Empfindungen durchwogte sie, ibr edles, keusches Gemüt, ihr tief religiöses Gefühl empörte sich in ihr, doch in ihrem großmütigen, edlen Herzen regte sich auch Mitleid mit der armen Verführten, aber Verachtung und Abscheu gegen ihn, der das unschuldige Mädchenherz dort gebrochen. Und er war ihr Gatte! Sie trat langsam auf die Arme, die noch immer hoffnungslos weinte, zu und legte ihr die Hand auf die Schulter. „Armes Kind," sagte sie weich, „wollte Gott, ich könnte Ihnen helfen, Sie sind auf das Schändlichste und Ee- wiffenloseste hintergangen."
Wanda Lehfeld ließ langsam die Hände finken und sah, wie Hilfe suchend, an der vornehmen Frauengestalt in die Höhe; es war eine eigentümliche Situation in der sich die beiden gegenüberstanden, die Unglückliche vergaß ganz, daß eg seine Frau war die dort vor ihr stand, die Frau, die an dem Platze stand, den sie einzunehmen hoffte, und die sie jetzt tröstete, während doch auch ihr Herz über die Untreue ihre» Gatten voll Schmerz erfüllt sein mußte. Oder liebte sie ihn nicht? Nein, nein, nicht Schmerz sprach dort aus den schönen, stolzen Zügen, und plötzlich, wie einer Eingebung folgend sank sie vor ihr in die Knie und streckte di« Hände flehend zu ihr empor.
„O, gnädige Frau, erbarmen Sie sich meiner, geben Sie mir meinen ehrliche» Namen wieder I"
Märsche der gegrnerischen Armeekorps. Am 11 September schließen die Manöver. Der Kaffee wird mit seinen Gästen in Metz Quartier nehmen. Der Kaiser selbst im Generalkommando die Kaiserin im Bezirksprästdium, der Kronprinz nebst Gemahlin beim Reichstagsabgeordneten Dr. Gregoire, der König von Sachsen beim Bischof Benzler, der Großherzog von Baden beim Bankbirektor v. Puttkamer. Teile bet Generalstabes und die zur Berichterstattung zu« gelassenen Korrespondenten nehmen Unterkunft in Saarbrücken.
— Vom Deutschen Katholikentag. Düsseh dorf, 16. Aug. Unter Beteiligung von etwa 60 000 Mitgliedern, Meister-, Gesellen-, Arbeiter-, Turn- und Knappschaftsvereinen aus allen Gegenden des Reiches wurde heute nachmittag die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands durch einen Umzug eingeleitet. Am Jägerhof brachten die Arbeiter dem Kardinal- Erzbischof Dr. Fischer-Köln eine Ovation dar. — Die sich an den Festzug anschließenden 29 Versammlungen waren außerordentlich zahlreich besucht. — Abends fand in der Festhalle dir Begrüßungsfeier der Generalversammlung statt. Eine nach vielen Tausenden zählende Menschen, menge füllte die weite Halle. Der Vorfitzende des Lokalkomitees, Landesrat Adams-Düffeu>orf, begrüßte die Versammlung. Der Redner dankte auch der Presse. Er habe ein Interesse daran, daß das, was hier geschieht, in weiter Welt bekannt wird. Das fördert den konfessionellen Frieden. Getreu dieser Tradition werde hier nichts geschehen, was Andersgläubige verletzen könne.
— Bundestag deutscher Zimmermeffter. Essen, 16. Aug. Auf ein heute nachmittag anläßlich des 5. Bundestages deutscher Zimmer- meister an den Kaiser abgesandtes Huldigungstelegramm traf abends folgende Drahtantwort ein: „Seine Majestät der Kaiser und König lassen für den freundlichen Gruß bestens danken. Auf Allerhöchsten Auftrag: Geh. Kabinettsrat Valentini."
— Erhöhung bet Mannschaftslöhnung. Wie die „Voss. Ztg." hört, soll im nächsten Reichshaushaltsetat eine Erhöhung der Mannschaftslöhnung vorgesehen werden. Es dürfte sich dabei um eine Zulage von 8 Pfg. für den Tag handeln, wodurch Mehrausgaben für den Heeresetat von jährlich 15 Millionen entstehen. Außerdem soll den Mannschaften auch das Putzzeug kostenfrei geliefert werden.
— Vom Parsevalballon. Berlin, 15. Aug. Der Parsevalballon der Motorluftschiff-Studien- Eesellschaft machte heute abend zwischen 5 und 6 Uhr zwei kürzere Fahrten, die der Ausbildung weiterer Bedienung des Ballons dienten, und beide glatt verliefen. Nach der Landung bei der ersten Fahrt streifte der Ballon einige Bäume, ohne jedoch Schaden zu erleiden, sodaß er seine zweite Fahrt ausführen konnte.
„Ich, was soll -ch tun?"
„Geben Sie Bodo frei und er wird mich zu seinem Weibe machen, er hat eg mir ja tausendmal geschworen, daß er mich, mich nur ganz allein liebe."
Ein mitleidiges Lächeln flog über die Züge der jungen Frau. „Ich wollte es tun mit freudigem Herzen, aber glauben Sie denn, daß Bodo Kammler, der nur nach Glanz und Ansehen strebt, eine Bürgerliche heiraten wird?"
„Aber er liebt mich doch!"
„Stehen Sie aus," sagt Else ruhig, „ich kann Ihnen jetzt noch nicht sagen, was ich tun werde, ich bin erregt und vermag jetzt nicht klar zu urteilen."
Wanda Lehfeld erhob sich, es war ein Hoffnungsschimmer, der jetzt auf dem verweinten Gesichte lag, ja, sie hoffte wieder, wenn seine Gattin ihn freigab, dann gewiß, dann kehrte er zu ihr zurück. Wohl war sie schön, wunderschön die Frau, die er sein eigen nannte, aber hatte er ihr denn nicht hundertmal versichert, daß nur sie schön, wunderschön in seinen Augen, daß er nur sie liebte. Arme Betrogene!
„Ich gehe wieder, Frau Baronin, verzeihen Sie mir, wenn ich Sie verletzt, ich ahnte ja nicht, al» ich dieses Haus betrat ..."
„Sie find schuldlos," unterbrach sie Esse, „denn Sie suchten ja nur Ihr Recht."
Das Mädchen war gegangen und Else sank wie erschöpft in einen Sessel; sie strich mit der Hand wiederholt über die Stirn. In welchen Abgrund hatte sie geblickt, sie mit ihrem hohen Sinn, ihrem reinen, keuschen Empfinden. Ihr Herz war nicht berührt, aber ihr Stolz empfindlich verletzt, denn hatte er nicht ihre Frauenehre auch befleckt, sie hatte sich geopfert, und sie vielleicht verlacht in den Armen seiner Buhlerin. Im November, hatte die Verfühtte as- sagt, wär er da» letztemal tu Wien gewesen, pe