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Itt gelang des Marktwesens und Marktverkehrs find die Arbeiten im Handelsministerium jetzt soweit gefördert, baß 'i in nächster Zeit fertig­gestellt sein wird. Der Entwurf wird in nächster Session dem Landtage zugehen.

AnSlaich.

*♦ Kaiser Franz Joses «nd König Eduard. Ischl, 12. Aug. König Eduard ist heute um 10 Uhr vormittag einqetroffen und am Bahnhof von Kaiser Franz Zosef, den Erzherzogen Josef und Eugen, den Prinzen Leopold, Georg und Konrad von Bayern und dem Statthalter von Oberösterreich empfangen worden. DieMajestäten begrüßten einander herzlich. In den Straßen hatte sich eine große Menschenmenge eingefun­den, welche die Monarchen jubelnd begrüßte. — Um y>12 Uhr stattete der König von England

Zu Sudermanns „Ehre*.

Zur Einführung zu der am Freitag in den Etadtsälen stattfindenden Volksvorstellung.

Es ist ganz sicher ein lobenswertes Unter« nehmen der Direktion Sieger, in einer Volks- vorstellung Hermann Sudermanns „Ehre" zur Aufführung zu bringen, im Gegensatz zu den vielen Klassiker-Vorstellungen, wie solche mei­stens unsere Bühnen als Volksvorstellungen geben Nicht etwa, daß sich ein Schauspiel un­serer Klassiker nicht dazu eignete, niemand w,rd so töricht sein, das zu glauben, nein, aber warum nicht auch einmal ein modernes Stück? Mr möchten dazu im folgenden einige Erläu­terungen geben zum besieren Verständnis die­ses Dramas als Volksvorstellung. Es soll dies keine großartige literar-historische Studie sein, im Gegenteil, sondern nur einzig und allein «ine kurze Einführung. Nur als solche wollen wir das Folgende aufgefaßt wiffen.

„Die Ehre" gehört zweifellos zu den deut­schen Stücken, die bei weitem die größte Zahl von Aufführungen erlebt hat. Vielleicht ist es (von Schauspielen) nur noch Meyer-Forsters ^Alt-Heidelberg", das nur eingermaßen die gleiche Zugkraft bewiesen hat. Dieser Umstand verdient immerhin berücksichtigt zu werden. Und _Die Ehre" ist sicherlich auch «in bühnenwirk- stimes, tatsächlich gutes Theaterstück in jeder Be­ziehung. Damit war Sudermann mit einem Schlage einer unserer berühmtesten Dramatiker (eworden. Es ist gar nicht so lange her, daß ie Münchener „Jugend" Sudermann (geb am 80. September 1857 in Matziken in Ostpreußen) in einem' Vergleiche mit Goethe folgendermaßen ironisierte: „Früher warst du der Mann jetzt ist'» der Sudermann.- Al» Romanschriftsteller

Zeppelin und jein Luftschiff.

Von hochstehender Seite, die das gesamte amtliche Material über die Luftschiff-Frage und die Teilnahme des Reiches an ihrer Lösung in Händen hat, ist dem Berliner Vertreter der „Hamburger Nachrichten" in ausführlichem Ge­spräch die gegenwärtige Lage dargelegt worden. Diesen Ausführungen, die manches Neue ent­halten, entnehmen wir zunächst die Tatsache, daß das Reich die moralische Verpflichtung an­erkennt die Wiederherstellungskosten des „Zep­pelin Nr. 3" zu nagen. Dieses Luftschiff hat seine Beschädigungen in der vom Reiche bereits erworbenen Ballonhalle erhalten, es ist also auch wohl juristisch die Haftpflicht des Reiches anzunehmen. Wenn in den Zeitungen davon die Rede war, daß bereits in etwa acht Wochen „Zeppelin Nr. 3" aufsteigen würde, so entspricht dies nicht den Tatsachen. Es ist erst ein kleiner Teil des Aluminiumgerüstes montiert, zudem soll das ganze Luftschiff «mgebaut, d. h. um acht Meter verlängert werden und stärkere Motore erhalten. Diese Arbeiten werden Anfang No­vember erledigt sein. Die Witterung ist um diese Zeit in Norddeutschland sehr rauh, am Bodensee aber zu Aufstiegen vorzüglich geeignet, tettng abgesehen von der Nationalspende des Deutschen Volkes wird auch das Reich selbstver­ständlich alles tun, was in seinen Kräften steht, vnr dem Grafen Zeppelin die Fortführung sei­nes Werkes zu erleichtern. Manches hängt da­bei freilich erst von der Zustimmung des Reichs­tages ab und was die bereits ausgeworfenen Beiträge anlangt, von bestimmten etatrecht- kichen Grundsätzen. Die in Betracht kommen­den Ressortminister, die augenblicklich auf Ur­laub weilen, sind mit dem deutschen Volke einig In der Hilfsbereitschaft. Die vom Reichstag be­willigten 2100 000 <X find nicht etwa als Kauf­preis für die beiden Luftschiffe bedacht gewesen, sondern 500 000 <X davon waren eine Dotation für den Grafen Zeppelin in Anerkennung sei­nes bahnbrechenden Wirkens, und der Rest soll dazu dienen, ihm seine Auslagen zu vergüten und die Rückzahlung dessen zu ermöglichen, was er zur Durchführung seiner Versuche sich hatte leihen müssen.

Ueber die Sammlungen, die allerorts statt- ftnben, find folgende Meldungen bemerkens­wert:

Friedberg (Hessen), 12. Aug. Die Mit­glieder des Kreisausschusses erlassen einen Auf­ruf an die Landgemeinden des Kreises Fried­berg, überall Sammelstellen für die Zeppelin­spende einzurichten. , ti.

Darmstadt, 12. Aug. Die Bank für Handel und Industrie hat heute die bis jetzt hier gesammelten Beiträge zur Zepeplinspende in der Höhe von 34 524,90 «X (14 002,70 -4t eigene Sammlung und 20522,20 <X der hiesigen Blätter) an die Allgemeine Rentenanstalt in Stuttgart abgesendet.

Karlsruhe, 12. Aug. Der Großherzog hat für dir Karlsruher Nationalspende für den Grafen Zeppelin 2000 J*. gegeben.

Malstatt-Burbach, 12. Aug. Die Stadtverordneten bewilligten in ihrer heutigen Sitzung einstimmig den Betrag von 1500 X zur Zeppelinspende. _ .

Saarbrücken, 12. Aug. Die Stadt­verordneten bewilligten einen Beitrag von 1500 Jt zu der Nationalspende für den Grafen Zeppelin.

dem Kaiser und der Frau Erzherzogin Maria Valeria in der Kaiservilla einen kurzen Besuch ab. Er fuhr von dort in die Villa in Zries, um die Prinzessin Gisela, die bayerischen Prinzen, sowie den Erzherzog Josef zu besuchen. Um 12 Uhr fuhr Freiherr von Aehrenthal nach der Kaiservilla: er wurde vom Kaiser in Audienz empfangen. Vor ein Uhr holte der Kaiser den König von England vom Hotel „Elisabeth" ab und fuhr mit ihm zum Dejeuner in der Kaiser­villa. Das Wetter hat sich inzwischen aufge- hettert. So oft sich die beiden Monarchen zeigen, find sie Gegenstand begeisterter Ovationen sei­tens des Publikums. Nach dem Dejeuner be­gleitete der Kaiser den König von England im Wagen zum Hotel „Elisabeth" zurück. Um 2 Uhr 15 Min. stattete Freiherr v. Aehrenthal dem Unterstaatssekretär Sir Charles Hardinge einen etwa halbstündigen Besuch ab. — Der Kaiser unternahm am Nachmittag, nachdem er den Kö­nig Eduard vom Hotel abgeholt hatte, in einem Automobil in Begleitung der Prinzessin Gisela und des Prinzen Georg von Bayern eine Aus­fahrt in der Richtung nach Weißenbach am At­tersee. Um 5 Uhr nachmittags kehrten die Mon­archen nach dem Hotel „Elisabeth" zurück. Kaiser Franz Josef fuhr sodann im Wagen in die Kai­servilla. — Die „Neue Freie Presse" führt in ihrem Artikel über die Bedeutung der Begeg­nung des Kaisers Franz Josef mit König Eduard von England in Ischl aus, daß von dem Besuche des Königs in Ischl günstige Folgen für das Verhältnis zwischen Deutschland und England einerseits und zwischen Rußland und Oesterreich- Ungarn andererseits erwartet werden. König Eduard werde erfahren, daß die österreichisch- ungarische Politik dem Bündnis mit Deutschland treu bleibe und sich nicht zur Teilnahme an der Einkreisungspolitik hergebe, die darauf gerichtet wäre, Deutschland zu isolieren. Bei dieser Ge­legenheit werde dem König Gewißheit darüber gegeben werden, daß die deutsche Politik ganz so wie die österreichisch-ungarische lediglich den Ehrgeiz habe, für die Aufrechterhaltung des europäischen Friedens zu wirken.

** Die Bilanz des Herrn Fallires. In der „Depeche de Toulon" veröffentlicht nach der „Dtsch. Tagesztg." der einstige Staatssekretär Carraut unter dem Titel „Die Bilanz einer Reise" einen Artikel über die Nordlandreise Falliäres. Er hat den Präsidenten begleitet und weiß über die von diesem erzielten Erfolge folgendes mitzuteilen: In Dänemark gelang es dem Minister des Aeußern Pichon, die dortige Regierung zu bewegen, die geplante Erhöhung des Zolles auf die Einfuhr französischer Weine fallen zu lassen; in Schweden wurde gleichfalls eine Begünstigung bei der Zollbehandlung französischer Weine erzielt. Dafür wird Frank­reich Schweden bei der bevorstehenden Auf­nahme einer neuen Anleihe hilfreiche Hand als Gegenleistung leihen. In Norwegen trat Pichon ebenfalls als Anwalt der französischen Wein- produzenten auf, und es gelang ihm, auch dort eine Ermäßigung des Einfuhrzolles durchzu­sehen. Bei der Zusammenkunft in Reval wurde zunächst die französische Marokko-Politik einer gründlichen Besprechung unterzogen, dann ging man auf die Verhältnisse in der Türkei über und stimmte in der Ansicht überein, daß gewisse Nationen im ottomanischen Reiche sich den englisch-russischen Reformprojetten für Mazedo­nien widersetzen würden. Von diesen Reform­projekten will Sarraut wissen, daß sie die Zu­stimmung Deutschlands gefunden hätten. Auch behauptet er ungeachtet aller Dementis, daß Deutschland und Oesterreich-Ungarn tatsächlich eine Militärkonvention mit der hohen Pforte abgeschlossen hätten. Zum Schluß teilte er mit, daß sich die französischen und russischen Minister bezüglich der Aufrechterhaltung des Friedens in Europa geeinigt hätten, falls durch die Vor­gänge auf dem Balkan dieser gestört werden füllte — Eine solche Störung könnte leicht die Folge der englisch-russischen Reformvorschläge sein

** Sin neues englisches Unterseebost. Auf der Chathamer Werft geht, nach dem „8. T.", gegenwärtig ein Unterseeboot von ganz neuem Typus seiner Vollendung entgegen, über dessen Bau strengstes Geheimnis beobachtet worden ist.

hatte der Dichter immerhin schon großen Ruhm erlangt seine „Frau Sorge" und die beiden No­vellen '„Geschwister" hatten vielen Beifall ge­funden, als er mit der 1889 erscheinenden „Ehre" einen ganz ungeahnten Erfolg hatte.

Dabei war der darin behandelte Stofs noch nicht einmal neu, der Konflikt zwischen Vorder­haus und Hinterhaus, wie er diesem Stück zu Grunde liegt, war auch schon vorher des öfteren behandelt worden. Aber trotzdem.....

Der Inhalt des Stückes ist folgender:

Als vor siebzehn Jahren dem in Charlotten- burg lebenden, reichen Fabrikanten Mühlingk der Titel „Kommerzienrat" verliehen wurde, hatte er für sein ganzes Fabrikpersonal eine große Feier gegeben. Hierbei ist der Arbeiter Heineke unter eine Equipage geraten und leicht verkrüppelt. Mühlingk hört davon, erkundigt sich näher nach den Familienverhältnissen und nimmt schließlich, da tatsächlich Not herrscht, Heineke mit Frau und drei Kindern, Auguste, Robert und Alma auf und räumt ihnen sein Hinterhaus ein. Ja, d tut sogar noch mehr, er läßt den Robert auf seine Kosten erziehen, nimmt ihn als Kommis in sein Geschäft und be­traut ihn bald mit wichtigen Aufträgen, inbem er ihn für sein Haus nach Batavia schickt. Dort verweilt Robert mehrere Jahre, erwirbt Kennt­nisse unb weltmännischen Schliff» und mit Hilfe seines dort erworbenen Freundes, des reichen Grafen Traft, gelingt es ihm, für die Firma Mühlingk äußerst günstig zu operieren. Neun unb ein halbes Jahr ist Robert nun weg ge­wesen, da tteibt ihn die Sehnsucht nach Hause, und fein Freund Traft begleitet ihn nach Europa.

Soweit die Vorfabel. Die Handlung des jetzt einsetzende» Stücke» spiett sich ie knapp zwei Tagen ab.

Auch der Stapellauf des Bootes soll unter Aus­schluß der Oeffentlichkeit erfolgen, und zwar in der Nacht vom Donnerstag auf den Freitag die­ser Woche.

** Die türkischen Wahlen. Konstantinopel, 12. Aug. Das Wahlgesetz ist den Verwaltungs­behörden zugegangen. Die Wahlen erfolgen indirekt. 500 oder wenigstens 250 Urwähler entsenden einen Wahlmann. Die Wahlkreise decken sich mit den Sandschaks. Auf 50 000 männliche Einwohner entfällt ein Abgeordne­ter. Diejenigen Sandschaks, in welchen die Zahl der männlichen Einwohner 50 000 nicht erreicht, entsenden einen Abgeordneten, wenn sie wenigstens 25 000 beträgt. Die weiteren Gren­zen find folgende: Sandschaks mit 50 000 bis 75 000 männlichen Einwohnern erhalten einen Abgeordneten, mit 75 000 bis 125 000 zwei Ab­geordnete, bis 175 000 drei, bis 220 000 vier Ab­geordnete. Das aktive Wahlrecht erlangt jeder selbständige, im Besitze bürgerlicher Rechte stehende Ottomane mit zurückgelegtem 25. Le­bensjahre, falls er irgend eine Steuer entrichtet. Auch aktive Militärpersonen find wahlberech­tigt. Das passive Wahlrecht ist durch ein Min­destalter von 30 Jahren bedingt. Staatsämter unb Ministerstellen sind mit der Ausübung des Abgeordnetenmandates unvereinbar. Die Wah­len werden durch eine Wahlkommisfion ohne Mitwirkung der politischen Behörden geleitet. — In einer Korrespondenz des Bureau Reuter aus Konstantinopel wird die durch die Jungtür­ken hervorgerufene Veränderung der Verhält­nisse folgender maßen dargestellt: Für ein Land, wie die Türkei es ist, hat sich alles blitzschnell entwickelt. Vor vierzehn Tagen lebten die Men­schen unter einer der tyrannischsten Regierungen moderner Zeiten. Heute atmen sie die Luft der Freiheit und sehen der Zukunft vertrauensvoll entgegen. Konstantinopel hat eine ganz wun­derbare Veränderung durchgemacht. Es ist nicht mehr die leblose Stadt der Vergangenheit. Die Leute in der Straße sehen heiter aus. Sie be­sprechen in einer erstaunlichen Sprache die Lage unb bie Zukunft. In ben Straßen herrscht Leben. Die Zeitungsjungen scheinen sich ebenso verviel­fältigt zu haben wie bie Zeitungen. Während des Tages werden Extrablätter veröffentlicht. Zeitungsverkäufer, die Karikaturen von gefalle­nen Beamten der alten Regierung verkaufen, machen ein gutes Geschäft. Es ist einfach schwie­rig, sich vorzustellen, daß man in Konstantinopel ist. . Selbst Photographien des Sultans, eine früher absolut verbotene Sache, werden massen­haft verkauft.

“ Die amerikanisch« Flotte. Sydney, 12. Aug. Gestern fand bei dem Gouverneur von Neuseeland ein Ballfest für die Besatzung des amerikanischen Geschwaders statt, deren Pa­trouillendienst in den Straßen Aucklands muster. haft ist.

** Aus Marokko. Auffällig günstige Mel­dungen für Abdul Asts trägt der Draht herüber. Der französische Gesandte in Tanger will wissen, daß er nun wirklich den Um er Rebia überschrit­ten habe. Zahlreiche Stämme sollen sich ihm nach dieser Meldung unterworfen haben. Eine weitere Nachricht weiß sogar von einem Gefecht bei Daelagade, 20 Km. südlich von Um er Rebia. zwischen Stämmen, die Muley Hafid ergeben find, und Truppen von Abdul Afis. Letztere blieben danach Sieger und lagern in der Nähe von Soul el Arba bei den Rehamma-Stämmen.

S/iiirBttrt; und Umgegend.

^Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß 8 18 deS Urheberrecht» nar mit der deutlichen Ouellenangab«

.Oberheff. Zig." gestattet. >

Marburg. 18. August.

• Universität. Das 50jährige Dottorjubi- läurn feiert, wie schon vor längerer Zeit kyxz gemeldet, am 16. August der Professor der speziellen Pathologie und Therapie an der hiesi­gen Universität, Geh. Medizinalr^ S)r. meb. Emil Mrnnkopff. Er ist am S. Juni 1836 zu Pasewalk in Pommern geboren, besuchte das Friedrich Wilhelms-Gymnasium in Berlin, Ku­bierte hier unb in Würzburg unb promovierte

Robert finbet bie Seinen, benen er mit überquellendem Herzen entgegenkommt, nicht so wie er gebucht. Vater unb Mutter zwar find dieselben geblieben, aber es hat sich mancherlei in ben zehn Jahren währenb seiner Abwesen­heit ereignet, manches, was er erniebrigenb, gemein, «übernatürlich unmöglich findet. Seine Schwester Auguste ist verheiratet mit dem Schwätzer und Faulenzer Michalski, unb beide leisten für Geld einem unlauteren Verhältnisse feiner jüngsten Schwester Alma mit dem jungen Kurt Mühlingk Vorschub, froh darüber, dafür noch kleine Vorteile und unbedeutende Ge­schenke zu genießen. Mit Entsetzen enthüllt Robert diese ganz Gemeinheit, unb sogleich er­faßt ihn nur das eine sehnlichste Verlangen: hier helfen unb retten. Es ist vergebens. Er will ben jungen Kurt Mühlingk zur Rebe stellen. Der Vater kommt ihm zuvor unb bringt feinen Eltern ein Abstanbsgeld von 40 000 «X unter der Bedingung, daß sie schleunigst sein Haus verlassen. Damit entläßt er gleichzeitig Robert aus seinen Diensten unb verlangt schleunige Abrechnung mit bem Geschäft. Ent­setzt hört Robert, baß seine Eltern bas Sünden­geld genommen unb dadurch ihre Ehre ver­kauft haben. In wilder Raserei ergeht er sich weiter, als wie Kindespflicht und Menschlichkeit gestatten. Ihm kommt eben alles nur auf dre Ehre an. Sich feine Ehre bezahlen zu lassen, das hält er für da» denkbar Niedrigste und Ver­werflichste. t.

Graf Traft urteilt über dre Ehre anders, et hält sie nur für etwas Aeußeres und Anemp- fundenes und verhöhnt die moderne Ehre ge­radezu Er nötigt dem Freunde 40 000 <41 auf, um sie Mühlingk zurückzugeben. Denn Robert muß einsehen, daß et feine Verwandten nicht au» dem Pfuhl der Gemeinheit zu heben »er«

am 16. August 1858 mit einer Dissertation: „De olei Elemi aetherei natura" zum Dr. meb. 1859 bestand et das medizinische Staatsexamen. Rach einer wissenschaftlichen Reise nach Prag unb Wien kam er 1860 als Assistenzarzt an di« medizinische Univerfitätsklinik in Berlin unter Prof. v. Frerichs 1862 habilitierte et sich an der Berliner Universität für innere Medizin und folgte Ostern 1867 einem Rufe als Ordi­narius und Nachfolger K. Fr. von Heusingers an die Universität Marburg. Hier leitete er die Errichtung der neuen medizinischen Universi­tätsklinik, welche 1886 eröffnet wurde. 1878/79 unb 1885/86 war er Rektor ber Universität, so­wie wiederholt längere Zeit mit bet Führung bet Geschäfte bes Univerfitätskuratcrs beauf­tragt. Seit mehreren Iahten ist er Vorsitzender bet ärztlichen und zahnärztlichen Prüfungskom- misfion. Am 1. Oktober 1905 trat Eeh.-Rat Mannkopff von ber Leitung der medizinischen Klinik zurück. Er veröffentlichte eine Reihe von Abhandlungen aus bem Gebiete ber Toxikologie, bet Magen-, Hetz- unb Nervenkrankheiten.

)( Universität. Den orbentlidjen Professoren ber theologischen Fakultät der hiesigen UntcerfU töt, Konsistorialräten Dr. Achelis unb Dr. Budde wurde ber Charakter Geheimer Konststorialrat verliehen.

)( Fremdenbesuch. Der Präsident ber Kgl. Oberzollditektion für Hessen-Nassau unb Hohen- zollern-Sigmaringen Wirkt. Geh. Obeifinanztat Vagedes ist hier eingetroffen unb im Hotel Pfeiffer abgestiegen ! '*

)( Zum 83er April in Cassel. Aus das heu«’ tige Inserat machen wir besonders aufmerksam.^.

)( Der Winterfahrplan für ben Ditektions- bezitk Cassel ist uns im uotläufigen Entwurf« von zuständiger Seite bereits zugeftellt worden. Gr enthält folgende wichtige Aenderun.gen: Schülerzug 743 W für ben Wiitterfahtplan Marburg ab 1 30 N, Kirchhain an 2.00 ver­suchsweise. Weitere wichtige Aenberungen sind: 1. Der alte Bahnhof Treysa wird am 1. Oktober außer Betrieb gesetzt und gleichzeitig ber neue Bahnhof eröffnet. Sämtliche Züge, welche bis­her in Treysa unb Treysa Haltepunkt hielten, halten ab 1 Oktober nur auf bem neuen Bahn­höfe 2 Der Aufenthalt bes D 46 in Wadern fällt fort 3. Zug 742 W erhält im Winter einen späteren Fahrplan: Treysa ab 6.20, Mar­burg an 7.45

* Som Sommer. Die Abenbe werben länget unb länger unb schon recht kühl. In die Rosen- unb anbere Somm erb turnen-Pracht mischen sich bie ersten Herbstblumen. Der Himmel spendet bie August-Sternschnuppen, bie Tränen bes hei« ligen Laurentius. Die Felber werben kahl; bie liebe Jugend rechnet bereits mit ber Zett, in ber sie bie Drachen steigen lassen kann. Im­merhin brauchen wir noch nicht Abschieb vom Sommer zu nehmen Im Gegenteil: er kann unb wirb uns, wie wir hoffen, noch manchen schönen Tag bescheren.

* Die Pilzzett hat ihren Anfang genommen.- Die bisherige Witterung ist ber Entwickelung biefer köstlichen Waldeskinder sehr förderlich ge­wesen unb so wird deren Ernte eine recht er­giebige fein. Pilze soll aber nur derjemge suchen ber sie genau kennt, bamit Vergiftungen ausgeschlossen find. Der gelbe Reizker und Pfif­ferling sind am leichtesten zu erkennen, ebenso der König ber Pilze, ber fleischige Steinpilz. ber ein schmackhaftes Gericht abgibt und sich zum Trocknen unb Einlegen eignet. Der Ptlzsucher soll keinen Pilz mutwillig umstoßen: was ihm nicht recht paßt, ist vielleicht einem anderen «ehr angenehm. Die Pilze reiße man nie mit bet Wurzel aus. sondern man schneide sie ab uni decke ben Stumpf mit Erbe zu.

* Waschet alles Obst. Das Waschen de» Obstes vor bem Genüsse wirb nur ju oft in leichtsinniger Weise unterlassen. Es ist nicht nur Ekel erregend, staubiges Obst, rote es vom Markte kommt, auf ben Tisch zu bringen son- bern auch sehr nachteilig für bie Gesundheit. Besonders Kindern kann ungewaschenes Obst verhängnisvoll werden.

)( Richt gefunden ist bis jetzt die Leiche des ertrunkenen Knaben Krantz. Man glaubt, dah sie in die Lahn geschwemmt ist.

mag da will er lieber alles hinter sich lassen und'nach Indien für immer zurückkehren Da aber wird er noch einmal zurückgehallen durch Leonore, Mühlings Tochter, bie mit ihm zu­sammen aufgewachsen ist, und ibn schätzen und lieben gelernt hat. Sie fühlt M «"flefrc telt von bem Ton, ber im Hause ihrer Ettern herrscht sie weiß, daß Robert nach ihrem Besitz schmachtet, ba will sie ihm wenigstens etne ge­bührende Genugtuung geben und bittet ibn ft« als seine Frau mitzunehmen. Das hat Traft mit freudiger Empfindung kommen sehen, letzt erklärt er Robert zu seinem Kompagnon und lebt ihn als Erben ein: Leonore macht also da- mit eine ganz gute Partie,-

Diesen Stoff gestaltet Sudermann Mit allem Raffinement aus unb versteht es omsgezeichnet ihn zu einer charakteristisch dramatischen Arb^t au gestalten, deren Bannkreis man sich nicht mehr entziehen kann. „Die Ehre« ist nicht nut ein überaus glücklicher Griff, sondern hat noch ein zweites großes künstlerisches Verdienst: das ist ein Konflikt, bie dramatische Kunst des Dich­ters vollauf bekundend. Elftes ist geschickt ge­dacht und ausgegliedert, es gibt Anlaß zu einer Reihe seelischer Wandlungen unb äußerer Ak­tionen, b. h. starker, ralch aufeinander io!aenbet Hanblungen die bas Interesse bes Zuschauer, von ber ersten bis zur letzten Szene in Spann«,’ ung hatten. Die Abschlüsse sind sehr fein heraus«: garbeitet — eine garnicht genug zu würdigend«, Tatsache, dazu dies wohlbekannte und doch wieder neue, beliebte „Milieu", die innerlich vollkommen unmögliche, aber literarisch gitt ausgestattete Figur des Grasen $r<}ft. unb nod| manches anbere außerdem — etn solches Stu® mußte ziehen unb konnte nicht anders als nul eine burschlagende Wirkung erzielen. W. »