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AechM Jeilmg mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und dru BrUaqe«: ^Literarischer X trist w. ..LaNdWirtschaktüche Beilage" undJUnstriertes Konntagsblatt".

Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessische ' "*/ jaa Bettung*1 bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in

JXll KirchhainundWetteriowie bei unserer Expedition Markt 21. Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Sonntag 2. August 1908.

Die Jnsertionsgebühr beträgt für di« 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversitätSbuchdruckerei Inhaber Dr. L. H ttzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

43. Jahrg.

Zweites Blatt.

» SääSS.-'' ~

Reile- und Sailon-AdomleMents.

Zur Bequemlichkeit des reisenden Pub­likums sowohl, als derjenigen Zeitungsleser, die in Kurorten und Sommerfrischen kürzeren »der längeren Aufenthalt nehmen, haben wir

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Verlag derOberhess. Ztg.*

Die Fleischversorgung Deutschlands.

In letzter Zeit werden von einigen Seiten wieder die Fleischversorgungs-Verhältnisse Deutschlands als unzureichend bezeichnet. Daß diese Behauptung nicht zutrifft, ist bereits re­gierungsseitig bei der Verhandlung einer Ein­gabe der Stadt Dresden wegen Oeffnung der Grenzen für die Einfuhr von Vieh und Fleisch in der Petitionskommission des Reichstages zahlenmäßig nachgewiesen. Danach waren die Fleischmengen der bei der Fleischbeschau als ge­schlachtet ermittelten Rinder, Kälber, Schweine, Schafe und Ziegen vom Jahre 1905 zum Jahre 1907 um 8,84 Proz. und vom Jahre 1906 zum Jahre 1907 um 10,91 Proz. gestiegen. Da sich die Bevölkerung zurzeit jährlich um annähernd 1,5 Proz. vermehrt, so hat die Steigerung der für die Ernährung zur Verfügung stehenden Fleisch­mengen die Vevölkerungszunahme in den beiden letzten Jahren um das Vielfache übertroffen. Run könnte man hiergegen einwenden, daß diese Steigerung deswegen nicht beweiskräftig sei, weil das Jahr 1906 hohe Fleischpreise und stark verminderte Schlachtungen aufgewiesen habe und auch das Jahr 1905 nicht als normal anzu­sehen sei. Deswegen soll auch das Jahr 1904 herangezogen werden. In diesem Jahre standen bekanntlich die Vieh- und Fleischpreise außer­ordentlich niedrig. Sie waren insbesondere für Schweine so gering, daß sich die Schweinemast für die Landwirte nicht mehr lohnte. Das An­gebot von Schlachtvieh war ferner in jenem Jahre so stark, wie niemals zuvor. Man wird .sich erinnern, daß das Jahr 1904 unter dem Zeichen einer ungünstigen Futterernte stand und

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<N-ichdruck verboten.)

Else Hohenbach.

Original-Novelle von E. Wald. Tf

(Fortsetzung.) t"

2. Kapitel.

Am andern Nachmittag reitet Else in lang­samstem Tempo durch den Wald, sie hat einen Auftrag ihres Vaters an den Pächter des Ne- -engutes ausgerichtet und kehrt nun nach Hause zurück. Es ist ein ungewöhnlich heißer Tag, hier aber fanden die sengenden Sonnenstrahlen keinen Eingang, es ist köstlich kühl und frisch unter den hohen Bäumen, nur hier und da Huscht ein Sonnenstrahl durch das Blättergewirr und zaubert goldige Lichtreflexe über Rotz und Reiterin. Das junge Mädchen lehnt bequem im Sattel, die Zügel hängen Sussy lose über den glänzenden Hals, Else steht träumerisch vor sich hin und in gravitätisch gemessenen Schritten folgt Pluto der jungen Herrin. Da steht sie bei einer Biegung des Weges plötzlich einen zweiten Reiter vor sich. Der weich« Waldboden hat di« Hufschläge des Pferdes unhörbar gemacht. Sussy spitzt aufmerksam die Ohren, st« liebt e» nicht, wenn ein anderes Pferd vor ihr hertrabt. Else richtet sich wieder stramm empor und zieht die Zügel an, dabet fliegt ein Freudenstrahl über die schönen Züge; fie hat im Moment die blaue Dragoneruniform erkannt und weiß nun auch, wer es ist und welches Ziel er verfolgt.

Ahnt der Reiter da vorn ihre Nähe? Er «endet sich im Sattel und bleibt dann sein Pferd an die Seite drängend, stehen so ihr Nüherkommen erwartend. Das hübsche offen« Männergesicht spiegelt unverkennbar die Freuds die er empfindet. Wie Else ankommt, hält auch unwillkürlich ihre Sussy an; die zwei Augen­paars treffen sich und dringen tief ineinander.

daß infolgedessen die Landwirte zu einer weit­gehenden Abstotzung von Vieh gezwungen waren. Diese wirtschaftlichen Verhältnisse machten sich besonders im letzten Vierteljahr 1904 geltend. Nun ist man in der Lage, auf derselben Berech­nungsgrundlage, wie sie bei der Jahresstatistik für 1905 bis 1907 angewendet wurde, die Fleischmengen zu ermitteln und mit einander zu vergleichen, die in den letzten Vierteljahren von 1904 bis 1907 zur Verfügung standen. Diese Ermittelung ergibt in runden Zahlen: für das

4. Quartal 1904: 617 Millionen Klg., für das

4. Quartal 1905: 552 Millionen Klg., für das

4. Quartal 1906: 581 Millionen Klg., für das

4. Quartal 1907: 670 Millionen Klg. Also Stei­gerung im Jahre 1907 gegen 1906 um 15 Proz., gegen 1905 um 21 Proz., 1904 um 8,- Proz. Man steht also, daß das letzte Vierteljahr 1907 die Einbuße der Jahre 1905 und 1906 nicht nur wett gemacht hat, sondern noch eine Steigerung um 8,5 Proz. aufweist, die die Bevölkerungszu­nahme seit 1904 etwa um das Doppelte über­trifft, obwohl wie gesagt, das letzte Vierteljahr 1904 seit langem nicht mehr dagewesene günstige Fleischversorgungsverhältnisse gebracht hatte. Angesichts dieser Zahlen wird nicht geleugnet werben, können, daß Anträge auf Erleichterun­gen bei der Schlachtvieh- und Fleischeinfuhr gegenwärtig unter keinen Umständen durch Schwierigkeiten auf dem Gebiete der Fleisch­versorgung gerechtfertigt werden können.

Arbeitnehmerorqanisationen.

Das statistische Jahrbuch für das deutsche Reich, dessen 29. Jahrgang jetzt vorliegt, hat seinen internationalen Teil u. a. durch eine Uebersicht über die Zahl der im Jahre 1906 ge­werkschaftlich Organisierten erweitert. Nach die­sen Zahlen stünde Deutschland an der Spitze mit 2,2 Millionen gewerkschaftlich Organisierter, darunter 6,35 Proz. Frauen. Es folgt England mi. 2,1 Millionen (7,12 Proz. Frauen) und die Vereinigten Staaten von Nordamerika mit .1.97 Millionen Arbeitern. In weiteren Stufen abwärts reihen sich dann Frankreich, Italien, Oesterreich, Rußland, Schweden, Spanien ufw. an. Interessant sind an dieser Tabelle die Mit­teilungen über die gewerkschaftlichen Organisati­onen in der Landwirtschaft. Sie fehlen in Deutschland, Großbritannien, den Vereinigten Staaten von Amerika und Frankreich; ihr Hauptsitz ist Italien, von dessen 642 046 Gewerk­schaftlern 279 513 (43,53 Proz.) in der Land­wirtschaft tätig sind. Die Gründe für diese aus­gedehnten Organisationen find einmal in dem starken Ueberwiegen des ganz großen Landbe­sitzes in wenigen Händen und des damit ver­bundenen Verwaltersystems zu suchen, zum an­dern aber in dem starken Sachsengängertum der italienischen Landarbeiter. Nicht nur daß sie in großen Kolonnen unter bestimmten Führern zur Erntezeit in die umliegenden europäischen Staa­ten gehen, nein fast alljährlich fahren auch große Trupps von Arbeiterfamilien über See zur Ernte nach Argentinien und Chile, die ebenso

Dann reicht der junge Offizier stumm die Hand zum Gruß und erglühend legt Else ihre kleine Rechte hinein; sie finden beide keine Worte, aber eine Welt von Gedanken und Empfindun­gen liegt in dem stummen Gruß.

Pluto scheint aber die Begrüßung zu lange zu dauern, et springt ungeduldig umher und. läßt ein kurzes Vellen hören.

Still, still, Pluto; der Herr ist doch kein Feind, vor dem Du mich schützen mußt!"

Sie hatte ihre frische Unbefangenheit wieder­gewonnen und blickt« lächelnd zu dem jungen Dragoner empor.

So ist der prächtige Kerl dort Ihr Beglei­ter und Beschützer?" fragte Herr von Mahlberg, während fie die Pferde langsam wieder in Gang setzten.

Ja, er folgt mir auf Schritt und Tritt und ist sicherer und klüger wie ein Mensch."

Welch' unerwartete Freude, Sie heute hier zu treffen, gnädigstes Fraulein. Einmal war Fortuna mir schon unhold; ich traf in Bergwitz niemanden zu Hause."

Ja, Papa hat sehr bedauert!"

Was mir sehr schmeichelhaft ist; noch mehr freute es mich jedoch, zu hören, daß auch jemand anders es bedauert hat!"

Tante Leontine?" frägt Elf« und blinzelt schelmisch zu ihm empor.

Eoldelse!" sagt er rasch, sich tief zu ihr herabbeugend.

Sie antwortete nicht nur eine hohe Röt« färbte das süß« Gesichtchen 6t» unter di« blonden Löckchen, die sich über der weißen Stint kräuseln.

»War ich zu dreist? Zürne« Sie mttF »Ich o nehtr

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regelmäßig wieder nach Italien zurückkehren. Diese Erntearbeiter beteiligen sich so jährlich an zwei Ernten, einmal an der italienischen, zum anderen an der südamerikanischen, die auf die in Italien stille Zeit für den Landarbeiter fällt. Die großen Schiffahrtsgesellschaften haben für diesen Dienst eigene Schiffe mit besonderen Vorrichtungen eingestellt. In den übrigen Län­dern spielen die Organisationen in der Land­wirtschaft kaum eine Rolle, nur die beiden Länder mit ähnlichen Bedingungen wie Italien hoben Anfänge dazu aufzuweisen, Ungarn ist mit 24 000 Organisierten und Spanien mit 22 744 genannt. Schweden stellt 7847, Dänemark 1072. Oesterreich nur 2652 und Ungarn 200, von den übrigen Ländern wird nichts berichtet, ein Beweis, daß die landwirtschaftliche Produktion sich mit der gewerkschaftlichen Verfassung ihrer Arbeiter und deren Kampfmitteln wie den Streik durchaus nicht verträgt und daß eben Ausnahmeoerhältnisse oder starke Verhetzungen vorliegen müssen, um die Arbeiter zu solchen Gründungen zu veranlassen.

in der stillen Hoffnung, meine holde Reise­gefährtin wiederzusehen?"

Sie konnten doch aber nicht wissen, daß ich hier diesen Weg rette?

Vielleicht hat eine gütige Fee es mir ver­raten!"

»So lassen Sie sich von dieser Fee weiter führen und kommen Sie mit nach Bergwitz!"

Else gibt ihrer Sussy einen leichten Schlag und in schlankem Trabe geht es Seite an Seite dem Schlosse zu, das jetzt drüben hinter den Bäumen sichtbar wird. Else sitzt tadellos zu Pferde und Mahlbergs Augen ruhen in heißer Bewunderung auf feiner Begleiterin.

Frau von Klaren blickt sehr verwundert von ihrem Buche auf, sie sitzt lesend auf der Ter­rasse, wie sie ihre Nichte, mit dem Offizier zur Seite, in den Schloßhof sprengen sieht, nach er­folgter Vorstellung wird der East jedoch auf bas Liebenswürdigste begrüßt. Gleich darauf kommt auch Herr von Hohenbach: Else zieht sich kurze Zeit zurück und vertauscht ihr Reitkleid mit einer weißen, duftigen Toilette, die Herren tauchen und schlürfen kühlen Rheinwein, und die Damen nehmen ihre Handarbeiten vor.

Wenn Else von ihrer Stickerei auffieht, blickt fie jedesmal in Mühlbergs dunkle Augen, die voll und zärtlich auf ihr ruhen, dann klopft das junge Herz in stürmisch raschen Schlägen und Purpurglut fliegt übet das süße Gesicht. Der alte Freiherr ist fteundlich und liebenswürdig gegen den Freund seines Sohnes, in heiterem Geplauder vergeht der Nachmittag und erst lange nach dem Diner reitet der junge Offizier nach Hause. Herr von Hohenbach und Else gehen Mit hinab, wie et sich verabschiedet, fein Gold­fuchs war früher in Rudolfs Besitz und so will Else gern dem Tier den schlanken Hals klopfen. Wie der junge Mann sich zum letzten Mal vor M verbeugt«, fällt di« dunkelrote Rose, di«

v Deutsches Reich.

Di« 350 Jahrfeier der Universität Jena. Jena, 31. Juli. Den zweiten Teil des heutigen offiziellen Programms bildete ein Festakt im Volkshause. Um %12 Uhr erschienen unter Fanfarenklängen und Vorantritt der Pedelle, der Prorektor und die Dekane in Amtstracht im Saal; ihnen folgten die Rektoren der Univer­sität von Halle und Leipzig, ferner die Pro­fessoren und die übrigen Hochschullehrer, an die sich die Chargierten der akademischen Verbind­ungen mit ihren Fahnen anschlosseu. Um 12 Uhr erschienen die Fürstlichkeiten, die an dem Festgottesdienst teilgenommen hatten. Nach der einleitenden Sonate, geblasen von einem Doppelbläserquartett, hielt Professor Dr. Del­brück die Festrede, in der er der bedeutendsten Männer der Jenaer Universität gedachte. Den Schluß dieser Feier bildete eine Reihe Ehren­promotionen seitens der vier Fakultäten. Zu Ehrendoktoren wurden u. a. ernannt: von bet theologischen Fakultät: Exzellenz Staatsministet v. Borries-Altenburg; Ezellenz Dr. Heinrich Eggeling. Kurator bet Universität Jena; Jos. Estling-Carpenter, Professor am Manchester- kolleg ber Unitarier in Oxforb; Professor Dr. Ebuarb Kievers-Leipzig; von ber philosophischen Fakultät: Dr. Allver Eullstanb in Upsala; Pro­fessor Max Reger, Universitätsmusikbirektor in Leipzig; Professor Dr. Theobor Fischer in Stutt­gart; von ber juristischen Fakultät: ber englische Botschafter in Washington, früher Professor in Oxforb, Staatssekretär bes Auswärtigen Amts und Präsident bes Hanbelsamtes, James Bryce; der frühere preußische Hanbelsminister v. Ber­lepsch; Joh. Dierauer. Bibliothekar bet Stabt- bibliothek in St. Gallen: von der medizinischen Fakultät: Professor Overson in Lund; Professor Dr. Bütschly in Heidelberg; Geheimer Oberbau- rat Professor Dr. Baumeister-Karlsruhe und

Sir William Ramsay, Dr. jur. und phil., Pro­fessor bet Chemie in Lonbon.

Ci« Unfall in der deutschen Marine. Kiel, 31. Juli. Das TotpedoveisuchsschiffWürttem­berg", das in bet vergangenen Nacht in bet Höhe von Habernis in bet Eeltingetbucht auf feinfanbigem Boden aufgelaufen war. ist heute Nachmittag unter Assistenz des Linienschiffes Schwaben" und mehrerer Torpedoboote wieder flott geworden; es hat keine wahrnehmbare Be­schädigung erlitten.

Späte Sühn«. Köln, 31. Juli. Wie ein Berliner Telrgramm derKölnischen Zeitung" von heute meldet, hat der vielbesprochene Fall des Deutschen Herrmann, ber vor zwei Jahren von einem Polizisten in Guatemala erschossen würbe, jetzt feine Sühne gefunden. Durch ein .Urteil ber ersten Instanz war ber Polizeisoldat Manuel Cacao zu 10 Jahren Zuchthaus verur­teilt worden, doch hatte derEerichtshof geglaubt, ihm alle möglichen mildernden Umstände an­rechnen zu sollen, ja ihm sogar die Wahl stelle« zu sollen zwischen der Freiheitsstrafe und einer unerheblichen Geldbuße, obgleich nach dem herr­schenden Recht eine Umwandlung von Freiheits­strafe in Geldstrafe bei einer Bestrafung in bee ersten fünf Jahren nicht zulässig ist. Gegen die­ses Urteil wurde Berufung eingelegt und om 9. Juni fällte das Berufungsgericht das Urteil* daß Manuel Cacao unter Ausschluß mildernder Umstände und Verweigerung der Umwandlung in eine Geldstrafe wegen Totschlags mit zehn Jahren Zuchthaus zu bestrafen sei, der höchsten Strafe, auf die in Guatemala wegen Totschlag» erkannt werden kann. Die Kaiserliche Gesandt­schaft hat alles in ihren Kräften Stehende getan, um das Gerichtsverfahren zu beschleunigen.

600000 junge Preußen jährlich.

Ein günstigeres Zeugnis für das Gesund­heitswesen eines Staates als eine stetige Stei­gerung der Geburtenziffer bei gleichzeitiger Ab­nahme der Sterbeziffer ist wohl kaum denkbar. Preußen hat dieses Zeugnis sich erworben, wie aus dem Jahresbericht für 1906 der Medizinal­abteilung des preußischen Kultusministerium» hervorgeht, der für dieses eine Bevölkerungszu­nahme um fast 600 000 feststellt, eine Zahl, die bisher noch nicht erreicht worden ist. Besonder» bezeichnend für die anhaltende Besserung nicht nut bet hygienischen, fonbern auch vor allem ber sozialen Verhältnisse im größten deutschen Ein- zelsiaate ist die starke Verminderung bet Säug­lingssterblichkeit unb bis fast ununterbrochen« Abnahme bet Todesfälle an Tuberkulose, diesem modernen Würgeengel in unserem Volke. Wäh^ rend im Jahre 1890 noch 28,35 Sterbefälle an Tuberkulose auf 10 000 Lebende zu verzeichne« waren, ist diese Zahl im Jahre 1906 auf 17,29 gefallen, denn trotz des rapiden Anwachsens ber Bevölkerung sinb 1890 noch 84 086 Sterbefälle an Tuberkulose zu verzeichnen unb 1906 nur noch 64 459. Kein Wunder, wenn daher die allge­meine Sterblichkeitsziffer von 19,76 auf 1006 Lebende i. I. 1890 auf 18,04 i. I. 1906 herunter-

sie im Gürtel getragen, vor seine Füße, er bückt sich schnell, drückt die Blume rasch und unbemerkt an die Lippen und birgt sie in ber Brusttasche, sodann springt er in den Sattel. Ein Lächeln, ein Gruß mit ber Reitgerte unb int Galopp sprengt er aus bent Schloßhofe.

Else hängt sich zärtlich an ben Arm ihr«» Vaters unb brückt ihr glühenbes Gesichtchen gegen feine Schulter.

Nun, Töchterchen, wie gefällt Dir eigentlich Rubis Freunb?" frägt bet alte Herr mit einem läckelnden Seitenblick in ihre erregten Züge.

O Papa, gut, erroieberte fie unbefangen unb lebhaft.Aber wie kommt es nur, baß Ru­dolf uns nie von ihm erzählt oder geschrieben?"

Hält er Dich sonst au fait über seine Be­kanntschaften?"

Nun, so ziemlich, ich war ja stets stotz darauf, seine Vertraute zu sein," lachte Else fröhlich, dann gibt fie ihrem Vater einet; Kuß und springt die Treppe hinauf nach ihrem Zim­mer. Oben steht fie, beide Hände an die Brust gedrückt, noch lange am Fenster unb blickt in ben mondbeschienenen blütenduftigen Garten hinaus. Auf leisen Schwingen zieht ein un­nennbares Elücksgefühl in ihr junges Herz und erfüllt süßschmeichelnd und lind ihre Seele, ein leiser Wind trägt betäubende Rosendüfte zu ihr herauf tief hinten im Gebüsch schlägt und jauchzt eine Nachtigall in lang gedehnten schmelzenden Tönen. Eine weiche träumerische Stimmung überkommt das junge Mädchen, fie lehnt ben Kopf an bas Fensterkreuz unb schließt bte Augen. Immer unb immer wieder sieht fie die treuen duyklen Männetaugen vor sich, die heut so tief in die ihren geblickt, unb hört seine weiche, bieg­same Stimme ihren Namen flüstern, wie heute int Walde;Eoldelse". ;

(Fortsetzung folgt.)