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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

nn» »en Keil-gen:literarischer Anzeiger",landwirtschaftlich« Keilage" nndIllnSrierte« S-nntagslilatt".

M 183

Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessische ' t u n g" bei allen Postämtern und »nsern Zeitungsstellen in chhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21. Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsftellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Donnerstag. 6. August 1908.

Die Jnsertionsgrbiihr beträgt für dir 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Berlaa: Joh. Aug. Koch, Universitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 66.

43. Jahrg.

Bestellungen

Mr die Monate August und September aus die

»Oberhessische Zeitung- nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition 'Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch, 'hain,-Remstädt und Wetter, sowie von !«llen Postanstalten und Landbriesträgern ent- gegengenommcr..

Zeppelins Fernfahrt.

' Ueber die gestrige Fernfahrt des Grafen 'Zeppelin liegen folgende Meldungen vor:

Mannheim, 4. Aug. (W. B.) DieNeue Bad. Landeszeitung" erhielt eine Karte aus dem Luftschiff des Inhalts:Aus der Höhe über Mannheim. Die Fahrt verläuft gut. Richtung Mainz, gez. Graf Zeppelin." Der Ballon nahm seine Richtung dem Rhein entlang nach Worms.

Worms, 4. Aug. (W. B.) Der Ballon des Grafen Zeppelin kam um 2 Uhr 45 Minuten hier in Sicht und fuhr den Rhein entlang bis zur St. Ludwigsbrücke und fchwentte dann in der Richtung nach dem Dom ab. Der Ballon führte über der Stadt verschiedene Evolutionen aus. Die Glocken der Kirchen läuten und die Hauser und Kirchtürme sind reich geschmückt. Am Rhein hate das 118. Regiment Aufstellung ge­nommen und brachte dem Grafen Zeppelin eine ' Ovation dar.. Der Ballon nimmt die Richtung nach Mainz.

Darmstadt, 4. Aug. Der Ballon des Grafen Zeppelin wurde um 4y2 Uhr westlich von Darmstadt gesichtet. Er schwebte gleichmäßig über die Rheinebene. Er entschwebte lange sichtbar in der Richtung nach Mainz.

Laubenheim, 4. Aug. Der Ballon des Grafen Zeppelin wurde am Nackenheimer Be'g gesehen, verschwand jedoch sofort wieder. Aus Nierstein wird gemeldet: Soeben hat sich der Ballon des Grafen Zeppelin auf die fliegende Schiffbrücke im Rhein gesenkt. Ob ein Defekt vorliegt, oder ein Manöver, ist noch nicht fest- gestellt.

M a i n z, 4. Aug. DasMainzer 1 rgbtatt" meldet: Graf Zeppelin ist um 5 Uhr 15 Minuten nachmittags in Oppenheim niedergegangen. Das Gouvernement Mainz beorderte Pioniere dort­hin. In Mainz warteten an den Rheinufern Zehntausende auf die Ankunft des Ballons. Augenblicklich ist alles auf dem Wege nach Oppenheim.

Mainz, 4. Aug. Wie demMainzer An­zeiger" aus Oppenheim gemeldet wird, erfolgte vie Landung des Zeppelinschen Luftschiffes gegen « Uhr mitten auf dem Rheinstrome infolge eines Motordefektes. Die Ausbefferung wird bis heute Nacht beendet fein, sodaß die Weiter- fahrl morgen früh stattsinden dürfte.

N i e r st e i n 4. Aug. Der Ballon zeigte sich gegen 4 Uhr bei Lörzweiler in Rheinhessen, wo er verschiedene Drehungen ausführte. Er verschwand dann wieder nach der Rheinpfalz zu,

11 tNachdruck vcrboien.j.

Else Hohenbach.

M Original-Novelle von E. Wald, AM M" * (Fortsetzung.) .-ML

5. Kapitel.

So waren sechs Wochen vergangen! In die­sen Wochen hatte die Sonne wolkenlos vom Himmel herab geschienen und die Frucht auf dem Lande teils vorzeitig gereift, teils versengt, so die Hoffnung des Landwirts auf eine nur halb­wegs günstige Ernte erbarmungslos vernichtend. Die Wiesen waren ausgebrannt, die Landschaft sah grau und verstaubt aus. Tiefe Risse klafften 1,1 der steinharten Erde, alles lechzte nach Regen und Erfrischung; immer düsterer wurden die Blicke, die der Landman gen Himmel richtete. De: Freiherr von Hohenbach ist in den wenigen Wochen grau und alt geworden, er macht jetzt kein Hehl, daß schwere Sorgen an ihm nagen, Wu; im Familienkreise spricht er fast kein Wort mehr.

Rudolf ist längst abgereist, aber beinahe täg­lich kommen Briefe von ihm an den Freiherrn »nd oft auch an Else. Die lustige Else ist sehr verändert, ihre blühende Wange ist bleich und ihr elastischer Gang müde und schleppend ge­worden. Sie macht keinen Wettlauf mit Pluto letzi und das kluge Tier sieht oft verwundert auf die Herrin, die kein fröhliches Scherzwort mehr für ihn hat. Sie reitet aber stundenlang aus und oft wird der schmale Waldweg eingeschlagen, den sie damals Seite an Seite mit dem jungen Dragoner zurückgelegt, da kommt es denn vor, daß Sussy den Weg allein gehen muß, denn die junge Reiterin hat die Zügel sinken taffen und

tauchte eine Stunde später in ganz langsamer Fahrt wieder auf und fuhr gegen Oppenheim, wo er ebenfalls mehrere Luftmanöver ausführte und sich dann hart am Ufer, am sogenannten Kornsand (einer kleinen Einbuchtung am Rhein, gegenüber vonOppenheim) senkte. Graf Zeppelin und seine wenige Begleitmannschaft haben die Brote nicht verlassen, nachdem die Landung überraschend glücklich vollzogen war. Die Ur­sache des Niederganges war, daß das Gas aus­gegangen war; es wurden sofort von dem etwa 8 Stunden entfernten Mainz Gaszufuhren be­stellt, da die umliegenden Ortschaften alle nur elektrische Beleuchtung haben. Graf Zeppelin hofft, noch heute in der Nacht die Easfüllung zu vollenden und wieder aufsteigen zu können. Aus Mainz gehen fortgesetzt Sonderzüge nach Nierstein und Oppenheim, die Tausende hierher bringen.

Darmstadt, 5. Aug. Sofort nach dem Bekanntwerden der Landung des Grafen Zep­pelin bei Nierstein sandte der Minister des In­nern dem Grasen Zeppelin ein Begrüßungstele- gramm, in dem er seiner Freude darüber Aus­druck gab, daß die Landung auf hessischem Boden erfolgt sei. ,

Ueber die Ankunft des Zeppelinschen Luft­schiffes in Straßburg schreibt die dortigeBür- gerzeitung":

Das große Ereignisheute ward es zur Tat. Der schlechte Witz, der die Panne des Zeppelin­schen Luftschiffes am 14. Juli, dem Tage der beabsichtigten 24 Stundenfahrt begleitete, ver­kriecht sich in ein Mauseloch und Straßburg steht im Zeichen der Erregung über das langersehnte Ereignis, der Ankunft Zeppelins, der Luftgondel am Münsterturm. Die Begrüßung Zeppelins vom Münster aus gehört zu den einzig dastehen­den Ehrungen. Nach den Vorbereitungen sollte ein grandioser Flaggengruß vom Münster aus das sichtbare Zeichen der Ehrung des berühmten Erfinders bilden. Insgesamt wurden 500 Fah­nen in dasMünster geschafft und aus seine einzel­nen Partien verteilt, um im Augenblick der Schiffsankunft aufwärts zu flattern. Im strah­lenden Scheine der Augustsonne bereitet der An­blick des Münsters, das sich zu einem nie ge­sehenen festlichen Aussehen herausgeputzt hat, cir erhebendes Gefühl. Wo eine freie Sicht in­mitten des Straßengewirrs sich bietet, staut sich trotz des Werktages die Schar der Pasianten und blickt stumm verwundert zum Dom hinauf. Die Plattform des Münsters ist nach der Südostseite dicht besetzt. Um %12 Uhr Böller vom Schiff des Münsters und ein Pulsschlag der Bewegung macht das Straßenleben erzittern. Das bedeutet die Annäherung Zeppelins in Straßburg. Wie ein weißes Wölkchen zieht er am Horizonte auf und erscheint und verschwindet dem Auge durch die Bewegungen seiner Manöver, die er in monumentaler Ruhe und Sicherheit unbeküm­mert um die fieberhafte Erregung der Erwar­tenden ausführt. Es ist ein grandioser Augen­blick für den Zuschauer, das leise Erklingen einer neuen Zeit tönt an unser Ohr. So mußte unseren Vätern vor hundert und zweihundert Jahren zu Mute gewesen sein, wenn sie vor die Eisenbahn oder die Dampfmaschine gestellt worden wären.

beide Arme um den Hals des Tieres geschlungen und weint heiße bittere Tranen, die den klaren Ar:gen bisher so fremd waren.

Auch heute kehrt sie wieder nach dem Ritt nach Hause zurück, sie ist wie alle Tage bei den Ställen abgestiegen und hat gewartet, bis Sussy trocken abgerieben und in Decken gehüllt wieder behaglich in ihrer Box steht und geht nun lang­sam dem Schloß zu. Gerade, wie sie aus dem Hofraum tritt, fährt drüben eine Equipage zum Tor hinaus und Else erkennt die prächtigen Rappen Kammlers. Die lange Schleppe über den Arm geschlagen, tritt sie durch eine Seiten« tüi ins Schloß und will gerade die Treppe hin­aufgehen, als der Freiherr aus seinem Zimmer tritt.

O Elschen, Da bist Du ja zurück," ruft er ihr zu,bitte Kind, komme doch auf einen Au­genblick zu mir herein."

Sie drehte sofort um und folgte ihm; der Vater nimmt sie liebevoll bei der Hand und zieht sie tiefer ins Zimmer hinein. Else glaubt in seinen Zügen eine ungewöhnliche Bewegung zu bemerken, sie sieht aber auch bei dem Strahl der glühenden Nachmittagssonne, die hinter ihm durch die hohen Fenster funkelt, wie schreckhaft alt und verfallen er jetzt ist und das Herz zieht sich ihr zusammen.

Der Freiherr hat sich mit dem Rücken gegen seinen Schreibtisch gelehnt, er hält noch immer die Hand seiner Tochter, nun zieht er sie leicht an sich und streicht mit der leicht zitternden Rechten zärtlich über den blonden Scheitel.

Meine Else, mein Eoldftnd! Ich habe eine sehr wichtige Botschaft, eine Frage, eine Bitte an Dich!"

Else sieht mit großen, leeren Augen an ihrem

Um 12 Uhr erneute Böllerschüsie. Aus allen Dächern, Dachfenstern usw. recken sich Hälse der Neugierigen, die teilweise halsbrecherische ge­fährliche Standpunkte erklommen haben. 12 Uhr 7 Minuten. Böllerschüsie bringen den Seglern der Lüfte erneut Salutgrüße. Das Luftschiff ist in unmittelbarer Nähe, steigt auf und nieder, als wollte es hinabhören, was die Straßburger zu seiner Ankunft sagen und macht begeifterungs- fähige Herzen warm. 12 Uhr 10 Minuten. Das Münster erhebt den wimmernden Klang seiner Sturmglocke. Ein frenetischer Jubel und Bei­fall ertönt von den Straßen. Einen Augenblick will einem das Herz stille stehen in Anbetung des einzigen wunderbaren Anblicks. 12 Uhr 12 Minuten. Mit Personenzugsgeschwindigkeit fährt der Ballon über die Stadt hinweg. Man sieht die Schraube und hört die Motore sausen. Die Personen im Schiffe grüßen herab und wer­fen Postkarten aus. Vom Münster ertönt die Weise der Husarenkapelle. Ueber das alte Schloß hinweg entschwindet das Schiff den Blicken nach Norden. Es hat Straßburg im Fluge gestreift. Ein Augenblick von überwälti­gender Große.

Ein Dank des Grafen Zeppeli«.

Graf Zeppelin versendet folgendes Dank­schreiben: Die Schweizerfahrt meines Luftfchifses hat den bangen Zweifeln, ob es der gegenwär­tigen Zeit beschießen sei, die alte Sehnsucht der Menschheit nach dem zielsicheren Durchqueren des Luftraumes zu erfüllen, ein Ende gemacht. Der Jubel darüber hat einen gewaltigen Strom von Glückwünschen und den herrlichsten Kund­gebungen sich über mich, als das von Gott be­gnadete Werkezeug zur Losung des Problems, ergießen lassen, der am mächtigsten anschwoll, als ich inzwischen die siebzigste Wiederkehr mei­nes Geburtstages erleben durfte. Tief ergriffen durch das überwältigende Maß von gütiger An­erkennung und ehrender Auszeichnung, habe ich es unternommen, dem Ausdruck meines innigsten Tankes durch allmähliche Kenntnisnahme des Inhalts der Telegramme, Briefe und Pakete, so­wie des Namens ihrer Absender eine möglichst persönliche Beziehung zu geben. Es war ein un­durchführbares Beginnen; trotz meiner und einer verstärkten Veamtenzahl angestrengtester Arbeit wachsen die Hunderte der aus Tausenden für meine persönliche Beantwortung ausgesuchten Schriftstücke, anstatt abzunehmen, jetzt noch täg­lich an. Die ordentliche Weitersührung des Luftschiffunternehmens erheischt, daß wir diesem wider unsere ganze Arbeitskraft zuwenden. Ich sehe mich deshalb zu meinem größten Bedauern genötigt, alle diejenigen, welchen ein unmittel­barer Dankesausdruck oder auf geschäftliche Zu­schriften eine Antwort bisher nicht zugegangen ist, zu bitten, darauf im Jnteresie des ferneren Gedeihens der Sache, welcher sie ihre gütige Teilnahme schenken, verzichten zu wollen. Fried­richshafen, 1. August 1908. Graf Zeppelin.

v Deilkjches Reich.

Das dentfche Kaiferpaar in Stockholm.

Stockholm, 4. Aug. Der Kaiser und die Kaiserin

Vater vorbei zum Fenster hinaus, sie weiß ge­nau, was jetzt kommt, sie hat es längst geahnt, längst erwartet, nun hat sie das Gefühl, als müsse sie weit, weit weg fliehen, um dieser Frage zu entgehen, denn sie weiß auch, daß es nur eine Antwort darauf gibt und sie mit dieser ihr gan­zes Lebensglück begraben wird.

Vor zehn Minuten hat mich der alte Baron Kcmmler verlasien, (Elfe, der Zweck feines heuti­gen Besuches war der für seinen Sohn um Deine Hand anzuhalten. Du wirst blaß, Else, habe ich Dich erschreckt? Siehe, ich verlange jetzt keine entscheidende Antwort von Dir, Du bist noch sehr jung und ich weiß nicht, nach wel­cher Seite die Illusionen Deines Herzens liegen. Bodo Kammler liebt Dich, er ist in brillanten Verhältnisien, Güstow ist ein fürstlicher Besitz und Du bleibst in meiner Nähe, und Else, ich will es Dir nicht verhehlen, Du erfüllst damit einen Wunsch Deines Vaters, denke aber nicht, mein Kind, daß ich irgend einen Einfluß auf Dich ausüben will, frage Dein Herz, ob Du ja sagen kannst." Er küßte sie zärtlich auf die Stirn.Gehe jetzt und überlege es Dir."

Else zieht stumm seine Hand an ihre Lippen, sie zwingt sich zu einem freundlichen Lächeln, weil sie des Vaters Auge mit banger Frage auf sich ruhen sieht, dann verläßt sie ruhig und auf­recht das Zimmer und geht die Treppe hinauf in ihr kleines Boudoir. Auf ihrem Schreibtisch liegt ein Brief, sie erkennt sofort ihres Bruders Handschrift, sie weiß schon ungefähr den Inhalt, ehe sie ihn gelesen:

Else, nfeine liebe, kleine Else," schreibt Ru­dolf,ist es denn so schwer, eine Entscheidung zu treffen, einen guten, hübschen Burschen glück-, lich zu mache« und Papa zu rettest, so lange es

empfingen heute vormittag 10 Uhr im könig« lichen Schloß den deutschen Hilfsverein, di« deutsche Gesellschaft, den Kirchenvorstand der deutschen St. Gertrud-Gemeinde und die hier anwesenden Mitglieder des Deutschen Flotte»« Vereins. Die Kaiserin empfing darauf die Aller« höchstderselben aitachierte Gräfin Eyldenstolpe, den Grafen v. Rosen, sowie die Frau Reuters« vard geb. v. Unger-Sternberg. Um 10 Uhr be­suchten der Kaiser und der König die Kaserne der königlichen Leibgarde zu Pferde und die Artilleriekaserne. Die Kaiserin und die Königin statteten gleichzeitig einen Besuch in der Ridder» holmkyrken und darauf im Sofichemmet ab. Um 12y2 Uhr fand Frühstückstafel bei dem Herzog und der Herzogin von Vestergeetland statt. Der Kaiser verlieh dem Generalleutnant Var­berg den Kronenorden 1. Klaffe und verehrte dem Oberjägermeister A.ikarcrena und dem schwedischen Gesandten in Berlin, Grafen Taube, Allerhöchst seine Büste. Der Kaiser und der König fuhren etwas vor 11 Uhr mit Gefolge in Automobilen zum Uebungsplatz der Leibgarde zu Pferde. Im Hofe der Regimentskaserne war eine Eskadron in Feldausrüstung und eine Parade-Eskadron aufgestellt. Nachdem die Ma­jestäten die Truppen inspiziert hatten, und nach­dem die Parade-Eskadron vorbeidefiliert war, besichtigten der Kaiser und der König die Ka­serne und die Ställe unter der Führung des Obersten Grafen Oxenstierne. Nach dem Besuch in der Kaserne fand in der Reitbahn des Regi­ments eine Vorführung im Springen und an­deren llebungen statt. Prinz Karl war wäh­rend des Besuches anwesend. Der Kaiser drückte bei seinem Fortgänge dem Chef des Regiments feine Zufriedenheit aus. Der Besuch währte ca. eine Stunde. Darauf begaben sich die Maje­stäten zum Museum, das mit sichtlichem Inter­esse in Augenschein genommen wurde. Bei seinem Fortgang dankte der Kaiser dem Chef des Museums, Major von Feilitzen, der den Kaiser und den König umhergeführt hatte. Die Mit­glieder der schwedischen Königsfamilie und das deutsche Kaiserpaar unternahmen um 3 Uhr eine Spazierfahrt auf dem Maelar-See mit dem DampferTeffin". An der Tour nahmen außer dem Gefolge noch der Minister des Aeußern, der erste Hofmarschall, der deutsche 'Gesandte, Graf Pückler und andere teil. Die Tour dauerte ca. zwei Stunden. An Bord wurde der Tee serviert. Staatssekretär v. Schoen zog sich auf der Reiss eine Erkältung zu, ist aber nach zweitägiger Bettruhe wieder fieberfrei und hofft, morgen wieder aufstehen zu können.

Nachruf für Herrn von Lucanus. Berlin, 4. August. DerReichsanzeiger" veröffentlicht einen Nachruf für Lucanus, in dem es heißt: Dem Heimgegangenen ist es vergönnt gewesen, durch lange Jahre, bis die letzte Krankheit ihn zur Ruhe zwang, feine Dienste dem Vaterlande und feinem Königlichen Herrn zu widmen. Ein Leben, reich an Ehren und Erfolgen, ein rei­cheres aber noch an selblosefter Arbeit ist abge-

noch Zeit ist? Du hast auf meine letzten zwei Briefe noch gar nicht geantwortet, ich kann es Dir heut nicht ersparen, wenn Du schlimm« Nachrichten hörst, Papa ist verloren, eine Hypo­thek von 100 000 Mark ist ihm gekündigt, und es ist ihm nicht möglich, das Geld irgendwo auf« zutreiben, eine gute (Ernte hätte ihn vielleicht retten können, aber dieser Sommer ruiniert ihn vollends und selbst ein allenfalsiger Verkauf wäre noch keine Sicherheit für die Zukunft und denke Dir, was es für unseren stolzen Va­ter wäre, wenn er Bergwitz in fremde Hönde übergehen lassen müßte; Else, noch eins muß ich Dir sagen, was ich bisher selbst dem Vater verschwieg, daß ich Schulden habe, weißt Du, wo* das ist? Die Frist ist abgelaufen, werden sic nicht eingelöst, so gibt es für mich nur einen Weg, die Kugel, denn Papa kann sie nicht einlösen und nicht ich allein, ein anderer, ein Freund von mir fällt mit, und dieser andere ist Viktor von Mahlberg. Du weißt nun alles und hast das Schicksal Deiner Familie und noch eines Dritten in der Hand, handle wie es Dein Herz Dir eingibt, auf jeden Fall aber gib eine Nachricht, denn Bodo drängt in feinem letzten Briefe auf Entscheidung. Noch einmal, was kannst Du gegen ihn einwenden, Du wirst ihn lieben lernen, er bietet Dir eine glänzende Zu­kunft und Dein unschuldig Kinderherz kann doch noch an keinem andern hängen, aber selbst, wenn dies wäre, eine törichte Liebesheirat, di« in enger Mietswohnung unter den taufend Na­delstichen kleinlich bedruckter Verhältnisse endet, würde auch Dich, Du Stolze, auf die Dauer nicht beglücken. Wird Bodo mein Schwager, so springt er sofort «in und alles ist sofort geordnet."

(Fortsetzung folgt.)