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Marburg

Mittwoch, 12. August 1908.

Die Jnsertionsgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Unwersitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. E. Hitzero th, Marburg, Markt21. Telephon55.

43. J-Hrg.

Informationen.

Es läßt sich jetzt ziemlich genau vorherbestim- «en, zu welchem Zeitpunkte die erste Million »on Rentnern erreicht sein wird, die dauernde Lezüge aus Grund des Jnvalidenverficherungs- gejetzes erhalten. Nach der letzten amtlichen Bekanntmachung wurden am 1. Juli d. I an laufenden Renten gezahlt 852 824 Invaliden­renten, 112 096 Altersrenten und 19 642 Kran­kenrenten, zusammen 984 562 Renten. Dagegen betrug die Zahl der laufenden Renten am 1. April 1908 insgesamt 980 505, wovon 845 233 Jnvalioenrenten, 114 378 Altersrenten und 19 894 Krankenrenten waren. Man wird bei diesen Zahlen zu beachten haben, daß nicht nur die Zahl der Altersrenten, wie dies bereits seit vielen Jahren der Fall ist, sondern auch die der Krankenrenten abnimmt. Insgesamt aber vermehrt sich die Zahl der auf Grund des Jn- validenversicherungsgefetzes zu zahlenden Ren­ten jetzt vierteljährlich um rund 4000. Danach kann jetzt als sicher angesehen werden, daß um die Mitte des Jahres 1909 der Zeitpunkt ein­treten wird, an dem die erste Million der Jn- validenversicherungsgesetz-Rentner erreicht sein wird. Da das erste Jnvaliditäts- und Alters­versicherungsgesetz am 1. Januar 1891 in Kraft getreten ist, so wird es also 18% Jahre ge­bauert haben, bis dieses Ergebnis erzielt ist.

Eine derjenigen Positionen, die im Reichs­baushaltsetat für 1909 ganz sicher mit einer Ausgabebesteigerung austreten werden, ist die für die Beteranenfürsorge. Cie ist bekannt­lich vor einigen Jahren in den Etat eingestellt, als es galt, den Reichsinoalidenfonds zu sanie­ren und dafür zu sorgen, daß er nicht zu schnell aufgebraucht wurde. Die Veteranenbeihilfe wird an hilfsbedürftige Krieger derart verteilt, Laß vom Reiche an die Einzelstaaten nach der Kopszahl der zu einem bestimmten Zeitpunkte als bezugsberechtigt anerkannten Kriegsteilneh­mer Summen gezahlt werden. Die Zahl der hilfsbedürftigen Krieger mehrt sich bis zu einem gewissen Stadium mit der Alterszunahme. Es ist deshalb ganz natürlich, daß sich die Ausgabe für die Veteranen noch steigert und von Jahr zu Jahr in den Reichshaushaltsetat größere Beträge zu ihrer Bestreitung eingestellt werden. Man nimmt an, daß das Beharrungsstadium im Jahre 1912 erreicht sein wird. Bis dahin wird man also mit einer Erhöhung der be­treffenden Ausgabeposition des Reichshaus- haltsetats zu rechnen haben. Im Jahre 1904, als die Ausgabe für die Veteranen vom Reichs- invalidenfonds auf den allgemeinen Etat über­nommen wurde, kam man zu ihrer Deckung mit 11,5 Millionen Mark aus. Von da ab stieg die Ausgabe jährlich um 2% Millionen Mark, so daß sich im Etat für 1907 ein Posten von 19,3 Millionen Mark befand, der für 1908 wieder um 2 Millionen, auf 21,3 Millionen gesteigert wurde. Von letzterer Summe werden 21 Milli­onen an die Einzelstaaten unmittelbar abge­führt, der Rest wird vom Reiche aufbewahrt, um etwa notwendig werdende Mehrausgaben begleichen zu können. Man wird in der An-

16 Aaäibruä dc".botert.i

Elje Ho'senbach.

Original-Novelle von E. Wald.

< Fortsetzung.)

7. Kapitel.

Elsens Hochzeit war vorüber. Auf besonderen Wunsch des Baron Kammler, der mit seiner Gattin, die seit kurzem kränkelte, nach dem Süden gehen mußte, wurde sie schon nach we­nigen Wochen gefeiert und nur im engsten Fa- milienkreise. Der alte Herr war mit der guten Idee, die sein Sohn gehabt, überhaupt sehr zu- I frieden; was kümmerte es ihn, daß er Tausende geopfert, dafür besaß sein Sohn jetzt die schönste und stolzeste Frau; ein uralter Name war mit dem seinen liiert und er konnte nur Fürsten und Grafen zu seiner Verwandtschaft zählen, denn die Hohenbachs hatten Beziehungen zu dem höchsten Adel des Landes. Die junge Braut iah leichenblaß aus. wie ein Marmorbild so bleich und kalt erschien sie, wie sie, die stolzen Formen umwallt von glänzend weißem Atlas, zum Altar schritt. Sie sah nicht rechts noch links, nur einmal sah sie aus, während der Traurede des alten Geistlichen: die blauen Augen richteten sich auf das große Kreuz, wel­ches über dem Altar hing, und blieben dort während der ganzen Feier an dem Bilde des Er­lösers haften. So blaß und still war sie auch während des nun folgenden Diners; nur wenn fie dem forschenden Blick ihres Vaters begegnete, zwang sie sich zu einem Lächeln und richtete irgend ein gleichgültiges Wort an ihren jungen Gatten; der alte Herr durfte nicht ahnen, daß sie sich geovfert. Rudolf ist merkwürdig ernst und erregt, seine Augen haben einen seltsamen Glanz, er ißt fast nichts, trinkt aber umsomehr

nähme nicht fehlgehen, daß es sich im Etat für 1909 bei der in Rede stehenden Position wieder um eine Steigerung in etwaiger Höhe von 2 Millionen Mark handeln wird. Die Veteranen­beihilfe ist übrigens nicht die einzige Ausgabe, die dem Reichsinvalidenfonds angenommen ist. Es kommen hierzu Unterstützungen für nicht anerkannte Invaliden des Krieges 1870/71, Pensionszuschüsse an bestimmte Personen des Soldatenstandes und Unterstützungen für Hin­terbliebene im Kriege gefallener Militärperso­nen. Sie belaufen sich insgesamt auf einen Jahresbetrag von etwa 1,6 Millionen Mark. Man wird damit rechnen können, daß, wenn das Veharrungsstadium für die Veteranenbei­hilfen erreicht sein wird, also im Jahre 1912, die gesamten bisher dem Jnvalidenfonds abge­nommenen und auf den allgemeinen Etat über­tragenen Ausgaben die Summe von etwa 30 Millionen Mark ausmachen werden. Bedenkt man weiter, daß um die gleiche Zeit etwa auch der Reichsinvalidenfonds selbst aufgebraucht sein wird, was die oben erwähnte Sanierung zwar aufzuschieben, aber nicht zu verhindern in der Lage war, so kommen zu diesen 30 Millionen viele weitere hinzu, die dann gleichfalls auf die ReiLskasse übernommen werden müssen. Ganz sicher ist ihre Höhe nicht zu schätzen. Man wird aber nicht zu hoch greisen, wenn man annimmt, daß sie etwa 35 Millionen Mark ausmachen werden. Es wird dann also der Reichskasse eine Ausgabe von etwa 65 Millionen Mark ausgebürdet sein, die aus der Bepackung des Reichsinvalidenfonds mit neuen Auf- und Aus­gaben hervorgegangen sind.

LrnLjches Reich.

Vom Kaiser. Saalburg, 10. Aug. Der Kaiser ist um 3% Uhr im Automobil in Beglei­tung des Prinzen und der Prinzessin Friedrich Karl von Hesien, sowie der Kronprinzessin von Griechenland hier eingetroffen. Vorher stattete er Falkenstein einen Besuch ab und besichtigte die im Rohbau fertig gewordenen Gebäude des Offiziersgenesungsheims. Gegen 5% Uhr fuhr der Kaiser zum Bahnhofe und begab sich nach kurzer Besichtigung nach der Villa des Regie­rungspräsidenten Dr. v. Meister, um daselbst den Tee einzunehmen. Auf der Saalburg be­sichtigte der Kaiser unter Führung des Geheimen Baurats Jacobi das Museum im Horreum, so­wie im Atrium zwei Modelle von Büsten Kaiser Friedrichs und Kaiser Wilhelms II. Ferner nahm er den neuangelegten Wall an der Wehr- heimer Seite der Saalburg in Augenschein. Um 4 Uhr 45 Min. fuhr er nach Hornburg zur Be­sichtigung der Erlöserkirche und um 7 Uhr mit Begleitung und Gefolge in Automobilen nach Schloß Friedrichshof.

Zur Monarchenbegnuug schreibt die Nordd. Allg. Ztg": Im Schloß Friedrichshof, dem Lieblingsaufenthalt der verewigten Kaiserin Friedrich, werden am 11. August Ee. Majestät

und vermeidet es konsequent, zu dem Braut­paar hinüberzuseben' Seine Tischnachbarin sah ihn öfters verstohlen von der Seite an es ist eine der aristokratischen Brautjung­fern eine Kousine Elsens, Komtesse Käthe Treß- berg', ihr Vater ist Oberst bei den Husaren und Rudolfs Vorgesetzter. Sie ist ein lebhaftes, geistsprühendes Mädchen, aber heut ist sie auch ernster wie sonst, und ihre Augen suchen immer wieder die stille Braut. Trotz der teilweise ge­drückten Stimmung hatte sich doch allmählich eine gewiße Heiterkeit Bahn gebrochen und es wurde im Augenblick kaum bemerkt, daß Else sich leise zurückgezogen und gleich darauf auch der Stuhl des Bräutigams sowie der des Haus­herrn leer wurde. Drinnen im halbdunklen Nebenzimmer stand der Freiherr und preßte die Stirn an die Scheiben, dort draußen auf der hellerleuchteten Treppe hatte vor wenig Minu­ten sein Goldkind, seine Else gestanden. Wie sie zum letztenmal an seiner Brust geruht, war es ihm erschienen, als würde sie zusammen­sinken, aber wie er erschreckt ihren Namen rief, hatte sie sich aufgerichtet und ihm zugelächelt, doch dieses Lächeln täuschte ihn nicht, er konnte darüber nicht den wehen Blick der einst so lusti­gen blauen Augen vergessen. er sagte ihm mehr wie Ströme von Tränen. War das bleiche Weib das ihn eben verlasien, fein rosiges, lachendes Kind, das ihm vor wenigen Monaten an derselben Stelle an den Hals geflogen? Und war ihr« Ruhe, ihr« anscheinende Zuftie- denheit während ihres kurzen Brautstandes nur Maske gewesen, hatte das Kind tiefer in die Verhältnisse geblickt, als er ahnte und wollte, und ihr junges Leben seinen Wünschen zum Opfer gebracht? Der alt« Herr stöhnte in See­lenqualen; wie verblendet und befangen mußt« er gewesen sein, um nicht zu sehen, daß ferne

der Kaiser und Se. Majestät der König von England verweilen. Die Zusammenkunft wird beiden Monarchen eine gleich erwünschte Gele­genheit für eine freundschaftliche Aussprache bie­ten. Ein ungetrübtes Verhältnis unter den Oberhäuptern zweier so mächtiger Reiche, wie Deutschland und Großbritannien, wird auch von ihren Völkern gewünscht, die trotz aller Hetzver­suche ihre Aufgaben für die Weltkultur in Frie­den und Eintracht nebeneinander erfüllen wol­len. Wir entbieten Sr. Majestät dem König Eduard auf deutschem Boden ehrerbietigen Willkomm und wünschen ihm angenehme Ein­drücke.

Kaiserliche Steifepläne. Einige Blätter hatten wieder eine Nachricht von einem Zusam­mentreffen des Kaisers mit dem Zaren, und zwar diesmal an der deutsch-russischen Grenze, gebracht. Diese Nachricht ist, wie dielägt Rundschau" wissen will, wahrscheinlich von russi­scher Seite verbreitet. Es ist an maßgebender Stelle von einer derartigen Begegnung nichts bekannt. Es heißt, daß der Kaiser sofort nach der Begegnung mit dem englischen König in Kronberg zu einer Kavallerie-Besichtigung in der Senne reisen wird, woran sich dann «ine Fahrt in das Reichsland «»schließen wird, die nur in den ersten Tagen des September durch die Herbstparade der Eardetruppen in Berlin und Potsdam unterbrochen werden dürfte.

Prinz Adalbert von Preußen als Torpedo­bootskommandant. Der dritte Sohn des Kaiset- paares, Prinz Adalbert von Preußen, wird, wie dieKiel. N. Nachr." hören, zum Hetbst- stellenwechsel wahrscheinlich unter Beförderung zum Kapitänleutnant das Kommando über ein Boot der 3. Torpedo-Halbflottille, voraussicht­lich8. 142", erhalten, nachdem er noch einen Kursus auf dem TorpedoschiffWürttemberg" durchgemacht hat.

Der Nachfolger Dr. ». Lukanus. Der Staatsanzeiger" meldet: Regierungspräsident v. Valentini wurde zum Geheimen Kabinettsrat ernannt Demselben wurde die Leitung des Ge­heimen Zivilkabinetts übertragen.

Dernburg in Deutsch-Südwest-Afrika. Windhuk, 9. Aug. Zu Ehren der Anwefenheit des Staatssekretärs Dernburg wurde von der Einwohnerschaft von Windhuk gestern Abend ein großer Festkommers veranstaltet. Die Feier nahm einen durchaus gelungenen Verlauf. Von den Bürgern Windhuks wurdein alter Treue" eine herzliches Begrüßungsschreiben an den Un­terstaatssekretär v. Lindequist-Berlin abgesandt.

Der Fall Schücking. Kiel, 10. Aug. Nach einer amtlichen Mitteilung des Oberpräsidenten an die Kieler Zeitung ist im Falle Schücking eine schleunige Behandlung des Verfahrens an­geordnet worden.

Der Fall Zuds. In der Presie ist bei Be­sprechung des Falles Jnds die Frage aufgewor­fen worden, ob gegen die Verfügung der Schul-

Else diesen Bodo Kammler nicht lieben konnte, und daß ihr junges, reines Herz nicht nach dem äußeren Glanz gestrebt, den ihr diese Heirat brachte, nein, nein, sie hatte sich still und ohne Klage geopfert, für ihn und die Ehre der Fa­milie. Tief aufseufzend strich er mehrmals über die feucht gewordenen Augen und stand gleich darauf wieder in vollendeter Haltung vor seinen Gästen, ihnen die Abschiedsgrüße des jungen Paares bringend, die eben abgereist feien nach Italien.

Die Novemberftürme brausen um das statt­liche Herrenhaus in Güstow und wirbeln die welken Blätter hoch in die Luft, die Blumen sind längst verwelkt, kalte schwere Nebel hüllen die Landschaft ein. Das junge Ehepaar ist gestern abend gänzlich unerwartet zurückgekehrt, an irgend welche Empfangsfeierlichkeiten war nicht mehr zu denken, kaum, daß der zur letzten Station beorderte Wagen noch rechtzeitig zur Bahn gesandt werden konnte. Kalt und dunkel hatten die großen weiten Räum« des Schlosses die Herrin empfangen, nur in größter Eile war ihr Boudoir mit Planzen und Blumen dekoriert worden, die ihr einen Willkommengruß in der neuen Heimat bieten sollten. Gleichgiltig und müde hatte die junge Frau alles entgegen* genommen, obzwar sie gewisiermaßen doch froh war, zu Hause zu fein.

Zu Hause! Das Wort hatte freilich jetzt einen ganz anderen Klang für sie, es bdeutete nicht mehr die jubelnde Heimkehr in das Vater­haus, sie war eine Fremde hier in dem neuen Heim, wie sie fremd und kalt neben ihrem Gatten stand. Aber fie war des Herumreifens müde es gewährte ihr keinen Genuß mit dem, der sich ihr Gatte nannte, di« Kunstwerke der ewigen Stadt zu betrachten, er hatte keinen Sinn, fein Verständnis dafür, fie fühlte von

abteilung der Regierung in Köslin, durch di« dem Genannten die Bestätigung als MitgliÄ einer städtischen Schuldeputation versagt worden ist, der Unterrichtsminister angerufen worden sei. Man hat an die Frage die Bemerkung ge­knüpft, daß, wenn dies nicht der Fall fein sollte, man zur Annahme genötigt sein würde, die Be­teiligten erkennten die für die Versagung der Bestätigung angegebenen Gründe als zutreffend an. Soweit bekannt, ist bei dem Unterrichts­minister bisher eine Beschwerde Beteiligter übet die erwähnte Verfügung der Kösliner Regie­rung nicht eingegangen, wohl aber sind Er­hebungen über den Fall von Amtswegen veran­laßt worden. Obwohl diese noch nicht zum Ab­schluß gelangt sind, darf doch jetzt schon als fest­stehend angesehen werden, daß jener versagenden Verfügung der Regierung in Köslin politische Erwägungen nicht zu Grunde liegen, daß sie vielmehr aus anderen, in der Sache liegenden Gründen erfolgt ist.

Zu« Weinsteuer. DieDeutsche Weinztg.* bringt erneut die Notiz, daß man sich ernstlich mit dem Gedanken trage, eine Reichsweinsteue, einzuführen und fordert dazu auf, allseitig Stel­lung zu nehmen. DieDeutsche Tagesztg." schreibt hierzu: Wir können nur nach unseren Informationen nochmals feststellen, daß die Ein­führung einet Weinsteuer nicht in Aussicht ge­nommen ist. Der Pferdefuß bei dieser Mittet- lung schaut aber auch zu deutlich heraus. Die Mainzer Weinzeitung will die Winzer bange machen, daß eine Aenderung der Weingesetzge- bung eine Steuer im Gefolge haben müsse. Da», durch will sie die Winzer zu einem Proteste ge«' gen die Aenderung des Weingesetzes anstacheln. Demgegenüber ist mit Entschiedenheit zu 6e«, tonen, daß dies nur Mittel zum Zweck ist uni» daß, wie wir wiederholen, an eine Sßeinfteuei im Reichsschatzamt nicht gedacht wird.

Arbeiterbewegung. Das Ergebnis bei Streiks und Aussperrungen des Jahres 1907. welches das Reichsarbeitsblatt und noch aus­führlicher der 195. Band der Statistik des Deut­schen Reiches mitteilen, ist: Die Anzahl bei Streiks und Aussperrungen hat sich gegenüber dem Vorjahr zwar verringert, doch hat ihre Ausdehnung zugenommen. Wie im Vorjahre steht unter den Gewerbegruppen das Bauge­werbe wieder an der Spitze der Bewegung. Von den Aussperrungen hatten nut 15 (6,1 Proz.f keinen Erfolg, von den Streiks dagegen warell 963 (42,5 Qroz.) erfolglos und nut 373 (16,9 Proz.) hatten einen vollen Erfolg. Von de» 2266 Streiks waren 2146 Angriff-, 120 Abwehr­streiks. Die Erfahrungen des laufenden Jahres mit feiner absteigenden Konjunktur läßt beit Erfolg" bet vorjährigen Streiks in noch um günstigerem Lichte für bie Arbeiter erscheinen; sie sollten eine ernste Mahnung für sie sein, nicht sofort jebe Besserung der Konjunktur durch leichtsinnige Streiks in das Gegenteil zu vev^ kehren. ;

Tag zu Tag mehr, welch tiefer Abgrund zwischen ihnen lag, sie konnte ihn nicht überbrücken uni wollte es auch nicht, zitternd und scheu zog fit sich in sich selbst zurück, so oft er sich ihr nahte. In Güstow hoffte sie mehr Befriedigung jq finden, sie wollte sich ihre Hausfrauenpflichten angelegen fein lasten, vielleicht war eine geords nete, geregelte Tätigkeit ein Mittel, die Leer« in ihrem Herzen auszufüllen, und sie hofft^ auch Ruhe und Frieden zu finden, wenn sil sehen würde, daß ihr Opfer nicht umsonst ge­bracht. Schon in den Briefen, die sie von ihrem Vater empfangen hatte, lag ein freierer, frische­rer Ton, es schien wirklich, als seien die Sorgen wieder gewichen und die schweren Wolken vor­übergezogen, die so unheildrohend über Berg­witz gehangen. ;

Gleich am Tage nach ihrer Heimkehr ritt Bodo zur Stadt, und Else, die ihre Equipage mit den Juckern wieder in Güstow vorgefunden; hatte, fuhr nach Bergwitz. Oben auf der Treppe, fast an derselben Stelle, wo sie vor Wochen Abschied genommen hatte, sank sie in die Arme ihres Vaters. Er drückte sie fest und innig an sich, aber beide vermieden es, sich in die Augen zu sehen, bann gingen fie in bas Wohnzimmer, wo Frau von Clären bet Nichte freudig entgegeneilte; ein zierlicher Kaffettsch

erwartete fie, da man von ihrer Ankunft be­nachrichtigt worden war, und zum erstenmal seit ihrer Heimkehr flog ein warmes Lächeln über das Geficht der jungen Frau, als sie wieder, wie sonst, die Spiritusflamme unter bet silber­nen Maschine entzündet« und ihrem Vater bie Kaffeetasse kredenzte. Die Augen des Freiherr« ruhten mit Entzücken auf bet schönen Tochter, und in der Tat, fie war wunderbar schön geroor* den. Die stolzen, regelmäßigen Züge hatte,' etwas Sanftes bekommen, eine leichte Bläfft» !