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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg uud Kirchhain
«ud de« Keitageu: „Literarischer Anzeiger-, „Larrdwirtschaftlichr Keilagr- und „Illustrierte» Sonniagsblatt-.
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Marburg
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Sonntag, 16. August 1908. 'W9'
Zweites Blatt.
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.Finanzielle Gegenwatt
und Zukunft Lentjchlands.
In den „Erenzboten" ist dieser Tage ein .Artikel erschienen, der unter der schlichten Ileberschrift „Statistisches zur Finanzlage" man. ,ches enthält, was sowohl mit Rückficht auf die bevorstehende Finanzresorm wie angesichts der allgemeinen politischen Lage große Beachtung verdient.
Man weiß, daß es im Laufe des letzten Iah« res wiederholt unseren politischen Gegnern beliebt hat, Deutschland als verarmt und ver« schuldet und darum materiell unfähig, einen Krieg durchzuführen, hinzustellen. Der Artikel weist zunächst die völlige Grundlosigkeit dieser Auffassung nach. Er tut dar, daß die gewinnbringenden Unternehmungen des Reichs und Preußen allein schon in ihrem Wert wesentlich , höher sind, als die Schulden des Reichs und ' sämtlicher Einzelstaaten, und daß die aus diesen Unternehmungen erzielten Einnahmen den Zinsendienst der Staatsschulden um mehr als % Milliarde Mark übersteigt. Der Artikel tut ferner dar, daß das Nationalvermögen der Bevölkerung Deutschlands weit über 200 Milliarden Mark beträgt, so daß die Schulden des Reichs und sämtlicher Einzelstaaten, die gegenwärtig rund 19 Milliarden Mark ausmachen, noch nicht 10 Proz. des nationalen Vermögens betragen.
Bei dieser Gelegenheit ist ein Vergleich zwischen der finanziellen und wirtschaftlichen Entwickelung Deutschlands, Frankreichs und Englands von besonderem Jnteresie. Es braucht ' nicht erst gesagt zu werden, warum gerade un- . feie Nachbarn jenseits der Vogesen und Großbritannien zum Vergleich herangezogen werden. Das Nationalvermögen Frankreichs ist kürzlich non einem französischen Statistiker auf 235 Milliarden Franks, also etwa 190 Milliarden Mark, geschätzt werden. Es ist mithin geringer als das deutsche Nationalvermögen. Die Staatsschulden Frankreichs aber betragen etwa 24 Milliarden, so daß sie die deutschen Schulden um ein gutes Fünftel übersteigen. Allerdings ist zu berücksichtigen, daß die französischen Staatsschulden zu einem niedrigen Zinssätze ausgenommen werden konnten, andererseits aber auch ist die Bevölkerung Frankreichs um über 20 Millionen geringer als die deutsche,
20 «Nachdruck vcrüoic».)
Else Hornbach.
' Original-Novelle von E. Wald. J < (Fortsetzung.)
„Nein, nein, um Eotteswillen, kein Wort zu ihm., ich ertrüge es nicht, lieber soll alles verloren gehen." Hoch ausgerichtet stand Else mit flammenden Blicken, die Wangen im Fieber brennend. Käte erschrak bei dem leidenschaftlichen Ausbruch der sonst so ruhigen Frau, sie zog sie sanft in einen Sessel und legte ihren heißen Kopf fest an sich.
. „Du bist wohl krank, Kind. Ich bitte Dich, lege Dich ein wenig hin; soll ich die Jungfer rufen, oder soll ich bei Dir bleiben?"
„Ach ja, Käte, Du hast Recht: mein Kopf trennt und in den Schläfen pocht es, aber gehe Du nicht fort, ich möchte nicht gern allein sein."
9. Kapitel.
Schon sind acht Tage verflossen und Kamrn- ler ist von seiner Reise noch immer nicht zurückgekehrt. Else ist froh darüber. Käte ist auf ihre Bitte zu ihr übergesiedelt: sie musizieren, fahren nach dem Tiergarten, den schon der erste zarte Hauch des Lenzes schntückt. Ein wohltuendes Stilleben umgibt die junge Frau da sie jetzt durch Bodos Abwesenheit einen willkommenen Grund hat. die vielen Einladungen, die sich zum Schluffe der Saison noch zusammendrängen, abzulehnen. In einem langen Briefe an ihren Vater hat Else versucht zu trösten und Mut einzusprechen, aber doch klang es aus ihren Worten und zwischen den Zeilen wie der Schmerzensschrei eines verzweifelten Herzens und beim Lesen des Briefes ist es dem Frei- hi^rn klar geworden, was er freilich schon längst geahnt hatte, daß sein Kind tief ungücklich sei. Vergebens zermartert die junge Frau ihren armen Kopf, ob es denn nicht einen Ausweg gebe, ob nicht noch eine Rettung möglich wäre, es war umsonst, und an den einen Weg, den Käte Treßberg ihr gezeigt, wollte und durfte sie nicht denken. Seit sie wußte, daß Mahlberg in der Residenz war, war eine nervöse Unruhe über sie gekommen: sie hatte ihn seit jenem Gewitterabend nicht wiedergesehen: wie, mente der Zufall jetzt eine Begegnung herbeisührte?
Es war ein sonnig warmer Tag. Scharen von Spaziergängern strömten nach dem Tiergarten und in den langen Alleen bewegte sich
so daß also doch der einzelne französische Staatsbürger mit dem Zinsendienst der Staatsschuld stärker belastet ist als der deutsche. Dazu kommt, daß der materielle Gegenwert der Staatsschuld geringer ist als in Deutschalnd, da die Eisenbahnen beispielsweise nur zum geringen Teile im Besitze des Staates sind, während der Wert der preußisch-hessischen Staatsbahn allein schon so groß ist, wie die Höhe der gesamten Deutschlands und der Einzelstaaten.
Ist alles in allem das Verhältnis zwischen Rattonalvermögen, Staatseigentum undStaats- fchulden in Frankreich ungünstiger als in Deutschland, so steht England um so günstiger da. Allerdings ist in England wie in Frankreich die Deckung der Staatsschuld durch die akttven Vermögenswerte nicht annähernd so gesichert wie in Deutschland, aber das Verhältnis zwischen Staatsschuld und Nationalvermögen ist ein außerordentlich günstiges. Denn den Staatsschulden von 15 Milliarden Mark steht ein auf 260 Milliarden Mark geschätztes Nationalvermögen gegenüber, so daß in England die Staatsschuld nur 5,8 Proz. des Nationalvermögens ausmacht, gegen 10 Proz. in Deutschland und 12,7 Proz. in Frankreich.
Hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Staatsschuld und Nationalvermögen steht gegenwärtig Deutschland in der Mitte zwischen England und Frankreich hinsichtlich der Deckung der Staatsschuld durch Staatsvermögen steht es günstiger da als die beiden Rivalen. Mit der gegenwärtigen Lage kann also Deutschland zufrieden sein. Der Blick in die Zukunft aber ist desto unerfreulicher. Eine Statistik der französischen Staatsschulden zeigt, daß sie außerordentlich stabil geblieben sind. Im Jahre 1890 hatte Frankreich etwas mehr als 25 Milliarden Staatsschulden, 1895 etwa 24% und 1907 gegen 24% Milliarden Schulden. Es zeigt sich also eine, wenn auch langsam sinkende Tendenz. Die englische Staatsschuä ist in den beiden Jahrzehnten von 1880 bis 1899 von 15% auf 12% Milliarden, also um fast 3 Milliarden zurückgegangen. Darauf stieg sie infolge des Burenkrieges bis zum Jahre 1903 auf 16 Milliarden, also binnen vier Jahren um 3% Milliarden. Gegenwärtig aber ist sie mit 15% wieder bereits um % Milliarde gefallen. In beiden Ländern also haben wir eine, wenn auch nicht sehr stark sinkende Tendenz. Die deutschen Staatsschulden aber sind in den letzten Jahrzehnten rapid gestiegen, denn während sie 1890 noch nicht 10 Milliarden betrugen, belaufen sie
ein Durcheinander von Fußgängern, Reitern und Wagen. Unter den letzteren befand sich auch die elegante Kammlersche Equipage. Die beiden Damen haben eine längere Spazierfahrt gemacht und kehren nun nach Hause zurück: die Komteffe sitzt aufrecht im Fond und ihre lebhaften Augen schweifen über das bunte Getümmel, welches sie umgibt. Else lehnt gleichgiltig in den Kiffen, sie ist bleich und die schönen Augen haben ein trübes, überwachtes Aussehen; sie trägt ein einfaches dunkles Kostüm und unter dem dunklen Hütchen kräuselt sich das leuchtende Blondhaar, als einzigen Schmuck hat sie ein Veilchenbouquet vor die Brust gesteckt. Da plötzlich zuckt sie zusammen, während eine jähe Röte die schönen Züge färbt. Es ist eine kleine Stauung in der Wagenkolonne eingetreten, der Kutscher mußte einen Augenblick die Pferde anhalten, und da steht plötzlich neben ihnen ein hohes, elegantes Gig. Ein einzelner Herr sitzt auf dem Kutscherbock und zügelt die Pferde, die ungeduldig vorwärts wollen. Ein einziger Blick herüber und hinüber. Herr von Malberg zieht, sich tief verneigend, den Hut, Else neigt leise den Kopf, während die Komteffe dem Freunde lebhaft zuwinkt: da setzt sich der Wagen wieder in Bewegung, und im nächsten Augenblick ist er ihren Blicken entschwunden. Else ist keines Wortes mächtig, sie preßt die kleinen Zähne so heftig in die Unterlippe, daß sie blutet, sie möchte aufschreien vor Schmerz. Käte, die die Wahrheit längst erraten, sieht angelegentlich nach der anderen Seite und will ihr Zeit geben, sich zu fassen. In tiefem Schweigen wird der kurze Weg bis nach Hause zurückgelegt. Else eilt sofort auf ihr Zimmer, sie schickt die Zofe fort und geht dann ruhelos in dem kleinen, behaglichen Boudoir auf und nieder: die süßen Züge sind totenbleich, aber in den blauen Augen brennt ein verzehrendes Feuer, die starke ruhige Frau ist leidenschaftlich erregt. Sie hat dem entsagt, an dem ihr Herz mit tausend Fäden hing, sie hat sich geopfert um Vater und Bruder — und um ihn zu retten: still und ohne Klage ist sie jenem anderen an den Altar gefolgt, sie hat die Treue gehalten, die sie dem Ungeliebten gelobt, niemals ist auch nur ein Wunsch, ein Hoffen, ein Sehnen in ihr wach geworden, sie hat alles begraben, tief, tief in ihrem innersten Herzen, und nur eine leise Wehmut lag wie ein Hauch über ihrem ganzen Sein. Aber jetzt war es anders geworden, ste
sich jetzt auf die Höhe von 19 Milliarden, sie haben sich also nahezu verdoppelt. Ihre weiter steigende Tendenz ist gewiß: die Steigerung wird allein für das Deutsche Reich auf jährlich % Milliarde anzunehmen fein, wofern nicht neue Einnahmequellen eröffnet werden.
Wie hinsichtlich seiner Wehrkraft und seiner wirtschaftlichen Entwickelung, so darf Deutschland auch hinsichtlich seiner finanziellen Gesundheit und Sicherheit nicht von Frankreich und England zurückgedrängt werden. Das gestattet schon die allgemeine politische Lage nicht, die überall diese beiden Staaten, wir wollen nicht sagen als unsere Feinde, aber doch als unsere Gegner zeigt. Deshalb ist die möglichst schleunigste Durchführung der Finanzreform eine zwingende Notwendigkeit. Allerdings wird der Reichstag dafür Sorge zu tragen haben, daß, wenn die Balanzierung der Finanzen des Reiches hergestellt ist, fortan die Ausgaben des Reiches nicht in einem schnelleren Tempo wachsen, als die Einnahmen.
Deutsches Reich.
— Cemeindegewerbesteuerfragen. Betreffs der besonderen Heranziehung von Filialen und Zweigniederlassungen zur Gemeindegewerbesteuer haben der Finanzminister und der Minister des Innern folgende Verfügung getroffen: Das mit unserem Runderlaffe vom 15. April d. I. mitgeteilte Erkenntnis des König!. Oberverwaltungsgerichts vom 13. März d. I. hat zwar lediglich die unterschiedliche Heranziehung zur Gemeindegewerbesteuer nach dem Merkmale des Wohnsitzes des Gewerbetreibenden innerhalb oder außerhalb des Eemeindebezirks für unzulässig erklärt, dagegen die Frage offen« gelassen, ob Filialen, Zweigniederlaffungen und dergl. an sich einer besonderen (von der der übrigen Gewerbebetriebe abweichend geregelten) Gewerbesteuer unterworfen werden dürfen. Wenn demgemäß auf das genannte Erkenntnis zur Begründung der Unzulässigkeit einer besonderen Heranziehung der Filialen u. s. f. nicht hingewiesen werden kann, so erscheint doch eine solche besondere Heranziehung rechtlich wie wirtschaftlich bedenklich: rechtlich insofern, als es sich nicht um einzelne Gewerbearten, sondern lediglich um gewisse Formen des Gewerbebetriebes handelt und wirtschaftlich insofern, als Filialbetriebe, Zweigniederlassungen u. dergl. in der Regel von den Veranstaltungen der Gemeinde nicht in anderer Weise Vorteil
hat ihn wiedergesehen, und wenn es auch nut ein flüchtiger Moment war, et hat genügt, um mit einem einzigen scheuen Blick in fein treues Auge einen leidenschaftlichen Schmerzensaus- bruch in ihrem Herzen zu entfesseln. Sie preßte beide Hände vor die Brust. Was hat ste verloren und was hat ste dafür eingetauscht? Ein Leben an der Seite eines ungeliebten Mannes, den sie nicht einmal achten kann, und er —? Was mochte er von ihr denken, ob er sie für eine herzlose Kokette hielt? O, wenn er sie doch nicht verachten wollte, wenn er doch Mitleid hätte mit einer armen Geopferten! Ein heißes, leidenschaftliches Verlangen erwachte in ihrem Herzen, wenn sie ihn doch noch einmal sehen und sprechen könnte! So streng sie sonst gegen sich selbst war, so vermochte sie sich jetzt nicht hineinzudenken in die Pflichten ihrer Ehe: und gab es denn nicht auch Rechte, heilige Rechte des Herzens, die über denen standen, durch welche sie an einen Mann gekettet war, den sie nicht liebte? Die junge Frau trat ans Fenster und blickte, die heiße Stirn an die Scheiben preffend, in den Garten hinaus.
„Frau Baronin, der Tee ist serviert," meldete die Zofe, die leise eingetreten war. Erschreckt fuhr sie auf, sie war noch in Hut und Handschuhen, wie sie vorhin von der Ausfahrt zurückgekommen: rasch ordnete sie ihren Anzug und ging dann in das Speisezimmer hinab, wo Käte schon ihrer wartete. Trotz der frühen Stunde war es schon dämmerig in dem mit dun- kelem Holz getäfelten Raum, deshalb brannten die Flammen in dem mächtigen Kandelaber über dem Tisch und entlockten dem reichen Service ein Funkeln und Blitzen: im Karnin brannte ein helles Feuer und ein weicher Smyrnateppich bedeckte den Boden. Es war ein harmonisch behaglicher Raum, aber Else erschien heute alles fremd. Die Komteffe sah teilnahmsvoll zu ihrer Kousine herüber, die apathisch und entsetzlich bleich in ihrem Sessel lehnte und mit dem vergoldeten Teelöffel spielte, sie hatte vergebens versucht, ein Gespräch in Fluß zu bringen, aber all ihre kleinen Scherze, mit denen sie der Kousine doch sonst immer ein Lächeln entlockt. blieben heute wirkungslos.
„Die Frühjahrsluft, Elschen, hat Dich wohl angegriffen,“ sagte sie endlich, „zwinge Dich doch nicht und lege Dich nieder, ich gehe aus mein Zimmer, es sind neue Bücher und Journale angekommen, die sehe ich durch,"
ziehen oder der Gemeinde nicht andere Koste« verursachen als die in der Gemeinde ansässigen Gewerbebetriebe der gleichen Eewerbeart. Von diesen Erwägungen aus wird Steuerordnungen, die eine besondere Heranziehung von Filiale«, Zweigniederlaffungen und dergl. zur Eemeinde- gewerbesteuer bezwecken, die Zustimmung überall grundsätzlich zu versagen sein.
— Lehrerinnen für Haushaltungsschule«. Gegenwärtig schweben an den zuständigen preußischen Regierungsstellen Erwägungen darüber, wie in der Ausbildung von Lehrerinnen der Hauswirtschaftskunde den ländlichen Bedürf- niffen erhöhte Berücksichtigung zuteil werde« kann.
— Ausführungsanweisung. Der Handels- und Eewerbeminister hat eine Ausführungsanweisung zu der Eewerbeordnungsnovelle vom 30. Mai 1908 erlaßen.
— Sie Schankkonzessionssteuer. Eine Stadtgemeinde hatte eine Schankkonzesfionssteuer- ordnung beschlossen, nach der nur die Erteilung der Erlaubnis zur Errichtung einer neuen East- ober Schankwirtschaft, nicht aber auch die Erteilung der Erlaubnis zur Uebernahme einer schon bestehenden Wirtschaft einer Konzessionssteuer unterworfen werden sollte. Nach einer Entscheidung der zuständigen preußischen Minister erscheint ein solches Vorgehen unzulässig, weil es im praktischen Ergebniffe zu einem monopolähnlichen Schutze für die bestehenden Wirtschaften führen würde, denen die Konkurrenz neuer Wirtschaften durch die Steuer ferngehalten werden würde. Die Minister habe« sich dahin ausgesprochen, daß einer solchen Ordnung solange nicht zugestimmt werden dürfe, als nicht auch der Uebertragungsfall unter eine angemessene abgestufte Steuer gestellt wird.
Eine militärische Betrachtung über Zeppelins Fahrt.
Unter dieser Ileberschrift behandelt ein längerer Artikel im „Militärwochenblatt" die Fahrt Zeppelins vom 4. und 5. August und ihren tragischen Abschluß und geht besonders auf die militärische Verwendbarkeit des Luftschiffes ein. Es ist erwiesen, heißt es da, daß das starre System Zeppelins mit einer Easladung 750 Kilometer leistet: das ist die Entfernung Metz- Paris und zurück. Ein solcher Aktionsradius genügt den Anforderungen der strategischen Aufklärung völlig. Vorbedingung ist natürlich ein
„In der Tat, entschuldige mich, Käte," stammelte Else, unfähig, sich länger zu beherrschen und verließ das Zimmer.
In dem hallenartigen Flur lag der letzt« Tagesschein: am Fuße der Treppe stand der Diener vor einer fremden Dame.
„Ich bedauere sehr, mein Fräulein," hörte Else ihn eben sagen, „der Herr Baron ist verreist und die Damen sind beim Tee."
„Kann ich nicht warten?" klang es müde zurück. Der Diner antwortete nicht, da in demselben Moment die junge Frau aus dem Dämmerlicht des Korridors hervortrat.
„Die Dame wünscht zur gnädigen Frau Baronin," meldete er. ,
„Verzeihung, ich möchte in einer Angelegenheit die Frau Baronin sprechen," sagte die Fremde mit leiser, ängstlicher Stimme.
„Die bin ich," sagte Else gütig, „was wünschen Sie von mir?"
In demselben Moment flammte der Easkan- delader auf und Else sah in ein bleiches junge» Frauengesicht, deffen dunkle Augen sie mit erschrecktem Ausdruck anstarrten.
„Ach nein, das muß wohl ein Irrtum fein," stammelte sie jetzt, „ich meine die alte Frau Baronin, die Mutter des Herrn Baron."
„Ach, Sie wollen zu meiner Schwiegermutter, ja meine Liebe, da sind sie aber ganz falsch berichtet, meine Schwiegereltern wohnen nicht hier: aber mein Gott, was ist Ihnen denn," setzte sie erschreckt hinzu, „find Sie unwohl?"
Die Dame wantte plötzlich, faßte nach dem vergoldeten Treppengeländer und lehnte da, an allen Gliedern zitternd, mit einem wirren, entsetzten Ausdruck in den Zügen.
„Ihre Schwiegermutter!" stteß ste hervor, „o mein Gott, dann sind Sie — Baron Kamm» lers — Braut?"
„Seine Braut!" wiederholte Else erstaunt, „nein, aber seine Frau."
„Seine Frau, seine Frau, das ist nicht wahr, das ist nicht möglich," schrie die Fremde auf.
Else stand wie erstarrt, war das junge Mädchen wahnsinnig? Doch nein, nicht Irrsinn, sondern nur Schreck und Schmerz sprachen au« den großen dunklen Augen, di« wie flehend z« ihr aufgeschlagen waren,
(Fortsetzung folgt.).